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Dienstag, 22. Juli 2025

Tag 60 - Griesheim-Bergen: Gute Reise!

Wir haben zwei schöne und intensive Wochen daheim verbracht und haben uns gefreut Familie und Freunde zu treffen und die Katzen zu steicheln. Wir haben lange Listen abgearbeiteu und Jahresabschluss, Nebenkostenabrechnung und verschiedene Steuererklärungen erstellt und abgegeben. Nun sind wir wieder auf dem Weg zur Triton. Die Familie verabschiedet sich nett und Hildegard fährt uns zum Flughafen - danke! Ralf freut sich, dass wir das Handgepäck aufgeben dürfen, denn wir haben verschiedene Flüssigkeiten zu transportieren. Allerdings muss erst noch eine Batterie herausgesucht werden.
Anders als auf dem Heimflug läuft dieses Mal alles glatt. Die Verspätungen halten sich in Genzen und der Frankfurter Flughafen und unsere erste Maschine ist erstaunlich leer.
Wir starten bei strahlender Sonne und Schäfchenwolken in Frankfurt und fliegen erst einmal nach Amsterdam.
Dort freuen wir uns über einen Blick aufs IJsselmeer - daran haben wir schöne Segelerinnerungen!
In Amsterdam haben wir knapp zwei Stunden Aufenthalt - das reicht gerade zum Mittagessen, bevor wir in den Flieger nach Bergen steigen. Auch hier geht alles glatt und wir landen pünktlich, nach einem Anflug über die Schären (siehe Titelbild).
Mit Straßenbahn und Bus geht es dann weiter zum Bergener Segelclub wo die Triton lieb auf uns gewartet hat. Wir sind froh, dass diese Reise so reibungslos geklappt hat.
 

Freitag, 9. Juli 2021

Tag 12 - Amsterdam: Hafentag

Nach den touristischen Unternehmungen der letzten Tage lassen wir es heute ruhiger angehen. Es gibt einige Arbeiten an Bord zu erledigen. Ich kümmere mich um Finanzamt, Kindergeldstelle und Überweisungen und habe Telefongespräche und Video-Calls im "Boatoffice" während Ralf nach den Relingstützen schaut und eine Dichtung am neuen Deckel für die Backskiste anbringt. Nebenan ist der nette Nachbar auch mit Arbeiten auf dem Boot beschäftigt.
Am Nachmittag fährt Ralf noch einmal in die Stadt, um einen Messerschleifer zu besorgen - er findet einen netten Laden, die "Meesterslijpers" (Meisterschleifer) und ist beeindruckt von der Auswahl. Leider gibt es keine Fotos... Zum Abendessen haben wir eine für uns neue Geschmacksrichtung ausgesucht "vietnamesische Straßenküche" im "Little Saigon" ganz in der Nähe. 
Danach ergänzen wir noch unsere frischen Lebensmittel. Direkt neben unserem Hafen gibt es gleich zwei Supermärkte - heute gehen wir in den eleganteren "Jumbo". 
Wir hatten eine sehr schöne Zeit hier im "Aeolus" - einer ruhigen Oase in der lebhaften Stadt - und auch in Amsterdam. Gut auch, dass wir die Gelegenheit hatten, einiges von der To-Do-Liste abzuarbeiten. Morgen wollen wir nach IJmuiden weiterfahren - in der Hoffnung, dass der Wind auf der Nordsee für uns günstiger wird... 

Donnerstag, 8. Juli 2021

Tag 11 - Amsterdam: 800 Jahre Kunst und Geschichte

Wir haben noch einmal Karten für ein Museum bestellt - heute ist es das Rijksmuseum, das in einem eigens dafür errichteten Gebäude niederländische Kunst zeigt.
Auch dieses Museum wurde 10 Jahre lang aufwendig renoviert und schon der erste Blick auf den Innenhof ist beeindruckend.
Uns ist klar, dass wir nicht alles ansehen können. Das Museum bietet eine eigene App an, die verschiedene Audio-Führungen enthält. Aus der reichhaltigen Auswahl entscheiden wir uns für die "Highlight Gallery of Honor", die Werke aus dem "Goldenen Zeitalter" der Niederlande, also dem 17. Jahrhundert enthält. Als protestantische Republik inmitten von katholischen Königreichen hatte das Land eine Sonderstellung in Europa. Es gab kaum Geburtsadel und reiche Kaufleute, Reeder, Bankiers und Unternehmer bestimmten das politische und gesellschaftliche Leben. Der Ost-Indien-Handel führte zu wirtschaftlichem Wohlstand und der Blüte von Kunst und Kultur. Ober- und Mittelschicht waren Abnehmer für zahlreiche Kunstwerke. Eine Auswahl davon befindet sich in der Ehrengalerie, die dann zum Hauptwerk, Rembrandts Nachtwache, führt.
Unterwegs hören wir uns Erklärungen zu verschiedenen Werken an, darunter ein Stillleben von van Dijck, ein Kinderportrait von Verspronck, die berühmte Windmühle von Ruisdael und verschiedene Werke von Vermeer. Hier gefällt mir besonders eine Straßenszene, die im Zusatzmaterial der App mit der aktuellen Straße verglichen wird.
Schließlich kommen wir bei der Nachtwache an, die bekanntermaßen eine Szene am Tag darstellt. Ungewöhnlich ist, dass die Portraitierten nicht einfach als Gruppe posieren, sondern in Aktion gezeigt werden. Das Bild wird gerade mit verschiedenen Verfahren aufwendig untersucht. 

Wir machen dann einen Sprung ins letzte Jahrhundert und besichtigen die Sammlung 1900-1950, wo ich mir einen Schreibtisch mit Stuhl und Lampe aussuche - allerdings wären mir andere Farben lieber...
Unsere nächste Station ist dann 1950 - 2000, eine Zeit der neuen Freiheit und Liberalität nach dem 2. Weltkrieg und der deutschen Besatzung. Ralf posiert im Titelbild zwischen zwei Kleidern von Paco Rabanne und Emmy van Leersum. Der Einfluss der Flower-Power-Bewegung ist beim "Wombtomb" der Künstlerin Ferdi zu sehen, ein plüschbezogener Sarg, der gleichzeitig eine Vagina ist.
Die ganze Kunst hat uns hungrig gemacht und wir stärken uns im Museums-Café - optisch sehr schön, geschmacklich eher mäßig.
Als letzte Station besuchen wir noch die Abteilung 1800-1900, wo unter anderem Werke von van Gogh zu sehen sind. Uns fallen an einigen Gemälden zusätzliche weiße Schilder auf. Diese bringen die Werke in einen kritischen Zusammenhang zu Sklaverei und Kolonisierung. Dieses Bild zeigt den holländischen König Willem II, der auf eine Petition zur Abschaffung der Sklaverei aus wirtschaftlichen Gründen ablehnend reagierte. Funfact: Die Niederlande sind erst seit 1813 ein Königreich, Willem erst der 2. König. Er hatte fünf Kinder, drei Söhne und eine Tochter. ALLE Söhne hießen mit erstem Namen Willem und die Tochter Wilhelmine...)
Auf dem Rückweg zum Boot werfen wir noch einen Blick auf die vielen verschiedenen Giebel der Häuser, klassisch und modern. Die Dame im roten Kleid erinnert mich an die handarbeitende Frau im Bild von Vermeer.
Wieder beeindrucken uns auch die Vielzahl von Radfahrern, die extrabreiten Radwege und die riesigen Fahrradparkplätze. Neben dem Bahnhof wird gerade ein neues Fahrradparkhaus gebaut...
Nach einem Blick auf die Wetteraussichten - immer noch kein günstiger Wind für die Fahrt nach Südwesten - haben wir uns entschlossen, noch einen Tag in Amsterdam zu bleiben. Allerdings wollen wir uns nicht mehr ins touristische Getümmel stürzen, sondern Arbeiten am und auf dem Boot und im "Boatoffice" erledigen.

Mittwoch, 7. Juli 2021

Tag 10 - Amsterdam: Seefahrt im Museum

Immer, wenn es die Möglichkeit gibt, besuchen wir Schifffahrtsmuseen und wir haben schon eine ganze Menge gesehen - zuletzt in Bremerhaven letztes Jahr. Das in Amsterdam kennen wir noch nicht und so haben wir uns gestern noch Karten gebucht. Heute klappt es besser mit dem Radfahren und der Fähre und so kommen wir pünktlich im Museum an.
Es befindet sich im ehemaligen Marine-Arsenal, dass 1656 auf einer künstlichen Insel errichtet wurde. Da sich die Stadt auf einem ehemaligen Sumpfgebiet befindet, müssen die Gebäude auf Holzpfählen gebaut werden. Alleine unter dem Arsenal befinden sich 2300 Pfähle aus Norwegen. Im Rahmen einer aufwendigen Renovierung wurde der Innenhof mit einer Konstruktion aus Glas und Stahl überdacht, die an die Linien auf alten Seekarten erinnern soll - sehr eindrucksvoll. Um den Echo-Effekt des Raumes zu minimieren, sind im Boden Schlitze angebracht.
Nachdem wir die Architektur bewundert haben, wenden wir uns der Sammlung zu. Es handelt sich um ein modernes Museum, in dem nur relativ wenig Exponate gezeigt werden, diese jedoch interaktiv und mit umfangreichen Erklärungen, auch durch einen ensprechenden Audio-Guide. Wir besuchen zunächst einen Teil, in dem die Seefahrtsgeschichte der Niederlande dargestellt wird. Nach dem 1581 die "Republik der Sieben Vereinigten Provinzen" gegründet worden war und diese den (katholischen) spanischen König abgesetzt hatte, begann der Aufstieg der Niederlande zur führenden Wirtschaftsmacht mit der größten Handesflotte Europas (Goldenes Zeitalter). Dazu trug insbesondere der "Gewürzhandel" mit Indonesien bei. Aus dieser Zeit stammt die "Vereinigte Ostindische Compagnie" (VOC), die erste Aktiengesellschaft, die Gründung der ersten Bank außerhalb Italiens und der Amsterdamer Börse.
Später mussten diese Erfolge dann gegen die Engländer und Franzosen verteidigt werden. Kritisch setzt sich das Museum mit der Kolonialisierung und mit dem Sklavenhandel auseinander. In einer Sonderausstellung wird das Thema Kolonien anhand der Banda-Inseln bearbeitet. Die Autorin zeigt in "I love Banda", wie sich sechs junge Menschen mit dem Thema Vergangenheit, Identität und Jugend auseinandersetzen. Wir besuchen dann das Außengelände und dort ist Ralf natürlich sofort an der "Christiaan Brunings" interessiert, einem dampfbetriebenen Eisbrecher, Baujahr 1900. Er kommt auch gleich ins Gespräch mit einem der ehrenamtlichen Helfer.
Ein weiteres Ausstellungsstück ist die aufwendig restaurierte Königliche Barkasse der Niederlande, die 1818 gebaut wurde und seitdem etwa 30x für zeremonielle Anlässe Verwendung fand, zuletzt zu silbernen Hochzeit von Königin Juliana und Prinz Bernhard 1962. Nach der Restauration ist sie jetzt wieder einsatzbereit, falls ein Monarch das Bedürfnis nach einer Bootsfahrt verspürt. Uns gefällt natürlich besonders gut, dass am Bug nicht nur Neptun dargestellt ist, sondern auch drei "Tritonen", die auf Muschelhörnern blasen.
Als wir zum Mittagessen in den Innenhof zurückkehren, erleben wir noch den Schluss der "Future for the Past" Vorführung, einer interaktiven Führung  und Performance an verschiedenen Orten in Amsterdam, die sich ebenfalls mit der Kolonialgeschichte auseinandersetzt und im Schifffahrtsmuseum endet. 
Nach dem Essen gehen wir dann noch zu den "Navigationsinstrumenten" (siehe Titelbild). Die Instrumente sind uns bekannt, wir benutzen sie (oder ihre modernen Nachfolger) regelmäßig oder haben sogar historische Exemplare daheim. Aber immer gibt es etwas neues zu lernen. Anhand eines interaktiven Logbuchs sehe ich mit Erstaunen, dass die niederländischen Schiffe nach Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung (Südspitze Afrikas) nicht direkt nach Indonesien gefahren sind, sondern erst auf dem gleichen Breitengrad nach Osten, bevor sie auf Nordkurs gingen.
Wir schauen uns noch historische Seekarten an, laufen aber an der Wal-Ausstellung vorbei denn zu diesem Thema haben wir eindrucksvolle Museen auf Madeira, den Azoren oder in Nantucket besucht. Unseren Kaffee nehmen wir vor dem netten Clubhaus von Aeolus und dann ist es für mich Zeit für einen längeren Video-Call in die Heimat. Ralf besorgt noch einiges im Baumarkt und ein neues Fahrradschloss, denn wir wurden hier im Club eindrücklich darauf hingewiesen, dass unsere dünnen Schlösser für Amsterdam nicht ausreichen... Hier ein Beispiel für das hier verwendete Schloss-Format:

Dienstag, 6. Juli 2021

Tag 9 - Amsterdam: Kunst und Hindernisse

Wir bauen unsere Fahrräder auf und ich muss erst einmal scharf überlegen, wie denn die Kombination für mein Zahlenschloss lautet. Glücklicherweise fällt mir wieder ein, wo es steht. Dann haben die Räder nicht wirklich viel Luft und meine Aldi-Luftpumpe versagt schon nach kurzer Zeit. Allerdings hilft uns der nette Hafenmeister weiter und versorgt uns mit Pumpe samt Adapter. Überhaupt ist das hier ein sehr netter Hafen, der von einem Club betrieben wird. Vor dem Clubhaus gibt es eine Terrasse und einen gepflegten Garten.

Bei der Recherche nach möglichen Zielen und Touren in Amsterdam sind wir zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen und wollen wir für Anregungen zur Touristeninformation am Hauptbahnhof fahren. Erst haben wir Probleme, das Gebäude zu finden, da alles ein große Baustelle ist und Bauzäune die Sicht erschweren und dann ist in Info geschlossen und wir werden in den Bahnhof zum Andenken-Shop geschickt. Dort gibt es nur wenig Informationsmaterial und dafür eine wirklich unfähige Verkäuferin, die nicht sicher ist, ob sie eine Ermäßigungskarte an Nicht-Holländer verkaufen kann und ob diese für ein oder zwei Museen gültig ist... Wir erstehen schließlich einen kurzen Reiseführer und beschließen, diesen beim Mittagessen zu studieren. Das führt gleich zum nächsten Problem, denn ich möchte - da Fortbewegen mir immer noch schwer fällt - direkt zu einem Ziel fahren und Ralf bevorzugt die "ich schaue mir das mal an" Methode und fährt gerne kreuz und quer...

Da das Wetter unbeständig aussieht, einigen wir uns beim Mittagessen auf einen Museumsbesuch und ich buche für uns Karten im Moco Museum für Gegenwartskunst (siehe auch hier). Eine sehr gute Entscheidung, auch wenn die Online Bezahlung nur holperig funktioniert!
Verschiedene Räume der Ausstellung sind Banksy, einem britischen Streeart-Künstler gewidmet. Wer sich hinter dem Pseudony verbirgt, ist bis heute nicht bekannt. Seine gesellschaftskritische, oft auch humorvolle Werke regen zum Nachdenken an. Besonders bekannt ist das Mädchen mit dem Ballon, weil sich ein bei Sotheby's versteigertes Exemplar nach dem Zuschlag teilweise selbst schredderte: Klick...
Uns gefallen auch die Werke von The Kid, der fotorealistische Bilder und lebensgroße Skulpturen schafft - immer mit politischen Bezügen.
Ein besonderes Highlight sind die Installationen von "Studio Irma", einer amsterdamer Künstlerin, die ganze Räume unter anderem mit digitale Installationen gestaltet hat. Sie zu betreten transportiert uns in eine andere Welt (siehe auch Titelbild).
Wir sind erfüllt mit Eindrücken und verarbeiten diese bei Kaffee und Kuchen in einem ganz modernen Etablissement, bei dem wir einen Code scannen müssen, der uns zu einer Webseite leitet auf der wir bestellen und auch gleich bezahlen können. Nur die Auslieferung erfolgt dann noch durch Menschen... Auf das nahegelegene Van Gogh Museum werfen wir nur einen Blick im Vorbeigehen, wir haben erst letztes Jahr eine Ausstellung im Städel besucht.
Dann trennen sich unsere Wege, damit wir beide entspannt in unserem eigenen Tempo Fahrrad fahren können. Ich schaue noch am IJDock vorbei, einer künstlichen Insel mit Büro- und Wohngebäuden und einem Hafen, den wir in Erwägung gezogen hatten. Wir haben dann verzichtet, weil wir keine aktuellen Informationen im Internet finden konnten. Wie sich herausstellt gibt es eine niedrige Brücke vor der Einfahrt und es liegen nur Motorboote dort, also gut, dass wir im Aeolus sind. Beeindruckend ist allerdings die kühne Architektur der Bauwerke mit einem dreieckigen Büroturm in Grün!
Unser Hafen liegt auf der anderen Seite der IJ und so fahre ich mit der Fähre zurück. Heute morgen hatte ich noch gefragt: "Können wir Fahrräder mit auf die Fähre nehmen?", weil ich mich an letztes Jahr und die Fähre von Norderney nach Emden erinnerte, wo wir die Dinger zusammenlegen und als Gepäck deklarieren mussten... Natürlich die falsche Frage in Amsterdam, wo es gefühlt mehr Fahrräder als Einwohner gibt. Wir hatten teilweise Probleme, einen Fahrrad-Parkplatz zu finden. Besser wäre die Frage gewesen: "Dürfen wir OHNE Fahrräder Fähre fahren?"
Für morgen haben wir schon Verbesserungen in der Performance geplant und so werden wir unsere Karten fürs Museum heute noch bestellen und einen Kopfhörer für die Audio-Tour mitnehmen...