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Samstag, 17. August 2024

Tag 75 - Carlingford-Ardglass: Gute Ausgangsposition

Unser Zeitplan sieht vor, dass wir erst um 12:00 Uhr auslaufen und es ist nett, einen gemütlichen Vormittag zu haben. Ich beginne mit der Planung für Schottland und schaue mir schon einmal mögliche Liegeplätze an. Dann legen wir und eine ganze Reihe anderer Boote ab - wie sich herausstellt, gibt es dort heute eine Regatta. Mit dem Strom geht es schell aus dem Lough hinaus.
Draußen kommt der Wind von hinten, wir können ausbaumen und machen gute Fahrt nach Norden. Carlinford ist unser letzter Hafen in der Republik Irland, denn die Nordseie des Carlingford Lough gehört bereits zu Nordirland und damit zu UK. Wir holen daher die irische Gastlandsflagge ein (siehe Titelbild). Für 25 von 30 Seemeilen können wir recht entspannt segeln und beobachten nur, wie sich hinter uns etwas zusammenbraut,
Dann erwischt uns noch für wenige Minuten der Ausläufer einer Schauerboe. Eigentlich keine Problem, wir räumen einfach alles was nicht nass werden soll unter Deck und setzen die Steckschotten ein. Bei Wind von hinten schützen unserer Dach und unsere festen Scheiben uns nicht vor Regen. Leider ist aber danach der Wind weg und wir dümpeln die letzten Meilen nur langsam dahin. Das ist aber gut, denn da kann das Wasser in Ardglass noch etwas steigen. Wir bekommen sogar den gleichen Liegeplatz.
Im Hafen liegt noch eine weitere deutsche Hallberg Rassy. Sabine und Lutz von der INTI sind von der Ostsee über Norwegen und Schottland nach Irland gekommen - genau der Weg, den wir auch segeln wollen. Wir können von ihnen mehrere Seekarten und Handbücher übernehmen - prima! Die beiden haben großes vor und wir wünschen ihnen eine gute Fahrt!
Hier gibt es wunderbare Duschen, die wir schon vom letzten Besuch kennen und ich nutze das gerne. Auf dem Weg dahin treffe ich noch eine nette und freundliche Katze.
Nun aber schnell ins Bett, denn Morgen haben wir wieder einen sehr frühen Start. Wir wollen zur Isle of Man und die Einfahrt in den Hafen von Peel ist nur um Hochwasser möglich. Von hier sind es 32 sm und das ist eine gute Ausgangsposition.

Freitag, 16. August 2024

Tag 74 - Carlingford: Leprechaun und Einhörner

Es gibt in Irland zwar sehr viele Buchten und Meeresarme, aber nur drei Fjorde, die durch Gletscher entstanden sind. Wir haben leider Killary Harbour an der Westküste und Lough Swilly an der Nordküste wegen der Windbedingungen auslassen müssen und freuen uns daher, dass wir es noch zum Carlingford Lough geschafft haben. Wir wollen uns heute ein wenig umschauen und müssen dazu erst einmal über ein großes Beton-Schiff an Land klettern.
Dann fahren wir mit den Rädern das kurze Stück bis in den kleinen Ort und gleich zur ersten touristischen Attrakton, einem alten Domenikaner Kloster. Es ist mit EU Geldern restauriert worden, aber außer einem kurzen Hinweisschild und den alten Mauern gibt es wenig zu sehen.
Wir fahren durch den kleinen Ort, der 1988 den "Tidy Towns" Wettbewerb gewonnen hat, eine Art "Unser Dorf soll schöner werden" mit freiwilligen Helfern. Das Heritage Center in der alten Kirche war leider geschlossen.
Dafür hat das nette Café geöffnet, das Ralf gestern bei einem Abendspaziergang entdeckt hatte. Es ist wunderbar kitschig und mit Mut zur Farbe eingerichtet, überall Blümchen, Geschirr und Deckchen (alleine auf unserem Tisch drei übereinander). Dazu noch ein Sammelsurium von unterschiedlchen Stühlen - sehr nett und sehr gemütlich.
Die Bedienung ist freundlich und das frisch zubereitete Essen ist wirkliche lecker - ganz klar eine Empfehlung!
Die nächste Attraktion ist dann der "Irish Folklore Park" - eine Mischung aus Kinderspielplatz und Picknickplatz. Hier gibt es auch die "Leprechaun Cavern", die wir allerdings nicht besuchen. Leprechauns sind Gestalten der irischen Mythologie, Naturgeister, den Kobolden ähnlich. Sie sind kleinem Wuchs und kennen das Geheimnis des Topfs voll Gold am Ende des Regenbogens. Manchmal sind sie hilfreich, machmal eher griesgrämig. Sie können sehr großzügig sein, wenn man ihnen hilft und verschenken dann eine magische Goldmünze, die immer zum Eigentümer zurückkehrt. Wir lachen sehr über das Schild, dass androht, Hunde ohne Leine, Hunde, die Leprechauns belästigen und Hundebesitzer, die den Kot nicht einsammeln zu Erschießen...
Danach trennen sich unsere Wege und Ralf fährt noch die ehemalige Eisenbahnlinie entlang, die jetzt zum Fahrradweg ausgebaut ist, während ich zur Marina zurückkehre und dabei noch ein paar Fotos von der schönen Landschaft mache (siehe auch Titelbild).
Nach dem leckeren Mittagessen gibt es heute Abend bei uns an Bord schnelle Küche mit einem unserer Favoriten: Pizza-Toast, die im Gasofen besonders knusprig werden.
 

Donnerstag, 15. August 2024

Tag 73 - Skerries-Carlinford: Rechenaufgabe

Wir wollen heute 30 sm nach Norden in den Carlingford Lough segeln und das bedeutet eine genaue Planung, denn die Einfahrt ist eng und der Tidenstrom erreicht dort bis zu 5 kn. Wir müssen außerdem berücksichtigen, dass wir nicht bei Niedrigwasser in die Marina fahren können, wie der Tidenstrom an der Küste läuft und wie sich der Wind über den Tag entwickelt. Bis ca. 13 Uhr soll er günstig für uns aus Südwesten kommen, dann aber ungünstig auf Nordwest drehen. Wir entscheiden, dass der wichtigste Aspekt der Strom in der Einfahrt ist und dass wir dort um ca. 15 Uhr ankommen sollten. Es sind 25 sm bis zur Ansteuerung, wir rechnen mit fünf Stunden fahrt, also geht es um 10:00 Uhr bei grauem Himmel los - was unserer Laune aber keinen Abbruch tut.
Damit wir auch mit dem ungünstsigen Wind in Richtung Ziel fahren können, nutzen wir die Gelegenheit, um "Höhe zu machen" und fahren weiter als notwendig nach Westen, also nach links. Der Winddreher kündigt sich mit einem bedrohlichen Himmel an.
Wir sehen die weißen Schaumkrönchen auf dem Wasser und die dunklen Wolken und rechnen mit einer Schauerboe, also eine kurze Zeit mit drehendem Starkwind und Regen. Zur Vorbereitung darauf verkleinern wir das Vorsegel (das Groß ist bereits gerefft).
Tatsächlich bekommen wir kurz danach den Regen, den starken Wind (bis 24 Knoten - Stärke 6) und die Winddrehung. Unser guter Sir Henry ist davon aber unbeeindruckt und steuert zuverlässig weiter (siehe Titelbild). Jetzt macht es sich bezahlt, dass wir "zu hoch" gefahren sind, denn trotz der Winddrehung schaffen wir die Ansteuerung ohne wenden zu müssen und nur eine Viertelstunde nach der geplanten Zeit.
Mittlerweile ist auch die Sonne wieder herausgekommen und der richtige Strom schiebt uns sehr flott durch die Einfahrt Richtung Marina. Ralf aktiviert seinen Sonnenhut.
Hier kommt der Wind nun von vorne und wir müssen im engen Fahrwasser motoren. Wir haben genug Wasser, um sicher in die Marina zu fahren und sind mit unseren Überlegungen zur Navigation sehr zufrieden.
Unseren nächsten Schlag planen wir entweder nach Ardglass, das wir schon kennen (oben Mitte) oder direkt nach Peel auf der Isle of Man (oben rechts). Aber morgen bleiben wir erst einmal hier. Ralf macht schon einmal einen kleinen Erkundungsgang an Land und wieder faszinieren uns die Gegensätze heute. Begonnen haben wir kalt, grau und regnerisch, zwischendurch die Schauerboe mit Starkwind und abends ist es dann in der Marina sonnig und friedlich (Foto von Ralf).
 

Mittwoch, 14. August 2024

Tag 72 - Dún Laoghaire-Skerries: Sonnen-Segeln

Heute Vormittag holt Ralf noch den Vorhang für unsere Dachluke bei der Segelmacherin ab. Sie hat einen Verschluss angenäht, damit Ralf die Sonne morgens nicht in die Augen scheint. Wir haben Zeit, denn die günstige Strömung beginnt erst am Mittag. Und dann geht es los - wieder Richtung Norden, denn das letzte Stück Ostküste ist seglerisch nicht attraktiv. Wir kommen am Baily Lighthouse auf der Halbinsel Howth vorbei, dessen alte Fresnelsche Linse wir vorgestern im Maritimen Museum gesehen haben.
Wir sind gegen südliche Winde die Ostküste heruntergesegelt - oft hart am Wind mit viel ungemütlicher Schräglage. Jetzt hilft uns der gleiche Wind und lässt uns entspannt nach Norden segeln. Wir baumen das Vorsegel aus, um möglichst viel davon zu erwischen (siehe Titelbild). Das Boot liegt eben und ruhig und die Sonne scheint vom blaue Himmel - so schön kann Segeln sein! Allerdings müssen wir gut Ausschau halten und manchmal Schlangenlinien fahren, denn hier liegt alles voller Fischpötte.
Wir erreichen flott unser Ziel Skerries, einem kleinen Küsten- und Badort. Wir können hier nicht anlegen und nehmen uns daher eine Mooring-Tonne zum Festmachen. Da das Beiboot nicht aufgepumpt ist und wir morgen früh weiter wollen, verzichten wir auf einen Landausflug. Ralf montiert den Vorhang samt Verschluss wieder an der Luke.
Unsere Strecke heute war auf dem Papier, also über Grund gut 20 sm lang, aber der Strom hat uns zwei Meilen geschent, so dass die Logge, die die Fahrt durchs Wasser misst nur 18 sm anzeigt.
Im Moment ist es draußen ganz ruhig und wir werden nur etwas sanft von den Wellen geschaukelt. Ralf genießt die Abendstille im Cockpit.