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Mittwoch, 4. Juli 2018

Tag 365 - Worton Creek-Grove Point: Hitze und Blitze

„Morgen soll es ein wenig kühler werden“ habe ich gestern optimistisch geschrieben. Weit gefehlt! Ich kann mich nicht erinnern, jemals außerhalb einer Sauna so geschwitzt zu haben… Und als Bonus war es noch Sauna mit Aufguss, denn zur Hitze kommt auch noch die Luftfeuchtigkeit. Wir hoffen wieder auf die Nachmittagsbrise und fahren erst um 13:45 Uhr los.
Es ist zwar nicht viel Wind, aber ein Kollege hat die Segel oben und so versuchen wir es auch. Wir haben es nicht weit (ca. 12 sm) und so ist es OK, dass wir nur seeeehr langsam vorankommen. Hier oben gibt es wieder mehr Tidenstrom, weil es im Chesapeake-Delaware Kanal keine Schleuse gibt und so auch Wasser von dort in die Bay strömen kann.
Es entwickelt sich ein Gegenstrom von ca. 1 Knoten - das wäre normalerweise bei einer Marschfahrt von 5 kn kein Problem… Aber wir machen ja selbst kaum Fahrt in Richtung Ziel. Irgendwann springt dann der Plotter um und zeigt an, dass wir rückwärts fahren… Das ist dann der Moment, in dem wir doch die Maschine anwerfen…
Wir haben uns einen Ankerplatz am Eingang des Sassafras River ausgesucht, vor dem kleinen Städtchen Betterton. Unser Handbuch beschreibt es als guten Ort zum Ankern und Baden. Wir kommen langsam näher und sehen verschiedene Jetski-Fahrer ihre Runden drehen. Im Wasser treibt  ein gekentertes Fahrzeug und daneben sehen wir zwei Schwimmer. Wir bieten unsere Hilfe an und haben die Unfallstelle schon fast erreicht, als ein weiterer Jetski mit zwei Helfern eintrifft, die das Teil dann wieder aufrichten und meinen, dass sie alleine klar kommen.
Wir fahren also weiter und werfen unseren Anker ziemlich nah am Landungssteg. Ich kontrolliere daher nochmal die Wettervorhersage bei Windfinder und Windy. Es soll nachts schwachwindig aus östlichen Richtungen bleiben. Schwachwindig bedeutet keine eindeutige Richtung beim Ankern, dazu kommt noch die Strömung durch die Tide. Nicht optimal.
Wir gehen aber erst einmal schwimmen, ein Genuss, nach dem heißen Tag. Das Wasser ist hier erstaunlich kühl und wir kommen richtig erfrischt wieder aufs Boot. Durch die Sonne ist das Teakdeck so heiß geworden, dass wir nicht mit nackten Füßen darauf laufen können, deswegen bekommt auch die Triton eine Dusche.
Ich bin gerade dabei, das Abendessen zu machen, als wir beide eine SMS mit einer Flutwarnung für unser Gebiet bekommen. Ein Blick zum Himmel zeigt ein ganz unerfreuliches Bild. Es haben sich dunkle Gewitterwolken aufgebaut und die Sonne geht mit einem ganz unheimlichen roten Licht unter. Eine merkwürdige Stimmung, aber es ist immer noch fast windstill.
Wir machen die Luken zu, räumen das Deck frei und sichern bewegliche Teile. Und dann geht es auch schon los und bläst aus allen Rohren. Unangenehm ist, dass – wie üblich – die Wolke den Wind ganz erheblich gedreht hat. Oberes Bild: Sonne etwa rechtwinklig zum Boot – unteres Bild: Sonne direkt vor dem Boot, das bedeutet, der Wind kommt jetzt aus westlichen Richtungen und wir liegen auf einmal mit dem Heck in Richtung Steg und Land. Gar nicht gut. Dazu kommt eine unangenehme Welle, die sich ganz schnell aufgebaut hat.
Wir beschließen, dass wir hier nicht bleiben wollen, sondern geschützter auf der anderen Seite der Bucht liegen. Im letzten Licht holen wir den Anker hoch und versuchen, unterwegs keine Hummerpötte zu treffen. Neben uns wird der Himmel in unregelmäßigen Abständen von Wetterleuchten erhellt. Aber für ein richtiges Gewitter fehlt der Donner. Ich bin froh, denn Gewitter auf See mag ich gar nicht! Jedenfalls lege ich sicherheitshalber mein Handy in Alufolie gewickelt in den Backofen. Nicht weil wir jetzt „Smartphone im Schlafrock“ essen wollen, sondern um es vor einem eventuellen Blitzeinschlag zu schützen… Wir kommen gut am neuen Ankerplatz an und auch das Ankern im Dunkeln funktioniert. Nur für die Farbmarkierungen (wegen der Kettenlänge) brauche ich die Stirnlampe. Mittlerweile hat sich die Situation beruhigt und ich hoffe auf eine ereignislose Nacht.

Montag, 2. Juli 2018

Tag 363 - Baltimore-Worton Creek: Schöner Sommertag

Es ist jetzt hier nach dem Kalender Sommer, aber wir haben ja seit unserer Abfahrt ununterbrochen Sommerwetter. Im englischen Kanal noch nicht so überzeugend (ich habe mir eine Regenjacke und ein langärmeliges Shirt gekauft), aber spätestens seitdem wir südlich von Cap Finisterre sind, haben wir keine Socken mehr gebraucht…

Ralf nutzt wieder die nicht ganz so heißen Morgenstunden, um weiter an unserer neuen Selbststeueranlage zu arbeiten. Diesmal ist der Ruderlagengeber an der Reihe. Hier wieder der Größenvergleich alt und neu. Die Arbeit ist noch nicht fertig, denn eine neue Grundplatte muss erst noch laminiert werden.
Hier an der Ostküste ist es sehr, sehr warm (wesentlich wärmer als in der Karibik) – heute hatten wir fast 40 Grad im Schatten. Bei solchen Bedingungen ist es auf dem Wasser immer viel angenehmer als in der Stadt und wir fahren wieder auf die andere Seite der Chesapeake Bay. Erst müssen wir ein Stück aus Baltimore heraus motoren, aber dann können wir die Nachmittagsbrise nutzen ganz gemütlich segeln. So im Schatten und mit leichtem Wind lässt es sich gut aushalten.
Durch den praktischen Supermarkt direkt vor dem Dinghy Dock in Baltimore sind wir sehr gut mit frischen Lebensmitteln versorgt und bei dem Wetter schmeckt Skyr (isländischer Yoghurt, auch sehr quarkähnlich) mit frischen gekühlten Früchten.
Wir haben uns eine der zahlreichen Flussmündungen ausgesucht und werfen davor unseren Anker. Das Licht ist ganz golden und erinnert mich an Schweden. Das Wasser ist hier kaum noch salzig und im Gegensatz zu der schmutzigen Baltimore-Hafen-Brühe von guter Qualität, so dass wir uns mit einem Bad erfrischen können. Später gibt es dann wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang und zum Abendessen Salat mit Hähnchenstreifen. Wieder ein sehr schöner Tag!

Sonntag, 1. Juli 2018

Zusammenfassung: Juni 2018

Statistik
Seemeilen: 399
Motorstunden: 50
Segeltage: 16
Nächte auf See: 0
Liegetage: 14
Liegeplätze: 17
North Carolina: Belhaven, Alligator River (A),  North River (A), Coinjock Marina, Great Bridge
Virginia: Norfolk, Hampton, Cape Charles, Deltaville, Reedville (A), Solomons Island (A)
Maryland: Tilghman, St. Michaels (A), Annapolis (M), Baltimore Dock, Baltimore Canton (A)
                                                      
Segeln und Wetter
Nach dem Monat mit den meisten gesegelten Seemeilen ist nun der Juni der Monat mit den meisten Motorstunden. Das liegt natürlich daran, dass im oft schmalen Kanal des Intracoastal Waterway Segeln nicht möglich ist.

Seitdem wir auf der Chesapeake Bay unterwegs sind, konnten wir fast alle Etappen segeln. Es gibt zahlreiche Marinas und Ankerplätze auf beiden Seiten der Bay und es fühlt sich ein wenig so wie auf der Ostsee an. Wir haben Tagesetappen von 20 bis maximal 40 Seemeilen und sind – bis auf die Stopps in den Großstädten – fast jeden Tag ein Stück weitergefahren.

Die Windverhältnisse sind hier sehr wechselnd, aber meist schwach. Wir haben mehrfach erlebt, dass der Wind über den Tag um 360 Grad gedreht hat… Abends gibt es öfter mal ein Gewitter – eben ein Binnenrevier. Navigatorisch gibt es keine Probleme, denn alles ist sehr gut ausgetonnt. Wir müssen allerdings mit unserem Tiefgang von 1,90 m aufpassen, denn die Bay ist insgesamt sehr flach. In einige Flussmündungen kommen wir nicht herein. Glücklicherweise gibt es keine Steine, sondern der Boden ist schwarzer Mudder. Bisher hat unser Anker immer gut gehalten, aber das Saubermachen ist jedes Mal eine unangenehme Aufgabe…

Das Wetter ist bisher immer warm und feucht und hat sich in der letzten Woche zu sehr, sehr heiß entwickelt. Für mich erstaunlicherweise wärmer als in der Karibik… und der Wind fehlt. Das Wasser ist trübe und eher braun und läd nicht wirklich zum Baden ein. Je weiter wir nach Norden kommen, um so weniger salzig ist es.

Boot und Ausrüstung
Die alte elektronische Selbststeueranlage hat nun endgültig die Arbeit eingestellt. Im ICW hat aber James (der kleine Pinnenpilot) die Arbeit sehr gut übernommen und auf einigen Segeletappen durfte auch Sir Henry wieder ran. Er hat aber Probleme mit schwachen und wechselnden Winden. Wir haben eine neue Steuerungseinheit für die große elektrische Anlage gekauft und die wird Ralf jetzt nach und nach einbauen.

Zwischendurch hat auch der (sonst sehr zuverlässige) Außenborder mal kurz verweigert, aber das Problem (Schwimmernadelventil hängt) konnte schnell gelöst werden.

Verpflegung/Versorgung
Die Supermärkte sind hervorragend sortiert und die Preise – insbesondere in Anbetracht des günstigen Dollar-Kurses – sehr akzeptabel. Sie (die Supermärkte) liegen nur leider sehr selten in Hafennähe sondern eher auf der grünen Wiese. Wir sind dann aber mit Bussen, Taxi und – was sehr gut funktioniert – dem Fahrdienst Uber oder Lynk zum Einkaufen gefahren.

Sehr empfehlenswert ist der Ankerplatz in Baltimore direkt vor der – passend benannten – Anchorage Marina. Dort ist der Bootausrüster West Marine und ein sehr großer Supermarkt direkt am Dinghy Dock.

An unseren Besichtigungstagen haben wir oft unterwegs eine Kleinigkeit gegessen, meist in Richtung Burger, Tacos oder Sandwich. Mir gefällt gut, dass es immer ein Glas Eiswasser gibt und dass alkoholfreie Getränke und Kaffee nachgefüllt werden. Die Preise auf der Karte sind ohne Steuer und Bedienung, so dass das noch mit einkalkuliert werden muss. Prima finden wir das einfache Zahlen mit Kreditkarte.

Crew
Wieder ein sehr netter und harmonischer Monat, es gab nur eine ganz kurze Unstimmigkeit bei einem Manöver. Sonst sind die Aufgaben beim Segeln klar verteilt und oft genügt ein kurzes Wort oder ein Blick, um uns zu verständigen.

An Land suchen wir beide Ausflugsziele aus und wir sind uns fast immer einig, was wir anschauen wollen. Wichtig ist uns, nicht alles „abzuarbeiten“, sondern uns lieber für wenige Ziele in Ruhe Zeit zu lassen.

Sightseeing
Auf dem ICW gab es recht wenig zu besichtigen. Die Orte waren klein und eher verschlafen aber dafür war die Tierwelt, insbesondere die zahlreichen Vögel (Fischadler, Pelikane, Kormorane, verschiedene Möwen, Gänse, Enten) und die Flusslandschaften sehr sehenswert. Nur auf die Insekten hätte ich sehr gut verzichten können…

Ab Norfolk und in der Chesapeake Bay gab es dann sehr viele Möglichkeiten für touristische Aktivitäten. In den Städten Hampton, Annapolis, Washington D.C. und Baltimore haben wir Museen, Gebäude und Schiffe besichtigt, haben an Touren teilgenommen und sind ins Kino und ins Konzert gegangen.

Die Chesapeake Bay bietet aber neben den Großstädten auch nette kleine Orte und Ankerbuchten. Je nach Bedürfnissen ist hier für jeden etwas dabei. Auch in den kleineren Orten gibt es häufig ein maritimes Museum, z.B. in Solomons Island und St. Michaels.

Begegnungen
Wir sind weiter sehr angetan von der offenen und freundlichen Art der Menschen hier. Sobald wir den Mund aufmachen, werden wir gefragt, woher wir kommen und oft ergibt sich dann im Bus oder an der Supermarktkasse ein Gespräch. Die Angestellten in Geschäften und Restaurants sind sehr aufmerksam, höflich, freundlich und hilfsbereit. Das Gegenteil von Service-Wüste…

Witzig sind auch die Gespräche mit den Fahrern von Uber und Lynk – meist Einwanderer – die oft interessant von der Stadt und ihrem Leben erzählen.

In Deltaville haben wir Debbie kennengelernt, die auf einem Boot arbeitete und uns sehr nett mir ihr unterhalten. Bei einer Führung in Annapolis war ein deutsches Paar dabei, die beide Bootbauer und Segler sind – sehr interessant! In Baltimore haben wir die Crew der SEAHAWK getroffen und uns gegenseitig auf den Booten besucht – auch wieder ein schöner Austausch.

Besonders nett fand ich die Begegnungen mit den Künstlern im Bromo-Seltzer-Tower in Baltimore. Tommy Roberts, von dem wir einen Druck und ein Bild gekauft haben, hat uns als Künstler und als Mensch sehr beeindruckt.

Fazit
Ganz neue Erfahrungen in den USA und wir sind froh, dass wir nicht dieses Jahr nach Europa zurückfahren, sondern uns die Zeit genommen haben, die Ostküste zu erkunden. Die Naturschönheiten des ICW sind etwas ganz Besonderes, aber wir haben gemerkt, dass wir Segler sind und uns mit dem Kanalfahren (eine Option, wenn wir älter sind) noch Zeit lassen wollen. Die Chesapeake Bay ist ein ganz wunderbares Revier mit vielen Möglichkeiten – alleine hier könnten wir Jahre verbringen und hätten trotzdem nicht alle Buchten und Marinas gesehen…

Insgesamt empfinden wir hier alles zwei bis drei Nummern größer als bei uns. Angefangen mit den riesigen PickUps and SUVs, den großen Getränken und Packungen im Supermarkt und im Restaurant, der Größe der Gebäude über die Breite der Straßen bis zu den Entfernungen… Was wir bisher gesehen habe ist sehr aufgeräumt und gepflegt und zumindest in den Kleinstädten gibt es wohl sehr wenig Kriminalität, denn nichts ist abgeschlossen (z.B. die Waschräume und Werkstätten in den Marinas) und vorm Baumarkt stehen auch nachts die Blumen und Gartenmöbel einfach auf der Straße.

Ganz begeistert sind wir von den Museen. Selbst in den kleinsten Orten sind die Ausstellungen sehr gut aufbereitet und mit Schildern und Erklärungen versehen. Statt reinen Sammlungen sind es eher interaktive Lernerfahrungen mit Audios, Videos und Experimenten. Es gibt häufig viele Freiwillige, die Führungen anbieten oder für Fragen bereitstehen.

Freitag, 29. Juni 2018

Tag 360 - Baltimore: Im Eisenbahnmuseum

Wir haben gestern schon herausgefunden, dass wir zum Eisenbahnmuseum (ganz genau zum „Baltimore & Ohio Railroad Museum“) sehr gut mit dem kostenlosen „Charm City Circulator Bus“ fahren können und das klappt hervorragend. Es gibt eine feste Route und online wird angezeigt, wann der nächst Bus kommt. So sind wir wenige Minuten vor der Öffnung vor Ort und warten zusammen mit zahlreichen Familien (ich fühle mich ganz nackt ohne Alibi-Kind) auf den Einlass.

Hier in Baltimore wurde die erste Eisenbahnlinie überhaupt in den USA gebaut (1829) und im Museum wird immer wieder betont, dass die Züge eine wichtige Rolle im Bürgerkrieg spielten, um Truppen und Nachschub schnell zu kriegswichtigen Orten zu befördern. Später kam dann die goldene Zeit der Eisenbahnen, bis sie teilweise von Flugzeugen und Autos ersetzt wurden. Diese Karte ist von 1891.
Das Museum befindet sich in der ehemaligen Mount Claire Station. Daneben steht noch der Rundschuppen (siehe auch oben), in dem früher Lokomotiven und Wagen gebaut wurden und der jetzt als Ausstellungshalle dient.
Es gibt auch zahlreiche Eisenbahnmodelle und Räume zum Thema Kommunikation per Telegraf und – was ich besonders interessant finde – zum Thema Zeit. Bis 1883 hatte jede Eisenbahngesellschaft ihre eigene Zeitmessung, was natürlich zu Problemen führte. In einer Konferenz wurde dann beschlossen, die USA und Kanada auf fünf einheitliche Zeitzonen umzustellen.
Es gibt auch noch die Möglichkeit mit einem Zug zu fahren und wir haben Karten gekauft. Die Fahrt ist dann aber ziemlich enttäuschend: es ist ein relativ moderner Zug (keine Dampflokomotive) mit ziemlich zerschlissenen Wagen, den im Schritttempo eine gerade Strecke ohne interessante oder schöne Landschaft hin- und wieder zurückfährt.
Da streicheln wir doch lieber die zutrauliche Katze im technischen Lockschuppen und schauen uns dort im Modell an, wie die Steuerung des Kolbenschiebers funktioniert, der den Dampf in beide Seiten es Zylinders einströmen lässt.
Wir nehmen noch an einer Führung teil, nicht mit technischem, sondern eher mit historischem Schwerpunkt und bekommen noch einige Informationen zu den unterschiedlichen Ausstellungsstücken, z.B. diesem netten Doppeldecker-Wagen.
Noch ein kleiner Imbiss und es geht mit dem bewährten Bus zurück zum Schiff. Dort erwartet uns ein „Liebesbrief“ der Hafenmeisterin: wir haben den Hafen nicht bis 12:00 Uhr verlassen und müssen daher die Tagesgebühr + Strom nachzahlen, was wir dann (etwas zähneknirschend) auch tun.
Dann fahren wir ein kurzes Stück und lassen unseren Anker an einer recht geschützten Stelle fallen. Gestern Abend wollten wir noch mit dem Dinghy zu den Duschen am anderen Ende es Hafens fahren, aber der Motor wollte nicht so wie wir, so dass wir dann letztendlich gelaufen sind (aua). Heute nimmt sich Ralf also den Außenborder vor und findet tatsächlich den Fehler: das Schwimmernadel-Ventil vom Vergaser hängt. Dank einer YouTube-Anleitung ist das Ausbauen und wieder gängig machen kein Problem und nun schnurrt der Motor wieder!
Heute war es recht warm, aber hier draußen auf dem Wasser geht ein leichter Wind und ich bin froh, dass wir vor Anker liegen – das ist auch wesentlich preisgünstiger… Ralf hängt noch die Ankerlaterne auf, währen hinter den Häusern der Stadt die Sonne untergeht – schön!

Donnerstag, 28. Juni 2018

Tag 359 - Annapolis-Baltimore: Grau und windig

Wir hatten überlegt, wieder auf die andere Seite der Chesapeake Bay zu fahren und zu ankern, aber es ist Starkwind vorhergesagt und danach eine ungünstige Winddrehung, deswegen suchen wir uns Baltimore als nächstes Ziel aus. Morgen fragt uns der Hafenmeister in Annapolis, ob wir wirklich auslaufen oder doch lieber noch eine Nacht verlängern wollen. Aber wir machen Ernst, schauen uns noch an, wie die SULTANA einläuft und dann geht es los.
Wir setzen erst einmal nur die gereffte Fock und laufen damit schon Rumpfgeschwindigkeit. Der Wind kommt von hinten und die Wellen sind nicht zu groß, also für uns und die TRITON kein Problem. Auf unserem Weg nach Norden müssen wir unter der Chesapeake Bay Bridge hindurch, einer 6,9 km langen Doppelbrücke über die Bay zur Halbinsel Delmava (benannt nach den drei Staaten Delaware, Maryland und Virginia).
Hinter der Brücke wird der Wind schwächer und wir reffen aus aber dafür beginnt es zu regnen. Wir schön, dass wir unsere festen Scheiben und das feste Dach haben (danke Philipp!) und auch noch einen Regenvorhang, wenn der Wind wie heute von hinten kommt. So können wir es uns mit ein paar Broten zum Mittagessen gemütlich machen.
Baltimore ist eine Großstadt (mehr als 600.000 Einwohner) und es dauert eine Weile durch das weiträumige Hafengelände zu segeln. Netterweise hat der Regen wieder aufgehört und trotz der Größe des Hafens sehen wir nur ein einziges Frachtschiff.
Wir fahren ganz in die Stadt hinein bis zum „Inner Harbor“ und nehmen dort Kontakt mit dem „Public Dock“ auf. Die nette Hafenmeisterin läuft ganzes Stück von ihrem Büro zu unserem Anleger und das Hafengeld zu kassieren und uns eine Duschkarte zu bringen. Nun genießen wir die schöne Skyline und schauen, was wir besichtigen wollen. Ralf hat schon das Eisenbahnmuseum ausgesucht…

Freitag, 22. Juni 2018

Tag 353 - Annapolis: Geschichte und Musik

Gleich morgens geht es mit dem Dinghy an Land, weil wir an einer Stadtführung teilnehmen wollen. Direkt am Anleger gibt es eine Visitor’s Information und die beiden Damen dort sind sehr nett und wirklich hilfreich und geben uns gute Tipps. So starten wir dann zu einer „Historic Walking Tour“.
Wir haben schon gemerkt, dass wir hier überall an der Ostküste auf historischem Boden stehen, entweder sind frühe Siedler angekommen oder es gab Ereignisse im Unabhängigkeitskrieg, Krieg von 1812 oder im Bürgerkrieg… Unsere Tour führt zum Maryland State House, in dem auch heute noch das Parlament des Staates Maryland tagt.
Für kurze Zeit nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg war Annapolis sogar die Hauptstadt der USA, hier im Gebäude tagte der zweite Kontinentalkongress, hier wurde der Vertrag von Paris ratifiziert, der den Krieg offiziell beendete und hier erklärte George Washington seinen Rücktritt als Kommandant der Continental Army. Das ist besonders deswegen bedeutsam, weil Washington vom Congress mit sehr weitreichenden Vollmachten ausgestattet war und wie ein Diktator hätte herrschen können. Stattdessen zog er sich ins Privatleben auf seine Plantage zurück. Etwas mehr als fünf Jahre später wurde er dann zum Präsidenten gewählt.
Vor dem Gebäude erinnert eine Statue an Thurgood Marshall, den ersten afroamerikanischen Richter am Obersten Gerichtshof der USA. Hier ist er als junger Anwalt dargestellt. Er arbeitete er für die Bürgerrechtsbewegung gegen die Rassentrennung z.B. bei der Bildung gewann verschiedene Fälle wegweisende Fälle.
Die Führung dauert insgesamt 2,5 Stunden und wir sehen noch zahlreiche andere historische Stellen. Zum Schluss besuchen wir noch die „United States Naval Academy“, die hier einen sehr großen Campus hat. Die Architektur ist im „Beaux-Arts-Stil“, einer besonderen Form des Historismus, der im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerne für repräsentative Gebäude, insbesondere in Frankreich, Kanada, Australien und den USA verwendet wurde. Kennzeichnend sind Form, Verzierung, Symmetrie und Überdimensionierung der Proportionen. Hier das Innere der Chapel, oben ein Blick in die „Brancroft Hall“.
Unter der Kirche gibt es noch die Krypa von John Paul Jones, dem „Vater der Navy“, einem amerikanischen Seehelden aus dem Unabhängigkeitskrieg. Er starb vergessen in Paris, sein Leichnam wurde jedoch auf Veranlassung Theodore Roosevelts aufgespürt, mit militärischen Ehren nach USA überführt und bekam dann hier einem Marmor-und-Bronze Sarkophag. Das Design mit den springenden Delfinen ist sicher Geschmackssache…
In unserer Gruppe ist noch ein anderes deutschen Paar und wir kommen ins Gespräch. Wie sich herausstellt sind beide Bootsbauer – sie entwerfen, bauen und warten Großsegler und sie war schon als Crewmitglied mit Arved Fuchs unterwegs – sehr spannend! Wir gehen zusammen Mittagessen und treffen uns dann zufällig auch noch auf einem kostenlosen Konzert im Maritime Museum wieder. Hier wird einfach Musik gemacht, jeder bringt einen Stuhl oder ein Kissen mit und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Wir waren mit dem Dinghy dort und erst bei Dunkelheit fahren wir dann zurück zum Boot. Ich versuche eine Aufnahme der nächtlichen Stadt, aber auf dem schwankenden Beiboot wird das eher zum surrealen „Kunst“werk.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Tag 352 - St. Michaels-Annapolis: Still und starr ruht die Bay

Wir werden von einem Fischer geweckt, der uns unseren Ankerball zurückbringt. Dieser ist eigentlich mit einer Leine vorne am Anker befestigt und dient dazu a) zu sehen wo der Anker liegt b) andere hoffentlich daran zu hindern, ihren Anker über unseren zu werfen und c) durch den anderen Winkel den Anker notfalls besser herausziehen zu können. Bei Ankern hatte ich die zu kurze Leine verlängert und diese Verbindung hat sich gelöst. Merke: lieber eine ausreichend lange Leine verwenden… Der Anker selbst hat sehr gut gehalten und ist nun voller Mudder…
Während Ralf Wasser schöpft und die Kette und den Anker reinigt, fahre ich langsam durchs Fahrwasser. Heute stellt sich die Frage nach Segeln gar nicht erst, denn es ist absolut kein Wind. Wir tuckern gemütlich dahin nur ab und zu muss einer aus dem Cockpit und die Fahrtrichtung an der Selbststeueranlage korrigieren. Heute ist Müsli-Tag und dazu gibt es frisches Obst.
Unser Weg führt aus der Eastern Bay hinaus über die Chesapeake Bay und und in den Eastern River hinein. In Annapolis wollen wir einige Tage bleiben und von dort aus die Hauptstadt Washington besichtigen.
Es gibt ein öffentliches Mooring-Feld und wir finden problemlos eine freie Boje sehr geschützt und ganz in der Nähe der Stadt. Der junge und nette Hafenmeister kommt mit dem Boot vorbei und kassiert das Liegegeld – im Verhältnis zu den Preisen in den Marinas hier sind 35 Dollar die Nacht noch das echte Sonderangebot….

Mittwoch, 20. Juni 2018

Tag 351 - St. Michaels: Noch mal Museum

Gestern haben wir nur einen kleinen Teil des Museums geschafft und da unsere Karten auch heute noch gültig sind, machen wir uns wieder mit dem Beiboot auf den Weg an Land. Es ist wieder sehr schwül mit hoher Luftfeuchtigkeit, aber heute wollen wir einige der Ausstellungshäuser auf dem Gelände besichtigen. Aber zuerst nutzt Ralf die Gelegenheit, an einem Schraubstock einen verbogenen Stift von unserer Hydrovane wieder zu begradigen.
Hier geht es viel um lokale Geschichte und das erste Gebäude heute beschäftigt sich mit dem Thema, wie die Bay sich in den letzten 100 Jahren von einem Arbeitsplatz zu einem Tourismusziel entwickelt hat. Wieder sehr schön gemacht zum Thema Segeln, Angeln, Schwimmen, Motorboot fahren, Campen und Jagen mit vielen Beispielen zum be-greifen.
Uns beeindrucken besonders die „Log canoes“, die früher zum Fischen verwendet wurden, die sich aber mittlerweile zu völlig übertaktelten Rennbooten weiterentwickelt haben. Um die gewaltigen Segel auszugleichen sitzen bis zu 12 Personen auf langen Brettern außerhalb des Schiffs.
Hier ein Video dazu: klick. Das geht natürlich nicht immer gut, denn bei ungleichmäßigem Wind oder plötzlichen Winddrehern können Mannschaft oder Steuermann nicht immer schnell genug reagieren…
Wir besichtigen ein Gebäude über die Austernernte mit verschiedenen Methoden und eine Sonderausstellung über die Vermessung und Kartographie der Chesapeake Bay. Hier lag Jamestown, die erste Siedlung, die Captain Smith (der mit Pocahotas), von Bermuda aus angesteuert hat und er hat auch die erste Karte der Bay erstellt. Es gibt einen nachgebauten Schuppen der „watermen“, in dem wir die berühmten blauen Krabben treffen und ein Haus über die Jagd auf Wasservögel – hier eine Werkstatt zur Herstellung von Lockenten.
Zwischen den (kalt klimatisierten) Häusern kommen wir immer wieder ins Freie und die Luft draußen ist wie eine heiße, feuchte Wand. Ich glaube ja dass es besser wäre, nicht ganz so extrem zu kühlen… Auf dem Gelände wachsen zahlreiche Blumen – ein Garten ist speziell für die Monarchfalter angelegt, einen Wanderschmetterling (ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt), der über mehrere Generationen von Kanada nach Mexiko zieht.
Wir laufen auch noch einmal in den Ort um weitere Weihnachtsanhänger und noch einige Lebensmittel zu kaufen. Es gibt ein sehr gut sortiertes Delikatessengeschäft und wir bekommen Gemüse, Salat, Brot und Huhn. Mittlerweile hat es angefangen, leicht zu regnen und in der Ferne ist Donner zu hören. Glücklicherweise gibt es aber hier bei uns kein Gewitter.
Schön ist, dass es jetzt bedeckt und kühler ist. Gegen Abend werden die restlichen Wolken von der untergehenden Sonne wunderbar beleuchtet. Wieder ein schöner Tag hier in der Bay.