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Montag, 2. Oktober 2017

Tag 91 - Calheta-Funchal-Atlantik: Kurzfristige Entscheidung

Calheta hätten wir uns sparen können, denn natürlich sind wir immer noch in der Windabdeckung und so motoren wir die 16 sm nach Funchal. Ein kleiner Segelversuch bleibt ohne Erfolg.
In Funchal fahren wir erst einmal in die falsche Marina, weil die „neue“ Marina nicht in unseren aktuellen Navionics-Karten ist, aber dann finden wir den richtigen Platz bei „Raffael“ direkt nebenan. Dort werden wir direkt von YUANA und LOTHLORIEN begrüßt und bekommen die Leinen abgenommen – schön! Später kommt auch noch die KISU an und wir liegen alle nebeneinander im Hafen. Besonders nett finde ich, dass die Skipper abwechselnd Ralf oder Markus heißen…

Wir schauen uns die Vorhersage-Karte im Windfinder an und stellen fest, dass wir einen Fehler gemacht haben. Wir wollen eigentlich am Mittwoch Richtung Lanzarote aufbrechen, aber dann ist auf dem ganzen Weg kein Wind mehr. Und zu 280 sm unter Motor haben wir überhaupt keine Lust. Ich sage zu Ralf: „Wir müssen morgen schon hier weg!“ und Ralf meint: „Lass uns besser noch heute Abend fahren!“. Also entscheiden wir uns, noch eine Runde durch Funchal zu laufen und dann loszufahren.

Wir holen erst einmal unser kaputtes Funkgerät vom „Schiffsausrüster“ ab…
…stärken uns erst einmal sehr nobel im „Golden Gate“ mit Kaffee, Kuchen und Crepes…
…besuchen dann die Kathedrale (keine Fotos, da religiöse Aktivitäten) und die Markhalle mit farbenfrohen Blumen und Früchten…
…und dann noch einen kleinen Park, der mich etwas für den botanischen Garten entschädigt, der morgen auf dem Programm stand. Auch die Fahrt mit dem Korbschlitten, die Seilbahn und die Levadawanderung fallen aus.
Stattdessen laufen wir um 21:00 Uhr aus und nehmen Abschied vom hellerleuchteten Funchal und Madeira. Uns hat es hier sehr gut gefallen.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Tag 90 - Calheta: Es ist heiß!

Mir ist bekannt, dass ganze Hochkulturen in heißen Gegenden entstanden sind, aber es ist mir wirklich ein Rätsel, wie die Jungs (und Mädels) das geschafft haben. Heute ist es hier sehr warm und es gibt im geschützten Hafen unter der Steilküste keinen Wind. Bei diesem Wetter werde ich völlig antriebslos und will mich eigentlich nur ruhig an einem schattigen Ort aufhalten und mich möglichst wenig bewegen… Vormittags schleppen wir uns in den ca. 200 m entfernten klimatisierten Supermarkt und kaufen dort allen Apfelsaft auf (den hatten wir bei unserer Auto-Einkaufsexpedition vergessen). Außerdem brauchen wir auch wieder frisches Brot, Obst, Gemüse etc.

Wir verstauen alle Einkäufe im Boot und packen bei der Gelegenheit eine ganze Menge Schuhe in die hinterste Ecke des Schiffs. In absehbarer Zeit werden wir wahrscheinlich keine schweren Wanderschuhe oder Halbschuhe mehr brauchen. Nach diesen Anstrengungen brauchen wir dann unbedingt eine Siesta und wir ziehen uns zum Lesen und für ein Nickerchen zurück.

Erst am Spätnachmittag gehen wir dann an den (künstlichen) Sandstrand direkt neben unserem Hafen. Die Dame, die Liegen und Schirme vermietet hat schon Feierabend und so bekommen wir die Liegen sehr preisgünstig.
Dann schwimmen wir bis zur anderen Seite und wieder zurück und genießen dann noch etwas Abendsonne. Wir merken hier schon, dass wir weiter im Süden sind, denn die Dämmerung ist nur sehr kurz  und ruck-zuck ist es ganz dunkel.
Nach Dusche und leckerem Essen an Bord wollen wir noch die Gastronomie am Hafen für ein Dessert ausprobieren. Gestern hatte ich in meiner Zusammenfassung über fehlende Eisbecher geklagt und heute gibt es hier einen italienischen Restaurant, das „richtige“ Eisbecher anbietet. Mit frischen Früchten, Sahne, Sauce und selbstgemachtem Eis – ein Genuss!

Samstag, 30. September 2017

Tag 89 - Quinta do Lorde-Calheta: Im Westen was Neues

Eigentlich wollen wir nach Funchal, aber da können wir erst am Montag einen Platz bekommen. Also ändern wir unser Konzept und buchen zwei Nächte in Calheta im Südwesten der Insel. Morgens ist es bei uns im Hafen bedeckt und eher kühl und der Wind bläst kräftig aus Nordost. Wir setzen die Fock und fahren an der Küste entlang nach Westen. Nett, jetzt die Orte vom Wasser aus nochmal zu sehen und zu erkennen, wie sinnvoll die vielen Tunnel und Brücken sind. Hier ein unscharfer Blick auf das Rollfeld des Flughafens (der dieses Jahr nach dem hier geborenen Fußballer Cristiano Ronaldo umbenannt wurde). Wirklich beeindruckend, wie die Landebahn auf Betonpfeilern vor die Küste und über die Schnellstraße gestellt wurde. Es gibt auch eine kleine Werft und Boote können geschützt und trocken unter der Konstruktion an Land stehen.
Nach 12 sm fahren wir „um die Ecke“ in die Bucht von Funchal und – als wäre ein Schalter umgelegt worden – kommt die Sonne heraus, es wird warm und der unangenehme Schwell wird weniger. Leider dreht auch der Wind und kommt schwach fast genau von vorne, so dass wir die restlichen 18 sm motoren müssen. Ralf nutzt die Zeit, um sich um den Cockpitrand zu kümmern. Er war mit Coelan gestrichen, einer Farbe, die elastisch bleibt, auch nach 17 Jahren noch. Leider hat sich aber die Verbindung zum Holz gelöst, so dass sie jetzt entfernt werden muss. Bei der Gelegenheit bekommt auch gleich die Winsch noch eine Runde WD40.
In Calheta bekommen wir einen guten Platz im Hafen. Bei einer ersten Erkundungsrunde finde ich einen künstlichen Sandstrand, eine Bananenplantage, einen Verehrer („Hey donna“), drei Katzen, einen Supermarkt und einen Sonnenuntergang mit Palmen.

Freitag, 29. September 2017

Tag 88 - Quinta do Lorde: Hafenleben

Noch ein gemütlicher Tag im schönen Hafen. Der kleine Laden versorgt uns mit frischen Brötchen und wir frühstücken spät und ausgiebig. Es gibt – wie immer – Kleinigkeiten an Bord zu tun wie Ablage von Rechnungen, bessere Befestigungen für die Sonnenvorhänge, mal den Staubsauger und den Lappen zum Einsatz bringen. Aber endlich kommen wir mal wieder zu einer Siesta! Dabei stören uns auch die heute tief fliegenden Flugzeuge nicht.
Dank einem straffen Zeitplan – Abendessen schon um 18:30 – schaffen wir es heute, nochmal zum Schwimmen zu gehen, uns von den netten Fischen abknabbern zu lassen und zu Duschen…
…und dann noch in der Bar am Hafen ein Dessert zu essen. Sonst ist es nach Kochen, Essen, Spülen, Bloggen meist schon zu spät. Besonders schmeichelhaft finde ich es, dass die - von uns Tiger getaufte - Hafenkatze auf meinen Schoß kommt.

Donnerstag, 28. September 2017

Tag 87 - Quinta do Lorde: Wie ein Fisch im Wasser

Solange wir das Auto hatten, wollten wir es auch nutzen, um die Insel zu erkunden. Heute bleiben wir auf dem Schiff und wenden uns erst einmal wieder den To-Do-Listen zu. Das ist bei Ralf die Wasserpumpe. Die alte wird wieder eingebaut und funktioniert tatsächlich. Es war also wirklich nur der Filter (den wir jetzt natürlich wieder besorgen müssen). Außerdem bringt er die Pad Eyes (Befestigungsringe für unsere Sicherheitsgurte) im Cockpit und auf dem Achterdeck an.
Ich kümmere mich unterdessen um mein Blog, das ich gestern nicht mehr geschrieben habe. Das Schreiben selbst geht schnell, aber ich sichte auch die Fotos und schlage Informationen im Internet nach. Dann beginne ich auch noch, die Zusammenfassung für September zu schreiben, das ist aufwendiger, weil ich selbst erst einmal nachlesen muss, was wir eigentlich alles gemacht haben… Es gibt auch noch einige Mails zu beantworten und schwupps ist es schon wieder später Nachmittag geworden.

Wie schon geschrieben gehört unsere Marina zu einem komplett künstlich angelegten Resort. Angenehmerweise hat es jemand mit Geld und Geschmack geplant, eine nicht so selbstverständliche Kombination. Seit den 90er Jahren wurde hier nach und nach erweitert und ausgebaut. Die Marina gibt es seit 2002 und das Resort in seiner jetzigen Form wurde erst 2013 eröffnet.
Zur Anlage gehört auch ein Naturschwimmbecken, das direkt neben der Marina liegt und in dem wir uns nach den anstrengenden Arbeiten abkühlen wollen.
Als wir ins Wasser steigen, stürzt sich sofort ein ganzer Schwarm von Fischen auf unsere Beine und Füße. Glücklicherweise sind es weder Haie noch Piranhas, sondern nette kleine Exemplare und sie knabbern nur sanft an der Hautoberfläche und fressen wahrscheinlich abgestorbene Hautstückchen. Ralf ist wohl besonders lecker, denn er hat viel mehr schuppige Fans.

Dienstag, 26. September 2017

Tag 85 - Madeira: Feuer und Wasser

 
Unsere Marina liegt ganz im Südosten der Insel und heute wollen wir in die diagonal entgegengesetzte Ecke. Unser Weg führt aber erst einmal auf der Schnellstraße nach Westen. Dann biegen wir nach Norden ab, vorbei an – wie unser Reiseführer richtig bemerkt – spektakulären Bergen. Wir nehmen nicht Route durch den Tunnel sondern fahren über den Pass.

Auf der anderen Seite ist unser Ziel zunächst São Vicente. Dort gibt es Lavatunnel zu besichtigen. Sie sind entstanden, als die fließende Lava an der Außenseite erkaltete und fest wurde, innen aber weiterfloss und dann den leeren Tunnel zurückließ. Der Weg ist beleuchtet und ausgebaut, es gibt eine englische Führung, von den Decken tropft es und ich muss sehr an meinen lieben Vater denken, denn es ertönt leise Bach-Musik (das Air).
Zu den Komplex gehört auch noch ein Zentrum für Vulkanologie, in den wir erst einen – eher langweiligen – simulierten Vulkanausbruch sehen und dann einen kurzen Film über die Entstehung von Madeira. Sehr schön gemacht ist anschließend die Reise in das Innere der Erde. Wir betreten einen „Lift“ und werden mit Geräuschen, Erschütterungen und Lichteffekten in das Innere der Erde transportiert. Dort dürfen wir als erstes den Erdkern bewundern.
Anschließend sehen wir noch einen 3D-Film über den Weg nach oben durch die verschiedenen Schichten bis wir wieder oben in Madeira ankommen. Dort gibt es ein Wiedersehen mit Annette und Allen von der NALA DANICA, die in Funchal liegen und heute auch mit dem Mietwagen auf der Insel unterwegs sind – wir freuen uns sehr!

Wir fahren weiter in den Ort, essen die mitgebrachten Brote und gehen zum Dessert noch in ein Café. Nun müssen wir ein Stück nach Westen an der Küste entlang nach Porto Moniz, wo wir die wunderbaren Naturschwimmbecken besuchen wollen. Auch Annette und Allen sind hierher gekommen und wir sitzen noch eine Weile zusammen.
Aber dann wollen wir auch ins Wasser und insbesondere auf dem Rand sitzen, an dem die großen Wellen in unregelmäßigen Abständen die Badenden ins Becken spülen – immer spannen, zu warten, ob die nächste Welle groß genug sein wird…
Auf dem Weg zurück fahren wir Richtung der Hochebene Paúl da Serra zunächst durch dichte Wälder, die wir leider nicht mehr erkunden können, denn es ist schon spät geworden.
Die Hochebene selbst ist nach den steilen Bergen und den grünen Wäldern wieder eine völlig andere Landschaft, die mehr an ein schottisches Moor erinnert. Sie liegt über 1400 m hoch und hier stehen diverse Windräder. Wir blicken von oben auf die Wolkenschicht in den Tälern und sehen die Sonne untergehen. Wieder haben wir uns ein zu umfangreiches Programm vorgenommen und wieder war es ein sehr schöner, interessanter und abwechslungsreicher Tag. Die Insel hat wirklich viel zu bieten und wir sind sehr angetan von der hervorragenden Planung von Straßen und Städten. Alles ist optisch gut an die Landschaft angepasst, gut zu erreichen und sehr gepflegt.

Montag, 25. September 2017

Tag 84 - Madeira: Berg- und Talbahn

Der Hafen hier in Quinta do Lorde ist sehr „rolly“, d.h. durch den Schwell bewegt sich das Schiff ständig hin und her. Ralf hat schon alle Festmacher umgebunden, damit sie nicht so auf den Klampen direkt neben seinem Ohr knarren. Nun werden auch noch die Fächer im Tisch ausgepolstert, damit die dort gelagerten Gläser nicht ständig klicken.
Dann gibt es Frühstück und wir stellen wieder eine kleine Rundreise zusammen. Unser erster Halt ist der „Miradouro“ (Aussichtspunkt) Portela mit Blick auf den Adlerfelsen und über die Nordküste, die heute unser Ziel ist. 
Wir fahren dann – wieder über steile Serpentinenstraßen – nach Porto da Cruz, wo das Wasser in Felslöchern spritzt und ein Regenbogen entsteht…
…und wo aus Zuckerrohr immer noch Rum hergestellt wird (ein Vorgeschmack auf die Karibik). Die Fabrik kann kostenlos besichtigt werden und es gibt Erklärungen und kurze Videos in verschiedenen Sprachen.
Unser Hauptziel für heute ist Santana, wo einige traditionelle madeirische Häuser aufgebaut sind, in denen Handwerker ihre Kunst zeigen. Wir finden die Insel erstaunlich wenig touristisch, was vielleicht an der Jahreszeit liegt. Wir sind oft auf Straßen und an Sehenswürdigkeiten fast alleine unterwegs. Hier treffen wir auf einen Reisebus, aber nach unserem Mittags-Imbiss ist er auch schon wieder verschwunden und ich kann ungestört ein Foto machen.
Ralf findet endlich einen Brustbeutel, der von der Weberin in einem der Häuser von der Aussaat des Flachses über Ernte und Bearbeitung der Fasern bis zum Spinnen, Weben und Nähen selbst hergestellt wurde.
Dann will ich noch Seilbahn zum Rocha do Navio fahren. Die Tour führt nicht nach oben, sondern nach unten, denn die Bahn wurde angelegt, um den örtlichen Bauern den Zugang zu ihren geschützten Plantagen zu erleichtern. Wir sind wieder die einzigen und fahren an der Steilküsten entlang nach unten – spektakulär! Die Gärten dort wirken aber meist verlassen und wir können leider keine Madeira-Banane direkt vom Baum pflücken.
Eigentlich standen noch weitere Orte auf unserer Liste, aber wir haben uns Zeit gelassen um die verschiedenen Eindrücke in uns aufzunehmen. Madeira in drei Worten bisher: steil, gepflegt, grün!

Freitag, 22. September 2017

Tag 81 - Porto Santo-Quinta do Lorde: "Gauki"-Kurs

Vor vielen Jahren waren unsere Freunde mit ihrer 15 Monate alten Tochter mit bei uns an Bord. Diese liebte Schaukeln und begrüßte jede Schaukel mit einem begeisterten: „Gauki, Gauki!“  -  An Bord führt Wind von der Seite zu einer entsprechenden relativ stabilen Krängung (Schräglage), aber bei Wind genau von hinten schaukelt das Boot nach beiden Seiten hin und her. Klar, dass Henrike diesen Kurs ebenfalls knapp mit „Gauki“ kommentierte. Seitdem heißt dieser Kurs bei uns „Gauki-Kurs“.

Und genau diesen hatten wir heute. Zu der Windwelle kam noch ein atlantischer Schwell aus einer anderen Richtung. Teilweise addierten sich die beiden Systeme zu wirklich heftigem „Gauki“ so dass trotz Sicherung Schubladen aufgingen, vieles klapperte und einiges abstürzte – Glücklicherweise nicht das Paket mit 12 rohen Eiern, die ich gerade noch rechtzeitig gesichert hatte…

Gleich beim Hochziehen des Großsegels vor dem Hafen von Porto Santo mussten wir feststellen, dass sich an einer Stelle die Verbindung zwischen Lattentasche und Mastrutscher gelöst hatte. Ralf konnte das zwar wieder zusammenschrauben, aber er vermutet, dass das Gewinde des Rutschers nicht zum Gegenstück an der Lattentasche des neuen Segels passt (möglicherweise ist eines metrisch und das andere zöllig). Da müssen wir wohl nochmal mit unserem Segelmacher Kontakt aufnehmen.

Als nächstes entschieden wir uns, als Selbststeueranlage nicht die eingebaute elektrische und auch nicht den neuen Windpilot „Sir Henry“ zu verwenden, sondern nochmals beim Segeln die neue kleine elektrische Ersatzanlage auszuprobieren (unter Motor hatten wir das schon in Holland getan). Sie wird an der Windanlage befestigt und steuert dann mit dem Ruderblatt von Sir Henry. Folgerichtig bekam sie den Namen „James“. Aber zunächst gab sie keinen Mucks von sich – wie sich herausstellte die Sicherung. Dann musste noch die Empfindlichkeit eingestellt und die Seegangsdämpfung aktiviert werden. Aber danach steuerte „James“ trotz der unangenehmen Wellen ohne Probleme.
Die Marina Quinta do Lorde liegt im Südosten von Madeira und ist samt dem dazugehörenden kleinen Ort komplett künstlich angelegt. Wir riefen sie über unser Handfunkgerät (das eingebaute ist seit der Überfahrt nach Porto Santo kaputt) und bekamen zwar keine Antwort, aber kurze Zeit später kam uns ein offizielles Boot entgegen und führte uns durch die enge Einfahrt an unseren Platz.
Wir sehen gleich viele Boote, die wir früher schon getroffen haben: GREYHOUND aus Baiona, TOKKATA aus Oeiras, SINA und LOTHLORIEN aus Porto Santo – hier gibt es eben nicht mehr so viele Häfen für die Fahrtensegler. Das schicke Hafenbüro macht für uns Überstunden und wir melden uns gleich für mehrere Tage an und buchen einen Mietwagen für die Inselerkundung. 
Auf dem Weg zurück zum Boot treffen wir noch eine nette Katze, die sich streicheln lässt und uns sicher Grüße von unserem Diego bringt.

Donnerstag, 21. September 2017

Tag 80 - Porto Santo: Wir machen Pläne

Zuhause war mein Leben von Uhr und Kalender bestimmt. Durch meine Lehrverpflichtungen an verschiedenen Schulen und Hochschulen hatte ich jede Woche einen anderen Stundenplan und oft jeden Tag mehrere Termine. Drei Abende in der Woche war ich zum Turnen, Akkordeonspielen oder Tanzen unterwegs. Regelmäßig habe ich meine Eltern besucht und mich mit meinen Stammtischfreundinnen getroffen. Am Wochenende dann Einladungen und Termine im Segelclub. Viele schöne Veranstaltungen, aber doch auch ein eng getakteter Zeitplan.

Eine meiner ersten Taten nach Beginn unseres Sabbaticals war es, die Kalender-App von einem prominenten Platz auf der Startseite in einen Unterordner ganz hinten zu verschieben. Neben dem „mehrtägigen Ereignis“ Triton standen nur noch Geburtstage und der Starttermin über den Atlantik drin. Die Uhr die wir jetzt bräuchten, zeigt nur die Wochentage an: klick

Aber nun ändert sich das ein wenig, denn wir freuen uns auf Besucher von daheim und das erfordert etwas Planung. Zunächst haben wir uns überlegt, in welcher Reihenfolge wir die sieben kanarischen Inseln besuchen wollen und da ist es sinnvoll, dies von Ost nach West zu tun, denn die vorherrschende Windrichtung ist in dieser Jahreszeit Nordost (und wir Segler haben den Wind ab liebsten schräg von hinten). Wir müssen berücksichtigen, dass jetzt für Segler Hauptsaison ist und die „Atlantic Rallye for Cruisers“ (ARC) mit rund 300 Schiffen von Gran Canaria aus startet. Also müssen wir Hafenplätze im Voraus buchen. Und so stehen jetzt wieder einige sehr erfreuliche Termine im Kalender.

Morgen wollen wir weiter nach Madeira und ich habe die Navigation vorbereitet und im Plotter eingegeben und wieder Seekarten-Origami gespielt, d.h. die Karte so gefaltet, dass alle relevanten Teile zu sehen sind und sie trotzdem in unsere Klarsichthülle passt. Unser erster Hafen wird wahrscheinlich Marina Quinta do Lorde im Osten der Insel. Wir wollen aber auch noch andere Häfen auf Madeira besuchen und unser Funkgerät reparieren lassen. Außerdem zickt unsere Wasserpumpe. Ralf konnte sie zwar mit „leichten Schlägen auf den Hinterkopf“ wieder zum Leben erwecken, aber sie soll trothdem ausgetauscht werden, denn ohne sie gibt es Frischwasser nur aus der Fußpumpe im Bad. Sehr lästig.

Heute sind wir aber noch in Porto Santo und – weil wir gestern vor lauter Schwätzen nicht zum Einkaufen gekommen sind – haben wir kein Brot mehr an Bord. Also laufen wir wieder am Strand entlang nach Vila Baleira und gehen dort in unserem Lieblingscafé frühstücken. Für zwei frisch belegte Brötchen, zwei große Gläser frisch gepressten Orangensaft (4-5 Orangen pro Glas), zwei sehr gute Kaffeestückchen, Cappuccino und Tee zahlen wir zusammen 8,40 €. Insbesondere Getränke sind hier sehr günstig.
Dann will ich noch ins Schuhgeschäft, denn ich habe eine Crocs-Spezial-Laden gesehen und ich brauche offene Bordschuhe. Ralf als überzeugter Croc-Träger ist begeistert von der Auswahl und schlägt gleich doppelt zu. Ich bekomme noch ein neues Strandkleid. Mein altes hatte ich hier in der Dusche vergessen und es hat offensichtlich jemandem gut gefallen…
Zurück im Hafen begrüße ich noch die YUANA, die auch mit uns die Odyssee segelt und Ralf probiert unsere neu genähten Sonnenschutz-Vorhänge aus. Das Ergebnis ist sehr effektiv und wir sitzen angenehm im Schatten. Von außen erinnert mich unser Boot allerdings an den von Christo verhüllten Reichstag.
Wenn unseren Steg entlangschaue, freue ich mich über die Vielzahl der Nationalitäten. Unsere direkten Nachbarn kommen aus Österreich und Italien. Dann gibt es noch Boote, aus Frankreich, England, Holland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Portugal und der Schweiz. Viele Boote zeigen die Flagge des ARC (s.o.) und wir, die KISU und die YUANA die der Odyssee. Diese Schiffe wollen also alle über den Atlantik.
Neben den Schuhen haben wir auch Brot gekauft und unsere Frisch-Vorräte aufgefüllt und so gibt es heute Abend gemischtes Gemüse mit Knoblauch-Yoghurt-Sauce. Außerdem kochen wir wieder vor, denn wir haben noch Hackfleisch im Kühlschrank. In den nächsten Tagen werden wir wahrscheinlich nicht verhungern.