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Mittwoch, 7. Februar 2018

Tag 219 - Prickly Bay: Rollreffanlagen-Reparatur

Gestern Abend ist es dann doch nix mehr mit dem Film geworden, denn ich musste feststellen, dass auf meinem Business-Notebook kein Programm zum Abspielen von DVDs installiert ist. Als Ralf also um kurz vor acht an Land fährt um auf der PEACH mit der Reparatur der Rollreffanlage zu helfen, komme ich mit um das Internet in der Marina zu nutzen. Wie sich herausstellt ist das auch ganz gut, denn während einer oben im Mast den Bolzen löst, werden alle Hände gebraucht um das ca. 15 m lange Gerät abzulegen und zu transportieren.
Dann habe ich Zeit um am PC zu arbeiten während die Herren sich um den eigentlichen Aufroller kümmern. Wie sich herausstellt ist wohl bei der letzten Wartung eine ganz kleine Madenschraube nicht wieder eingesetzt worden, weil das Gewinde kaputt war. Aber genau diese Schraube verhindert, dass sich das Trommellager wieder aufdreht… Folge war, dass sich diverse Kugellager-Kugeln verabschiedet haben. Das Gewinde ist wahrscheinlich kaputtgegangen, weil hier wieder zwei verschieden edle Metalle (Alu und Edelstahl) Kontakt hatten…

Leider bleibt es bei der Problemanalyse, denn das lässt sich mit Bordmitteln nicht reparieren, weil es nicht möglich ist, zu bohren und ein neues Gewinde zu schneiden ohne das Drahtvorstag in der Mitte zu verletzten. So werden nur ein paar Kugeln nachgefüllt und alles möglichst fest zusammengeschraubt in der Hoffnung, dass es bis zur richtigen Reparatur hält.

Wenigstens bin ich erfolgreich mit dem neuen Programm, diversen Updates, Mails und dem Herunterladen von Hörbüchern. Das ist hier wirklich nett gemacht, den es gibt extra PC-Plätze, die von den Seglern gerne angenommen werden. Wir bekommen noch eine Einladung zum Mittagessen als Dank für unsere Hilfe.

Dann heißt es alles wieder einbauen. Gar nicht so einfach, den Bolzen auf der schwankenden Mastspitze einzusetzen und als das getan ist das andere Ende wieder unten zu befestigen. Aber mit allen möglichen Tricks, Leinen und Winschen hat es dann doch geklappt. Wir erklären den 7. Februar zum „International Furler Day“ und verabreden, uns jedes Jahr an diesem Tag ein Mail zu schreiben.
Hier ist heute der nationale Unabhängigkeitstag, denn Grenada wurde 1974 unabhängig von England. Schon seit Tagen ist alles mit rot-grün-gelben Fähnchen verziert, es gibt diverse Dekorationen mit „God Bless Our Country“, „Happy Independence Day“ oder dem Landesmotto: „Ever conscious of God we aspire, build and advance as one people“ (Immer auf Gott vertrauend streben, bauen und schreiten wir als ein Volk voran). Viele Menschen sind in Landesfarben gekleidet oder tragen entsprechende Anstecker und unsere Kellnerin heute Mittag hat sogar grünen Lippenstift aufgelegt…

Freitag, 17. November 2017

Tag 137 - Santa Cruz: Noch 1x schlafen!

Endspurt vor dem Start: es gibt noch einige „must-have“ Punkte auf der Liste. Der Anker wird wieder am Boot bzw. an der Kette befestigt. Den werden wir in der Karibik sicher oft benötigen, denn dort ist es üblich zu ankern. Netterweise hat der Yachtausrüster unser Fockfall neu gespleißt (Draht mit Leine verflochten) und Ralf und Paul ziehen es wieder in den Mast.
Im Zweifel wäre mir diese Arbeit lieber gewesen, als mich mal wieder mit dem Satellitentelefon zu amüsieren… Unterwegs bekommen wir täglich Wetterdaten in komprimierter Form von der Firma Wetterwelt. Ich hatte diese ab Samstag angefordert und ein nettes Mail mit einigen Fragen zurückerhalten. Um diese zu klären, habe ich dort angerufen und mir dann Probedaten schicken lassen, die aber in einem Format waren, dass ich nicht öffnen konnte. Alleine der Abruf dauerte eine Ewigkeit, weil der Satellitenempfang im Hafen durch Abdeckungen sehr schlecht ist. Letzendlich konnte ich die Probleme aber lösen und bekam die richtigen Daten und dazu noch ein kostenloses Wetterrouting.
Eine willkommene Abwechslung war ein unerwarteter Besuch. Normalerweise spiele ich Dienstagsabends in einer sehr netten Akkordeon-Gruppe. Die Schwester einer meiner Mitspielerinnen ist im Moment auf Mallorca und ist heute extra aus dem Süden der Insel nach Santa Cruz gekommen, hat uns im Hafen aufgespürt und brachte einen lieben Brief und ein sehr witziges Foto mit. Auch auf diesem Weg danke an die No-Names und Peter – ich habe mich total gefreut!
Zwischendurch habe ich endlich alle Listen fertigbekommen und ausgedruckt, Unterlagen sortiert und Belege abgelegt. Nach diesen Anstrengungen haben wir erst einmal in unserem Lieblingscafé einen (bzw. drei) Burger gegessen und dann war es auch schon Zeit für die Steuerleute-Besprechung mit Jimmy Cornell, bei der wir über Aus- und Einreise Formalitäten und die beste Route in die Karibik informiert wurden.
Vorletzte Einkäufe und eine Menge Kleinigkeiten auf der Liste waren dann noch zu erledigen – so langsam reicht es uns und wir sind froh, wenn es morgen endlich losgeht. Es ist ein eigenartiges Gefühl, am Vorabend der Erfüllung eines nahezu lebenslangen Traums zu sein. Ich kann noch gar nicht wirklich glauben, dass wir es wirklich tun werden. Die letzten Tage (eigentlich die ganze Reise) war so intensiv, dass ich nur wenig Zeit zum Innehalten und reflektieren hatte. Ich bin gespannt, ob das in den nächsten Wochen anders sein wird.

Donnerstag, 16. November 2017

Tag 136 - Santa Cruz: Ladegrenze erreicht

Wie Insider wissen, hat Ralf eine besondere Vorliebe für Äpfel und wenn die Apfel-Situation an Bord kritisch wird, sinkt die Stimmung rapide. Selbst Nutella-Infusionen können da nicht mehr helfen. Also war die Aufgabenstellung, eine entsprechende Menge Äpfel mitzunehmen. Da Ralf im Normalbetrieb mindestens drei Stück am Tag isst (und auch gerne mal die Kerngehäuse großzügig verteilt) haben einfache Berechnungen ergeben, dass die benötigte Apfelmenge (wenn Paul und ich vielleicht auch mal einen essen wollen) das noch vorhandene Stauvolumen des Schiffs übersteigt. Ralf wird also für die Überfahrt auf die „Zwei-Äpfel-Diät“ gesetzt. Neben Äpfeln haben wir aber auch noch auf dem „Mercado Municipal Nuestra Senora de Africa“, ein paar andere Früchte und Gemüse eingekauft, so dass die Gefahr von Skorbut gebannt sein sollte.
Weil wir nicht alles auf dem Markt bekommen haben, geht es wieder in den Alcampo, und tatsächlich kann ich fast alle Punkte auf der Liste abhaken. Diesmal reicht auch ein Einkaufswagen.
Zurück an Bord werden Früchte und Gemüse gewaschen und sorgfältig in Kisten und Netze verpackt. Besondere Zuwendung bekommen natürlich die Äpfel, die einzeln nebeneinander in Klappboxen gelegt – jeder zweite liebevoll in Küchenpapier gewickelt… Während ich das Vorschiff vollpacke bauen Ralf und Paul die von Eduardo pünktlich gelieferte Beschattung fürs Cockpit auf: sie passt perfekt, nun muss sie nur noch beim Segeln funktionieren.
Dann steht noch der Rigg-Check an, dazu geht Ralf in den Mast, um alle Fallen, Wanten und Stagen zu überprüfen (das sind alle Leinen und Drahtseile, die den Mast festhalten oder mit denen Segel hochgezogen werden). Dabei stellt sich heraus, dass das Fockfall, dass doch extra einen neuen Fallenauslass bekommen hatte, innerhalb des Mastes eine Scheuerstelle bekommen hat. Gut, dass wir das bemerkt haben, so kann es noch repariert werden.
Der lange Tag ist noch nicht zu Ende, denn heute ist wieder eine Potluck Party, um die neu angekommenen Segler kennenzulernen. Wieder treffen wir nette und interessante Leute – jeder der hier ist, hat schon einige Seemeilen hinter sich und kann entsprechend gute Geschichten erzählen.

Mittwoch, 15. November 2017

Tag 135 - Santa Cruz: Kaufen, Waschen, Reden

Wir haben schon immer gerne Segelbücher gelesen und daheim stehen diverse Regalmeter mit entsprechender Literatur. Ein aktuelles Buch, das uns sehr gefällt ist von Antje und Ingo Paulus: „14 Monate Sommer“ über ihre Atlantikrunde 2014/15. Dazu gehört auch ein sehr netter Blog: klick Wir sind so ziemlich auf der gleichen Route unterwegs und machen sehr ähnliche Erfahrungen. So stand heute auch das Füllen der Gasflasche auf dem Programm und genau wie dort im Blog geschrieben geht das bei der Firma DISA im Industriegebiet. Das Gelände sieht wenig einladend aus, aber die Befüllung (für rund 8 €) klappt einwandfrei. Danke an Paul für das Foto.
Heute haben wir nämlich klassische Rollenverteilung. Die Jungs sind mit dem Auto unterwegs, um die Gasflasche zu füllen, zum Baumarkt zu gehen und Angelzeug zu besorgen. Adolf von der MARIPOSA hat uns einen Angelladen empfohlen und dort kaufen die beiden 200 m Leine, Rollen und Zubehör und lassen sich dort auch noch verschiedene Köder anfertigen, die Doraden besonders gut gefallen sollen. Ich bin gespannt… (Auch dieses Foto ist von Paul).
Während die beiden sich amüsieren, verstaue ich die restlichen Einkäufe vom Vortag und schleppe dann zwei große Taschen in die Wäscherei. Glücklicherweise sind zwei Maschinen frei und so geht das Waschen selbst flott. Nur 30 Minuten in der Profi-Maschine. Ich komme mit Gislid von der JULO ins Gespräch, einer Najad 46, und wir unterhalten uns sehr nett. Vielleicht sehen wir uns ja in der Karibik wieder. Ich fülle die halbe Ladung in den Trockner und laufe zurück zum Boot, um die andere Hälfte aufzuhängen. Wieder zurück zum Waschraum, nur um festzustellen, dass der blöde Trockner nicht richtig funktioniert. Also auch die zweite Runde auf dem Boot aufhängen. Die Reling und die Handläufe reichen gerade so aus.
Bis ich fertig bin, sind auch die Herren wieder mit ihrer Beute zurück und wir machen uns auf zur nächsten Einkaufsrunde. Diesmal gehen wir in der Carrefour, der auch eine beeindruckende Größe hat. Nach meinem Blogbeitrag gestern gibt es weniger Bemerkungen und wir füllen wieder zwei Einkaufwagen und verstauen alles im Boot. So langsam ist die Kapazitätsgrenze der Triton erreicht und selbst mir fallen keine weiteren Stauräume mehr ein. Morgen dann noch Obst, Gemüse und Eier vom Markt.
Mein lieber Vater hat heute Geburtstag und wir haben ein sehr nettes Video-Gespräch mit meinen Eltern in Deutschland und später auch noch mit unserem ältesten Sohn Jan in Mexiko – wie schön, dass das Roaming in der EU abgeschafft wurde und das es diese technischen Möglichkeiten gibt.

Montag, 13. November 2017

Tag 133 - Santa Cruz: Tanken, Kleben, Scannen

Als wir gelesen haben, dass es hier im Hafen keine Tankstelle gibt, haben wir auf der Herfahrt noch versucht, in einem anderen Hafen unsere Diesel-Vorräte aufzufüllen und waren ärgerlich, dass das nicht geklappt hat. Wie sich herausstellte, gibt es hier aber eine viel bessere Möglichkeit, denn der Tankwaren kommt direkt zum Schiff – ohne Extrakosten. Und das auch noch überpünktlich, denn statt um 10:15 Uhr stehen die Jungs schon eine halbe Stunde früher auf der Matte.
Aber wir sind froh, dass dieser wichtige Punkt unserer Liste abgehakt ist. Auch unser schöner, neuer, roter Kanister ist gefüllt. Ralf und Paul beginnen dann damit, Verstärkungen auf unser neues Großsegel zu kleben. Das geht erst, wenn es schon eine Weile im Einsatz ist, damit wir sehen können, wo die Wanten am Segel scheuern.
Es ist interessant, wie die Gruppendynamik an Bord funktioniert. Für rund drei Monate war ich mit Ralf alleine auf dem Boot und immer, wenn eine helfende Hand gebraucht wurde, haben wir uns gegenseitig unterstützt. Mit Leonie waren wir auf der einen Seite zwei Paare, die auch mal etwas getrennt unternommen haben, auf der anderen Seite hatte ich aber auch weibliche Gesellschaft – etwas, das ich ja selten an Bord habe, denn wir waren ja immer mit unseren drei Jungs und eventuell noch zusätzlichen Freunden unterwegs. Nun sind wir wieder zu dritt und jetzt arbeiten Ralf und Paul viel zusammen an der „Hardware“. Ich bin eher für die „Software“ zuständig: alles was mit Elektronik, PC, Kommunikation, Navigation zu tun hat. So sitze ich auch heute wieder an meinem Arbeitsplatz und kümmere mich um die Navionics-Seekarten. Immerhin habe ich jetzt schon eine Vorgangsnummer. Außerdem scanne ich die neuen Dokumente und ergänze weiter die Staulisten.
Eine unendliche Geschichte ist die Befestigung unseres Ankers. Da haben wir jetzt schon verschiedene Verbindungen zwischen Anker und Kette ausprobiert, aber keine Lösung passt und gefällt bisher wirklich gut. Ich bin aber auf jeden Fall dafür, dass der Anker wieder am Boot befestigt wird…
Zwischendurch laufen wir noch in die Stadt zum Essen (chinesisch) und auf dem Rückweg investiere ich Urlaubs- und Geburtstagsgeld in ein neues Spielzeug und kaufe mir eine GoPro Kamera (für Interessierte: die Hero5 Session). Demnächst dann also hoffentlich Aktion-Fotos…

Am Abend treffen wir uns mit den Crews von KISU und MARIPOSA wieder in der schönen Bar an dem kleinen See. Die netten Begegnungen gehören für mich zu den Highlights dieser Reise. Paul hat sich mit ein paar Crewmitgliedern von großen Seglern angefreundet und besucht sie auf ihrem Schiff.

Sonntag, 12. November 2017

Tag 132 - Santa Cruz: Die Karten werden neu gemischt

Auch wenn es auf den Bildern so aussieht, als würden nur Ralf und Paul arbeiten, so habe ich auch eine lange Liste, die ich abarbeite oder es zumindest versuche. Heute haben wir unsere Papier-Seekarten umsortiert. Alle „durchsegelten“ Karten von Holland, Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal sind ganz nach unten in das Fach unter meine Koje gewandert. Die Ostküste der USA ist auf Vollständigkeit geprüft und nach oben gelegt worden. Und im Kartentisch liegen jetzt die Karten der Karibik und der Übersegler für den Atlantik.
Dann waren die elektronischen Seekarten an der Reihe – das ist mein Gebiet. Unsere Karibik-Karten sind von NV-Verlag und es gibt dazu eine kostenlose App. Mit einem Code können dann die entsprechenden elektronischen Karten geladen werden. Außerdem habe ich auch die Navionics-Karten auf dem Smartphone. Hier war ein Update fällig. Als letztes wollte ich auch noch die Navionics-Karte für unseren Plotter (wie ein Navi im Auto) updaten. Dabei stellte sich heraus, dass ich die Karibik- und USA-Karten nicht aktivieren kann, da ich eine Update-Version habe aber keine alten Karten, zu denen das Update gehört… Also muss ich versuchen, morgen dort jemanden zu erreichen.

Während ich mich mit der Elektronik herumquäle haben Ralf und Paul noch die Winschen am Mast gewartet. Dazu wurden sie zunächst entfettet und dann neu geschmiert (teilweise mit Fett, teilweise mit Öl). Ich kann nur sagen, dass die zum Entfetten verwendete Verdünnung entsetzlich stank und ich unter Deck nahezu ohnmächtig wurde. Die Tatsache, dass wir wieder Calima (Wüstenwind) mit Temperaturen über 30°C hatten, half dabei auch nicht wirklich…
Selbst nach Einbruch der Dunkelheit arbeiteten die beiden noch weiter (dazu muss man allerdings sagen, dass es schon früh dunkel wird, schon kurz nach 18:00 Uhr geht die Sonne unter.)

Samstag, 11. November 2017

Tag 131 - Santa Cruz: Chaos an Bord

Weiter geht es mit den Vorbereitungen. Wir haben unser Beschattungs-Modell fertig, um es Eduardo zu zeigen, der es für uns nähen soll. Er kommt auch pünktlich und macht einen kompetenten Eindruck, aber er spricht nur Spanisch. Eigentlich hatten wir ja auf Paul gesetzt, der fünf Jahre Spanisch in der Schule hatte, aber bisher hat der noch nicht mit großen Sprachkenntnissen geglänzt. Mit Händen, Füßen und Zeigen hoffen wir uns trotzdem verständlich gemacht zu haben. Wir sind gespannt ob und was am nächsten Mittwoch geliefert wird… Dann starten wir zum großen Backskisten-Ausräumen. Es ist ganz erstaunlich, was dort alles hineinpasst und schon bald haben wir Chaos im ganzen Schiff.
Ziel der Aktion waren unter anderem die vielen Konserven, die wir noch in Deutschland gekauft hatten und die bisher unter dem Boden der Backskiste gestaut waren, denn wir konnten bisher ja noch überall frische Lebensmittel kaufen. Nun habe ich alles neu sortiert und es wird dann irgendwo besser erreichbar im Bauch der Triton verschwinden.
Zwischendurch winken wir noch der YUANA, die heute – zusammen mit sieben anderen Booten aus der ersten Gruppe – Richtung Kapverden startet. Die Fahrt der Boote (und ab 18.11.17 dann auch unsere) kann getrackt werden: klick. Von unserer letzten Woche gibt es einen netten Bericht (mit Fotos auch von uns) auf der Cornell-Seite: klick. Als wir uns verabschiedeten hieß es: „Auf Wiedersehen in Barbados!“
Ralf zerlegt noch unsere alte Badeleiter, denn vielleicht können wir die Rohre noch gebrauchen. Sie wandern zusammen mit Land-Schuhen und jeder Menge Wasserflaschen auf den Platz ganz unten in der Backskiste und auch das Chaos wird wieder beseitigt.
Inzwischen beschäftige ich mich mit Listen: To-Do-Listen, Staulisten, Einkauflisten, Zeitplänen etc. Aber wir haben das Gefühl, dass die Triton schon in einem guten Zustand ist und wir auch schon eine Menge Lebensmittel und Getränke an Bord haben. Ich brauche aber noch ein WLAN, vielleicht in einem Café, um unsere elektronischen Seekarten zu aktualisieren.

Abends gehen wir noch mit unseren dänischen Freunden von der NALA DANICA auf ein Bier in die Stadt, später kommt auch noch die Crew der XENIA dazu.
Beide Schiffe wollen morgen los, zu den Kapverden oder direkt in die Karibik. Wir immer gibt es viel zu erzählen und wir haben einen netten Abend vor der nächtlichen Kulisse von Santa Cruz.

Donnerstag, 9. November 2017

Tag 129 - Santa Cruz: Strategie und Taktik

Für Paul beginnt der Tag heute sehr früh, denn er begleitet Leonie um 6:30 Uhr zum Busbahnhof. Wir lassen uns dann aber noch etwas Zeit, bevor wir mit der Arbeit beginnen. Für unsere neue Cockpit-Abschattung wollen wir ein Modell aus Plastik bauen, um zu sehen, ob es passt. Ralf und Paul kleben Plastiksäcke zusammen.
Unerwartet kommen dann Luc und Nera vom Cornell-Team vorbei und wollen die Sicherheitsinspektion machen. Wir dachten, der Termin wäre erst morgen. Egal, wenn sie schon mal da sind, dann wird der Punkt eben gleich erledigt. Es gibt eine lange Checkliste, bei der glücklicherweise die meisten Punkte schon von uns vor der Abfahrt oder in den ersten Wochen erledigt worden sind. Aber wir bekommen noch ein paar sinnvolle Anregungen, z.B. binde die Rettungsinsel jetzt schon am Boot fest, denn möglicherweise vergisst du das dann bei der ganzen Aufregung im Notfall…
Bis das alles erledigt ist, können wir nur noch eine Kleinigkeit essen und dann geht es wieder in den Real Club Náutico für die nächsten Seminare. Doina Cornell (die Tochter von Jimmy) spricht über Klimawandel und Ozeane am Beispiel ihrer persönlichen Erfahrungen in der Arktis und im Südpazifik und stellt zwei Forschungsprojekte vor, an denen wir während der Überquerung teilnehmen können. Es geht um Beobachtung und Meldung von Seevögeln und Plastikmüll. Jimmy Cornell selbst informiert uns über Strategie und Taktik der Atlantiküberquerung und über die weitere Routenplanung. Außerdem gibt er verschiedene Tipps, z.B. zu Downwind-Segeln und Ankergeschirr.
In den Pausen gibt es wieder Gelegenheit, sich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen und die schönen Räumlichkeiten des Segelclubs zu genießen.
Abends schauen wir uns noch einige der sehr großen Boote an, die mittlerweile an unserem Steg liegen. Ich freue mich immer über meine zwei Männer im Gleichschritt…
Paul geht noch los, um die ADVENTURESS zu besichtigen, einen klassischen Schoner von 1924. Er kommt total begeistert zurück und ist kurz davor, zu desertieren, wenn denn ein Platz dort frei wäre… So muss er sich damit begnügen, mit Ralf über das Boot zu fachsimpeln.

Dienstag, 7. November 2017

Tag 127 - Santa Cruz: Viele Begegnungen

Nun beginnt wieder eine neue Phase, denn wir haben uns heute offiziell im Odyssey-Büro angemeldet und unsere Startnummern bekommen. Zum ersten Mal seit unserer Abfahrt habe ich wieder neue Termine in meinen Kalender eingetragen. Außer Geburtstagen und den Ankunftszeiten von Familie und Freunden stand da nur der mehrtägige Termin: Sabbatical. Aber in den nächsten Tagen sind wir mit unserer Gruppe von Seglern unterwegs.
Zuerst gehen wir aber zurück aufs Boot und machen uns Gedanken über einen Sonnenschutz, den wir auch während des Segelns verwenden können. Mit unserem jetzt erhöhten Bimini sind wir im Hafen sehr zufrieden, aber für unterwegs fehlt noch etwas. Mit einem Mittelcockpit und dem dahinter angebrachten Traveller (Schiene, auf dem die Großschot hin- und her bewegt werden kann) ist das gar nicht so einfach, denn wir wollen ja nicht vor lauter Bequemlichkeit unsere zum Segeln wichtigen Leinen nicht mehr richtig bedienen können.
Ralf macht leckere Hackfleischbällchen mit und ohne Feta und ich backe ein paar Schoko-Bananen-Muffins (bitte die netten Bananensegel bewundern), denn heute Abend gibt es ein „Potluck“, d.h. jeder bringt etwas mit.
Als wir gerade loslaufen wollen gibt es ein richtiges Gewitter mit kräftigem Regen – so etwas haben wie seit England nicht mehr gehabt. Aber wir haben ja alle Ausrüstung an Bord und so kommen wir und unserer Köstlichkeiten sicher am Treffpunkt an. Es gibt schon eine lange Tafel, alle haben sich viel Mühe gegeben und jeder hat natürlich mehr mitgebracht, als die eigene Crew essen kann.
Vom fotografischen Standpunkt ist der Raum eine echte Herausforderung, denn Licht gibt es nur durch die Glastüren der danebenliegenden Büros. Aber Segler können ja – geschult durch zahlreiche Nachtfahrten – besonders gut in Dunkeln sehen und so wird es ein sehr netter Abend. Ich schaffe es gar nicht, mit allen zu sprechen, aber die mit denen ich das Vergnügen hatte, sind alle sehr nett und erzählen interessant von ihren Erlebnissen.

Montag, 6. November 2017

Tag 126 - Loro Parque: Wenn Zoo, dann so!

Eigentlich wollten wir erst mit unseren Enkeln wieder in den Zoo gehen, weil wir so viele Winter-Sonntage in mit unseren Kindern in diversen Tierparks verbracht haben. Aber kürzlich haben wir für meinen Neffen eine Ausnahme gemacht und heute wollen wir in den Loro Parque, der von Tripadvisor als bester Zoo der Welt ausgezeichet wurde.

Zoo ist eine Sache, die bei mir gemischte Gefühle auslöst. Auf der einen Seite sind wilde Tiere eingesperrt, damit ich sie zu meinem Vergnügen anschauen kann. Das gilt insbesondere, wenn es sich um intelligente Tiere handelt, die in Freiheit ein großes Revier beanspruchen und noch mehr, wenn diese Tiere noch in Shows vorgeführt werden. Auf der anderen Seite leisten Zoos auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz und gegen das Aussterben von Arten. So hat der Loro Parque extra dafür eine Stiftung gegründet und im Park selbst wird wissenschaftlich gearbeitet, z.B. mit Papageien. Wir konnten beobachten, wie ein junger Wissenschaftler einen Papagei getestet hat. Das Tier sollte mit einem Stab als Werkzeug eine Nuss aus einer Kiste holen.

Mit einem von einen Deutschen in den 70er Jahren gegründeten Papageienpark hat auch alles angefangen (Loro = Papagei). Mittlerweile beherbergt der Park wesentlich mehr Tierarten und es gibt verschiedene Shows. Wenn wir schon mal da sind, wollen wir auch die Vorführungen sehen und wir beginnen mit den Seelöwen. Alle vier Tiere sind begeistert bei der Sache, aber der älteste Seelöwe ist ein absoluter Profi und beherrscht ganz lässig die Bühne.
Danach waren die Delfine an der Reihe. Vier Trainer und acht Delfine zeigten teilweise spektakuläre Sprünge (also gesprungen sind überwiegen die Delfine…) Mir erschien das Becken sehr klein, aber es gibt wohl noch weitere Becken, die von den Besuchern nicht eingesehen werden können.
Die nächste Show bestritten die großen Verwandten, die Orcas. Im Loro Parque gibt es zur Zeit sechs davon, vier wurden aus den USA ausgeliehen, einer wurde im Park geboren und der letzten, Morgan, ist ein Findelkind und – sehr ungewöhnlich und sehr unpraktisch für jemanden mit Echo-Ortung – schwerhörig. Daher wurde er nicht wieder ausgewildert. Es hat verschiedene Zwischenfälle mit Angriffen auf Trainer gegeben und dabei auch einen Todesfall. Seither wird mit den Orcas keine Wasserarbeit mehr gemacht. Die Tiere sind eindrucksvoll groß, aber die Vorführung selbst ist wesentlich langweiliger als die der Delfine.
Hier hatte ich auch kein gutes Gefühl, was die Größe des Beckens und überhaupt die Haltung dieser Tiere im Zoo betrifft. Wesentlich besser als die Show war die Publikums-Kamera vor der Vorführung. Auch Paul und Leonie waren im Bild und wurden zum Küssen aufgefordert. Das ließen sie sich natürlich nicht 2x sagen.
Wir waren auch noch in der Loro-(Papageien)-Show. Die war allerdings eher etwas für Kinder mit Vögeln, die Fahrrad oder Feuerwehrauto fuhren… Meine Favoriten waren die Papageien in der Großvoliere „Katandra Treetops“ bei der wir auf Hängebrücken durch die Anlage liefen und die Vögel Auge in Auge bewundern konnten.
Auch das „Pinguinarium“ war sehr schön und aufwendig gestaltet mit echtem Schnee und einem Förderband, das langsam an der Scheibe vorbeifuhr.
Katzen in Käfigen gefallen mir nicht so gut, weil ich von unseren eigenen Katzen die Reviergröße kenne. Der weiße Tiger lief auch entsprechend unruhig hin und her, aber die Löwen machten einen sehr zufriedenen Eindruck.
Das Aquarium zeigte viele Fische und einen Haitunnel. Vergleichbares haben wir aber schon öfter gesehen.
Da war schon eher das riesige Becken mit kanarischen Sardinen beeindruckend.
Bei den Menschenaffen habe ich – besonders wenn sie mich direkt ansehen – immer den Eindruck, dass nur ganz, ganz wenig gefehlt hat und unsere Rollen wären vertauscht mit mir auf der anderen Seite der Scheibe…
Die ganze Anlage ist unglaublich gepflegt und auch die Tiere wirken überwiegen entspannt und sind in gutem Zustand. Trotzdem verlasse ich den Park wie ich hineingegangen bin: mit gemischten Gefühlen.