Mittwoch, 9. September 2026

Tag 97 - Marina Ortmühle-Griesheim: Winterlager

Wir haben gestern schon das Auto geladen und so müssen wir nur noch ein paar letzte Taschen vom Schiff tragen, als die Kran-Crew um 7:20 Uhr ankommt. Neben der Triton geht gerade die Sonne auf.
Und dann geht alles ganz schnell. Wir haben den Mast gut vorbereitet und ruck-zuck wird er auf zwei Blöcke gelegt. Um 7:50 Uhr ist die Triton schon aus dem Wasser (siehe Titelbild). Wir sind etwas erstaunt, als wir feststellen, dass von der Opferanode am Propeller nichts mehr übrig ist und vermuten, dass wir sie verloren haben. Links zum Vergleich die neue Anode bei Saisonstart.
Nun müssen wir noch den Mast verpacken. Dazu werden alle Instrumente und Antennen von der Mastspitze entfernt und alle Wanten, Stagen und Leinen gut am Mast befestigt.
Um 10:00 Uhr ist alles erledigt und wir können uns mit unserem Leihwagen auf den Weg nach Süden machen. Wir kommen gut durch und werden von der Familie mit einem Abendessen begrüßt. Wir freuen uns sehr, alle gesund und munter wiederzusehen.

Dienstag, 8. September 2026

Tag 96 - Heiligenhafen-Marina Ortmühle: Endspurt

Morgen früh um 7:30 Uhr haben wir unseren Krantermin, also müssen heute alle Arbeiten erledigt werden. Wir haben beide lange Checklisten, was vor dem Winterlager zu tun ist und wir erledigen erst einmal gemeinsame Aufgaben. Der Ausbaumer, der Baum und der Baumniederholer werden abmontiert und aufs Deck gelegt. Alle Fallen, das zweite Vorstag und die Dirk müssen am Mast befestigt werden. Dabei ist es wichtig, dass Edelstahl nicht im direkten Kontakt mit Aluminium kommt. Der Radarmast wird gelegt, der Fockroller mit einer Latte stabilisiert und alle Kabel zwischen Mast und Schiff getrennt.
Danach arbeiten wir ein eigenen Projekten. Ich sortiere die Schränke aus - dank unseres Mietwagens können wir ungenutzte Dinge mit heim nehmen. Auch die Seekarten und Handbücher werden durchgeschaut und ggf. zum Verkaufen mit heim genommen. Aus den letzten Resten suchen wir uns noch etwas zum Mittagessen zusammen und dann können Kühlschrank und Küche geputzt werden. Ralf bringt die Fock für Reparaturen zum Segelmacher und reinigt unser Sonnendach. Zwischendurch machen wir auch noch eine Kaffeepause am Hafen.
Wir bringen die gepackten Taschen schon einmal zum Auto und machen uns dann auf den Weg in den Werfthafen Ortmühle, der nur knapp eine Seemeile entfernt liegt (siehe auch Titelbild).
Dort dürfen wir uns schon unter den Hafenkran legen, damit es morgen früh gleich losgehen kann.
Ich sortieren noch weitere Kleinigkeiten und packe meinen Rucksack mit diverser Elektronik, während Ralf das Auto in unseren neuen Hafen holt. Außerdem müssen noch Arbeiten am Motor erledigt werden, die erst gemacht werden können, wenn der Motor nicht mehr verwendet wird.
Um kurz vor 20:00 Uhr sind wir fertig und fahren zum Abschlussessen zu einem Griechen am Yachthafen. Er war uns gestern durch angenehme Gerüche aufgefallen und das Essen ist wirklich lecker! Wir sind zufrieden, dass wir alle Arbeiten gut erledigen konnten und hoffen morgen auf einen reibungslosen Ablauf.

Montag, 7. September 2026

Tag 95 - Heiligenhafen-Lübeck-Travemünde: Einmal Lübeck und zurück

Wieder geht es morgends mit dem Bus los, heute über Oldenburg nach Lübeck in ein Industriegebiet. Dort haben wir ein Leihauto gebucht, mit dem wir unser umfangreiches Gepäck nach Hause transportieren wollen. Wenn wir nun schon in Lübeck sind, wollen wir die Gelegenheit nutzen, uns einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen. Wir kaufen aber erst einmal ein paar nette Sandwiches zur Stärkung und kommen auf einer Bank mit einem Einheimischen ins Gespräch. Auf dem Weg zu seiner Empfehlung (die "Gänge") kommen wir an einem Kirchturm vorbei, auf dem oben Menschen zu sehen sind und entscheiden uns für einen kurzen Blick über die Stadt. Wie so oft bei unseren Unternehmungen wird das eine längere Sache... Wie sich herausstellt ist St. Petri eine ganz besodere Kirche, denn auf den ersten Blick wirkt das Innere wie eine Baustelle.
Der Innenraum ist weiß gestichen und fast völlig leer. In einer Ecke steht eine Orgel und in der Apsis hängt ein einsames Kreuz. Eine Neonschrift versichert jedoch, dass es sich um einen Kirche handelt. Es ist allerdings eine Kirche ohne Gemeinde und ohne klassischen Sonntagsgottesdienst. Sie wird genutzt für Kunst, Kultur, Wissenschaft, Bildung, Konzerte, Empfänge und religions-philosophische Veranstaltungen - eine großartige Idee, die sehr gut angenommen wird. Eine kleine Ausstellung informiert über die Kirchengeschichte.
Mit einem Aufzug fahren wir hoch auf den Turm und haben von dort aus einen wunderbaren Blick über die Stadt. Hier im Vordergrund unser kleines enges Parkhaus und im Hintergrund den Lübecker Dom, eine der fünf Altstadtkirchen, die mit ihren insgesamt sieben Türmen das Stadtbild prägen.
Ebenfalls einen Doppelturm hat die Marienkirche neben dem Rathausplatz. Im Vordergund das ungewöhliche Dach von Peek&Cloppenburg.
Natürlich können wir von hier aus auch das Holstentor, das Wahrzeichen der Stadt sehen (siehe auch Titelbild). Das Tor und Teile der Altstadtinsel sind UNESCO Welterbestätte: "Die Hansestadt Lübeck ist ein außergewöhnliches Sinnbild der Macht und historischen Bedeutung der Hanse... Die historische Struktur der Altstadtinsel mit ihrem klingenförmigen Grundriss aus der Gründerzeit der Stadt bezeugt die Entfaltung Lübecks zum Handelszentrum."
Wir haben noch ein wenig Zeit bis zu unserem nächsten Programmpunkt und laufen noch etwas durch die Stadt. Ich werfen einen Blick auf (und in) die Verkaufsstelle des berühmten Niederegger Marzipans und auf die Cafés am Ufer der Trave. Uns fallen auch verschiedene bunt bemalte Stromkästen auf.
Schon vorher in der Stadt und vom Turm aus war uns ein ungewöhnliches  Gebäude aufgefallen, bei dem ein weißes Gebäude vor einer Mauer mit Türmen und Löchern stand.
Wir lernen, dass es sich um das Rathaus handelt, das zunächst im Stil der Backsteingotik erbaut wurde, aber später diverse An- und Umbauten erhielt, so z.B. durch einen Holzvorbau aus der Renaissance. Im Inneren für ein Renaissance-Portal (mit zwei unterschiedlich großen Türen) in einen Gerichts- und Audienz-Saal, der mit allegorischen Gemälden aus der Rokoko-Zeit geschmückt ist.
Um den Stilmix komplett zu machen, sind das Treppenhaus und der Bürgerschaftssaal im neugotischen Stil gestaltet. Viele der großen Repräsentationsräume wurden in Büros aufgeteilt, die auch heute noch benutzt werden.
Zum Kaffeetrinken kehren wir in das wundebare Café in der St.-Petri-Kirche zugrück und genießen leckeren Kuchen in der Sonne. Ralf läuft noch zum Historischen Hafen und dann machen wir uns auf den Weg nach Travemünde, wo wir Onkel Volker, den Bruder meines Vaters, zum Essen beim Italiener treffen.
Wir verbringen einen netten Abend und habe uns viel zu erzählen, denn Volker war ebenfalls ein begeisterter Segler und hat unter anderem fünf Mal den Atlantik überquert. Am Schluss begleiten wir ihn noch zur Fähre, die ihn wieder zurück über die Trave zum Rosenhof bringt.

Sonntag, 6. September 2026

Tag 94 - Strande-Heiligenhafen: Gute Planung!

Wir haben drei nette Tage mit Ausflügen von Strande aus nach Laboe und Kiel verbracht und die Wetterberichte studiert. Heute geht es weiter.
Zwischen Kiel und Heiligenhafen liegt die Hohwachter Bucht und darin ein Schießgebiet der Marine, das von Montag bis Freitagmittag nicht durchfahren werden darf und dann einen große Umweg erfordert.
Heute, am Sonntag, wird nicht geschossen, nach wechselhaftem Wetter in den letzten Tagen haben wir Rückenwind und die Sonne lacht am blauen Himmel - so haben wir uns das vorgestellt und wir können auf dem kürzesten Weg über die Bucht fahren.
Bei Wind von hinten baumen wir das Vorsegel aus, damit die Segelfläche optimal genutzt  werden kann. Bei diesem Kurs schaukelt das Schiff hin und her, aber wir sind trotzdem sehr zufrieden mit unserer Planung (siehe Titelbild).
In Heiligenhafen füllen wir die beiden Dieseltanks - das erste Mal in dieser Saison, denn wir sind ganz überwiegend gesegelt.
Im Hafen angekommen machen wir eine kurze Pause und nehmen dann noch die Segel herunter. Sie werden zusammengelegt und verpackt.
Für heute haben wir genug erledigt. Morgen wollen wir einen Mietwagen in Lübeck abholen, Dienstag wollen wir das Boot für das Winterlager vorbereiten und Putzen&Packen und am Mittwoch soll die Triton dann aus dem Wasser gehoben werden.

Samstag, 5. September 2026

Tag 93 - Strande-Kiel-Strande: Geburtstags-Ausflug

Heute, an meinem Gebutstag, haben wir noch einmal einen Ausflug nach Kiel geplant. Das Wetter soll wechselhaft, aber insgesamt besser als gestern sein. Mittlerweile kennen wir uns aus und so fahren wir zielstrebig mit dem Bus nach Kiel und laufen zum - sehr gut gemachten - Welcome Center.
Dort beginnt der "Stadtspaziergang", den wir für heute gebucht haben. Kiel hat etwa 250.000 Einwohner und ist hufeisenförmig um die Förde herum immer weiter gewachsen. Im Laufe der Zeit stand die unter dänischer, österreichischer, schwedischer, russischer und preußischer Herrschaft war sogar eine Zeit lang unbedeutendes Mitglied der Hanse. In den 1860er Jahren wurde Kiel Marinehafen und damit begann der Aufschwung. Auch heute wird der Hafen noch intensiv genutzt.
Es fahren regelmäßig Fähren nach Göteborg und Oslo - gerade dieser Fähre sind wir im Oslofjord mehrfach begegnet.
Wegen der Eigenschaft als Marinestützpunkt wurde Kiel im 2. Weltkrieg zu 80% zerstört, so dass es keine Altstadt mehr gibt und stattdessen eine Menge - teilweise hässliche Nachkriegsarchitektur.
Vom Beginn es 20. Jahrhunderts ist das Rathaus mit seinem hohen Turm. Hier sammeln sich gerade Wolken für den nächsten Regenschauer.
Das älteste Gebäude Kiels ist die Nikolai-Kirche, die schon seit seit dem 13. Jahrhundert an gleicher Stelle steht, seither jedoch mehrfach wiederaufgebaut und umgebaut wurde.
Eher Thema Bausünde ist der gleich nebenan gelegene Alte Markt, der 1972 im Rahmen der Austragung der Olympischen Spiele vollstandig umgestaltet wurde. Der Boden wurde abgesenkt und rings herum sind Pavillions errichtet worden.
Auch vom Schloß ist nicht mehr viel übrig geblieben, und wir können nur ein kleines Gebäude anschauen.
Nach der Stadtführung nehmen wir ein leichtes Mittaessen und besichtigen dann noch die Nikolai-Kirche von innen. Wir haben Glück und es gibt etwas Orgelmusik. Ich zünde eine Kerze für die Familie an und sende allen gute Gedanken.
Wir gehen dann noch in das Meer-Informationszentrum "Sea Level" haben aber nicht viel Zeit, denn die nächste Veranstaltung wartet bereits auf uns.
Samstags gibt es die Möglichkeit, auf die Aussichtsplattform des Rathausturms zu fahren und wir haben das für Nachmittags gebucht, weil wir da auf etwas Sonne hoffen. Der Plan geht auf und wir haben einen wunderbaren Blick über Stadt und Hafen mit Nikolai-Kirche und Kreuzfahrtschiff (siehe auch Titelbild).
Auch in die andere Richtung gibt es etwas zu sehen und wir schauen über den Rathausplatz auf das Binnengewässer "Kleiner Kiel".
Wir sind sehr zufrieden mit dem Besuch auf dem Turm in der Sonne und nun ist es Zeit, einen Platz zum Kaffeetrinken zu finden. Wir entscheiden uns für das Ufer an einem künstlichen Kanal.
Wenige Minuten nachdem ich dieses Foto gemacht habe, beginnt es wieder, heftig zu regnen, so dass wir uns nach drinnen flüchten. Danach laufen wir zurück an den Hafen, wo Ralf noch einen Abstecher zum Seefahrtsmuseum macht. Ich sitzte derweil am Fähranleger und direkt hinter dem Heck der AIDAnova.
Die Fähre gehört zum öffentlichen Nahverkehr und bedient Häfen auf beiden Seiten der Förde für einen sehr moderaten Preis von 5,40 € pro Person für 90 Minuten Kreuzfahrt.
Wir kommen am Einganz zum Nord-Ostsee-Kanal vorbei, der Kiel mit Brunsbüttel in der Elbemündung verbindet und mit knapp 30.000 Schiffsbewegungen die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt ist. Er erspart den Schiffen die Fahrt um Skagen und verkürzt die Strecke um rund 250 Seemeilen.
Wir legen auch wieder in Laboe an, wo bei dem starken Wind heute zahlreiche Kite-Surfer unterwegs sind.
Die AIDAnova hat mittlerweile abgelegt und fährt langsam aus der Kieler Förde hinaus in die Ostsee. Begleitet wird sie von einem kleinen Lotsenboot, denn ab Leuchtturm Kiel besteht für die Großschifffahrt Lotsenpflicht.
Wir sind nach unserem schönen Ausflug nur ganz kurz an Bord, denn wir wollen zum Abschluss des Tages noch im Restaurant am Hafen essen gehen. Daher bin ich auch noch nicht dazu gekommen, all die lieben Geburtstagsgrüße zu lesen, geschweige denn zu beantworten. Ich werde mich aber bald melden.