Coratriton
Segeln und Mehr
Donnerstag, 2. Juli 2026
Tag 47 - Hals-Aalborg: Zeitplansegeln
Nach Wochen mit angenehmen Wetter bekommen wir heute das Paket Regen, Wind und Kälte. Wir wollen weiter in den Limfjord hinein und hoffen, mit dem Wind aus südlicher Richtung ein Stück segeln zu können.Unser Ziel ist Aalborg und dort liegen die geeigneten Häfen hinter zwei Brücken, die für uns zu niedrig sind. Also müssen wir dort pünklich zu den Öffnungszeiten - jeweils zur vollen Stunde - ankommen. Wir setzen also genau so viel Segel, dass die Ankunftszeit stimmt. Zunächst haben wir noch das Groß oben, nehmen es aber dann herunter, weil wir zu schnell sind.Am Schluss fahren wir nur noch mit einem ganz kleinen Stückchen Fock. Leider haben wir durch den Regen schlechte Sicht, erkennen aber verschiedene Industrieanlagen und Windräder.In Alborg selbst stehen am Ufer viele architektonisch interessante Wohnanlagen, einige davon noch im Bau.Wir kommen pünktlich an der Brücke an und nach kurzer Zeit wird sie für uns (siehe Titelbild) und noch einen anderen Segler geöffnet.Allerdings gibt es nach dieser Brück auch noch eine Eisebahnbrücke und - entgegen anderer Informationen im Netz - werden die Brücken nicht gleichzeitig geöffnet, so dass wir eine ganze Weile Kreise fahren... Aber dann klappt sie auf und wir haben es nicht mehr weit in den Hafen.Bei Anlegen an Heckpfählen zu zweit tun wir uns noch etwas schwer - aber am Ende sind wir fest und liegen gut festgebunden. Wir bauen das Sonnendach ab und das Cockpitzelt auf, denn Wind und Regen sind noch stärker geworden. Das hält uns aber nicht von unserem Abendessen ab.Eigenlich wollten wir in den nächsten Tagen im Limfjord weiter nach Westen Segeln und die Inseln dort erkunden. Aber es ist sehr starker Wind aus westlichen Richtungen vorhergesagt und da macht das Weiterfahren keinen Sinn. Wir beschließen daher schon am Samstag (und nicht erst nächsten Mittwoch) zurück nach Deutschland zu fahren.
Mittwoch, 1. Juli 2026
Tag 46 - Asaa-Hals: Der Eingang zum Limfjord
Leichter Wind und Sonne - wieder eine ruhige Fahrt ohne Wellen (siehe Titelbild). Die Triton macht aus sechs Knoten Wind über drei Knoten Fahrt - das gefällt uns. Irgendwann geht der Wind weg und wir fahren das letzte Stück unter Motor zu unserem Ziel Hals am Eingang zum Limfjord.Es ist ein netter Hafen, in dem es außer den Freizeitbooten auch noch ein paar Fischkutter, Lotsen und eine kleine Werft gibt. Um den Hafen herum sind Restaurants und Cafés und in Laufweite verschiedene Supermärkte. Wir machen einen kleinen Spaziergang und schauen uns die netten Häuser an, hier in Dänemark oft in gelb mit weißen Details und rotem Ziegeldach. Wir kommen an der Statue "Guld-Harald" vorbeiWir kommen an Wandbildern vorbei und laufen bis zur Kirche, die eher unaufregend aussieht. Gleich daneben steht ein wunderschöner alter Baum, den Ralf als eine Eichenart identifiziert.Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein und betrachten die anderen Schiffe im Hafen. Mittlerweile ist es recht voll geworden.Abends gibt es noch ein kleines Konzert vom örtlichen Gesangverein im Hafen und am Ende wird zu Trompetenklängen feierlich die Flagge eingeholt. Zu den Flaggenbräuchen beim Segeln gehört neben der Nationalflagge am Heck und der Gastlandsflagge unter der Steuerbordsaling auch, die Nationale bei Sonnenuntergang einzuholen. Das wird allerdings nicht mehr überall so eng gesehen. Hier meinen sie es aber ernst und wir sehen viele Boote ohne Flaggen. Also wird unsere Flagge auch für die Nacht eingepackt.
Dienstag, 30. Juni 2026
Tag 45 - Frederikshavn-Asaa: Sanftes Segeln
Leichter Wind aus West lässt uns gemütlich an der flachen und sandigen Küste entlang weiter nach Süden segeln.Es ist sehr entspannend, denn wir sehen keine Fischpötte, müssen keinen Booten ausweichen, es gibt kaum Seezeichen und wir müssen die Segelstellung nur wenig verändern - Zeit, um auch mal ein Buch zu lesen.Zwischen Frederikshavn und der Einfahrt in den Limfjord gibt es noch den kleinen Hafen Asaa, den wir uns heute als Tagesziel ausgesucht haben.Nach etwa 2/3 der Strecke verlässt uns der Wind, so dass wir das letzte Stück unter Maschine zurücklegen müssen.Wir tasten uns langsam durch die enge Hafeneinfahrt - hier gibt es offensichtlich nur wenige Gastboote.Tatsächlich bleiben wir kurz im weichen Mudder stecken, können aber wieder zurück und legen uns dann direkt an die Einfahrt, wo das Wasser noch ausreichend tief ist.Wie sich herausstellt, hat der Hafen auch eine ganze Reihe von Wohnmobilplätzen und es gibt sogar ein offenes Café mit Kuchen und Eis!Das Nette an der sandigen Küste ist, dass es direkt neben dem Hafen einen Strand gibt, den wir nach der Kaffeepause ganz für uns haben.Direkt neben unserem Liegeplatz am Hafen steht die Skulptur einer Meerjungfrau, die allerdings nicht aufs Meer hinausschaut, sondern Richtung Land (siehe Titelbild). Sie wurde für die 140-Jahrfeier des Hafens angeschafft und führte zu einem Rechtsstreit mit den Erben von Edvard Eriksen, der die "Kleine Meerjungfrau" im Hafen von Kopenhagen geschaffen hat. Die Erben verlangten, dass die Statue zerstört wird - offensichtlich ohne Erfolg... Heute am Tag gab es einen Wolkenschicht mit nur einigen blauen Stellen, aber der Abendhimmel ist wunderschön!
Montag, 29. Juni 2026
Tag 44 - Skagen-Frederikshavn: Halber Wind
Wir verabschieden uns von Skagen, das einen Besuch auf jeden Fall wert war, und machen uns auf den Weg Richtung Limfjord. Es geht mit Westwind nach Süden, der Wind kommt also von der Seite und wird "halber Wind" genannt. Das ist der schnellste Kurs für die Triton.Wir fahren mit unserer Windselbststeueranlage "Sir Henry" (siehe Titelbild), der bei dem starken Wind heute sehr gute Arbeit macht. Die Triton ist mit einem Reff im Groß und zwei Reffs in der Fock (vorne aufgerollt) schnell unterwegs.Später kommt dann auch noch ein weiteres Reff in das Großsegel, weil wir nach Runden der Insel Hirsholm anluven (höher an den Wind gehen) müssen.Die Insel selbst sieht mit ihrem klassischen Leuchtturm sehr nett aus, aber der Hafen liegt auf der Westseite und empfiehlt sich bei dem starken Westwind nicht als Liegeplatz.In Frederikshavn gibt es einen großen Fähr- Militär und Fischereihafen, der jedoch für Freizeitboote keine Liegeplätze hat. Im Vorbeifahren sehen wir ein großes Schiff, das dort abgewrakt wird.Wir laufen den Yachthafen an, der etwas außerhalb liegt und bekommen dort problemlos einen guten Platz. Das Anlegemanöver klappt trozt des Seitenwinds sehr gut. Ich habe nach Skagen genug von Ausflügen, aber Ralf ist neugierig und macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg in die Stadt. Dort fährt er zum "Bangsbo Hovedgard, einem alten Herrenhaus (Foto von Ralf).Das Gebäude ist auf allen Seiten von wassergefüllten Gräben umgeben (Foto von Ralf).Zu der Anlage gehört auch noch ein botanischer Garten, der zum Spazierengehen einläd (Foto von Ralf).Zum Schluss klettert Ralf noch auf den Aussichtsturm Pikkerbakken mit Blick über den Hafen (Foto von Ralf).Wir telefonieren noch mit unseren jeweiligen Müttern und mit Freunden. Daheim ist es immer noch sehr heiß und wir sind froh, dass es bei uns abends so kühl wir, dass wir Westen und Fleecejacken anziehen. Nach Sonnenuntergang wird es dann richtig kühl.
Sonntag, 28. Juni 2026
Tag 43 - Skagen: Geschichte und Technik
Heute ist kein Kreuzfahrtschiff in Skagen und wir wollen uns einige Museen anschauen. Unser erster Weg führt uns zum "Kystmuseet", dem Küstenmuseum. Wir sind heute fast die einzigen Besucher, aber die nette deutsche Dame am Empfang erzählt uns, dass gestern 450 Leute da waren. Es gibt eine Audioguide für den ersten Teil der Ausstellung, in der es um die Seenotrettung geht. Gerade hier an der Nordspitze gab es zahlreiche Strandungen und Schiffbrüche und die Retter fuhren in schwerem Wetter mit kleinen, offenen Ruderbooten hinaus, gerade eben auch bei schwerem Wetter oder im Winter - sehr beeindruckend! Es gab auch ein Gerät, mit der eine Leine zu den Schiffbrüchigen geschossen werden konnte, mit der dann ein Rettungskorb installiert wurden (Bild unten Mitte). An der Küste waren in regelmäßigen Abständen Telefone plaziert, damit die Retter über die Situation informiert werden konnten.Wir besuchen das Haus des "reichen Fischers" (siehe im Titelbild links), der ein eigenes Boot hatte, dass dann von mehreren "armen Fischern" gerudert wurde.Auch ein Haus eines "armen Fischers" wird gezeigt, sehr übersichtlich mit nur einem Raum und einer kleinen Küche.Sehr interessant finden wir die Ausstellung zur Geschichte der Fischerei in Skagen, in der sehr gut gezeigt wird, wie die geografische Lage und die historische und technische Entwicklung die Fischerei und das Leben der Menschen beeinflusst hat. Lange gab es keinen Hafen, daher wurde in kleinen offenen Booten gefischt, die auf den Strand gezogen werden konnten. Vor dem Bau der Eisenbahn war Skagen nur schlecht zu erreichen, aber der Anschluss an das Bahnnetz und der Bau des Hafens (1907) änderte die Situation. Heute ist Skagen der größte Fischereihafen Dänemarks. Die Eisenbahn ermöglichte auch den Tourismus, der immer noch eine wichtige Rolle spielt. Im Bild unten ist zu sehen, dass Besucher auch vor 100 Jahren schon die Nordspitze Grenen besichtigten, so wie wir gestern.Als zweites Museum haben wir uns das funkelnagelneue "Oplevelsescenter Maskinrummet", das Erlebniscenter Maschinenraum, ausgesucht. Hier hat sich der dänische Millionär Henning Kjeldsen selbst ein Denkmal gesetzt.Kjeldsen hat eine Leidenschaft für Motoren und historische Fahrzeuge und ist begeisterter Sammler. Das Zentrum wurde erst gestern eröffnet und wir haben lange Schlangen anstehen sehen. Heute ist die Situation besser.Wie sich herausstellt, ist es noch nicht ganz fertig und gerade im Bereich der großen Standmotoren noch eine Baustelle. Es fehlen Informationen und - zu Ralfs großem Bedauern - laufen die Motoren (noch) nicht.Ich bin in der glücklichen Lage, meinen eigenen Maschinenbauingenieur mit großem Interesse für Glühkopfmotoren dabei zu haben und Ralf erklärt die Besonderheiten der Maschinen. Wenn hier alles läuft wird das sicher toll.Das Gebäude ist architektonisch interesant und gut gemacht, aber unser Eindruck ist, dass die Sammel-Leidenschaft des Eigentümers etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Statt einer großen Menge von Exponaten wäre aus unsere Sicht weniger Stücke mit mehr Informationen wünschenswert gewesen. So gibt es jede Menge Oldtimer und Motorräder ohne nähere Erklärungen.Etwas überraschend gibt es auch eine Sammlung von Hermès Koffern für die unterschiedlichsten Verwenungszweck (z.B. als transportables Spielkasiono oder für Expeditionen im Dschungel).Und von den Koffern ist es dann nicht mehr weit zu einer Sammlung von Fashion-Handtaschen und Mode...Die Krönung der exzessiven Sammlung ist dann im obersten Stockwerk, in dem es z.B. schränkeweise hunderte von Heizlampen zum Starten von Glühkopfmotoren gibt und eine wilde Kollektion von Bildern, Schildern, Bierflaschen etc.Für uns ist das ein klassischer Fall von "Weniger wäre mehr gewesen" und statt immer weiter Sammlungen aufzukaufen hätte vielleicht etwas von dem Geld für die Kuratierung und die Museumspädagogik eingesetzt werden können. Es war ein interessantes Erlebnis und wird sicher auch noch besser, wenn es Touren und Vorführungen gibt. Schon jetzt steht ein historischer Fischkutter für eine Hafenrundfahrt bereit.Insgeamt hat mir das kleine Küstenmuseum wesentlich besser gefallen und ich habe mehr über das Leben hier gelernt. Wir kaufen noch einiges ein und planen unseren nächsten Ziele, denn morgen wollen wir weitersegeln.
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