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Dienstag, 24. Juni 2025

Tag 45 - Kinlochbervie-Stromness (Orkney): Schaukelei und Schäkelbruch

Einer der Vorteile, in dieser Jahreszeit im Norden zu segeln, liegt darin, dass es nur sehr kurz dunkel ist. Das ist gut für uns, denn heute starten wir schon um 4:00 Uhr um günstige Strömungen a) am Cape Wrath, der Nordwest-Ecke Schottlands und b) bei der Einfahrt durch das "Mouth of Hoy" auf den Orkney Inseln zu bekommen.
Um kurz nach vier geht dann auch die Sonne auf und wir sehen sogar einige Sonnenstrahlen neben uns über den Bergen.
Nach den stümischen Winden gestern ist es heute deutlich weniger geworden und wir können alle Segel setzen. Leider steht noch eine Restwelle und zusätzlich atlantischer Schwell, so dass wir ziemlich durchgeschüttelt werden. Da die Windstärke nicht zu den Wellen passt und uns noch - wie geplant - der Strom schiebt, schlagen die Segel und Ralf geht nach vorne, um den Bullenstander zu setzten, der den Großbaum nach vorne sichert. Wahrscheinlich durch das Schlagen hat sich der Patent Schäkel des Großschot gelöst und dann auch noch verbogen. Ich kann die Großschot sichern und vorne wird der Baum vom Bullenstander gehalten, so dass keine Gefahr besteht, dass jemand vom schlagenden Baum getroffen wird. Es gelingt uns, einen Dyneema-Schäkel als Ersatz zu befestigen (siehe Titelbild). Wir sind froh, dass es so gut ausgegangen ist, und wir weitersegeln können. Leider klappt das nur bis Cape Wrath (Foto von Ralf).
Danach ändern wir unseren Kurs so, dass der schwache Wind genau von hinten kommt und nicht ausreicht, um zu segeln. Daher werfen wir den Motor an. Leider ist nur der Wind schwach und die Wellen bleiben so wie vorher und schaukeln uns gnadenlos hin und her. Jede Tätigkeit an Bord wird mühsam und der Gang zur Toilette ist eine Zirkusnummer. Zu essen gibt es daher nur Käse und Kräcker.
Praktisch ist, dass die Triton gute Möglichkeiten bietet, sich unter Deck zu entspannen. Wenn wir das Leesegel aufspannen, können wir relativ bequem in der Koje liegen und sogar etwas Schlaf nachholen.
Die Fahrt dauert insgesamt 14 Stunden und wir sind genau im Zeitplan, als wir die Einfahrt in die Orkney Inseln erreichen. Mittlerweile ist das Wetter wesentlich freundlicher und wärmer geworden und die Landschaft sieht sehr nett aus.
Die Durchfaht nach Stromness ist für ihre starken Strömungen bekannt. Wir kommen etwas über eine Stunden nach Stillwasser an und haben Wellen, Wind und Tide mit uns. Daher gibt es kaum Wellen und "nur" fünf Knoten Schiebestrom, der aus unseren 5,5 kn mal schnell 10,5 kn macht.
Dank Erfahrung vom Rhein-Segeln steuert Ralf dann sicher um die Ecke und wir bekommen ohne Probleme einen Platz in der Marina. Beim Anlegen will eine nette Dame uns helfen und nimmt meine eben erst kunstvoll geworfene Springleine wieder von der Klampe. Die Leine benötigen wir zum Bremsen des Bootes - ich schnauze sie daher unfreundlich an: "Just leave it alone!", was mir nachher leid tut, aber als ich mich entschuldigen will, ist sie schon fort. Ich tausche die schottische Gastlandsflagge gegen die der Orkney Inseln - die Flaggen werden aus höflichkeit gegenüber der gastgebenden Nation auf der Steuerbordseite des Bootes geführt.
Wir entspannen ein wenig im Cockpit und schauen einem schönen traditionellen Segelboot zu, dass noch einen Runde durch den Hafen fährt. Auf den ersten Blick sieht es hier sehr nett aus und wir freuen uns darauf, die Inseln zu erkunden.

Montag, 23. Juni 2025

Tag 44 - Kinlochbervie: Viele Fische und nette Begegnung

Draußen bläßt der Wind in Böen bis Stärke acht und so bleiben wir heute lieber hier im geschützten Hafen.
Kinlochbervie selbst ist eher übersichtlich: ein Laden, zwei Cafés (eines leider heute geschlossen und das andere gefällt uns nicht) und ein Hotel. Ralf amüsiert sich köstlich über die SEHR negativen Bewertungen auf Google... also backen wir lieber selbst ein paar Brownies. Das Wetter ist wieder sehr durchwachsen, sonnige Abschnitte wechseln sich mit Schauern (und Schauerböen) ab. Wir nutzen eine trockene Phase, um ein neues Großfall in den Mast zu ziehen. Ralf probiert erst einmal aus, ob es lang genug ist und dann kleben und nähen wir es an das alte Fall (denn es wäre sehr unangenehm, wenn es im Mast abreißen würde. Zuletzt müssen wir noch den Schäkel wieder an das Ende montieren - da ist es wieder gut, einen Ingenieur an Bord zu haben.
Wir laufen eine Runde um den Hafen, in dem professionell Fisch angelandet wird - heute sind verschiedene Boote angekommen (siehe Titelbild) und werden vor den Hallen im Hafen entladen. Die Größe der Boote reicht von Hochsee-Fischkuttern bis zu sehr kleinen Exemplaren.
Außerdem werden hier die Netze sortiert und repariert. Sie sind so schwer, dass zum Transport ein Gabelstapler erforderlich ist.
An Wochentagen findet jeden Nachmittag eine Fischauktion statt und das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Vor den Hallen sind schon diverse LKWs geparkt und drinnen warten die vorab verkauften Fischkisten auf die Verladung.
Was nicht vorher verkauft wurde, wird dann in der Auktion versteigert. Dazu sind die Kisten in der Halle aufgebaut. Die Fische sind nach Art und Größe sortiert.
Es gibt einen Auktionator und drei oder vier Bieter, die offensichlich Einkäufer für verschiedene Unternehmen sind. Wir lernen, dass sich die Preise immer auf eine Kiste beziehen. Am Anfang ist kaum zu erkennen, wer bietet, denn der Auktionator nennt einfach Zahlen und die Bieter ziehen teilweise nur die Augenbauen hoch. Nach dem Verkauf werden die Kisten mit kleinen Papierzetteln markiert (siehe oben: mitte links).
Der teuerste Fisch ist ganz klar Steinbutt, wo die Kiste (mit zwei großen Fischen) über 500 Pfund kostet. Am günstigsten ist Kabeljau, der für "Fish and Chips" benötigt wird. Unser Stegnachbar David war auch auf der Auktion und wir trinken zusammen noch eine Tasse Tee bzw. Kaffee und essen Brownies. David ist Bergbau-Ingenieur und professioneller Skipper, hat schon für Lego gearbeitet, diverse Überführungen gemacht und segelt hier seit rund 40 Jahren. Er gibt uns sehr gute Tipps für die Orkneys und Shetlands. Wir hoffen, dass wir uns in Stromness wiedersehen.

Tag 43 - Bay of Culkain-Kinlochbervie: Gutes Zeitfenster

Wir verbringen eine ruhige Nacht an unserem einsamen Ankerplatz und wachen zu Kälte, Regen und einem nassen Cockpit auf.
Der Trick heute ist es, den guten Zeitpunkt zu finden, um die restliche Strecke nach Kinlochbervie zu segeln. Zu früh und der Wind ist zu schwach, zu spät und wir kommen in Starkwind und Schauerböen.
Wir beobachten den Wind und holen den Anker hoch, als er die vorhergesagte Richtung und Stärke hat. Wie sich herausstellt, die richtige Entscheidung. Mit Wind von hinten geht es gut voran und zwischen Schauern kommt auch immer mal wieder die Sonne heraus.
Allerdings ist es trotz Sonne richtig kalt und wir packen die Mützen aus (siehe Titelbild). Das ist also der erste Sommertag in Schottland bei Regen und 13 Grad. Der Wind nimmt zu und wir sind froh, dass wir gleich jeweils ein Reff in Fock und Groß gebunden haben. Vor der Einfahrt nehmen wir dann noch das Groß herunter und sausen trotzem noch auf die Küste zu.
Der Hafen selbst liegt sehr geschützt in einer kleinen Bucht und wir fahren durch die schmale Einfahrt in das ruhige Wasser des Hafenbeckens.
Das hier ist ein angeblich wichtiger Fischereihafen (der letzte vor Cape Wrath) und es gibt einen kurzen Steg für Freizeitboote. Als wir kommen sind schon zwei von den drei Plätzen doppelt besetzt und wir legen uns auch noch mit ins Päckchen.
Wir bauen noch schnell das Cockpitzelt auf - gerade rechtzeitig, bevor wieder eine Schauerböe kommt und der Regen nur so herunterprasselt.
Wir sind sehr zufrieden mit unserer Zeitplanung und damit, dass wir noch einem Platz bekommen haben, denn morgen soll es richtig windig werden. Zum Abschuss des Tages gibt es dann noch leckeres Huhn, das Ralf heute morgen mit einer speziellen Würzmischung eingelegt hat und dazu meine Lieblingsbohnen mit Parmesan.
Und auch die Sonne zeigt sich noch einmal und beleuchtet die grüne Landschaft mit einem ganz besoderen Licht.