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Freitag, 20. Juni 2025

Tag 41 - Stornoway: Viele Erledigungen

Noch ein Tag in Storoway, denn der Wind ist immer noch nicht günstig für uns. Also machen wir uns auf, um ein paar Besorgungen zu erledigen. Ralf hatte ja auf Islay ein Pedal ein seinem Fahrrad verloren, aber der Ingenieur weiß sich zu helfen.
Als erste fahren wir zum Ausrüstungladen für die Fischer hier, der von außen sehr unauffällig aussieht, innen aber ein sehr großes Angebot zu günstigen Preisen hat.
Die nächste Station ist das Hafenamt, wo wir noch das Liegegeld für eine Nacht bezahlen, Ralf ein altes Barometer bewundert und ich Informationen über die Orkney-Inseln aus Handbuch für die Großschifffahrt abfotografieren.
Ralf will sich noch weitere Tweed-Westen anschauen und wir besuchen den entsprechenden Laden hier. Es stellt sich heraus, dass es eine gute Entscheidung war, in Tarbert einzukaufen, denn hier ist die Auswahl sehr beschränkt und die Muster, die uns gefallen, gibt es nicht in der passenden Größe.
Durch die Nähe zu den Geschäften, können wir uns zum Mittagessen mit frischem Brot versorgen. Ralf probiert "Kippers", geräucherte Heringen, die hier besonders zum Frühstück gegessen werden. Ralf schmecken sie, aber ich finde sie zu salzig.
Wir machen eine kurze Mittagspause und gehen dann los, um im  nett aussehenden Café "Blue Lobster" direkt am Hafen noch vor Geschäftsschluss um 16:00 Uhr draußen Kaffee zu trinken. Wie wir es schon öfter erlebt haben, gibt es für draußen aber nur Wegwerfbecher und keine Porzellantassen. Ralf beschließt, dann auf den Kaffee zu verzichten.
Statt dessen will er sich noch etwas die Gegend ansehen, aber ich fühle mich heute nicht nach Fahrradtour und so macht er sich alleine auf den Weg auf die andere Seite der Bucht (Foto von Ralf).
Heute haben wir blauen Himmel und Sonne (obwohl es immer noch recht kalt ist, so um die 15 Grad) und es ergeben sich schöne Ausblicke (Foto von Ralf).
Ich hatte ihn gebeten, auch die großen Palmen zu fotografieren, die ich vom Bus aus gesehen hatte. Wirklich erstaunlich, dass sie (durch den Golfstrom) auch noch in so hohen Breiten wachsen! Zusätzlich gibt es noch die Skulptur eines Hochlandrinds. Die werden hier überall gezeigt, alles Mögliche und Unmöglich wird damit bedruckt, es gibt sie als Schlüsselanhänger, Kühlschrankmagneten und Kuscheltiere - nur "in echt" habe ich noch keine gesehen...
Während Ralf unterwegs ist, mache ich mich an die Planung für die nächsten Tage. Wir wollen gerne weitersegeln und das nächste Ziel sind die Orkney-Inseln (Stromness). Dazu müssen wir die Nordwest-Ecke von Schottland, Cape Wrath, runden. Dort ist auch noch ein Schießgebiet zu beachten. Auch bei der Einfahrt in die Orkney-Inseln gibt es erhebliche Strömungen. Daher ist eine sorgfältige Zeitplanung erforderlich, um nicht gegen die Tide zu arbeiten. Wahrscheinlich werden wir noch in einer Bucht auf dem Festland (Kinlochbervie) einen Zwischenstopp einlegen.
 

Donnerstag, 19. Juni 2025

Tag 40 - Lewis: Geschichte und Geschichten

So wie es aussieht, gibt es erst am Samstag guten Segelwind und so bleiben wir erst einmal hier auf Lewis. Das bedeutet, dass wir Zeit haben, uns weiter die Insel anzusehen. Auf dem Weg zur Bushhaltestelle werfen wir einen Blick in das Art Center hier in Stornoway und auf eine Installation mit Musik zum Thema Heimat und Zugehörigkeit.
Diesmal fahren wir mit dem öffentlichen Bus auf die Westseite der Insel nach Gearrannan, wo es ein "Blackhouse Village" gibt.
Die Landschaft ist nicht so beeindrucken wie auf Harris, aber auch nicht so eintönig, wie die Moore auf der Fahrt nach Norden.
Wir werden an einer Brücke abgesetzt und von dort aus fährt dann ein kleiner Bus durch das Umland und bringt die Menschen zu ihren Häusern. Diese stehen überwiegend in der Nähe der Küste und es gibt wieder nette Ausblicke.
Die "schwarzen Häuser" sind mit einer doppelten Bruchsteinmauer gebaut und haben ein Reetdach, das oft noch mit einem durch Steine beschwerten Netz gesichert ist (siehe Titelbild). Die Gebäude hatten traditionell keine Fenster und geheizt wurde mit Torf, der im Moor gestochen und dann getrocknet wurde. Er wird vor dem Haus aufgeschichtet und ist nach dem Trocknen unempfindlich gegen Regen.
Drinnen lebten die Menschen, durch eine Mauer getrennt, zusammen mit dem Vieh. Die Häuser hier wurden bis in die 70er Jahre von einem älteren Schwesternpaar bewohnt. Hier steht auch wieder ein Webstuhl, der leider im Moment nicht funktioniert. Ab dem 19. Jahrhundert wurden "White Houses" errichtet, die weiß gestrichen waren, Fenster und Kamin hatten und in denen die Menschen getrennt von den Tieren lebten.
Im Haus bekommen wir Informationen von Freiwilligen, die Fragen beantworten, Informationen geben und Geschichten erzählen. Ich hatte es schon vorher gelesen, bekomme es hier aber noch einmal bestätigt: die Mutter von Donald Trump ist eine geborene MacLeod aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Stornoway und sprach als Muttersprache Gälisch. Sie wanderte 1930 nach USA aus, arbeitete dort als Hausangestellte und heiratete später den reichen Unternehmer Fred Trump. Donald ist das vierte ihrer fünf Kinder.
Wir erfahren auch, dass Coco Chanel auf dem Landgut eines englischen Liebhabers, dem Duke of Winchester, Tweed-Stoffe kennenlernte und diese dann auch in der Damenmode verwendete - später auch für ihre berühmen Chanel-Kostüme.
Danach geht es wieder mit den zwei Bussen - die sehr pünktlich fahren - zurück über die Insel nach Stornoway und zur Triton. Leider hat Ralf seinen schönen Sonnenhut auf dem Hinweg im Bus vergessen und wir hoffen, dass wir ihn morgen zurückbekommen können.
 

Mittwoch, 18. Juni 2025

Tag 39 - Lewis: Ans Ende der Welt

Die Isle of Lewis ist die nördlichste Insel der äußeren Hebriden, einer ganzen Kette von Inseln, die sich über rund 200 km von Norden nach Süden erstrecken (im Bild gelb). Interessanterweise sind die südlichen Inseln katholisch und die nördlichen evangelisch-freikirchlich - mit wie schon erwähnt strenger Sabbatruhe - geprägt.
Heute wollen wir mit dem Bus zu einem Ort ganz an der Nordspitze von Lewis fahren. Ich bin darauf gekommen, weil ich durch Wikipedia auf eine Krimi-Reihe aufmerksam geworden bin, die auf diesen Inseln spielt. Der Ermittler ist genau hier aufgewachsen und die Landschaft und das Wetter werden sehr atmosphärisch geschildert. Ich bin gerade beim 2. Band - sehr spannend!
Wir haben ja bereits eine Bustour auf dem südlichen Teil, der Isle of Harris unternommen und waren da ganz fasziniert von der abwechslungsreichen Landschaft: hohe Berge, karge Weiden mit sichtbaren Steinen und nur einer ganz dünnen Erdschicht, immer wieder Wasserflächen durch tiefe Buchten und Süßwasserseen. Kaum zu glauben, dass wir hier geografisch auf der gleichen Insel sind, denn hier dominiert eine flache Moorlandschaft (tatsächlich wird im 2. Band der Krimireihe eine Moorleiche gefunden).
Wenn kein Moor neben der Straße liegt, gibt es flache Weiden und einzelne Häuser - nicht sehr abwechslungsreich.
Wir werden dann aber duch den Ausblick am Ende der Fahrt entschädigt. Hier gibt es einen alten Hafen (der im 1. Band eine Rolle spielt) und der Ausblick ist fantastisch (siehe auch Titelbild).
Hier gibt es auch ein nettes Café, in dem wir einen Mittags-Imbiss bekommen. Danach laufen wir noch hinunter in den Hafen...
...und weiter an den Strand mit dem türkisfarbenen Wasser. Allerdings bilden sich schon wieder die ersten Wolken...
...und wenige Minuten später beginnt es zu Regnen. Hier stimmt - wie in Irland - die Regel: "Das Wetter gefällt dir nicht? - Warte 15 Minuten!". Die Gebäude am Hafen sind verfallen und ziemlich desolat.
Wir werfen noch einen Blick in eine kleine Kunstgalerie und laufen dann zurück zur Bushaltestelle. Die Busse fahren hier nur wenige Male am Tag, daher ist es wichtig, diesen nicht zu verpassen.
Wie sich herausstellt, fungiert der Bus auch als Schulbus und ist voll mit Kindern. Da die Häuser überwiegend an der einzigen Straße stehen, können sie quasi vor der Tür abgesetzt werden.
Außerdem sehe ich tatsächlich neben der Straße Rotwild - leider etwas unscharf, weil ich schell und mit starker Vergrößerung reagieren musste.
Der Busbahnhof ist gleich neben dem Tesco und so nehmen wir uns noch frisches Brot und Salat zum Abendessen mit. Der Hafen ist ziemlich leer geworden, Ralf berichtet von seinem Spaziergang, dass auch in den Kneipen nix los ist und auch der Wind hat sich verabschiedet, so dass es hier sehr still und friedlich ist.
 

Dienstag, 17. Juni 2025

Tag 38 - Stornoway: Tweed, Schach und Geschichte

Wir bauen heute die Fahrräder auf, damit wir uns in der Hauptstadt etwas umschauen können. Unser erste Weg führt in die Tourist Information, wo wir sehr nett von einer jungen deutschen Dame beraten werden. Sie empfielt eine Führung zur Tweed-Herstellung im Story Room der "Harris Tweed Authority" gleich um die Ecke in der Town Hall.
Eine Weberin erklärt uns die verschiedenen Arbeitsschritte: Die Rohwolle (die nicht von hier stammen muss) wird auf den Inseln "in der Wolle" gefärbt. Die verschienen Farben werden je nach gewünschtem Ergebnis gemischt und dann erst in einer der drei offiziellen Mühlen gesponnen. Etwa 170 Weber stellen dann bei sich daheim (das ist wichtig) die Stoffe nach verschiedenen Mustern her.
Früher wurden dazu große Webstühle aus Holz mit Schiffchen verwendet. Ich erinnere mich noch, so einen auf Juist im Webergaden in Aktion gesehen zu haben.
Als die Nachfrage nach den Stoffen stieg, wurden Webstühle aus Gusseisen entwickelt. Von diesen sind noch etwa 20 in Betrieb, aber es wird schwierig, Ersatzteile zu bekommen. Hier gab es schon Hilfsmittel für die Muster in Form von gelochten Metallplatten. Ein Buch zeigt die Inspiration von Naturfarben für Stoffe.
Die Mehrzahl der Weber (und Weberinnen) verwendet eine moderne Version, die durch Pedale angetrieben wird.
Es gibt eine Art Lochkarte für Muster und die Fäden müssen nicht in ein Schiffchen gewickelt werden, sondern laufen direkt von der Rolle in die Maschine. Ein komplexer Vorgang ist der Wechsel von einem Muster zu einem anderen, bei dem über 1500 Kettfäden einzeln per Hand verknotet werden müssen (siehe unten rechts).
Die Harris Tweed Authority überwacht die Einhaltung der Regeln für den Prozess, stempelt die fertige Ware und geht gegen Plagiate vor. Nach diesen Einblicken in die Tweed-Herstellung und einem kurzen Mittagessen fahren wir mit den Rädern um den Hafen zum Lews Castle. Es wurde in den 1840er Jahren von Sir James Matheson erbaut, der im chinesischen Opium-Handel reich geworden war und die ganze Insel Lewis erworben hatte. Es ist leider heute nicht zu besichtigen, weil dort eine Hochzeit gefeiert wird. Aber wir können das angeschlossene Museum besuchen.
Das gesamte Museum ist zweisprachig mit Gälisch als Haupsprache und englischen Untertiteln. Eine große Wand ist den Menschen der Inseln (der äußeren Hebriden) gewidmet, die aus den verschiedenen Bereichen ihres Lebens erzählen. Zu beginn gibt es einen Raum, in dem die verschiedenen Landschaften auf drei Wände projeziert werden. Wir können ein aus Tweed gefertigtes Brautkleid bewundern und ein ganze Raum beschäftigt sich mit der Auswanderungsgeschichte.
Und dann sind da natürlich die berühmten "Lewis Chessmen", wunderschön und detailreich aus Walrosselfenbein geschnitzte Schachfiguren, die im 19. Jahrhundert hier auf der Insel gefunden wurden und aus der Wikingerzeit um 1200 stammen (siehe auch Titelbild).
Danach gibt es noch Kaffee und Kuchen im Museumscafé und wir fahren am sehr großen und gut sortierten Tesco vorbei, um etwas zum Abendessen zu kaufen und kehren dann sehr zufriden aufs Boot zurück. Unterwegs fotografieren ich den Fischer und die Heringsfrau am Hafen.
Der schöne Tag mit typisch abwechslungsreichem Wetter endet mit einem Regenbogen über dem Hafen.

Montag, 16. Juni 2025

Tag 37 - Tarbert-Stornoway: Schnell unterwegs

Heute morgen stimmt der Wind und um 8:00 Uhr geht es los, immer an der Küste entlang von Tarbert auf der Isle of Harris nach Stornoway auf der Isle of Lewis. Wie gut zu sehen ist, handelt es sich tatsächlich geografisch um eine Insel.
Tarbert war der westlichste Punkt unserer Reise - nun geht es nach Norden und nach Osten. Heute kommt der Wind aus Südwesten und beginnen wir die Fahrt zunächst mit beiden Segeln auf der linken Seite des Bootes.
Währen wir aus der Bucht fahren, sehen wir neben uns eine große Anzahl von Seevögeln, darunter viele Basstölpel, die gut an ihrer Größe, ihren gelblichen Köpfen und ihren schwarzen Flügelspitzen zu erkennen sind. Sie stürzen sich wie Geschosse aus größerer Höhe ins Wasser. Und dann sehen wir auch mehrfach kurz die Rückenflosse eines Wals - wahrscheinlich ein Minkwal - leider zu kurz und zu weit entfernt, um ihn auf ein Foto zu bekommen.
Auf den Bergen der Insel neben uns liegen Wolkenfelder und das grau in grau erzeugt eine ganz besondere Stimmung.
Nach und nach ändern wir unseren Kurs nach Nordosten und das bedeutet, das der Wind jetzt von hinten kommt und wir das Vorsegel ausbaumen müssen, damit es nicht im Windschatten des Großsegels ist. Außerdem wird der Wind immer stärker und wir binden ein Reff ein (siehe Titelbild). Bei uns funktioniert das, ohne den Kurs ändern zu müssen. Der Küstenlinie folgend ändert sich dann der Kurs noch einmal nach Norden und wir halsen. Bei dem Manöver kommt der Baum wieder auf die andere Seite. Wir bauen auch den Ausbauer um.
Wie sich herausstellt ist das aber gar nicht erforderlich. Insgesamt kommen wir sehr gut und schnell voran. Die Triton fährt Höchstgeschwindigkeit und der Tidenstrom hilft kräftig mit, so dass wir in Rekordzeit die Einfahrt nach Stornoway erreichen. Hier steht wieder ein netter Leuchtturm.
Gleich am Hafen sehen wir schon Lews Castle, ein neogotisches Schloss aus der viktorianischen Zeit.
Wir kontaktieren den Hafen per Funk und bekommen eine Box zugewiesen. Das ist gut, denn heute Nacht wird Starkwind bis Sturm erwartet. Hier müssen wir zum ersten mal Anmeldepapiere ausfüllen. Wir sind sehr zufrieden mit dem schönen und schnellen Segeltag und beschließen heute erst mal etwas zu entspannen während es draußen regnet und stürmt. Morgen wollen wir uns den Ort und die Insel ansehen.