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Samstag, 24. Juli 2021

Tag 27 - Le Havre: An Bord und an Land

Ich habe gestern ganz vergessen zu schreiben, dass es mir gelungen ist, unser AIS wieder zum Leben zu erwecken. Die größte Herausforderung war es, auf der Webseite des Herstellers die richtige Software zum Herunterladen zu finden und ein passendes Kabel käuflich zu erwerben. Nachdem das Gerät dann mit dem Laptop verbunden war, konnte eine Diagnose erfolgen.
Ich habe heute einiges an Bord zu erledigen (ich sage nur Finanzamt...), so dass Ralf alleine mit dem Fahrrad losfährt und jede Menge Einkäufe erledigt. Insgesamt kommt er 2x mit Lebensmitteln und Getränken, weil er nicht alles aufladen konnte. Außerdem besucht er den Schiffsausrüster - leider gibt es keine Fotos. Nach den Finanzen habe ich auch noch einen Video-Call an meinem Arbeitsplatz am Kartentisch. Wie gut, dass heute so viel online erledigt werden kann, sonst könnten wir nicht so lange unterwegs sein.
Zwischendurch muss ich ab und zu aufstehen, um die Luken zu schließen wenn wieder ein Regengebiet durchzieht. Dann wieder öffnen, denn sonst wird es stickig.
Ralf nutzt die Zeit, um einen Ring aus Dyneema (sehr leichte, sehr reißfeste Leine) zur Befestigung unserer Dirk (verhindert, dass der Großbaum herunterfällt, wenn das Segel unten ist) zu spleißen.  Die alte Leine hatte sich nach und nach am Knoten durchgescheuert und wäre zu kurz geworden, wenn wir das einfach abgeschnitten hätten.
Zum Abendessen gibt es einen Favoriten: Kartoffeln mit Quark - Ralf hat frische Kräuter und neue Kartoffeln bekommen und es ist wirklich sehr lecker!
Nun müssen noch die Fahrräder verpackt werden, denn morgen wollen wir auf jeden Fall weitersegeln. Die Räder sind sehr praktisch und erweitern unseren Radius enorm, aber sie müssen natürlich jedesmal an- und von Bord getragen und auf- und abgebaut werden. Ralf wird allerdings durch ständige Übung immer schneller!
Zum Abschluss noch ein Beitrag zu schönen/interessanten/lustigen Schiffsnamen - ein deutsches Wort als Name für ein englisches Schiff? Eine erste Recherche zum im Englischen verwendeten deutschen Worten ergab keine Übereinstimmung. Es gibt zwar jede Menge davon (z.B. Kummerspeck, Schadenfreude, Weltschmerz, Wunderkind, Doppelgänger, Kindergarten), aber "Lebenskunst" ist nicht dabei.

Freitag, 23. Juli 2021

Tag 26 - Le Havre: Wiederaufbau aus Beton

Im 2. Weltkrieg wurde Le Havre durch Bombenangriffe zu etwa 80% so zerstört, dass eine Reparatur der Gebäude nicht mehr möglich war. Der Architekt, Bauunternehmer und Stadtplaner Auguste Perret (1874-1954) erhielt den Auftrag, eine neue Hafenstadt zu planen. Zusammen mit einen Team aus 60 Architekten entwarft er lange Straßenachsen, und moderne Gebäude mit klaren Linien. Als Baustoff wurde Beton verwendet, der mit zermahlenen Schutt gefärbt wurde. So entstand eine einheitlich geplante Betonstadt für 60.000 Menschen, die UNESCO-Welterbe ist. Gestern habe ich schon ein Bild von Saint Joseph von außen gezeigt - die Kirche sieht wie ein Leuchtturm aus. Heute haben wir auch das Innere besichtigt und wir waren schwer beeindruckt.
Der 107 m hohe Turm ist von innen offen und die über 12.000 bunten Glasfenster leuchten in klaren Farben - kalte Töne im Osten und Norden, warme im Westen und Süden. Dabei werden die Farben nach oben heller um die Spiritualität des Ortes zu symbolisieren.
In der Tourist Information haben wir uns einen Plan mit interessanten Orten besorgt und so besuchen wir auch die Markthallen mit ihrem typisch französischem Angebot: Käse, Pasteten, Fisch und Meeresfrüchte, Tartes, Macarons...
Wir besichtigen das Kulturzentrum "Le Volcan", geschaffen vom Architekten Oskar Niemeyer, eines brasilianischen Architekten, der z.B. auch viele Gebäude in Brasilia entworfen hat. Im großen Kegel ist ein Theater untergebraucht, im kleinen eine städtische Bibliothek.
Auch von innen ist die Bibliothek sehenswert, da von oben Licht in die Räume fällt - und wieder wurde der Baustoff Beton verwendet.
Direkt gegenüber von Le Volcan steht das Kriegerdenkmal vor typischen Beton-Häusern mit ihren geometrischen, klaren Formen und strukturierten Fassaden. 
Leider können wir ein original 50er Jahre Appartement in einem der Häuser nicht besichtigen, da das nur mit Führung geht und alle für heute ausgebucht sind. Statt dessen schauen wir uns "Catène de Containers", eine Skulptur die für "500 Jahre Hafen" im Jahr 2017 von Vincent Ganivet geschaffen wurde (siehe Titelbild). Von Auguste Perret selbst entworfen ist das neue Rathaus, aus - man ahnt es schon - Beton mit einer klaren Form ohne Verzierungen.
Wir wollen noch in das Schwimmbad (aus Beton natürlich), aber vorher müssen wir für Ralf noch eine neue Badehose besorgen, denn Badeshorts sind hier - aus welchen Gründen auch immer - streng verboten. Endlich können wir auch mal unsere Impf-Zertifikate vorweisen, denn diese sind für den Eintritt erforderlich.
Über den Tag haben sich immer mehr Wolken gebildet und auf dem Rückweg sieht der Himmel über dem Meer schon recht bedrohlich aus. In der Ferne ist schon Wetterleuchten zu sehen.
Wir schaffen es aber noch an Bord, bevor es anfängt zu regnen. Im Moment pustet draußen ein recht kräftiger Wind. Mal sehen, wie es morgen aussieht. Je nach Wind und Wetter wollen wir weiter nach Honfleur auf der anderen Seite der Seinemündung.