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Sonntag, 1. Juli 2018

Zusammenfassung: Juni 2018

Statistik
Seemeilen: 399
Motorstunden: 50
Segeltage: 16
Nächte auf See: 0
Liegetage: 14
Liegeplätze: 17
North Carolina: Belhaven, Alligator River (A),  North River (A), Coinjock Marina, Great Bridge
Virginia: Norfolk, Hampton, Cape Charles, Deltaville, Reedville (A), Solomons Island (A)
Maryland: Tilghman, St. Michaels (A), Annapolis (M), Baltimore Dock, Baltimore Canton (A)
                                                      
Segeln und Wetter
Nach dem Monat mit den meisten gesegelten Seemeilen ist nun der Juni der Monat mit den meisten Motorstunden. Das liegt natürlich daran, dass im oft schmalen Kanal des Intracoastal Waterway Segeln nicht möglich ist.

Seitdem wir auf der Chesapeake Bay unterwegs sind, konnten wir fast alle Etappen segeln. Es gibt zahlreiche Marinas und Ankerplätze auf beiden Seiten der Bay und es fühlt sich ein wenig so wie auf der Ostsee an. Wir haben Tagesetappen von 20 bis maximal 40 Seemeilen und sind – bis auf die Stopps in den Großstädten – fast jeden Tag ein Stück weitergefahren.

Die Windverhältnisse sind hier sehr wechselnd, aber meist schwach. Wir haben mehrfach erlebt, dass der Wind über den Tag um 360 Grad gedreht hat… Abends gibt es öfter mal ein Gewitter – eben ein Binnenrevier. Navigatorisch gibt es keine Probleme, denn alles ist sehr gut ausgetonnt. Wir müssen allerdings mit unserem Tiefgang von 1,90 m aufpassen, denn die Bay ist insgesamt sehr flach. In einige Flussmündungen kommen wir nicht herein. Glücklicherweise gibt es keine Steine, sondern der Boden ist schwarzer Mudder. Bisher hat unser Anker immer gut gehalten, aber das Saubermachen ist jedes Mal eine unangenehme Aufgabe…

Das Wetter ist bisher immer warm und feucht und hat sich in der letzten Woche zu sehr, sehr heiß entwickelt. Für mich erstaunlicherweise wärmer als in der Karibik… und der Wind fehlt. Das Wasser ist trübe und eher braun und läd nicht wirklich zum Baden ein. Je weiter wir nach Norden kommen, um so weniger salzig ist es.

Boot und Ausrüstung
Die alte elektronische Selbststeueranlage hat nun endgültig die Arbeit eingestellt. Im ICW hat aber James (der kleine Pinnenpilot) die Arbeit sehr gut übernommen und auf einigen Segeletappen durfte auch Sir Henry wieder ran. Er hat aber Probleme mit schwachen und wechselnden Winden. Wir haben eine neue Steuerungseinheit für die große elektrische Anlage gekauft und die wird Ralf jetzt nach und nach einbauen.

Zwischendurch hat auch der (sonst sehr zuverlässige) Außenborder mal kurz verweigert, aber das Problem (Schwimmernadelventil hängt) konnte schnell gelöst werden.

Verpflegung/Versorgung
Die Supermärkte sind hervorragend sortiert und die Preise – insbesondere in Anbetracht des günstigen Dollar-Kurses – sehr akzeptabel. Sie (die Supermärkte) liegen nur leider sehr selten in Hafennähe sondern eher auf der grünen Wiese. Wir sind dann aber mit Bussen, Taxi und – was sehr gut funktioniert – dem Fahrdienst Uber oder Lynk zum Einkaufen gefahren.

Sehr empfehlenswert ist der Ankerplatz in Baltimore direkt vor der – passend benannten – Anchorage Marina. Dort ist der Bootausrüster West Marine und ein sehr großer Supermarkt direkt am Dinghy Dock.

An unseren Besichtigungstagen haben wir oft unterwegs eine Kleinigkeit gegessen, meist in Richtung Burger, Tacos oder Sandwich. Mir gefällt gut, dass es immer ein Glas Eiswasser gibt und dass alkoholfreie Getränke und Kaffee nachgefüllt werden. Die Preise auf der Karte sind ohne Steuer und Bedienung, so dass das noch mit einkalkuliert werden muss. Prima finden wir das einfache Zahlen mit Kreditkarte.

Crew
Wieder ein sehr netter und harmonischer Monat, es gab nur eine ganz kurze Unstimmigkeit bei einem Manöver. Sonst sind die Aufgaben beim Segeln klar verteilt und oft genügt ein kurzes Wort oder ein Blick, um uns zu verständigen.

An Land suchen wir beide Ausflugsziele aus und wir sind uns fast immer einig, was wir anschauen wollen. Wichtig ist uns, nicht alles „abzuarbeiten“, sondern uns lieber für wenige Ziele in Ruhe Zeit zu lassen.

Sightseeing
Auf dem ICW gab es recht wenig zu besichtigen. Die Orte waren klein und eher verschlafen aber dafür war die Tierwelt, insbesondere die zahlreichen Vögel (Fischadler, Pelikane, Kormorane, verschiedene Möwen, Gänse, Enten) und die Flusslandschaften sehr sehenswert. Nur auf die Insekten hätte ich sehr gut verzichten können…

Ab Norfolk und in der Chesapeake Bay gab es dann sehr viele Möglichkeiten für touristische Aktivitäten. In den Städten Hampton, Annapolis, Washington D.C. und Baltimore haben wir Museen, Gebäude und Schiffe besichtigt, haben an Touren teilgenommen und sind ins Kino und ins Konzert gegangen.

Die Chesapeake Bay bietet aber neben den Großstädten auch nette kleine Orte und Ankerbuchten. Je nach Bedürfnissen ist hier für jeden etwas dabei. Auch in den kleineren Orten gibt es häufig ein maritimes Museum, z.B. in Solomons Island und St. Michaels.

Begegnungen
Wir sind weiter sehr angetan von der offenen und freundlichen Art der Menschen hier. Sobald wir den Mund aufmachen, werden wir gefragt, woher wir kommen und oft ergibt sich dann im Bus oder an der Supermarktkasse ein Gespräch. Die Angestellten in Geschäften und Restaurants sind sehr aufmerksam, höflich, freundlich und hilfsbereit. Das Gegenteil von Service-Wüste…

Witzig sind auch die Gespräche mit den Fahrern von Uber und Lynk – meist Einwanderer – die oft interessant von der Stadt und ihrem Leben erzählen.

In Deltaville haben wir Debbie kennengelernt, die auf einem Boot arbeitete und uns sehr nett mir ihr unterhalten. Bei einer Führung in Annapolis war ein deutsches Paar dabei, die beide Bootbauer und Segler sind – sehr interessant! In Baltimore haben wir die Crew der SEAHAWK getroffen und uns gegenseitig auf den Booten besucht – auch wieder ein schöner Austausch.

Besonders nett fand ich die Begegnungen mit den Künstlern im Bromo-Seltzer-Tower in Baltimore. Tommy Roberts, von dem wir einen Druck und ein Bild gekauft haben, hat uns als Künstler und als Mensch sehr beeindruckt.

Fazit
Ganz neue Erfahrungen in den USA und wir sind froh, dass wir nicht dieses Jahr nach Europa zurückfahren, sondern uns die Zeit genommen haben, die Ostküste zu erkunden. Die Naturschönheiten des ICW sind etwas ganz Besonderes, aber wir haben gemerkt, dass wir Segler sind und uns mit dem Kanalfahren (eine Option, wenn wir älter sind) noch Zeit lassen wollen. Die Chesapeake Bay ist ein ganz wunderbares Revier mit vielen Möglichkeiten – alleine hier könnten wir Jahre verbringen und hätten trotzdem nicht alle Buchten und Marinas gesehen…

Insgesamt empfinden wir hier alles zwei bis drei Nummern größer als bei uns. Angefangen mit den riesigen PickUps and SUVs, den großen Getränken und Packungen im Supermarkt und im Restaurant, der Größe der Gebäude über die Breite der Straßen bis zu den Entfernungen… Was wir bisher gesehen habe ist sehr aufgeräumt und gepflegt und zumindest in den Kleinstädten gibt es wohl sehr wenig Kriminalität, denn nichts ist abgeschlossen (z.B. die Waschräume und Werkstätten in den Marinas) und vorm Baumarkt stehen auch nachts die Blumen und Gartenmöbel einfach auf der Straße.

Ganz begeistert sind wir von den Museen. Selbst in den kleinsten Orten sind die Ausstellungen sehr gut aufbereitet und mit Schildern und Erklärungen versehen. Statt reinen Sammlungen sind es eher interaktive Lernerfahrungen mit Audios, Videos und Experimenten. Es gibt häufig viele Freiwillige, die Führungen anbieten oder für Fragen bereitstehen.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Tag 337 - Coinjock-Great Bridge: Brückentag

Wir sind schon früh unterwegs, denn heute stehen 32 sm und verschiedene Brücken auf dem Programm, davon zwei, die nur zu bestimmten Zeiten öffnen. Es geht durch den Currituck Sound, eine relativ offene Wasserfläche, die aber nur im ausgebaggerten Kanal von uns befahren werden kann und dann durch den North Landing River, wo wir dann gemütlich frühstücken, heute Müsli mit frischem Obst.
Unsere erste Brücke ist nicht zu öffnen und hat die übliche Durchfahrtshöhe von 64 ft, also kein Problem für uns. Heute treffen wir immer mehr andere Boote und wir werden sogar angefunkt, wenn diese uns überholen wollen.
Die nächste Brücke ist dann eine „Swingbridge“, die jeweils zur vollen und halben Stunde öffnet, und daher sammeln sich davor einige Boote. Wir und die anderen stehen über Funk mit der Brücke in Kontakt und fahren dann nacheinander hindurch.
Auch die nächste Brücke öffnet alle halbe Stunde, allerdings nicht zu Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Nachmittag. Sie ist nur vier Seemeilen entfernt, also fahren wir auch etwas mehr als vier Knoten um sie nach einer Stunde zu erreichen. Die Rechnung geht genau auf und wir haben keine Wartezeit. Unterwegs sehen wir wieder die üblichen Vögel und Libellen. Neu im Programm sind heute Schildkröten, die sich auf Stämmen am Ufer sonnen.
Nun ist es nicht mehr weit zu unserem Tagesziel dem Atlantic Yacht Basin. Ich habe aber gelesen, dass es gegenüber noch ein kostenloses neues Dock geben soll. Da wir weder Wasser noch Strom brauchen, wollen wir uns das einmal anschauen. Und tatsächlich, direkt vor der Brücke ist ein Dock, an dem nur Segelschiffe (hier eher selten) liegen. Eine Lücke ist nicht groß genug für uns, aber zwei Segler verlegen ihre Boote und wir finden noch ein Plätzchen.
Wir bedanken uns und kommen so gleich mit unseren netten Stegnachbarn ins Gespräch. Will direkt hinter uns gibt uns gleich Tipps für ein Winterlager in Cape Cod und das führt dann dazu, dass wir am Nachmittag ein Mail entwerfen und Anfragen an diese und andere Marinas zwischen Boston und New York verschicken, die wir schon vorher herausgesucht hatten.
Zum Abendessen gibt es ein paar schnelle Pizzatoasts und danach kommen unsere Nachbarn noch auf ein Bier vorbei. Wir bekommen auch noch einen Nachbarn, eine nette Familie, die gerade nach Florida umzieht und dabei eben auch ihr Boot mitnimmt – eine sehr coole Art das zu erledigen!

Dienstag, 5. Juni 2018

Tag 336 - North River-Coinjock: Flussfahrt

Die Nacht war richtig schön kühl – das Thermometer zeigte 17°C und wir haben prima geschlafen. Morgens wurden wir dann von lautem Gezwitscher geweckt, denn wir hatten drei Besucher an Bord – wie die Internetrecherche „Birds of North Carolina“ ergab, handelt es sich um eine Schwalbenart und zwar um Purpurschwalben. Die drei sind gar nicht scheu und suchen sich verschiedene Sitzplätze an Bord aus. Mir sind sie schon deswegen sehr sympathisch, weil Schwalben Insektenfresser sind…
Auch als wir den Anker hochziehen und langsam aus unserer Bucht fahren, begleiten sie uns noch eine ganze Weile und landen elegant oben auf dem Mast. Wir suchen uns vorsichtig einen Weg durch die zahlreichen Krabbentöpfe. Im Estuarium haben wir einen Film gesehen und wissen, dass an jeder kleinen Boje eine Leine nach unten zu einem Metallkorb führt. Die Markierungsbojen sind teilweise sehr klein und von dunkler Farbe – auch bei Tag oft nur schwer zu erkennen.
Aber dann sind wir wieder im Fahrwasser und fahren weiter durch den gewundenen North River. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich und überall neben uns liegen weitere Krabbentöpfe. Wir sehen auch die Fischer (wie schon geschrieben die natürlichen Feinde der Segler), die ihre Körbe kontrollieren.
Das hier ist ein ganz besonders schönes Stück, weil es nicht ein Kanal oder eine große Wasserfläche, sondern ein natürlicher Flusslauf mit abwechslungsreichem Ufer ist. Wieder sehen wir verschiedene Vögel: auf den Seezeichen sind wieder die Nester der Fischadler, auf Baumstümpfen sitzen Kormorane und am Ufer stehen Reiher… ein wunderbares Naturerlebnis.
Schon bald kommen wir in der Kleinst-Stadt (330 Einwohner) Coinjock an, ein beliebter Stopp auf dem Intracoastal Waterway. Wir schon schon mittags da und bekommen noch einen guten Platz am Steg. Hier liegen zahlreiche große Motoryachten und auf jedem Platz kann getankt werden. Neben uns laufen 2.700 Gallonen (ca. 10.200 l) in ein Boot…
Ich schaue mir lieben die Libellen an, die mit Vorliebe auf unseren Leinen sitzen – filigrane Wunderwerke! Eine Insektenart, die ich mag, denn sie interessieren sich nicht für Menschen und fressen andere Insekten…
Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag am Steg, duschen und gehen dann im von unserem Guide sehr gelobten Restaurant essen. Ralf nimmt ein „slow-roasted Prime Rib of beef“ und ich entscheide mich für eine „Broiled Platter“. Wir diskutieren die Unterschiede zwischen „roasted“, „broiled“, „grilled“, „fried“, „baked“, „steamed“, „cooked“ und „sauteed“ – alles Zubereitungsarten, die auf der Karte zu finden sind. Unser Essen ist lecker, aber mit einen Sößchen von Hildegard wäre es noch viel besser gewesen…

Montag, 4. Juni 2018

Tag 335 - Alligator River-North River: Unter Segeln

Heute Morgen finden wir jede Menge Leichen der Minifliegen im Cockpit – waren es Eintagsfliegen? Jedenfalls ist es eine ziemliche Sauerei… Und eine von den Monsterfliegen ist auch wieder da (das Holz ist ca. 2 cm breit)… Zum ersten Mal seit 11 Monaten wäre ich gerne daheim – ohne Hitze, ohne Moskitos und mit Familie, Freunden und Kater… Aber der Durchhänger geht schnell vorbei, wir ziehen den Anker hoch und können dann sogar die Segel setzen – schön, sich mal wieder ohne das Gebrumme des Motors fortzubewegen.
Heute ist es bedeckt und daher nicht mehr so heiß und durch den Wind lassen uns auch die Insekten überwiegend in Ruhe, nur ein paar Libellen landen auf dem Boot – sie kommen offensichtlich nicht so gut mit Regen zurecht, denn mit nassen Flügeln fliegt es sich wohl nicht so gut.
Wir kommen so gut voran, dass wir schon relativ schnell unser Tagesziel erreicht haben. Die angedachte Marina liegt direkt hinter einer Brücke, die nur auf Anfrage geöffnet wird. Heute sind wir aber nicht alleine unterwegs und für drei Boote lohnt sich die Aktion. Wir müssen noch nicht einmal das Groß herunternehmen.
Den guten Wind wollen wir nutzen, um noch weiter als geplant zu segeln und den Albemarle Sound zu überqueren. Ich sichere noch alles im Boot – gut so, denn wir erwischen wieder eine Schauerböe und Ralf bindet zwei Reffs ins Groß und zwei in die Fock. Auch Sir Henry darf wieder steuern, denn er kommt mit den Bedingungen am besten zurecht. Nach und nach können wir dann aber wieder ausreffen.
Auf der anderen Seite des Flussarmes müssen wir durch eine sehr enge Passage fahren und kommen in den North River. Bisher haben unsere Navionics Karten immer ziemlich genau gestimmt. Das Dreieck vor uns ist ein anderes Schiff (mit AIS), die rote Linie ist der programmierte Kurs, die kleinen Zahlen geben die Wassertiefe laut Karte an, die Zahlen in Anführungszeichen die Nummern der Seezeichen. Rechts im Bild ist die tatsächliche Wassertiefe laut Echolot.
Nach der Engstelle weitet sich der North River wieder aus und wir beschließen, hier zu ankern und dann morgen nur noch ein kurzes Stück (10 sm) in die nächste Marina zu fahren. Sie soll sehr beliebt sein und wir hoffen, dass wir einen Platz bekommen, wenn wir früh da sind. Auch heute spring Ralf wieder ins Wasser, das hier – vielleicht wegen des Regens – eine recht normale Farbe hat. Neben ihm unser roter Ball, der die Position unseres Ankers anzeigt und dessen Leine ggf. dazu genutzt werden kann, den Anker einfacher herauszubekommen.

Sonntag, 3. Juni 2018

Tag 334 - Belhaven-Alligator River: Insekten-Alarm!

„Gibt es im Alligator River Alligatoren?“ hat mich unsere Freundin Karina gefragt. Ich habe das gleich nachgesehen und bin auf der Seite des „Alligator River Nature Reserve“ gelandet. Offensichtlich gehört das zu den FAQ (frequently asked questions) und die Antwort ist: Ja, es gibt Alligatoren. Sie können bis zu vier Meter lang werden und sie haben dann keine natürlichen Feinde mehr… Ich beobachte jedenfalls jeden Baumstamm am Ufer misstrauisch, ob er vielleicht Augen hat…
Aber der Reihe nach. Morgens hat der nette Hafenmeister Ralf zum nächsten Supermarkt gefahren, so dass wir jetzt wieder gut mit frischen Lebensmitteln versorgt sind. So ausgerüstet geht es auf unsere nächste Etappe. Leider verweigert unsere große Selbststeueranlage wieder den Dienst, so dass „James“ ran muss, der unsere Hydrovane elektrisch bewegen kann. Einziger Nachteil: er hat keine Fernbedienung, also müssen wir für Kurskorrekturen immer aus dem Cockpit.

Viel korrigieren müssen wir aber nicht, denn der größte Teil des Weges führt durch den Pungo-River-Alligator-River-Canal, der – man ahnt es schon – den Pungo River mit dem Alligator River verbindet. Offensichtlich hat da jemand einfach eine gerade Linie auf der Karte gezogen, denn die Fahrt geht genau geradeaus. Zur Abwechslung kommt ab und zu einmal ein Anlegesteg, ein in den Bäumen verstecktes Haus oder eine Brücke.
Der Naturpark-Seite habe ich auch entnommen, dass es hier außer Alligatoren noch viele andere Tiere gibt. So zum Beispiel rote Wölfe, Bären, viele Schlangenarten (nur drei davon giftig), Biber, Otter, Hirsche etc. Ich hätte nichts dagegen, am Ufer mal einen Bären zu sehen… Aber wir können nur eine Hirschkuh entdecken.
Nicht auf der Seite stand, dass es neben Vögeln, Reptilien und Säugetieren auch zahlreiche Insekten gibt. Die großen Libellen finde ich ja noch ganz hübsch, aber ich werde von einer Art Monsterfliege gestochen – sieht aus wie eine Stubenfliege, aber ungefähr 8x so groß… sehr unangenehm. Die Teile verirren sich im Laufe des Tages öfter mal an Bord und ich renne dann immer schreiend weg (kein Witz) während Ralf (mein Held) mich mit der Fliegenklatsche verteidigt…
Für heute haben wir als Tagesziel einen Ankerplatz im Naturschutzgebiet ausgesucht. Zwischen zahlreichen Krabbentöpfen finden wir dann auch noch eine geeignete Stelle. Ralf stürzt sich zur Abkühlung todesmutig in die braunen Fluten – Alligatoren hin, Alligatoren her. Das Bild ist nicht bearbeitet, sondern das Wasser hat wirklich diese Farbe – Ähnlichkeiten mit der Hautfarbe des derzeitigen amerikanischen Präsidenten sind sicher rein zufällig.
Über dem Land geht die Sonne unter und mit der Dämmerung kommen neue Arten von Insekten… ich ziehe es daher vor, geschützt von unseren Mücken-Netzen im Schiff zu Essen, während Ralf der Invasion im Cockpit trotzt… Als es ganz dunkel ist, wage ich mich noch schnell für eine Dusche hinaus und setze mich dann zum Bloggen an den Schreibtisch. Nun umkreisen mich – vom Licht angezogen – zahlreiche Mini-Mücken, die zwar nicht stechen, aber doch sehr lästig sind… Wir beschließen, dass jetzt mit dem Naturschutz Schluss ist und die Kerle bekommen eine Runde Insektenspray und werden dann weggesaugt.

Samstag, 2. Juni 2018

Tag 333 - Washington-Belhaven: Es ist heiß!

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich nach karibischen Temperaturen zurücksehnen würde, aber da kannte ich die Hitze hier noch nicht… In der Karibik war es oft knapp 30°C, aber immer mit kräftigem Wind, der für Abkühlung sorgte. Hier haben wir heute laut Thermometer im Cockpit knapp 40°C bei 90% Luftfeuchtigkeit und an Bord ist es völlig windstill, weil der Fahrtwind und der schwache Rückenwind sich aufheben…
Auf dem Plan stehen heute 38 sm nach Belhaven, also ausreichend Zeit meine Topflappen zu vollenden… unsere alten sehen mittlerweile sehr benutzt aus und sind auch beim Waschen nicht mehr richtig sauber geworden. Die Wolle hatte ich vor vielen Jahren gekauft, mit dem Plan, den Jungs im Urlaub das Häkeln beizubringen… hat nicht geklappt, aber beim Zimmer aus- und aufräumen vor der Reise habe ich dann die Wolle wiedergefunden. Andere Farben wären mir lieber gewesen, aber das Häkeln hat Spaß gemacht.
Der Pamlico River und der Pungo River wären eigentlich breit genug zum Segeln, aber ohne Wind klappt das nicht wirklich gut. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als uns unter unserem (frisch reparierten) Sonnendach im Schatten aufzuhalten und uns möglichst wenig zu bewegen.
Ab und zu gibt es dann auch gekühlte Getränke oder kleine Snacks…
Wir sehen wieder diverse verschiedene Vögel – die hier habe ich als Kormorane, Lachmöwe, Raubseeschwalbe und Kanadagans identifiziert.
Am Spätnachmittag kommen wir dann gut in Belhaven an – wieder ist es ein nettes Städtchen mit ganz neu renovierten Docks und wieder ist hier absolut nichts los. Wir tasten und vorsichtig in den Hafen, weil hier alles sehr flach ist und können ohne Probleme anlegen.
Unsere Vorräte sind ziemlich aufgebraucht (in Washington gab es kein Lebensmittelgeschäft in erreichbarer Nähe), also gehen wir abends in die „Tavern at Jack’s Neck“ – ganz individuell eingerichtet mit Schiffsmodellen und Jagdtrophäen – und essen dort Pizza und Pasta – sehr gut!

Freitag, 1. Juni 2018

Zusammenfassung: Mai 2018

Statistik
Seemeilen: 1672
Motorstunden: 24
Segeltage: 17
Nächte auf See: 11
Liegetage: 14
Liegeplätze: 6   
Bermuda: George Town (A)
USA: North Carolina: Beaufort, Oriental, R.E.Mayo, Bath, Washington
                                                      
Segeln und Wetter
Das ist bisher der Monat, in dem wir am meisten gesegelt sind: über 1600 sm in zwei großen Etappen. Es sind gleichzeitig auch die längsten Stücke, die wir jeweils nur zu zweit unterwegs waren. Auf beiden Überfahrten haben wir uns von „Wettergott“ Chris Parker ein Wetterrouting machen lassen und beide Male waren wir mit dem Resultat sehr zufrieden. Bis auf ein paar – gut zu handhabende – Schauerböen hatten wir nur günstigen Wind von der Seite oder von hinten, konnten praktisch alles Segeln und sind sehr gut vorangekommen.

Wir haben die Karibik verlassen und das Wasser ist merklich kühler geworden, was dazu führt, dass es nachts etwas abkühlt, tagsüber aber weiterhin warm bleibt. Wir haben unsere Flauschdecken herausgeholt. Das Klima auf den Bermudas fanden wir dadurch sehr angenehm.

Hier an der Ostküste ist es tagsüber warm mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und bisher mit sehr wenig Wind. Die atlantische Hurrikan-Saison beginnt offiziell erst am 1. Juni, aber dieses Jahr gab es bereits einen namentliche benannten subtropischen Sturm „Alberto“. Wir waren nicht vom Wind betroffen, aber von den dazugehörenden heftigen Regenfällen haben wir am Rande auch etwas mitbekommen. Tagsüber ist es warm mit hoher Luftfeuchtigkeit und bisher mit wenig Wind.

Boot und Ausrüstung
Wieder haben Sir Henry und Lady Triton die See-Etappen hervorragend, zuverlässig und schnell bewältigt – alles hat prima funktioniert! Es gab nur kleinere Reparaturen bzw. Verbesserungen: Püttingeisen abgedichtet, neuer Geber für die Anzeige des Wassertanks und die alte elektronische Selbststeueranlage wieder zum Leben erweckt.

Verpflegung/Versorgung
Auf unseren Seestücken waren wir immer sehr gut mit vorgekochtem Essen versorgt, dass wir dann jeweils nur aufwärmen mussten. Auf Bermuda gibt es einen netten Lebensmittel-Laden direkt am Hafen… Aber alles ist EXTREM teuer… Daher haben wir uns auf Bermuda mit Einkäufen und auch mit auswärts Essen gehen sehr zurückgehalten.

Nun – in USA – gibt es (fast) alles, reichlich und zu moderaten Preisen. Das einzige Problem ist, dass die Lebensmittel-Geschäfte oft außerhalb und damit recht weit vom Hafen entfernt liegen. Das war aber in Beaufort kein Problem, denn unsere Marina hatte ein „Courtesy Car“, das wir kostenlos zum Einkaufen benutzen konnten.

Crew
Bis auf eine kurze Diskussion wieder ein sehr harmonischer Monat. Auf See haben wir uns jeweils mit den Wachen abgewechselt und hatten eigentlich nur am Nachmittag/frühen Abend eine Zeit, in der wir beide gleichzeitig wach und im Cockpit waren. Wir haben uns gut an die Wachen gewöhnt und hätten problemlos auch noch weiter segeln können. Wir interessieren und beide für unsere Ziele und informieren uns über Landschaft, Natur, Geschichte und mögliche Sehenswürdigkeiten auf unserer Reise.

Sightseeing
Nach einer Woche Segeln haben wir dann eine wunderbare Woche auf Bermuda verbracht. Eine ganz spezielle Insel mit viel sehenswerter (englischer) Geschichte, wunderbarem Wetter, türkisblauem Wasser, gepflegten Häusern und sehr netten Menschen. Einziger Nachteil: die Preise…

Eine weiter Woche Segeln brachte uns dann an die amerikanische Ostküste, genauer nach Beaufort, North Carolina, eine sehr gute Wahl: sehr gepflegt, sehr hübsch, moderat touristisch mit vielen Möglichkeiten für Sightseeing und netten Restaurants und Geschäften.

Nun sind wir unterwegs auf dem Intracoastal Waterway und haben bisher in North Carolina Oriental, Bath und Washington besucht. Die Orte sind unspektakuläre und sehr verschlafene Kleinstädte aber die Landschaft, in der sich Ozean und Flüsse treffen, ist wunderschön mit Bäumen, Büschen, Marschland und zahlreichen Tieren und Pflanzen.

Begegnungen
Auf Bermuda haben wir die Familiencrew der TROLL (die wir aus Phare Bleu auf Grenada kennen) und die MANWE (die mit uns die Odyssey gesegelt ist) wiedergetroffen. Mit der Crew der MANWE haben wir zwei nette Abende verbracht. Zufällig haben wir beim Radfahren Juneia und Charles kennengelernt, die seit 30 Jahren auf der Insel leben und mit denen wir uns nett unterhalten.

Jetzt in USA ist es sehr leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir werden – wohl wegen unseres Akzents – oft gefragt, wo wir herkommen und wir bekommen sehr oft Hilfe angeboten, z.B. hat eine nette Dame in Bath Ralf vom Supermarkt wieder zum Boot gefahren. Alle sind offen und freundlich. Es mag oberflächlich sein, aber ich finde diese Art sehr angenehm und nett.

Fazit
Ein sehr abwechslungsreicher und interessanter Monat, der uns von der Karibik über Bermuda in die Südstaaten der USA gebracht hat – ganz unterschiedliche Welten. Ich bin sehr froh, dass die großen Segelstrecken so gut geklappt haben und dass wir uns so schöne Orte wie Bermuda und Beaufort ausgesucht haben – beide sicher eine Reise wert!

Tag 332 - Bath-Washington: Das erste Washington

Wir bleiben in unserem bewährten Rhythmus und legen vor dem Frühstück ab. Es ist wieder schwachwindig, daher fahren wir unter Maschine weiter den Pamlico River hinauf und können wieder unterwegs frühstücken. Heute haben wir nur 16 sm geplant und ich schaffe es kaum, meinen nächsten Topflappen zu häkeln (die Wolle reicht tatsächlich wie ausgewogen), bevor wir schon wieder am Ziel ankommen. Unterwegs sehen wir zahlreiche imposante Häuser am Ufer, jeweils mit eigenem Anlegesteg. Wir vermuten Ferien- und Wochenendhäuser – wie am Eicher See – denn sie sehen unbewohnt aus. Wegen möglicher Überflutungen gibt es jeweils Treppen in den ersten Stock.
Wir fahren durch eine Eisenbahnbrücke, die immer offen ist, außer wenn ein Zug kommt. So wie sie aussieht, ist das eher selten der Fall… Unser Ziel heute ist Washington – nicht die bekannte Hauptstadt, sondern eine Kleinstadt hier in North Carolina. Sie bezeichnet sich selbst als „The Original Washington“, „First Washington“ oder „Little Washington“. Die Stadt wurde schon 1776 zu Ehren General Washingtons umbenannt, noch mitten im Unabhängigkeitskrieg (1775-1783).
North Carolina ist einer der ursprünglichen Dreizehn Kolonien – auf der amerikanischen Flagge repräsentiert durch die roten und weißen Streifen – die sich 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung vom Mutterland Großbritannien lossagten. Fall nicht bekannt: die anderen 12 Kolonien waren: New Hamshire, Massachusetts (mit Maine), Rhode Island, Connecticut, New York (mit Vermont), New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland, Virginia (mit West Virginia), South Carolina und Georgia, so dass die Dreizehn Kolonien heute 16 Bundesstaaten entsprechen.
Die Stadt selbst hat heute ca. 10.000 Einwohner und ist übersichtlich im Schachbrettmuster angelegt. Wir liegen direkt am Kai (Stern) und haben es nicht weit zu den Attraktionen…
Wir gehen das kurze Stück ins North Carolina Estuarium, dass sich mit den „Estuaries“ in North Carolina beschäftigt. Ein „Estuary“ ist eine spezielle Art der Flussmündung, in der sich das salzige Meerwasser mit dem Süßwasser eines Flusses mischt und dadurch ein spezielles Ökosystem erzeugt, das an das Brackwasser angepasst ist. Auf der Karte auch unser Hafen von gestern, Bath, und unser Ziel für morgen, Belhaven. Danach wollen wir weiter in den Alligator River (oben rechts).
Im Museum selbst dominiert ein Kunstwerk aus Treibholz die Lobby. Es ist von einem lokalen Künstler angefertigt und wird uns von einer Mitarbeiterin demonstriert. Die Treibholzskulptur symbolisiert die verschiedenen Landschaftsformen in North Carolina von den Bergen im Westen über die Felder bis zum Küstengebiet. Oben hängen noch der Mond und die Sonne und rings herum wird der Kreislauf des Wassers demonstriert. Dazu wird ein Wassertropfen (Ball) tatsächlich auf die Reise durch die Skulptur geschickt, fällt aus den Wolken über den Bergen, läuft durch die Landschaft an die Küste und durch die Flussmündung ins Meer, wo er dann wieder verdunstet – sehr schön gemacht!
Es gibt noch einen Film über die Naturschönheiten North Carolinas, viele interaktive Informationsstationen, die sich mit Natur und Umwelt beschäftigen und einige Becken mit typischen Tieren – auch das gefällt uns sehr gut.
Dann ist wieder Kaffeezeit und wir versuchen wieder, ein entsprechendes Etablissement zu finden. Und wieder ist es gar nicht so einfach. Die Straßen sind total ausgestorben und wir sind die einzigen, die unterwegs sind. Liegt es am leichten Regen? Oder weil hier niemand zu Fuß geht? Ist hier nur zu Ferienzeiten und am Wochenende etwas los? Wir finden schließlich einen Eisladen, der auch Kaffee verkauft und wir sind die einzigen Kunden. Auch auf der hübschen Promenade am Ufer ist niemand zu sehen…

Donnerstag, 31. Mai 2018

Tag 331 - R.E.Mayo Dock-Bath: Viele Tiere

Das Wetter wird jeden Tag besser und heute ist der Himmel schon fast blau, als wir uns wieder auf den Weg machen. Gleich als erstes müssen wir durch eine Brücke. Die Mindesthöhe für die festen Brücken ist mit 64 Ft angegeben (19,50 m) und wir benötigen nur 16,75 m (mit Antenne), aber ich ziehe trotzdem immer bei einer Durchfahrt den Kopf ein…
Heute sehen wir auch ein paar andere Boote, mehrheitlich auf dem Weg nach Norden und können den ICW-Bart bewundern – braune Streifen am Bug, die durch das tannin-haltige Wasser entstehen.
Sonst haben wir eine ruhige Fahrt, fast ohne Wind und völlig ohne Welle. Es ist sehr dunstig und das Wasser verschwimmt mit dem Himmel. Ich häkle die Umrandung für meinen ersten Topflappen und habe die Kamera mit dem Teleobjektiv bereitgelegt. Eine gute Idee, denn auf den Seezeichen haben sich eine Menge Pelikane niedergelassen. Wir sind etwas überrascht, in diesem Brackwasser auch Delfine zu sehen, aber ganz entfernt ist eine Rückenflosse zu erkennen.
Der Intracoastal Waterway überquert zahlreiche Flussmündungen und wir wollen heute den Pamlico River etwas weiter erkunden. Deswegen biegen wir vom Weg ab und fahren ein Stück weiter ins Landesinnere. Hier wird ein Seezeichen als willkommener Nistplatz verwendet und wir sehen einen großen Fischadler (Osprey), der uns interessiert beobachtet.
Unser Ziel heute ist Bath, die älteste Stadt von North Carolina (gegründet 1705). Auch hier hat der Pirat Blackbeard sein Unwesen getrieben. Das erste (und einzige) Haus am Platze ist nach ihm benannt und wir nehmen dort ein Getränk und ein paar Häppchen. Auch sonst hat er hier seine Spuren hinterlassen.
Es gibt noch verschiedene historische Gebäude und eine sehr aktive Historic Society. Zahlreiche Schilder weise auf die Geschichte hin. Heute leben ca. 250 Menschen hier und wir haben den Eindruck, dass es sich vorwiegend um Wochenendhäuser handelt.
Wir finden auch ein Schild mit einem Hinweis auf eine Dampfmaschine, aber Ralf, der das Teil genau anschaut, versichert mir, dass es sich nicht um eine Dampfmaschine, sondern um einen stationären Glühkopfmotor (wie beim Lanz-Traktor) handelt…
Unser Liegeplatz ist „Bath Harbor Motel & Marina“, wo wir sehr nett begrüßt werden und jegliche erdenkliche Hilfe angeboten bekommen. Die anderen Boote in Hafen sehen überwiegend schon seit längerer Zeit unbenutzt aus und auch Gäste sind hier wohl eher selten.
Mir gefallen besonders die motel-eigenen Katzen. Es gibt zwei dicke Kater und vor einigen Wochen haben sie eine Streunerin aufgenommen, die – wie sich dann herausstellte – schwanger war und zwei entzückende Junge bekommen hat, leider etwas scheu…