Samstag, 31. März 2018

Zusammenfassung: März 2018


Statistik
Seemeilen: 341
Motorstunden: 19
Segeltage: 13
Nächte auf See: 1
Liegetage: 18
Häfen/Ankerplätze: 13 
Martinique: St. Anne, Anse Miton (A), Marina Z’Abricot, St. Pierre
Dominica: Prince Rupert Bay (M)
Guadeloupe: Point-A-Pitre, Ilet du Gosier (A), Pigeon Island (A), Deshaies (A)
Les Saintes: Anse de Bourg (A)
Antigua: English Harbour, Jolly Harbour (A)
St. Barts: Gustavia (A)
St. Martin: Marina Fort Louis
                                                      
Segeln und Wetter
Bis Martinique waren wir in den Windward Islands – also Gegenwind bei der Fahrt nach Norden. Das hat sich jetzt geändert, denn die weiteren Inseln sind die Leeward Islands. Sie machen einen sanften Bogen nach Westen und der Wind kommt nun eher halb oder sogar etwas von hinten. Außerdem ist jetzt im März die Zeit des starken Christmas Winds vorbei.

Für uns bedeutet das überwiegend Wind in angenehmer Stärke aus angenehmer Richtung, so dass unsere Segeltouren richtig Spaß machen. Nur auf Dominika pfeift uns der Wind am Ankerplatz noch so richtig um die Ohren und dort kommen (durch die hohen Berge) auch immer wieder kräftige Regenschauer. Seit Guadeloupe regnet es wesentlich weniger – dafür ist es manchmal an windgeschützten Orten sehr warm. Im Moment sind wir auf St. Martin und hier kühlt es abends jetzt schon auf 23°C ab – für uns sehr ungewohnt…

Boot
Bei unserem Anker (ein 25 kg Spade, mit dem wir sehr zufrieden sind) funktioniert der Schalter der Ankerwinde nicht mehr richtig. Wir bekommen auf Martinique einen neuen und tauschen ihn aus. Auf St. Martin wird die Ankerkette nochmal neu farbig markiert – es ist wichtig zu wissen, ob wir ausreichend Kette herausgelassen haben (3-5 mal Wassertiefe laut Echolot).

Auch auf St. Martin kommt unser Paket mit den Z-Profilen für die kleinen Seitenfenster an, die Ralf vor unserer nächsten längeren Fahrt montieren will. Fünf von 10 Fenstern sind schon fertig. Überhaupt wollen wir hier auf St. Martin noch alle wichtigen Arbeiten am Boot erledigen, weil wir davon ausgehen das es auf den Virgin Islands nicht mehr so viele Möglichkeiten dafür gibt.
Zwischendurch hat Ralf noch unser neues Beiboot geklebt, dass versehentlich bei einem Anlegemanöver am Heck der Triton ein kleines Loch bekommen hat. Sonst sind wir mit dem Zustand des Bootes sehr zufrieden.

Verpflegung/Versorgung
Wir kaufen größere Mengen in Martinique und auf Guadeloupe ein, denn hier gibt es europäische Waren zu guten Preisen. Auf den anderen Inseln ergänzen wir mit Brot und frischen Produkten. Insgesamt ist die Versorgungslage hier sehr gut. Wir gehen auch ab und zu auswärts essen, meist ein Imbiss auf Ausflügen und finden, dass auch da das Preis-Leistungsverhältnis auf den französischen Inseln am besten ist.

Crew
Das war jetzt unser neunter Monat an Bord – seit 271 Tagen sind wir praktisch 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag zusammen, ein echter Beziehungstest. In diesem Monat haben wir uns gut verstanden. Irgendwie haben wir immer noch Gesprächsthemen, sei es über Pläne, Erlebnisse, neue und alte Freunde, Familie, Politik, Bücher, menschliches Verhalten, Ethik und Moral, Beziehung im allgemeinen und speziellen, Länder, Eindrücke etc.

Sightseeing
Auf Martinique waren wir ja schon im Januar und daher machen wir keine großen Ausflüge. Stattdessen sind wir mit Fähre, Bus und zu Fuß unterwegs und gehen ein wenig Shoppen in Fort de France und beim Decathlon.

Auch Dominica hatten wir schon im Januar besucht, aber diesmal gehen wir nicht in die Hauptstadt Roseau, sondern in die Prince Rupert Bay im Norden der Insel. Dort haben sich die Guides zur PAYS Organisation zusammengeschlossen und bieten verschiedene Führungen an. Wir fahren auf dem Indian River und nehmen an einer Rundfahrt über die Insel teil – wild und schön, aber sehr viele Schäden durch den Hurrikan Maria letztes Jahr. Hier fällt ganz besonders die Freundlichkeit der Menschen auf – wir werden mehrfach auf der Straße angesprochen und herzlich begrüßt. Wir spüren dass wir willkommen und wichtig für die Wirtschaft der Insel sind – unbedingt besuchen!

Ganz neu für uns war Guadeloupe, auch wieder eine französische Insel. Unsere Ausflüge führen uns in den hohen, vulkanischen Westteil und der gefällt uns landschaftlich ganz besonders gut. Ganz besonders viel Spaß macht uns verschienene Besuche bei Wasserfällen und das Baden in den dazugehörenden Seen. Die Marina in Point-A-Pitre ist groß und gut ausgestattet und wir fühlen uns wie in Europa.

Noch europäischer ist es dann auf den Saintes, einer Inselgruppe im Südosten, die auch zu Guadeloupe gehört. Sehr gepflegt mit vielen Touristen und entsprechenden Angeboten. Wieder zurück in Guadeloupe erkunden wir noch Pigeon Island (schönes Schnorcheln) und Deshaies (viele Pelikane) an der Westküste.

Unsere nächste Insel ist wieder eine mit englischer Vergangenheit: Antigua. Wir liegen ganz wunderbar in der Marina von English Harbour. Das ist gleichzeitig die größte Touristenattraktion. Bei anderen Ausflügen auf der Insel haben wir zwar schöne Erlebnisse, aber wirklich attraktive Tipps zum Sightseeing gibt es nicht. Sehr empfehlenswert ist jedoch das sonntägliche Barbecue auf Fort Shirley, das seit über 30 Jahren dort regelmäßig veranstaltet wird. Steelband, Sonnenuntergang, wunderbare Aussicht, leckeres Essen – ein tolles Erlebnis. Weniger attraktiv ist Jolly Harbour – das Wasser ist milchig, der Ankerplatz rollig und die Fahrt an Land weit.

Wieder zurück in Frankreich und in der Welt der Schönen und Reichen sind wir auf St. Barthélemy (St. Barts). Die kleine Insel ist ein einziges Luxus-Resort. Viele Superyachten, viele exklusive Geschäfte, viele elegante Villen und sehr viele Autos. Wir haben viel Spaß auf einer Inselrundfahrt mit einem Quad und es gibt wirklich sehr schöne Strände und fantastische Aussichtspunkte.

Nun sind wir auf St. Martin, einer kleinen Insel mit einem französischen und einem niederländischen Teil. Wir haben noch nicht viel angesehen, weil wir uns hier um die TRITON und verschiedene Fragen der Organisation und Verwaltung kümmern wollen/müssen. Bisher kennen wir nur die französische Inselhauptstadt Marigot, die vom Hurrikan Irma schwer angeschlagen ist.

Begegnungen
Wieder sind die Begegnungen mit anderen Seglern etwas ganz Besonderes. Jeder, der bis hierher gekommen ist, hat ganzes Stück interessanten Weg hinter sich. Auf Dominica treffen wir Lynn und Mark von der ROXY, Susea und Gene von der MOODY BLUES (beide aus USA) und Bruna und Marco von der italienischen GAGIANDRA, die mit uns an Ausflügen teilnehmen. Auf Guadeloupe gibt es ein Wiedersehen mit Kerstin und Ralf von der LOTHLORIEN und mit Daniel von der AQUAVITE.

Auf Antigua haben wir nette Nachbarn im Hafen: die OCEAN HOBO aus England mit Linda und Ian, und die LA CAPITANA aus Finnland. Ganz zufällig treffen wir Gaby und Markus von der KISU und Amanda und Simon von der CARRIED AWAY wieder – richtig nett. Dadurch lernen wir dann auch noch Sam und Adrian von der NEVA kennen. Mit der Crew der LOTHLORIEN und Margret und Martin von der TOCCATA gehen wir gut essen.

Daneben folge ich auch einer ganzen Reihe von Segeln über ihre Blogs, Facebook und Instagram oder ich „stalke“ sie auf Marinetraffic – immer interessant zu lesen, wo die anderen sind und was sie so erleben. Mit Segelfreunden, die in andere Richtungen oder in einer anderen Geschwindigkeit fahren, sind wir über Mail, WhatsApp und andere Messenger verbunden – wirklich ein gutes Gefühl, ein Teil dieser internationalen Gemeinschaft zu sein.

Neben den Seglern haben wir natürlich auch noch Kontakt mit zahlreichen anderen Menschen, die hier leben und arbeiten. Besonders gut haben uns die Mitglieder von PAYS auf Dominika gefallen, z.B. Martin „Providence“, der einen wirklich guten und mehrsprachigen Service angeboten hat. Mein persönlicher Favorit ist Didier, der Taucher, der uns bei unserem Anker-Missgeschick so schnell und gut geholfen hat – selten einen so sympatischen und charmanten Menschen getroffen!

Fazit
Entspanntes und schönes Segeln in den Leeward Islands, sehr vielseitige Erlebnisse und viele nette Begegnungen. Als Charter-Revier finden wir bisher Guadeloupe am besten. Die Insel selbst bietet viele verschiedene Buchten und Häfen und die Nachbarinseln Marie Galante, Les Saintes, Dominica und Antigua können mit Tagestörns erreicht werden.

Bevor wir hier waren, haben wir uns gefragt, was wir vier Monate in der Karibik machen sollen, aber die Zeit vergeht wirklich wie im Fluge. Nun wollen wir noch einen Monat auf den Virgin Islands verbringen und dann ist es schon Zeit für den Sprung auf die Bermudas und dann an die US-Ostküste.

Tag 271 - Marigot: Viele Spuren von Irma

Am Morgen des 6. September 2017 überquerte das Zentrum von Hurrikan Irma die Insel St. Martin und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Auf der französischen Seite wurden vier Menschen getötet und bis zu 95 % der Gebäude beschädigt, viele davon waren nach dem Sturm völlig unbewohnbar. Auch jetzt, fast sieben Monate nach der Katastrophe, sind noch viele Geschäfte geschlossen und Häuser unbewohnt. Überall sehen wir Schäden an Gebäuden, zerstörte Lampen und Schilder, entmastete und gesunkene Schiffe.
Besonders ergreifend finde ich den Friedhof – wir fragen uns, ob die Abdeckungen der Gräber durch den Hurrikan fortgerissen wurden…
Ein Boot, dass offensichtlich längere Zeit völlig unter Wasser war, sieht durch den Bewuchs aus, wie eine Skulptur für ein Museum…
Die Aufräumarbeiten werden noch lange dauern und viel Geld kosten und die nächste Hurrikan-Saison steht vor der Tür… Trotzdem (oder gerade deswegen) werden auch überall Anstrengungen unternommen, die Schäden wieder zu reparieren.
Wir treffen auf viele freundliche und hilfsbereite Menschen, die – erstaunlich für eine französische Insel – alle fließend Englisch sprechen. Wir fragen einen Geschäftsinhaber nach dem Weg zum Bootsausrüster und er erklärt uns, dass Englisch einfach die gemeinsame Sprache mit den nächsten Nachbarn ist: St. Kitts und Nevis, Stacia und Saba, Anguilla und natürlich der niederländische Südteil der Insel. Aus dem Geldautomat kommen Euro, aber in den Geschäften werden daher auch gerne US-Dollar genommen (statt Euro, East Carribean Dollar oder Antillen Gulden). Nach der Wegbeschreibung finden wir „Island Water World“, aber von außen sieht es ziemlich kaputt und geschlossen aus.
Der Eindruck täuscht und drinnen ist es klimatisiert und gut sortiert. Wir kaufen Farbe für die Ankerkette (leider ist nur Schwarz da, Gelb wäre uns lieber gewesen), neue LED-Birnchen für die Positionslichter, Aceton, Pinsel und eine Solarlampe – da bleiben nur wenige Wünsche offen.
Auf dem Rückweg zum Boot werfen wir noch einen Blick auf das große Einkaufszentrum am Hafen. Ich hatte die schöne Beleuchtung am ersten Abend fotografiert. Die aufwendige Beschriftung ist beschädigt…
… aber innen ist alles in Ordnung, selbst das Glasdach hat den Sturm offensichtlich überlebt. Es ist wunderschön gestaltet aber nur etwa die Hälfte der Luxusgeschäfte ist geöffnet und von Besuchern ist auch nur wenig zu sehen. So schade, vor dem Hurrikan war Marigot sicher ein sehr hübsches Städtchen.
Einer der Gründe, die Marina aufzusuchen war, dass wir an unserer Ankerkette neue Tiefenmarkierungen anbringen wollten. Das geht hier an dem hohen Steg sehr gut. Wir legen die ganze Kette aus und ersetzten die herausgefallenen Marker. Weiß 10 m, Gelb 20 m, Grün 30 m, Blau 40 m Rot jeweils 5 m mehr.
Prinzipiell hat das System gut funktioniert, aber einige Markierungen sind herausgefallen. Daher werden die Kettenglieder auch noch zusätzlich mit der (leider schwarzen) Farbe gekennzeichnet. 
Unser Problem mit den Iridium-Mails habe ich in der – sehr interessanten – Facebook-Gruppe „Women Who Sail“ gepostet und schon einige Antworten erhalten. Leider ist das Thema noch nicht vom Tisch, aber spätestens am Dienstag können wir mit unserem Händler Kontakt aufnehmen.

Freitag, 30. März 2018

Tag 270 - Marigot: Frust am Freitag

Es ist Karfreitag, aber hier im französischen Teil der Insel wird ganz normal gearbeitet. So auch an den zahlreichen Charterbooten, die neben uns in der Marina liegen, denn heute kommen die neuen Gäste. Daher benötigen wir keinen Wecker, denn neben uns wird der Motor zur Wartung angeworfen. Gut so, denn auch wir haben heute einen Arbeitstag geplant. Ich sortiere die Wäsche und wir lassen das Beiboot ins Wasser, denn Shrimpy hat nicht nur unser Paket, sondern auch einen Wäscheservice. Wir verschenken auch unser großes Bimimi. Wir verwenden nur noch das kleine Sonnendach, damit die Solarplatten nicht abgeschattet werden.
Während Ralf unterwegs ist, beschäftige ich mich mit so netten Dingen wie den Einreisebestimmungen in die USA. Das amerikanische Festland werden wir zwar erst im Mai erreichen, aber unser nächstes Ziel ist St. Croix, das zu den US-Virgin Islands, kurz USVI, gehört. Die ganze Prozedur ist komplex, weil wir mit einem privaten Boot einreisen und die normalen Touristenprogramme nicht anwendbar sind. Es gibt Bestimmungen für uns als Personen und andere für das Boot, Fristen, spezielle Genehmigungen, verbotene Güter etc.
Nach einer kurzen Frühstückspause geht es dann nahtlos weiter mit deutscher Bürokratie, in diesem Fall dem Finanzamt. Paul sucht die entsprechenden Ordner und Unterlagen heraus und ich hoffe, die Angelegenheit lässt sich auf Entfernung klären. Weitere Recherchen sind für unsere Wetterdaten erforderlich. Wir werden ja wieder zwei größere Stücke segeln (BVI-Bermudas-USA) und dazu benötigen wir wieder das Satelliten-Telefon und Wetterdaten per Mail. Da wir mit der Wetterwelt nicht ganz glücklich waren, wollen wir jetzt einen anderen Anbieter ausprobieren. Bei einem Testlauf stellt sich dann heraus, dass wir jede Menge Mails auf unserem Iridium-Account haben, die wir nicht abrufen wollen, weil sonst unsere Prepaid-Minuten weg sind…
Bei mir laufen die also Arbeiten also eher frustrierend, aber bei Ralf klappt es gut. In dem Paket waren Z-Profile zur Ertüchtigung der Seitenfenster. Ein Scharnier war bei unserer Atlantiküberquerung gebrochen und wir hatten einige Adrenalin-Minuten, bis wir die Quelle des Wassereinbruchs gefunden hatten (siehe hier). Nun sollen alle Fenster entsprechend gesichert werden.
Erst bei Einbruch der Dunkelheit machen wir Schluss und gehen zum Duschen. Wie berichtet kostet das hier 5 € für eine Duschmarke. Das finden wir so ärgerlich, dass wir uns auf alte Ostseezeiten besinnen und gemeinsam Wasser und Geld sparen. Da passt es ins Bild, dass das Wasser nur spärlich und kalt ist…
Trotzdem ist es schön, wieder sauber zu sein und auch die Betten mit der frisch gewaschenen Wäsche zu beziehen. Zum Abendessen gibt es nur Reste, aber dann gehen wir noch für ein Getränk (in meinem Fall Erdbeer-Smoothie) und ein Dessert an Land.

Donnerstag, 29. März 2018

Tag 269 - Gustavia-Marina Fort St. Louis: St. Martin im März

Es steht wieder Segeln auf dem Programm, denn wir wollen zur Nachbarinsel St. Martin, so von Kolumbus genannt, weil sie am Martinstag 1493 entdeckt wurde. Auch wieder eine Insel über die zwischen den verschiedenen Kolonialmächten gestritten wurde, was schließlich zu einer Teilung führte. St. Martin ist die kleinste geteilte Insel der Welt mit einem französischen Nordteil und einem niederländischen Südteil. Nur der Nordteil gehört zur EU und ist damit ihr westlichster Punkt.
Wir haben ein Paket mit Teilen zu „Shrimpy’s Yacht Support“ schicken lassen und der befindet sich auf der Nordseite in der nähe der Hauptstadt Marigot. Es gibt die Möglichkeit, durch die große Lagune zu fahren, aber dazu müssen wir durch mindestens zwei Brücken. Wir entscheiden uns daher, außen um die Insel zu segeln. An der Südseite ist das Land relativ karg und sieht trocken aus. Hier stehen verschiedene große Hotelkomplexe.
Der Wind kommt aus Nordosten und der Schwell sogar aus Norden, so dass es in der Bucht vor Marigot eher ungemütlich vor Anker wird. Wir wollen einiges am Boot arbeiten und organisatorische Fragen klären, daher buchen wir einen Platz in der Marina Fort St. Louis, die eine auffällige runde Form hat und bei der keine Brücke geöffnet werden muss. Die Marina ist ziemlich leer und uns wird schnell klar warum. Die rund 38 €, die im Internet als Preis genannt wurden, sind schon kein Sonderangebot, aber dazu kommt ggf. noch Wasser und Strom und pro Person 5 €, wenn wir duschen wollen… Wirklich ruhig liegen wir hier auch nicht (aber sicher deutlich besser als vor Anker.

Wir wollen aber die Nähe zur Stadt nutzen und stürzen uns ins Nachtleben von Marigot. Wie sich herausstellt, die das eher flau, zumindest da, wo wir unterwegs sind… Hier hat Hurrikan Irma von zugeschlagen und anders aus auf St. Barts ist hier vieles noch nicht repariert und viele Häuser sind dunkel. Auch von den Straßenlaternen ist nicht viel übrig geblieben, aber die Beleuchtung der Shopping Mall funktioniert noch.
Shrimpy’s hat schon zu, aber wir können den Inhaber erreichen und er versichert uns, dass er auch am Karfreitag (morgen) geöffnet hat. Irgendwie hatten wir Ostern gar nicht so richtig auf dem Schirm. Da müssen wir uns genau überlegen, was wir kaufen müssen und das dann am Samstag besorgen. Mittlerweile ist es so spät geworden, dass wir keine Lust mehr haben an Bord zu kochen und so suchen wir uns noch etwas zu essen. Das ist wieder lecker und versöhnt mich etwas mit St. Martin, von dem ich bisher noch nicht so richtig überzeugt bin. Aber vielleicht ändert sich das noch und ich kann mich mit Überzeugung neben dieses Schild stellen (links im Bild eine "kahle" Laterne).

Mittwoch, 28. März 2018

Tag 268 - St. Barts: Aussichts-Reich

Gleich morgens stehen wir bei unserem Quad-Vermieter auf der Matte und holen unser Fahrzeug ab. Es ist komfortabler als das Modell auf Porto Santo, denn es hat hinten eine Kiste und ich damit eine Rückenlehne. Während Ralf unsere letzten East Caribbean Dollar in Euro umgetauscht hat (denn es ist uns klar geworden, dass wir keine entsprechende Insel mehr anlaufen werden), habe ich mir einen kleinen Rundkurs über die Insel überlegt. Von der Hauptstadt Gustavia wollen wir an der Südküste entlang nach Osten und dann an der Nordküste nach Westen bis zum äußersten Ende. Zwischendurch gibt es immer wieder Aussichtspunkte.
Saint-Barthélemy wurde von Kolumbus nach dem Schutzheiligen seines Bruders Bartholomeo benannt und war zunächst auf dem Papier Spanisch. Danach kamen die Franzosen, die die Insel aber an die Schweden verkauften (gegen Handelsrechte in Göteborg). Aus dieser Zeit stammen noch einige Straßenschilder und der Name der Hauptstadt Gustavia nach dem damaligen König Gustav III. Knapp 100 Jahre später kauften die Franzosen die Insel dann wieder zurück (diesmal für 80.000 Francs) sie gehört auch heute noch zu Frankreich.
Bisher haben wir ja auf einigen Inseln Luxus-Resorts erlebt, die oft in starkem Kontrast zu den Lebensbedingungen der Inselbevölkerung standen. Und auch wir haben uns oft im Vergleich zu den örtlichen Verhältnissen sehr reich und privilegiert gefühlt (was bei mir zu einem latent schlechten Gewissen führt). Hier IST die ganze Insel das Luxus-Resort und viele Bewohner und Besucher sind schön, reich oder ganz schön reich. Das trifft jetzt nicht unbedingt auf uns zu, aber wir sehen uns das gerne an. Unser erster Stopp ist die Anse de Gouverneur, eine sehr hübsche Bucht, vor der auch wieder eine Luxusyacht ankert.
Wir fahren weiter zur Grand Saline, einem inländischen Salzsee. Natürliches Trinkwasser gibt es auf der Insel nicht und heute arbeitet eine Meerwasserentsalzungsanlage. Insgesamt ist die Insel sehr trocken mit rund 300 Sonnentagen. Wegen des Klimas konnte kein Zuckerrohr angebaut werden und daher gab es auch nur relativ wenige Sklaven auf der Insel, die dann während der schwedischen Herrschaft befreit oder freigekauft wurden.
Vorbei am Monte Vitet, mit 486 m der höchste Berg der Insel, geht es zu einer weiteren der zahlreichen Buchten, der Anse de Grand Fond im Südosten der Insel. Hier trifft sich die Karibische See mit dem Atlantischen Ozean. An vielen Aussichtspunkten sind künstlerisch gestaltete Schilder aus Fliesen angebracht.
Bis wir dann rund um die Ostküste gefahren sind und noch am Pointe Milou (auch wieder eine schöne Aussicht) Halt gemacht haben, ist es Zeit zum Mittagessen geworden, dass wir in Lorient einnehmen. Wir haben wieder Glück mit unserer Wahl und bekommen sehr leckeres Essen. Direkt neben unserer Snack-Bar ist ein Supermarkt, in dem wir noch Äpfel und kalte Getränke kaufen. Auch hier ist der französische Einfluss spürbar, denn es gibt einen extra Raum nur für Wein und Champagner…
Sehr beeindruckend ist auch der Flughafen mit seiner extrem kurzen Landebahn, die im Meer endet. Nach meinen Recherchen ist sie mit 646 m die zweitkürzeste der Welt (nur die auf der Nachbarinsel Saba ist mit 400 m noch kürzer). Die Piloten benötigen eine Spezial-Lizenz.
Unser nächster Aussichtspunkt auf der Karte ist eher langweilig, aber dafür begegnen wir dort einer sehr zutraulichen Schildkröte, die wir gleich „Barty“ taufen. Als Ralf einen seiner gerade gekauften Äpfel ist, klettert sie sogar (mit etwas Hilfe) eine Treppe hoch und steigt Ralf fast in die Tasche, so begeistert ist sie von dem Geschmack. Auch der Apfelkrotzen wird blitzschnell (!) verspeist und wir überlegen schon, ob so eine Schildkröte nicht das ideale Haustier wäre und von Ralfs Apfelresten leben könnte, als der Herr erst einen wahren Riesenstinker und dann noch entsprechende Flüssigkeitsmengen produziert… Da wir bezweifeln, dass er stubenrein werden kann, nehmen wir dann doch von diesem Plan Abstand…
Eine wunderschöne Bucht liegt noch ganz im Westen der Insel. Wir können nicht ganz heranfahren, denn auf der Inselspitze gibt es dann nur noch private Straßen und elegante Anwesen, die einen tiefen finanziellen Frieden ausstrahlen.
Auch St. Barts wurde vom Hurrikan Irma im September 2017 stark getroffen. Wir wissen nicht, wie die Insel vorher aussah, aber die Gebäude sind fast alle in sehr gutem Zustand. Wir haben nur ein oder zwei beschädigte Dächer gesehen. Einige Bäume sehen etwas gerupft aus, aber hier ist die Vegetation auch nicht so üppig wie z. B. auf Dominika. Auffällig sind zahlreiche Baustellen, auf denen Häuser und Straßen renoviert und teilweise neu errichtet werden. Uns fällt auf, dass die Wände aus Beton sind und dass auch die Dachbalken einbetoniert werden – wahrscheinlich eine hurrikansichere Bauweise.
Nun wird es Zeit, unser Quad wieder zurückzugeben – aus unserer Sicht genau das richtige Verkehrsmittel für die kleine Insel. Das Fahren hat wieder viel Spaß gemacht und ich bewundere, wie gut Ralf (der das bestimmt nicht hören will) mit den extrem steilen und kurvigen Straßen zurechtgekommen ist.
Blöderweise bleiben wir bei der Rückfahrt zur TRITON mit unserem schönen, neuen Beiboot am Ruder von Sir Henry hängen. Seit Monaten legen wir nahezu täglich an unserer Badeplattform an und es hat immer gut geklappt. Heute kommen wir durch eine Welle mit der Seite des Dinghys unter die Plattform und pffffffffft geht die Luft aus einem Tank. Ralf hat aber das Loch schon wieder geflickt und wir hoffen, dass es dicht bleibt. Abends macht uns dann die Crew der TOCCATA noch einen Gegenbesuch – wieder sehr nett und da sie auch nach St. Marin wollen, verabreden wir uns zu einem gemeinsamen Osteressen. Sie haben auch ein sehr schönes Blog, dass ich rechts verlinkt habe.

Dienstag, 27. März 2018

Tag 267 - Jolly Harbour-Gustavia: Nette Nachtfahrt

Gestern um kurz nach 22:00 Uhr holen wir den Anker hoch und machen uns auf den Weg nach St. Barts. Bis die Segel gesetzt sind und der richtige Kurs anliegt, bleibe ich noch oben, ziehe mich aber so gegen 23:00 Uhr zum Schlafen zurück. Um 3:00 übernehme ich dann die Wache. Ralf berichtet von einer Schauerböe und ich bekomme auch noch zwei mit. Der Wind wird jeweils stärker und dreht, es regnet und nach der Böe ist der Wind dann erst mal weg… Unser guter Sir Henry fährt mit scheinbarem Wind (wahrer Wind und Fahrtwind) und diese Wechsel führen dann zu Schlangenlinien. Neben uns fährt ein großes Kreuzfahrtschiff (Adventure of the Seas) und das will ich natürlich nicht treffen.
Aber nach zwei Stunden wird alles wieder ruhig und wir kommen mit etwa halben Wind gut voran. Hinter mir am Horizont ahne ich noch die Lichter von Antigua, neben mir sehe ich Nevis und St. Kitts, über mir sind die Sterne und schon gegen 5:00 Uhr kann ich schon einiges erkennen, auch wenn die Sonne selbst erst nach sechs aufgeht. Ich stelle unsere Sonnenflügel ein und baue unser Sonnendach auf.
Irgendwann gegen acht ist Ralf dann wieder wach und der Wind wird schwächer und – gegen die Vorhersage – achterlicher. Wir baumen aus und es geht langsam weiter voran. In den Windwards haben wir über zu viel Wind zu weit von vorne gemeckert, in den Leewards ist es jetzt zu wenig Wind und zu weit von hinten… Aber es ist auch ganz nett, mal wieder gemütlich segeln zu können. In der Nähe von St. Barts treffen wir noch auf einige Fischpötte – auch einer der Gründe, warum wir nicht nachts hier ankommen wollten.
Für die rund 75 sm brauchen wir am Ende mit Ankermanövern knapp 16 Stunden, damit sind wir zufrieden. Der Ankerplatz ist sehr voll, aber wir finden noch ein Plätzchen ziemlich weit außen und der Anker hält auch gleich. Hier gibt es die Möglichkeit, sich online anzumelden und das machen wir auch (natürlich nicht mit Sailclear, das auf den englischen Inseln eingesetzt wird, das wäre ja zu einfach gewesen). Wir fahren an Land und nach wenigen Minuten hat der nette Hafenmeister das Formular ausgedruckt und gestempelt – geht doch! Die Hauptstadt Gustavia selbst ist hufeisenförmig um das Hafenbecken herum angelegt und wir laufen gleich los, um etwas zu essen zu finden.
Schließlich landen wir in einer ganz tollen Crêperie, die zwar kein Sonderangebot ist, in der wir aber das beste Essen seit Monaten bekommen. Ganz ausgezeichnet!
Einziger Nachteil des Etablissements: es liegt direkt an einer Straßenkreuzung und hier ist verkehrsmäßig alles los, was nicht angebunden ist: Feuerwehr, Krankenwagen, Taxi, Betonmischer, Kranwagen, Jeeps, Cabrios, Pic-Ups, Vans, SUVs, Roller, Motoräder, Quads, Elektrofahrzeuge…
Schließlich mache ich aus der Not eine Tugend und beginne, die Dinger zu fotografieren. Ich komme mir vor wie früher mit meinen Matchbox-Autos, wo ich mich gefreut habe, wenn ich wieder ein neues Modell für meine Sammlung bekommen habe. Das hier ist nur eine ganz kleine Auswahl. Dabei hat die ganze Insel nur 21 km²… Morgen wollen wir uns auch in den Verkehr stürzen, denn wir haben ein Quad gemietet.
Auf St. Barts gibt es nicht nur nette Restaurants, sondern auch jede Menge Boutiquen aus dem Luxus-Segment, denn hier ist wieder ein Treffpunkt für Superyachten. Wir bewundern einige Schaufensterauslagen, kaufen dann aber doch nur etwas Brot, Käse und Pasteten für das Abendessen ein.
Die Superyachten selbst können wir uns im Hafen und auch draußen vor Anker anschauen. Wir müssen wieder eine Weile fahren, um die TRITON zu erreichen. In unserer Nähe liegt eine weitere Hallberg Rassy: die TOCCATA ist gerade angekommen und wir machen dort noch eine Zwischenstation für einen kleinen Schwatz.

Montag, 26. März 2018

Tag 266 - Jolly Harbour: Entscheidungen und Erledigungen

Unsere ersten Gedanken gehen nach Hause, denn Ralfs Vater wird heute 80 Jahre alt. Wir versuchen, zu telefonieren, haben aber die Zeitumstellung in Deutschland nicht berücksichtigt und so erreichen wir ihn nicht persönlich. Also auch hier nochmal viele Geburtstagsgrüße!

Morgen wollen wir weiter und daher stehen heute einige Erledigungen an. Das Auto muss zurückgegeben werden, wir müssen ausklarieren, einkaufen, Benzin für unseren Außenborder tanken, unsere Gasflasche muss abgeholt werden und wir wollen uns auch noch mit Amanda und Simon von der CARRIED AWAY treffen. Den ersten Teil der Liste erledigt Ralf am Vormittag und unser Außenborder hat so richtig Gelegenheit, Betriebstemperatur zu erreichen, denn die Fahrt bis in den Hafen dauert jeweils 20 Minuten.
Wir diskutieren, wohin wir von hier aus fahren wollen. Die Nachbarinsel Barbuda haben wir gleich ausgeschlossen, denn sie wurde letztes Jahr vom Hurrikan Irma vollständig zerstört. Alle Bewohner mussten evakuiert werden. Wir hatten überlegt, nach St. Kitts zu fahren, insbesondere Ralf war interessiert, denn dort soll eine Eisenbahn fahren. Wir rufen an, aber es gibt Tickets frühstens am Freitag oder Samstag. So lange wollen wir dort nicht bleiben. Der Wind soll aber auf NE drehen und schwächer werden und dann kommen wir von dort nicht so gut weg. Also entscheiden wir uns, direkt nach St. Barthélemy, kurz St. Barts, zu segeln. Das sind 75 sm und damit wir im Hellen ankommen, werden wir heute Abend noch starten.
Vorher geht es noch zur zweiten Runde an Land und wir bekommen dort tatsächlich die gefüllte Gasflasche. Abgabestelle ist das Security-Häuschen des Werftgeländes hinter der Bootstankstelle. Von dort wird sie dann von „Denny“ abgeholt und gefüllt wiedergebracht. Er ist zwar etwas später als verabredet da, aber sehr korrekt, denn da unsere Flasche nur 5 kg fasst, bekommen wir sogar noch Geld zurück.
Dann treffen wir uns mit Amanda und Simon und lernen bei der Gelegenheit auch noch Sam und Adrian von der NEVA kennen, die auch an die amerikanische Ostküste wollen. Jeder hat wieder eine interessante Geschichte zu erzählen. Jeder hat schon eine lange Reise hinter sich und kann Tipps und Erfahrungen weitergeben – es ist wirklich schön, zu dieser Gemeinschaft zu gehören. Unser Beiboot ist schon an Deck, jetzt noch fertig bloggen, einen Kleinigkeit essen und dann machen wir uns auf den Weg.