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Sonntag, 15. April 2018

Tag 285 - Buck Island-Lameshure Bay: Unlogischer Kurs

St. Croix liegt ca. 40 sm im Süden der anderen Virgin Islands. Wenn wir die vorherrschende Windrichtung (Ost) berücksichtigen, wäre seglerisch und geografisch sinnvoll, nun zu der westlichsten Insel (Virgin Gorda) zu segeln und uns dann langsam nach Osten zu bewegen. Leider gehört diese zu den britischen Inseln und wir müssten erst von den amerikanischen ausklarieren – was wieder Bürokratie bedeutet. Die nächste Wahl wäre dann umgekehrt von West nach Ost… aber auch das ist wahrscheinlich nicht möglich, denn Customs and Immigration auf St. John ist – laut offizieller Webseite – noch geschlossen (Hurrikan). Wir werden also zuerst nach St. John fahren, dann nach St. Thomas zum ausklarieren und dann zu den BVIs…
Wir fahren also morgens von Buck Island los und fast genau nach Norden Richtung St. John. Der Wind kommt aus Osten, also halber Wind von der Seite, der schnellste Kurs für die TRITON. Wir ziehen die (gereffen) Segel hoch und aktivieren Sir Henry. Dann lege ich mich etwas hin, denn ich habe nicht gut geschlafen und fühle mich nicht so fit. Es wird eine schnell und schaukelige Fahrt. Das Wellenbild ist chaotisch und unterwegs kommt die eine oder andere Schauerböe. Viel früher als erwarte, ruft Ralf mich nach oben, denn wir sind fast da und sausen mit über 8 kn Fahrt auf die Insel zu. Ralf nimmt das Groß herunter, ich werfe den Motor an und steuere in die ausgewählte Bucht an der Südseite von St. John. Kaum sind wir in der Abdeckung wird es wesentlich ruhiger und wir müssen nur noch die Fock wegrollen und uns eine der ausgelegten Mooring-Tonnen greifen.
St. John ist zu 2/3 Nationalpark und in den meisten Buchten ist das Ankern zum Schutz der Natur verboten. Die Parkverwaltung hat jedoch zahlreiche Tonnen ausgelegt. In unserer Bucht, Great Lameshure Bay, haben wir die freie Auswahl, denn wir sind hier die einzigen Gäste. Es fühlt sich gar nicht karibisch an – keine Palmen, bedeckter Himmel, fast kühler Wind und auch das Wasser ist nicht türkis. Ralf nutzt die Ruhe um wieder einen Wirbel am Anker zu befestigen – unser Anker und die Kette passen nicht optimal zusammen und wir haben schon verschiedene Kombinationen probiert. Außerdem ist ihm beim Segeln aufgefallen, dass die Spannung der Wanten etwas zu schwach aussieht.
Normalerweise werden die Wanten 1x pro Saison – beim Aufstellen des Mastes – gespannt und eingestellt. Nun sind wir ja schon wesentlich länger als unsere üblichen ca. sechs Wochen pro Saison unterwegs und das Material reckt sich. Daher jetzt die Kontrolle angesagt und tatsächlich, alle Wanten müssen alle nachgespannt werden. Das Messgerät gibt die Spannung in Prozent der Bruchlast an (hier im Moment 8 %, letzter roten Punkt). Eingestellt ist jetzt bei den Unterwanten 10 % und bei den Oberwanten 15 %.
Währenddessen recherchiere ich in verschiedenen Büchern (denn hier haben wir kein Internet) über die Virgin Islands um herauszufinden, welche der zahlreichen Buchten und Inseln wir besuchen wollen und welche Reihenfolge sinnvoll ist. Gestern haben wir von der MORA Tipps erhalten, unser Revierführer und unser Reiseführer schlagen Rundreisen vor und wieder gibt das Buch „14 Monate Sommer“ interessante Anregungen. Nun nur noch das Chaos im Cockpit beseitigen (denn der Werkzeugkasten steht ganz unten) und dann ist es schon wieder Zeit zum Abendessen.
So langsam gehen unsere Vorräte zur Neige, aber für Schinkennudeln und Salat reicht es noch. Bei der nächsten Gelegenheit müssen wir unsere ganzen Frischvorräte auffüllen. Wie schade, dass es hier keine französischen Inseln mehr gibt. Während ich mit den Vorbereitungen für das Essen beschäftigt bin, geht in unserer Bucht die Sonne unter. Es wird schnell so richtig pechschwarze Nacht. Wegen der Wolken sind weder Mond noch Sterne zu sehen. Es gibt hier keine Straßen, Häuser oder anderen Schiffe. So alleine waren wir schon lange nicht mehr!

Samstag, 14. April 2018

Tag 284 - Buck Island: Landausflug

Buck Island gefällt uns so gut, dass wir beschließen, noch einen Tag hier zu verbringen und uns auch noch die Insel anzuschauen. Also geht es mit dem Dinghy an den Strand. Wie in Barbados gelernt, klappt es mit dem Beachen und wir binden uns zur Sicherheit noch an einem Baum fest. Ich möchte als erstes Fotos von den Braunen Pelikanen machen, die in einer Bucht an der Nordseite fischen.
Wir nennen die Pelikane intern „Pelikanten“ weil uns das englische Wort für Kormoran (= Kormorant) gut gefällt. Daher ist ein Katamaran jetzt ein Katamarant und ein Pelikan eben ein Pelikant… Jedenfalls will ich mich vorsichtig nähern und immer mal wieder stehenbleiben und ein Bild machen – bis dann eben die Fluchtdistanz erreicht ist. Leider ist Ralf schneller unterwegs als ich und wir sehen dann nur noch die ganze Truppe um die Ecke verschwinden.
Es gibt hier nur einen Rundweg und wir versuchen, den Anfang in unserer Bucht zu finden. Gar nicht so einfach. Aber schließlich haben wir Erfolg und können dem Pfad durch die abwechslungsreiche Vegetation der Insel folgen.
Schon am Strand gab es einiges zu sehen und Besucher haben Schneckenhäuser in die Bäume gehängt. Neben den Bäumen und einigen Blüten sind vor allem die Bromelien und die zahlreichen Kakteen sehenswert. Nach dem reichen Unterwasserleben gestern fällt die Fauna an Land etwas ab. Außer den Pelikanten und einigen Schmetterlingen und Spinnen gibt es nur wieder die allgegenwärtigen Geckos und Ameisen – zumindest haben wir sonst keine Tiere gefunden.
Der Weg führt bergauf zu einer Aussichtsplattform, wo es dann prompt zu regnen anfängt – eine typische Schauerboe. Wir ruhen uns etwas aus, trinken das mitgebrachte Wasser und essen Äpfel. Ich bin etwas frustriert, denn das Laufen ist mir heute schwergefallen. Auf ebenen Strecken komme ich ganz gut zurecht, aber ich bin nicht mehr wirklich geländegängig. Blödes Rheuma. Von oben können wir das Riff genau erkennen.
Dann geht es auf der anderen Inselseite wieder herunter bis wir am Südstrand auf einem Picknickplatz ankommen. Sehr nett gemacht, allerdings wäre es besser gewesen, die Latrinen nicht genau in Windrichtung unterzubringen. Am Strand entlang kommen wir an ungewöhnlichen Felsformationen vorbei.
In unserer Bucht war heute Morgen mit Touristenboten, kleinen Motorboten und einem Ankerkuschler einiges los, aber jetzt sind nur noch wir und die MORA da. Wir verabreden uns mit Monika und Ralph zu einem Sundowner bei ihnen an Bord, aber die Sonne ist schon sehr lange untergegangen, bis wir wieder auf der TRITON sind. Wir tauschen uns über diverse technische Fragen aus, von Batterien über Fenster bis zu neuem Teakdeck – sehr interessant. Wir bekommen noch ein paar Tipps für die BVIs und bedauern, dass wir morgen in jeweils entgegengesetzte Richtungen segeln werden. Ihr Blog habe ich rechts verlinkt (Webansicht).

Freitag, 13. April 2018

Tag 283 - SCYC-Buck Island: Traum in Türkis

Ralf hat unseren Kühlwassermengendurchflusspiepser (es ist wirklich nett, wie man im Deutschen unbegrenzt Substantive aneinanderreihen kann) wieder zum Leben erweckt und wir können losfahren. Diesmal ist es einfacher aus dem Riffsystem herauszufinden, denn wir brauchen nur unserer Track-Linie zu folgen. So erreichen wir problemlos die Ausfahrt und können sogar die Fock ein Stück herausziehen. Heute ist unser Ziel Buck Island, das direkt vor der Nordküste liegt. Die Insel ist seit 1961 Naturschutzgebiet und zu 2/3 von einem Korallenriff umgeben. Wir haben die Erlaubnis erhalten, vor der Westküste der Insel zu ankern (im Bild gelb umrandet).
Von dort aus fahren wir dann mit dem Beiboot an die Ostspitze, wieder durch eine von Korallen gebildete Lagune, bei der die Einfahrt mit einer roten und grünen Tonne markiert ist. Wie immer in der Karibik gilt hier Betonnungssystem B, genau vertauscht zu unserem europäischen System A. Die rote Tonne muss also bei der Einfahrt rechts gelassen werden (red-right-returning). Das Wasser in der Lagune ist von einem unglaublich schönen, klaren Türkis, auf dem Riff selbst oliv-braun mit weißen Schaumkronen, wo sich die Wellen brechen und draußen dann leuchtend blau. Ich könnte stundenlang nur die verschiedenen Schattierungen (deutlich mehr als 50) bewundern.
Vor dem Riff an der Ostseite sind von der Parkverwaltung Mooringtonnen ausgelegt worden, damit nicht mit Ankern das Riff beschädigt wird. Eine beschränkte Anzahl von Veranstaltern haben Konzessionen erhalten, Gäste hierher zu bringen und private Boote benötigen eine Erlaubnis. So wird die Zahl der Besucher angenehm beschränkt. Heute sind wir ganz alleine da und können uns eine Mooring aussuchen. Wir ziehen unsere Panorama-Schnorchelmasken an und tauchen ein in eine andere Welt.
Ich habe ja erst ein paarmal geschnorchelt und daher fehlt mir der Vergleich, aber hier ist es unter Wasser wirklich beeindruckend! Es gibt einen Unterwasser-Schnorchel-Pfad mit Hinweistafeln, aber auch ohne diese ist es ein Erlebnis.
Die Steinkorallen bilden eine fantastische Unterwasser-Landschaft mit ganz unterschiedlichen Formen und Strukturen und dazwischen schwimmen zahlreiche Fische, die offensichtlich an Menschen gewöhnt sind und sich nicht von uns in ihren Aktivitäten stören lassen.
Besonders schön ist die Begegnung mit einem ganzen Schwarm von Blauen Doktorfischen, die als Nomaden im Riff unterwegs sind.
Die Zeit vergeht wie im Flug und schließlich schwimmen wir zu unserem Beiboot zurück. Im tiefen Wasser sehen wir noch einen – wie ich finde recht großen – Barrakuda, der sich aber nicht für uns interessiert. Trotzdem bin ich froh, als ich es wieder zurück ins Beiboot geschafft haben.
Zurück auf der TRITON philosophiere ich gerade darüber, dass wir wahrscheinlich die einzigen Deutschen hier auf St. Croix sind, als eine deutsche Hallberg Rassy neben uns ihren Anker wirft. Ralph von der Mora kommt noch auf einen kurzen Plausch mit dem Beiboot herüber. Sie sind schon seit 2016 unterwegs und haben den Winter an der amerikanischen Ostküste verbracht.

Donnerstag, 12. April 2018

Tag 282 - St. Croix YC: Octopussy und Abendessen

Es ist recht windig und daher schaukelt unser Schiff auch vor Anker recht stark, aber ich habe mit mittlerweile so daran gewöhnt, dass ich es nur beim Laufen merke, wenn ich torkle, wie eine Betrunkene… Die Schaukelei hält uns also nicht davon ab, ein paar Arbeiten zu erledigen. So haben wir einen Piepser, der uns warnt, wenn nicht genug Kühlwasser zum Motor fließt und dieser soll immer zur Probe piepsen, wenn der Motor aktiviert wird. Und das tat er (der Piepser) nicht zuverlässig. Also hat sich Ralf in die Tiefen des Motorraums begeben und das ganze Teil ausgebaut. Wie sich herausstellt war es 1. vor rund 20 Jahren falsch eingebaut worden (was aber bisher nie Ärger gemacht hat) und 2. hatte sich ein kleiner Oktopus hinein verirrt (was diesen, dem Oktopus, großen Ärger bereitet hat).
Im Moment ist das Gerät für eine Grundreinigung in Essig eingelegt. Das nächste Projekt war das Eindichten des Hahns für die Seewasserversorgung in der Spüle. Nun ist der Hahn dicht, aber es kommt kein Wasser mehr – ob da auch ein Oktopus im Schlauch sitzt? Durch einen Trick (Pumprichtung umdrehen) kann Ralf die Verstopfung beseitigen. Während Ralf mit der Materie kämpft sitze ich am Schreibtisch und kümmere mich um Finanzen, Versicherungen und Wetterdaten. Bei mir läuft es besser, denn es gelingt, die Daten von unserem neuen Wetteranbieter (PredictWind) per Satellit abzurufen und auch den Anhang mit dem Programm zu öffnen.
Am Nachmittag fahren wir dann an Land in den Segelclub, wo wir uns zum Abendessen angemeldet haben. Wir werden wieder herzlich empfangen und bekommen sogar einen Clubstander geschenkt. Es ist noch einmal etwas ganz anderes, in einem privaten Segelclub zu sein, als in einer kommerziellen Marina.
Runde Tische sind festlich gedeckt und ab 18:00 Uhr versammeln sich die Mitglieder für einen Sundowner an der offenen Bar. Wir sitzen mit einer netten Gruppe am Tisch und unterhalten uns über Gott und die Welt. Wir bekommen den Eindruck, dass viele hier nicht wegen des Segelns, sondern wegen der Kontakte und Gespräche in den Club kommen. Es war jedenfalls ein sehr netter Abend.

Mittwoch, 11. April 2018

Tag 281 - Gallows Bay-SCYC: Immer am Riff entlang

Wir wollen heute in den St. Croix Yacht Club fahren – das sind nur sechs Seemeilen und daher lassen wir es morgens langsam angehen. Eine der ganz großen Vorteile dieser Reise ist es, dass ich jeden Morgen ohne Wecker aufwachen darf. Wir fahren wegen des Sonnenstands erst um 14:00 Uhr weg und vorher befestigt Ralf noch das Ruder von Sir Henry (mit den neuen Gummipuffern) wieder an seinem Platz.
Für die kurze Strecke packen wir ausnahmsweise auch keine Segel aus, sondern fahren mit Motor. Dadurch werden auch unsere Batterien wieder voll geladen und es gibt heißes Wasser zum Spülen. Da es gegen den Wind geht, schaukelt und spritzt es ganz gut.
Der Sonnenstand ist wichtig, weil vor dem Club ein langgestrecktes Riff liegt und wir gerne bei der Einfahrt die Sonne im Rücken haben wollen, um eventuelle Korallenköpfe und Untiefen besser erkennen zu können. Ich stelle mich auch – wie in unserem Revierführer empfohlen – an den Bug, um die Situation zu beobachten. Allerdings traue ich mir nicht zu, die Wassertiefe zu beurteilen oder Korallen von Seegrasfeldern, Wolkenschatten oder Steinen zu unterscheiden…
Glücklicherweise ist unsere elektronische Karte ziemlich genau und wir lesen auf der ganzen Strecke keine Tiefe unter 5 m und kommen gut in der Bucht vor dem Segelclub an. Es ist aber schon beeindruckend, wie sich neben uns das Wasser auf dem Riff bricht. Unser Freund Günter würde sicher sagen: „Da laufen die Enten!“
Bei einem unserer Ausflüge haben wir den Club schon einmal auf dem Landweg besucht und waren sehr freundlich aufgenommen und eingeladen worden. Heute können wir zunächst die Optis beim Trainieren beobachten – wie toll, ein so absolut windsicheres Revier zu haben! Na ja, dafür gibt es bei uns keine Hurrikane…
Dann fahren wir noch mit dem Dinghy an Land und melden uns für morgen Abend zum Dinner an. Heute ist nix los, aber von Mittwoch bis Sonntag wird der Club bewirtschaftet. Wir gehen vom kleinen Strand aus noch eine Runde im Meer schwimmen und dürfen auch die Duschen im Clubhaus benutzten. Danach sitzen wir noch eine Weile auf Schaukelstühlen auf der Veranda und schauen auf die schöne Bucht und unser Schiff – was für ein Privileg, hier sein zu dürfen!

Dienstag, 10. April 2018

Tag 280 - Gallows Bay: Wo ein Wille ist...

Im Laufe unseres gemeinsamen Lebens (ganz unbemerkt waren es am 2. April 34 Jahre) hat es sich ergeben, dass sich Zuständigkeiten für bestimmte Aufgabengebiete entwickelt haben. So bin ich seit vielen Jahren die „Elektronik-Beauftragte“ und so kommt es, dass Ralf mich heute Morgen bittet, sein neues Smartphone und insbesondere WhatsApp für ihn einzurichten. Ich habe also drei Smartphones am Start: Mein altes Galaxy mit unbegrenzt Datenzugriff, Ralfs neues Galaxy und Ralfs altes Huawei. Dazu noch drei SIM-Karten: Aldi-Talk für die EU, Flow für Ex-englische Kolonien und AT&T für die USA.
Ein bisschen komplex ist, dass WhatsApp einen Verifizierungscode per SMS auf die registrierte Nummer schicken will und das ist die Aldi-Nummer auf der aber nur noch weniger als ein Euro Guthaben ist… Egal, WhatsApp herunterladen, Aldi-SIM rein (dazu muss beim neuen A7 immer die Rückseite aufgemacht und der Akku herausgenommen werden), Gerät anschalten und… eine Netzentsperrungs-PIN wird verlangt.

*****Beginn Wut- und Jammerrede (ggf. nach unten scrollen)*****

Moment, wir haben doch extra unsere Situation mit den diversen SIM-Karten im Shop geschildert und extra ein entsperrtes Telefon gekauft??? Internet Recherchen ergeben, dass Samsung noch eine Regionen-Sperre auf seinen Telefonen hat, die erst aufgehoben wird, wenn mindestens fünf Minuten im Netz des Kauf-Landes telefoniert wird. Also: Telefon auf, Akku raus, Karte raus, Karte rein, Telefon an und mein Telefon angerufen… Alles wieder rückwärts und… nix, immer noch Fehler… Grrr!!!

Neue Recherche und Anruf bei der Hotline von AT&T, Warteschleife, Ergebnis: Das Telefon muss erst über eine Webseite entsperrt werden… Daten auf der Webseite eingetragen (jetzt kenne ich auch die IMEI des neuen Geräts…), Mail bestätigt, auf Antwortmail gewartet, Ergebnis: Das Telefon muss mit einem Prepaid-Plan erst sechs (!) Monate genutzt werden, bevor es entsperrt werden kann. WIE BITTE??? Wir haben doch extra ein „unlocked“ Gerät gekauft (und teuer bezahlt)!

Auf der AT&T Support Seite im Web (mittlerweile habe ich auch noch den PC am Start) geht ein Chatfenster auf und ich werde nach meinem Problem gefragt. Prima, Lesen und Schreiben finde ich besser als das Nuscheln am Telefon zu verstehen oder technische Details auf Englisch zu erklären. Die Dame ist sehr höflich und professionell (mit netten Phrasen), aber sie will mich wieder an die Prepaid-Hotline verweisen. Erst als ich schreibe, dass ich „VERY unsatisfied“ mit den Service und der (falschen) Beratung bin, gibt sie mich weiter an die nächste Support-Ebene.

Und hier gerate ich an einen netten, kompetenten und lösungsorientierten Menschen, der mir wirklich helfen will. Zusammen kämpfen wir noch ca. zwei Stunden mit Daten-Mails, Verifizierungs-SMS, diversen Nummern und mehrfachem SIM-Karte-Rein-Raus-Spielchen (s.o.) und dann haben wir tatsächlich die Sechs-Monats-Sperre überlistet, die Aldi Karte läuft und sogar die WhatsApp-SMS kommt noch durch. HA! Eine gewisse Frustrationstoleranz und Hartnäckigkeit war dabei schon ganz hilfreich... Gefühlt kann ich jetzt anfangen, im Support zu arbeiten...

*****Ende Wut- und Jammerrede*****

Sollte jemand in den letzten Tagen Ralf ein WhatsApp geschickt haben und keine Antwort erhalten haben, bitte nochmals schicken, das ist dann vielleicht im Rahmen des Telefonwechsels verschwunden.

Während ich in der virtuellen Welt unterwegs bin darf Ralf sich mit der Bürokratie „in echt“ auseinandersetzten, denn wir wollen nach Buck Island und das ist ein Naturschutzgebiet, für das eine Erlaubnis erforderlich ist. Wir hatten gedacht, gehofft, erwartet, dass das „einfach so“ geht, aber weit gefehlt. Erst mal einen „Antrag auf Erteilung eines Antragformulars“ ausfüllen und heute kann das sowieso nicht mehr bearbeitet werden… Morgen können wir dann telefonisch nachfragen, ob es geklappt hat…

Außerdem ist Ralf im Baumarkt und beim Schiffsausrüster unterwegs. Wir brauchen eine neue Windex (Windrichtungsanzeige) für oben auf dem Mast, den bei der alten ist die Hälfte weggeflogen. Ein weiteres Projekt ist das Ruderblatt von Sir Henry, an dem wir uns das Dinghy aufgerissen hatten. Die spitze Ecke bekommt zwei Gummi-Stopper als Schutz. So wird uns hier an Bord wirklich nicht langweilig – im Gegenteil, es gibt immer wieder etwas Neues zu tun.

Montag, 9. April 2018

Tag 279 - Christiansted: Historische Erkenntnisse

Ich habe für diesen Monat ein „unlimited“ Datenpaket bei AT&T gekauft und so kann ich heute Morgen gemütlich über WhatsApp mit meinen Eltern telefonieren. Ich freue mich immer sehr, wenn ich Neuigkeiten von daheim höre. Und wenn ich dieses Blog schreibe, dann denke ich dabei an meine Eltern und Schwiegereltern, die so an unserer Reise teilnehmen können. Ralf gibt unser Auto zurück und dann gehen wir zusammen zum Brunch in eins der netten Restaurants am „Broadwalk“
Wir kommen dabei mit einem Herrn am Nachbartisch ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er, wie schon sein Vater und Großvater vor ihm, eine spezielle Rasse von Rindern auf St. Croix züchtet. Die „Senepol“ Rasse ist eine Kreuzung der von afrikanischen Rindern aus dem Senegal mit hornlosen, englischen Red-Poll Rindern und hat die Vorzüge von beiden: Hitzetoleranz, Insektenresistenz, extreme Gutmütigkeit, gutes Fleisch und hohe Milchproduktion. Leider haben wir es gestern nicht mehr geschafft, das „Lawaetz Family Museum“ und die Rinder zu besichtigen.

Heute wollen wir Christiansted zu Fuß erkunden. Die Inselzeitung schlägt einen kurzen Rundweg vor und wir laufen los. Über der Stadt liegt eine schläfrige Sonntagsruhe und außer uns sind kaum andere Menschen unterwegs. Dafür gibt es hier zahlreiche Hühner. Wir haben überall in der Karibik nette und gepflegt freilaufenden Hühner getroffen, aber noch nirgendwo so viele wie hier. Sie gehen angstfrei ihren Geschäften nach und wir fragen uns, ob sie jemandem gehören und abends wieder in ihren Stall heimkehren oder ob sie ganz unabhängig leben…
Die Architektur hier ist sehr dänisch und wir laufen angenehm im Schatten durch die vielen Arkaden.
Zwischendurch werfen wir noch einen Blick in das sehr kleine Ein-Raum-Apotheken-Museum.
Zuletzt besichtigen wir noch die „Christiansted National Historic Site“ zu der Fort Christiansværn und verschiedene andere Gebäude aus der dänischen Kolonialzeit gehören, wie z.B. das Zollhaus, das Scale House und das Steeple Building, das zeitweise als Kirche genutzt wurde.
Von oben haben wir einen schönen Blick über die Bucht und können uns gut vorstellen, wie es von hier aus möglich war, den Hafen zu kontrollieren (finde die Triton).
Im Fort selbst gibt es eine interessante Ausstellung zu 100 Jahre Zugehörigkeit zu Amerika („Transition Day“ war am 31.03.1917) mit Zeittafel und einem Video, in dem ältere Inselbewohner und Historiker zu Wort kommen. Ein weiterer Raum ist Alexander Hamilton gewidmet, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, der auf dem 10-Dollar-Schein abgebildet ist.
Seine Lebensgeschichte und die seiner Eltern liefert problemlos Stoff für mehrere Romane. So war seine Mutter Rachel auf St. Croix verheiratet und ihr Mann ließ sie einige Monate wegen „ehelicher Fehler“ im Fort einkerkern… Kein Wunder, dass die Dame dann lieber wieder auf ihre Heimatinsel Nevis zurückkehrte und dort mit einem anderen Mann zusammenlebte. Alexander und ein weiterer Sohn stammen aus dieser Beziehung. Später kehrte Rachel dann mit den beiden Kinder nach St. Croix zurück. Alexander begann bereits mit 11 Jahren für ein Handelsunternehmen zu arbeiten.

Nach dem frühen Tod der Mutter tauchte der erste Ehemann wieder aus der Versenkung auf und kassierte das Erbe. Die Kinder kamen zu verschiedenen Verwandten/Bekannten. Alexander arbeitete weiter und fiel durch sein Geschäfts- und Verwaltungstalent auf. Seine Beschreibung eines zerstörerischen Hurrikans wurde sogar in der Zeitung veröffentlicht. Schließlich fanden sich Mentoren, die ihm ein Studium in Amerika ermöglichten. Er gehörte im Unabhängigkeitskrieg zum Stab von George Washington und wurde später dessen Finanzminister. Auch sein Tod durch eine Schussverletzung in einem Duell mit dem Vizepräsidenten ist sicherlich romanwürdig…

Sonntag, 8. April 2018

Tag 278 - St. Croix: Natur und Kultur

Gestern waren wir auf der Ostseite der Insel, heute ist entsprechend die Westseite an der Reihe. Das Fahren fühlt sich sehr amerikanisch an (bis auf den Linksverkehr), denn es gibt die bekannten, gelben Mittelstreifen und viele große Vans und SUVs.
Wir kommen an einem großen Industriegelände vorbei. Wie sich herausstellt ist es eine Öl-Raffinerie, laut Wikipedia bis zu ihrer Schließung im Februar 2012 eine der 10 größten der Welt. Wer hätte gedacht, das so etwas auf eine kleinen Karibik-Insel zu finden ist. Die – sehr kurzfristige – Schließung war natürlich ein harter Schlag für die Einwohner. Angeblich soll es aber Investoren geben, die an der großen Lagerkapazität interessiert sind.
Nach den eher hässlichen Türmen und Tanks kommen wir im „St. George Village Botanical Garden“ in eine ganz andere Welt. Der Garten befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Zuckerrohr-Plantage. Heute sind nur wenige Besucher da und die Stimmung ist wunderbar entspannt und fast meditativ. Das beginnt schon in dem wunderschönen Atrium am Eingang. Wir bekommen einen Plan, der uns auf einem Rundweg an verschiedenen Punkten vorbeiführt und Pflanzen und Gebäude erklärt. So gibt es zum Beispiel noch eine alte Schmiede mit entsprechender Einrichtung.
Auch dieses Gelände hat unter dem Hurrikan gelitten, aber die Natur hat auch viel Kraft und überall sehen wir bunte Blüten und neue Triebe.
Alles ist grün und üppig und sehr gepflegt. Teilweise gibt es angelegte Wege oder Brücken. Aber es führt auch ein Pfad durch ein Stück Regenwald.
Die verschiedenen Pflanzen zusammen mit den verfallenen oder teilweise auch restaurierten Gebäuden ergänzen sich zu einer faszinierenden Mischung. Wir fühlen uns an die alte Ruinenstadt in Dschungelbuch erinnert.
Es erfordert bestimmt viel Erfahrung und eine Menge Arbeit, die Anlage so natürlich und nach Wildwuchs aussehen zu lassen. Es gibt aber auch einen Bromelien- und eine Kakteen-Garten. Neben den Pflanzen sind auch eine ganze Menge Tiere unterwegs. Neben den allgegenwärtigen Geckos gibt es auch fruchtfressende Fledermäuse, die ihr Tagesschläfchen halten und zahlreiche Libellen, Bienen und Schmetterlinge.
Wir kaufen noch den Druck einer antiken Seekarte und eine Ansteckblume im Shop und unterhalten uns eine Weile mit der netten Polin, die dort arbeitet. Dann fahren wir ein kleines Stück weiter zur Whim Plantage mit angeschlossenem Museum. Auch hier sind wir fast die einzigen Besucher. Leider hat das Haupthaus beim Hurrikan schwere Schäden erlitten. Das Dach wurde abgedeckt und Feuchtigkeit hat das Innere zerstört. Daher findet auch keine Führung statt. Wir können nur die Reste der Zuckerpresse und Mühle besichtigen.
Dafür bekommen wir aber etwas ganz Unerwartetes geboten. Ein traditionell gekleidetes Paar gibt eine Vorführung mit Cariso Musik. Wir lernen, dass das von Frauen gesungene Lieder waren – oft in Form von Vorsängerin und antwortendem Chor – mit denen historische Ereignisse aber auch Neuigkeiten und Klatsch erzählt wurden. Begleitet werden die Sängerinnen von einem Trommler. Die Dame erzählt und eindringlich von der lokalen Geschichte der Insel und singt dann die dazu gehörenden Lieder – sehr eindrucksvoll!
In der noch erhaltenen Küche bekommen wir von einer weiteren Dame Fischbällchen und „Bush-Tea“ angeboten. Das ist Tee, der aus hier wachsenden, verschiedenen Sträucher zubereitet wird. In unserem Fall ist das Salbei – erstaunlich schmackhaft. Wir bekommen aber auch noch Thymian und Lorbeer gezeigt.
In weiteren Gebäuden gibt es verschiedene Ausstellungen über Einzelschicksale von Einwohnern und einen Raum, der von örtlichen Schülern gestaltet wurde und sich mit der Sklaventradition hier auf der Insel beschäftigt. In der wechselvollen Geschichte der Insel stand sie unter spanischer, englischer, holländischer, französischer, maltesischer und für mehr als 200 Jahre auch dänischer Flagge. Die Schüler sind daher nach Dänemark gereist, um sich mit der gemeinsamen Vergangenheit auseinanderzusetzten. Erst 1917 wurden die Inseln dann von Dänemark für 25.000 Dollar in Gold an die Amerikaner verkauft.
Wir machen noch einen Abstecher nach Frederiksted, aber dort ist es wie ausgestorben. Offensichtlich erwacht die Stadt nur zum Leben, wenn am schön restaurierten Pier die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Immerhin bekommen wir hier noch ein spätes Mittagessen.
Erfüllt mit vielen Eindrücken fahren wir – auf der einzigen vierspurigen Straße der Insel – zurück nach Christiansted. Insgesamt gefällt es uns hier sehr gut. Wir erleben wieder sehr freundliche und entspanne Bewohner und eine abwechslungsreiche Insel. Es gibt zwar Touristen und touristische Ziele aber in einer uns angenehmen Menge. Zurück am Wasser können wir vom Steg aus noch die großen Fische beobachten, die hier zahlreich zu finden sind.
Überhaupt ist das Ufer hier sehr schön gestaltet, mit einem breiten Weg, der vor den verschiedenen Restaurants, Geschäften und Bars entlangführt. Dort erwartet uns auch unser treues Dinghy und es geht zurück an Bord.
Wir wollen gerade in den Entspannungs-Modus verfallen, als andere Segler mit dem Beiboot vorbeikommen und uns erzählen, dass wir hier nicht bleiben können, weil heute Nacht ein großes Schiff erwartet wird. Wir ziehen also noch den Anker hoch und verholen uns in einen anderen Teil der Bucht.