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Mittwoch, 1. August 2018

Zusammenfassung: Juli 2018

Statistik
Seemeilen: 416
Motorstunden: 39
Segeltage: 17
Nächte auf See: 1
Liegetage: 14
Liegeplätze: 16
Maryland: Baltimore Canton (A), Worton Creek (A), Groove Point (A), Chesapeake City (A)
Delaware: Delaware City
New Jersey: Cape May (A), Atlantic Highlands (A)
New York: New York, Port Washington M) , Fishers Island (A)
Connecticut: Sheffield Island (A), Bridgeport, New Haven (A), Stonigton (M)
Rhode Island: Block Island (A), Newport (M)
                                                      
Segeln und Wetter
Wir hatten überwiegend Sonne und leichten Wind. Abends oder nachts manchmal eine (Gewitter)Front, die dann Wind und Regen brachte. Ansonsten nur einen Regentag in New York und einige wenige Tage mit bedecktem Himmel. Sehr angenehm ist, dass das Wasser wesentlich kühler geworden ist, nachdem wir die Chesapeake Bay verlassen haben. Dadurch kühlt auch das Schiff unter Deck besser ab.

Das letzte Stück Chesapeake Bay, durch den Kanal und den Delaware hinunter sind wir überwiegend motort. Den Sprung nach New York und durch den Long Island Sound konnten wir recht gut segeln. Wir haben unsere Ziele auch nach günstiger Windrichtung ausgesucht. Bis auf die Woche in New York haben wir nur wenige Marinas besucht und meist vor Anker oder an einer Mooring gelegen.

Boot und Ausrüstung
Alle Komponenten der neuen elektrischen Selbststeueranlage sind mittlerweile eingebaut und soweit angeschlossen. Wir haben uns auch entschieden, den Kartenplotter gleich mit auszutauschen. Nun müssen wir noch alle Geräte miteinander verbinden und verschiedene Einstellungen vornehmen.
Auch der Außenborder hat wieder Probleme gemacht, aber da Ralf einen von Paul mitgebrachten neuen Vergaser eingebaut hat, läuft er jetzt wieder einwandfrei.

Verpflegung/Versorgung
Wir besuchen die gut sortierten Supermärkte per Fahrrad oder mit Uber und sind dadurch sehr gut versorgt. Seitdem wir herausgefunden haben, dass Quark durch Skyr oder griechischen Yoghurt ersetzt werden kann, steht auch wieder Kräuterquart mit Kartoffeln auf dem Speiseplan.
In den meisten von uns besuchten Restaurants werden Sandwiches, Burger und Pizza angeboten. Mit Pizza kann man nicht viel falsch machen. In Jersey City haben wir sehr gut chinesisch/thailändisch gegessen und in New York haben wir uns öfter etwas aus dem Deli geholt und dann auf einer Bank gegessen.

Crew
In diesem Monat wurde die Crew durch Leonie und Paul verstärkt. Wir haben eine sehr schöne und ausgefüllte Woche in New York verbracht und sind dann noch einige Tage zusammen gesegelt. Stimmung und Verpflegung waren sehr gut und wir hatten eine prima Zeit zusammen.

Sightseeing
Auf dem letzten Stück der Cheaspeake Bay, dem Kanal und dem Delaware gab es viel Natur und wenig zu besichtigen. In Cape May, einem beliebten Badeort, haben wir einen netten Fahrradausflug zu einem Leuchtturm unternommen.

Das absolute Highlight war natürlich New York, das natürlich eine unendliche Auswahl an Sehenswürdigkeiten bietet. Wir hatten einen City Pass und haben uns ausgesucht: Empire State Building, Rockefeller Center, 9/11 Memorial und Museum, MoMA, Museum of Natural History, Statue of Liberty und Ellis Island (mit Museum). Außerdem waren wir im Central Park, am Times Square, zum Konzert im Bryant Park, in Chinatown, Little Italy, in Ellen’s Stardust Diner mit singenden Kellner und wir haben eine Fahrradtour nach Brooklyn gemacht.

Im Long Island Sound haben wir Mystic Seaport besucht, das größte maritime Museum der USA, mit einer kompletten Holzboot-Werft, einem Museumsdorf und zahlreichen historischen Booten, die auch wirklich benutzt werden – toll!

Begegnungen
Immer wieder treffen wir nette andere Segler, so werden wir in Atlantic Highlands von Gwen und Chis von der DAWALI angesprochen, mit denen wir uns sehr verstehen. Überraschend treffen wir in Port Washington Fung und Charles von der WILDERNESS wieder, die wir zuletzt in Lissabon gesehen hatten. Und und New York hatten wir die Freude mit Enrico Mittag zu essen – er arbeitet im Financial District direkt neben unserem Fähranleger und wir hatten uns seit 2012 nicht gesehen.

Fazit
In diesem Monat sind wir von Maryland über Delaware, New Jersey, New York und Connecticut bis nach Rhode Island gesegelt. Es war eine sehr abwechslungsreiche Strecke: von kleinen Ankerbuchten durch einen Kanal und einen Fluss hinunter in einen typischen Badeort. Dann – nach wochenlanger Fahrt in Binnenrevieren und Kanälen – wieder hinaus auf den Atlantik und dort eine (schöne) Nachtfahrt.

Von einem verschlafenen Ort in New Jersey ging an der Freiheitsstatue vorbei in die Metropole New York. Die Einfahrt nach New York war für mich ein absoluter Gänsehaut-Moment und wirklich die Erfüllung eines Traums! Und dann natürlich New York selbst mit seinen fantastischen Angeboten! Eine besondere Freude war es, dass Leonie und Paul mit von der Partie waren. Unvergesslich auch die Fahrt durch den East River an ganz Manhattan vorbei und durch Hell Gate in den Long Island Sound.

Nur wenige Meilen von New York entfernt und in Sichtweite der Skyline war es dann wieder ruhig und friedlich im Long Island Sound. Ein schönes Segelrevier mit Inseln, Buchten und relativ einsamen Ankerplätzen und dann wieder sehr touristisch und voll in Mystic und auf Block Island. Insgesamt wunderschön und sehr sehenswert – wir sind froh, dass wir uns für diesen Strecke entschieden haben.

Montag, 30. Juli 2018

Tag 391 - Stonington-Block Island: Endlich andere Segler

Wieder bestimmen die Tidenströme unseren Zeitplan und wir legen unsere Abfahrt so, dass wir gut aus Stonington heraus und gut in die geschützte Bucht auf der kleinen Insel Block Island hinein können. Wir haben leichten Wind, der aber über den Tag zunimmt und uns einen schönen Segeltag bei wenig Welle ermöglicht. Heute sehen wir zahlreiche Segler und Motorboote, wahrscheinlich, weil unsere Theorie mit dem Wochenende stimmt.
Hier gibt es öfter Nebel und so geben viele Seezeichen Töne von sich. Auf unserem letzen Liegeplatz war ständig in der Ferne eine „Heulboje“ zu hören. Die Ansteuerungstonne von Block Island ist eine Glockentonne, hier gut zu erkennen.
Das Fahrwasser führt ganz eng am Badestrand entlang und wir können, im tiefen Kanal fahrend“, den nur wenige Meter am Ufer entfernt Badenden zuwinken.
Auch unser Ankerplatz ist ziemlich tief, rund 10 m und das bedeutet, dass wir 50 m Ankerkette herauslassen. Der Tidenhub ist hier glücklicherweise nur 80 cm. Morgen wollen wir in Ruhe die Insel erkunden, aber heute bleiben wir an Bord und lesen. Ich habe die New York Times im Abo (nur 1 Dollar pro Woche) und dort auf der Bestseller-Liste war kürzlich ein Buch, das auf Martha’s Vinyard und Nantucket spielt, zwei Inseln hier in der Nähe, die wir auch besuchen wollen. Es liest sich bishier recht unterhaltsam mit einigem Lokalkolorit.
Früher war es Seglerbrauch, zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang die Nationalflagge herunterzuholen. Wir – und wie wier beobachten auch andere Segler – sind da aber ziemlich nachlässig geworden. Hier in der Bucht machen wir das aber pünktlich um 20:00 Uhr, nachdem ein Kanonenschuss von Land her zu hören ist.

Sonntag, 29. Juli 2018

Tag 390 - Stonington: Noch einmal ins Museum

Mit unseren Karten können wir an zwei aufeinander folgenden Tagen ins Museum in Mystic und so machen wir uns wieder mit Uber auf den Weg. Diesmal gehen wir zuerst in den „Working Boatyard“. Hier sind die absoluten Holzboot-Bau-Experten am Werk. Von der Auswahl der Bäume über das Zuschneiden der Stämme bis zum Bauen kompletter Boote kann hier alles erledigt werden. So gibt es verschiedene Spezialsägen, mit denen im Moment ca. drei Bäume pro Tag zugeschnitten werden.
In einer großen Halle steht eine riesige Drehbank, z.B. für die Masten. Auf dem Gelände der Werft gibt es außerdem noch eine Lackiererei und eine Werkstatt für Metallverarbeitung. Alle Boote des Museums werden hier gewartet und repariert. Wir treffen Thomas, der uns erzählt, dass das Museum zahlreiche Boote gespendet bekommt. Die ehemaligen Eigner können das dann von der Steuer absetzten und seine Aufgabe ist es, die Boote wieder zu restaurieren und dann zu verkaufen.
Im Moment arbeitet die Werft an einem Großprojekt. Im Jahr 1620 waren die „Pilgrim Fathers“, eine Gruppe von Puritanern, mit dem Schiff MAYFLOWER in New England gelandet (obwohl sie eigentlich nach Virginia wollten). Nach einem Winter in Cape Cod gründeten sie eine Siedlung in, die sie dann originellerweise Plymouth nannten, genau wie die Stadt, von der aus sie in England gestartet waren. Nach dem 2. Weltkrieg schenkten die Engländer den Amerikaner aus Dankbarkeit für deren Hilfe einen Nachbau der MAYFLOWER und segelten diese von Plymouth, Devon nach Plymouth, MA.
Für das Jubiläum im Jahr 2020 wird die MAYFLOWER II jetzt hier in Mystic Seaport aufwendig restauriert. Nur etwas 25 % des Schiffes bleiben Original, alles andere wird ausgetauscht. Die Baustelle ist in einer großen Halle, und die Werft hofft, die Arbeiten bis Ende 2019 geschafft zu haben. Vieles wird mit Original-Werkzeugen erledigt und in der Ausstellungshalle gibt es beeidruckende Filme über die handwerklichen Fähigkeiten der Schiffsbauer.
An diesem Wochenende ist außerdem ein Treffen von klassischen Booten, die alle über die Toppen geflaggt im Hafen liegen (siehe oben). Neben den Segelbooten sind auch verschiedene Motorboote gekommen, alle top gepflegt und wunderschön.
Zu unserer Überraschung sind auch noch andere Oldtimer nach Mystic gekommen, denn das Museum ist das Ziel einer Ausfahrt von sogenannten „Woodies“, Autos, bei denen ein Teil der Karosserie aus Holz gefertigt ist. Es gibt sogar einen kleinen Wohnwagen.
Gestern sind wir nicht dazu gekommen, alle Handwerksbetriebe zu besichtigen und so gehen wir heute noch zum Rigger, zum Segelmacher und – besonders interessant – zur Seilflechterei. Leider ist hier kein Handwerker, den wir fragen können, aber auch hier sieht alles so aus, als würde es regelmäßig benutzt. Aus dünnen Schnüren werden immer dickere Seile hergestellt bis das Tauwerk schließlich fertig ist.
Wir haben noch Gelegenheit, an einer Vorführung in der Druckerei teilzunehmen. Bei Ralfs Erfahrungen mit dem Linoldruck für Weihnachten hat er natürlich keine Probleme, die Druckerpresse zu betätigen.
Im Nachbau des Leuchtturms lernen wir, dass die USA das Land mit den meisten Leuchttürmen der Welt ist und wir haben Gelegenheit, das Dampfschiff SABINO auch noch einmal von außen zu sehen.
Als letzt Tat gehen wir dann auf die CHARLES W. MORGAN, die über 80 Jahre lang als Walfänger unterwegs war und insgesamt 37 Fahrten unternahm. Sie war zum Teil mehrere Jahre lang unterwegs, weil sie zur Jagd bis in den Pazifik fuhr.
Weil wir sowieso per Uber unterwegs sind, lassen wir uns auf dem Rückweg am Supermarkt absetzten und fahren dann wieder per Uber fast bis ans Dinghy Dock – wirklich praktisch. Die einige Herausforderung ist es, alles, was gekühlt werden muss in unserem „Kühl-Loch“ zu verstauen.

Samstag, 28. Juli 2018

Tag 389 - Stonington: Mystic Seaport Museum

Ralf liest seit vielen Jahren die amerikanische Zeitschrift „WoodenBoat“. Jährlich findet die WoodenBoat-Show in Mystic Seaport statt. Leider haben wir es nicht zur Show (im Juni) geschafft, aber wir wollen natürlich heute in das entsprechende Museum gehen. Museum ist eigentlich das falsche Wort, denn es ist ein ganzes Museumsdorf mit einer Werft und es gibt außerdem zahlreiche historische Boote, die besichtigt und sogar benutzt werden können.
Im Dorf sind Gebäude aus dem 19. Jahrhundert aus ganz Neu England wieder aufgebaut worden. Außerdem gibt es verschiedene Ausstellungsgebäude. Großzügige Spender haben das Museum finanziell unterstützt und so ist alles vom Feinsten und in hervorragendem Zustand.
In den Gebäuden sind dann alle Arten von maritimen Handwerkern und Händler zu finden, die erforderlich waren, um Boote zu bauen, zu reparieren, auszurüsten und zu fahren. Wir schaffen es nur in wenige Gebäude, z. B. zur Werft für kleine Boote, zum Schiffsausrüster und zum Schmied.
Besonders schön finde ich, dass hier – im Gegensatz zum Musem – die Ausstellungsstücke im richtigen Zusammenhang gezeigt werden. Im Geschäft für nautische Instrumente gibt es Kompasse, Schiffs-Chronometer und Sextanten, beim Schiffsausrüster Laternen, Eimer, Blöcke und das berühmte Walker-Schlepplog und beim Schmied sind die Hämmer auch wirklich im Einsatz.
Irgendwie sind wir im lezten Jahr nicht genug gesegelt, jedenfalls mieten wir uns ein historisches Segelboot, eine „Beetle Cat“. Es ist 3,76 m lang und 1,80 m breit, also fast ein Verhältnis von 2:1 und hat nur ein Segel mit einem Gaffelrigg. Wir haben es erst nur für eine halbe Stunde gemietet, aber es macht so viel Spaß, dass wir dann auf eine Stunde verlängern.
Ralf mag Äpfel, Nutella und Dampfmaschinen und daher ist klar, dass wir als nächstes mit dem historischen Dampfschiff „SABINO“ fahren müssen. Gebaut 1908 wurde es als Passagierfähre eingesetzt. Es gibt keine Maschinentelegraphen, sonder die Verständigung zwischen Brücke und Maschinenraum erfolgt über eine Glocke, die Vorwärts- und Rückwärtsfahrt anzeigt.
Wir fahren vor dem Museums-Gelände entlang und haben einen guten Blick auf die verschiedenen Schiffe und den Leuchtturm, der in keinem Seefahrtsmuseum hier fehlen darf. Von Land aus haben wir beobachtet, wie hier alles für einen Hochzeitsgesellschaft vorbereitet wird – eine schöne „Location“!
Außerdem können wir den Bootsschuppen und unsere Beetle Cat (namens Skip’s Star) noch einmal sehen.
Wir schaffen es gerade noch, eine weitere Werkstatt zu besichtigen, die Küferei. Das Tolle hier ist, dass die Gebäude tatsächlich benutzt werden und wir dem Handwerker beim Arbeiten zusehen und Fragen stellen können. Wir erfahren, dass entsprechend geschnitzte Holzstücke in Ringe der richtigen Größe eingepasst werden. Der Küfer kennt sogar den deuschen Namen für seine spezielle Werkbank: Schnitzelbank oder Schnitzbank. 
Als letzten Programmpunkt haben wir uns noch den Vortrag „Summer Stars an the Mariner“ im Planetarium ausgesucht. Wir sehen verschiedene Planeten und lernen, Sternbilder zu finden. Den Vortrag hält ein junger Mann, der seine Sache sehr gut macht. Er stellt Fragen an das Publikum und zeigt die Konstellationen mit einem Laserpointer. Wir fragen nach und es stellt sich heraus, dass es ein 15jähriger Freiwilliger ist – Respekt!
Nun geht es mit „Uber“ wieder zurück zu unserer Marina. Dort bestellen wir einen Tisch im hochgelobten „Dog Watch Café“. Nach 45 Minuten bekommen wir ein SMS, dass wir jetzt kommen können und essen Linguine mit Shrips und Knoblauch (ich) bzw. Pizza mit Pilzen, Zwiebeln und Peperoni-Wurst (Ralf) – wirklich gut!

Freitag, 27. Juli 2018

Tag 388 - Fishers Island-Stonington: Kurze Fahrt und hübsche Stadt

Ich habe es gestern nicht geschrieben, um unsere Eltern nicht zu beunruhigen, aber ich war noch nie an einem Ort, an dem so viel Wind vorhergesagt war. Für die Nacht waren es teilweise 30 Knoten Wind mit Böen bis zu 50 Knoten. Aber Vorhersagen sind ja bekanntlich schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen und so hatten wir in der zwar reichlich Wind und Regen aber nicht in er angekündigten Stärke. Wir lagen an einem geschützten Platz und ich habe im letzten Jahr sehr viel Zutrauen in unseren Anker bekommen.
Fishers Island liegt im Bundesstaat New York (siehe unten), aber jetzt wollen wir wieder an die Nordküste und damit nach Connecticut. Unser Ziel ist eigentlich Mystic Seaport und dort das maritime Museum, aber eine kurze Recherche ergibt, dass ein Liegeplatz dort für 22 Stunden (nicht vor 13:00 Uhr kommen und spätestens um 11:00 gehen) satte 180 Dollar kostet. Wir weichen also nach Stonignton aus, wo es eine Mooring für „nur“ 55 Dollar gibt. Es ist nur eine kurze Fahrt (6 sm) bei glattem Wasser und nach und nach verschwinden die Wolken und der Himmel wird blau.
Wir greifen unsere Mooring, sehr komfortabel mit „Antennen“ an den Leinen, die man vom Bug aus gut erreichen kann, und machen dann unser Beiboot für einen Landausflug klar. Wir laufen ins sehr gut bewertete Café „Social“, die selbst Kaffee rösten und sehr professionelle Maschinen am Start haben, aber Ralf findet den Cappuccino zu bitter.
Dafür ist der Ort um so schöner. Jede Menge bunte Holzhäuser und nette kleine Geschäfte, alles makellos sauber und liebevoll dekoriert. Mich stören nur die dicken Stromkabel, die überall von hohen Holzmasten hängen.
Es gibt einen kurzen Weg am Ufer entlang, wo noch ein Yachtclub ist. Auch hier alles sehr gepflegt mit Häusern, die einen tiefen finanziellen Frieden ausstrahlen…
Am Ende des Weges ist ein Aussichtspunkt und von hier aus können wir drei Bundesstaaten sehen. Stonington ist der östlichste Hafen von Connecticut, neben uns liegt Rhode Island und vor uns New York in Form von Fishers Island.
Ich erfreue mich an den zahlreichen Gärten und Beeten mit Blumen und Blüten in allen Farben, sogar Heckenrosen sind dabei, die mich an Sommerurlaube auf der Nordseeinsel Juist erinnern.
Unser Mooringfeld ist voll, hier liegen zahlreiche Boote, teilweise wunderschöne Klassiker. Allerdings sind nur die wenigsten bewohnt. Wir genießen das Abendlicht und dann die Dämmerung. Das habe ich in der Karibik sehr vermisst. Nach dem Abendessen fahren wir noch einmal zum Duschen mit dem Dinghy an Land.

Dienstag, 24. Juli 2018

Tag 385 - Sheffield Island-Bridgeport: Spaß auf See und an Land

Seit gestern sind wir in Connecticut und damit in New England, dem nordöstlichsten Zipfel der USA, angekommen. Nach einer recht ruhigen Nacht vor Anker haben wir heute einen abwechslungsreichen Tag. Morgens geht Ralf erst einmal in den Mast, um die „Lazies“ zu reparieren, Leinen, die dafür sorgen, dass das Großsegel beim Herunternehmen auf dem Baum liegen bleibt. Paul leiert ihn bis auf halbe Höhe.
Dann machen wir uns auf den Weg weiter den Long Island Sound entlang. Los geht es bei Sonne und Wolken und mit voller Besegelung. Leonie, der Segeln ganz offensichtlich Spaß macht, steuert wieder ein Stück, aber im Hintergrund schließt Ralf schon „James“ unsere kleine Selbststeueranlage an. Trotzdem wird uns nicht langweilig, denn es tauchen ab und zu dunkle Wolken auf, aus denen kräftiger Wind kommt. So nach und nach binden wir nacheinander Reffs in Groß und Fock.
Zwischendurch haben wir dann immer wieder Sonnenschein und wir sind bei relativ kleine Wellen sehr flott unterwegs. Ich meine dazu: „Schöner wird Segeln nicht mehr!“ und werde den ganzen Tag von den anderen mit dem Spruch aufgezogen.
Weil Leonie und Paul morgen mit dem Zug nach New York zurückwollen, haben wir uns für heute eine größere Stadt und eine Marina ausgesucht und laufen „Captain’s Cove Seaport“ in Bridgeport an. Dort bekommen wir einen sehr guten Platz.
Der Eigner der Marina ist seines Zeiches Jäger und Sammler und hat alle möglichen und unmöglichen Memorabilia zu maritimen Themen gesammelt. Wir probieren eine ganze Reihe davon aus und haben auch dabei wieder viel Spaß zusammen.
An Wochenenden steppt hier der Bär mit Livemusik und über 300 Gästen, aber heute ist Montag und daher ist es recht ruhig. Wir bekommen ein typisch amerikanisches Abschiedsessen mit Burgern, Pommes und Seafood. Den Nachtisch (Schokopudding mit frischen Früchten) nehmen wir dann an Bord ein. Es war sehr schön, Leonie und Paul hier zu haben und wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen.

Montag, 23. Juli 2018

Tag 384 - Port Washington-Sheffield Island: Regen und Sonnenschein

In der Nacht ist tatsächlich eine Front mit reichlich Regen und Wind durchgezogen, aber nicht so stark, wie vorhergesagt, zumindest zeigt der Windreport von Port Washington zwar kräftige Böen, aber nicht mit 40 Knoten Wind.
Am Morgen mache wir dann unsere zusätzliche Festmacherleine wieder los und fahren erst einmal zur Tankstelle, die wir nur etwas bis zur halben Tide anlaufen können. Dort nehmen wir Wasser, Diesel und Benzin (für den Außenborder). Unsere Gasflasche hatten wir in der Liberty Landing Marina füllen können, so dass wir jetzt wieder gut ausgestattet sind. Dann binden wir uns nochmal an einer Tonne fest zum Frühstücken.
So gestärkt fahren wir dann – erst einmal nur unter Fock – aus der Manhassat Bay wieder hinaus auf den Long Island Sound. Leonie steuert und macht das nach anfänglichem „Seeschlangen suchen“ ganz prima. Die Sonne kommt heraus und wir setzen auch noch das Groß. Es sind einige andere Boote unterwegs und wir fahren mitten durch ein Regattafeld.
Kurz vor unserem Ziel, den Norwalk Islands an der Nordseite der Bay, übernimmt dann Paul, um das letzte Stück zu steuern. Hinter den Inseln gibt es verschiedene Ankerplätze und gleich der erste gefällt uns so gut, dass wir hier bleiben.
Die Insel, hinter der wir liegen, heißt Sheffield Island und wir sehen einen Anlegesteg und ein sehr hübsches „Lighthouse“. Die Jugend geht lieber schwimmen, aber Ralf und ich fahren mit dem Dinghy an Land. Wie sich herausstellt, können wir nicht am Steg anlegen, da die Tür zum Land mit einer dicken Kette verschlossen ist, also entscheiden wir uns zu „beachen“ und landen mit dem Beiboot am Strand. Dort finden wir die Überreste von „Horseshoe Crabs“ (Pfeilschwanzkrebsen), die schon seit 450 Millionen Jahren auf der Erde leben und daher als lebende Fossilien bezeichnet werden. Funfact: die Tiere haben tatsächlich blaues Blut (Hämocyanin statt Hämoglobin zum Transport von Sauerstoff).
Große Teile der Insel sind Naturschutzgebiet aber es gibt angelegte Wege und wir laufen ein Stück durch den Wald. Zur Natur, die hier geschützt wird, gehören aber offensichtlich auch zahlreiche sehr blutdurstige Moskitos, die auch am Tag stechen und sich sehr über uns Besucher freuen – wir überlassen ihnen die Insel und kehren schnell wieder um. Durch die Bäume können wir einen Blick auf die TRITON werfen.
Zurück am Strand ist das Wasser, in der knappen Stunde, die wir hier waren, ganz erheblich gestiegen – gut dass wir das Dinghy festgebunden hatten! Mittlerweile hat es angefangen zu regnen. Wir warten auf eine kurze Regenpause und fahren dann zurück zum Boot, wo Paul netterweise die Kuchenbude schon aufgebaut hat.
Gut geschützt können wir dann etwas später das Abendessen machen. Heute gibt es ein Lieblingsessen „Pizzatoast“ die im Gasbackofen ganz besonders lecker und knusprig werden. Während ich das hier schreibe, hat es draußen wieder angefangen, heftig zu regnen. Gleich ein Test für unsere neue Imprägnierung, die sich bis jetzt bewährt. Auch das alte Teakdeck ist mittlerweile so weit aufgequollen, dass ich keine „chinesische Wasserfolter“ mehr auf meinen Kopfkissen habe.