Dienstag, 11. August 2026

Tag 68 - Grenaa-Øer Havn: Ein Hafen mit Schleuse

Nach einer windigen Nacht weht es auch noch am Vormittag kräftig, so dass wir uns beim Hafenmeister Fahrräder ausleien, um uns die Stadt Grenaa anzuschauen. Im 1. Gang (wegen des Gegenwindes) geht es an einem hübschen Kanal entlang Richtung Westen.
Die kleine Stadt (rund 14.000 Einwohner) ist hübsch, wirkt aber sehr ruhig und etwas verschlafen. Wir treffen eine junge Dame von der Touristeninformation, die uns die Kirche und das Museum empfiehlt. Alles liegt nah beieinander und wir besuchen als erstes die Kirche. Sie wurde im 13. Jahrhundert als katholisches Gotteshaus erbaut, gehört aber seit der Reformation zur evangelisch-lutherischen Kirche. Einige Details erinnern noch an die katholische Vergangenheit.
Vom kleinen Museum erwarten wir nicht viel und werden sehr angenehm überrascht. Anders als z.B. im Museum auf Fur ist die Sammlung hier sehr strukturiert und nach vier Themen sortiert: Erde, Stadt, Meer und Kalkstein. Es gibt jeweils einen Zeitstrahl, der die Exponate von der Altsteinzeit bis zur Neuzeit einordnet.
Es ist gut, dass "Erde" und "Stadt" wegen Renovierung geschlossen sind, sonst wären wir wahrschenlich immer noch da... Wir erfahren in der Abteilung "Meer", dass ein Sund die Halbinsel Djursland, auf der Grenaa liegt, teilte. Später wurde der Sund zum Binnensee und dieser wurde leergepumpt und die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Wir sehen steinzeitliche Grabstädten und rfahren etwas über die Fischerei und den Tourismus. Vieles ist interaktiv und so können wir eigene Postkarten gestalten (unten links).
Bei "Kalkstein" geht es zunächst um Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein. In einem Video wird gezeigt, wie eine Feuersteinaxt hergestellt wird und wir erfahren, wie die Radiocarbonmethode zur zeitlichen Einordnung eingesetzt wird. Später wurde hier Kalkstein abgebaut.
All das hat länger gedauert als gedacht und wir beschließen, hier noch ein Sandwich zu essen und dann gleich loszusegeln. Wieder ist das Essen überraschend lecker, wir sitzen sehr nett auf dem Platz neben der Kirche und das Restaurant teilt sich den Eingang mit einem tollen Blumenladen.
Der Rückweg zum Boot geht - jetzt mit Rückenwind - schnell und bald sind wir unterwegs weiter um die Halbinsel Djursland herum - jetzt ganz ohne Sund oder Binnensee.
Mit der heutigen Fahrt haben wir nun offiziell das Seegebiet "Kattegat" verlassen und sind im Gebiet "Belte und Sund" die das Kattegat mit der "Westlichen Ostsee" verbinden. Wir haben frischen Wind, Sonne und blauen Himmel.
Allerdings kommen immer wieder recht unangenehme Böen, so dass wir am Ende ein Reff im Groß und zwei in der Fock haben. Wir kommen gut und schnell voran.
Weil alle Boote in einem ähnlichen Abstand zum Ufer fahren, haben wir einige Begegnungen und ich nutze die Gelegenheit, um Fotos für Marinetraffic zu mache, eine Seite, auf der Bootsbewegungen in Echtzeit verfolgt werden können. Hier ist unsere Triton: Klick
So kommen wir gut in unserem Zielhafen an. Es handelt sich um ein Feriendorf mit Hafen, bei dem sieben künstliche Inseln mit Ferienhäusern in einer ehemaligen Kiesgrube angelegt wurden. Der Hafen liegt vollständig im Landesinneren und ist nur über eine Schleuse zu erreichen (siehe auch Titelbild). Der Schleusenwärter ist sehr freundlich, nimmt uns die Leinen ab und gibt Tipps.
Nun liegen wir sehr geschützt im ruhigen Hafen. Anders als in Grenaa sind hier nur wenige Boote bewohnt.
 

Montag, 10. August 2026

Tag 67 - Bønnerup-Grenaa: Entlang der Küste

Wir wollen entlang der Küste einen Hafen weitersegeln und da es heute nachmittag sehr windig werden soll, fahren wir gleich morgens los. Auf dem Track ist gut zu sehen, wo wir das Großsegel hochgezogen haben.
Zunächst ist es noch etwas schaukelig, aber in Landabdeckung werden die Wellen kleiner und ich mache ein paar Fotos aus dem Bugkorb (siehe auch Titelbild).
Wir kommen am Leuchtturm Fornæs vorbei, der so aussieht, wie man sich einen klassischen Leuchtturm vorstellt.
Auch in Grenaa ist Nachsaison und wir haben kein Problem, einen guten Platz zu finden. Nach uns kommen noch einige andere Boote. Und wie vorhergesagt, beginnt der Wind immer stärker zu wehen.
Zum Abendessen zaubert Ralf eine besonders köstliche Bolognese, für die er extra noch Staudensellerie im Ort besorgt hat.
Wir liegen gut und sicher im Hafen, essen gemütlich im Cockpit und bekommen noch einen schönen Sonnenuntergang - wieder ein schöner Segeltag!

Sonntag, 9. August 2026

Tag 66 - Bønnerup: Im Hafen und am Strand

Heute mal keine Besichtigungen und auch kein langer Segeltag sondern einfach nettes Hafenleben: Wäschewaschen, ein paar Mails und Überweisungen und lange Telefonate mit Familie und Freunden. Ralf repariert den Durchflussmengensensor für das Kühlwasser, der eigentlich piepsen soll, das aber nicht mehr zuverlässig getan hat. Nach dem Mittagessen schauen wir uns im Hafen um. Dänemark ist sehr, sehr kinderfreudlich und in jedem Hafen gibt es einen Spielplatz. Hier haben sie das noch getoppt, denn es gibt einen Schrank mit Schwimmewesten und Ausrüstung zum Krabbenfangen mit Eimern, Keschern und Krabbenangeln! Das weckt schöne Erinnerung an unsere Zeit mit dein Kindern - hier mit Philipp (oben rechts).
Es gibt auch den obligatorischen Hafengrill mit Pommes und Softeis und ganz in der Nähe einen schönen Strand (siehe auch Titelbild) mit ganz feinem Sand.
Die Temperaturen sind angenehm und wir stecken die Füße ins Wasser und haben eine gute Zeit. 
Hier liegt das Seegras am Ufer, aus dem die Dächer auf Læsø hergestellt wurden. Wie wir gelernt haben, hat das Gras hier - nach einem Schädlingsbefall - nicht mehr die richtige Qualiät, um die Dächer herzustellen. Insbesondere ist es zu kurz.
Auf den Steinen der Mole haben sich an der Grenze von Wasser zu Luft zahlreiche kleine Schnecken angesiedelt.
Wir genießen noch eine Weile die angenehme Sonne bevor wir wieder in den Hafen zurück gehen. Der ganze Ort hat eine sehr nette und entspannte Stimmung.
Heute gibt es Kaffee und Kuchen im Cockpit und wir schauen den netten Schwalben zu, die durch die Luft flitzen und sich ab und zu auf den Festmachern des neben uns liegenden Bootes ausruhen.
Nach Kochen, Bloggen und Abspülen werde jetzt noch die Bettchen neu bezogen und ich freue mich auf mein sauberes Nachthemd nach dem Duschen. Eine Besonderheit hier  im Hafen sind die sieben Windräder, die auf den Molen stehen. Wir merken, dass es Richtung Herbst geht, denn es wird jeden Tag spürbar früher dunkel.
 

Samstag, 8. August 2026

Tag 65 - Læsø-Bønnerup: Ein langer Tag

Nach den Starkwindtagen sind wir heute eines von vielen Booten, die den Hafen verlassen. Um 9:00 Uhr legen wir ab, denn wir haben über 50 sm vor uns. Wie sich herausstellt schechtes Timing, denn wir müssen abwarten, bis die Fähre angelegt hat.
Vorhergesagt ist - mal wieder - Westwind und wir haben uns einen Hafen im Süden ausgesucht und die Hoffnung, die Strecke gut mit halbem Wind segeln zu können. Allerdings müssen wir erst einmal unter Motor Richtung Westen fahren, um den Untiefen um Læsø auszuweichen. Die ganze Insel ist von Flachstellen umgeben - kein Wunder dass hier viele Schiffe strandeten und die Einwohnern ein zusätzliches Einkommen bescherten.
Zunächst ist es noch recht windig mit unangenehmen Wellen die uns ziemlich hin- und her schütteln.
Und leider kommt der Wind auch mehr aus Südwest als aus West, so dass wir den Winkel zu unserem Tagsziel nicht ganz schaffen, sondern die Segel dichtnehmen und so viel Höhe machen, wie möglich.
Die Windstärke nimmt ab und der Wind dreht mit jeder Wolke, aber insgesamt kommen wir unserem Ziel näher. Die Wellen werden kleiner und das Leben an Bord wird angenehmer (siehe auch Titelbild). Es gibt gemütliches Abendessen an Bord.
Am Ende schaffen wir es, bis kurz vor den Hafen zu segeln und wir sind sehr zufrieden mit dem Tag. Es war gut, dass wir auch bei wenig Wind durchgehalten haben und wir kommen mit dem Sonnenunergang in Bønnerup an.
 

Freitag, 7. August 2026

Tag 64 - Læsø: In den wilden Süden

Draußen bläst ein sehr starker Westwind und wir bleiben gerne im Hafen. Auf der Insel gibt es noch einiges zu sehen.
Mittlerweile kennen wir uns ja schon mit dem Bus aus und wir nehmen wieder unsere Fahrräder mit. Heute fahren wir zur Salzhütte, in der wieder Salz auf die traditionelle Art hergestellt wird.
Im Süden der Insel liegt die Rønnerne, ein großes Feuchtgebiet mit Salzwiesen und Heideflächen. Es wird im regelmäßig überflutet. Das Meerwasser (Salzgehalt 2%) kann jedoch wegen einer Lehmschicht nicht vollständig versickern und wird durch Verdunstung hochkonzentriert (Salzgehalt 15%). Dieses Wasser wird dann in großen flachen Becken in der Salzhütte erhitzt und weiter konzentriert, bis das Salz ausfällt und getrocknet werden kann.
Vor vielen Jahren waren wir schon einmal mit den Kindern hier und Paul hat selbst Salz hergestellt und es an Weihnachten verschenkt.
Wir sind aber noch aus einem anderen Grund hier, denn wir wollen mit dem "Rønnerbussen", einem Traktor mit Anhänger (siehe Titelbild) zu den Salzwiesen fahren. Es geht durch die flache, feuchte Landschaft mit immer mal wieder einem Findling aus der letzten Eiszeit.
Wir bekommen eine Kurzbeschreibung auf Deutsch und nach den dänischen Erklärungen wird alles nochmals kurz auf Englisch zusammengefasst, so dass wir auch verstehen, worum es geht. Beim ersten Stopp beschäftigen wir uns mit den hier wachsenden Pflanzen. Neben verschiedenen Heide-Arten gibt es hier den Lungen-Enzian (oben links), der in einer komplizierten Dreiecksbeziehung mit einer Ameise und einem Schmetterling lebt. Der Schmetterling legt seine Eier in die Blüte und die Raupe frisst zunächst die Pflanze. Nach einer Weile lässt sie sich fallen und imitiert den Nestgeruch einer Ameisenart. Diese bringen die Raupe dann in ihr Nest, wo sie lebt "wie die Made im Speck". Nach der Verpuppung muss der Schmetterling dann schnell die Flucht ergreifen...
Die flache Landschaft hat ihren ganz eigenen Reiz und die Weite wird nur ab und zu von einem Findling unterbrochen.
Wir fahren weiter ganz nach Süden durch Wassergräben auf die Insel Hornfiskrøn. Hier ist der Boden trockener und die Vegetation ist anders als bei unserem vorherigen Stopp.
Hier lebt eine andere Ameisenart, die gelbe Wiesenameise, und die Landschaft ist voll mit grasüberwachsenen Ameisenhügeln. Die Ameisen sind nur selten an der Oberfläche zu sehen, weil sie in unterirdischen Nestern Wurzelläuse züchten und sich von deren Honigtau ernähren. Unser Guide öffnet einige Hügel für uns und fordert uns auf, die (sehr kleinen) Ameisen zu probieren, da sie lecker und zitronig schmecken - stimmt!
Auf dem Rückweg, geht es wieder durch tiefes Wasser. Der Weg ist teilweise sogar mit Stöcken markiert, damit der Fahrer weiß, wo es entlanggeht.
Auch unser letzten Halt bietet kulinarische Erlebnisse, denn wir probieren "Queller", eine Sukkulentenart, die auf den Salzwiesen wächst. Sie ist auch als "Seesparkel" bekannt und  schmeckt knackig und salzig.
Wir fahren zurück zur Salzhütte, vorbei an Heidefläche und an Kühen, die zur Beweidung eingesetzt werden, um den Graswuchs zu beschränken.
Ich klettere noch auf den Aussichtsturm um einen Überblick über das Gelände und die verschiedenen Gebäude zu bekommen. Gerade wird neues Holz für die Salzhütte angeliefert. Hier werden 12 Leute beschäftigt, die ca. 70 Tonnen Salz im Jahr produzieren.
Wir essen noch eine Kleinigkeit und fahren dann zufrieden zurück zum Boot. Mit dem kostenlosen Bus war es einfach, die Insel zu erkunden und durch unsere Fahrräder konnten wir die verschiedenen Ziele gut erreichen.
Gefühlt hat heute wegen des starken Windes niemand den Hafen verlassen und es liegen Boote aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland neben uns. Morgen soll der Wind schwächer werden und dann wollen wir - und bestimmt viele andere - weitersegeln.