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Donnerstag, 26. Juli 2018

Tag 387 - Morris Cove-Fishers Island: Mit dem Strom

Bis zu unserem Ziel, Fishers Island (ohne Apostroph) sind es knapp 43 sm, also ca. acht Stunden Fahrt. Wir wollen natürlich die Strömungen so gut wie möglich nutzen und entscheiden uns für zwei Stunden gegen uns und sechs Stunden mit uns. Daher geht es gegen acht Uhr los und ist dann erst einmal richtig ungemütlich.

Wir müssen gegen Wind und Welle durch ein enges Fahrwasser aus unserer Bucht motoren. Die Wellen sind so kurz und steil, dass die Triton sich darin feststampft und dazu kommt noch der Gegenstrom. Es wird etwas besser, als wir auf Kurs gehen und die Segel hochziehen, aber dafür beginnt es zu regnen.
Aber – wie so oft – lohnt es sich, loszufahren, denn die Bedingungen werden immer besser. Nach zwei Stunden kippt wie geplant der Strom und beginnt, uns in die richtige Richtung zu schieben. Wir segeln zwar noch hart am Wind, so dass Ralf ein Stück per Hand steuert, aber der Regen ist erst einmal vorbei.
Später können wir dann sogar die Segel etwas herauslassen, die Wellen werden kleiner und es wird doch noch ein schöner Segeltag. Durch den Schiebestrom bekommen wir Meilen „geschenkt“ (weil wir mehr über Grund fahren als durchs Wasser) und so kommen wir früher als erwartet in unserer Ankerbucht an. Für heute Nacht ist wieder eine Front aus Süden vorhergesagt und so haben wir uns einen Platz ausgesucht, der besonders gut nach Süden geschützt ist.
Wir holen noch das Dinghy an Bord, um nachzusehen, ob es vielleicht ein Leck hat, weil in den letzten Tagen mehr Wasser als erwartet im Boot war. Wie sich herausstellt, waren (durch das Beachen) kleine Steine im Drehverschluss es Stopfens und der war dadurch undicht. Bei der Gelegenheit wir auch gleich der Bewuchs vom Boden entfernt.
Heute haben wir keine Lust, noch den Motor anzuhängen und an Land zu fahren – auch weil es jeden Moment wieder anfangen kann zu regnen. Stattdessen bleiben wir an Bord und lesen. Ich habe in eine Zeitung Buchempfehlungen für Fans von Game of Thrones gelesen und mir dann „An Ember in the Ashes“ von Sabaa Tahir für meinen Kindle gekauft. Spannend, aber kein Vergleich zu GoT. Ich hoffe, dass George R.R. Martin es noch schafft, die fehlenden Bände zu veröffentlichen, bevor er stirbt… Er hat wohl zu viel mit den TV-Serien zu tun…

Tagsüber haben wir wieder kaum andere Boote gesehen. Langsam frage ich mich, wann hier Saison ist (wenn nicht jetzt) und warum hier sonst niemand unterwegs ist. Auch wenn es hier in USA weniger Urlaubstage gibt als bei uns: irgendjemand muss doch irgendwann mal in diesem netten Revier hier segeln. Wenigstens sehen wir dann einige Boote in der üblichen Mittwochs-Regatta.

Dienstag, 24. Juli 2018

Tag 385 - Sheffield Island-Bridgeport: Spaß auf See und an Land

Seit gestern sind wir in Connecticut und damit in New England, dem nordöstlichsten Zipfel der USA, angekommen. Nach einer recht ruhigen Nacht vor Anker haben wir heute einen abwechslungsreichen Tag. Morgens geht Ralf erst einmal in den Mast, um die „Lazies“ zu reparieren, Leinen, die dafür sorgen, dass das Großsegel beim Herunternehmen auf dem Baum liegen bleibt. Paul leiert ihn bis auf halbe Höhe.
Dann machen wir uns auf den Weg weiter den Long Island Sound entlang. Los geht es bei Sonne und Wolken und mit voller Besegelung. Leonie, der Segeln ganz offensichtlich Spaß macht, steuert wieder ein Stück, aber im Hintergrund schließt Ralf schon „James“ unsere kleine Selbststeueranlage an. Trotzdem wird uns nicht langweilig, denn es tauchen ab und zu dunkle Wolken auf, aus denen kräftiger Wind kommt. So nach und nach binden wir nacheinander Reffs in Groß und Fock.
Zwischendurch haben wir dann immer wieder Sonnenschein und wir sind bei relativ kleine Wellen sehr flott unterwegs. Ich meine dazu: „Schöner wird Segeln nicht mehr!“ und werde den ganzen Tag von den anderen mit dem Spruch aufgezogen.
Weil Leonie und Paul morgen mit dem Zug nach New York zurückwollen, haben wir uns für heute eine größere Stadt und eine Marina ausgesucht und laufen „Captain’s Cove Seaport“ in Bridgeport an. Dort bekommen wir einen sehr guten Platz.
Der Eigner der Marina ist seines Zeiches Jäger und Sammler und hat alle möglichen und unmöglichen Memorabilia zu maritimen Themen gesammelt. Wir probieren eine ganze Reihe davon aus und haben auch dabei wieder viel Spaß zusammen.
An Wochenenden steppt hier der Bär mit Livemusik und über 300 Gästen, aber heute ist Montag und daher ist es recht ruhig. Wir bekommen ein typisch amerikanisches Abschiedsessen mit Burgern, Pommes und Seafood. Den Nachtisch (Schokopudding mit frischen Früchten) nehmen wir dann an Bord ein. Es war sehr schön, Leonie und Paul hier zu haben und wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen.

Montag, 23. Juli 2018

Tag 384 - Port Washington-Sheffield Island: Regen und Sonnenschein

In der Nacht ist tatsächlich eine Front mit reichlich Regen und Wind durchgezogen, aber nicht so stark, wie vorhergesagt, zumindest zeigt der Windreport von Port Washington zwar kräftige Böen, aber nicht mit 40 Knoten Wind.
Am Morgen mache wir dann unsere zusätzliche Festmacherleine wieder los und fahren erst einmal zur Tankstelle, die wir nur etwas bis zur halben Tide anlaufen können. Dort nehmen wir Wasser, Diesel und Benzin (für den Außenborder). Unsere Gasflasche hatten wir in der Liberty Landing Marina füllen können, so dass wir jetzt wieder gut ausgestattet sind. Dann binden wir uns nochmal an einer Tonne fest zum Frühstücken.
So gestärkt fahren wir dann – erst einmal nur unter Fock – aus der Manhassat Bay wieder hinaus auf den Long Island Sound. Leonie steuert und macht das nach anfänglichem „Seeschlangen suchen“ ganz prima. Die Sonne kommt heraus und wir setzen auch noch das Groß. Es sind einige andere Boote unterwegs und wir fahren mitten durch ein Regattafeld.
Kurz vor unserem Ziel, den Norwalk Islands an der Nordseite der Bay, übernimmt dann Paul, um das letzte Stück zu steuern. Hinter den Inseln gibt es verschiedene Ankerplätze und gleich der erste gefällt uns so gut, dass wir hier bleiben.
Die Insel, hinter der wir liegen, heißt Sheffield Island und wir sehen einen Anlegesteg und ein sehr hübsches „Lighthouse“. Die Jugend geht lieber schwimmen, aber Ralf und ich fahren mit dem Dinghy an Land. Wie sich herausstellt, können wir nicht am Steg anlegen, da die Tür zum Land mit einer dicken Kette verschlossen ist, also entscheiden wir uns zu „beachen“ und landen mit dem Beiboot am Strand. Dort finden wir die Überreste von „Horseshoe Crabs“ (Pfeilschwanzkrebsen), die schon seit 450 Millionen Jahren auf der Erde leben und daher als lebende Fossilien bezeichnet werden. Funfact: die Tiere haben tatsächlich blaues Blut (Hämocyanin statt Hämoglobin zum Transport von Sauerstoff).
Große Teile der Insel sind Naturschutzgebiet aber es gibt angelegte Wege und wir laufen ein Stück durch den Wald. Zur Natur, die hier geschützt wird, gehören aber offensichtlich auch zahlreiche sehr blutdurstige Moskitos, die auch am Tag stechen und sich sehr über uns Besucher freuen – wir überlassen ihnen die Insel und kehren schnell wieder um. Durch die Bäume können wir einen Blick auf die TRITON werfen.
Zurück am Strand ist das Wasser, in der knappen Stunde, die wir hier waren, ganz erheblich gestiegen – gut dass wir das Dinghy festgebunden hatten! Mittlerweile hat es angefangen zu regnen. Wir warten auf eine kurze Regenpause und fahren dann zurück zum Boot, wo Paul netterweise die Kuchenbude schon aufgebaut hat.
Gut geschützt können wir dann etwas später das Abendessen machen. Heute gibt es ein Lieblingsessen „Pizzatoast“ die im Gasbackofen ganz besonders lecker und knusprig werden. Während ich das hier schreibe, hat es draußen wieder angefangen, heftig zu regnen. Gleich ein Test für unsere neue Imprägnierung, die sich bis jetzt bewährt. Auch das alte Teakdeck ist mittlerweile so weit aufgequollen, dass ich keine „chinesische Wasserfolter“ mehr auf meinen Kopfkissen habe.