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Freitag, 26. Juli 2019

Tag 79 - Tresco: Kurzer Landgang

Es gibt wieder einiges an Bord zu tun Ralf macht sich um die Backskiste verdient, in die wir in letzter Zeit alles einfach hineingesteckt hatten... Nun ist sie wieder sortiert und aufgeräumt. Ich kümmere mich um die Fotos vom Atlantik, denn die konnten wir ja nicht über Satellit hochladen. Nun ist das auch ordentlich und mit Labeln, Daten und Bilder versehen. Alle Beiträge Azoren-Scillies sind nun hier: Klick. Es gibt noch ein warmes Mittagessen aus den letzen Atlantik-Vorräten und dann sind wir bereit für einen Landgang.

Wir sichern das Beiboot mit einen Anker, bringen den Müll weg, holen die gewaschene und gefaltete Wäsche ab, bezahlen unser Hafengeld (140 Pfund für die Woche - im Vergleich zu Cottage-Preisen von um die 2000-4000 Pfund ein echtes Schnäppchen) und gehen - wie so oft - Kaffeetrinken.
Wir sind nahezu die einzigen Gäste - ob es am Wetter liegt, dass heute eher etwas kühl und bedeckt ist? Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten im Feinkostladen und verbringen einige Zeit am Strand. Sand, Tide und Muscheln erinnern mich an Juist, die Nordseeinsel, auf der ich als Kind viele schöne Urlaube verbracht haben.
Ich  versuche auch, mich an eine Möwe und insbesondere an einen Austernfischer heranzuschleichen, aber die zwei sind nicht wirklich begeistert...
Es ist wieder Ebbe und das ist immer eine gute Gelegenheit, andere Boote anzuschauen, die trockengefallen und daher zu Fuß zu erreichen sind.
Auch ohne besondere Unternehmungen ist der Tag wieder schnell vorbeigegangen und ich bin gar nicht zu allen Erledigungen gekommen, die ich mir vorgenommen haben. Morgen wollen wir uns die Hauptinsel St. Mary's anschauen und wir fangen auch langsam an, zu überlegen, wann wir nach Penzance am Festland aufbrechen wollen. Dort sind wir mit unserem Sohn Jan verabredet.

Montag, 22. Juli 2019

Tag 76 - Tresco: Inselerkundung

Schon früh fährt Ralf an Land, um heute Fahrräder für uns zu ergattern, aber leider wieder Fehlanzeige... Stattdessen bekommt er aber einen Scooter für mich - unsere Mobilität ist also gewährleistet. Wir verlegen noch die TRITON an eine andere Mooringtonne, denn gestern Abend waren wir dem Nachbarn unangenehm nah gekommen, weil unsere Schiffe sich in der Tidenströmung unterschiedlich verhalten. Dann fahren wir mit dem Dinghy an Land - diesmal an die richtige Stelle - geben unsere Wäsche ab, holen den Scooter und kaufen im Delikatessen-Geschäft unseres Vertrauens wieder für ein Picknick ein.
Wir entscheiden uns, in Richtung "Cromwell's Castle" zu laufen. Es wurde nach dem englischen Bürgerkrieg (1642-1949) errichtet, in denen die Scillies auf Seiten der Royalisten kämpften. Funfact: die Niederlande kämpften auf Seiten der Parlamentarians und erklärten, weil sie keine Reparationen erhielten, am 17. Mai 1651 den Scilly-Inseln den Krieg. Es kam nicht mehr zu Kampfhandlungen, da kurz danach die Royalisten kapitulierten. Ein Friedensvertrag wurde jedoch zunächst nicht geschlossen und erst 335 Jahre später, am 17. April 1986 offiziell nachgeholt. Auf halbe Strecke zum Castle machen wir Pause für unser Picknick und genießen die Aussicht (siehe oben).
Hier, im Nordteil der Insel, ist die Landschaft viel rauer und felsiger als im Süden, wo wir gestern den botanischen Garten besucht haben. Entsprechend gibt es auch eine ganz andere Vegetation.
Wir gehen nicht weiter auf dem schmalen, steinigen Weg, sondern lieber zurück zur Straße und können dabei noch unser Schiff bewundern. Die Fender hängen noch als Schutz vor unserem Nachbarn. Am neuen Platz haben wir aber genug Raum.
Mit meinem recht geländegängigen Scooter bin ich flott unterwegs und es ist nett, dass zur Abwechslung ich auf Ralf warten muss und nicht umgedreht. Mittlerweile ist uns klar geworden, dass die ganze Insel ein großes Feriengebiet ist, dass von der Tresco Estate verwaltet wird. Es gibt zahlreiche Cottages, die zentral versorgt werden. Die Wäsche wird in der Wäscherei erledigt, vom Laden werden Lebensmittel (und Getränke) ausgefahren, Fahrräder werden geliefert (deswegen keine für uns) und auch die ganze Gastronomie wird zentral verwaltet (erkennbar an gleichen T-Shirts)... Wir genießen die verschiedenen Aussichten...
...und besuchen die kleine angelikanische Inselkirche Kirche St. Nicholas (Grundstein natürlich von Familie Dorrien Smith gelegt).
Auch im Inneren gibt es Gedenktafeln für im Krieg gefallene Mitglieder der Familie und ein Gedenkfenster.
Wir besuchen einen entzückenden kleinen Laden mit angeschlossener Schneiderei, wo es unter anderem Haarbänder und Taschen gibt. Ralf bekommt ein Tresco-T-Shirt.
Auch auf der anderen Seite der Insel gibt es eine Bucht und Mooring-Tonnen - im Moment ist Ebbe und daher ist nicht viel Wasser da.
Kaffee und Kuchen bekommen wir heute im nahegelegenen "Ruin Beach Café" (betrieben von der Tresco Estate, als wieder Familie Dorrien Smith).
Nun geht es wieder in den Hauptort, vorbei an einer Reihe von Felder und durch Wälder mit beeindruckenden alten Bäumen.
Zum Abschluss eines weiteren schönen Tages auf Tresco kaufen wir noch zum Abendessen (Kartoffeln und Quark) ein, nehmen eine Dusche und dann geht es mit den Dinghy zurück zum Schiff.

Tag 75 - Tresco: Trauminsel

Die Isles of Scilly bestehen aus mehr als 140 Inseln und über 90 Felsen vor der Südwestspitze Englands von denen fünf bewohnt sind. Wir besuchen heute Tresco, die zweitgrößte Insel, die nur eine kurze Fahrt mit dem Dingy von unserer Mooring entfernt ist. Sie ist 3,5 x 1,75 km groß und hier leben ganzjährig etwa 180 Menschen. Dazu kommen natürlich noch die Touristen und Saisonarbeiter.
Es ist das erste Mal dieses Jahr, dass das Beiboot wieder zum Einsatz kommt und der Außenborder verweigert den Leerlauf... Aber egal wir krempeln die Hosen hoch, ziehen Crocs an und landen am schönen Sandstrand. Dort müssen wir dann das Boot bis über die Flutlinie hochtragen, damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt, wenn wir wiederkommen. Wie sich herausstellt, haben wir uns die falsche Seite ausgesucht, denn wir müssen erst rund um die Bucht zum Ortszentrum laufen.
Unterwegs finden wir verschiedene kleine Verkaufsstände mit jeweils einer "Honesty Box" für Geld, in denen Einheimische Kunsthandwerk oder auch Obst und Gemüse anbieten.
Schnell sind wir bei der Tourist-Information und beim Fahrradverleih, aber leider sind weder für Geld noch für gute Worte Fahrräder, Golfcarts oder Scooter zu bekommen. Es gibt keine Autos oder öffentliche Verkehrsmittel. Dafür können wir die von einer einheimischen Künstlerin geschaffenen Mosaike Love, Peace und Happiness bewundern.
Alles ist wunderschön gestaltet und überall blühen Blumen. Wie wir dem Internet entnehmen, machen auf Tresco die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen Urlaub und so sind wir angenehm überrascht, über die Auswahl an exklusiven Lebensmitteln, die der kleine Supermarkt (oder eher Feinkostladen) anbietet. Vieles ist ökologisch korrekt mit Holzbesteck und Papiertüten. Wir beschließen, für ein Picknick einzukaufen und dann die Abbey Gardens zu besuchen. Es geht zunächst vorbei an einem der beiden Binnenseen...
...und dann durch abwechslungsreiche Vegetation ca. 20 Minuten Fußweg bis zur Tresco Abbey (siehe oben). Dies ist der Wohnsitz der Familie Dorrien-Smith, Nachfahren von Augustus Smith, einem reichen Landbesitzer und Philanthropen, der 1834 die Insel von der Duchy of Cornwall pachtete und das Gebäude errichtete. Er gab sich den Titel "Lord Proprietor of the Scilly Islands", baute Anlegestellen und Schulen und veränderte die Wirtschaft der Inseln. Unter anderem begann er, auf dem Gelände einer alten Benediktiner-Abtei einen botanischen Garten anzulegen, der von der Familie fortgeführt und erweitert wurde.
Laufen ist ja im Moment nicht so meine Kernkompetenz und so bin ich sehr froh, als ich für den Gang durch den Garten einen kostenlos einen Scooter ausleihen kann. Ralf darf auch mal fahren...
Schon auf dem Weg zum Garten haben wir eine Vielzahl von verschiedenen Blumen und Pflanzen angetroffen. Wegen des Golfstroms haben die Inseln sehr mildes, beinahe subtropisches und konstantes Klima mit vielen Sonnentagen und einer Temperaturdifferenz zwischen Sommer- und Wintermittel von nur etwa 9 °C. Im Garten sind die Pflanzen noch zusätzlich durch Mauern und extra deswegen gepflanzte große Bäume geschützt.
Von der alten Abtei sind nur noch ein paar Mauern und Torbögen erhalten, natürlich mittlerweile wunderschön bewachsen:
Alles ist unglaublich grün und perfekt gestaltet mit verschiedenen Wegen und immer wieder der Möglichkeit, zu verweilen und die Stimmung zu genießen:
Jede Generation der Familie Smith hat dem Garten eigene Aspekte hinzugefügt und die derzeitigen Eigentümer, Robert und Lucy Dorrien Smith, haben einige Kunstwerke ergänzt, so hat Lucy Dorrien Smith selbst das "Shell-House" aus Muscheln und Keramik gestaltet.
Durch die vielen Felsen sind auf den Inseln zahlreiche Schiffe gestrandet und die Familie hat Galionsfiguren und andere Erinnerungsstücke gesammelt und stellt diese ebenfalls im Garten aus.
Wir treffen verschiedene Tiere wie Eichhörnchen und einen Goldfasan (den wir wegen seiner Frisur Donald taufen), die ganz offensichtlich mit Menschen nur gute Erfahrungen gemacht haben, denn sie sind sehr zutraulich. Außerdem gibt es SEHR freche Spatzen, dieser ist tatsächlich mit dem großen Stück Kuchen entkommen!
Auch mein "Cream Tea" mit Scones war nicht vor ihnen sicher... ein Spezialist tauchte sogar noch seine Scone-Krümel in die Erdbeermarmelade...
Um 16:00 Uhr schließt der Garten und das Café und wir machen uns auf den Rückweg zum Ort. Dort verbringen wir noch eine Weile mit "Hafenkino" und schauen den verschiedenen Booten und Menschen am Strand zu. Ralf sucht noch nach einem offenen Pub für eine Erfrischung und tatsächlich finden wir eines in der zweiten Reihe. Alle Kneipen und Geschäfte, Hotels und Ferienwohnungen auf der Insel werden ebenfalls von der Familie Dorrien Smith betrieben, die damit etwa 150 Menschen beschäftigt. Die netten Cottages sind mit liebevollen Details gestaltet.
Zurück am Dingy, das wir ja wieder ins Wasser tragen müssen, werden wir ganz neidisch, als wir ein anderes Boot beobachten, dass flott auf den Strand zusaust und dann plötzlich hydraulisch Räder ausfährt und lässig über den Sand rollt...
Wir kehren ganz konventionell zurück an Bord, wo wir sehr gutes Curry-Huhn essen (mit frischem Curry aus dem Feinkostladen). Während ich abspüle und blogge, hat Ralf sich noch den Außenborder vorgenommen und die Leerlaufdüse mit einem Draht gereinigt. Nun sollte es damit morgen keine Probleme mehr geben. Jetzt hoffen wir nur noch auf Fahrräder für die weitere Erkundung von Tresco.