Coratriton
Segeln und Mehr
Samstag, 15. August 2026
Tag 72 - Aarhus: Unter dem Regenbogen
Schon gestern hatten wir vom Rathausturm die auffällige Dachinstallation auf dem Gebäude des ARoS Kunstmuseums gesehen - das wollen wir uns heute näher anschauen. Der würfelförmige Bau selbst - von lokalen Architekten entworfen - ist von außen eher unauffällig.Ganz anders sieht es dann im Inneren aus, das wirkliche sehenswert ist. Die neun Etagen sind durch einen spiralförmigen Treppenturm erreichbar und die großen Fensterflächen geben viel Licht.Wir fahren als erstes ganz nach oben, denn wir wollen das Kunstwerk "Your Rainbow Panorama" von Ólafur Elíasson auf dem Dach erleben. Er ist bekannt für Werke, die sich mit Licht und Raum beschäftigen und in denen die Betrachter Teil des Kunstwerks werden (siehe auch Titelbild).Wir können eine (oder mehrere Runden laufen und die den Blick auf die Stadt mit verschiedenen Lichtstimmungen genießen - sehr sehr eindrucksvoll!Von der Dachterrasse im 9. Stock können wir einen künstlichen Hügel sehen. Allerdings ist uns zunächst nicht klar, dass er ebenfalls zum Museum gehört. Wir finden dann heraus, dass dort regelmäßig die Installation "As Seen Below" von James Turrell vorgefürht wird. Unter dem Hügel liegt ein kreisförmiges Auditorium mit einer Öffnung in der Mitte der Kuppel.Durch die Öffnung können wir zunächst den Himmel sehen, dann wird sie nach und nach verschlossen. Es gibt die Möglichkeit, direkt unter der Öffung auf dem Boden zu liegen.Anschließend werden langsam verschiedene Lichtstimmungen gezeigt, mit unterschiedlichen Farben für den Hintergrund und den "Deckel" der immer mehr wie eine Kugel, ein Mond, eine Sonne erscheint. Ebenfalls ein interessantes Erlebnis.Das nächste Werk ist ein Gemeinschaftsprojekt von Nina Beier und John Miller: The Populace. In einem großen Raum hängen Reproduktionen von Gemälden aus dem Historischen Museum Basel - alles Portraits von Unbekannten. Die Bilder werden betrachten von zahlreichen sehr unterschiedlichen Gruppen von Mannequins, alle in Kleidung, die dem Roten Kreuz gespendet wurden. Teilweise müssen wir 2x hinsehen, um die Puppen von den Besuchern zu unterscheiden - der Gesamteindruck ist sehr verstörend.Das Museum hat seine Sammlung von Bilder bis 1960 unter dem Thema "Human Nature" neu zusammengestellt. Die Werke werden in den Zusammenhängen Natur, Religion, Philosopie und Wissenschaft gezeigt.Allerdings ist das Hauptthema des Museum die zeitgenössische Kunst ab 1960 mit dänischen und internationalen Künstlern.Eine besonders auffäliges Exponat ist die hyperrealistische und überlebensgroße Statue "Boy" von Ron Mueck mit unglaublichen Details (siehe die Falten am Ellenbogen unten rechts).Ein ganzes Stockwerk ist verschiedenen Installationen gewidmet, deren Spannbreite von witzig über verstörend bis zu unverständlich reicht. In "Take Over" von Anri Sala wird ein Video von einer musikalischen Performance in einem abgedunkelten Raum auf verschiedenen Bildschirmen gezeigt.Jonah Freeman und Justin Lowe zeigen in "Colony Howi" eine Art postapokalyptischen Bunker, teilweise mit 70er Jahre Einrichtung.Im "Storm Room" von Janet Cardiff und George Bures Miller erleben wir ein Gewitter, erst mit leichtem Regen, dann aber mit immer stärkeren Blitzen und Donner während sintflutartiger Regen an die Scheiben prasselt oder sogar aus der Decke in die Eimer tropft.Das war wirkliche ein außergewöhnliches Museum mit sehr unterschiedlichen Exponaten und Installationen, die in einem eindrucksvollen Gebäude interessant präsentiert werden - auf jeden Fall einen Besuch wert! Wir beschließen den Tag bei "Mammis Gelato" einem Eiscafé, dass uns die nette Dame bei "dokkx" gestern empfohlen hatte. Hier steht eine lange Schlage - wie sich herausstellt aus gutem Grund, denn es gibt unter anderem "Eis-Tapas" und Eiskuchen.
Freitag, 14. August 2026
Tag 71 - Aarhus: Unerwartete Ein- und Ausblicke
Schon in Aalborg haben wir die App "StoryHunt" verwendet, die Audio-Stadtrundgänge anbietet. Da es auch einen Guide für Aalborg gibt, machen wir uns bei blauem Himmel und Sommerwetter mit unseren Fahrrädern auf den Weg ins Zentrum. Wir kommen am Anleger für die Kreuzfahrtschiffe vorbei und halten kurz an. Auch hier gibt es gleich die ersten großen Wandgemälde.Unser nächster Halt ist "DOKK1", ein Kulturcenter und öffentliche Bibliothek, und wir entscheiden uns für einen kurzen Blick hinein. Wie oft bei unseren Ausflügen bleibt es nicht bei dem kurzen Blick, denn wir schauen uns "dokkx" an, ein "Zentrum für Wohlfahrtstechnologie". Es wird von der Stadt betrieben und hier werden Hilfsmittel gezeigt, die Senioren und behinderten Menschen das Leben einfacher machen können. Es ist nicht viel los und eine nette junge Dame führt uns durch die Ausstellung, die verschiedene Lebensbereiche zeigt: Badezimmer, Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer. Es gibt z.B. eine Brille mit Löchern, um sich leichter Augentropfen machen zu können, besondere Bildschirme für Legastheniker, eine Roboter-Katze, die Miaut und sich bewegt und vieles mehr.Unser Weg führt weiter am Hafen entlang mit Blick auf einen Springbrunnen und das alte Zollhaus.Schließlich kommen wir am Beginn unserer Tour an, im "Latin Quarter", einem der ältesten Teile der Stadt und heute sehr lebhaft mit vielen Cafés und kleinen Geschäften.Als nächstes geht es zur Domkirche von Aarhus, der ebenfalls zunächst katholisch war und im Zuge der Reformation dann evangelisch Lutherisch wurde. Er ist die längste und höchste Kirche in Dänemark. Auch hier gibt es - wie in vielen dänischen Kirchen - ein Modellschiff.Weil ich auf eine schöne Aussicht zum Fotografieren hoffe, steigen wir die 150 Stufen bis hinauf in den Turm (mit Glocken und Turmuhrwerk). Ich finde es etwas enttäuschend, weil dicke Gitter vor den Fenstern angebracht sind und ich nur durch die Lücken ein paar Bilder machen kann.Nach dem Mittagessen fahren wir weiter zum neuen Rathaus von 1941. Das Gebäude ist im Stil des vom Bauhaus inspirierten "Skandinavischen Funktionalismus" (kurz Funkis) von den dänischen Architekten Arne Jacobsen und Erik Møller entworfen. Typisch sind klare, einfache Formen mit viel Licht und Holz und Metall im Innenbereich. Freitags gibt es eine Führung auf Englisch, die im Internet leider ausverkauft war. Wir können aber vor Ort noch Karten erstehen.Zunächst geht es auf den Turm - dankenswerterweise gibt es auch einen Aufzug - ebenfalls mit diversen Glocken.Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick über die Stadt - ganz ohne störende Gitter. Wir können bis zum Hafen sehen (siehe auch Titelbild).Ich entdecke den Dom, das Museum für moderne Kunst mit seinem Rundgang in Regenbogenfarben und das "Lighthouse", einen Wohnturm mit Aussichtsplattform und das höchste Gebäude in Dänemark.Unsere Führerin hat selbst viele Jahre hier gearbeitet und wir gehen mit ihr in einen Versammlungsraum (mit einem Portrait von Ex-Königin Margarethe), in das mit Blumen bemalte Hochzeitszimmer (in dem sie Trauungen durchgeführt hat). Alles, inklusuve der Lampen und der kleinen Aschenbecher (unter links) ist von den Architekten designt worden.Zum Schluss werfen wir noch einen Blick in den Sitzungssaal, in dem sich moderne Technik in der klassischen Einrichtung verbirgt. Alle Räume sind luftig und lichtdurchflutet.Mittlerweile ist es nach 17:00 Uhr geworden. Von den zehn Sehenswürdigkeiten auf unserer Tour haben wir heute nur fünf geschafft. Wir kaufen noch etwas ein und Ralf stellt sich den Herausfordurung der Selbst-Check-Out Kasse.
Donnerstag, 13. August 2026
Tag 70 - Øer Havn-Aarhus Marselisborg: Gemütliches Halbtagssegeln
Heute haben wir südliche Winde und das ist die perfekte Gelegenheit, um nach Westen zu segeln. Vormittags ist der Wind noch schwach und daher starten wir erst nach dem Mittagessen.In Dänemark dürfen keine deutschen Gasflaschen mehr gefüllt werden und so haben wir uns schon Gedanken gemacht, wo wir Gas herbekommen können. Gestern haben wir mit dem Schleusenwärter gesprochen und er hat noch eine alte deutsche Flasche, die er uns verkaufen will - da haben wir mal wieder Glück gehabt. Wir können sie noch in der Schleuse liegend an ihrem Platz im Vorschiff bringen.Dann geht es los quer über die Bucht. Wir haben leichen Südostwind, Sonne und keine Welle - ideale Bedingungen.Wir sitzen gemütlich auf dem Schiff, lesen, unterhalten uns und es gibt auch Kaffee und Kuchen für Ralf. So erreichen wir den Leuchtturm Sletterhage und können unseren Kurs ändern. Der Wind kommt jetzt mehr von hinten und wir baumen das Vorsegel aus (siehe Titelbild).Wir können bis ganz kurz vor der Hafeneinfahrt segeln und bekommen dann einen netten Liegeplatz. Hier - wie in vielen dänischen Häfen - gibt es keine festen Gastplätze. Statt dessen können die Eigner mit einem grünen oder roten Schild anzeigen, dass eine Box frei ist. Ralf parkt gekonnt rückwärts ein (Foto von Ralf).Obwohl wir jezt in einer Großstadt sind (über 300.000 Einwohner) ist der Hafen ganz still. Wir essen im Cockpit (Erdnusshuhn mit Reis und Karotten) und genießen die Abenstimmung.
Mittwoch, 12. August 2026
Tag 69 - Øer Havn: Ausflug nach Ebeltoft
Wir bleiben heute hier und wollen uns das nahegelegene Ebeltoft anschauen. Dazu leihen wir uns an der Rezeption Fahrräder aus und machen uns auf den - für dänische Verhältnisse - ziemlich hügeligen Weg. Der Name Ebeltoft bedeutet übersetzt in etwa "Apfelgarten" und bis heute wird im Herbst ein Apfelfest gefeiert. Dazu sind wir leider zu früh, aber wir sehen unterwegs einen perfekten Apfelbaum, es gibt eine Apfelstatue am Hafen (im Hintergrund die Fregatte Jylland) und im Museumsshop werden Äpfel aus Glas verkauft.Ralf ist erst ein wenig zögerlich, in das ebenfalls direkt am Wasser liegende Glasmuseum zu gehen, aber wir besuchen dann doch das schon architektonisch interessante Gebäude.Die aktuelle Ausstellung nennt sich "All!" und bedeutet, dass alle 1806 Sammlungsstücke ausgestellt sind - teileweise in großen Regalen. Es ist erstaunlich, wie vielen unterschiedliche Stücke aus Glas geschaffen worden sind. Das reicht von aus meiner Sicht eher fragwürdig...Zu wirklich ungewöhnlich, wunderschön und beeindruckend. Ralf und mir gefällt besonders das "Bild" mit den fünf braungemusterten Objekten oben rechts.Ein Freund von Ralfs Großvater Hans hat zunächst Industrieglas geblasen, wurde aber später Glaskünstler mit Ausstellungen im In- und Ausland. Wir fragen, ob sie von ihm Objekte hier im Museum haben. Die Antwort ist ja, aber die Dame ist nicht sicher, wo sie stehen. Also machen wir uns auf die Schatzsuche und finden tatsächlich drei kleine Vasen:Im obenen Stockwerk gibt es eine (ziemlich ungeordnete) Bibliothek und ich habe den Ehrgeiz, ein Buch zu finden, in dem Kurz genannt ist. Tatsächlich gibt es ein Exemplar über deutsches Kunsthandwerk. Und wir finden ein Bild, von dem dänischen Plakat, dass bei uns draußen hängt!Auch der Garten des Museums ist außergewöhnlich angelegt. Die Beete sind quadratisch, es gibt diverse Bänke und verschiedene Kunstwerke. Besonders schön im Sonnenlicht ist eine bunte Glasskulptur (siehe auch Titelbild).In einer Werkstatt können verschiedene Glaskünstler und -künstlerinnen bei der Arbeit beobachtet werden. Heute wird gezeigt, wie Trinkgläser gefertigt werden.Wieder ein unerwartet interessantes Museum mit dem wir in einem so kleinen Ort (knapp 8000 Einwohner) gar nicht gerechnet hätten. Nun ist es Zeit für Ralfs Kaffee und Kuchen und wir fahren ein kurzes Stück in die Altstadt mit dem "kleinsten Rathaus der Welt" (oben rechts). Sie ist sehr hübsch mit alten Fachwerkhäusern, Kopfsteinpflaster und vielen Stockrosen.Es gibt viele nette kleine Geschäfte und Cafés. Mitten in der Altstadt steht riesiger Bäume, zum Teil mit um den Stamm gebauten Bänken. Es gibt einige Besucher, aber es ist nicht überlaufen und gefällt uns sehr gut.Zurück in unserem Hafen klettern wir noch auf den Aussichtsturm, von dem aus wir unsere liebe Triton sehen können.Später gibt es dann noch Abendessen im Cockpit. Mittlerweile ist der Wind völlig eingeschlafen und der Turm gegenüber spiegelt sich im glatten Wasser.
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