Posts mit dem Label Museum werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Museum werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 28. August 2026

Tag 85 - Odense: Besuch bei Hans Christian Andersen

Heute ist es regnerisch und windig und wir beschließen, die Gelegenheit zu nutzen und mit dem Bus nach Odense zu fahren. Auf dem Weg zur Haltestelle kommen wir erst einmal ein einem großen Wandbild mit dreidimensionalen Elementen vorbei, das den Glockenturm von Fåborg zeigt.
In Odense angekommen leihen wir uns E-Scooter und werden schon nach wenigen Metern von der Polizei darauf hingewiesen, dass das Fahren auf den Scootern nur mit Helm erlaubt ist und bei Zuwiderhandlung ein Bußgeld fällig  wird. So ein Quatsch, Scooter zum Ausleihen anzubieten, wenn sie ohne Helm nicht benutzt werden dürfen... Wir kommen trotzem gut beim H. C. Andersen Hus an und begeben uns auf eine Reise durch das Leben und Werk des Dichters (1805-1875).
Das Museum steht direkt neben dem Geburtshaus des Dichters und wurde 2021 nach einem Umbau neu eröffnet. Die Architektur ist faszinieren, denn der vom japanischen Architekten Kengo Kuma entworfene Komplex besteht aus mehreren überwiegend unterhald der Oberfläche liegenden Holz-Zylindern, die miteinander verbunden sind (Bild von Google Maps)
Mit Hilfe eines Audioguides folgen wir der Biografie von den bescheidenen Anfängen als Kind eines Schuhmachers in Odense über seinen Umzug nach Kopenhagen und dem immer größeren Erfolg. Zwischendurch gibt es immer wieder runde Räume, die sich mit den verschieden Aspekten seines Lebens beschäftigen. Er war nie verheiratet, aber immer wieder verliebt, sowohl in Frauen, als auch in Männer (siehe Titelbild). Zwar sind seine Märchen am bekanntesten, aber er hat auch Romane und Reiseberichte geschrieben, gezeichnet und Scherenschnitte und Collagen angefertigt. Eindrucksvoll ist ein Paravent, den er kurz vor seinem Tod mit Collagen von für ihn wichtigen Themen gestaltet hat. Darunter sind auch Länder, die er auf seinen zahlreichen Reisen besuchte.
Alle diese Räume sind interaktiv und eindrucksvoll durch die Gestaltung, das Licht und die passend ausgewählte leise Musik. Und dann betreten wir die Märchenwelt, die wirklich magisch ist. Es gibt riesige Blumen, und überdimensionale Märchenbücher. Schwäne kommen aus einem virtuellen See und man kann sich in andere Welten träumen.
Ausgewählte Märchen haben ihre eigene Abteilung, so zum Beistpiel die Prinzessin auf der Erbse mit der Erbse auf einem Samtkissen und einem Bett mit zahlreichen witzigen Matratzen. 
Für das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" ist ein virtueller Spiegel aufgestellt worden. Auf der einen Seite sieht sich der Betracher mit den neuen Kleidern, aber auf der Rückseite können die Besucher die Posen ohne diese anschauen.
Hans Christian Andersen gehört zu den glücklichen Autoren, die bereits zu Lebzeiten Anerkennung fanden, finanziell erfolgreich waren und mit Ehrungen überhäuft wurden -- eben wie im Märchen.
Zum Abschluss kommen wir dann noch in den "Raum der Erinnerungen" - ebenfalls rund und mit Blumen (die Andersen sehr liebte) und mit Wandgemälden geschmückt.
Die Gebäude liegen in einem kleinen Park, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Für die Bäume gibt es Schächte, so dass es teilweise aussieht, als würden sie aus des der Unterwelt wachsen.
Wir laufen noch etwas durch die nahegelegene Innenstadt, vorbei am Dom (der leider gerade geschlossen wird) und am Rathaus...
...bis zu dem Haus, in dem HCA von seinem 2. bis zu seinem 14. Lebensjahr gelebt hat. In dem kleinen Fachwerkhaus wohnten drei Familien.
In den Einkaufsstraßen gibt es auch immer wieder Kunstwerke zu sehen. Ich bin erfolgreich bei der Suche nach einer neuen Powerbank. Die alte muss mir versehenlich aus dem Rucksach gefallen sein.
Wir finden noch einen netten Sitzplatz beim Theaterkaffee und genießen dort Kaffee, Chai und Kuchen...
...bevor es mit dem Bus wieder quer über die Insel zurück nach Fåborg geht. Die Landschaft ist hügelig mit Bäumen und vielen - oft schon abgeernteten - Feldern.
Tagsüber haben wir Glück mit dem Wetter gehabt, es war zwar bedeckt, hat aber nicht geregnet. Doch auf dem letzen Stück zurück zum Boot erwischt uns noch ein heftiger Regenschauer und wir sind froh, dass wir unsere Regensachen mitgenommen haben!
 

Sonntag, 16. August 2026

Tag 73 - Aarhus: Zeitreise

Im Jahr 2017 war Aarhus Kulturhauptstadt Europas - kein Wunder, denn die Stadt hat wirklich viel zu bieten. Heute besuchen wir das "European museum of the year 2026", das den Namen "Den gamle by" trägt - die alte Stadt. Wir sind erst ein wenig überrascht, weil das Eingangsgebäude sehr modern ist: außen aus Stahl und Glas, innen mit hellem Holz.
Aber die Sache klärt sich bald auf. Das Freilichtmuseum besteht aus über 50 Gebäuden, die aus ganz Dänemark hierher gebracht und wieder aufgebaut wurden. Insgesamt vier Epochen werden gezeigt. Der Eingang gehört also zur Moderne 2014.
Bevor wir die Gebäude anschauen, besuchen wir jedoch erst eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt Aarhus. Dazu geht es mit dem Aufzug in den Keller und damit in eine andere Zeit. Wir sehen den Beginn der Stadt als Wikingersiedlung, nach der Christianisierung als Domstadt, die Industriealisierung und das Wachstum durch Hafen und Eisenbahn und schließlich die Besetzung der Stadt durch die Deuschen im 2. Weltkrieg.
Auch das moderne Aarhus als Zentrum von Handel, Produktion, Musik und Sport wird gezeigt. Die Stadt ist stark gewachsen und ist jetzt - nach Kopenhagen - die zweitgrößte Stadt Dänemarks.
Im Gebäude sind auch noch verschiedene Einzelausstellungen, darunter Schmuck, Porzelan und Uhren. Ralf kann nicht wiederstehen...
Wieder im Freien laufen wir durch die Straßen und finden einen netten Platz für unser mitgebrachtes Picknick.
Viele der Geschäfte und Wohnungen können betreten werden - so ist im modernen Teil ein 2008 geschlossener Jazzclub vollständig aufgebaut worden. Alles ist so, wie es am letzten Tag benutzt wurde, inklusive den Aschenbechern!
Es gibt auch zwei moderne Wohnung, einmal von einer 31-jährigen Single Frau und dann von einer fünfköpfigen Regenbogenfamilie mit zwei Müttern. Im Moment ist die vollständig eingerichtete Wohnung noch vertraut, aber später wird sie einmal ein interessantes Zeitzeugnis sein.
Für die 70er Jahre ist eine kompletete Einkaufsstraße aufgebaut. Viele Dinge, z.B. das Wählscheibentelefon und das orangene Tapetenmuster, wirken auf uns vertraut, weil wir uns an diese Zeit noch erinnern können.
Unser absoluter Favorit ist "Poul's Radio" mit alten Schallplatten (von denen wir viele kennen), Plattenspielern und Tonbandgeräten und einer Reparaturwerkstatt. In vielen Geschäften arbeiten Freiwillige und beantworten Fragen.
Dann geht es noch weiter in die Verganganheit und zwar in die 20er Jahre. Wir besuchen die Wohung einer Mittlklassefamile, schon mit fließendem Wasser in der Küche und Telefon.
Auch hier gibt es Geschäfte und wir schauen uns die Buchhandlung und den Haushaltswarenladen an.
Anfang des letzen Jahrhunderts gab es zunehmend mehr Automobile und wir besichtigen eine Werkstatt, in der nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder repariert werden können. Das Gebäude mit einem daran hängenden Fahrrad haben wir schon von der anderen Seite des kleinen Kanals gesehen (siehe Titelbild).
Der nächste Zeitsprung führt uns dann wirklich in die "alte Stadt" mit Fachwerkhäusern und repräsentativen Wohnungen, die im Barock- und Rokkokostil eingerichtet sind.
Auch hier dürfen Geschäfte nicht fehlen und wir schauen beim Schmied (der sehr beschäftigt ist) und beim Uhrmacher vorbei.
Wir haben auf unseren Reisen schon einige Museumsdörfer gesehen, die uns die Vorstellung von einer anderen Zeit vermitteln sollten. Hier ist es - besonders in den 20er und 70er Jahren und der Neuzeit ganz besonders gut gelungen, weil die Wohnungen und Geschäfte so vollständig eingerichtet sind (und teilweise noch genutzt werden). Wir haben gar nicht alles anschauen können. Als letzte Tag gehen wir noch ins Plakatmuseum (ebenfalls auf dem Gelände).
Neben den klassischen dänischen Plakaten zeigt eine Sonderausstellung 151 Werke zum Thema Tourismus, der eine der wichtigsten Branchen Dänemarks ist. Eine der Beschriftungen formuliert es so: "Tourismus ist eine kulturelle Begegnung mit dem Unbekannten, die Vergnügen und Lernen in sich vereint."
Wir haben in den letzten drei Tage viel Vergnügen in Aarhus gehabt und einiges gelernt. Die Stadt und ihre Angebote haben uns wirklich gut gefallen und wir hatten wirklich gutes Wetter für unseren Ausflüge. Auch wenn wir bei weitem nicht alles gesehen haben, wollen wir morgen weitersegeln.

Samstag, 15. August 2026

Tag 72 - Aarhus: Unter dem Regenbogen

Schon gestern hatten wir vom Rathausturm die auffällige Dachinstallation auf dem Gebäude des ARoS Kunstmuseums gesehen - das wollen wir uns heute näher anschauen. Der würfelförmige Bau selbst - von lokalen Architekten entworfen - ist von außen eher unauffällig.
Ganz anders sieht es dann im Inneren aus, das wirkliche sehenswert ist. Die neun Etagen sind durch einen spiralförmigen Treppenturm erreichbar und die großen Fensterflächen geben viel Licht.
Wir fahren als erstes ganz nach oben, denn wir wollen das Kunstwerk "Your Rainbow Panorama" von Ólafur Elíasson auf dem Dach erleben. Er ist bekannt für Werke, die sich mit Licht und Raum beschäftigen und in denen die Betrachter Teil des Kunstwerks werden (siehe auch Titelbild).
Wir können eine (oder mehrere Runden laufen und die den Blick auf die Stadt mit verschiedenen Lichtstimmungen genießen - sehr sehr eindrucksvoll!
Von der Dachterrasse im 9. Stock können wir einen künstlichen Hügel sehen. Allerdings ist uns zunächst nicht klar, dass er ebenfalls zum Museum gehört.
Wir finden dann heraus,  dass dort regelmäßig die Installation "As Seen Below" von James Turrell vorgefürht wird. Unter dem Hügel liegt ein kreisförmiges Auditorium mit einer Öffnung in der Mitte der Kuppel.
Durch die Öffnung können wir zunächst  den Himmel sehen, dann wird sie nach und nach verschlossen. Es gibt die Möglichkeit, direkt unter der Öffung auf dem Boden zu liegen.
Anschließend werden langsam verschiedene Lichtstimmungen gezeigt, mit unterschiedlichen Farben für den Hintergrund und den "Deckel" der immer mehr wie eine Kugel, ein Mond, eine Sonne erscheint. Ebenfalls ein interessantes Erlebnis.
Das nächste Werk ist ein Gemeinschaftsprojekt von Nina Beier und John Miller: The Populace. In einem großen Raum hängen Reproduktionen von Gemälden aus dem Historischen Museum Basel - alles Portraits von Unbekannten. Die Bilder werden betrachten von zahlreichen sehr unterschiedlichen Gruppen von Mannequins, alle in Kleidung, die dem Roten Kreuz gespendet wurden. Teilweise müssen wir 2x hinsehen, um die Puppen von den Besuchern zu unterscheiden - der Gesamteindruck ist sehr verstörend.
Das Museum hat seine Sammlung von Bilder bis 1960 unter dem Thema "Human Nature" neu zusammengestellt. Die Werke werden in den Zusammenhängen Natur, Religion, Philosopie und Wissenschaft gezeigt.
Allerdings ist das Hauptthema des Museum die zeitgenössische Kunst ab 1960 mit dänischen und internationalen Künstlern.
Eine besonders auffäliges Exponat ist die hyperrealistische und überlebensgroße Statue "Boy" von Ron Mueck mit unglaublichen Details (siehe die Falten am Ellenbogen unten rechts).
Ein ganzes Stockwerk ist verschiedenen Installationen gewidmet, deren Spannbreite von witzig über verstörend bis zu unverständlich reicht. In "Take Over" von Anri Sala wird ein Video von einer musikalischen Performance in einem abgedunkelten Raum auf verschiedenen Bildschirmen gezeigt.
Jonah Freeman und Justin Lowe zeigen in "Colony Howi" eine Art postapokalyptischen Bunker, teilweise mit 70er Jahre Einrichtung.
Im "Storm Room" von Janet Cardiff und George Bures Miller erleben wir ein Gewitter, erst mit leichtem Regen, dann aber mit immer stärkeren Blitzen und Donner während sintflutartiger Regen an die Scheiben prasselt oder sogar aus der Decke in die Eimer tropft.
Das war wirkliche ein außergewöhnliches Museum mit sehr unterschiedlichen Exponaten und Installationen, die in einem eindrucksvollen Gebäude interessant präsentiert werden - auf jeden Fall einen Besuch wert! Wir beschließen den Tag bei "Mammis Gelato" einem Eiscafé, dass uns die nette Dame bei "dokkx" gestern empfohlen hatte. Hier steht eine lange Schlage - wie sich herausstellt aus gutem Grund, denn es gibt unter anderem "Eis-Tapas" und Eiskuchen.