Mittwoch, 29. Juli 2026

Tag 55 - Aalborg-Løgstør: Im Limfjord nach Westen

Der Limfjord ist eigentlich kein Fjord, sondern ein Sund, denn er ist keine tiefe Bucht, sondern verbindet (seit einer großen Sturmflut 1825) die Nordsee mit dem Kattegatt. Die Triton hat jetzt fast vier Wochen in Aalborg, dem größten Hafen im Limfjord verbracht, während wir daheim waren. Bei unserer Ankunft Anfang Juli und auch in den letzten Tagen hatten wir starken bis sehr starken Westwind und wir haben die Zeit genutzt, um uns das sehenswerte Aalborg anzusehen. Heute ist der Wind zwar immer noch westlich, aber schwächer und wir wollen den Limfjord weiter erkunden.
Wir fahren bis kurz hinter die Aggersundbroen (siehe Titelbild) durch ein schmales, teilweise ausgebaggertes Fahrwasser. Wir versuchen es ca. 15 Minuten mit Segeln, aber der Wind kommt zu sehr von Vorne und Kreuzen ist hier nicht möglich.
Die Landschaft neben uns ist sehr flach und sandig und eher unspektakulär, aber uns kommen verschiedene Großsegler entgegen, die am "Tall Ship Race" teilnehmen, bei dem Segelschiffe in verschiedenen Größen mit mindesdes 50 % jugendlicher Besatzung verschiedene Häfen (darunter auch Aalborg) anlaufen. Wir werden uns das wahrscheinlich auf dem Rückweg anschauen.
Die Brücke wird im Juli halbstündlich geöffnet und wir und ein anderes Segler müssen nur kurz warten, bis wir hindurchfahren können.
Der Kollege fährt noch in den vollen Hafen von Løgstør, aber wir finden dort keinen guten Platz mehr und legen uns an eine Kaianlage etwas außerhalb.
Heute ist es schön warm und jetzt ist der Wind fast ganz eingeschlafen. Wir haben die Kuchenbude gegen das Sonnendach getauscht und genießen einen ruhigen Abend im Cockpit. Eine wunderbare Abwechslung, denn bisher hat der Wind nur so um Boot gepfiffen.
Und dann haben wir auch noch den Logenplatz für einen wunderschönen Sonnenuntergang! Auch morgen soll es warm bleiben und wir wollen uns die eine oder andere Insel anschauen.
 

Dienstag, 28. Juli 2026

Tag 54 - Aalborg: Von Blumen, Bienen und Bildern

Am Vormittag repariert Ralf das Dinghy, dass in einem Segment langsam Luft verloren hat. Offensichtlich ist es beim Ein- bzw. Auswassern an den Relingstützen hängengeblieben. Nach dem Mittagessen wollen wir dann noch einmal in die Stadt gehen, aber Ralfs Bremsen am Fahrrad funktionieren nicht richtig und es dauert eine Weile bis sie wieder in Ordnung und die Hände sauber sind.
Dann fahren wir wieder auf den bekannten Wegen los - es ist nett, dass wir uns jetzt schon etwas in der Stadt auskennen. Wir suchen a) Sonnencreme für Ralf und b) eine Möglichkeit, mein Smartphone um den Hals zu hängen. Wohlgemut fahren wir zum ersten Telefonladen - geschlossen. Der zweite hat so etwas nicht und der dritte nur Apple Geräte und Zubehör... Aber es ist auf jeden Fall eine nette Methode, die Stadt zu erkunden und heute sind wesentlich mehr Menschen unterwegs, als die letzten Tage.
Es gibt eine lange Fußgängerzone, durch die wir gestern abend noch alleine mit dem Fahrrad gefahren sind...
...und daneben auch sehr hübsche kleine Stäßchen mit bunten Häusern und den allgegenwärtigen Stockrosen.
Diese sind ein absolutes Paradies für Hummeln, die begeistert von einer zur anderen Blüte fliegen und über und über mit Pollen gepudert sind.
Wir kaufen in zwei verschiedenen Geschäften Sonnencreme und bekommen im vierten Handy-Laden den entscheidenden Tipp: etwas versteckt soll es ein Einkaufszentrum geben, in dem es einen Geschäft nur für Handyhüllen gibt - und wir finden dort tatsächlich eine Lösung. Ganz in der Nähe bekommt Ralf auch noch seinen Cappuccino aus einer Porzellan-Tasse. Erfolg auf der ganzen Linie!
Nun können wir uns mit unserem nächsten "StoryHunt" Abenteuer beschäftigen. Im Jahr 2014 startete die Galeristin Lene Kirk das Street-Art-Projekt "Out in the Open", das Kunst in Form von großen Wandgemälden im wahrsten Sinne es Wortes auf die Straße bringt. Mittlerweile gibt es über 80 Gemälde und wir sehen einige davon auf unserem Spaziergang durch die Stadt. Damit ein Gemälde entstehen kann, muss zunächst eine geeignete Wand gefunden werden und die Genehmigung des Eigentümers eingeholt werden. Dann werden Sponsoren für Farbe, Gerüst und die Bezahlung einens möglichst renommierten Künstlers gesucht. Die Bilder sind sehr unterschiedlich, aber alle auf ihre Art eindruckvoll.
Die App führt uns in Stadtteile und teilweise sogar in Hinterhöfe, in die wir ohne sie nie gekommen wären.
Es ist eine sehr gute Idee, so aus langweiligen oder sogar hässlichen Wänden ungewöhnliche Kunstwerke zu schaffen (siehe auch Titelbild).
Eines der interessantesten Bilder finde ich "Bird with bite" von Don John, einem dänischen Künstler, der es vorzieht, anonym zu bleiben. Die Vorlage für dieses Bild ist ein Linoldruck.
Mittlerweile hat es begonnen zu regnen und wir gehen noch eine Runde einkaufen und fahren dann wieder zurück zum Boot. Wir werden weiter die Augen nach den Wandbildern offenhalten, denn in den vergangenen Tagen haben wir nur einen Bruchteil der Bilder gesehen. Es gibt noch einen Dusche, leckeres Abendessen und dann ist es schon wieder Zeit für mich zum Spülen und Bloggen, während Ralf im Cockpit den Tag ausklingen lässt.

Montag, 27. Juli 2026

Tag 53 - Aalborg: Sydney, Roboter, Lego und eine Storyhunt

Aalborg ist die viertgrößte Stadt Dänemarks (nach Kopenhagen, Aarhus und Odense) und hat wirklich einiges zu bieten. Wir besuchen heute als erstes das Utzon Center, benannt und entworfen von dem dem aus Aalborg stammenden Architekten Jørn Utzon (1918-2008). Er wurde vor allem durch den Entwurf und Bau des Opernhauses in Syndey mit den an Muscheln oder Segel erinnernden Dächern bekannt. Als junger und unbekannter Architekt hatte er entsprechenden Wettbewerb unter mehr als 200 Einsendungen gewonnen.
In einer Ausstellung werden Modelle gezeigt und es wird erklärt, wie die Dächer alle mit Segmenten aus der Oberfläche einer Kugel mit gleichem Radius gebaut werden konnten. Vor der Fertigstellung der Inneneinrichtung wechselte die Regierung in Australien und es kam zu einem Streit mit Utzon über die Kosten in dessen Verlauf Utzon der Projekt verließ. Heute ist das Opernaus UNESCO Weltkulturerbe.
Die Sonderausstellung "I'm not a robot" beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Wie beeinflussen Roboter die Art und Weise, wie wir bauen, denken und leben? Und was bedeutet es für uns Menschen, wenn eine Maschine selbstständig lernen und erschaffen kann? Es geht um die "Drei gesetzte der Robotik von Isaak Asimov", um erste Lochkarten für Muster in Webstühlen, um Roboter für Kinder und in Filmen und vor allem um die Frage, was Roboter (und künstliche Intelligenz) eigentlich für uns tun sollen.
Und dann gibt es noch "Blocky City", einen sehr großen Raum, in dem mit Legosteinen gebaut werden darf. Und zwar zunächst ganz klassisch einfach mit weißen Steinen in verschiedenen Grundformen (und nicht 3D-Puzzle mit Anleitung wie jetzt üblich). Die Werke können dann eingescannt und virtuell mit dem Programm "Minecraft" weiter bearbeitet werden. Es gibt wirklich beeindruckende riesige Kontruktionen und wir fragen uns, wie oft und wie lange die Erbauer hier im Center waren....
Wir wollen natürlich auch mitmachen und bauen zwei nicht ganz so große und ambitionierte Modelle:
Nun ist es Zeit für Ralfs Kaffee geworden, den wir heute in einer queeren Buchhandlung einnehmen - sehr nett. Mir gefällte ganz besonders die Regenbogenvase rechts.
Um Aalborg noch etwas besser kennenzulernen, haben wir uns die App "StoryHunt" heruntergeladen, die Audio-Stadtführungen anbietet. Wir besuchen heute die zehn "Höhepunkte von Aalborg". Nr. 1 ist gleich das Utzon Center mit seiner ungewöhnlichen Dachform (links und unten rechts) und als nächstes das "Haus der Musik" (oben rechts).
Das nächste Objekt ist "Nordstrom", ein ehemaliges Kraftwerk, das jetzt zum Kultur- und Sportzentrum umgebaut worden ist. Innen sind noch die Originalwände und Teile der Einrichtung zu sehen kombiniert mit ungewöhnlichen Lampen und neuen Geschäften.
Eine Gedenktafel am nächsten Stopp erinnert an den Widerstand gegen die deutsche Besetzung. Gleich um die Ecke sind wieder zwei Murals (große Wandgemälde) zu sehen. Das Bild mit dem Pflanzenkopf stammt vom chilenischen Künster Inti, das "blaue" Bild von  Oliver Vernon aus Brooklyn. Die sechste Station ist die Kirche "Unserer Lieben Frau" in der Altstadt und es wird die Geschichte einer Hexenverbrennung erzählt.
Gleich hinter der Kirche geht es nach "Hjelmerstald", eine der ältesten Straßen Aalborgs. Hier stehen eng nebeneinander kleine bunte Häuser mit blühenen Stockrosen davor.
Wir betreten einen Innenhof, in dem die Familie Lange ihre Werkstatt hat und ein einem kleinen Skulpturengarten ihre Keramikkunst zeigt (siehe auch Titelbild).
Wir werfen noch einen Blick auf die Budolfi-Kirche, die gerade renoviert wird und sich hinter einer Plane versteckt und auf das alte Postamt (jetzt Sparkasse) mit seinem sechseckigen Turm, der im Staatsdienst stehende Brieftauben beherrbergte (siehe die jeweils neuen Taubenlöcher).
Dann schauen wir uns noch das prächtige Haus des (damals neureichen) Kaufmanns Jens Bang von 1624 an und beenden die Führung im Schloss Aalborghus, das mehr wie ein nettes Fachwerkhaus als wie ein Schloss aussieht.
Wieder ein sehr abwechslungsreicher Tag in Aalborg mit vielen unterschiedlichen Eindrücken aus verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte und mit Fragen an die Zukunft. Auf dem Rückweg erledigen wir noch einige Einkäufe und bewundern den Himmel über dem Limfjord. 
 

Sonntag, 26. Juli 2026

Tag 52 - Aalborg: Aussichten und Einsichten

Mit frischen Kräften nach dem Ruhetag gestern und bei strahlender Sonne machen wir unsere Fahrräder klar, um die Stadt zu erkunden.
Wir wollen gerne das "Kunsten", ein Museum für moderne Kunst, besuchen aber dann beschließen wir, zuerst auf den Aussichtsturm, den Aalborgtårnet, zu fahren, der direkt daneben steht. Der Turm selbst ist für eine Ausstellung errichtet worden und mittlerweile zu einem Wahrzeichen von Aalborg geworden. Wir sind angenehm überrascht, dass im Restaurant auf der Spitze sehr leckere Brote serviert werden.
Natürlich genießen wir auch die Aussicht über die Stadt und den Limfjord. Wir sehen die Kirche und die vor der Brücke wartenden Boote.
Dann fahren wir zurück zum Museum, und Ralf schaut die Prinzessin (und den in einen Frosch verwandelten Prinzen) an, die direkt davor stehen (siehe auch Titelbild). Irgendwie sieht die Dame nicht besonders motiviert aus, den Herrn zu erlösen. Im Museum besuchen wir zunächst den Skulpturengarten mit einem wunderbaren Springbrunnen, bei dem das Wasser machmal stoppt, damit man die Mitte erreichen kann, einem künstlerischen Minigolf und einem Märchenschloss
Ich bin fasziniert von im Dreieck aufgestellen Spiegeln, die das Innere aber auch den Himmel reflektieren.
Im Gebäude besuchen wir zunächst eine Ausstellung der dänischen Malerin Berit Heggergougen-Jensen zu ihrem 70. Geburtstag. Ralf findet, dass zuviel Text geschrieben werden muss, um ihre Bilder zu erklären.
Ein weiterer Teil der Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit "Sisters Hope" entstanden, einer international anerkannte Performancegruppe "im Spannungsfeld von Kunst, Aktivismus, Forschung und Bildung". Kunst soll nicht nur betrachtet, sonders ästhetisch, sinnlich und poetisch erlebt werden. Es sind unter anderem Teile aus dem Projekt "Sisters Hope Home" ausgestellt, darunter auch die Stockbetten des Schlafraums. Sie dürfen genutzt werden und es gibt Kopfhörer mit einer geführten Meditation dich ich sehr genieße und die Ralf für ein Mittagsschläftchen nutzt.
Besonders gut gefällt mir in diesem Museum, dass es an verschiedenen Stellen Gelegenheiten gibt, selbst kreativ tätig zu werden. So kann an einer Stelle ein Bild mit einem Goldrahmen gemalt werden, es gibt ein große Wand für "Elastik-Kunst" (Gummibänder über Holzpins) und interessant geformte Holzstäbe zum Bauen.
Das alles dauert natürlich seine Zeit und wir werden von der Durchsage überrascht, das das Haus in einer halben Stunde schließt. So können wir nur noch einen kurzen Blick in die "Late Picasso" Ausstellung werfen.
Picasso "malte am Tag und zeichnete bei Nacht" und so sind auch diverse kleine Grafiken ausgestellt. Ich bin fasziniert von den unterschiedlichen Stilrichtungen, die Picasso verwendet hat.
Mittlerweile ist es 17:00 Uhr und da haben die Cafés hier schon zu. Wir beschließen, in eine Eiskaffee in der Innenstadt zu fahren. Dort bekommen wir die "Sommer-Platte" mit sechs verschiedenen kleinen Kugeln. Ich riskiere Lakritze, kann es aber nicht wirklich empfehlen...
Wir gehen noch zum nahegelegenen Netto, um unsere Vorräte aufzustocken und sehen dort im Hinterhof eines der zahlreichen Wandgemälde, für die die Stadt bekannt ist - dazu morgen mehr. Insgesamt wieder ein schöner und interessanter Tag!

Samstag, 25. Juli 2026

Tag 51 - Aalborg: Vom Sommer in den Herbst

So gut wie auf dem Schiff schlafe ich daheim nicht und wir lassen es heute langsam angehen. Wir haben beide verschiedene Projekte - so will Ralf klappbare Pedale an seinem Fahrrad montieren.
Ich packe aus, verstaue die Taschen und beschäftige mich mit allgemeinen Plänen für unsere Reise (siehe Titelbild) und mit konkreten Plänen für die nächsten Tage. Hier ist es nass, kalt und windig und es fühlt sich an, als ob wir vom Sommer in den Herbst gereist sind.
Auch für die nächsten Tage ist noch Starkwind aus westlichen Richtungen vorhergesagt und so beschließen wir, uns in Ruhe die Stadt anzuschauen. Wir laden uns zwei Audioguides für Touren herunter und haben auch schon zwei Museen ausgesucht. Hier an unserem Liegeplatz ist absolut nichts los. Kein Mensch auf den Booten und auch niemand im Clubaus. Die Häuser rings um den Hafen wirken unbewohnt.
Wir sind gespannt, wie wir morgen die Stadt erleben und ob wir ein paar Einwohner oder Touristen treffen. Zum Abschluss des Tages lässt sich die Sonne noch ganz kurz hinter dunklen Wolken blicken.