Donnerstag, 3. September 2026

Tag 91 - Strande-Laboe-Strande: Singing in the Rain

Der Himmel ist grau und es regnet - aber mit der richtigen Kleidung ist das kein Hinderungsgrund für einen kleinen Ausflug. Direkt bei uns im Hafen ist der Fähranleger und wir fahren auf die andere Seite der Bucht nach Laboe.
Dort angekommen amüsieren wir uns über das Schild, das uns auf der "Sonnenseite der Kieler Förde" begrüßt - davon ist heute eher weniger zu merken...
Das hält uns aber nicht davon ab, uns den Hafen und die darin liegenden Schiffe anzuschauen.
Wir fotografieren uns gegenseitig an dem Touristenschild mit dem Ortsnamen, das ebenfalls im Hafen steht und haben Spaß. (Foto von Ralf).
Gleich nebenan ist ein Informationszentrum von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und wir werfen einen Blick hinein. Außer uns ist niemand da und wir unterhalten uns einen ganze Weile mit dem ehrenamtlichen Mitarbeiter, der das Zentrum betreut. Er war 42 Jahre lang bei der Marine und hat zuletzt 12 Jahre lang ein U-Boot kommandiert. Wir bekommen interessante Informationen über die militärischen Sperrgebiete in der Ostsee. Er berichtet, dass dieses Zentrum nach einer Rettungsaktion vor den Toren von Laboe von den Geretteten gespendet wurde. Außerdem erhalten wir jede Menge Werbeartikel. Eine sehr nette Begegnung!
Danach laufen wir die Strandpromenaden entlang, die heute mit den gelben Blättern und im Regen schon sehr herbstlich wirkt.
Es gibt diverse Geschäfte, viele für Freizeitkleidung (heute Regenjacken), Andenken, oder Fischbrötchen und Eis (heute nicht besonders gut besucht).
Wie sich herausstellt, dürfen wir nicht so ohne weiteres an den Strand, sondern müssten dazu eine Eintrittskarte (3 Euro) kaufen. Ich ignoriere das kurz und fotografiere die leeren Strandkörbe (siehe Titelbild).
Auf dem Rückweg zur Fähre machen wir noch einen Abstecher auf den Wochenmarkt, wo wir am Fischstand Frischkäse mit Lachs, Dillhäppchen und Schillerlocken kaufen (alles sehr lecker).
Das Marineehrenmal und das U-Boot besuchen wir heute nicht - das haben wir früher schon mehrfach angeschaut. Aber wir kommen an der Schiffsschraube im Hafen vorbei, die von einem dänischen Schiff stammt, dessen Besatzung von der DGzRS aus Seenot gerettet wurde.
Wir essen dann auch noch Fischbrötchen direkt an der Fähre. Auf dem Dach des Ladens (und auch an anderen Stellen in Laboe) stehen Skulpturen von frechen Möwen.
Die Fähre bringt uns dann zurück in unseren Hafen und wir staunen, wie dicht sie hinter den Schiffen vorbeifährt.
Wir verbringen den Rest des Tages mit Wäschewaschen und planen, wir wir die nächsten Tage verbringen wollen. Wir wollen erst  am Wochenende weiter nach Heiligenhafen segeln, weil dann in der Hohwachter Bucht nicht geschossen wird und wir keinen Umweg wegen des Schießgebiets fahren müssen. Samstag soll es sehr windig werden und daher wollen wir erst am Sonntag los. Für Morgen und für meinen Geburtstag am Samstag haben wir schon ein paar nette Ideen.
 

Mittwoch, 2. September 2026

Tag 90 - Olpenitz-Strande: Von der Wahl des richtigen Zeitpunkts

Seit Tagen jonglieren wir mit dem richtigen Timing. Wann können wir am besten in welche Richtung fahren? Wie passt es mit dem Wind? Zu wenig? Zu viel? Aus der richtigen Richtung? Wo können wir Wartezeiten gut nutzen? Sind wir gestern mit Westwind nach Süden gefahren, so wollen wir heute mit Sündwest-Wind nach Südosten Richtung Kieler Förde.
Eigentlich wollen wir dazu heute um 10:00 Uhr lossegeln, aber ein Blick in die Wettervorhersage zeigt, dass der Wind heute nachmittag günstiger ist. Also habe ich die Gelegenheit, mir selbst einen Eindruck von Olpenitz zu verschaffen. Wir laufen am Ufer entlang und sehen eine Reihe von Geschäften, die überwiegend Souveniers verkaufen. Es gibt einen Makler, bei dem wir ein schwimmendes Ferienhaus für über 600.000 Euro kaufen könnten (und von den Dingern gibt es eine ganze Menge...). Alternativ ist auch noch eine Villa für knapp 4 Millionen im Angebot. Wir könnten auch Fahrräder oder ein Golfcart leihen oder die Strandbar ausprobieren.
Alles wirkt auf mich sehr künstlich und gar nicht gemütlich oder gewachsen, wie an vielen Orten in Dänemark. Da hilft auch kein Flamingo-Tretboot...
Positiv ist der große EDEKA-Markt, der für uns - aus Dänemark kommend - unglaublich günstige Preise hat. Und es gibt sehr leckere Hering- bzw. Matjesbrötchen in einer kleinen Bude vor dem Eingang. Da schlagen wir gleich zu.
Unsere Entscheidung, noch etwas mit dem Start zu warten, war goldrichtig. So sitzen wir bei dem nächste Gewitter mit Blitz, Donner und Regen noch gemütlich in unserem Cockpitzelt und später können wir dann - nach der vorhergesagten Winddrehung - unseren Kurs bis kurz vor dem Hafen fahren. Wir haben wieder reichlich Wind, aber mit zweifach gereffeften Segeln läuft die Triton wieder sehr gut. Wir sehen zwar wieder schwarze Wolken, aber der Regen erwischt uns nicht.
Auf dem letzten Stück müssen wir dann Anluven (siehe Titelbild). Hier sind auch wieder zahlreiche Boote unterwegs und in der Förde gibt es auch Großschiffahrt. Kein Wunder, denn Kiel ist Fährhafen und hier ist auch die Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal.
Wir wollen uns in den Hafen Strande legen, weil von hier aus Busse und Fähren fahren. Das ist aber gar nicht so einfach, denn es gibt kaum freie Boxen. Nachdem wir mehrere Gänge abgefahren sind, finden wir schließlich eine mit einem grünen Schild und Ralf parkt geschickt rückwärts ein. Nun brauchen wir noch einen guten Zeitpunkt um über die Hohwachter Bucht nach Heiligenhafen zu fahren.

Dienstag, 1. September 2026

Tag 89 - Lyø-Olpenitz: Kulturschock in Deutschland

Seit Tagen studieren wir die verschiedenen Wettervorhersagen und versuchen, unsere letzte Segel-Woche sinnvoll zu planen. Für heute war Westwind vorhergesagt, mit dem wir nach Süden fahren wollen. Dafür haben wir in Lyø eine gute Ausgangsposition. Die weiße Linie ist die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland - wir sind also wieder in deutschen Gewässern.
Bei so einern langen Strecke über offenen Wasser mit gutem Wind kommt wieder unser Freund "Sir Henry" zu Einsatz und er enttäuscht uns nicht und steuert die Triton sehr gut.
Wie in den letzten Tage auch ist das Wetter wieder sehr wechelhaft, insbesondere ist erstaunlich, wie schnell das geht - innerhalb von 15 Minuten von Starkregen zu Sonne... Die Bedingungen sind sehr gut für die Triton und der kräftige Wind lässt uns gut vorankommen - da werden die 7-Meilen-Stiefel ausgepackt!
Unterwegs treffen wir zahlreiche andere Schiffe, darunter zwei große Schoner (siehe auch Titelbild) und einen kleinen Jollenkreuzer.
Die ganze Zeit segelt ein klassischer 22er Schärenkreuzer neben uns, der heute morgen auch in Lyø gestartet ist. In dem schmalen Boot mit dem offenen Cockpit ist das Segeln noch viel basisnäher, als unter unserem festen Dach.
Wir sind schon mit dem ersten Reff im Groß gestartet und haben unterwegs das Groß und die Fock noch weiter gerefft - das macht bei den Windverhältnissen keinen Unterschied in der Geschwindigkeit, aber lässt uns aufrechter und angenehmer segeln.
Als Hafen in Deutschland haben wir uns Olpenitz ausgesucht, eine ehemalige Marinebasis, die jetzt zum Yachthafen umgebaut worden ist. Er liegt direkt südlich der Schleimündung. Grund für die Wahl ist, dass wir diesen Hafen noch nicht kennen. Neugierig laufen wir in das große Vorafenbecken ein.
Was wir sehen, ist nach den netten kleinen Häfen und den malerischen Orten in Dänemark eine Art Kulturschock. Hier ist alles künstlich angelegt und alle Häuser sehen gleich aus. Was für ein Unerschied!
Bei Sonnenschein legen wir im Yachthafen an und nette Segler nehmen uns die Leinen ab. Ralf entspannt sich etwas im Cockpit, aber wir haben wieder einen schnellen Wetterwechsel und innerhalb weniger Minuten beginnt es zu regnen.
Also wird das bewährte Cockpitzelt aufgebaut. Ralf macht noch einen Spaziergang an Land, aber leider keine Fotos dabei. Er berichtet, dass ich nichts versäumt habe, und dass er den Ort als "seelenlos" empfindet. Aber es ist ein guter und sicherer Hafen und heute haben wir gute Aussicht auf den Mond.
 

Montag, 31. August 2026

Tag 88 - Ærøskøbing-Lyø: Wetterwechsel am Geburtstag

Heute ist Ralfs Geburstag und wie schon oft verbringen wir ihn auf der Triton. Wir starten gemütlich Richtung Lyø und kommen mit halbem Wind gut voran.
Etwas irritiert sind wir von einer Sturmwarnung von Lynby Radio, denn unser normaler Wetterbericht spricht von moderatem Wind. Wir lesen noch einmal nach und offensichtlich sind Starkwindereignnisse während Gewittern gemeint. Tatsächlich ziehen am Himmel neben uns bedrohliche Wolken auf.
Wir hören den Donner und wechsel vom Sonnenhut zum Südwester. Glücklicherweise schaffen wir es ohne Gewitter in den Hafen.
Hier ist mehr los als in Ærøskøbing und wir merken, dass es nicht mehr weit nach Deutschland ist, denn hier liegt eine ganze Reihe deutscher Boote.
Wir wollen uns noch etwas die Insel anschauen und laufen guter Dinge los. Ich stecke im letzten Moment noch mein Fahrrad-Regencape in den Rucksack. Vorne am Hafen können wir Fahrräder ausleihen und wir machen uns auf den Weg Richtung Dorf. Das ist nicht weit, denn die Insel ist ca. 4 x 4 km groß und hat rund 100 Einwohner.
Sie ist bekannt für ihre schönen Dorfteiche und das können wir bestätigen. Im Wasser gibt es eine perfekte Spiegelung, die erste von vielen heute.
Mitten im Dorf ist der Kaufmann und wir prüfen dort das Angebot. Es gibt frisches Obst und vor dem Laden sind diverse Golf-Carts geparkt. Das ist eine sinnvolle Art der Fortbewegung. Allerdings gibt es auch "richtige" Autos.
Besonders erfreulich ist, dass Ralf hier auch Kaffee und ein Croissant bekommt. Das ist wirkliche ein besonderer Platz mit einer schönen Atmosphäre.
Wir fahren vorbei an empörten Gänsen (eine zischt Ralf an) und blühenden Gärten bis zur Westseite der Insel.
Dort gibt es den "Glockenstein" der angeblich einen hellen Ton erklingen lässt, wenn man ihn mit einem kleineren Stein anschlägt. Wir treffen dort die drei Seglerinnen vom Nachbarboot und ich mache ein paar Fotos von ihnen auf dem Stein. Bevor wir den klang ausprobieren können, beginnt es heftig zu regnen. Und dann haben wir ein richtiges Gewitter mit Blitz und Donner und wirklich wolkenbruchartigen Regenfällen. Wir versuchen uns unterzustellen, aber gegen diese Regenmengen helfen weder Blätterdach noch Regencape...
Aber der Spuk ist schnell vorbei und wir fahren ziemlich feucht zurück zum Boot. Die Sonne ist wieder herausgekommen und tatsächich ist in der Ferne ein schwacher Regenbogen zu sehen.
Der Wind ist nun völlig eingeschlafen und am Hafen erwartet uns die nächste Spiegelung im glatten Wasser. Erstaunlich, wie schnell der Himmel wieder blau geworden ist.
Wir sitzen beim Abendessen wie meist im Cockpit und ich stehe auf um die beiden Ausblicke einzufangen. Hinter im Osten liegt der friedliche Hafen...
...während vor unserem Bug Richtung Westen über der geschützten Ankerbuch dramatisch die Sonne untergeht. Das war ein schöner und sehr abwechslungsreicher Geburtstag und wahrscheinlich unser letzten Abend in Dänemark.

Sonntag, 30. August 2026

Tag 87 - Ærø: Rundfahrt mit dem Bus

Einer der Gründe für die Entscheidung, nach Ærø zu segeln, waren die Möglichkeiten hier einen Tag lang die Insel zu erkunden. Als wir aufstehen, ist der Himmel noch grau und es regenet so stark, dass wir uns in vollem Ölzeug auf den Weg machen. Von der Bushaltestelle aus ist noch alles nass und grau.
Wir haben uns entschieden, mit dem kostenlosen Bus eine Inselrundfahrt zu machen - von unserem Hafen Ærøskøbing in der Mitte der Insel bis nach Søby im Nordwesten und Marstal im Südosten.
Wir haben schon oft festgestellt, dass wir schöne Dinge erleben, wenn wir dem Tag eine Chance geben - so auch heute. Auf der Fahrt nach Søby kommt die Sonne heraus und der Himmel wird blau. Wir fahren vorbei an goldenen Felder, Sonnenblumen und netten kleinen Häusern und Kirchen.
Im Hafen von Søby wird gerade an der Erweiterung gearbeitet. Außerdem sind einige Kunstwerke um den Hafen verteilt. Ich erinnere mich, dass Max hier vor vielen Jahren große Freude daran hatte, die Steine zur Befestigung der Hafenmole mit einem großen Platsch ins Wasser zu werfen. Wir sind dann weitergefahren, bevor er alles abgetragen hatte...
Für die Kaffeepause hat Ralf "Søbygaard" herausgesucht. Er erzählt ja immer, dass er nur segelt. damit er an schönen Plätzen Kaffeetrinken kann. Hier ist es jedenfalls ein voller Erfolt. Es handelt sich um ein ehemaliges herzogliches Jagdschloss, dass jetzt als Kultur- und Erlebniszentrum dient. Wir sizten unter einem riesigen alten Nussbaum (siehe Titelbild) mit Blick auf das Herrenhaus, dass von einem Wassergragen mit einer Zugbrücke umgeben ist. 
Im Haus selbst gibt es wieder historisch eingerichtete Räume. Wir werfen nur einen kurzen Blick hinein, denn der Bus fährt jede Stunde und wir wollen ihn nicht verpassen.
Ralf erzählt vom Handwerk des Mollenhauers, der Tröge aus ganzen Baumstämmen herstellen konnte ich ich von Weißnäherinnen die für verzierte Unterwäsche und Bettwäsche zuständig waren. Die Äpfel in der Schale sind aus Filz und das Küssen des Frosches durch Ralf führt leider nicht zur Verwandlung in eine Prinzessin.
Wir bekommen unseren Bus und fahren ganz ans andere Ende der Insel. In Marstal laufen wir am Ufer entlang und durch das Außengelände des Seefahrtsmuseums. Leider werden die historischen Motoren nur Donnerstags zum Leben erweckt. Eine sehr verschmuste Katze bringt uns Grüße von Diego.
Schon bald ist unsere Stunde um und wir fahren wieder zurück nach Ærøskøbing, das besonders für seine malerischen Straßen mit Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäusern und Stockrosen bekannt ist.
Der Hafen ist immer noch leer, aber im Gegensatz zur grauen Regenwelt heute morgen liegen er (und die Triton) im goldenen Abendlicht.
Das bedeutet, wir bekommen zum Abschluss einen wunderbaren Tages auch noch einen pastellfarbenen Abendhimmel geboten.