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Donnerstag, 27. Juli 2023

Tag 61 - Penzance-Keltische See: Aufbruch Richtung Irland

Um 10:00 Uhr geht das Tor des Hafens auf und kurze Zeit später sind wir unterwegs Richtung Irland. Das bedeutet zunächst bis zur Südwest-Spitze von England gegen denn Wind fahren. Wir entscheiden uns gegen Aufkreuzen und versuchen, dicht unter Land mit dem Motor voranzukommen - das geht erstaunlich gut. An der Ecke gibt es dann - wie erwartet - sehr konfuse Wellen und die Triton wird ziemlich hin- und hergeschüttelt.
Aber dann erreichen wir den Punkt zum Abbiegen, können die Segel hochziehen und sofort liegt das Schiff ruhiger. Die Solarpanele werden ausgeklappt und wir gehen zur Bordroutiene über.
Wir wechseln uns mit den Wachen ab. Die Freiwache kann schlafen, lesen, entspannen,  die Wache hält Ausschau nach Schiffen und anderen Problemen (z.B. Fischpötten), passt die Segelstellung an (siehe Titelbild) und überprüft den Kurs von Sir Henry. Da eine Windfahne den Kurs im Verhältnis zur Windrichtung steuert, muss der Kurs Richtung Ziel bei Änderung von Windstärke oder Richtung angepasst werden. Auf Wache wird es jedenfalls nicht langweilig und es sind auch einige Schiffe unterwegs.

Mittwoch, 26. Juli 2023

Tag 60 - Penzance: Pläne, Vorbereitungen, Verwaltung

Wie gut, dass wir unseren Ausflug gestern gemacht haben, denn heute ist es - wie vorhergesagt - grau und regnerisch. Wir haben es an Bord nett mit unserem festen Dach, dem Cockpitzelt und einem elektrischen Heizlüfter.
Ralf geht noch ein paar Besorgungen an Land erledigen und ich beschäftige mich mit den "Ermüdungseigenschaften strebenbasierter Gitterstrukturen unter schwellender Druckbelastung" - so das Thema der Bachelorarbeit des jüngsten Sohnes, die ich Korrekturlesen darf. Etwas einfacher formuliert werden dabei 3D-gedruckte Aluminium-Körper systematisch zerstört.
Nachdem ich so in die Tiefen des Maschinenbaus tauchen durfte (gut verständlich und sehr interessant) mache ich einen Abstecher in das Designen von Grabsteinen, schreibe Mails, erledige Überweisungen und telefoniere mit verschiedenen Familienmitgliedern. So geht der Tag schnell herum. Zusammen mit Ralf mache ich mich dann an die Planung unserer Überfahrt nach Irland (siehe Titelbild). Wir überlegen, wann wir fahren wollen, ob wir unterwegs noch einen Stop auf den Iles of Scilly einlegen wollen und welcher Hafen in Irland unser erstes Ziel wird. Nach Studium der verschiedenen Wettermodelle entscheiden wir uns, morgen direkt nach Irland aufzubrechen und zu versuchen, den Hafen Kilmore Quay zu erreichen. Den können wir allerdings nicht bei jeder Tide anlaufen, so das wir als Alternative Dunmore East einplanen. Es sind direkt rund 150 sm, allerdings müssen wir zunächst bei dem vorhergesagten Westwind bis Landsend aufkreuzen. Wir melden uns dann hoffentlich am Freitagabend aus Irland wieder!
 

Dienstag, 25. Juli 2023

Tag 59 - Penzance-St.Ives-Penzance: Bustour

Wir schlafen aus und verholen die Triton dann auf Anweisung des Hafenmeisters zur anderen Seite des Beckens. Das ist gut so, denn so liegen wir direkt vor den dringend nötigen Duschen. Nach der Körperpflege konsulieren wir wieder den Wetterbericht und beschließen, heute und morgen hier zu bleiben. Da wir heute wunderbares Wetter haben, sonnig aber nicht zu warm, wollen wir einen Ausflug machen und morgen verschiedene Aufgaben an Bord erledigen. Wir entscheiden uns für eine Fahrt mit dem "Lands End Coaster" einem oben offenen Bus, der die gesamte Küste abfährt. Wir wollen allerdings nur bis St. Ives, das ein Stück Richtung Norden liegt.
Natürlich setzen wir uns aufs Oberdeck und dann geht die Fahrt los. Wir kommen unter anderem am St. Michael's Mount vorbei (sozusagen eine Mini-Version vom Mont-Saint-Michel in der Normandie), den wir 2019 zusammen mit Jan besucht haben. Heute gibt es nur einen Blick im Vorbeifahren auf die Insel, die bei Ebbe auf einem Fußweg erreicht werden kann.
Der Bus fährt durch abenteurlich enge Straßen und gefühlt fehlen teilweise nur noch Zentimeter zu den Hauswänden...
Es geht durch grüne, hügelige englische Landschaft mit Wälder, Wiesen, Weiden und Feldern. Nach einer abwechslungsreichen Fahrt können wir wieder einen Blick auf  den Atlantik werfen, denn St. Ives liegt auf der Nordseite von Cornwall.
Seit dem Bau der Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts ist hier ein beliebter Badeort, besonders wegen der drei schönen Strände mit feinem weißen Sand.
Wegen der landschaftlichen Schönheit hat es auch viele Künstler hierher gezogen und es gibt zahlreiche Kunstgalerien. Wir entdecken eine, in der es unter anderem sehr aufwendig gestaltete, mehrfarbige Linoldrucke gibt. Wir kommen ins Gespräch mit der Künstlerin Hazel McNab (hier ihre interessante Webseite: klick) und kaufen einen kleinen Originaldruck.
Auf dem Rückweg zum Bus geht es noch an einem weiteren Strand vorbei (siehe Titelbild), durch eine Straße mit diversen Gästehäusern...
...und durch eine weitere mit zahlreichen Geschäften (und natürlich einigen Pubs).
Hier gibt es alle Arten von Andenken und Mitbringseln, Spielzeug, Getränken, natürlich die berühmten "Cornish Pasties" (Blätterteigtaschen mit herzhafter Füllung), Kleidung und sogar Meerjungfrauen zu kaufen.
Sehr zufrieden mit dem netten Ausflug, fahren wir mit dem regulären Bus (zwar Doppeldecker, aber nicht oben offen) zurück nach Penzance...
...wo Ralf leckeres Erdnusshuhn kocht und wir wieder einen netten ruhigen Abend im Hafen verbringen.
 

Montag, 24. Juli 2023

Tag 58 - Ärmelkanal-Newlyn-Penzance: Nachtfahrt, Landfall und Hafenwechsel

Beim Wachwechsel gegen 0:30 Uhr kommt es zu einer Diskussion zwischen Skipper und Navigatorin. Ralf ist der Meinung, dass wir Höhe machen, als vom Kurs abweichend weiter nach links fahren sollten, um bei dem angekündigten Winddreher den Hafen noch gut unter Segeln erreichen zu können. Ich bin dafür, keine großen Umwege zu fahren um möglichst schnell noch vor dem Winddreher im Hafen zu sein. Welche Enscheidung richtig ist, hängt sehr davon ab, wann die Änderung der Windrichtung tatsächlich erfolgt und da sind sich selbst die verschiedenen Wettermodelle uneinig...
Am Ende geht dann der Wind erst mal weg, so dass wir unter Maschine direkt Richtung Hafen fahren. Wir kommen kurz vor 6:00 Uhr Ortszeit in Newlyn an. Es ist kein Hafenmeister da und die Schwimmstege sind voll, so dass wir uns im Außenhafen ins Päckchen an drei Fischerboote legen (siehe Titelbild von Ralf). Wir wissen natürlich nicht, ob  einer von denen heute noch weg will, aber egal, wir sind erst mal festgebunden. Da GB ja leider nicht mehr in der EU ist, können wir nicht so einfach hier einreisen, sondern müssen einen "Pleasure Craft Report" für die "Border Force" und "HM Revenue & Customs" einreichen. Das geht glücklicherweise online. Zusätzlich ist es erforderlich, bei Einfahrt in die englische 12-sm-Zone die gelbe Flagge "Q" zu führen, um anzuzeigen, dass wir die Einreiseformalitäten erledigen wollen. Wir haben zwar ein Flaggenalphabeth an Bord, aber die Flagge Q fehlt leider.
Vermutlich ist sie zusammen mit unseren Karibik, USA und Azoren-Flaggen verpackt worden. Wir wissen uns aber zu helfen und basteln aus einen hübschen gelben Spüllappen einen vollwertigen Ersatz.
Wir hatten schon befürchtet, dass wir uns auch englische Telefonkarten besorgen müssten, aber glücklicherweise gilt unser Aldi-Talk noch bis Ende des Jahres auch in GB. Ich habe keine Probleme, aber Ralfs Telefon zickt. Wir können aber auch das Problem lösen und können wir den offiziellen Anruf entgegennehmen und sind nun legal eingereist. Leider gibt es keinen Platz im Hafen, so dass wir erst einmal hier liegenbleiben. Wir holen Schlaf nach und genießen ein warmes Essen.
Im Laufe des Tages kommen noch verschiedene Boote an die auch an einer Regatta (allerdings nicht dem Fastnet Race) teilgenommen haben. Ein Boot legt sich neben uns, aber wir müssen es leider bitten, wieder abzulegen, weil wie einen Platz in Penzace im Hafen bekommen können.
Der Innenhafen von Penzance ist nur von Hochwasser -2 bis Hochwassser +1 geöffnet, so dass wir erst abends ablegen und das kurze Stück (1,5 sm) hinüberfahren.
Nun genießen wir die friedliche Abenstimmung und überlegen, wann und wie wir weitersegeln wollen. Gar nicht so einfach mit dem dynamischen Wettergeschehen hier, wo ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen mit starkem und teilweise drehendem Wind kommt. Morgen werden wir aber auf jeden Fall in Penzance bleiben.

Sonntag, 23. Juli 2023

Tag 57 - Morlaix-Ärmelkanal: Kaltstart

Hier in Morlaix sind wir abhängig von den Schleusenzeiten und so sind wir pünktlich um 8:45 Uhr dort am Start.
Es ist grau und regnetisch und wir fahren vorsichtig und genau auf unserer alten Tracklinie den anfangs sehr schmalen Fluss hinunter.
Nach gut zwei Stunden können wir dann die Segel setzen, die Windselbststeueranlage "Sir Henry" aktivieren und uns auf den Weg über den Kanal machen.
Netterweise hört der Regen auf, der Wind kommt aus westlicher Richtung in angenehmer Stärke, die Triton läuft gut und wir bekommen sogar Besuch von ein paar kleinen Delfinen.
Die Arbeit gestern mit der Iridium-Anlage hat sich gelohnt und wir können - mit Hilfe einer kleinen Außenantenne, die Ralf auf der Reling anklipsen kann - neue Wetterdaten abrufen.
Das Boot liegt ziemlich auf der Seite (siehe Titelbild), so dass alle Bewegungen an Bord unbequem werden und auch die Wellen sind eher kurz und ruppig. So direkt aus dem Stand ohne Eingewöhnung gleich ein längeres Stück segeln ist so eine Sache. An Deck und mit frischer Luft mit Blick auf den Horizont ist kein Problem, aber Arbeiten unter Deck oder wie in meinem Fall bei den Wetterdaten längere Zeit auf einen kleinen Bildschirm schauen füht zu leichter Seekrankeit. Ich lege mich erst einmal hin, kann dann daber so gegen 21:00 Uhr die Wache übernehmen.
Es ist für uns beide nicht langweilig, denn der Ärmelkanal ist eine der befahrensden Wasserstraßen der Welt. Wir treffen Fischer, Tanker, Containerschiffe, Teilnehmer des Fastnet-Races, Großseger und sogar ein Kreuzfahrtschiff. Ralf muss teilweise Slalom fahren.
Im nächsten Blog geht es dann weiter mit dem Rest der Überfahrt. Spoiler: ich schreibe diesen Beitrag in Newlyn...

Donnerstag, 15. August 2019

Tag 100 - Dover-Dunkerque: Über den Kanal

Um 9:00 Uhr öffnet das Tor am Hafen und das ist für uns (und eine ganze Reihe von anderen Seglern) das Signal zum Aufbruch. Wir holen die Erlaubnis zum Verlassen des Hafens ein und dann sind wir unterwegs.
Das bedeutet Abschied von England - das nächste Mal, wenn wir kommen, werden wir uns um Einreise, Krankenversicherung und Telefon-Roaming kümmern müssen. Wir waren sehr froh, als der Brexit dieses Jahr auf Oktober verschoben worden ist... Die Wellen draußen im Kanal sind richtig unangenehm ("confused") und wir verlieren unbemerkt einen unserer schönen neuen Ballonfender - schade!
Wir wollen den Ärmelkanal ungefähr an seiner schmalsten Stelle, der Straße von Dover, überqueren. Das ist eine der am meisten befahrenen Schifffahrtsroute der Welt mit ungefähr 400 Schiffen täglich, die sich durch dieses Nadelöhr quetschen um die Nord- oder Ostsee zu erreichen. Es gibt ein Verkehrstrennungsgebiet, dass der Großschifffahrt je nach Richtung bestimmte Wege zuweist. Wir als Freizeitboot dürfen nur im rechten Winkel dazu fahren. Ein Blick aufs AIS zeigt, dass die Zahl der Schiffe nicht übertrieben ist. Wir sind fast in der Mitte und müssen jetzt noch die Bahn, die von rechts nach links geht überqueren.
Auf der französischen Seite liegt ein "Wartezimmer" für Großschiffe, die nach Frankreich wollen. Wir sehen ein rotes Schiff dort liegen, auf dem gerade ein Helikopter landet. Es war wohl der Lotse, denn es setzt sich in Bewegung und fährt genau unseren Weg durch das enge Fahrwasser vor der französischen Küste. Etwas entnervend, denn erst ist es vor uns, verlangsamt aber kurz vor unserem Hafen wieder, so dass wir es überholen.
Wie sich herausstellt, will es auch nach Dunkerque und wartet nur auf seine Schlepper, insgesamt vier Stück, einer vorne und einer hinten mit Trossen verbunden und die beiden anderen drücken nach Bedarf von rechts oder links.
So wird uns nicht langweilig, denn die Schlepper sind flott und wir müssen uns beeilen, um noch vor der ganzen Truppe sicher in den Hafen zu fahren.
Wir legen uns ins Päckchen neben ein deutsches Boot aus Mannheim (gleich um die Ecke von unserem Segelclub in Eich) und kommen ins Gespräch. Die PELIKAN plant ebenfalls eine Atlantiküberquerung und wir bieten unsere Blauwasser-Ausrüstung an, die wir nicht mehr benötigen... Letztendlich passen unsere Sachen nicht, weil das Boot wesentlich größer ist oder sind schon vorhanden und so tauschen wir nur unseren einsamen Ballonfender Größe 4 gegen einen der Größe 3 und verschenken einen Wasserkanister und ein paar Barbados-Dollar:
Mir war schon aufgefallen, dass hinter der Brücke im Innenhafen eine Menge los ist und auf einmal gibt es lautes Tuten, die Brücke geht auf und eine ganze Horde bunt geschmückter Boote fährt heraus (und macht große Wellen, die uns hier ganz schön schaukeln lassen). Ralf erfährt beim Hafenmeister, dass heute Feiertag ist (Maria Himmelfahrt) und daher alle Geschäfte geschlossen. Wir haben auf einem Boot eine weißgekleidete Gestalt gesehen und vermuten, dass es sich um eine Art "Schiffssegnung" handelte.
Ralf kümmert sich noch um unsere Neuerwerbung und verbreitet mal wieder unangenehme Gerüche, diesmal Azeton... und er lässt es sich auch nicht nehmen, den Abbeizer wieder zu aktivieren, diesmal aber glücklicherweise außen, so dass ich an Bord bleiben kann...

Tag 99 - Dover: Tower und Shower

Grau, kalt, Wind, Regen - da ist es schön, dass wir erst einmal im Bett liegen bleiben können...  Dann machen wir uns aber doch auf dem Weg zum Dover Castle. Wir erinnern uns, dass Taxis in England günstig sind und tatsächlich kostet die Fahrt nur 6 Pfund. Die Burganlage ist die größte Englands und hat bis einschließlich des zweiten Weltkriegs große strategische Bedeutung gehabt.
Als wir ankommen, regnet es gerade recht heftig und wir überlegen uns, dass wir uns die "War-Tunnel" ansehen könnten. Dort wären wir geschützt und die Führung ist im Eintrittspreis enthalten. Dazu müssen wir uns aber erst einmal auf der Karte orientieren und obwohl wir jetzt den Nordatlantik navigatorische bewältigt haben, fällt es uns schwer, auf dem zur Verfügung gestellten Plan die Wege und Entfernungen zu erkennen. Vielleicht wäre ein klassische Kartenansicht von oben doch sinnvoller gewesen...
Dazu kommt, dass der Eingang nicht beschriftet ist, zumindest nicht mit War-Tunnel... wir sind ziemlich nass geworden und flüchten erst einmal in ein Café. Satt und etwas trockener machen wir dann den zweiten Versuch, diesmal erfolgreich... In den Tunneln war im 2. Weltkrieg eine Militärische Kommandozentrale und eine Telefon-Vermittlungsstelle untergebracht. Die Führung beschäftigt sich vor allem mit der "Operation Dynamo", bei der vom 26. Mai bis 4. Juni 1940 fast 340.000 englische und französische Soldaten aus dem von den Deutschen eingeschlossenen Dunkerque (Dünkirchen) gerettet wurden.
Für uns ist das natürlich besonders passend, denn wir wollen morgen nach Dunkerque segeln. Die Führung ist interaktiv mit Radioansprachen, Film und einer Präsentation, bei der Bilder direkt auf die Tunnelwand geworfen werden - sehr eindrucksvoll! Die Evakuierung wurde nicht nur von militärischen Schiffen durchgeführt, sondern es war auch eine große Anzahl von Arbeits- und Privatbooten (Little Ships of Dunkirk) durchgeführt. Nach der Führung besichtigen wir noch die verschiedenen Kommandoräume.
Auf dem Gelände gibt es auch einen römischen Leuchtturm und eine Kapelle aus angelsächsischer Zeit, aber wir wenden uns als nächstes dem "Great Tower" zu, der um 1180 von König Henry II errichtet wurde. Die Burg hatte strategische Bedeutung ("Schlüssel zu England") wurde aber auch benutzt, um Gäste zu empfangen. Sie wird jetzt vom "English Heritage Trust" verwaltet, der über 400 historische Stätten in England betreut. Offizieller Kommandant der Burg ist der "Lord Warden of the Cinque Ports", ein Amt, das seit dem 12. Jahrhundert vergeben wird und das unter anderem Winston Churchill und die Queen Mom innehatten.
Die verschiedenen Räume der Burg (Thronsaal, Schlafkammer, Wachstube, Küche, Kapelle) sind liebevoll eingerichtet. Möbel, Wandbehänge und Alltagsgegenstände wurden nachgebildet und da es sich nicht um Originale handelt, kann alles angefasst und ausprobiert werden. Es gibt keine Schilder aber überall stehen Mitarbeiter - teilweise in entsprechenden Kostümen - bereit um freundlich und kompetent Auskunft zu geben - Geschichte zum Anfassen!
Von unserem erhöhten Standpunkt können wir den Hafen von Dover gut überblicken - und auch den regen Verkehr von Fähren mit Passagieren und LKWs beobachten:
Auf der anderen Seite des Hafens hat ein Kreuzfahrtschiff angelegt und im Vordergrund ist der neue - im Bau befindliche - Yachthafen zu erkennen. Wir liegen noch in der alten Marina (weiter rechts und nicht im Bild).
Die Burg ist auf jeden Fall einen Besuch wert und wir kehren, etwas feucht aber zufrieden aufs Boot zurück. Ich lege mich ein wenig hin, werde aber von einem entsetzlichen Geruch geweckt... mein lieber Mann, der sonst immer sehr überlegt handelt, hat beschlossen, dass ein Boot mit wegen des Regens geschlossenen Fenstern, mit Kuchenbude überdachtem Cockpit und mit laufender Heizung der richtige Ort ist, um ein paar Hölzer mit sehr aggressivem Abbeizer zu behandeln... ich bekomme echte Atemnot und verlasse unter Protest das Boot, eingehüllt in Regenklamotten - allerdings nur in Richtung Dusche... Irgendwo haben wir gelesen, dass es hier preisgekrönte Dusche gibt, was für ein Preis bleibt ein Geheimnis, möglicherweise die goldene Himbeere für die schlechtesten Waschräume unserer Reise? Das Wasser läuft nur jeweils 5 Sekunden (nachgezählt), ändert in dieser Zeit aber die Temperatur von kochendheiß bis eiskalt...
Egal, am Ende bin ich sauberer als vorher und zurück auf dem Boot empfängt mich der köstliche Geruch von gutem Essen anstelle des Gestanks von Lösungsmittel...