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Sonntag, 4. Juli 2021

Tag 7 - Workum-Enkhuizen: Es geht los!

 
Heute ist es endlich so weit: wir fahren los! Wie angesagt ist der Wind schwach und kommt aus der Richtung in die wir wollen, also bleiben die Segel unten und die Maschine muss arbeiten. Trotzdem ist es sehr schön, wieder auf dem Wasser zu sein! Wir nehmen Abschied von Workum, wo die Triton seit 2012 einige Jahre im Winterlager verbracht hat. Wenn alles so läuft wie geplant, werden wir erst einmal nicht mehr hierher zurück kommen.

Unser Schiff hat ca. 1,80 m Tiefgang, beladen kann das noch etwas mehr sein. Das IJsselmeer ist insgesamt flach, nur etwas 2 - 4 m tief und in der Einfahrt nach Workum ist die Tiefe teilweise noch geringer. Ralf geht unter Deck, um seinen Liebling, den Motor, anzuschauen und zu prüfen und ich übernehme das Ruder. Eigentlich ist es sinnvoll, in der Mitte der Fahrrinne zu fahren, weil es da am tiefsten ist, dies ist jedoch bei Gegenverkehr nicht immer möglich... Ich schaue auf das Echolot (Tiefenanzeiger) und wundere mich über angeblich 4,4 m, als wir plötzlich relativ sanft gebremst werden! Ich lege gleich den Rückwärtsgang ein, Ralf kommt hoch und wir kommen schnell wieder frei. Der Boden ist hier weicher Mudder und so ist nichts Schlimmes passiert, aber schon ärgerlich, dass ich gerade für wenige Minuten am Ruder war... Die grüne Linie zeigt unsere Fahrtstrecke an.
Die weitere Fahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Wir essen an Bord zu Mittag und spülen auch gleich ab. Es ist Wochenende und so sind viele Schiffe unterwegs, darunter auch einige Traditionssegler - immer ein schöner Anblick!
Am frühen Nachmittag kommen wir in Enkhuizen an und legen uns in den Gemeindehafen ins Päckchen (d.h. mehrere Boote liegen nebeneinander am Steg). Schnell haben wir auch noch einen weiteren Nachbarn. Die Triton ist das Boot mit dem kurzen Mast und dem blauen Streifen.
Wir waren schon öfter hier und so wissen wir, dass es kein Problem ist, eine Tasse Kaffee und ein Eis zu finden.
Wir laufen noch eine kleine Runde durch den hübschen Ort und ich bin begeistert, dass mein Fuß das mitmacht. Leider wird der Himmel - wie vorhergesagt - immer grauer...
Gerade rechtzeitig vor einem Regenschauer sind wir wieder auf dem Boot. Wir machen Pläne für unsere nächste Station Amsterdam, wo wir einige Tage verbringen wollen und ich gebe schon den Kurs ein und suche die Seekarten heraus.

Sonntag, 27. September 2020

Tag 50 - Terschelling-Makkum: Grau in Grau

Netterweise ist das Hochwasser in Terschelling um kurz nach Zwölf, und so können wir entspannt starten.  Wie angeküngigt hat es heute nacht wieder Starkwind gegeben, aber jetzt ist kaum ein Lüftchen zu spüren.
Wir ziehen trotzdem die Segel hoch und beginnen die langsame und gewundere Fahrt durch das Wattenmeer. Heute ist Sonntag und es sind jede Menge Boote unterwegs, wie wir mit unserem AIS sehen können.
Wir sehen wieder eineige Plattbodenschiffe,  die wahrscheinlich Wochenend-Ausflüge machen. Schön, dass diese traditionellen Boote hier noch so aktiv gesegelt werden.
Wir kommen nur langsam voran und dann beginnt es auch noch, leicht zu regnen.
Auf unserem Plotter bekommen wir immer die ETA, die voraussichtliche Ankunftszeit, angezeigt und es wird immer später. Wir entscheiden uns dann, die Fock zu bergen und mit Maschinenhilfe weiter zu fahren.
Das verbessert die Situation und wir sitzen entspannt im Cockpit. Ralf liest Quizzfragen vor, wir trinken Kaffee - so lässt es ich aushalten. Wir überlegen kurz, in Harlingen anzulegen, entscheiden uns aber dann doch für Makkum. Nun bergen wir auch noch das Großsegel, das die ganze Zeit mitgeholfen hat.
Wir müssen durch die Schleuse Kornwerderzand zurück ins IJsselmeer. Vor uns fährt wieder ein Traditionsschiff. Da wir wissen, dass diese  bei Schleusen und vor allem Brücken bevorzugt behandelt werden, geben wir Gas und bleiben dicht im Kielwasser.
Die Taktik macht sich bezahlt, denn wir kommen ohne Wartezeiten durch die Brücke und in die Schleuse. Nun sind es nur noch zwei Seemeilen bis zum Hafen und wir komen noch im Tageslicht an. Man merkt, dass es Herbst wird, denn es ist schon früh dunkel. Zum Abschluss des Tages gönnen wir uns noch eine erstaunlich gute Pizza beim Italiener direkt am Hafen.

Dienstag, 18. August 2020

Tag 10 - Workum-Harlingen: Endlich unterwegs!

Wir wollen erst am Nachmittag los und so schlafen wir aus und gehen dann noch ein letztes Mal in den Ort. Ralf bekommt Gummistiefel und ich einen Fjällräven Rucksack - das gleiche Modell, dass ich schon vor über 30 Jahren in Finnland gekauft habe, allerdings jetzt aus recycelten Flaschen. Wir stärken uns noch in einen Bäcker-Metzger-Käse-Laden...
...und nehmen dann Abschied vom schönen Workum. Vor lauter arbeiten sind wir noch immer nicht dazu gekommen, die Museen zu besuchen...
Seit fast einem Jahr sind wir das erste Mal wieder auf dem Wasser und verlieren erst mal einen Ankerball (gerettet) und einen Hut (untergegangen). Draußen ist es recht windig mit einer unangenehmen, kurzen Welle und es sind jede Menge Kite-Surfer unterwegs. 
Wir rollen nur die Fock aus und sind schnell bei Kornwerderzand in der Schleuse aus dem IJsselmeer in die Nordsee.
Hinter Schleuse und Brücke legen wir an und machen eine Kaffeepause. Für die Fahrt nach Harlingen durchs Fahrwasser und über Flachstellen ist es besser zu warten, bis genügend Wasser da ist und die Flut mitschiebt. 
Erst um 19:00 Uhr geht es weiter und wir genießen eine wunderbare Fahrt mit goldenem Abendlicht bis nach Harlingen. Dort müssen wir nur kurz vor der Brücke warten und wir bekommen noch einen guten Liegeplätze im Noorderhaven. Zum Abschluss gibt es dann noch köstliche Bolognese von Skipper Ralf 

Mittwoch, 28. August 2019

Tag 113 - Andijk-Workum: Wir haben es geschafft!

Am 4. Juli 2017 sind wir mit Sack und Pack in Workum angekommen und haben die TRITON für unsere geplante Reise ausgerüstet. Heute sind wir wieder gut gelandet - es fühlt sich noch ganz unwirklich an, dass wir es wirklich geschafft haben und alle heil und gesund wieder hier sind! Der letzte Segeltag verlief ganz undramatisch. Leider half selbst das Fernglas nix bei der Suche nach etwas stärkerem Wind.
Also blieb uns nur, das Beste aus der Situation zu machen, und einfach wieder die Füße hochzulegen, während das Boot im Navigations-Modus die Kurslinie abfährt.
Kurz vor dem Ziel beginnen wir dann schon, die Segel abzuschlagen und für das Winterlager zusammenzulegen.
Im Kanal nach Workum hinein wird dann auch noch das Groß heruntergenommen. Wir sind sehr zufrieden mit den Segeln der Firma Hyde, die wir für die Reise neu gekauft hatten und die auch nach fast 14.000 sm noch hervorragend aussehen.
Und dann sehen wir wieder unseren vertrauten Hafen - schön! Morgen werden wir dann Putzen und Packen - alles muss raus... Paul hat nicht nur das Auto, sondern auch den Anhänger mitgebracht. Ralf macht noch den Ölwechsel, solange der Motor noch warm ist.
Es ist ganz eigenartig, wenn so ein Lebenstraum sich erfüllt hat. Eine größere Segelreise ist ein Thema, dass schon seit Teenager-Zeiten in unseren Köpfen herumspukte... Daheim haben wir mehrere Regalmeter Bücher über Weltumsegelungen und andere Abenteuer per Boot. Und nun haben wir einige der Orte gesehen, von denen wir in diesen Büchern gelesen haben... Ich bin froh und dankbar, dass wir uns so gut verstanden haben, dass es keine Probleme mit dem Boot gab, dass alles wie geplant geklappt hat und dass wir so viele Mensche und Länder kennenlernen durften! Ich kann nur jeden ermutigen, auf eine längere Reise zu gehen - es erweitert in verschiedener Weise den Horizon - es muss ja nicht unbedingt mit dem Boot sein...

Dienstag, 27. August 2019

Tag 112 - Enkuizen-Andijk: Die Entdeckung der Langsamkeit

Unser "Innenlieger" will um 10:00 Uhr auslaufen und so fahren wir in eine freigewordene Box. Wir bleiben noch etwas hier: 1. weil wir auf den Nachmittagswind hoffen und 2. weil wir noch einkaufen wollen. Gut ausgerüstet machen wir uns gegen Mittag auf den Weg und nehmen Abschied von Enkhuizen - dabei können wir den Drommedaren jetzt auch bei Tag in voller Schönheit sehen.
Heute sieht es allerdings mit dem Wind noch schlechter aus als gestern und daher beschließen wir, nur ein kleines Stück um die Ecke nach Andijk zu fahren. Wir setzen trotzdem Segel, spannen das Sonnendach auf, legen die Füße hoch und treiben ganz langsam durch das IJsselmeer.
Die Segel haben auch den Vorteil, dass dadurch Schattenplätze an Deck entstehen, auf denen es sich gut entspannen lässt...
Wir sind nicht die einzigen, die es bei fast ganz glattem Wasser mit Segeln versuchen und wir schaffen es tatsächlich, die 8 sm bis nach Andijk in knapp fünf Stunden zurückzulegen.
Auch heute benötigen wir wieder keinen Motor zum Ankern und kaum liegen wir fest, sind wir auch schon alle im Wasser - sehr erfrischend. Wir lassen unsere nassen Sachen an der Reling trocknen und essen Kartoffeln mit Quark zum Abendessen.
Damit wollte ich eigentlich das Blog beenden, aber schon gestern hatte nachts ein Gewitter gegeben und wir liegen extra in der Nähe eines Hafens, damit wir im Zweifelsfall dort einlaufen können. Am Horizont beginnt es zu wetterleuchten und ich spreche das Thema an - vielleicht ist es besser, mit dem letzten Licht noch nach Andijk zu fahren. Die Entscheidung wird uns erleichtert, als ein Boot der hollandischen Küstenwacht kommt und uns vor möglichen Unwettern warnt.
Nun liegen wir also gut festgebunden im Hafen und können einem eventuellen Gewitter gelassen entgegen sehen. Morgen ist schon unser letzten Segeltag für den Schlag über das IJsselmeer nach Workum!

Montag, 26. August 2019

Tag 111 - Hoorn-Enkhuizen: Die letzte Schleuse

Wir beginnen den Tag wieder mit einem Sprung ins angenehm kühle Wasser. Besonders nett ist, dass es sich sogar um Süßwasser handelt. Danach gibt es gemütliches Frühstück, während wir warten, dass sich der thermische Wind entwickelt. Am frühen Nachmittag ist es dann soweit, wir ziehen einfach am Ankerplatz die Segel hoch und fahren los.
Danach können wir uns dann entspannen und die ruhige Fahrt genießen. Wir haben glattes Wasser und die TRITON gleitet einfach dahin. Hier gibt es keine Tide, keinen Strömungen und nur ein paar flache Stellen und Segler, auf die wir aufpassen müssen.
Wir denken zunächst, dass wir kreuzen müssen, aber erfeulicherweise dreht der Wind immer weiter und wir kommen in einem Bogen immer näher zu unserem Ziel (siehe grüne Linie).
Schließlich benötigen wir nur eine Wende, um die Schleuse vor Enkhuizen zu erreichen. Wir fahren jetzt aus dem Markermeer (Meer=See) ins IJsselmeer - unsere letzte Schleuse für diese Saison.
Mit Enkhuizen verbinden wir viele Erinnerungen. Hier waren wir schon 2011 mit der Dyas von Medemblick aus, als wir dort Regatta gesegelt haben: Klick und 2012 um den ältesten Sohn abzusetzen: Klick, Wir fahren in den Buitenhaven, wo wir im Päckhen neben einem klassischen holländischen Schiff festmachen. Die Eigner sind Holländer, die in Australien leben und im Sommer einige Zeit hier verbringen. Wir beschließen, unser durch Ankern erspartes Liegegeld für das Abendessen heute zu verwenden und laufen um den hübschen Hafen in das nette Städtchen.
Es ist ein warme Abend und wir sitzen wunderschön draußen mit Blick auf das "Drommedaris" das früher als Wehrtor den Eingang des Hafens beschützte. Das essen ist thailändisch und teuer aber lecker und zum Abschluss gibt es auch noch ein Eis. Wieder ein sehr schöner Tag!