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Montag, 7. Mai 2018

Tag 307 - Kurs Bermuda 6: Angekommen!

06.05.2018 12:00 Bordzeit – Etmal: 133 sm
Position: 32°22,77' N  64°39,28‘ W – Log: 835 – Rest: 3

Bis zum Abendessen lassen wir den Gennaker stehen und genießen die gute Fahrt – wieder traumhaftes Segeln! Dann geht es mit Fock und Groß weiter in die Nacht. Bei meiner Wache bis 24:00 Uhr habe ich wieder einen wunderschönen Sternenhimmel – so weit weg von Lichtverschmutzung ist wirklich etwas Besonderes und ich genieße die Fahrt. Endlich sehe ich auch wieder ein anderes Schiff – seit der ersten Nacht waren wir ganz alleine unterwegs.
Als Ralf mich dann ablöst, bauen wir wieder den Ausbaumer auf. Wir haben die Leinen schon vorbereitet und mit Hilfe des mittlerweile aufgegangenen Mondes und einer roten Kopflampe klappt das Manöver problemlos. Da der Ausbaumer fest installiert ist, kann der Wachhabende das Segel nach Bedarf ausbaumen oder normal fahren, ohne den anderen wecken zu müssen.

Bermuda ist nicht besonders hoch (höchste Erhebung 79 m) und so taucht es erst relativ spät am Horizont auf. Nach dem gemütlichen Frühstück melden wir uns um 10:00 Uhr bei Bermuda Radio an. Wir haben schon vorab ein ausführliches Formular ausgefüllt und so sind wir schon bekannt und das Gespräch ist kurz und freundlich. Ein anderes Schiff muss langwierig alle Details über Funk angeben, so z.B. das Fabrikat der Rettungsinsel und die 15-stellige Nummer auf dem EPIRB…
Das letzte Stück bis zum engen Kanal fahren wir nur mit Fock. Die schmale Durchfahrt erinnert mich an die Einfahrt in den Eicher See. Dahinter öffnet sich ein sehr geschütztes Hafenbecken und wir steuern direkt Customs and Immigration an, um uns ordnungsgemäß anzumelden. Hier müssen wir uns wieder beide vorstellen, aber der Papierkram klappt schnell und problemlos. Für die 838 sm haben wir 5 Tage und 18 Stunden benötigt, das entspricht einem Schnitt von 6 kn. Wir hatten wirklich eine sehr gute Wetterberatung und eine optimale Überfahrt.

Danach verholen wir uns zum Ankerplatz, der erstaunlich ruhig ist. Wir räumen noch das Schiff etwas auf und verstauen die Fender und Festmacher wieder, essen eine Kleinigkeit und begeben uns für einen ausführlichen Mittagsschlaf in die Kojen. Abends gibt es dann noch frische Bettwäsche und eine ausgiebige Dusche. Nun sind wir satt, sauber und ausgeruht und ich freue mich darauf, morgen die Insel zu erkunden.

Samstag, 5. Mai 2018

Tag 306 - Kurs Bermuda 5: Sonne, Mond und Sterne

05.05.2018 12:00 Bordzeit – Etmal: 135 sm
Position: 30°09,01' N  64°39,74‘ W – Log: 702 – Rest: 136

Auch am Freitagnachmittag ging es weiter mit dem Traumsegeln mit Sonnenschein und halben Wind. Wir können später auch noch das Groß ganz ausreffen und sind dann mit vollen Segeln unterwegs. Weil der Wind etwas schwächer ist, sind auch die Wellen kleiner geworden – wirklich optimale Bedingungen und wir haben richtig Spaß! Auch die Lage unter Deck hat sich wesentlich verbessert: nicht mehr so schräg und viel ruhigere Bewegungen, dadurch können wir entspannter schlafen, kochen, duschen und zur Toilette gehen.
Zum Abendessen – wieder vorgekocht – können wir sogar den Cockpittisch aufbauen und dann abspülen, ohne in Gefahr zu laufen, dass das Wasser aus dem Spülbecken schwappt. Wir merken, dass wir in den vergangenen Tagen deutlich weiter nach Norden gekommen sind, denn die Sonne geht nicht mehr – wie in den Tropen – um 6:00 plötzlich auf und um 18:00 Uhr ebenso schnell wieder unter. Stattdessen ist der Tag jetzt deutlich länger als die Nacht und es gibt jeweils eine Phase der Dämmerung.
Aber irgendwann ist dann auch die schönste Dämmerung vorbei und es wird Nacht. Mittlerweile hat der Mond abgenommen und das bedeutet, dass er später aufgeht und erst einmal den Sternen Gelegenheit gibt, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Während meiner Wache habe ich also einen ganz wunderbaren Sternenhimmel über mir. Zwei davon, einer rechts, einer links des Bootes, scheinen so hell, dass sie jeweils eine silberne Spur auf dem Wasser hinterlassen. Dank meiner „Skymap“ App kann ich sie identifizieren und weiß daher, dass ich von Venus und Saturn durch die Nacht begleitet werde.
Während der ganzen Zeit haben wir uns immer mehr unserer Kurslinie genähert und beim Wachwechsel um 4:00 Uhr bauen wir den Ausbaumer auf, weil der Wind immer weiter von hinten kommen soll. Das erweist sich aber als voreilig. Statt zu drehen wird der Wind immer schwächer und wir dementsprechend immer langsamer. Wir warten erst einmal noch etwas ab und versuchen, die Wetterdaten zu bekommen, aber zum ersten Mal gelingt es nicht, die Grib-Files abzurufen, so dass wir nicht wissen, wie sich die Sache weiter entwickeln wird.
Jedenfalls haben wir keine Lust, hier herumzudümpeln und daher bauen wir den Ausbaumer wieder ab und aktivieren stattdessen den Gennaker-Rüssel und unseren alten, rot-blauen Gennaker. Es dauert eine Weile, bis wir alle Leinen und Lieken (das sind die Seiten des Segels) sortiert haben, aber dann ist er oben. Wir probieren etwas herum, um Kurs und Segelstellung so zu optimieren, dass Sir Henry stressfrei fahren kann, aber die Arbeit hat sich gelohnt, denn nun geht es wieder flott voran. Wir können unsere Kurslinie nicht ganz halten und sind jetzt etwas zu weit links. Der Plan ist, nachts das Teil wieder herunterzunehmen und dann entsprechend anzuluven.

Freitag, 4. Mai 2018

Tag 305 - Kurs Bermuda 4: Blaues Wasser

04.05.2018 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 149 sm
Position: 27°58,11' N 64°26,22' W – Log: 567 sm – Rest: 267 sm

Unsere letzte heftige Schauerböe hatten wir gestern Nachmittag. Eigentlich wollte ich gestern auch Duschen und da hätte es sich wassersparend angeboten, sich eingeseift ins Cockpit zu setzen und einfach zu warten… Ich bin dann aber dann doch lieber im Ölzeug unterm Dach geblieben.

Es gab wieder gutes Essen und wir waren wieder froh, dass alles schon fertig war und nur aufgewärmt zu werden brauchte. Für warmes Wasser und Strom, weil der Tag so bedeckt war, haben wir dann die Batterien noch eine Stunde mit dem Motor geladen.. Nachts war es noch ziemlich windig, so dass wir jeweils zwei Reffs in Groß und Fock hatten, aber sonst war es eine gute Nacht in der wir schlafen konnten und vorangekommen sind.
Letztendlich hatten wir bisher nur 24 Stunden „nasty weather" und dann, genau wie angekündigt, heute morgen nach Überquerung des 27. Breitengrades „pleasant sailing". Wir können nach und nach Ausreffen und haben jetzt nur noch das Groß 1x gerefft. Ich habe meine – doch recht nötige – Dusche nachgeholt und etwas Ordnung im Schiff gemacht, denn überall lag mehr oder weniger feuchtes Zeug herum.

Während ich so gemütlich im Cockpit sitze, sehe ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung: die Dirk (Leine vom Ende des Großbaums zur Mastspitze) 6 flattert jetzt munter neben dem Boot Von allen Leinen ist diese das kleinste Problem, denn sie wird nur gebraucht, wenn kein Segel oben ist. Aber so hängen lassen wollen wir sie auch nicht. Wir beobachten ihre Bewegungen und Ralf gelingt es, sie genau im richtigen Moment zu greifen.
Sonst läuft es hier gerade sehr gut. Nur nette weiße Wolken am hellblauen Himmel, das Wasser ist wieder von dem unbeschreiblich schönen Blau und die Triton rennt mit halben Wind und maximaler Geschwindigkeit Richtung Bermuda. So kann es gerne weitergehen!

Donnerstag, 3. Mai 2018

Tag 304 - Kurs Bermuda 3: Schauerwetter

03.05.2018 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 152 sm
Position: 25°24,05' N 64°14,43 W – Log: 418 sm – Rest: 421 sm

Während ich hier schreibe, haben wir Bergfest und die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Auch in den letzten 24 Stunden sind wir gut vorangekommen, allerdings mit ganz anderen Bedingungen als gestern. Chris Parker, unser Wetterberater hatte für Mittwochnachmittag mehr Wind und später auch Schauerböen angekündigt und genauso kam es dann auch.
Das Kaffeetrinken haben wir durch Groß reffen ersetzt und vor dem Abendessen dann auch noch die Fock verkleinert. Auch so war unser kardanisch aufgehängter Herd am Anschlag. Aber die Nudeln mit Hackfleischsauce haben trotzdem köstlich geschmeckt. In Ralfs Wache von 20:00 – 24:00 Uhr geht es einfach nur schnell und schaukelig voran. Ich übernehme um Mitternacht und es ist wirklich eine wilde Fahrt. Ich kann im Mondlicht dicke schwarze Wolken erkennen, aber sie ziehen vor- oder hinter uns vorbei.
Aber irgendwann sind wir natürlich auch an der Reihe und um 3:30 kommt Ralf für das 2. Reff im Groß, das er im strömenden Regen einbindet. Während seiner Wache geht es munter weiter, so dass keine Langeweile aufkommt. Ich schlafe trotzdem erstaunlich gut. Morgens rufen wir dann die neuen Wetterdaten ab – nach den Grib-Files weiter halber Wind für uns. Dabei stellen wir fest, dass wir nur noch 31 Minuten Guthaben auf unserem Satelliten-Telefon haben – da hat was nicht geklappt, denn bevor wir losgefahren sind, hatten wir 151 Minuten???? Das müssen wir klären. Wenn ich nicht mehr blogge, dann spare ich Daten für das wichtige Wetter.

Während meiner Wache bekomme ich in einer Stunde gleich drei fette Schauerböen ab. Es beginnt mit ominösen schwarzen Wolken, die bedrohlich aussehen. Dann wird der Wind wesentlich stärker und dreht und zum Schluss öffnen sich die Schleusen des Himmels und es schüttet wie aus Eimern. In der Böe falle ich ab (vom Wind wegfahren) und lasse das Groß heraus, um den Druck zu reduzieren. Der ganze Spaß dauert 15-20 Minuten.
Und dann beginnt der wirklich unangenehme Teil: nach der Schauerböe ist erst einmal der Wind wesentlich schwächer, aber die Wellen natürlich nicht und so schaukelt das Schiff heftig und die Segel schlagen. Eigentlich könnten wir jetzt ausreffen, aber die nächste schwarze Wolke kommt bestimmt…. Also binden wir erst einmal nur das Groß mit einer Mini-Bulle (nur bis zur Mittelklampe) fest… und richtig, kurze Zeit später geht das Ganze von vorne los! Auf dem Radar können wir gut erkennen, wie die Schauerböen ziehen (Angriff der Killeramöben oder so...)
Wir sind sehr angetan, wie gut Lady Triton und Sir Henry mit diesen Bedingungen fertig werden. Wenn wir darauf achten, dass das Schiff ausgewogen segelt (was bei der gutmütigen Triton kein Problem ist), so dass Henry nicht am Anschlag arbeitet, dann steuert er unermüdlich und zuverlässig. Ich denke im Moment auch oft voller Dankbarkeit an meinen Schwiegervater Philipp, der die hervorragende Idee hatte, ein festes Dach auf die Triton zu bauen. Zusammen mit den festen Scheiben haben wir dadurch zwei sehr geschützte und relativ trockene Sitzplätze im Cockpit.

Mittwoch, 2. Mai 2018

Tag 303 - Kurs Bermuda 2: Schöne Fahrt

02.05.2018 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 152 sm
Position: 22°54,52' N 64°11,96 W – Log: 266 sm – Rest: 571 sm

In den letzten 24 Stunden haben wir 152 sm zurückgelegt, ein Schnitt von 6,3 kn, und damit sind wir sehr zufrieden. Der Wind ist etwas schwächer geworden und dadurch haben wir auch ruhigere Bewegungen. Gestern Abend gab es sehr leckeres Curryhuhn und die Nachtwache wurde erhellt durch den fast vollen Mond.

Sonst gibt es hier wenig zu sehen. Keine Schiffe, keine Vögel, keine Wale. Nur zwei ziemlich tote fliegende Fische lagen heute morgen an Deck. Die nächsten Menschen waren mit einem Flugzeug über uns unterwegs.

Wir sind immer noch rechts von unserer Kurslinie, wollen uns aber im Lauf des Tages langsam wieder annähern. Unsere aktuell abgerufenen Wetterdaten zeigen eine positive Prognose für uns. Wir arbeiten jetzt mit Predictwind und das Programm gefällt uns recht gut. Wir senden ein Mail per Satellit mit einer Anfrage für ein bestimmtes Gebiet und kurze Zeit später können wir dann die so genannten „Grib-Files" abrufen. Kurze Zeit ist hier relativ zu sehen, weil wir oft viele Versuche benötigen, bevor die Verbindung steht. Aber wir haben ja Zeit… Die abgerufenen Daten werden dann sehr nett farbig und sogar als Film dargestellt.
Ich hoffe sehr, dass die Fahrt so flott und ereignislos weiter geht. An dieser Stelle noch Danke für die liebe SMS und Grüße und Glückwünsche an Karina, die heute Geburtstag hat.

Dienstag, 1. Mai 2018

Tag 302 - Kurs Bermuda 1: Segeln in den Mai

01.05.2018 12:00 Uhr Bordzeit
Position: 20°21,05'N 64°13,31 W – Log: 114 sm – Rest: 724 sm

Mit letzten Licht um kurz vor 19:00 Uhr werfen wir die Mooring los und starten unsere Reise Richtung Bermuda. Wegen des günstigen Wetterfensters ging das jetzt alles recht schnell und die letzten beiden Tage waren intensiv und gefüllt mit Vorbereitungen. Nach den schweißtreibenden Kochorgien heute Nachmittag, die das Boot in eine Sauna verwandelt haben, noch eine schnelle Dusche auf dem Achterdeck und so sind Schiff und Crew sauber und bereit für die Fahrt.

Wir ziehen die Segel hoch und fahren noch zwischen den letzten kleinen Inseln hindurch und dann kehrt Ruhe ein. Die Entscheidung ist getroffen, wir haben uns nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet und ab jetzt gibt es nur noch Wind, Wetter, Wellen, das Schiff und uns. Unser Universum ist klein geworden: Kurs überprüfen, Ausschau halten, Wetter beobachten, schlafen, essen, lesen, Musik oder Hörbuch hören, zur Toilette hangeln, etwas Körperpflege. Sir Henry und die Triton erledigen die Arbeit und wir greifen nur ab und zu korrigierend ein.
Von unserem Wetterfrosch haben wir einen genauen Plan, wie wir fahren sollen und für die Nacht ist erst einmal Kurs direkt zum Ziel angesagt. Der Wind kommt ziemlich genau von der Seite (halber Wind), das ist der schnellste Kurs und so kommen wir gut voran. Zum atlantischen Schwell kommen noch die Windwellen, so dass wir mal wieder ziemlich schnell aber auch ziemlich unbequem unterwegs sind. Trotzdem schlafen wir beide recht gut, denn das Schiff liegt stabil auf der linken Seite.

Heute morgen haben wir nach Anweisung damit begonnen, etwas nach Osten vom direkten Kurs abzuweichen, damit wir den Winddreher morgen besser fahren können. Wir sind gespannt, ob das klappt. Ich werde jetzt immer versuchen, nach der Mittagsposition zu bloggen und dabei gleich noch das Mail mit der Anforderung unserer Wetterdaten zu versenden. Im Moment haben wir Sonne und guten Wind, Ralf schläft, ich schreibe und es geht gut voran.