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Mittwoch, 1. August 2018

Zusammenfassung: Juli 2018

Statistik
Seemeilen: 416
Motorstunden: 39
Segeltage: 17
Nächte auf See: 1
Liegetage: 14
Liegeplätze: 16
Maryland: Baltimore Canton (A), Worton Creek (A), Groove Point (A), Chesapeake City (A)
Delaware: Delaware City
New Jersey: Cape May (A), Atlantic Highlands (A)
New York: New York, Port Washington M) , Fishers Island (A)
Connecticut: Sheffield Island (A), Bridgeport, New Haven (A), Stonigton (M)
Rhode Island: Block Island (A), Newport (M)
                                                      
Segeln und Wetter
Wir hatten überwiegend Sonne und leichten Wind. Abends oder nachts manchmal eine (Gewitter)Front, die dann Wind und Regen brachte. Ansonsten nur einen Regentag in New York und einige wenige Tage mit bedecktem Himmel. Sehr angenehm ist, dass das Wasser wesentlich kühler geworden ist, nachdem wir die Chesapeake Bay verlassen haben. Dadurch kühlt auch das Schiff unter Deck besser ab.

Das letzte Stück Chesapeake Bay, durch den Kanal und den Delaware hinunter sind wir überwiegend motort. Den Sprung nach New York und durch den Long Island Sound konnten wir recht gut segeln. Wir haben unsere Ziele auch nach günstiger Windrichtung ausgesucht. Bis auf die Woche in New York haben wir nur wenige Marinas besucht und meist vor Anker oder an einer Mooring gelegen.

Boot und Ausrüstung
Alle Komponenten der neuen elektrischen Selbststeueranlage sind mittlerweile eingebaut und soweit angeschlossen. Wir haben uns auch entschieden, den Kartenplotter gleich mit auszutauschen. Nun müssen wir noch alle Geräte miteinander verbinden und verschiedene Einstellungen vornehmen.
Auch der Außenborder hat wieder Probleme gemacht, aber da Ralf einen von Paul mitgebrachten neuen Vergaser eingebaut hat, läuft er jetzt wieder einwandfrei.

Verpflegung/Versorgung
Wir besuchen die gut sortierten Supermärkte per Fahrrad oder mit Uber und sind dadurch sehr gut versorgt. Seitdem wir herausgefunden haben, dass Quark durch Skyr oder griechischen Yoghurt ersetzt werden kann, steht auch wieder Kräuterquart mit Kartoffeln auf dem Speiseplan.
In den meisten von uns besuchten Restaurants werden Sandwiches, Burger und Pizza angeboten. Mit Pizza kann man nicht viel falsch machen. In Jersey City haben wir sehr gut chinesisch/thailändisch gegessen und in New York haben wir uns öfter etwas aus dem Deli geholt und dann auf einer Bank gegessen.

Crew
In diesem Monat wurde die Crew durch Leonie und Paul verstärkt. Wir haben eine sehr schöne und ausgefüllte Woche in New York verbracht und sind dann noch einige Tage zusammen gesegelt. Stimmung und Verpflegung waren sehr gut und wir hatten eine prima Zeit zusammen.

Sightseeing
Auf dem letzten Stück der Cheaspeake Bay, dem Kanal und dem Delaware gab es viel Natur und wenig zu besichtigen. In Cape May, einem beliebten Badeort, haben wir einen netten Fahrradausflug zu einem Leuchtturm unternommen.

Das absolute Highlight war natürlich New York, das natürlich eine unendliche Auswahl an Sehenswürdigkeiten bietet. Wir hatten einen City Pass und haben uns ausgesucht: Empire State Building, Rockefeller Center, 9/11 Memorial und Museum, MoMA, Museum of Natural History, Statue of Liberty und Ellis Island (mit Museum). Außerdem waren wir im Central Park, am Times Square, zum Konzert im Bryant Park, in Chinatown, Little Italy, in Ellen’s Stardust Diner mit singenden Kellner und wir haben eine Fahrradtour nach Brooklyn gemacht.

Im Long Island Sound haben wir Mystic Seaport besucht, das größte maritime Museum der USA, mit einer kompletten Holzboot-Werft, einem Museumsdorf und zahlreichen historischen Booten, die auch wirklich benutzt werden – toll!

Begegnungen
Immer wieder treffen wir nette andere Segler, so werden wir in Atlantic Highlands von Gwen und Chis von der DAWALI angesprochen, mit denen wir uns sehr verstehen. Überraschend treffen wir in Port Washington Fung und Charles von der WILDERNESS wieder, die wir zuletzt in Lissabon gesehen hatten. Und und New York hatten wir die Freude mit Enrico Mittag zu essen – er arbeitet im Financial District direkt neben unserem Fähranleger und wir hatten uns seit 2012 nicht gesehen.

Fazit
In diesem Monat sind wir von Maryland über Delaware, New Jersey, New York und Connecticut bis nach Rhode Island gesegelt. Es war eine sehr abwechslungsreiche Strecke: von kleinen Ankerbuchten durch einen Kanal und einen Fluss hinunter in einen typischen Badeort. Dann – nach wochenlanger Fahrt in Binnenrevieren und Kanälen – wieder hinaus auf den Atlantik und dort eine (schöne) Nachtfahrt.

Von einem verschlafenen Ort in New Jersey ging an der Freiheitsstatue vorbei in die Metropole New York. Die Einfahrt nach New York war für mich ein absoluter Gänsehaut-Moment und wirklich die Erfüllung eines Traums! Und dann natürlich New York selbst mit seinen fantastischen Angeboten! Eine besondere Freude war es, dass Leonie und Paul mit von der Partie waren. Unvergesslich auch die Fahrt durch den East River an ganz Manhattan vorbei und durch Hell Gate in den Long Island Sound.

Nur wenige Meilen von New York entfernt und in Sichtweite der Skyline war es dann wieder ruhig und friedlich im Long Island Sound. Ein schönes Segelrevier mit Inseln, Buchten und relativ einsamen Ankerplätzen und dann wieder sehr touristisch und voll in Mystic und auf Block Island. Insgesamt wunderschön und sehr sehenswert – wir sind froh, dass wir uns für diesen Strecke entschieden haben.

Samstag, 14. Juli 2018

Tag 375 - Atlantic Highlands-New York: New York, New York!

Im Hudson River gibt es zu bestimmten Zeiten knapp drei Knoten Strom und den wollen wir natürlich nicht gegen uns haben. Das bedeutet heute, dass wir zeitig los müssen, damit wir es bis zur Freiheitsstatue schaffen bevor der Strom kippt. Leider ist es so früh nix mit Segeln, denn es regt sich kein Lüftchen.
Wir fahren quer über die „Lower Bay“ und unter der Verrazano-Narrows Bridge hindurch. Hier ist der stärkste Strom, der uns jetzt hilft, so dass wir mit über 6 kn unterwegs sind. Durch diese Engstelle muss der gesamte Verkehr nach New York und daher ist es nicht langweilig. Es gibt Frachtschiffe, die Coast Guard, Angler, Segler, Motorbootfahrer und Katamaranfähren, die mit knapp 40 kn Fahrt unterwegs sind und sich nicht ans Fahrwasser halten müssen, weil sie wenig Tiefgang haben…
Nun sind wir in der „Upper Bay“, dem eigentlichen Hafen von New York, in dem es natürlich auch recht lebhaft zugeht. Für mich ist es immer etwas ganz Besonderes, per Boot in eine große Hafenstadt zu kommen und speziell New York auf eigenem Kiel zu erreichen ist für mich die Erfüllung eines Traums – etwas von meiner „bucket list“. Im gleichnamigen Film wir das mit „Löffel-Liste“ übersetzt, eine Liste von Dingen, die man noch tun möchte, bevor man den Löffel abgibt…
Wir haben noch Zeit bevor wir einen Platz in der Marina gebucht haben, also werfen wir den Anker direkt neben der Freiheitsstatue und machen das Beiboot klar, um die TRITON dort zu fotografieren. Ich muss mich ab und zu kneifen, um mich zu vergewissern, dass ich das jetzt wirklich erlebe. Ich habe die Statue so oft auf Fotos und in Filmen gesehen und jetzt sind wir wirklich da!
Wir verbringen eine nette Zeit auf dem Ankerplatz und können wieder zahlreiche Fähren beobachten, die kreuz und quer unterwegs sind. Direkt kommt ca. alle 10 Minuten ein neuer Schwung Touristen zu Lady Liberty. Dann gibt es noch die kostenlose orangenen Staten Island Ferry, Rundfahrten, Fake-Raddampfer, Jet-Skis und alle möglichen und unmöglichen Privatboote. Wir fahren auch weiter in Richtung der berühmten Skyline.
Nach der ganzen Schaukelei sind wir dann froh über einen schönen und erstaunlich ruhigen Liegeplatz in der Liberty Landing Marina. Es gibt ein spätes Mittagessen und wir ruhen uns ein wenig aus. Paul und Leonie sind etwa gleichzeitig mit uns in New York angekommen, aber sie müssen erst noch durch Customs and Immigration und dann quer durch die Stadt. Aber schließlich sind sie da – wir freuen uns sehr! Hier ein Blick in die gepflegten Waschräume.
Wir haben natürlich eine ganze Menge zu erzählen – Leonie haben wir zuletzt auf Teneriffa gesehen und Paul auf Barbados… Wir machen ein paar Pläne für die kommende Woche und quetschen uns dann alle in das Beiboot, um auf die andere Seite des Hafens nach Jersey City zu fahren.
Dort ist es erstaunlich nett und nach einem kurzen Fußweg finden wir einen sehr guten Thailänder, der für Leonie „Vegetarian Chicken“ hat. Es ist ein schöner, warmer Freitagabend und gefühlt ist die ganze Stadt auf den Beinen – sehr gute Stimmung.
Dann geht es wieder zurück in unsere Marina, wo schon die TRITON auf uns wartet. Die Jugend ist schon im Bett – für die Beiden ist es ja sechs Stunden später und auch wir sind müde nach dem langen Tag mit so vielen Eindrücken. Morgen wollen wir es erst einmal langsam angehen lassen, aber es gibt schon eine Liste mit Sehenswürdigkeiten… An diese Stelle vielen Dank an alle, die uns mit so tollen Tipps versorgt haben!

Donnerstag, 12. Juli 2018

Tag 373 - Atlantik Highlands: Schrauben und Einkaufen

Wir können entspannen, denn wir sind jetzt nur noch 20 sm von New York entfernt und müssen – wollen – dürfen erst am Freitag dort sein. Also können wir uns in Ruhe um unsere To-Do-Listen kümmern. Bei mir sind es die Finanzen, die etwas Aufmerksamkeit benötigen und Ralf kümmert sich weiter um die neue Selbststeueranlage. Die einzelnen Komponenten sind zwar kleiner geworden, aber im Prinzip sind es noch die gleichen Module. Heute ist die Steuerung an der Reihe (der kleine schwarze Kasten in der Mitte). Der Motor (grau rechts) und die Steuerseile bleiben die alten. Zusätzlich müssen neue Kabel gezogen werden.
Nachmittags fahren wir dann mit dem Dinghy an Land. Im Hafen ist einiges los, denn offensichtlich ist ein Schiff untergegangen und muss jetzt mit einem Kran geborgen werden. Wir essen eine Kleinigkeit im Hafenrestaurant mit Blick über die ganze Marina. Der Ort heißt Atlantik Highlands wegen der rund 80 m hohen „Berge“ (im Bild oben: rechts).
Sonst ist es hier an Land nicht besonders spektakulär. Eine nicht besonders schöne Einkaufsstraße mit verschiedenen Geschäften und am Ende der Straße ein großes Einkaufszentrum, in dem wir unsere Vorräte, insbesondere Getränke, wieder ergänzen können. Ich amüsiere mich über die Zusammenstellung der Schilder: erst Doughnuts essen und dann zum sanften Zahnarzt…
Zurück zum Boot fahren wir dann wieder mit „Lyft“ direkt bis an unserer Dinghy Dock – wirklich praktisch für alle außer den Taxifahrern. Bis wir alles eingeladen haben, ist kaum noch Platz für uns. Ralf meint, dass ihm bestimmt die Dinghy-Touren fehlen werden, wenn er daheim wieder einfach zum Aldi gehen kann…
Zum Abendessen gibt es neben frischem Brot (Ciabatta, ganz ok) noch Salat, Lachs und wieder einen spektakulären Sonnenuntergang: grauer Himmel und wirklich blutrote Sonne. Sorry für die vielen Sonnenuntergänge in den letzten Posts, aber es ist wirklich jeden Tag wieder ein tolles Schauspiel!
Nachtrag: Während ich das hier schreibe, hat Ralf es sich in der Backskiste gemütlich gemacht und installiert das neue Steuerungspanel, bei dem das Kabel von unten angeschlossen werden muss. Die Nachtschicht hat den Vorteil, dass es bei Arbeiten nicht zu warm wird.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Tag 372 - Atlantik-Atlantic Highlands: Sonnenaufgang auf See

Um 1:30 Uhr übernehme ich die Nachtwache. Wir sind immer noch unter Segeln unterwegs, aber mittlerweile hat der Wind auf westliche Richtungen gedreht und Ralf hat gehalst (Großsegel auf die andere Seite). Nun holen wir auch noch die Fock auf die andere Seite und dann geht Ralf schlafen. Wir fahren immer noch parallel zur Küste und daher gibt es – trotz fehlendem Mond – überall bunte Lichter. Damit es nicht langweilig wir, sind auch noch verschiedene Fischer unterwegs, die kreuz und quer zu unserem Kurs fahren.
Außerdem ist der Wind ungleichmäßig und dreht, so dass auch die Einstellung von Sir Henry Aufmerksamkeit erfordert. Ich höre ein nettes Hörbuch (J.R.R. Martin: Dunk and Egg) und darf dann einen wunderbaren Sonnenaufgang erleben. Das ist so schön an den höheren Breiten: es gibt eine lange Phase der Dämmerung mit erst rosigem und dann goldenen Licht. Nachts ist es richtig kühl und ich trage lange Hosen, Fleecejacke und Steppweste. Zum ersten Mal seit Mitte November auf Teneriffa ist die Temperatur auf meinem „Bild des Tages“ unter 20 Grad.

Um 6:30 Uhr löst Ralf mich dann ab und übernimmt die Wache. Leider ist es irgendwann mit der Segelei vorbei, denn der Wind wird immer schwächer. Insgesamt konnten wir rund 2/3 der Strecke unter Segeln zurücklegen und wir sind damit zufrieden. Kurz vor Sandy Hook überholt uns dann noch eine andere (neuere, größere und schnellere) Hallberg Rassy, die auf dem glatten Wasser gute Fahrt macht.
Wir fahren „um die Ecke“ und in die große Bucht hinter Sandy Hook hinein. Wieder ein strahlender Sonnentag mit wolkenlosem Himmel Hier sind alle möglichen und unmöglichen Boote unterwegs: Angler, Austerfischer mit Harken, Segler, Ausflugsboote, Schnellfähren…. Es gibt mehrere gut betonnte Fahrwasser und in der Ferne können wir schon die Skyline von Manhattan ahnen.
Unser Ziel ist der Hafen von Atlantic Highlands. Es gibt eine Marina und ein großes Mooringfeld, aber auch die Möglichkeit, hinter dem Wellenbrecher zu ankern und wir finden dort noch ein Plätzchen. Es ist immer spannend, wie der Wind und die Strömung die Lage der Boote zueinander verändert, aber bisher haben wir ausreichend Abstand.

Wir ruhen uns beide noch etwas aus – eine Nacht reicht nicht, um in den richtigen Rhythmus zu kommen – und dann kümmert sich Ralf um das Beiboot und ich recherchiere, was wir uns in New York ansehen können, wo das ist, was es kostet, wie wir am besten hinkommen etc. Ab Freitag haben wir einen Liegeplatz in der Liberty Landing Marina und dann kommen auch Leonie und Paul zu uns an Bord.
Bis ich alle Listen geschrieben und die Links und Karten gefunden habe wird es schon wieder Abend. Die Tage gehen wirklich unglaublich schnell herum. Mir gefällt besonders gut, dass es so unterschiedlich ist: Städtereisen, Naturschutzgebiete, Segeln, Instandhaltungen, Haushalt und Wäsche, Verwaltung, Fotografie, Bloggen, Lebensmittel und Ersatzteile besorgen, Leute kennenlernen, Pläne machen, Kontakte pflegen… viel Freiheit und viel Verantwortung.

Dienstag, 10. Juli 2018

Tag 371 - Cape May-Atlantik: In die Nacht

Die Wettervorhersage ist günstig für heute und morgen – danach soll der Wind wieder auf nördliche Richtungen drehen. Mittlerweile hat auch die „Tropical Depression #3“ einen Namen bekommen: Chris liegt immer noch zwischen Bermuda und Cape Hatteras und soll später nach Nordosten ziehen. Wir machen uns also auf den Weg und wollen gleich bis kurz vor New York nach Sandy Hook (oder besser um Sandy Hook herum) segeln.
Den Morgen verbringen wir damit, die Triton wieder atlantik-tauglich zu machen. Seit Beaufort sind wir ja im Binnenland unterwegs gewesen. Wir verpacken das Beiboot und stauen alles unter Deck seegangs-sicher. Ich habe ca. eine Stunde den Plotter an und es ist erstaunlich, wie viel sich das Boot vor Anker bewegt.
Der richtige Wind soll erst nachmittags kommen und daher fahren wir um 13:00 Uhr los. Wir rechnen mit ca. 23 Stunden für die 115 sm und so kommen wir auf jeden Fall im Hellen an. Wir nehmen Abschied von Cape May und während ich durch das „Inlet“ herausfahre, zieht Ralf schon mal das Groß hoch. Draußen versuchen wir es dann mit Segeln, aber es ist noch zu wenig Wind und zuviel Welle, so dass wir kurze Zeit später alles wieder herunternehmen.
Aber nach 15 sm kommt dann der angesagte Wind, Segel hoch (ausgebaumt), Sir Henry aktiviert und wir schaukeln (Wind von hinten = Gauki-Kurs) recht flott in Richtung Ziel. Der Himmel ist wolkenlos und strahlend blau, die Temperaturen sind angenehm – so kann es bleiben. Wir fahren relativ dicht unter der Küste entlang und haben daher Gelegenheit, die Silhouette von Atlantic City zu bewundern, das bekannt ist für seine Spielkasinos.
Trotz der Schaukelei kocht Ralf Lendchen, Ofenkartoffeln und Gemüse. Zum Nachtisch gibt es dann noch Schokoladenpudding mit Bananen (Ralf) oder Erdbeeren (ich). Beim Spülen muss ich dann nur darauf achten, nicht zu viel Wasser ins Becken zu füllen, sonst schwappt es wieder heraus.
Wir genießen noch den Sonnenuntergang neben uns, der dann kann ich noch „richtig“ bloggen, denn wir sind so nah an Land, dass ich noch Internet-Empfang habe. Hoffentlich läuft es weiter so gut.

Montag, 9. Juli 2018

Tag 370 - Cape May: Rad fahren, Treppen steigen, ankern

Wir wollen natürlich unsere Fahrräder nutzen und haben daher für heute eine Tour geplant. Wir fahren nicht wieder über die „Brücke des Grauens“ wie gestern Abend und nehmen eine andere, die auch über den Cape May Kanal führt und die diesmal dankenswerterweise einen Seitenstreifen für Radfahrer hat. Unterwegs kommen wir zufällig noch an einem West Marine Geschäft vorbei und bekommen das fehlende Kabel für den neuen Autopiloten – gut!
Weniger gut ist, dass wir bezüglich der Fahrradtour unterschiedliche Vorstellungen haben, die vorher nicht kommuniziert wurden… Ich habe angenommen a) Ziel ist der Leuchtturm b) wir wollen dort direkt hinfahren c) dazu ist eine Karte sinnvoll d) wir halten unterwegs ab und zu an, um in diese zu schauen und eventuell ein Foto zu machen. Wie sich nach kurzer Zeit herausstellt ist Ralfs Idee a) wir machen eine Radtour b) es gibt es kein direktes Ziel c) eine Karte ist nicht nötig, ggf. einfach fragen d) so wenig wie möglich anhalten…
Das führt natürlich gleich zu Diskussionen, weil ich der Meinung bin, dass wir in die falsche Richtung fahren… Wir einigen uns dann auf Ziel Leuchtturm, so wenig wie möglich anhalten und die Fotos beim Fahren machen. Es läuft nicht ganz problemlos (unter anderem, weil wir am Schild Richtung Leuchtturm vorbeifahren…), aber schließlich kommen wir gut an und packen erst einmal unser vorbereitetes Frühstücks-Picknick aus.
Mit dem Essen steigt auch die Stimmung und wir steigen dann die 217 Stufen nach oben, davon 199 Stufen auf einer eisernen Wendeltreppe. Alle 30 Stufen gibt es einen Absatz und dort Tafeln mit Informationen. Der Leuchtturm hat eine zylindrische Innenhülle, in der die Treppe verläuft, und aus Stabilitätsgründen eine nach oben schmaler werdende Außenhülle.
Früher gab es hier mehrere Leuchtturmwärter, die im Schichtdienst arbeiteten und in Häusern nebenan wohnten. Jetzt ist das natürlich nicht mehr nötig, denn alles ist automatisiert. Interessant finden wir, wie sich die Größe der Lampen über die Jahre geändert hat. Die älteste ist links die blaue und die neuste ist in der Mitte die rote.
Bei dem wunderbaren Wetter haben wir von oben einen tollen Ausblick in alle Richtungen. Wir sehen das Naturschutzgebiet mit vielen Schwänen…
…und vor dem Kap, um das wir vorgestern gefahren sind, haben sich bei dem starken Wind jetzt die berühmten „stehenden Wellen“ gebildet.
Aus fast 50 m Höhe sieht die Welt unter uns wie eine Spielzeuglandschaft aus. In dem kleinen Info-Zentrum (mit rotem Dach) kaufen wir noch einen Anstecker für unsere Sammlung im Schiff.
Auf dem Rückweg ist klar, wo wir jetzt hinwollen und so verläuft die Fahrt harmonisch. Hier in Cape May Point und auch in Cape May selbst gibt es viele nette Häuser mit gepflegten Gärten und originelle Geschäfte.
Wir kehren noch in einem Café ein, wo wir ganz ausgezeichnete Waffeln bzw. „Flatjacks“ (Pfannkuchen) mit Früchten und Sahne bekommen. Dann geben wir die Räder zurück und fahren mit „Lyft“, einem Konkurrenten von Uber, wieder zu unserem Hafen.
Wir sind rechtzeitig bei Hochwasser am Start und suchen dann eine Weile im flachen und vollen Hafenbecken nach einem geeigneten Ankerplatz. Wichtig ist dabei, zu berücksichtigen, dass wir bei Ebbe 1,5 m weniger Wasser haben werden – also benötigen wir mindestens 4 m unterm Kiel. Schließlich finden wir eine halbwegs gute Stelle und können von dort aus zwei 420er unter Spinnaker beobachten. Schöne Erinnerungen für Ralf, der seine Regattakarriere im 420er begonnen hat.

Sonntag, 8. Juli 2018

Tag 369 - Cape May: Kabel ziehen und Rad fahren

In der Nacht kommt der vorhergesagte Starkwind und nachdem wir uns die Boote angeschaut haben, die auf dem Ankerplatz hin- und herschaukeln, beschließen wir, noch einen Tag in der Marina zu verbringen und diesen für Arbeiten am Schiff zu nutzen. Heute wollen wir die Kabel für die neue Selbststeueranlage ziehen. Der Kompass ist vorne recht unter Ralfs Koje, der Ruderlagengeber neben dem Ruderquadranten ganz hinten in der Achterkajüte und das Bedienpaneel ist im Cockpit…
Das bedeutet, die Bodenbretter herausnehmen, die Kojen aufmachen und die ganze Backskiste ausräumen. In allerkürzester Zeit sieht das Schiff aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, denn da ist richtig viel drin… Ganz ausgeräumt kann hat Ralf fast Stehhöhe…
Ich werde für Handlangerdienste gebraucht (an Kabeln rotteln, Ruder hin- und herbewegen, Sachen festhalten) und amüsiere mich in der Zwischenzeit damit, Mails zu bearbeiten und die Bedienungsanleitung für die Selbststeueranlage zu lesen, denn wenn sie fertig eingebaut ist, bin ich für das Einrichten zuständig.
Ich schaue auch nach dem Wetter, denn Tropical Storm „Beryl“ ist in Richtung Karibik unterwegs, wo noch einige unserer Segelbekannten sind und neben uns auf dem Atlantik hat sich „Tropical Depression #3“ gebildet – noch nicht stark genug, um einen Namen zu bekommen.
Im Moment kommt der Wind aber sowieso aus der falschen Richtung, so dass wir morgen auf jeden Fall noch hierbleiben wollen. Bisher zeigen die Vorhersagen für Montag Nachmittag/Abend eine günstigere Winddrehung.
Bis wir fertig sind, ist es schon Spätnachmittag, aber wir wollen noch in den Ort gehen und etwas einkaufen. Zum tatsächlich gehen ist es allerdings (mal wieder) zu weit und Ralf spricht auf dem Parkplatz einen Herrn an, ob er uns mitnehmen kann. Mike ist sehr freundlich und fährt sogar für uns einen Umweg. Als erstes sehen wir einen Fahrradverleih und wir mieten zwei Räder und fahren an den nahegelegen Strand.
Ganz wunderbar ist, dass es hier nicht mehr warm ist. Wir haben kräftigen Nordwest-Wind und ich habe zum ersten Mal seit sehr langer Zeit eine richtige Hose an (sonst nur Shorts oder Leggins) und ein Shirt mit Ärmeln. Zum Frühstück im Cockpit habe ich eine Steppweste aktiviert… Cape May ist ein sehr beliebter Badeort und wir laufen noch ein Stück durch die Fußgängerzone und kommen am Konzertpavillion vorbei, wo drei Damen im Stil der Andrew Sisters richtig gut singen.
Wir gehen noch einkaufen und treten dann mit vollbeladenen Rädern den Rückweg an. Was wir nicht beachtet hatten war, dass an den Rädern kein Licht ist und mittlerweile ist es dunkel geworden. Sehr unangenehm, unbeleuchtet auf der mehrspurigen Fahrbahn unterwegs zu sein. Aber alles geht gut und wir landen sicher wieder in unserem Hafen.