Zurück auf dem Bahnsteig warten wir mit vielen anderen Menschen auf den angekündigten Anschlusszug, der um 12:35 Uhr abfahren soll aber nicht kommt. Beim Warten kommen wir mit einem Herrn ins Gespräch, der eine große rechteckige Tasche dabei hat. Wir erfahren, dass er darin sein Rennrad transportiert und eine Tour von Kopenhagen nach Göteborg machen will. Die Gespräche werden schnell sehr technisch, denn er ist a) Physiker und hat b) das Fahrrad selbst aus einzelnen Kompontenten zusammengestellt. Schade das Paul nicht dabei ist!
So vergeht die Zeit und wir warten und warten. Aus 60 Minuten Verspätung werden erst 80, dann 120 und schließlich 160 Minuten... Schließlich kommt dann ein tschechischer Zug in den Bahnhof gefahren und es geht tatsächlich los! Es gibt einen Speisewagen wo Ralf tatsächlich einen Cappuccino aus einer Porzellantasse bekommt.Unser nächster Anschluss sollte in Kolding sein, aber der ist natürlich schon lange weg... Glücklicherweise bekommen wir dann aber noch - nach einiger Wartezeit - den letzten durchgehenden Zug nach Aalborg. Das Gute an der Warterei ist, dass wir uns dabei mit anderen Betroffenen austauschen. Hier ist es eine Simultandolmetscherin, Französin mit einer schottischen Mutter, die in Berlin lebt und Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch übersetzt, unter anderem auf Kongressen, für Bundesministerien und für das europäische Patentamt. - Wir haben uns schon daheim Brote geschmiert und das in weiser Vorraussicht in Hamburg-Harburg noch ergänzt, so dass wir jetzt ein gutes Abendessen haben.Die dänischen Züge gefallen uns sehr gut: bequeme Sitze, Tische und kleine Regale mit Kaffee, Tee und Wasser. Dazu bringt die Zugbegleiterin noch belegte Knäckebrote (siehe Titelbild). Wir kommen in Aalborg an und steigen erst einmal am falschen Bahnhof aus. Wir merken es rechtzeitig und klettern zurück in den Zug. Nun ist es nur noch eine kurze Fahrt im Bus. Mittlerweile habe ich auch die App für die Tickets zum Laufen gebracht.Von der Endstation laufen wir dann noch zum Hafen, wo die Triton brav auf uns gewartet hat. An Bord ist alles in Ordnung und wir sind froh, dass wir die Reise nach 16,5 Stunden unterwegss geschafft haben.Coratriton
Segeln und Mehr
Freitag, 24. Juli 2026
Tag 50 - Griesheim-Aalborg: Eine Übung in Geduld
Wir hatten eine sehr abwechslungsreiche und intensive Zeit in der Heimat mit der Masterfeier von Paul, dem Geburtstag von Hildegard, schönen Begegnungen mit Freunden und Spaß mit dem Enkel. Aber auch mit Buchhaltung, Nebenkostenabrechnung, Steuererklärungen und Besorgnis über den Gesundheitszustand eines Familienmitglieds. Nun sind wir froh, aus der komplexen Welt daheim mit ihren vielen unerschiedlichen Anforderungen wieder in die lineare und unmittelbare Welt auf dem Boot zurückzukehren. Heute morgen um 5:30 Uhr fährt uns die liebe Hildegard in den Sonnenaufgang zum Bahnhof. Geplant ist, um ca. 18:00 Uhr auf dem Boot zu sein.Erster Stopp ist in Frankfurt, wo wir unsere reservierten Plätze im ICE Richtung Hamburg haben. Ich habe selten so unbequem gesessen, aber trotzdem gelingt es mir, etwas Schlaf nachzuholen.Wir sollen in Hamburg-Harburg etwa 20 Minuten Zeit zum Umsteigen haben und kommen dort auch recht pünklich an. Meine DB-App informiert mich, dass unser Anschlusszug ausfällt und die Zugbindung aufgehoben ist. Erst mal kein Problem, denn eine Stunde später fährt der nächste Zug und so haben wir Gelegenheit, gemütlich im Bahnhofscafé zu Mittag zu essen. Wir unterhalten uns nett mit einer hochschwangeren Dame am Nebentisch (die Ralf in seiner charmanten Art direkt nach dem Geburtstermin gefragt hat). Wie sich herausstellt hat sie schon zwei Kinder, davon ein Schulkind mit LRS und wir tauschen uns über die Problematik aus. Offensichtlich hat sich in den letzten 25 Jahren wenig an der Kompetenz der Lehrkräfte geändert...
Samstag, 4. Juli 2026
Tag 49 - Aalborg-Griesheim: Leben in vollen Zügen
Wir verabschieden uns um kurz nach 8:00 Uhr von unserer lieben Triton, die hoffentlich hier lieb auf uns warten wird. Wir haben nur einen kurzen Fußweg zur Bushaltestelle und dann wenige Minuten Fahrt zu Bahnhof. Erfreulicherweise gibt es einen Aufzug.Wir haben eine guten Zeitpuffer und während wir auf den Zug warten, können wir sehen, wie die Eisenbahnbrücke kurz vor der vollen Stunde für die Boote geöffnet wird - gestern sind wir dort hindurchgefahren.Wir fahren vom Hafen zum Bahnhof in Alborg, nach Aarhus, Fredericia, Flensburg und Hamburg. Alle Umstiege klappen, weil der Zug in Fredericia auf uns wartet und wir dadurch in Hamburg unseren ICE erreichen (siehe auch Titelbild). Ein Blick auf die Alster weckt Erinnerungen an die Deutsche Meisterschaft der Conger, an der wir 1992 teilgenommen haben. Jan war (im Bauch) auch dabei.Unterwegs sehen wir dann noch die Sonne langsam untergehen - deutlich früher als oben im Norden. Unser letzten Zugwechsel ist dann in Frankfurt, wo dann die Regionalbahn nach Darmstadt die größte Verspätung von allen Zügen hat. Hildegard holt uns netterweise ab - danke! Wir haben für die rund 1000 km von Boot zu Tür etwas mehr als 15 Stunden benötigt. Zurück auf die Triton geht es dann hoffentlich Ende Juli.
Freitag, 3. Juli 2026
Tag 48 - Aalborg: Sauber und ordentlich
Die ganze Nacht und heute den ganzen Tag haben wir hier sehr stürmischen Wind mit Böen Windstärke 8 und wir sind froh, dass wir hier sicher im Hafen liegen.Wir verbringen den Tag mit Aufräumen, Aussortieren und Putzen. Wir schauen die Bücher, Seekarten und Kleidung durch, Ralf schließt eine neue Gasflasche an und ich spüle die diversen Aufbewahrungsboxen.Wir schauen die - wenigen - Lebensmittel durch, essen noch ein paar Reste und schmieren uns Brote für die lange Zugfahr (mit 5x Umsteigen) morgen.Wichtig ist es, das Boot gut Festzubinden und wir tauschen noch die Festmacher aus, damit die Triton auch bei unterschiedlichen Wasserständen (wir hatten durch den Starkwind eine Differenz von fast einem Meter) sicher liegt.Jetzt, im Abendlicht (siehe auch Titelbild), ist der Wind etwas schwächer geworden aber er soll auch in den nächsten Tagen kräftig wehen und aus westlichen Richtungen kommen. Wir sind froh, dass wir uns entschieden haben, hier zu bleiben.
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Donnerstag, 2. Juli 2026
Tag 47 - Hals-Aalborg: Zeitplansegeln
Nach Wochen mit angenehmen Wetter bekommen wir heute das Paket Regen, Wind und Kälte. Wir wollen weiter in den Limfjord hinein und hoffen, mit dem Wind aus südlicher Richtung ein Stück segeln zu können.Unser Ziel ist Aalborg und dort liegen die geeigneten Häfen hinter zwei Brücken, die für uns zu niedrig sind. Also müssen wir dort pünklich zu den Öffnungszeiten - jeweils zur vollen Stunde - ankommen. Wir setzen also genau so viel Segel, dass die Ankunftszeit stimmt. Zunächst haben wir noch das Groß oben, nehmen es aber dann herunter, weil wir zu schnell sind.Am Schluss fahren wir nur noch mit einem ganz kleinen Stückchen Fock. Leider haben wir durch den Regen schlechte Sicht, erkennen aber verschiedene Industrieanlagen und Windräder.In Alborg selbst stehen am Ufer viele architektonisch interessante Wohnanlagen, einige davon noch im Bau.Wir kommen pünktlich an der Brücke an und nach kurzer Zeit wird sie für uns (siehe Titelbild) und noch einen anderen Segler geöffnet.Allerdings gibt es nach dieser Brück auch noch eine Eisebahnbrücke und - entgegen anderer Informationen im Netz - werden die Brücken nicht gleichzeitig geöffnet, so dass wir eine ganze Weile Kreise fahren... Aber dann klappt sie auf und wir haben es nicht mehr weit in den Hafen.Bei Anlegen an Heckpfählen zu zweit tun wir uns noch etwas schwer - aber am Ende sind wir fest und liegen gut festgebunden. Wir bauen das Sonnendach ab und das Cockpitzelt auf, denn Wind und Regen sind noch stärker geworden. Das hält uns aber nicht von unserem Abendessen ab.Eigenlich wollten wir in den nächsten Tagen im Limfjord weiter nach Westen Segeln und die Inseln dort erkunden. Aber es ist sehr starker Wind aus westlichen Richtungen vorhergesagt und da macht das Weiterfahren keinen Sinn. Wir beschließen daher schon am Samstag (und nicht erst nächsten Mittwoch) zurück nach Deutschland zu fahren.
Mittwoch, 1. Juli 2026
Tag 46 - Asaa-Hals: Der Eingang zum Limfjord
Leichter Wind und Sonne - wieder eine ruhige Fahrt ohne Wellen (siehe Titelbild). Die Triton macht aus sechs Knoten Wind über drei Knoten Fahrt - das gefällt uns. Irgendwann geht der Wind weg und wir fahren das letzte Stück unter Motor zu unserem Ziel Hals am Eingang zum Limfjord.Es ist ein netter Hafen, in dem es außer den Freizeitbooten auch noch ein paar Fischkutter, Lotsen und eine kleine Werft gibt. Um den Hafen herum sind Restaurants und Cafés und in Laufweite verschiedene Supermärkte. Wir machen einen kleinen Spaziergang und schauen uns die netten Häuser an, hier in Dänemark oft in gelb mit weißen Details und rotem Ziegeldach. Wir kommen an der Statue "Guld-Harald" vorbeiWir kommen an Wandbildern vorbei und laufen bis zur Kirche, die eher unaufregend aussieht. Gleich daneben steht ein wunderschöner alter Baum, den Ralf als eine Eichenart identifiziert.Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein und betrachten die anderen Schiffe im Hafen. Mittlerweile ist es recht voll geworden.Abends gibt es noch ein kleines Konzert vom örtlichen Gesangverein im Hafen und am Ende wird zu Trompetenklängen feierlich die Flagge eingeholt. Zu den Flaggenbräuchen beim Segeln gehört neben der Nationalflagge am Heck und der Gastlandsflagge unter der Steuerbordsaling auch, die Nationale bei Sonnenuntergang einzuholen. Das wird allerdings nicht mehr überall so eng gesehen. Hier meinen sie es aber ernst und wir sehen viele Boote ohne Flaggen. Also wird unsere Flagge auch für die Nacht eingepackt.
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