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Montag, 30. April 2018

Zusammenfassung: April 2018

Statistik
Seemeilen: 223
Motorstunden: 14
Segeltage: 14
Nächte auf See: 1
Liegetage: 16
Liegeplätze: 15
St. Martin: Marigot Bay (A)
USVI: St. Croix: Gallows Bay (A), SCYC (A), Buck Island (A), St. John: Great Lameshure Bay (M), Caneel Bay (M), Trunk Bay (M), St. James: Christmas Cove (M), St. Thomas: Red Hook Marina, Red Hood Bay (M)
BVI: Jost van Dyke: Great Harbour, Lee Bay, Virgin Gorda: Leverick Bay (A), Spanish Town, Anegada
                                                      
Segeln und Wetter
Der Wind kommt immer noch aus östlichen Richtungen, ist aber insgesamt mindestens eine Stärke schwächer geworden, so dass wir nur noch angenehme 4 Beaufort haben. Windstille haben wir dieses Jahr noch nicht erlebt. Hier in den nördlichen Inseln ist es wesentlich trockener, so dass wir praktisch jeden Tag blauen Himmel und Sonne haben und unsere Batterien voll laden können. Durch den Wind sind die Temperaturen gut auszuhalten.
Wir haben eine schöne Nachtfahrt von St. Martin nach St. Croix (US-Virgin Islands) und ab dann sind die Entfernungen zwischen den Inseln nur noch kurz und oft vor großen Wellen geschützt, so dass uns selbst (halbe) Tage aufkreuzen nichts ausmachen.

Boot und Ausrüstung
Am Boot waren diesen Monat nur Kleinigkeiten zu erledigen: Gummistopfen auf das Ruder der Hydrovane, damit das Dinghy nicht wieder an der scharfen Kante kaputt geht. Positionslichter und das Licht im Kühlschrank wurden ausgetauscht und ein kleiner Oktopus aus dem Kühlwasserkreis des Motors entfernt. Der Tankanschluss für den Außenborder war kaputt, aber Ralf hatte Ersatz dabei und so dauerte die Reparatur nur ein paar Minuten. Außerdem wurde die kaputte Windex im Masttop ausgetauscht, auch nur eine Sache von ca. 1/2 Stunde.

Bei der Elektronik gab es ein paar Probleme mit „Mailverstopfung“ auf dem Satellitentelefon und Memory mit diversen Telefonkarten. Wir benötigten diesen Monat die deutsche Aldi-Karte für St. Martin (EU) die Flow-Karte aus Barbados für die britischen Virgin Islands und eine neue AT&T Karte für die US-Virgin Islands (die dann hoffentlich auch auf dem Festland funktioniert).
Während ich das schreibe, ist ein Taucher dabei, unser Unterwasserschiff zu reinigen, damit die Triton auf dem Weg nach Bermuda nicht von Bewuchs gebremst wird. Dann ist Boot und Ausrüstung wirklich in gutem Zustand.

Insgesamt sind wir mit unserer alten Lady SEHR zufrieden und würden sie gegen kein anderes Boot eintauschen wollen (vielleicht, vielleicht würden wir bei einer etwas größeren HR schwach). Wir haben uns in allen Situationen sicher und gut gefühlt und kommen mit ihren Eigenheiten seht gut zurecht.

Verpflegung/Versorgung
Auf den USVI und BVI gibt es Supermärkte mit vielen Produkten. Die Auswahl an Wurst, Käse und Brot ist eher überschaubar und alles ist sehr teuer, weil es importiert werden muss. Auch auswärts Essen (bei uns meist nur ein Imbiss) und Getränke (ich sage nur Painkiller) sind teuer. Nach meinem Gefühl oft Premium-Preise für mittelmäßige bis schlechte Gegenleistung. Ein Highlight war die leckere Pizza vom Pizza-Boot in der Christmas Cove.

Crew
Wieder ein entspannter Monat, in dem wir uns gut verstanden haben. Bei allen Manövern sind die Rollen eindeutig verteilt und wir sind ein eingespieltes Team. Auch bei der Auswahl der Ziele und den Unternehmungen sind wir uns sehr einig. Wir können sehr gut zusammen reden und zusammen schweigen. Es gibt auch genug Zeit „alleine“, in der jeder sich mit sich selbst, lesen, schreiben, Musik hören, nachdenken, nicht denken beschäftigt…

Sightseeing
Wir beginnen den Monat auf St. Martin und machen dort, zusammen mit der TOCCATA, einen netten Tagesausflug mit dem Auto. Es ist unglaublich viel durch den Hurrikan zerstört worden. Der niederländische Teil der Insel war auch vorher nicht besonders hübsch, sondern zugebaut mit Bettenburgen und Spielkasinos. Aber es gibt zahlreiche schöne Strände, die auch von Einheimischen rege genutzt werden. Eine Attraktion ist der Strand direkt an Flughafen, über den die ankommenden Maschinen zum Greifen nah fliegen.
Wir besuchen die US Virgin Islands (USVI) und beginnen mit der größten, St. Croix, weil diese von Süden kommend am nächsten liegt. Erst einmal lernen wir, dass die die Inseln früher einmal dänisch waren, bevor sie von den USA 1917 gekauft wurden. Immer noch ist viel dänisch inspirierte Architektur zu sehen, die uns sehr gut gefällt. Wir erkunden die Insel mit dem Auto und sind begeistert von dem wunderbaren botanischen Garten. Im Segelclub werden wir herzlich aufgenommen und ein absolutes Highlight unserer Reise ist das Schnorcheln im Riff von Buck Island.

Unsere nächste Insel ist dann St. John, die zu 2/3 Naturschutzgebiet ist und wunderbare Buchten mit Mooringtonnen (Ankern ist im Nationalpark verboten) bietet. War St. Croix vom Hurrikan nur gestreift worden, hat er hier wieder voll zugeschlagen und es ist viel kaputt gegangen. Aber die Unterwasserwelt ist auch hier sehr schön.

Wir machen einen kurzen Stopp in der Christmas Cove (St. James), wo es ebenfalls ein Schnorchelrevier und das schon erwähnte Pizza-Boot gibt bevor wir weiter fahren zur Hauptinsel St. Thomas. Wir gehen in die Red Hook Bay an der Ostseite der Insel und sind dann mit (sehr empfehlenswerten) Safari-Bussen und einer Taxi-Tour unterwegs. In der Hauptstadt Charlotte Amalie können bis zu sechs Kreuzfahrtschiffe anlegen und in der Stadt reiht sich ein Duty-Free-Shopping-Laden an den nächsten. Auch hier hat der Hurrikan brutal zugeschlagen und fast alle Hotels sind geschlossen.

Von den US Virgin Islands ist es nur ein Katzensprung zu den British Virgin Islands und wir klarieren in Jost van Dyke ein. Hier war es sicher mal schön und hier gibt es die berühmte „Foxy’s Bar“, aber jetzt ist fast alles kaputt. Weil wir uns mit Freunden treffen wollen, lassen wir die größte Insel Tortola aus und segeln direkt nach Virgin Gorda. Dort teffen wir uns im geschützten Gorda Sound im Norden der Insel. Hier ist in der Leverick Bay schon einiges wieder aufgebaut und wir haben eine nette Zeit mit unseren Freunden.

Es kommt dann der Vorschlag, zusammen nach Anegada zu fahren, ausnahmsweise keine Vulkan- sondern eine Koralleninsel. Auch hier hat natürlich der Hurrikan zugeschlagen, aber die Welt unter Wasser ist noch in Ordnung. Dazu kommt die türkisfarbene See, weiße Sandstrände, blauer Himmel, Palmen (etwas gerupft) – ein schöner Ausflug!

Begegnungen
Wir haben den Eindruck, dass es unverhältnismäßig viele Hallberg Rassys auf Langfahrt gibt. Insgesamt wurden von der Werft nur etwa 3000 Boote gebaut (das war die Jahresproduktion von Bavaria zu guten Zeiten). Virtuell kennen wir die AKKA und die KRASSY und unterwegs getroffen haben wir die PEACH und die THYRA. Neu kennengelernt vor Buck Island haben wir die MORA, die dann leider Richtung Süden aufgebrochen ist.

Mit der TOCCATA haben wir eine schöne Zeit auf St. Martin verbracht und die YUANA haben wir – zum ersten Mal seit Barbados – auf Virgin Gorda wiedergetroffen. Dort gab es auch ein sehr schönes Wiedersehen mit der KISU und der VELA DARE (beides keine HRs) und wir waren dann alle zusammen auf Anegada.

Wir hatten eine sehr nette Begegnung mit amerikanischen Touristen am Point Udall auf St. Croix und wurden dort im Segelclub herzlich aufgenommen. Und dann sind da natürlich die Einwohner, die in der Tourismus-Branche arbeiten. Die Taxifahrer und Guides sind selbständige Unternehmer und oft eindrucksvolle Persönlichkeiten. Besonders in Erinnerung wird uns Francis, der Aktivist und Philosoph bleiben. Da gab es die Geschichtenerzählerin und die nette Polin in St. Croix, die Dame, die die Tourist-Information in Charlotte Amalie betreut und hierher gesegelt ist, den Familien-Clan, der seit Jahrzehnten Kameras verkauft  und, und, und…

Fazit
Wir hatten eine gute Zeit in den Virgin Islands. Favorit ist ganz klar St. Croix mit Buck Island. Insgesamt sind St. Martin/Sint Maarten, die USVIs und die BVIs sehr stark vom Hurrikan getroffen worden. Es ist ja nicht nur der Wind, sondern auch die herumfliegenden Teile, starke Regenfälle mit Erdrutschen, weitere Zerstörung durch Tsunamis, Verwitterung, weil das Geld zur Reparatur fehlt, fehlender Umsatz, weil Hotels, Restaurants und Geschäfte geschlossen sind etc. Die Region wird sicher lange brauchen, bis sie sich wieder erholt hat.

Trotzdem kann ich jeden nur ermutigen, hierher zu reisen. Von allem, was wir von der Karibik gesehen haben, ist das hier das einfachste und geschützteste Charterrevier mit unzähligen schönen Buchten, gutem Wetter, schöner Natur (besonders unter Wasser) und kurzen Strecken. Die Menschen brauchen die Touristen, damit hier wiederaufgebaut werden kann.

Dienstag, 24. April 2018

Tag 294 - Red Hook-Great Harbour, BVI: Über die Grenze

Boot aufräumen, Mooring loswerfen, Segel hochziehen und schon sind wir unterwegs zu den Britsh Virgin Islands. Wir fahren gegen die vorherrschende Windrichtung, denn wir sind von Westen nach Osten unterwegs. Damit wir nicht genau gegenan müssen, haben wir uns als Ziel die Insel Jost van Dyke ausgesucht, so dass wir den Kurs fast anliegen können. Heute ist es bedeckt und zwischendurch erwischt uns ein Regenschauer. Die Wolke dreht den Wind und wir kommen mit zwei kurzen Kreuzschlägen ans Ziel.
Wir fahren nach „Great Harbour“ (der gar nicht so groß ist), weil wir erst einmal einklarieren müssen. Es ist schon ziemlich voll, vorwiegend Katamarane (wahrscheinlich Charterboote), aber wir bekommen noch eine Mooring. Die wird dann auch gleich von einem netten jungen Mann abkassiert. Mit $ 30 sind wir dabei und bekommen auch gleich noch eine Quittung.
Natürlich wollen wir uns auch an Land umsehen. Es gibt einen Dinghy-Steg und einen schönen Strand, aber auch hier hat der Hurrikan brutal zugeschlagen. Von der kleinen Kirche sind nur noch die Mauern übrig.
Jost van Dyke soll angeblich nach einem holländischen Piraten benannt worden sein, aber dafür gibt es wohl keine historischen Belege. Sicher ist, dass hier in den Virgin Island zahlreiche Piraten und „Privateers“ unterwegs waren. Ein Privateer überfällt auch Schiffe, hat aber einen Kaperbrief von einer Regierung und entert daher nur solche mit einer feindlichen Nationalität… Hier gibt es einen Sir Francis Drake Channel – sicher einer der berühmtesten Freibeuter und Entdecker und auch der bekannte Pirat „Blackbeard“ Edward Teach hat hier sein Unwesen getrieben und möglicherweise einen Schatz versteckt. Leicht vorstellbar bei der Vielzahl von Inseln und Buchten.
Am Strand sind offensichtlich neue Palmen gepflanzt worden, aber an den Gebäuden ist noch vieles kaputt. Die Bars sind geöffnet, aber es gibt nur wenige Kunden. Sicher auch, weil heute keine Sonne scheint sieht das alles etwas traurig aus.
Absolut nicht traurig sind die Kinder vom „Early Learning Center“, die hier Ketten und selbstgebackene Muffins verkaufen. Sie sollen Erfahrungen als Geschäftsleute sammeln, Werbung für ihre Produkte machen, Rechnen üben und höflich und mit guten Manieren verkaufen. Das steht zumindest alles auf den Schildern, die sie uns zeigen. Die drei machen das so nett, dass wir jeder einen Muffin kaufen und auch noch etwas spenden.
Wir schauen noch kurz bei Foxy’s in der berühmten Bar vorbei, wo T-Shirts und Andenken verkauft werden und wo sich viele Segler für ein Bier oder einen Cocktail treffen. Foxy selbst hat es sogar auf das Titelbild unseres Segelführers geschafft.

Montag, 23. April 2018

Tag 293 - Red Hook Bay: Unbegrenztes Internet

Es ist unser letzter Tag in den US-Virgin Islands und auch der letzte Tag an dem ich mein unbegrenztes Datenvolumen nutzen kann. Daher verbringe ich den Tag am Schreibtisch und widme mich so netten Dingen wie Testamentsvollstreckung, Kindergeldstelle, Mails und Excel-Tabellen. Außerdem müssen unsere Navionics-Seekartenmodule upgedated bzw. aktiviert werden. Nach „Südamerika und Karibik“ ist nun „Nordamerika und Kanada“ dran.
Auch auf meinem Smartphone habe ich als Backup die Navionics App und da will ich die entsprechenden Offline-Karten herunterladen. Es kommt die Meldung, dass der Telefonspeicher voll ist. Ich will also gerne die alten Offlinekarten von Europa löschen, aber – wie mir die Supportseite bestätigt – gibt es keine direkte Möglichkeit, alte Kartendaten zu löschen. Grr. Ich speichere also alle Fotos auf dem PC und nun ist erstmal genug Platz.

Während die Daten heruntergeladen werden, nutze ich die Zeit für ein Telefongespräch – wirklich klasse, dass ich über WhatsApp kostenlos telefonieren kann. Dann geht es weiter mit der Verwaltung. Wir wollen ja Anfang Mai von den BVIs nach Bermuda segeln und da gibt es wieder Papierkram zu erledigen. Ein Online-Formular muss ausgefüllt werden und es gibt eine „Declaration of Health“ mit so netten Fragen, ob es ungewöhnlich viele Todesfälle bei den Ratten und Mäusen an Bord gab…
Ralf ist inzwischen nochmal an Land gefahren und klariert aus, was laut der „Noonsite“ und unserem Segelführer unbedingt erforderlich ist, aber im „Customs“-Büro auf wenig Gegenliebe stößt. Schließlich bekommt er doch unseren Zettel – mal sehen, ob auf den BVIs danach gefragt wird. Außerdem geht er zum Friseur und lässt aus seinem Kurzhaarschnitt einen Sehrkurzhaarschnitt machen.
Nun ist wieder SIM-Karten-Memory an der Reihe, denn auf den BVIs muss wieder unsere Flow-Karte ran. Wenn die Karte leer ist, gibt es keine Internet-Verbindung und wir können sie nicht aufladen, also machen wir uns gegenseitig einen Hotspot und kaufen unsere Datenpakete gleich hier. Es ist schon wieder Abend geworden und die Sonne verschwindet hinter der Insel. Jetzt noch die Navigation für morgen…

Freitag, 20. April 2018

Tag 290 - Christmas Cove-Red Hook: Mal wieder Marina

Hier in den Virgin Islands sind die Wege zwischen den zahlreichen Inseln immer nur kurz. Trotzdem sichere ich alle Luken und losen Teile, denn eine einzige Welle reicht, um eine Menge Schaden anzurichten. Nur mit Maschine geht es um die Ecke nach Red Hook auf der Insel St. Thomas und tatsächlich erwischen uns ein paar extra fiese Wellen. Von unten kommt ein Krachen und Klirren und es hat unsere schöne Pfeffermühle erwischt… Sie stand am üblichen Platz an dem sie schon über 6000 sm mit uns gefahren ist und dann geht sie bei so einem lächerlich kurzen Stück kaputt – schade!
In Red Hood gibt es eine IGY Marina, eine Firma, die 20 Häfen auf verschiedenen Kontinenten betreibt (z.B. auch in New York, Washington, Mittelmeer, Kolumbien, etc.) Wir waren in St. Lucia in der Rodney Bay Marina, die akzeptable Preise und sehr guten Service hatte. So alle 2-3 Wochen gehen wir immer gerne in einen Hafen, insbesondere um Wasser zu tanken, die Batterien voll zu laden und „richtig“ zu duschen. Leider ist der „American Yacht Harbour“ eine Enttäuschung. Obwohl wir vorher telefonisch reserviert haben, sind wir, als wir uns über Funk melden, unbekannt. Es gibt ein hin und her mit den Liegeplätzen. Der Platz, den wir dann nehmen sollen ist zu flach… Schließlich erbarmt sich „Gary“ von der Tankstelle und hilft uns bis wir endlich festgemacht haben.
Im Marinabüro geht das Internet nicht (Hurrikan…) und wir können nicht eingecheckt werden. Auch die Preisgestaltung versöhnt uns nicht mit dem Angebot. Das ist der teuerste Hafen unserer Reise bisher. Rückblickend erscheinen uns die $ 65 in Canuan mit Infinitipool, kostenlosen Fahrrädern und dem Duschtempel als echtes Schnäppchen… Die Duschen hier kosten zwar nicht extra, aber können mit dem durch den Hochglanz-Internet-Auftritt geweckten Erwartungen nicht mithalten.
Morgen wollen wir dann vor der Marina ankern und noch weiter die Insel erkunden. Als Kolumbus hier unterwegs war, hatte es wirklich mit den Heiligen: wir waren jetzt hintereinander auf St. Barts, St. Martin, St. Croix, St. John, St. James und jetzt St. Thomas. Montag ist dann der kurze Sprung zu den British Virgin Islands geplant und Ende des Monats geht unsere Zeit in der Karibik zu Ende. Wir haben heute die Seekarten bis New York herausgesucht und die neue Versicherungspolice von Pantaenius ausgedruckt, die dann auch die amerikanische Ostküste abdeckt.

Wenn wir nun schon hier sind, wollen wir uns auch ins Nachtleben stürzen. Wir sind ja sonst sehr langweilig und bleiben abends gerne auf dem Boot, kochen, spülen, lesen, schwätzen und bloggen. Aber heute schlägt Ralf ganz verwegen ein Abendessen an Land vor. Hier gibt es einige Etablissements mit Bar, Musik und großen Bildschirmen auf denen verschiedene TV-Programme laufen. Wir schauen uns das Angebot an und entscheiden uns dann für einen Thailänder – eine gute Wahl, es schmeckt ganz ausgezeichnet! Ich bin auch mittlerweile Profi und habe ein Halstuch und eine Jacke dabei, um der Klimaanlage zu trotzen. Auf den Bildschirmen läuft passend dazu eine Dokumentation aus Arktis und Antarktis…

Sonntag, 15. April 2018

Tag 285 - Buck Island-Lameshure Bay: Unlogischer Kurs

St. Croix liegt ca. 40 sm im Süden der anderen Virgin Islands. Wenn wir die vorherrschende Windrichtung (Ost) berücksichtigen, wäre seglerisch und geografisch sinnvoll, nun zu der westlichsten Insel (Virgin Gorda) zu segeln und uns dann langsam nach Osten zu bewegen. Leider gehört diese zu den britischen Inseln und wir müssten erst von den amerikanischen ausklarieren – was wieder Bürokratie bedeutet. Die nächste Wahl wäre dann umgekehrt von West nach Ost… aber auch das ist wahrscheinlich nicht möglich, denn Customs and Immigration auf St. John ist – laut offizieller Webseite – noch geschlossen (Hurrikan). Wir werden also zuerst nach St. John fahren, dann nach St. Thomas zum ausklarieren und dann zu den BVIs…
Wir fahren also morgens von Buck Island los und fast genau nach Norden Richtung St. John. Der Wind kommt aus Osten, also halber Wind von der Seite, der schnellste Kurs für die TRITON. Wir ziehen die (gereffen) Segel hoch und aktivieren Sir Henry. Dann lege ich mich etwas hin, denn ich habe nicht gut geschlafen und fühle mich nicht so fit. Es wird eine schnell und schaukelige Fahrt. Das Wellenbild ist chaotisch und unterwegs kommt die eine oder andere Schauerböe. Viel früher als erwarte, ruft Ralf mich nach oben, denn wir sind fast da und sausen mit über 8 kn Fahrt auf die Insel zu. Ralf nimmt das Groß herunter, ich werfe den Motor an und steuere in die ausgewählte Bucht an der Südseite von St. John. Kaum sind wir in der Abdeckung wird es wesentlich ruhiger und wir müssen nur noch die Fock wegrollen und uns eine der ausgelegten Mooring-Tonnen greifen.
St. John ist zu 2/3 Nationalpark und in den meisten Buchten ist das Ankern zum Schutz der Natur verboten. Die Parkverwaltung hat jedoch zahlreiche Tonnen ausgelegt. In unserer Bucht, Great Lameshure Bay, haben wir die freie Auswahl, denn wir sind hier die einzigen Gäste. Es fühlt sich gar nicht karibisch an – keine Palmen, bedeckter Himmel, fast kühler Wind und auch das Wasser ist nicht türkis. Ralf nutzt die Ruhe um wieder einen Wirbel am Anker zu befestigen – unser Anker und die Kette passen nicht optimal zusammen und wir haben schon verschiedene Kombinationen probiert. Außerdem ist ihm beim Segeln aufgefallen, dass die Spannung der Wanten etwas zu schwach aussieht.
Normalerweise werden die Wanten 1x pro Saison – beim Aufstellen des Mastes – gespannt und eingestellt. Nun sind wir ja schon wesentlich länger als unsere üblichen ca. sechs Wochen pro Saison unterwegs und das Material reckt sich. Daher jetzt die Kontrolle angesagt und tatsächlich, alle Wanten müssen alle nachgespannt werden. Das Messgerät gibt die Spannung in Prozent der Bruchlast an (hier im Moment 8 %, letzter roten Punkt). Eingestellt ist jetzt bei den Unterwanten 10 % und bei den Oberwanten 15 %.
Währenddessen recherchiere ich in verschiedenen Büchern (denn hier haben wir kein Internet) über die Virgin Islands um herauszufinden, welche der zahlreichen Buchten und Inseln wir besuchen wollen und welche Reihenfolge sinnvoll ist. Gestern haben wir von der MORA Tipps erhalten, unser Revierführer und unser Reiseführer schlagen Rundreisen vor und wieder gibt das Buch „14 Monate Sommer“ interessante Anregungen. Nun nur noch das Chaos im Cockpit beseitigen (denn der Werkzeugkasten steht ganz unten) und dann ist es schon wieder Zeit zum Abendessen.
So langsam gehen unsere Vorräte zur Neige, aber für Schinkennudeln und Salat reicht es noch. Bei der nächsten Gelegenheit müssen wir unsere ganzen Frischvorräte auffüllen. Wie schade, dass es hier keine französischen Inseln mehr gibt. Während ich mit den Vorbereitungen für das Essen beschäftigt bin, geht in unserer Bucht die Sonne unter. Es wird schnell so richtig pechschwarze Nacht. Wegen der Wolken sind weder Mond noch Sterne zu sehen. Es gibt hier keine Straßen, Häuser oder anderen Schiffe. So alleine waren wir schon lange nicht mehr!

Samstag, 14. April 2018

Tag 284 - Buck Island: Landausflug

Buck Island gefällt uns so gut, dass wir beschließen, noch einen Tag hier zu verbringen und uns auch noch die Insel anzuschauen. Also geht es mit dem Dinghy an den Strand. Wie in Barbados gelernt, klappt es mit dem Beachen und wir binden uns zur Sicherheit noch an einem Baum fest. Ich möchte als erstes Fotos von den Braunen Pelikanen machen, die in einer Bucht an der Nordseite fischen.
Wir nennen die Pelikane intern „Pelikanten“ weil uns das englische Wort für Kormoran (= Kormorant) gut gefällt. Daher ist ein Katamaran jetzt ein Katamarant und ein Pelikan eben ein Pelikant… Jedenfalls will ich mich vorsichtig nähern und immer mal wieder stehenbleiben und ein Bild machen – bis dann eben die Fluchtdistanz erreicht ist. Leider ist Ralf schneller unterwegs als ich und wir sehen dann nur noch die ganze Truppe um die Ecke verschwinden.
Es gibt hier nur einen Rundweg und wir versuchen, den Anfang in unserer Bucht zu finden. Gar nicht so einfach. Aber schließlich haben wir Erfolg und können dem Pfad durch die abwechslungsreiche Vegetation der Insel folgen.
Schon am Strand gab es einiges zu sehen und Besucher haben Schneckenhäuser in die Bäume gehängt. Neben den Bäumen und einigen Blüten sind vor allem die Bromelien und die zahlreichen Kakteen sehenswert. Nach dem reichen Unterwasserleben gestern fällt die Fauna an Land etwas ab. Außer den Pelikanten und einigen Schmetterlingen und Spinnen gibt es nur wieder die allgegenwärtigen Geckos und Ameisen – zumindest haben wir sonst keine Tiere gefunden.
Der Weg führt bergauf zu einer Aussichtsplattform, wo es dann prompt zu regnen anfängt – eine typische Schauerboe. Wir ruhen uns etwas aus, trinken das mitgebrachte Wasser und essen Äpfel. Ich bin etwas frustriert, denn das Laufen ist mir heute schwergefallen. Auf ebenen Strecken komme ich ganz gut zurecht, aber ich bin nicht mehr wirklich geländegängig. Blödes Rheuma. Von oben können wir das Riff genau erkennen.
Dann geht es auf der anderen Inselseite wieder herunter bis wir am Südstrand auf einem Picknickplatz ankommen. Sehr nett gemacht, allerdings wäre es besser gewesen, die Latrinen nicht genau in Windrichtung unterzubringen. Am Strand entlang kommen wir an ungewöhnlichen Felsformationen vorbei.
In unserer Bucht war heute Morgen mit Touristenboten, kleinen Motorboten und einem Ankerkuschler einiges los, aber jetzt sind nur noch wir und die MORA da. Wir verabreden uns mit Monika und Ralph zu einem Sundowner bei ihnen an Bord, aber die Sonne ist schon sehr lange untergegangen, bis wir wieder auf der TRITON sind. Wir tauschen uns über diverse technische Fragen aus, von Batterien über Fenster bis zu neuem Teakdeck – sehr interessant. Wir bekommen noch ein paar Tipps für die BVIs und bedauern, dass wir morgen in jeweils entgegengesetzte Richtungen segeln werden. Ihr Blog habe ich rechts verlinkt (Webansicht).

Donnerstag, 12. April 2018

Tag 282 - St. Croix YC: Octopussy und Abendessen

Es ist recht windig und daher schaukelt unser Schiff auch vor Anker recht stark, aber ich habe mit mittlerweile so daran gewöhnt, dass ich es nur beim Laufen merke, wenn ich torkle, wie eine Betrunkene… Die Schaukelei hält uns also nicht davon ab, ein paar Arbeiten zu erledigen. So haben wir einen Piepser, der uns warnt, wenn nicht genug Kühlwasser zum Motor fließt und dieser soll immer zur Probe piepsen, wenn der Motor aktiviert wird. Und das tat er (der Piepser) nicht zuverlässig. Also hat sich Ralf in die Tiefen des Motorraums begeben und das ganze Teil ausgebaut. Wie sich herausstellt war es 1. vor rund 20 Jahren falsch eingebaut worden (was aber bisher nie Ärger gemacht hat) und 2. hatte sich ein kleiner Oktopus hinein verirrt (was diesen, dem Oktopus, großen Ärger bereitet hat).
Im Moment ist das Gerät für eine Grundreinigung in Essig eingelegt. Das nächste Projekt war das Eindichten des Hahns für die Seewasserversorgung in der Spüle. Nun ist der Hahn dicht, aber es kommt kein Wasser mehr – ob da auch ein Oktopus im Schlauch sitzt? Durch einen Trick (Pumprichtung umdrehen) kann Ralf die Verstopfung beseitigen. Während Ralf mit der Materie kämpft sitze ich am Schreibtisch und kümmere mich um Finanzen, Versicherungen und Wetterdaten. Bei mir läuft es besser, denn es gelingt, die Daten von unserem neuen Wetteranbieter (PredictWind) per Satellit abzurufen und auch den Anhang mit dem Programm zu öffnen.
Am Nachmittag fahren wir dann an Land in den Segelclub, wo wir uns zum Abendessen angemeldet haben. Wir werden wieder herzlich empfangen und bekommen sogar einen Clubstander geschenkt. Es ist noch einmal etwas ganz anderes, in einem privaten Segelclub zu sein, als in einer kommerziellen Marina.
Runde Tische sind festlich gedeckt und ab 18:00 Uhr versammeln sich die Mitglieder für einen Sundowner an der offenen Bar. Wir sitzen mit einer netten Gruppe am Tisch und unterhalten uns über Gott und die Welt. Wir bekommen den Eindruck, dass viele hier nicht wegen des Segelns, sondern wegen der Kontakte und Gespräche in den Club kommen. Es war jedenfalls ein sehr netter Abend.

Montag, 9. April 2018

Tag 279 - Christiansted: Historische Erkenntnisse

Ich habe für diesen Monat ein „unlimited“ Datenpaket bei AT&T gekauft und so kann ich heute Morgen gemütlich über WhatsApp mit meinen Eltern telefonieren. Ich freue mich immer sehr, wenn ich Neuigkeiten von daheim höre. Und wenn ich dieses Blog schreibe, dann denke ich dabei an meine Eltern und Schwiegereltern, die so an unserer Reise teilnehmen können. Ralf gibt unser Auto zurück und dann gehen wir zusammen zum Brunch in eins der netten Restaurants am „Broadwalk“
Wir kommen dabei mit einem Herrn am Nachbartisch ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er, wie schon sein Vater und Großvater vor ihm, eine spezielle Rasse von Rindern auf St. Croix züchtet. Die „Senepol“ Rasse ist eine Kreuzung der von afrikanischen Rindern aus dem Senegal mit hornlosen, englischen Red-Poll Rindern und hat die Vorzüge von beiden: Hitzetoleranz, Insektenresistenz, extreme Gutmütigkeit, gutes Fleisch und hohe Milchproduktion. Leider haben wir es gestern nicht mehr geschafft, das „Lawaetz Family Museum“ und die Rinder zu besichtigen.

Heute wollen wir Christiansted zu Fuß erkunden. Die Inselzeitung schlägt einen kurzen Rundweg vor und wir laufen los. Über der Stadt liegt eine schläfrige Sonntagsruhe und außer uns sind kaum andere Menschen unterwegs. Dafür gibt es hier zahlreiche Hühner. Wir haben überall in der Karibik nette und gepflegt freilaufenden Hühner getroffen, aber noch nirgendwo so viele wie hier. Sie gehen angstfrei ihren Geschäften nach und wir fragen uns, ob sie jemandem gehören und abends wieder in ihren Stall heimkehren oder ob sie ganz unabhängig leben…
Die Architektur hier ist sehr dänisch und wir laufen angenehm im Schatten durch die vielen Arkaden.
Zwischendurch werfen wir noch einen Blick in das sehr kleine Ein-Raum-Apotheken-Museum.
Zuletzt besichtigen wir noch die „Christiansted National Historic Site“ zu der Fort Christiansværn und verschiedene andere Gebäude aus der dänischen Kolonialzeit gehören, wie z.B. das Zollhaus, das Scale House und das Steeple Building, das zeitweise als Kirche genutzt wurde.
Von oben haben wir einen schönen Blick über die Bucht und können uns gut vorstellen, wie es von hier aus möglich war, den Hafen zu kontrollieren (finde die Triton).
Im Fort selbst gibt es eine interessante Ausstellung zu 100 Jahre Zugehörigkeit zu Amerika („Transition Day“ war am 31.03.1917) mit Zeittafel und einem Video, in dem ältere Inselbewohner und Historiker zu Wort kommen. Ein weiterer Raum ist Alexander Hamilton gewidmet, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, der auf dem 10-Dollar-Schein abgebildet ist.
Seine Lebensgeschichte und die seiner Eltern liefert problemlos Stoff für mehrere Romane. So war seine Mutter Rachel auf St. Croix verheiratet und ihr Mann ließ sie einige Monate wegen „ehelicher Fehler“ im Fort einkerkern… Kein Wunder, dass die Dame dann lieber wieder auf ihre Heimatinsel Nevis zurückkehrte und dort mit einem anderen Mann zusammenlebte. Alexander und ein weiterer Sohn stammen aus dieser Beziehung. Später kehrte Rachel dann mit den beiden Kinder nach St. Croix zurück. Alexander begann bereits mit 11 Jahren für ein Handelsunternehmen zu arbeiten.

Nach dem frühen Tod der Mutter tauchte der erste Ehemann wieder aus der Versenkung auf und kassierte das Erbe. Die Kinder kamen zu verschiedenen Verwandten/Bekannten. Alexander arbeitete weiter und fiel durch sein Geschäfts- und Verwaltungstalent auf. Seine Beschreibung eines zerstörerischen Hurrikans wurde sogar in der Zeitung veröffentlicht. Schließlich fanden sich Mentoren, die ihm ein Studium in Amerika ermöglichten. Er gehörte im Unabhängigkeitskrieg zum Stab von George Washington und wurde später dessen Finanzminister. Auch sein Tod durch eine Schussverletzung in einem Duell mit dem Vizepräsidenten ist sicherlich romanwürdig…

Sonntag, 8. April 2018

Tag 278 - St. Croix: Natur und Kultur

Gestern waren wir auf der Ostseite der Insel, heute ist entsprechend die Westseite an der Reihe. Das Fahren fühlt sich sehr amerikanisch an (bis auf den Linksverkehr), denn es gibt die bekannten, gelben Mittelstreifen und viele große Vans und SUVs.
Wir kommen an einem großen Industriegelände vorbei. Wie sich herausstellt ist es eine Öl-Raffinerie, laut Wikipedia bis zu ihrer Schließung im Februar 2012 eine der 10 größten der Welt. Wer hätte gedacht, das so etwas auf eine kleinen Karibik-Insel zu finden ist. Die – sehr kurzfristige – Schließung war natürlich ein harter Schlag für die Einwohner. Angeblich soll es aber Investoren geben, die an der großen Lagerkapazität interessiert sind.
Nach den eher hässlichen Türmen und Tanks kommen wir im „St. George Village Botanical Garden“ in eine ganz andere Welt. Der Garten befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Zuckerrohr-Plantage. Heute sind nur wenige Besucher da und die Stimmung ist wunderbar entspannt und fast meditativ. Das beginnt schon in dem wunderschönen Atrium am Eingang. Wir bekommen einen Plan, der uns auf einem Rundweg an verschiedenen Punkten vorbeiführt und Pflanzen und Gebäude erklärt. So gibt es zum Beispiel noch eine alte Schmiede mit entsprechender Einrichtung.
Auch dieses Gelände hat unter dem Hurrikan gelitten, aber die Natur hat auch viel Kraft und überall sehen wir bunte Blüten und neue Triebe.
Alles ist grün und üppig und sehr gepflegt. Teilweise gibt es angelegte Wege oder Brücken. Aber es führt auch ein Pfad durch ein Stück Regenwald.
Die verschiedenen Pflanzen zusammen mit den verfallenen oder teilweise auch restaurierten Gebäuden ergänzen sich zu einer faszinierenden Mischung. Wir fühlen uns an die alte Ruinenstadt in Dschungelbuch erinnert.
Es erfordert bestimmt viel Erfahrung und eine Menge Arbeit, die Anlage so natürlich und nach Wildwuchs aussehen zu lassen. Es gibt aber auch einen Bromelien- und eine Kakteen-Garten. Neben den Pflanzen sind auch eine ganze Menge Tiere unterwegs. Neben den allgegenwärtigen Geckos gibt es auch fruchtfressende Fledermäuse, die ihr Tagesschläfchen halten und zahlreiche Libellen, Bienen und Schmetterlinge.
Wir kaufen noch den Druck einer antiken Seekarte und eine Ansteckblume im Shop und unterhalten uns eine Weile mit der netten Polin, die dort arbeitet. Dann fahren wir ein kleines Stück weiter zur Whim Plantage mit angeschlossenem Museum. Auch hier sind wir fast die einzigen Besucher. Leider hat das Haupthaus beim Hurrikan schwere Schäden erlitten. Das Dach wurde abgedeckt und Feuchtigkeit hat das Innere zerstört. Daher findet auch keine Führung statt. Wir können nur die Reste der Zuckerpresse und Mühle besichtigen.
Dafür bekommen wir aber etwas ganz Unerwartetes geboten. Ein traditionell gekleidetes Paar gibt eine Vorführung mit Cariso Musik. Wir lernen, dass das von Frauen gesungene Lieder waren – oft in Form von Vorsängerin und antwortendem Chor – mit denen historische Ereignisse aber auch Neuigkeiten und Klatsch erzählt wurden. Begleitet werden die Sängerinnen von einem Trommler. Die Dame erzählt und eindringlich von der lokalen Geschichte der Insel und singt dann die dazu gehörenden Lieder – sehr eindrucksvoll!
In der noch erhaltenen Küche bekommen wir von einer weiteren Dame Fischbällchen und „Bush-Tea“ angeboten. Das ist Tee, der aus hier wachsenden, verschiedenen Sträucher zubereitet wird. In unserem Fall ist das Salbei – erstaunlich schmackhaft. Wir bekommen aber auch noch Thymian und Lorbeer gezeigt.
In weiteren Gebäuden gibt es verschiedene Ausstellungen über Einzelschicksale von Einwohnern und einen Raum, der von örtlichen Schülern gestaltet wurde und sich mit der Sklaventradition hier auf der Insel beschäftigt. In der wechselvollen Geschichte der Insel stand sie unter spanischer, englischer, holländischer, französischer, maltesischer und für mehr als 200 Jahre auch dänischer Flagge. Die Schüler sind daher nach Dänemark gereist, um sich mit der gemeinsamen Vergangenheit auseinanderzusetzten. Erst 1917 wurden die Inseln dann von Dänemark für 25.000 Dollar in Gold an die Amerikaner verkauft.
Wir machen noch einen Abstecher nach Frederiksted, aber dort ist es wie ausgestorben. Offensichtlich erwacht die Stadt nur zum Leben, wenn am schön restaurierten Pier die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Immerhin bekommen wir hier noch ein spätes Mittagessen.
Erfüllt mit vielen Eindrücken fahren wir – auf der einzigen vierspurigen Straße der Insel – zurück nach Christiansted. Insgesamt gefällt es uns hier sehr gut. Wir erleben wieder sehr freundliche und entspanne Bewohner und eine abwechslungsreiche Insel. Es gibt zwar Touristen und touristische Ziele aber in einer uns angenehmen Menge. Zurück am Wasser können wir vom Steg aus noch die großen Fische beobachten, die hier zahlreich zu finden sind.
Überhaupt ist das Ufer hier sehr schön gestaltet, mit einem breiten Weg, der vor den verschiedenen Restaurants, Geschäften und Bars entlangführt. Dort erwartet uns auch unser treues Dinghy und es geht zurück an Bord.
Wir wollen gerade in den Entspannungs-Modus verfallen, als andere Segler mit dem Beiboot vorbeikommen und uns erzählen, dass wir hier nicht bleiben können, weil heute Nacht ein großes Schiff erwartet wird. Wir ziehen also noch den Anker hoch und verholen uns in einen anderen Teil der Bucht.