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Dienstag, 27. Februar 2018

Tag 238 - Bequia-Karibisches Meer: Kurs Martinique

Wir nehmen Abschied von Bequia und damit auch von „St. Vincent und den Grenadinen“ wie der Staat offiziell heißt. Die Hauptinsel St. Vincent wollen wir nicht besuchen, denn sie hat in Seglerkreisen einen ganz schlechten Ruf. Es gab verschiedene Überfälle, bei denen vor zwei Jahren sogar ein Segler getötet wurde, diverse Diebstähle und die „Boatboys“ sollen zum Teil sehr unangenehm und fordernd sein und nicht freundlich und hilfsbereit wie wir sie bisher kennengelernt haben. Gerade haben wir Freude getroffen, die erzählen, dass sie sich dort sehr unwohl gefühlt haben. Auch an St. Lucia fahren wir vorbei, denn diese Insel haben wir schon besucht. Also nehmen wir direkt Kurs auf Martinique, wo hoffentlich unser neues Beiboot auf uns wartet.

Das bedeutet eine Strecke von rund 95 sm, mindestens, denn der Wind kommt ziemlich von vorne und wir vermuten, dass wir nicht direkt zum Ziel fahren können. Nach vielen Tagen mit Starkwind sind die Bedingungen aber heute wesentlich besser. Der Wind hat Stärke 4-5 und der Seegang ist entsprechend angenehmer. Das erste Stück ist noch nicht hart am Wind, die Sonne scheint und die TRITON läuft prima – so schön kann Segeln sein!

Später müssen wir dann anluven und in der Abdeckung der Inseln teilweise etwas mit dem Motor mithelfen, aber insgesamt läuft es sehr gut. Auch die Stücke zwischen den Inseln, in denen es sonst manchmal heftig bläst sind diesmal nicht dramatisch. Um 18:00 Uhr geht dann die Sonne unter und um 20:00 Uhr lege ich mich hin und überlasse Ralf die erste Wache. Am Himmel schein ein silberner Mond und wir gleiten durch die Nacht.

Sonntag, 18. Februar 2018

Tag 230 - Tobago Cays: Wartungsarbeiten

Irgendjemand hat mal gesagt: „Segeln bedeutet, an den schönsten Orten der Welt sein Schiff zu reparieren…“ Und weil wir lieber Wartungsarbeiten durchführen als nachher Stress zu haben, wenn etwas ausfällt stehen heute Arbeiten von der (niemals endenden) To-Do-Liste auf dem Programm. Als erstes bekommen die Steuerseile liebevolle Zuwendung. Sie werden gespannt und alle Rollen werden eingefettet. Im Bild der Ruderquadrant, an die Seile befestigt sind.
Während Ralf das erledigt, kümmere ich mich mal wieder um die Verwaltung. Es gibt offizielle Post zu bearbeiten und wieder ist es gut, dass ich so viele Informationen in die Cloud geladen habe. So kann ich die Fragen von hier aus beantworten. Ich erstelle das Fotoalbum für Michael und will sein Unternehmen auf auf Google Maps erfassen. Bei der Gelegenheit stelle ich fest, dass die Inseln hier in Maps falsche Namen haben.
Der nächste Punkt auf der Liste ist das Fockfall (Leine mit der das Vorsegel hochgezogen wird). Wir hatten es vor der Atlantiküberquerung geprüft, und festgestellt, dass es ca. 50 cm vom Schäkel entfernt im Inneren des Mastes eine Scheuerstelle bekommen hatte. Damals hatte wir es dann entsprechend gekürzt. Nun sind wir seitdem ja wieder rund 3.000 sm gesegelt und daher wollen wir es wieder prüfen. Ralf steigt also in den Mast und wird von mir gezwungen, die GoPro mitzunehmen, die ich von unten steuern und auslösen kann.
Tatsächlich stellt sich heraus, dass das Fall genau an der gleichen Stelle wieder angescheuert ist. Nach einigem Überlegen entscheiden wir, dieses Fall komplett gegen das zweite Fockfall auszutauschen. Das bedeutet, dünne Pilotleinen durch den Mast zu ziehen, immer etwas problematisch, die Stellen, an denen die Leinen zusammen sind, durch die verschiedenen Rollen zu bekommen. Aber es klapp erstaunlich gut und wir können alles wieder zusammenräumen.

Dann muss Ralf nochmal in den Mast, um das neue Fall oben am Vorsegel zu befestigen. Meine sportliche Betätigung besteht darin, ihn bei den Mastbesteigungen mit dem Großfall zu sichern und entsprechend hochzuleiern und wieder abzulassen.
Nach diesen Anstrengungen muss ich mich etwas ausruhen, zumal heute „Nach-MTX-Schlapp-Tag“ ist. Ich ziehe mich also zum Lesen und für einen Nachmittagsschlaf zurück. Neben „Enlightenment Now“ (s.o.) habe ich – inspiriert von den traditionell gebauten Damen auf Carriacou – wieder einen Botswana-Krimi mit Mma Ramotswe gelesen. Das sind sehr einfach erzählte Bücher, fast wie Märchen, die aber einfach eine gute Stimmung vermitteln. Neu angefangen habe ich „The Fifth Season“ von N.K. Jemisin, den ersten Teil einer dreiteiligen Fantasy-Serie, der sehr gelobt wird und den Hugo Award gewonnen hat. Ich bin erst am Anfang, aber bisher ist er vielversprechend: eine interessante Welt, ein ungewöhnliches Konzept und verschiedene Erzählperspektiven.

Morgen wollen wir weiter und daher packen wir nach dem Abendessen noch den Motor und das Beiboot weg und nehmen eine Dusche an Deck, sehr erfrischend. Jetzt wollen wir gleich noch einen Film über Traditionellen Bootsbau auf Carriacou anschauen.

Samstag, 17. Februar 2018

Tag 229 - Tobago Cays: Karibischer Traum

In den Tobago Cays sieht es so aus, wie ich mir die Karibik vorgestellt habe: klares, türkisfarbenes Wasser, weißer Sand, Palmen, Segelboote vor Anker… Das mit dem Ankern ist allerdings nicht so einfach. Beim Frühstück bekommen wir daher „Ankerkino“ zu sehen. Wir liegen in einer schmalen Durchfahrt zwischen den Inseln Petit Rameau und Petit Bateau, die noch zusätzlich schmaler wird, weil rechts und links Mooringtonnen liegen. Zuerst ankert eine Hallberg Rassy, die sich aus meiner Sicht unangenehm hin- und herbewegt und dann kommt auch noch ein großer Katamaran, der direkt davor ankert und in ihre Richtung treibt…

Glücklicherweise sehen beide ein, dass das keine gute Idee ist und holen die Anker wieder ein. Es folgt der nächste Teil: Mooring-Kino! Der Katamaran will vor uns festmachen, erwischt die Mooring aber nicht gleich und treibt jetzt in unsere Richtung. Wir machen die „Erdmännchen“ wie die AKKA das treffend nennt, und beobachten das Manöver. Aber schließlich sind alle fest und wir können unser Frühstück entspannt beenden. Dann fahren wir mit dem Beiboot zum Außenriff. Die Farbe des Wassers ist einfach einmalig schön!
Dort laufen wir zunächst über die Insel, weil es dort Leguane geben soll. Und tatsächlich finden wir ein Exemplar ganz in Weiß. Ich schleiche mich immer näher heran und mache Bilder bis ich schließlich die Fluchtdistanz überschreite und er leicht empört im Gebüsch verschwindet.
Von hier aus haben wir auch eine schöne Aussicht über die zahlreichen ankernden Boote. Wirklich ein schöner Platz. Besonders beeindruckt sind wir den Kite-Surfern und einem Katamaran, der außen ankert und sich mit Kites rechts und links ausbalanciert.
Meine Tauchmaske ist zwar verschwunden, aber ich darf die von Ralf benutzen, weil sie bei ihm durch den Bart nicht richtig dicht ist. Die Sonne scheint und daher klappt es etwas besser mit den Unterwasserbildern. Allerdings sehe ich keine Schildkröte, die es hier zahlreich geben soll. Mir fehlt der Vergleich, aber das Unterwasserleben kann mit der spektakulären Szene über Wasser nicht wirklich mithalten.
Zurück an Bord kommt Michael wieder vorbei. Ich hatte ihm versprochen, ein paar Fotos für seine Facebook-Seite zu machen und sein Unternehmen auf TripAdvisor anzulegen. Damit bin ich erst einmal gut beschäftigt. Michael hängt noch ein paar Hummer für morgen in einem Beutel unter unser Schiff. Ich hoffe, die kommen heute Nacht nicht an Bord…
Am Spätnachmittag fahren wir wieder an den Strand und ich mache noch mehr Bilder von Küche, glücklichen Gästen und unglücklichen Hummern. Wenn die Tripadvisor-Seite gelistet ist, werde ich sie hier verlinken.
Wir treffen noch die Crew der VELA DARE und bekommen als Dank von Michael ein freies Abendessen, genauso lecker wie gestern. Dabei können wir wieder den Sonnenuntergang genießen.

Freitag, 16. Februar 2018

Tag 228 - Clifton-Tobago Cays: Barbecue am Strand

Wie vorhergesagt ist heute etwas weniger Wind (nur 4-5) und wir wollen eigentlich nur zur nächsten Insel – Mayreau – fahren und morgen dann weiter zu den Tobago Cays. Wir müssen eng auf Riff vorbei, wo die Kite-Surfer ein Traumrevier haben.
Die von uns angesteuerte Bucht „Salt Whistle Bay“ auf Mayreau ist wie im Guide beschrieben sehr hübsch, aber gesteckt voll mit Booten, davon sehr viele große Charter-Katamarane. Wieder sind wir uns sofort einig, dass wir so eng nicht ankern wollen, insbesondere mit einer Mischung aus Moorings und Ankerliegern und Riffen rechts und links.
Also geht es doch heute schon zu den Tobago Cays. Das ist eine unbewohnte Inselgruppe mit einem hufeisenförmigen Korallenriff, die nur zwei Seemeilen von Mayreau entfernt liegt. Warum sie Tobago Cays heißen, obwohl sie in keiner Weise neben Tobago liegen, weiß ich nicht (aber Petit Martinique hat ja auch nix mit Martinique zu tun und die Grenadinen gehören nicht zu Grenada...) Wir befürchten, dass es dort auch sehr voll ist und wir zu spät dran sind, um noch einen guten Platz zu bekommen. Aber wie sich herausstellt, ist das ganz unbegründet. Wir bekommen noch eine freie Mooring geschützt zwischen zwei Inseln und „Michael“ hilft uns mit den Leinen und bietet uns ein Barbecue am Strand an.
Wir nehmen sein Angebot gerne an und verbringen dann einen netten Nachmittag an Bord. Hier herrscht reges kommen und gehen und das Publikum ist international. Vor uns ein Italiener und ein Engländer, hinter uns ein Tscheche, neben uns Franzosen… Auch hier gibt es wieder Strom und so sind nicht alle Zeiten günstig zum Schwimmen. Ich nehme sicherheitshalber eine Leine mit und das war auch gut so, denn es ist wie in einer Gegenstromanlage. Wir machen das Beiboot klar und Duschen und dann ist es auch schon Zeit, im Sonnenuntergang an Land zu fahren.

Dort sind unter Bäumen zahlreiche Tische aufgestellt und Lichterketten erleuchten die Szene. Auf großen Grills liegen die – teilweise noch zuckenden – Hummer und andere Leckereien. Michael erzählt uns, dass hier sechs Monate Saison ist und dass heute 150 Segler zum Abendessen gekommen sind. Es ist eine ganz besondere Stimmung und wir schauen zu, wie hinter den ankernden Boote die Sonne untergeht – wunderschön! Das Essen ist die übliche karibische Mischung: Reis, Kartoffeln, Gemüse, Kochbananen und für uns Spareribs und Hähnchenschenkel, lecker gegrillt und außergewöhnlich gut zubereitet. Zum Dessert bekommen wir noch Bananenbrot (eher Bananenkuchen).
Als Unterhaltung gibt es außer dem Sonnenuntergang dann auch noch Dinghy-Manöver zu sehen. Da hier kein Anlegesteg ist, muss man „beachen“, also mit dem Boot auf den Strand fahren oder wieder ablegen. Je nach Boot, Besatzung, Wasserstand und Wellen eine interessante Aktion. Je größer der Motor, desto schwerer das Boot, je größer das Boot, desto höher das Freibord und um so größer die Anstrengungen, das Teil ins Wasser zu bekommen und einzusteigen. Eine Crew bekommt für ihre Aktion sogar Applaus, als endlich alle an Bord sind (die letzte stand bis zur Brust im Wasser und musste mit vereinten Kräften an Bord gehievt werden)…

Donnerstag, 15. Februar 2018

Tag 227 - Tyrell Bay-Clifton (SVG): Endlich wieder Segeln!

Eigentlich müssen wir ja den Staat Grenada und damit auch Carriacou innerhalb von 24 Stunden nach dem Ausklarieren verlassen. Allerdings hatten wir geplant, noch einen kurzen Zwischenstopp an einer Mooring vor Sandy Island in der nächsten Bucht einzulegen und dort zu frühstücken… Also motoren wir das kurze Stück um die Ecke. Vor den Insel sind jede Menge Moorings frei und uns wird auch schnell klar warum: bei dem starken Wind schaukeln die zwei dort liegenden Boote wie Korken auf und ab. Als es dann auch anfängt, heftig zu regnen schauen wir uns an und beschließen einstimmig, gleich nach Union Island weiterzufahren.
Wir haben mittlerweile auch verstanden, warum diese Inseln „Windwards“ heißen, denn wenn man wie wir von Süden nach Norden segeln will, kommt der Wind durch den Bogen, den die Inselkette nach Osten macht hier oft ziemlich von vorne. Da wir nur noch 8 sm vor uns haben rollen wie die Fock aus und schon geht die schnelle Fahrt los. Zwischen den Inseln gibt es noch kräftige Strömungen, die uns jedoch heute helfen. Das führt aber auch zu der Situation „Wind gegen Strom“, die kurze, steile Wellen erzeugt. Nach der Wende auf dem „schlechteren“ Bug bekommt Ralf, der von Hand steuert, ausnahmsweise mal eine Dusche. Sonst ist die Triton durch das Mittel-Cockpit und das feste Dach nämlich ein sehr trocken segelndes Schiff.
Auf dem Plotter ist an der grünen Track-Linie sehr schön zu sehen, dass (durch den Strom) unser erster Wendewinkel ziemlich genau 90° war. Dann sind wir zu weit gefahren und mussten deswegen abfallen, um die Ankerbucht zu erreichen, daher der schlechte zweite Winkel. Die „C“ in der Karte zeigen an, dass es dort Strom gibt (Current).
Die Bucht von Clifton ist recht voll und wir brauchen drei Versuche, bis wir mit unserem Ankerplatz einigermaßen zufrieden sind. Einige Boote liegen an Mooring-Tonnen und die bewegen sich ganz anders als die Ankerlieger. Auch sonst ist der Platz nicht so prickelnd, denn das vorgelagerte Riff schützt uns zwar vor Wellen, aber nicht vor dem Wind, der immer noch mit über 20 kn bläst.
Wir aktivieren das Beiboot wieder und Ralf fährt an Land, um einzuklarieren, denn die zwischen Grenada und St. Vincent liegenden Inselgruppe der Grenadinen gehört ganz überwiegend zu St. Vincent. Zum ersten Mal liest sich tatsächlich jemand unsere Papiere durch, stellt fest, dass das Boot uns nur zur Hälfte gehört und fragt nach einer Einwilligungserklärung des anderen Eigners (Ralfs Vater), die wir nicht schriftlich haben… Schließlich klappt es aber doch mit der Bürokratie.

Eine besondere Freude ist es, dass wir hier die NALA DANICA wiedertreffen. Wir kennen uns seitdem wir hart am Wind nach Falmouth einen ganzen Tag nebeneinander hergesegelt sind, wir sind zusammen über die Biskaya gestartet und haben uns in Porto Santo, auf Madeira, Gran Canaria, Teneriffa und Barbados wiedergetroffen. Heute ist es aber wahrscheinlich ein langer Abschied, denn sie wollen durch den Panamakanal in den Pazifik und dann nach Neuseeland. Nach dem Abendessen gehen wir zusammen noch ein Bier (oder auch Rumpunsch oder Cocktail) trinken. Wir wünschen uns gegenseitig gute Fahrt und hoffen, dass wir uns irgendwo wiedersehen werden!