Dienstag, 30. Juni 2026

Tag 45 - Frederikshavn-Asaa: Sanftes Segeln

Leichter Wind aus West lässt uns gemütlich an der flachen und sandigen Küste entlang weiter nach Süden segeln.
Es ist sehr entspannend, denn wir sehen keine Fischpötte, müssen keinen Booten ausweichen, es gibt kaum Seezeichen und wir müssen die Segelstellung nur wenig verändern -  Zeit, um auch mal ein Buch zu lesen.
Zwischen Frederikshavn und der Einfahrt in den Limfjord gibt es noch den kleinen Hafen Asaa, den wir uns heute als Tagesziel ausgesucht haben.
Nach etwa 2/3 der Strecke verlässt uns der Wind, so dass wir das letzte Stück unter Maschine zurücklegen müssen.
Wir tasten uns langsam durch die enge Hafeneinfahrt - hier gibt es offensichtlich nur wenige Gastboote.
Tatsächlich bleiben wir kurz im weichen Mudder stecken, können aber wieder zurück und legen uns dann direkt an die Einfahrt, wo das Wasser noch ausreichend tief ist.
Wie sich herausstellt, hat der Hafen auch eine ganze Reihe von Wohnmobilplätzen und es gibt sogar ein offenes Café mit Kuchen und Eis!
Das Nette an der sandigen Küste ist, dass es direkt neben dem Hafen einen Strand gibt, den wir nach der Kaffeepause ganz für uns haben.
Direkt neben unserem Liegeplatz am Hafen steht die Skulptur einer Meerjungfrau, die allerdings nicht aufs Meer hinausschaut, sondern Richtung Land (siehe Titelbild). Sie wurde für die 140-Jahrfeier des Hafens angeschafft und führte zu einem Rechtsstreit mit den Erben von Edvard Eriksen, der die "Kleine Meerjungfrau" im Hafen von Kopenhagen geschaffen hat. Die Erben verlangten, dass die Statue zerstört wird - offensichtlich ohne Erfolg... Heute am Tag gab es einen Wolkenschicht mit nur einigen blauen Stellen, aber der Abendhimmel ist wunderschön!

Montag, 29. Juni 2026

Tag 44 - Skagen-Frederikshavn: Halber Wind

Wir verabschieden uns von Skagen, das einen Besuch auf jeden Fall wert war, und machen uns auf den Weg Richtung Limfjord. Es geht mit Westwind nach Süden, der Wind kommt also von der Seite und wird "halber Wind" genannt. Das ist der schnellste Kurs für die Triton.
Wir fahren mit unserer Windselbststeueranlage "Sir Henry" (siehe Titelbild), der bei dem starken Wind heute sehr gute Arbeit macht. Die Triton ist mit einem Reff im Groß und zwei Reffs in der Fock (vorne aufgerollt) schnell unterwegs.
Später kommt dann auch noch ein weiteres Reff in das Großsegel, weil wir nach Runden der Insel Hirsholm anluven (höher an den Wind gehen) müssen.
Die Insel selbst sieht mit ihrem klassischen Leuchtturm sehr nett aus, aber der Hafen liegt auf der Westseite und empfiehlt sich bei dem starken Westwind nicht als Liegeplatz.
In Frederikshavn gibt es einen großen Fähr- Militär und Fischereihafen, der jedoch für Freizeitboote keine Liegeplätze hat. Im Vorbeifahren sehen wir ein großes Schiff, das dort abgewrakt wird.
Wir laufen den Yachthafen an, der etwas außerhalb liegt und bekommen dort problemlos einen guten Platz. Das Anlegemanöver klappt trozt des Seitenwinds sehr gut. Ich habe nach Skagen genug von Ausflügen, aber Ralf ist neugierig und macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg in die Stadt. Dort fährt er zum "Bangsbo Hovedgard, einem alten Herrenhaus (Foto von Ralf).
Das Gebäude ist auf allen Seiten von wassergefüllten Gräben umgeben (Foto von Ralf).
Zu der Anlage gehört auch noch ein botanischer Garten, der zum Spazierengehen einläd (Foto von Ralf).
Zum Schluss klettert Ralf noch auf den Aussichtsturm Pikkerbakken mit Blick über den Hafen (Foto von Ralf).
Wir telefonieren noch mit unseren jeweiligen Müttern und mit Freunden. Daheim ist es immer noch sehr heiß und wir sind froh, dass es bei uns abends so kühl wir, dass wir Westen und Fleecejacken anziehen. Nach Sonnenuntergang wird es dann richtig kühl.
 

Sonntag, 28. Juni 2026

Tag 43 - Skagen: Geschichte und Technik

Heute ist kein Kreuzfahrtschiff in Skagen und wir wollen uns einige Museen anschauen. Unser erster Weg führt uns zum "Kystmuseet", dem Küstenmuseum. Wir sind heute fast die einzigen Besucher, aber die nette deutsche Dame am Empfang erzählt uns, dass gestern 450 Leute da waren. Es gibt eine Audioguide für den ersten Teil der Ausstellung, in der es um die Seenotrettung geht. Gerade hier an der Nordspitze gab es zahlreiche Strandungen und Schiffbrüche und die Retter fuhren in schwerem Wetter mit kleinen, offenen Ruderbooten hinaus, gerade eben auch bei schwerem Wetter oder im Winter - sehr beeindruckend! Es gab auch ein Gerät, mit der eine Leine zu den Schiffbrüchigen geschossen werden konnte, mit der dann ein Rettungskorb installiert wurden (Bild unten Mitte). An der Küste waren in regelmäßigen Abständen Telefone plaziert, damit die Retter über die Situation informiert werden konnten.
Wir besuchen das Haus des "reichen Fischers" (siehe im Titelbild links), der ein eigenes Boot hatte, dass dann von mehreren "armen Fischern" gerudert wurde.
Auch ein Haus eines "armen Fischers" wird gezeigt, sehr übersichtlich mit nur einem Raum und einer kleinen Küche.
Sehr interessant finden wir die Ausstellung zur Geschichte der Fischerei in Skagen, in der sehr gut gezeigt wird, wie die geografische Lage und die historische und technische Entwicklung die Fischerei und das Leben der Menschen beeinflusst hat. Lange gab es keinen Hafen, daher wurde in kleinen offenen Booten gefischt, die auf den Strand gezogen werden konnten. Vor dem Bau der Eisenbahn war Skagen nur schlecht zu erreichen, aber der Anschluss an das Bahnnetz und der Bau des Hafens (1907) änderte die Situation. Heute ist Skagen der größte Fischereihafen Dänemarks. Die Eisenbahn ermöglichte auch den Tourismus, der immer noch eine wichtige Rolle spielt. Im Bild unten ist zu sehen, dass Besucher auch vor 100 Jahren schon die Nordspitze Grenen besichtigten, so wie wir gestern.
Als zweites Museum haben wir uns das funkelnagelneue "Oplevelsescenter Maskinrummet", das Erlebniscenter Maschinenraum, ausgesucht. Hier hat sich der dänische Millionär Henning Kjeldsen selbst ein Denkmal gesetzt.
Kjeldsen hat eine Leidenschaft für Motoren und historische Fahrzeuge und ist begeisterter Sammler. Das Zentrum wurde erst gestern eröffnet und wir haben lange Schlangen anstehen sehen. Heute ist die Situation besser.
Wie sich herausstellt, ist es noch nicht ganz fertig und gerade im Bereich der großen Standmotoren noch eine Baustelle. Es fehlen Informationen und - zu Ralfs großem Bedauern - laufen die Motoren (noch) nicht.
Ich bin in der glücklichen Lage, meinen eigenen Maschinenbauingenieur mit großem Interesse für Glühkopfmotoren dabei zu haben und Ralf erklärt die Besonderheiten der Maschinen. Wenn hier alles läuft wird das sicher toll.
Das Gebäude ist architektonisch interesant und gut gemacht, aber unser Eindruck ist, dass die Sammel-Leidenschaft des Eigentümers etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Statt einer großen Menge von Exponaten wäre aus unsere Sicht weniger Stücke mit mehr Informationen wünschenswert gewesen. So gibt es jede Menge Oldtimer und Motorräder ohne nähere Erklärungen.
Etwas überraschend gibt es auch eine Sammlung von Hermès Koffern für die unterschiedlichsten Verwenungszweck (z.B. als transportables Spielkasiono oder für Expeditionen im Dschungel).
Und von den Koffern ist es dann nicht mehr weit zu einer Sammlung von Fashion-Handtaschen und Mode...
Die Krönung der exzessiven Sammlung ist dann im obersten Stockwerk, in dem es z.B. schränkeweise hunderte von Heizlampen zum Starten von Glühkopfmotoren gibt und eine wilde Kollektion von Bildern, Schildern, Bierflaschen etc.
Für uns ist das ein klassischer Fall von "Weniger wäre mehr gewesen" und statt immer weiter Sammlungen aufzukaufen hätte vielleicht etwas von dem Geld für die Kuratierung und die Museumspädagogik eingesetzt werden können. Es war ein interessantes Erlebnis und wird sicher auch noch besser, wenn es Touren und Vorführungen gibt. Schon jetzt steht ein historischer Fischkutter für eine Hafenrundfahrt bereit.
Insgeamt hat mir das kleine Küstenmuseum wesentlich besser gefallen und ich habe mehr über das Leben hier gelernt. Wir kaufen noch einiges ein und planen unseren nächsten Ziele, denn morgen wollen wir weitersegeln.
 

Samstag, 27. Juni 2026

Tag 42 - Skagen: Skagen Triathlon

Wir wachen auf zu einer Lautsprecherdurchsage - wie sich schnell herausstellt, hat neben uns ein Kreuzfahrtschiff angelegt und es werden gerade die Ausflugsgruppen verteilt. Damit hatten wir nicht gerechnet, aber eine kurze Recherche zeigt, das hier an 100 Tagen im Jahr Kreuzfahrtschiffe anlegen.
Wir lassen uns davon nicht entmutigen, sonder fahren mit unseren Klapprädern (danke, liebe Mutter) rund um den großen Fischereihafen...
...in die Stadt, wo wir erst einmal eine Seekarte für den Limfjord und eine dänische Telefonkarte besorgen und ich meine Brille reparieren lasse. Danach ist es schon Zeit für das Mittagessen und wir entscheiden uns für ein Picknick im Park.
Weiter geht es mit der Disziplin Fahrradfahren Richtung Nordende von Jütland, wo sich an der Landspitze "Grenen" der Skagerrak und das Kattegatt treffen (siehe Titelbild). Ganz anders als in Schweden, wo wir so viele felsige Schären gesehen haben, ist das hier eine flache Sandküste mit Dünen, die mich sehr an die Sommerurlaube als Kind auf der Nordseeinsel Juist erinner. Wir parken unsere Fahrräder und es geht mit Traktor und Anhänger ganz vorne an den Strand, wo wir sogar einen Seehund baden sehen.
Unsere zweite Diszipin ist dann Laufen am Strand und im Wasser. Es ist deutlich zu sehen, wo die beiden Wellensysteme aufeinandertreffen und jeder versucht ein Foto an der Stelle zu machen. Es sind zwar eine ganze Menge Menschen unterwegs, aber der Strand ist so groß, dass sich für jeden ein Plätzchen findet.
Wir setzen uns eine Weile in den Sand und genießen das angenehm warme Wetter (ca. 24 Grad) mit leichtem Wind und Sonne. Dann geht es zurück zu unseren Fahrrädern und weiter zur letzten Herausforderung: 204 Treppen hinauf auf den Leuchtturm klettern.
Es gibt auch noch eine kleine Ausstellung, die sich mit den hier lebenden Seevögeln beschäftigt. Ralf hat Spaß, die Vogelbilder mit Bällen abzuwerfen. Oben ist die fresnellsche Linse zu sehen und Details der Küstenbefestigung.
Und natürlich gibt es dann den Blick auf die ganze Landspitze und auf Skagerrak und Kattegatt.
Nach diesen ganzen Anstregungen ist es Zeit für Kaffee und Kuchen. Im Café direkt am Leuchtturm bekommen wir sehr leckeren Kuchen und für Ralf den besten Kaffee seit langem. Auf jeden Fall ist es die schönste Kaffeetassse bisher.
Sehr zufrieden fahren wir zurück zum Boot, wo wir wieder eine wunderbare Abendstimmung geboten bekommen.
 

Freitag, 26. Juni 2026

Tag 41 - Hyppeln-Skagen: Auf nach Dänemark!

Tatsächlich stimmt die Wettervorhersage und der Wind kommt aus Süden. Daher können wir uns auf den Weg nach Westen und nach Dänemark machen.
Es wird im Moment jeden Tag wärmer und wir aktivieren unser Sonnenverdeck (siehe Titelbild). In den letzten Jahren in Irland und Schottland hatten wir eher das Cockpitzelt im Einsatz. Auch die Navigation war heute einfach. Statt gewundene Wege durch enge Fahrwasser mit Inseln uns Seezeichen können wir heute einfach Kurs über tiefes Wasser fahren. Wir müssen nur auf die Segelstellung und auf die Frachtschiffe und Tanker achten, die von der Nordsee aus durch Skagerrak und Kattegatt in die Ostsee fahren.
Leider hält der Wind nicht bis zum Ende durch und wir müssen ca. 1/4 der Strecke motoren, die durch Gegenstrom von 33 auf fast 40 Seemeilen verlängert worden ist. Aber wir kommen gut an und finden einen Platz im Segelclub. Als erstes wechsele ich die Gastlandsflaggen aus.
Mittags haben wir wegen der Schaukelei nur eine Kleinigkeit gegessen, um so besser schmeckt jetzt leckeres Huhn mit Paprika zum Abendessen.
Skagen ist auch ein großer Fischerhafen und hier liegen kleine und riesige Fischkutter. An Land stehen entsprechende Gebäude zur Verarbeitung. Aber jetzt, bei völliger Windstille und einem halb blauen, halb schwarzen Himmel sieht der Hafen aus wie aus einer anderen Welt.