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Donnerstag, 22. Februar 2018

Tag 233 - Glossy Bay-Admirality Bay: Hart am Wind

Der Wind ist immer noch stark, aber wir wollen weiter nach Norden. Mustique ist zwar nur 15 Meilen entfernt, aber liegt genau im Wind, also nehmen wir gleich Kurs auf Bequia, das wir fast anliegen können. Mit zwei Reffs im Groß und anderthalb in der Fock kämpft sich die Triton voran. Gut, dass bei Sonne der Wind gefühlt gleich eine Stärke weniger hat. Und gut, dass wir Sir Henry haben, der gleich wieder lässig und zuverlässig die Arbeit übernimmt.
Selbst die Wellen können ihn nicht beeindrucken. Es gibt Wellen durch den atlantischen Schwell, Wellen durch den starken Wind, Tidenstrom und atlantischen Strom. Das alles führ zu einem chaotischen Wellenbild, bei dem am und zu eine richtig hohe dabei ist. Es kommt auch immer mal wieder ein heftige Böe und das Boot pflügt dann mit den Relingstützen durchs Wasser. Ich stehe dann fast auf der gegenüberliegenden Cockpitbank, um mich abzustützen.
Die Admirality Bay in Bequia liegt glücklicherweise sehr geschützt und wir bekommen dort von „Blue Skys“ eine Mooring angeboten. Die gefällt uns aber nicht, weil sie sehr dicht an anderen Booten liegt. Statt dessen nehmen wir eine weiter draußen, die „einem Freund gehört“. Unser Guide warnt vor Abzockern, die nur kassieren, ohne eine Mooring zu haben und vor den Bojen selbst, die nicht alle in gutem Zustand sein sollen. Wir testen also erst mal die Mooring mit 3000 Umdrehungen rückwärts, aber sie hält. Später kommt dann noch der angebliche Eigentümer „Bay Watch“ und kassiert, will uns aber keine Quittung geben. Wir sind gespannt, ob wir den richtigen bezahlt haben…
Eine besondere Attraktion ist die ROYAL CRUISER, ein Fünf-Mast-Vollschiff, das neu nach dem Vorbild der legendären PREUSSEN gebaut ist. Es bietet Raum für 227 Passagiere und 106 Personen Besatzung. Später werden alle Masten und Rahen noch beleuchtet, teilweise mit Farbwechsel, aber da ist es leider schon zu dunkel, um zu fotografieren.

Dienstag, 20. Februar 2018

Tag 232 - Canouan: Verschiedene Welten

Wir haben unser Golfcart bis 15:00 Uhr und so wollen wir es natürlich für eine Inselrundfahrt nutzen. Also machen wir uns wieder auf den Weg und nehmen noch einen jungen Mann mit, der auf der (einzigen) Straße in unsere Richtung läuft.
Diesmal fahren wir nach Norden zum Resort, aber da gibt es eine Schranke mit Security, die auf unsere naive Frage, ob wir uns drinnen umsehen können mit einem entschiedenen „No!“ antwortet. Gerüchteweise haben wir gehört, dass man nach Voranmeldung hineinkann, allerdings zu einem Preis von 250 US-Dollar pro Person. Das ist also eine völlig abgeschlossene Welt für sich. Wir können aber den Aussichtspunkt direkt davor anfahren und haben von dort aus einen wunderbaren Blick über die Bucht.
Nicht ganz so exklusiv ist das Tamarind Hotel. Dort gibt es ein italienisches Delikatessen-Geschäft, wo wir ein Sandwich und eine Dose Cola kaufen. Sonst ist der Laden uns zu teuer, so kostet z.B. eine (sehr kleine) Dose Nutella 38 EC, das sind 11,40 €. Selbst Nutella-Junkie Ralf verzichtet. Wir teilen uns das Sandwich dann auf der ausgestorbenen Terrasse, wieder mit Blick über die Bucht (s.o.). Es ist Hauptsaison in der Karibik, aber hier fehlt ganz klar die Kundschaft.
Das Kontrastprogramm gibt es dann wieder im Ort, wo Ralf die gestern gekauften Äpfel für gut befunden hat und wir daher noch weitere besorgen. Wieder eine ganz andere Stimmung und Umgebung. Hier gibt es wenig Tourismus, nur die paar Segler, die in der Bucht liegen. Die Gäste in den Resorts bleiben lieber unter sich. Auch diesmal haben wir zwei Fußgänger mitgenommen. Die Insel ist so klein, dass die Busse nur selten fahren. Wir werden von vielen freundlich auf der Insel begrüßt und bekommen auch noch den Weg gezeigt.
Auch zu unserem Hafen gehört ein Restaurant und dort fahren wir auf dem Rückweg vorbei. Unterwegs kommt – wie mehrmals am Tag – eine Schauerbö und wir stellen fest, dass das Dach des Golfcarts nicht wirklich gegen Regen schützt. Wieder sind wir in der Welt der Reichen und Schönen gelandet, zumindest was die Umgebung betrifft, die wirklich sehr geschmackvoll gestaltet ist.
Was nicht da ist, sind die Reichen und Schönen, denn auch hier ist nichts los. Das mag sich ändern, wenn erst einmal die Hafenanlage und das dazugehörenden Resort fertig ist. Wir bestellen jedenfalls einen Cappuccino und einen Smoothie (beide ganz ausgezeichnet) und genießen diese mit Blick über die Karibische See. Wir kommen uns vor wie in einer Filmkulisse.
Wir geben unser Golfcart zurück und ziehen uns für eine kurze Verschnaufpause in unsere eigene Welt zurück. Wir sind uns einig: wir wollen weder in dem verschlafenen Dorf noch im exklusiven Hotel leben sondern am liebsten ist uns unser vertrautes Boot.
Das hält uns allerdings nicht davon ab, für unsere abendliche Erfrischung im Wasser wieder zurück zum Hafenrestaurant zu gehen. Die Gäste der Marina dürfen den schönen Pool dort ebenfalls benutzen.
Das Restaurant liegt auf der anderen Seite des langgestreckten Hafenbeckens aber es werden von der Marina extra Fahrräder zur Verfügung gestellt. Der Liegeplatz hier ist zwar kein Sonderangebot (2 US-Dollar pro Fuß), aber dafür wird auch einiges geboten. Im letzten Licht fahren wir zurück zum Boot, wo Ralf dann Spaghetti mit köstlicher Hackfleisch-Sauce kocht.
Ich bin nicht ganz sicher, wie ich diese Resorts finden soll. Klar ist, dass durch diese gesamte Anlage hier und auch im Norden jede Menge Arbeitsplätze geschaffen werden. Bei den Bautätigkeiten und bei der Pflege und dem Betrieb des ganzen Geländes sehen wir überwiegend Einheimische. Auf der anderen Seite dürfen diese dann eben große Teile ihrer Insel nur noch als Arbeitnehmer betreten. Ohne Resorts ist hier soweit wir das sehen konnten absolut nichts los. Aber es ist schon eigenartig, zu erleben, wie hier Super-Luxus-Tourismus auf verschlafene Ländlichkeit trifft.

Montag, 19. Februar 2018

Tag 231 - Tobago Cays - Glossy Bay Marina (Canouan): Reich und Schön?

Wir nehmen Abschied von den Tobago Cays und machen uns auf den Weg zur nächsten Insel. „Nächste" ist hier wörtlich gemeint, denn Canouan ist nur 5 sm entfernt. Die sind allerdings ungemütlich denn der starke Wind kommt wieder fast genau von vorne und es gibt unangenehme Wellen.
Weil der Wind auch in der Nacht weiter kräftig blasen soll und wir gelesen haben, dass die zum Ankern geeignete Bucht heftige Fallböen hat, entscheiden wir uns für die Warmduscher-Nummer und fahren in die neu gebaute „Glossy Bay Marina“. Der gesamte Norden ist ein abgesperrtes Resort für die Reichen und die Schönen und nun hat ein Investor auch hier im Süden der Insel zugeschlagen. Die Marina selbst wurde letzten April eröffnet aber die Arbeiten an der sie umgebenden Anlage dauern noch an. So wie es aussieht, wird das hier auch ein komplett künstlicher Ort, so wie in Quinta do Lorde auf Madeira. Bisher ist die Marina aber fast völlig leer und gleich drei Marineros stürzen sich auf unsere Festmacher. Wir bekommen das Internet-Passwort und können für kleines Geld (15 US-Dollar/Tag) ein Golf Cart mieten.
Einen Golfplatz gibt es natürlich auch, im Norden wo „Millardäre hingehen, um den Millionären zu entfliehen“… Er hat tatsächlich einmal Donald Trump gehört, aber mittlerweile ist Canouan Trump-Freie-Zone. Wir wären eigentlich zu klein für die Marina, aber da es so leer ist, dürfen wir bleiben. Ich schaue mir schon mal die Waschräume an: alles vom Feinsten.
Dann fahren wir mit unserem neuen Fortbewegungsmittel Richtung Hauptort. Wir hatten uns schon gewundert, weil in der Marina alles unverschlossen ist, aber das klärt sich schnell auf, nach einiger Fahrtstrecke treffen wir auf ein hohes Tor mit Security. Dann sind wir auf den normalen Straßen unterwegs und völlig in einer anderen Welt. Der Ort wirkt sehr verschlafen mit an der Straße grasenden Ziegen, Müllhaufen, jeder Menge halbwilden Hunden und Gruppe von Menschen, die Tätigkeiten nachgehen, für die ich die Bezeichnung erst hier gelernt habe: „Liming“. In der Karibik meint das die Kunst des Nichtstuns an einem öffentlichen Ort (Straßenecke, Park, Strand, Bank) zusammen mit Freunden. Dazu gehört natürlich auch Lachen, Reden und der Genuss von Getränken… Ist das Herumhängen unerwünscht, z.B. vor Geschäften sieht man oft ein Schild mit „No Loitering“. Wir kaufen etwas Obst beim Straßenhändler, Äpfel im örtliche Supermarkt…
…und Brot und eine Art Scones beim Bäcker.
Auf dem Rückweg treffen wir dann noch eine Schildkröte, die ziemlich unbeeindruckt ihren Geschäften nachgeht.
Unsere Versuche, vielleicht am Flughafen eine Tasse Kaffee zu bekommen, schlagen auch fehl. Das Gebäude ist sehr hübsch, aber auch hier herrscht verschlafene Ruhe. Wahrscheinlich gibt es erst Action, wenn wieder ein Privatflugzeug ankommt.
Von einer Anhöhe haben wir dann noch Ausblick auf den fast leeren Hafen. Vor uns liegt noch eine andere Hallberg Rassy aus Guernsey (Kanalinseln), die eigentlich nach Mustique wollte, aber wegen heftiger Wellen wieder umgedreht hat.
Heute Abend gibt es Pizzatoast und dann wollen wir noch die tollen neuen Duschen ausprobieren.
Nachtrag: Ich beurteile Duschen nach einer 10-Punkte-Liste:
  • Ausreichend Wasser
  • Temperatur einstellbar
  • Kleidung kann trocken aufbewahrt werden
  • Abnehmbarer Duschkopf
  • Frischluft
  • Tageslicht
  • Sauber
  • Ohne Extrakosten
  • Schönes Design
  • Nah beim Boot
Diese ist natürlich besonders schön, aber schafft auch nur 9/10 Punkten, weil der abnehmbare Duschkopf fehlt. Nah beim Boot ist sie auch nicht, aber den Punkt habe ich gegeben, weil wir bequem mit dem Golfcart hingefahren sind...