Sonntag, 26. Juli 2026

Tag 52 - Aalborg: Aussichten und Einsichten

Mit frischen Kräften nach dem Ruhetag gestern und bei strahlender Sonne machen wir unsere Fahrräder klar, um die Stadt zu erkunden.
Wir wollen gerne das "Kunsten", ein Museum für moderne Kunst, besuchen aber dann beschließen wir, zuerst auf den Aussichtsturm, den Aalborgtårnet, zu fahren, der direkt daneben steht. Der Turm selbst ist für eine Ausstellung errichtet worden und mittlerweile zu einem Wahrzeichen von Aalborg geworden. Wir sind angenehm überrascht, dass im Restaurant auf der Spitze sehr leckere Brote serviert werden.
Natürlich genießen wir auch die Aussicht über die Stadt und den Limfjord. Wir sehen die Kirche und die vor der Brücke wartenden Boote.
Dann fahren wir zurück zum Museum, und Ralf schaut die Prinzessin (und den in einen Frosch verwandelten Prinzen) an, die direkt davor stehen (siehe auch Titelbild). Irgendwie sieht die Dame nicht besonders motiviert aus, den Herrn zu erlösen. Im Museum besuchen wir zunächst den Skulpturengarten mit einem wunderbaren Springbrunnen, bei dem das Wasser machmal stoppt, damit man die Mitte erreichen kann, einem künstlerischen Minigolf und einem Märchenschloss
Ich bin fasziniert von im Dreieck aufgestellen Spiegeln, die das Innere aber auch den Himmel reflektieren.
Im Gebäude besuchen wir zunächst eine Ausstellung der dänischen Malerin Berit Heggergougen-Jensen zu ihrem 70. Geburtstag. Ralf findet, dass zuviel Text geschrieben werden muss, um ihre Bilder zu erklären.
Ein weiterer Teil der Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit "Sisters Hope" entstanden, einer international anerkannte Performancegruppe "im Spannungsfeld von Kunst, Aktivismus, Forschung und Bildung". Kunst soll nicht nur betrachtet, sonders ästhetisch, sinnlich und poetisch erlebt werden. Es sind unter anderem Teile aus dem Projekt "Sisters Hope Home" ausgestellt, darunter auch die Stockbetten des Schlafraums. Sie dürfen genutzt werden und es gibt Kopfhörer mit einer geführten Meditation dich ich sehr genieße und die Ralf für ein Mittagsschläftchen nutzt.
Besonders gut gefällt mir in diesem Museum, dass es an verschiedenen Stellen Gelegenheiten gibt, selbst kreativ tätig zu werden. So kann an einer Stelle ein Bild mit einem Goldrahmen gemalt werden, es gibt ein große Wand für "Elastik-Kunst" (Gummibänder über Holzpins) und interessant geformte Holzstäbe zum Bauen.
Das alles dauert natürlich seine Zeit und wir werden von der Durchsage überrascht, das das Haus in einer halben Stunde schließt. So können wir nur noch einen kurzen Blick in die "Late Picasso" Ausstellung werfen.
Picasso "malte am Tag und zeichnete bei Nacht" und so sind auch diverse kleine Grafiken ausgestellt. Ich bin fasziniert von den unterschiedlichen Stilrichtungen, die Picasso verwendet hat.
Mittlerweile ist es 17:00 Uhr und da haben die Cafés hier schon zu. Wir beschließen, in eine Eiskaffee in der Innenstadt zu fahren. Dort bekommen wir die "Sommer-Platte" mit sechs verschiedenen kleinen Kugeln. Ich riskiere Lakritze, kann es aber nicht wirklich empfehlen...
Wir gehen noch zum nahegelegenen Netto, um unsere Vorräte aufzustocken und sehen dort im Hinterhof eines der zahlreichen Wandgemälde, für die die Stadt bekannt ist - dazu morgen mehr. Insgesamt wieder ein schöner und interessanter Tag!

Samstag, 25. Juli 2026

Tag 51 - Aalborg: Vom Sommer in den Herbst

So gut wie auf dem Schiff schlafe ich daheim nicht und wir lassen es heute langsam angehen. Wir haben beide verschiedene Projekte - so will Ralf klappbare Pedale an seinem Fahrrad montieren.
Ich packe aus, verstaue die Taschen und beschäftige mich mit allgemeinen Plänen für unsere Reise (siehe Titelbild) und mit konkreten Plänen für die nächsten Tage. Hier ist es nass, kalt und windig und es fühlt sich an, als ob wir vom Sommer in den Herbst gereist sind.
Auch für die nächsten Tage ist noch Starkwind aus westlichen Richtungen vorhergesagt und so beschließen wir, uns in Ruhe die Stadt anzuschauen. Wir laden uns zwei Audioguides für Touren herunter und haben auch schon zwei Museen ausgesucht. Hier an unserem Liegeplatz ist absolut nichts los. Kein Mensch auf den Booten und auch niemand im Clubaus. Die Häuser rings um den Hafen wirken unbewohnt.
Wir sind gespannt, wie wir morgen die Stadt erleben und ob wir ein paar Einwohner oder Touristen treffen. Zum Abschluss des Tages lässt sich die Sonne noch ganz kurz hinter dunklen Wolken blicken.

Freitag, 24. Juli 2026

Tag 50 - Griesheim-Aalborg: Eine Übung in Geduld

Wir hatten eine sehr abwechslungsreiche und intensive Zeit in der Heimat mit der Masterfeier von Paul, dem Geburtstag von Hildegard, schönen Begegnungen mit Freunden und Spaß mit dem Enkel. Aber auch mit Buchhaltung, Nebenkostenabrechnung, Steuererklärungen und Besorgnis über den Gesundheitszustand eines Familienmitglieds. Nun sind wir froh, aus der komplexen Welt daheim mit ihren vielen unerschiedlichen Anforderungen wieder in die lineare und unmittelbare Welt auf dem Boot zurückzukehren. Heute morgen um 5:30 Uhr fährt uns die liebe Hildegard in den Sonnenaufgang zum Bahnhof. Geplant ist, um ca. 18:00 Uhr auf dem Boot zu sein.
Erster Stopp ist in Frankfurt, wo wir unsere reservierten Plätze im ICE Richtung Hamburg haben. Ich habe selten so unbequem gesessen, aber trotzdem gelingt es mir, etwas Schlaf nachzuholen.
Wir sollen in Hamburg-Harburg etwa 20 Minuten Zeit zum Umsteigen haben und kommen dort auch recht pünklich an. Meine DB-App informiert mich, dass unser Anschlusszug ausfällt und die Zugbindung aufgehoben ist. Erst mal kein Problem, denn eine Stunde später fährt der nächste Zug und so haben wir Gelegenheit, gemütlich im Bahnhofscafé zu Mittag zu essen. Wir unterhalten uns nett mit einer hochschwangeren Dame am Nebentisch (die Ralf in seiner charmanten Art direkt nach dem Geburtstermin gefragt hat). Wie sich herausstellt hat sie schon zwei Kinder, davon ein Schulkind mit LRS und wir tauschen uns über die Problematik aus. Offensichtlich hat sich in den letzten 25 Jahren wenig an der Kompetenz der Lehrkräfte geändert... 

Zurück auf dem Bahnsteig warten wir mit vielen anderen Menschen auf den angekündigten Anschlusszug, der um 12:35 Uhr abfahren soll aber nicht kommt. Beim Warten kommen wir mit einem Herrn ins Gespräch, der eine große rechteckige Tasche dabei hat. Wir erfahren, dass er darin sein Rennrad transportiert und eine Tour von Kopenhagen nach Göteborg machen will. Die Gespräche werden schnell sehr technisch, denn er ist a) Physiker und hat b) das Fahrrad selbst aus einzelnen Kompontenten zusammengestellt. Schade das Paul nicht dabei ist!

So vergeht die Zeit und wir warten und warten. Aus 60 Minuten Verspätung werden erst 80, dann 120 und schließlich 160 Minuten... Schließlich kommt dann ein tschechischer Zug in den Bahnhof gefahren und es geht tatsächlich los! Es gibt einen Speisewagen wo Ralf tatsächlich einen Cappuccino aus einer Porzellantasse bekommt.
Unser nächster Anschluss sollte in Kolding sein, aber der ist natürlich schon lange weg... Glücklicherweise bekommen wir dann aber noch - nach einiger Wartezeit - den letzten durchgehenden Zug nach Aalborg. Das Gute an der Warterei ist, dass wir uns dabei mit anderen Betroffenen austauschen. Hier ist es eine Simultandolmetscherin, Französin mit einer schottischen Mutter, die in Berlin lebt und Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch übersetzt, unter anderem auf Kongressen, für Bundesministerien und für das europäische Patentamt. - Wir haben uns schon daheim Brote geschmiert und das in weiser Vorraussicht in Hamburg-Harburg noch ergänzt, so dass wir jetzt ein gutes Abendessen haben.
Die dänischen Züge gefallen uns sehr gut: bequeme Sitze,  Tische und kleine Regale mit Kaffee, Tee und Wasser. Dazu bringt die Zugbegleiterin noch belegte Knäckebrote (siehe Titelbild). Wir kommen in Aalborg an und steigen erst einmal am falschen Bahnhof aus. Wir merken es rechtzeitig und klettern zurück in den Zug. Nun ist es nur noch eine kurze Fahrt im Bus. Mittlerweile habe ich auch die App für die Tickets zum Laufen gebracht.
Von der Endstation laufen wir dann noch zum Hafen, wo die Triton brav auf uns gewartet hat. An Bord ist alles in Ordnung und wir sind froh, dass wir die Reise nach 16,5 Stunden unterwegss geschafft haben.
 

Samstag, 4. Juli 2026

Tag 49 - Aalborg-Griesheim: Leben in vollen Zügen

Wir verabschieden uns um kurz nach 8:00 Uhr von unserer lieben Triton, die hoffentlich hier lieb auf uns warten wird.
Wir haben nur einen kurzen Fußweg zur Bushaltestelle und dann wenige Minuten Fahrt zu Bahnhof. Erfreulicherweise gibt es einen Aufzug.
Wir haben eine guten Zeitpuffer und während wir auf den Zug warten, können wir sehen, wie die Eisenbahnbrücke kurz vor der vollen Stunde für die Boote geöffnet wird - gestern sind wir dort hindurchgefahren.
Wir fahren vom Hafen zum Bahnhof in Alborg, nach Aarhus, Fredericia, Flensburg und Hamburg. Alle Umstiege klappen, weil der Zug in Fredericia auf uns wartet und wir dadurch in Hamburg unseren ICE erreichen (siehe auch Titelbild). Ein Blick auf die Alster weckt Erinnerungen an die Deutsche Meisterschaft der Conger, an der wir 1992 teilgenommen haben. Jan war (im Bauch) auch dabei.
Unterwegs sehen wir dann noch die Sonne langsam untergehen - deutlich früher als oben im Norden. Unser letzten Zugwechsel ist dann in Frankfurt, wo dann die Regionalbahn nach Darmstadt die größte Verspätung von allen Zügen hat. Hildegard holt uns netterweise ab - danke! Wir haben für die rund 1000 km von Boot zu Tür etwas mehr als 15 Stunden benötigt. Zurück auf die Triton geht es dann hoffentlich Ende Juli.

Freitag, 3. Juli 2026

Tag 48 - Aalborg: Sauber und ordentlich

Die ganze Nacht und heute den ganzen Tag haben wir hier sehr stürmischen Wind mit Böen Windstärke 8 und wir sind froh, dass wir hier sicher im Hafen liegen.
Wir verbringen den Tag mit Aufräumen, Aussortieren und Putzen. Wir schauen die Bücher, Seekarten und Kleidung durch, Ralf schließt eine neue Gasflasche an und ich spüle die diversen Aufbewahrungsboxen.
Wir schauen die - wenigen - Lebensmittel durch, essen noch ein paar Reste und schmieren uns Brote für die lange Zugfahr (mit 5x Umsteigen) morgen.
Wichtig ist es, das Boot gut Festzubinden und wir tauschen noch die Festmacher aus, damit die Triton auch bei unterschiedlichen Wasserständen (wir hatten durch den Starkwind eine Differenz von fast einem Meter) sicher liegt.
Jetzt, im Abendlicht (siehe auch Titelbild), ist der Wind etwas schwächer geworden aber er soll auch in den nächsten Tagen kräftig wehen und aus westlichen Richtungen kommen. Wir sind froh, dass wir uns entschieden haben, hier zu bleiben.