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Sonntag, 31. Dezember 2017

Zusammenfassung: Dezember (ab 11.12.)

Statistik

Seemeilen: 104                    
Motorstunden: 8 (Überwiegend Laden der Batterien)                                    
Segeltage: 4           
Nächte auf See: 1                        
Liegetage: 17                                    
Häfen/Ankerplätze: 3           
Karibik: Bridgetown, Carlisle Bay (Barbados), Rodney Bay Marina (St. Lucia)

Segeln und Wetter

Ein Blick in den Wetterbericht bietet hier in der Ostkaribik selten Überraschungen. Wir haben gar nicht mehr nachgesehen, denn typischerweise ist es warm (tagsüber oft > 30°C, nachts nicht unter 25°C) und sonnig und der Nordost-Passat bläst mit 5 Windstärken. Je nachdem ob wir in der geschützten Marina oder offen am Ankerplatz liegen, bekommen wir vom Wind mehr oder weniger mit. Dazwischen gibt es auch immer mal wieder einen kurzen Regenschauer, meist nicht länger als 5 oder 10 Minuten.

Das Wasser ist ca. 26°C warm und das Schwimmen macht Spaß und ist erfrischend. Wir haben uns an die Hitze gewöhnt und versuchen, anstrengende Aktivitäten in die Morgen- oder Abendstunden zu legen. Es ist ungefähr 12 Stunden hell (von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr) mit nur kurzer Dämmerung, leider nicht genug, um uns beim Ankern mit Strom zu versorgen und so muss der Diesel jeden 2. Tag für eine Stunde laufen, um die Batterien zu laden.

Unser einziger „richtiger“ Segeltag nutzte natürlich auch den Passat, um die rund 100 sm von Barbados nach St. Lucia flott zurückzulegen, Wir fuhren nachts, damit wir zu Bürozeiten auf St. Lucia einklarieren konnten.

Boot

Zum Segeln sind wir mit der Triton sehr zufrieden, aber jetzt musste sie sich als Wohnung bei warmen Wetter und mit fünf großen Personen bewähren. Wie sich herausstellt, haben die Kinder keine Stehhöhe mehr im Schiff… Zum ersten Mal benutzen wir die kleinen Seitenfenster für die Belüftung das klappt sehr gut. Auch mein 12V Ventilator ist unter Deck eine große Hilfe. Kochen oder Backen ist kontraproduktiv, weil dann die Triton in eine Sauna verwandelt wird. Ich habe jedenfalls noch nie außerhalb einer Sauna so geschwitzt…

An Deck helfen unser festes Dach, unser Bimini und unsere Sonnentücher um ausreichend Schatten zu erzeugen. Insgesamt wird es durch diese ganzen Konstruktionen aber sehr eng und voll auf dem Schiff.

Glücklicherweise haben wir keine ernsthaften Schäden auf der Atlantiküberquerung gehabt und so verschieben wir Wartungsarbeiten (Radar, Autopilot, Fenster) erst einmal, um Zeit mit der Familie zu verbringen.

Verpflegung/Versorgung

Wir haben an verschiedenen Stellen gelesen, dass es sehr sinnvoll ist, sich auf den Kanarischen Inseln mit allen verfügbaren Vorräten einzudecken. Und jetzt wissen wir auf warum. Auf den beiden Inseln, die wir bis jetzt besucht haben (Barbados, St. Lucia), werden die überwiegend importierten Lebensmittel mit Gold aufgewogen.

So wollten wir z.B. eine Dose Pfirsiche kaufen (zum Schokopudding): Preis 12 Barbados-Doller = 5 Euro). Zum Vergleich: unsere vorhandene hat weniger als 1 Euro gekostet. Natürlich erwarte ich hier keine Aldi-Preise, aber Faktor 5 wollen wir nicht bezahlen. Wir kaufen frische Lebensmittel auf dem Markt, wo es gefühlt unterschiedliche Preise für Einheimische und Touristen gibt, Fleisch beim Butcher-Boy, einem Tiefkühl-Metzger und Brot. Sonst behelfen wir uns überwiegend mit Bordmitteln. Auf St. Lucia sind die Lebensmittel etwas günstiger, aber mir ist nach wie vor ein Rätsel, wie die Einheimischen das bezahlen können.

Crew

Mein Weihnachtswunsch war dieses Jahr, dass wir Weihnachten in der Karibik mit allen Kindern verbringen können und zu meiner ganz großen Freude haben die vor vielen Monaten gemachten Pläne sehr gut funktioniert. Paul haben wir ja schon importiert, am 13. kam Jan aus Mexiko und am 19. dann Max aus Deutschland eingeflogen.

Wir mussten etwas umräumen und zusammenrücken, aber alle Kinder haben ja seit ihrer Zeit im Bauch fast jeden Sommer zumindest teilweise auf einem Schiff verbracht und so fallen wir schnell in den vertrauten Rhythmus. Bis zum 28. sind wir zu fünft an Bord (dann zog es Paul nach Hause zu Leonie und Diego) und es gibt viel zu erzählen, gemeinsame Mahlzeiten, spannende Kartenspiele und nette Familienausflüge.

Sightseeing

Bei meiner Planung hatte ich erst Bedenken, ob ca. 2,5 Wochen auf Barbados nicht zu langweilig wären, aber weit gefehlt. Die Zeit ging (wie eigentlich immer) unglaublich schnell herum und wir haben nur einen Teil der Insel erkunden können.

In der ersten Woche waren wir in Careenage Marina in Bridgetown, sind durch die Stadt gelaufen, haben am wunderbaren Strand in der Pirates Cove gebadet, uns mit dem Schiff beschäftigt und unser einziger Ausflug war zum Kino, um den neusten Star Wars Film anzusehen.

In der zweiten Woche hatten wir dann für drei Tage ein Auto und haben die Harrison’s Cave, St. Nicholas Abbey, eine Zuckerrohrplantage, auf der jetzt Rum hergestellt wird, und das Barbados Wildlife Reserve besichtigt. Wir waren auch an der rauen Ostküste und haben auch immer ein Plätzchen für einen Imbiss gefunden.

Alle Ausflüge haben mir gefallen, die Straßen sind gut befahrbar und die Angebote sind natürlich touristisch aber wirklich nett gemacht. Weil wir selbständig unterwegs waren, konnten wir uns Zeit nehmen und uns in Ruhe auf das jeweilige Ausflugsziel einlassen. Wie wir später gelesen haben, werden auf typischen Touren alle drei Ziele an einem Tag „abgearbeitet".

Mein absolutes Highlight war aber der Tag beim Pferderennen. Hier waren Touristen (einfach zu erkennen) in der absoluten Minderheit, die Getränke waren sehr günstig und die Stimmung einmalig. Wir ließen uns von der Aufregung und Begeisterung anstecken und haben auch den einen oder anderen Doller gewonnen (und wieder verloren).

Auch auf unserer zweiten Karibik-Insel, St. Lucia, hatten wir für zwei Tage ein Auto für die Inselerkundung. Hier ist die Qualität der wenigen Straßen schlecht, was das Fahren langwierig und anstrengend macht und die Orte sind entweder ärmlich und eher hässlich oder touristische Ghettos, schön gemacht, aber künstlich. Wir waren in Gros Islet, Rodney Bay, der Hauptstadt Castries, in Marigot Bay und in Soufrière. Lichtblicke fanden wir Zaka’s Art Café in Soufrière, das Schlammbad in den „Sulphur Springs“ und natürlich die Landschaft der wunderbaren grünen Vulkaninsel.

Begegnungen

An erster Stelle steht hier natürlich das Wiedersehen mit der Familie. Das Bordleben weckt viele schöne Erinnerungen an vergangene Urlaube und Auto-Ausflüge haben wir im Winterhalbjahr jeden Sonntag gemacht, solange die Kinder noch klein waren… Es war richtig schön für mich, wenn wir alle zusammen unterwegs waren und teilweise zu Max Musik gemeinsam gesungen haben (das war vielleicht nicht ganz so schön für Ralf…).

Unsere Atlantic Odyssey Gruppe lag hier gemeinsam in der Careenage Marina und jeder hatte natürlich Geschichten von der Atlantik-Überquerung zu erzählen. Es gab eine Abschiedsparty im Yachtclub, wir haben uns am Strand in der Pirates Cove getroffen (wo ich als „Shark“ die Kinder im Wasser gejagt habe) und ein Teil hat dann auch noch gemeinsam in der Carlisle Bay geankert.

Besonders nett war es, dass wir unsere Freunde von der NALA DANICA wiedergetroffen haben und einen Abend mit gemeinsamen Grillen am Strand verbringen konnten.

Die „Bajans“, wie sich die Einwohner von Barbados nennen haben wir ganz besonders freundlich und hilfsbereit empfunden. Jeder lächelt und grüßt, wir werden auf der Straße angesprochen und „einfach so“ in Gespräche verwickelt und Jan war sogar zu Weihnachten in eine Familie eingeladen. Besonders in Erinnerung bleiben: die Apfelverkäuferin, die Ralf warnte, nicht mit einem Stapel Geld herumzuwedeln, Anderson C. Miller, der uns zu Weihnachten in seine Kirche einlud und mir Besichtigungstipps gab, ein Offizieller der Rennbahn, der uns persönlich die Plätze zeigte (und einen richtigen Tipp fürs Rennen gab), die Dame, die uns bei der Auswahl des richtigen Busses half und eine andere, die uns ein Restaurant empfahl… wir haben uns sehr wohl und willkommen gefühlt.

Ganz anders ist die Situation auf St. Lucia. Ich erlebe die Menschen als höflich und professionell in den Touristen-Ghettos und außerhalb davon als gleichgültig oder sogar unterschwellig feindselig. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die dann ganz besonders herausstechen, wie den Verkäufer von Schüsseln und Hüten in Rodney Bay und die nette Familie in Zaka’s Café.

Fazit

Wieder ein ganz neuer Abschnitt mit vielen Begegnungen, Erlebnissen und Eindrücken. Es war ganz wunderbar, alle Kinder hier zu haben und ich denke, wir hatten zusammen eine sehr gute Zeit. Es gab viele Feiern: Abschiedsparty der Odyssey, Jans Geburtstag, Grillen am Strand mit den Freunden von der Nala Danica, Weihnachten… und wir haben viel gesehen und erlebt.

Ich war ja bisher kein so großer Fan von Ankern, aber das hat mir erstaunlich gut gefallen. Es ist wunderbar, einfach vom Boot aus schwimmen zu gehen und auch die Temperaturen sind auf dem Wasser viel angenehmer. Die Landemanöver mit dem Beiboot in der Brandung am Strand waren eher lustig, weil es die Möglichkeit, sich im Segelclub umzuziehen und zu duschen… 

Barbados war für mich ein toller Einstig in die Karibik, Menschen und Insel haben mich sehr angenehm überrascht. Ganz anders ist St. Lucia, dort habe ich eigentlich permanent ein schlechtes Gewissen, weil ich durch einen glücklichen Zufall in einem reichen und privilegierten Land geboren worden bin.

Ein Tischnachbar in der schicken Bar in Marigot Bay fragte mich, ob ich meinen Aufenthalt hier genießen würde. Ich habe dann ehrlich (und ungeschickt) geantwortet, dass es schwer ist, so etwas zu genießen, wenn wenige 100 m entfernt die Menschen in Armut leben. Er schlug mir dann vor, diese Menschen einfach zu ignorieren (und ignorierte dann anschließend mich)…

Jan hat von seiner Bekannten auf Barbados erfahren, dass die Kinder dort in der Schule lernen, nett zu Touristen zu sein… wenn ein Land Tourismus haben will und das die Haupteinnahmequelle ist sicherlich eine gute Idee… Es ist einfach netter, den Eindruck zu haben, ein willkommener Gast zu sein, als das Gefühl zu bekommen, nur Geldquelle und notwendiges Übel zu sein.

Vielleicht ist auf St. Lucia das Tourismus-Geschäft in der Hand von wenigen Betrieben und die Einnahmen kommen bei großen Teilen der Bevölkerung einfach nicht an?

Bisher also gemischte Gefühle aus der Karibik…

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Tag 177 - Barbados: Abschiedsessen

Ein Abschnitt geht zu Ende, denn Morgen fliegt Paul zurück nach Deutschland und wir anderen wollen Barbados Richtung St. Lucia verlassen. Daher müssen Ralf, Jan und Max zum Ausklarieren, was mit Hilfe von unserem Agenten Terry gut klappt. Die drei sind mit dem Beiboot unterwegs und bringen auch noch ein paar Lebensmittel mit. Außerdem wird noch eine große Tasche Wäsche an Land gebracht.

Auch die Touristenboote sind wieder unterwegs (kein Wunder, drei Kreuzfahrtschiffe) und setzten ihre Passagiere wieder an der Schildkrötenstelle aus. Jan und Paul schwimmen ebenfalls hin…
…und Paul gelingt sogar ein entsprechendes Bild.
Während die Herren unterwegs sind, kümmere ich mich um die Navigation und die Einreisebestimmungen für St. Lucia. Von der MARIPOSA haben wir den Tipp bekommen uns vorher auf www.sailclear.com zu registrieren um das Einklarieren dort zu vereinfachen. Außerdem müssen wir rechtzeitig hier weg, um noch zu Bürozeiten auf St. Lucia anzukommen, damit wir keinen Aufpreis zahlen müssen.

So gegen 17:00 Uhr beginnen wir, und für den Abend fertig zu machen. Das bedeutet, Schuhe und Kleidung wasserdicht verpacken und in zwei Transporten mit dem Beiboot an Land zu fahren. Heute ist Schwell und dadurch recht heftige Brandung, so dass das eine ziemlich sportliche Aktion ist. Wir kommen alle gut an Land, gehen in die Maske und denke auch daran, die Taschen im Boot zu lassen, denn bis wir daheim sind, ist der Club zu.

Dann nutzen wir einen ZR-Bus (ausgesprochen „Sedar“, also die Buchstaben einzeln auf Englisch) um für Pauls Abschiedsessen nach Oistin zur „Fish Fry“ zu fahren. ZRs sind kleine weiße Vans, die auf den Busrouten fahren und jeden mitnehmen, der die Hand heraushält. Die Fahrt kostet pauschal 2 Barbados-Dollar und dafür bekommen wir einiges geboten. Der Bus ist sehr voll und ich sitze auf dem Notsitz vorne in der Mitte zwischen Fahrer und Beifahrer. Der Beifahrer hat ziemlich unappetitliche persönliche Angewohnheiten (ich überlege, ob ich ihm ein Taschentuch anbieten soll…) und der Fahrer fährt nach dem System „lieber hupen als bremsen“ und ist nebenbei noch mit telefonieren und texten auf seinem Handy beschäftigt…
Wir kommen aber trotzdem gut in Oistin an und gehen zu „Uncle George“, den uns eine nette Irin im Yachtclub empfohlen hatte. Dort fragen wir nach Joy-Ann und sie ist tatsächlich da und begrüßt uns mit Handaschlag. Wir essen ganz ausgezeichneten Fisch: Marlin, Schwertfisch und Lachs mit diversen leckeren Beilagen...
Danach geht es – wieder mit einem ZR – nochmal zu unserem Lieblings-Eisladen „Chilly Moo’s Ice Cream Treatery“ und dann zurück zum Yachtclub. Wieder umziehen in Badekleidung, durch die Brandung und mit dem Beiboot zur Triton. Wir lassen unseren letzten Abend in voller Besetzung mit einem Kartenspiel ausklingen.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Tag 176 - Barbados: Ein Tag beim Rennen

Ich bin seit Jahren ein großer Fan des englischen Autors Dick Francis. Er war sehr erfolgreicher Jockey, später Reporter und dann ebenfalls sehr erfolgreicher Autor von Krimis, die im Rennsportmilieu spielen. Schon vor 22 Jahren haben ich Ralf in England zum Pferderennen geschleppt. Als ich gelesen habe, dass es hier eine Rennbahn gibt, wollte ich da natürlich gerne hin. Es gibt sogar einen Krimi von Felix Francis (dem Sohn von Dick, der nach dessen Tod vergleichbare Krimis schreibt), der teilweise in der Karibik spielt: Front Runner (ist allerdings keiner von den richtig guten).

Jedenfalls habe ich auch diesmal meine Familie genötigt, zum Pferderennen zu gehen und – was soll ich sagen – alle waren begeistert. Wir hatte gute Plätze auf der Tribüne im Schatten mit direktem Blick auf die Ziellinie. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und ich würde mal sagen, überwiegend Einheimische. Es gab Stände mit Essen und Getränken (erstaunlich günstig) und die Stimmung war großartig.
Genau wie in den Büchern beschrieben werden die Pferde erst einmal im Führring vorgestellt.
Dazu gibt es die „Trainer-Besitzer-Jockey“ Grüppchen, wo die Renntaktik nochmal kurz besprochen wird…
…bevor die Jockeys dann aufsitzen und zum Start reiten.
Die Rennen selbst (heute 10 Stück) sind zwischen 1000 und 2000 m lang und dauern weniger als zwei Minuten. Begleitet von einem Kommentator geht das Publikum begeistert mit. Beim Zieleinlauf springen alle von den Sitzen und feuern ihre jeweiligen Favoriten lautstark an.
Dann werden die Sieger wieder mit Trainern und Besitzern vereint…
…und die glücklichen Eigner erhalten einen Pokal.
Die erfolglosen Jockeys müssen ihren Trainern erklären, warum das Pferd dieses Mal nicht gewonnen hat.
Zwischen den Rennen treten dann Helfer an, um den Boden wieder in Ordnung zu bringen.
Besonders nett finde ich, dass es auch möglich ist, hinter die Kulissen zu schauen. Die Pferde kommen aus dem Stall auf der anderen Straßenseite auf den Rennplatz…
…werden dort gesattelt…
…und nach den Rennen mit einem Bad erfrischt und trockengeführt.
Natürlich ist es besonders spannend, wenn auch gewettet wird. Wir haben intensiv die Formbücher studiert, Preisgelder und Rundenzeiten verglichen oder – wie ich – die nettesten Namen und die buntesten Hemden ausgesucht und immer ein paar Dollar eingesetzt.
Gleich unsere erste „Familien-Wette“ (jeder hat was dazugegeben) auf das uns beim Kartenkauf empfohlene Pferd „Inspired Adventure“ (so ein schöner Name!) war erfolgreich!
Ein glückliches Händchen hatten Paul und ganz besonders Jan, der über 200 Barbados-Doller Gewinn mit seinen Wetten machte.
Wieder ein sehr abwechslungsreiches, kurzweiliges und anregendes Erlebnis!

Montag, 25. Dezember 2017

Tag 175 - Carlisle Bay: Bordleben

Unsere Weihnachts-Stunde gestern war sehr schön, ich habe alle vorhandene Deko ausgepackt und von meinen Eltern haben wir ein eine kleine Weihnachtstüte erhalten, die allerdings sehr inhaltsschwer war: ein Mini-Weihnachtsbaum, Sterne, eine Krippe und ein Engel und vor allem Geschichten und Gedichte. Zusammen mit der Weihnachtspost anderen ausgewählten Texten gab es einiges zum Vorlesen und erzählen. Unser Essen war zwar recht lecker, aber ich denke für haben doch alle das Weihnachtsmenü bei Hildegard sehr vermisst… und natürlich hätten wir auch gerne die Familie daheim ans Herz gedrückt…
Ich bleibe auf dem Schiff, denn der Yachtclub hat heute geschlossen. Paul, Jan und Ralf gehen trotzdem an Land um zu schwimmen, zu schnorcheln und es sich auf den Liegestühlen gutgehen zu lassen. Max und ich lassen es uns derweil an Bord gutgehen und ich komme endlich mal zu lesen. Ich habe so viele Filme, Bücher und Hörbücher dabei, aber irgendwie ist immer was zu tun, zu schwätzen oder anzuschauen und das geflügelte Wort an Bord ist (ausgerechnet von Paul): „Ich habe heute noch keine Zeile gelesen!“
Das Buch ist übrigens „Solve for Happy“ von Mo Gwadat, vom dem ich eine Besprechung im Spiegel las (klick) und das gut zum Thema „Glück und Zufriedenheit“ passt, mit dem ich mich seit einigen Jahren intensiver beschäftige. Vieles, was er schreibt kenne ich schon aus anderen Büchern oder es bestätigt meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse, aber jeder Autor beleuchtet das Thema auf individuelle Weise und ich kann eigentlich fast immer einen neuen Aspekt entdecken, den ich so noch nicht wahrgenommen haben.

Ralf ist mittlerweile wieder zurück an Bord und entspannt mit Max zusammen im Cockpit. Wir unterhalten uns (z.B. über Filme) und Max betätigt sich wieder als DJ. Heute ist es nicht ganz so windig und wir haben es richtig gut.
Zwischendurch kommt tatsächlich eine Schildkröte vorbei (finde die Schildkröte). Wir haben schon einige unter Wasser gesehen und wir können jeden Tag verschiedene Boote beobachten, die hierher kommen um Touristen mit den Schildkröten schwimmen zu lassen.
In Abendlicht schwimme ich dann auch noch, allerdings ohne Schildkröten, eine Runde um Schiff. Das Wasser ist sehr angenehm temperiert, erfrischend, aber ohne den Ui-Moment, wenn das Wasser an den Bauch kommt (bzw. bei den Herren der Schöpfung etwas tiefer…). Danach dann eine Süßwasserdusche an Deck – perfekt.
Wir sind heute Abend nur zu viert, denn Jan ist dazu eingeladen, eine barbadische Weihnacht in einer Familie mitzufeiern. Ich bin gespannt, was er berichtet, besonders von der 101jährigen Urgroßmutter. 

Samstag, 23. Dezember 2017

Tag 173 - Carlisle Bay: Auf der faulen Haut

Nach drei Tagen mit sehr schönen, aber auch anstrengenden Ausflügen, haben wir heute nichts Besonderes vor. Also fast nichts, denn nach dem Frühstück zwinge ich meine wiederstrebende Familie, für ein Weihnachtsfoto zu posieren. Dann müssen die armen Kerle auch noch Sonnenbrillen anziehen und lächeln und nach Möglichkeit ein weißes oder rotes Kleidungsstück tragen… Ich habe geschaut, zwischen dem ersten und dem letzten Foto liegen doch tatsächlich drei Minuten! Hier ein Outtake:
WIR WÜNSCHEN ALLEN FRIEDLICHE UND FRÖHLICHE WEIHNACHTSTAGE!

Sonst steht die Zeit heute zur freien Verfügung. Max spielt Monsterhunter, Ralf liest, Paul und Jan gehen schwimmen und ich suche meine GoPro-Kamera und räume dabei das Schiff auf (ohne Erfolg, also das Suchen, nicht das Aufräumen…). Später fahren Ralf und ich ans Ufer in den Yachtclub und entspannen dort im Schatten mit einem kühlen Getränken und später mit leckeren Sandwiches. Gerade eben so auszuhalten…
Später taucht auch noch die Kamera auf (war am Ladegerät im Vorschiff…) und auch die Kinder kommen an den Strand, wo wir alle noch eine Runde bestellen. Erst im Dunkeln geht es wieder zurück aufs Schiff. Abendessen, Bloggen, Weihnachtskarte fertigmachen und Kartenspielen runden den Tag ab.

Freitag, 22. Dezember 2017

Tag 172 - Barbados: Naturerlebnisse

Als Ausflugsziel haben wir uns heute das „Barbados Wildlife Reserve“ ausgesucht. Es wurde ursprünglich als Station zur Erforschung der Grünen Meerkatzen von einem kanadischen Forscher-Ehepaar gegründet. Die Affen stammen eigentlich aus dem westlichen Afrika, fühlen sich aber auch auf Barbados wohl.
Anders als in einem normalen Zoo leben die Meerkatzen und fast alle anderen Tiere frei auf dem großen Gelände, das überwiegend aus einem Mahagoni-Wald besteht. Wir Besucher laufen auf Pfaden durch das große Gelände und es ist wirklich interessant, die verschiedenen Tiere zu beobachten. Gleich als erstes entdecken wir zahlreiche Schildkröten, die erstaunlich schnell über den unebenen Boden laufen oder neben großen Baumwurzeln ein Schläfchen halten.
Besonders mutige Schildkröten benutzen sogar Kaimane als Ruheplatz. Wahrscheinlich haben die Kaimane schlechte Erfahrungen mit den harten Panzern gemacht…
Sehr nett sind auch die südamerikanischen Hirsche, die ebenfalls gerne an gemütlichen Stellen im Wald entspannen.
Sogar der Nachwuchs ist eher neugierig als ängstlich.
Auch Jan (und später Ralf) lassen sich von der Atmosphäre anstecken und ruhen sich etwas aus.
Neben diesen Tieren gibt es noch verschiedenen Vögeln (teilweise in Volieren), ziemlich lebhafte Würgeschlangen (glücklicherweise hinter Glas) und einige Hasen und Maras. Uns gefällt die ganze Anlage mit den in die Landschaft harmonisch eingefügten Wegen und den halbwilden Tieren sehr gut. Es ist interessant, das Verhalten der unterschiedlichen Arten zu beobachten und außer zur Fütterungszeit, als diverse Busse kommen, ist der Park angenehm leer.
Auf dem Rückweg fahren wir noch in einen großen Supermarkt um unsere Frischvorräte vor Weihnachten nochmal zu ergänzen, aber wir sind wieder erschlagen von den Preisen und halten uns daher mit Einkäufen sehr zurück. Gut, dass wir an Bord noch gut ausgestattet sind.

Alles, was wir kaufen, Kleidung und Gepäck muss wieder mit dem Beiboot zurück aufs Schiff gebracht werden. Mittlerweile haben wir gelernt, dass wir am besten Badekleidung tragen und alles in wasserdichte Säcke verpacken und so klappt die Überwindung der Brandung immer besser.
Jan kocht für uns leckere Nudeln mit Gemüse und Pilzen und zum erstem Mal spielen wir abends zu fünft „Präsident“ und haben damit viel Spaß. Überhaupt ist die Stimmung sehr gut und jeder wird von den anderen geneckt, aber auf eine nette Art. Max hat beim Autofahren seine große Box am Start und macht den DJ mit Liedern zum Mitsingen – schön!

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Tag 171 - Barbados: Essen, Trinken und Kultur

Heute ist einer von den Tagen, an denen es mir schwer fällt, Bilder für mein Blog auszuwählen, denn es gab so viele schöne Motive. Das fing schon morgens an als ich um kurz nach sechs Rennpferde beim Baden in der Bucht beobachten konnte – leider sehr weit entfernt und gegen die Sonne.
Hier auf der Insel gibt es tatsächlich eine Pferderennbahn und wir werden am „Boxing Day“, das ist der 26. Dezember, zum Pferderennen gehen. Heute haben wir die Karten gekauft und auch das war schon wieder ein Erlebnis. Wir wurden sehr freundlich begrüßt und bekamen erst einmal eine Auswahl der möglichen Plätze gezeigt. Wir entscheiden uns für die überdachte Tribüne. Wir könnten sowieso den Dresscode für die „Member‘s Lounge“ oder die „Owner and Trainer Bar“ nicht erfüllen, denn dort werden mindestens Hemd, lange Hosen (keine Jeans!) und geschossene Schuhe (keine Turnschuhe!) für die Herren und ein Kleid, das mindestens das Knie bedeckt und dessen Träger mindestens 2,5 cm breit sind oder ein Hosenanzug für die Damen erwartet. Auch Sandalen sind nicht erlaubt…

Dann geht es weiter zu unserem Hauptziel für heute: St. Nicholas Abbey. Anders als der Name vermuten lässt, war das niemals eine Abtei, sondern immer eine Zuckerrohr-Plantage. Das Haupthaus wurde 1658 errichtet und das Anwesen ging durch die verschiedensten Hände. Seit 2006 gehört es einem barbadischen Architekten, der das Gelände und das Haus behutsam renoviert hat und nun ein Museum und eine Destillerie betreibt.
Das Gelände ist wunderschön mit einem gepflegten üppigen Garten und mit altem Baumbestand.
Im Haus selbst gibt einen Film aus den 1930er Jahren, der das Leben auf der Plantage und die Zuckerrohr-Ernte und -Verarbeitung zeigt. Mit einer Führung können verschiedene Zimmer besichtigt werden und es ist sogar erlaubt, sich auf die Stühle zu setzen (finde den Ralf)…
… wenn sie nicht gerade von einer Katze belegt sind…
Nach einem Rumpunsch oder Fruchtsaft gibt es noch die Möglichkeit für eine Rumprobe, die vom Sohn des Hauses selbst durchgeführt wird. Wir sind nicht ganz sicher, ob er einen Sprachfehler hat oder selbst schon zu viel von seinen Produkten probiert hat. Dann können wir noch die Destillerie und die Reste der alten Mühle anschauen.
Für unser (spätes) Mittagessen folgen wir einem Insider-Tipp und fahren an die etwas rauere Ostküste, wo auch Surfer ihr Glück versuchen.
Jan schlägt vor, ein Bild von uns vor dem schönen Panorama zu machen und Max produziert eine richtig gute Fotobombe (das Bild ohne Max gibt es dann zu Weihnachten...).
Hier soll auch der Platz sein, an dem die Einheimischen Donnerstags Fisch essen und tatsächlich finden wir die richtige Stelle und können uns dort nicht nur mit Fisch und diversen Beilagen, sondern auch mit Spareribs und Getränken stärken.
Heute sind wir auch etwas schneller unterwegs als gestern, denn wir sind nicht, wie Ralf es nennt „mit gebremsten Schaum“ gefahren, d.h. heute hatten wir versuchsweise mal die Handbremse beim Fahren gelöst… Sonst wird der Linksverkehr mit Rechtssteuerung von Ralf sehr gut gemeistert und wir sind froh, uns ein Auto geliehen zu haben, denn wir sehen viel von der Insel und können nach Bedarf an schönen Stellen Zwischenstopps einlegen.