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Freitag, 28. Juni 2019

Tag 52 - Velas-Angra (Terceira): Holperige Fahrt

Heute gibt es noch recht günstigen Wind, um zur nächsten Insel Terceira (die Dritte, da als dritte entdeckt) zu fahren. Morgen soll dann das Azoren-Hoch tatsächlich über den Azoren liegen, mit entsprechend wenig Wind. Es sind über 50 sm und wir rechnen mit mindestens 11 Stunden, daher legen wir schon um 7:15 in Velas ab - ganz ohne Probleme.
Wir fahren mit etwas Abstand von der Steilküste, um auch hinter São Jorge noch segelbaren Wind zu haben, müssen dann aber doch etwas mehr als zwei Stunden die Maschine mitlaufen lassen, um aus der Abdeckung herauszukommen. Dann können wir zwar wieder segeln, aber es kommt - durch den tagelangen Nordwind - eine unangenehme hohe Dünung, die zusammen mit den Windwellen ein konfuses Bild ergibt und uns etwas durchschüttelt.
Wir kommen aber dann doch wie vorgesehen zu Geschäftszeiten in Angra do Heroísmo an und treffen gleich als erstes Anne und Jonathan von der SOFIA, die hier von Anker liegen und mit dem Beiboot unterwegs sind. Sie meinen, der Hafen sei besetzt, aber wir fahren trotzdem hinein und bekommen - nach Ralfs Charme-Offensive mit dem Hafenmeister - dann noch einen Platz im Päckchen zugewiesen. Der Hafen ist sehr voll, denn im Moment ist hier das Festival "Sanjoaninas" zu Ehren des Heiligen - man ahnt es schon - San Joan...
Da werden wir am Samstag und Sonntag bestimmt einiges erleben können - leider ist es mir bisher nicht gelungen, ein Programm auf Deutsch oder Englisch zu finden und die Übersetzung aus dem Portugiesischen ist eher lustig als informativ...
Der Hafenmeister hat angedeutet, dass morgen ein Stier durch die Straßen getrieben werden soll - wir werden auf jeden Fall in der Tourist Information vorbeischauen, um Näheres zu erfahren. Für heute genießen wir die schöne Stimmung im Hafen und freuen uns über unseren guten Platz.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Tag 51 - Velas: Shopping mit Skipper Ralf

Für heute haben wir eine Erkundung von Velas selbst vorgesehen. Netterweise liegt das Zentrum gleich in der Nähe des Hafens. Aber erst einmal erledigen wir verschiedene Arbeiten auf dem Boot. Ich sitze am Schreibtisch und Ralf lebt sich mit seinem Lieblings-Rostentferner aus. Am Nachmittag machen wir uns dann auf den kurzen Weg und besichtigen als erstes die Kirche "Igreja Matriz de São Jorge"
Schon in Spanien und Festland-Portugal habe ich mich darüber amüsiert, dass (elektrische) Kerzen durch Münzeinwurf angezündet werden können, in einer Kirche in Lissabon sogar per App... also werfe ich auch hier 1 € für fünf Kerzen ein und denke an meine Familie daheim.
Die danebenstehende Madonna (?) scheint auf für die Seefahrt zuständig zu sein, jedenfalls hat sie neben dem Jesuskind (?) auch noch ein Segelboot am Start.
Auch der Platz vor der Kirche ist wieder unglaublich aufgeräumt und gepflegt mit Blumenbeeten und in Form geschnittenen Büschen.
Es gibt sogar eine kleine Fußgänger"zone" mit ein paar Geschäften für die wenigen Touristen. Ralf hat in Horta vergeblich nach einem neuen Hut und Shorts gesucht, aber hier wird er in einem kleinen Laden sofort fündig und der Hut kommt gleich zum Einsatz. Siehe Bild oben im Park mit dem Musik-Pavillon. Auch der Park ist unnatürlich ordentlich, so als ob ein städtischer Bediensteter nur darauf wartet, dass ein Blättchen vom Baum fällt und es dann fängt, bevor es den Boden erreicht. Alles ist frisch gestrichen und die Beete sind makellos. Selbst eine Hausruine hat einen ganz eigenen Charme.
Wir (das heißt Ralf) trinken noch eine Tasse Galão (Espresso mit heißer Milch, sozusagen die portugiesische Version von Latte macchiato) mit Kuchen - das ist angenehmerweise in Portugal kein Problem. Dann laufen wir zurück aufs Boot, das Ralf heute morgen schon umgelegt hat, damit wir gut vorwärts aus der Box herausfahren können.
Hier ist noch Ralfs Beute - ganz gewagt mit einer Hose in erdbeer-rot und einer in dezent dunkelblau:
Morgen wollen wir früh aufbrechen, um noch zu "Geschäftszeiten" auf Terceira in der "Angra do Heroísmo" (=Bucht der Heldenhaftigkeit) einzutreffen. Auf Terceira ist ein 10-tägiges Festival im Gange, das noch bis zum 30. Juni dauert und wir wollen gerne einen Platz in der Marina bekommen.

Tag 50 - São Jorge (Ost): Schöne Aussichten!

Als erste Tat heute besuchen wir das örtliche Sägewerk, um ein neues Fenderbrett zu erwerben und dieses, da sehr sperrig, zurück aufs Schiff zu bringen. Dann machen wir uns auf, den östlichen Teil der Insel zu erkunden. Wir kommen an einem Aussichtspunkt vorbei, von dem aus wir einen wunderbaren Blick auf den Ort Velas und unsere Marina haben. Die TRITON liegt ziemlich weit innen und wir haben schon mit den Boot gegenüber gesprochen, damit wir aus unserer Ecke wieder herauskommen. Leider ist unser Schiff nicht mehr an die dicken orangen Fendern zu erkennen - einer ist in Flores kaputtgegangen und einen haben wir in Horta verschenkt - nun haben wir statt dessen zwei weiße...
Wir fahren weiter nach oben und treffen natürlich wieder einige der zahlreichen Kühe, die offensichtlich problemlos mit den steilen Weiden zurecht kommen. Als Straßen- und Weidebegrenzung wachsen hier große Mengen von Hortensien. Überhaupt wirkt die Insel auf uns wie ein großer und gepflegter Park.
Wir können jetzt auch die Frage beantworten, wie die Milch von den Kühen auf der Weide zur Käsefabrik kommt: Es gibt mobile Melkstationen und speziell umgebaute kleine Pick-Ups mit Edelstahltanks...
Immer höher führt uns der Weg und irgendwann kommen wir aus der Sonne in den "Nebel des Grauens" - die Wolkenschicht in größerer Höhe... es fängt an, leicht zu regnen und ich schaffe es auch noch, in einen Kuhfladen zu treten - das klappt gut, insbesondere mit Turnschuhen, die Profilsohlen haben...
Wir fahren (nach einer Reinigungsaktion) lieber schnell weiter und finden - nach einigem Suchen - das Informationszentrum, das zum Naturpark gehört. Neben Infoplakaten und einigen Steinen gibt es auch noch nette kleine Filme über die verschiedenen traditionellen Handwerke auf der Insel.
Es geht weiter Richtung Osten, denn wir wollen ganz auf die Spitze. Der Weg führt vorbei an Weiden und Feldern und durch nette kleine Orte, natürlich mit Landwirtschaft, und entsprechend dürfen wir eine Weile einen Traktor verfolgen.
Wir haben den Eindruck, dass die Azorianer (und Azorianerinnen) gerne einen Pinsel, Rasenmäher, Besen oder Putzlappen in die Hand nehmen, denn alles ist unglaublich ordentlich und aufgeräumt.
Wieder können wir unser Ziel zunächst von einem weiteren Aussichtsplatz aus erkennen: den Ort Topo mit dem Leuchtturm "Farol da Ponta do Topo" und der Vogelinsel "Ilhéu do Topo (echt originell bei der Nameswahl).
Anders als der Leuchtturm auf der anderen Seite ist dieses Exemplar noch in Betrieb. Auf den Feldern wird sogar etwas Wein angebaut, erkennbar an den rechteckigen Begrenzungen.
Hier ist wieder ein Naturschwimmbecken, von denen es rund um die Insel einige gibt. Wie so oft auf Vulkaninseln ist die Küste felsig und ohne Sandstrände.
Und gefallen die Azoren richtig gut und jede Insel bietet viele lohnende Ziele, die wir gar nicht alle erkunden können - und dabei haben wir ja wirklich einen großzügigen Zeitrahmen!
Auch heute haben wir wieder Pflanzen und Tiere entdecken können - leider fehlt mir manchmal das entsprechende Bestimmungsbuch und es bleibt bei allgemeinen Aussagen wie Kuh, Möwe, Hortensie...
Eine Besonderheit von São Jorge sind die "Fajãs", das sind schmale, schwer zugängliche Küstenebenen, die am Fuß der Steilküste direkt am Meer liegen. Die Fajãs sind entweder durch Erdrutsche oder durch Lavaflüsse entstanden. Es gibt über 50 davon und einige sind auch heute noch nicht durch Straßen zu erreichen. 
Wir haben uns die "Fajã dos Vimes" an der Südküste ausgesucht. In Serpentinen führt die einspurige Staße von der Hochebene herunter bis ans Meer. Hier gibt es die einzige Kaffeeplantage Europas und im "Café Nunes" wird der selbst angebaute und im Kessel vor Ort geröstete Kaffee ausgeschenkt. Wir dürfen einen Blick auf einen kleinen Teil der "Plantage" werfen, im Prinzip der zum Haus gehörende Garten...
Auf dem Rückweg nutzen wir unser Auto noch, um den örtlichen Supermarkt aufzusuchen und wir beschließen den schönen, aber langen Tag dann im "Restaurante Acor" das direkt neben unserer Marina liegt.

Mittwoch, 26. Juni 2019

Tag 49 - São Jorge (West): Glückliche Kühe und köstlicher Käse

São Jorge ist eine schmale (knapp 7 km) aber langgestreckte (über 50 km) Insel mit ca. 8500 Einwohnern. Wir beschließen, uns für die Erkundung zwei Tage Zeit zu nehmen und heute den westlichen Teil der Insel zu besuchen. Wir wollen bis ganz zur Spitze, halten aber erst einmal im "Parque Florestal das Sete Fontes" an. Auf einem sehr gepflegten Gelände stehen zahlreiche sehr hohe Zypressen (glauben wir) und Riesenfarne.
Es ist eine Stimmung wie in einem Märchenwald. Hier - und auch an anderen Stellen der Insel - gibt es immer wieder Blüten zu entdecken.
Wir fahren weiter auf schmalen Straßen, die teilweise unbefestigt sind. Ich bin ja bekanntlich kein Freund von SUVs, aber hier wäre etwas mehr Bodenfreiheit als bei unserem kleinen Nissan doch von Vorteil gewesen...
Wir besuchen verschiedene Aussichtspunkte von denen aus wir einen Blick über die Steilküste und auch auf den Leuchtturm am Westende haben.
Oben auf der Steilküste liegt ein Hochplateau mit vielen kleinen, grün bewachsenen Vulkankratern. Die Landschaft ist mit Naturstein-Mauern in viele Rechtecke aufgeteilt, aber nicht - wie auf Pico - zum Weinbau, sondern für Wiesen und Weiden. Auf diesen Weiden (oder auf der Straße oder im Vorgarten) grasen ca. 35.000 Rinder, die auf uns einen sehr zufriedenen Eindruck machen.
Die Vermehrung erfolgt offensichtlich nicht durch künstliche Befruchtung, sondern es gibt echte Bullen, die diesen Job persönlich erledigen sollen. Wir treffen ein solches Exemplar, der Herr soll sich auf einer separaten Weide mit einer Dame amüsieren, hat aber wohl keinen Plan. Sie versucht, ihm die Technik durch ein praktisches Beispiel nahezubringen, gibt aber dann frustriert auf...
Wir wissen leider nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist, aber wir verfolgen den Weg der Milch bis in die Käse-Kooperative - auf Portugiesisch klingt das viel besser: "União de Cooperativas Agrícolas da Ilha de São Jorge". Dort wird der "Queijo São Jorge" hergestellt und wir haben Gelegenheit, die Produktion zu besichtigen. Wir müssen allen Schmuck und Uhren ablegen und uns in Schutzkleidung hüllen, für die Herren gibt es sogar eine Bartmaske. Es geht natürlich nicht um unseren Schutz, sondern um den Schutz des Käses...
Leider darf in den Produktionshallen nicht fotografiert werden. Wir sehen, wie die Rohmilch in großen Becken mit Enzymen versetzt wird. Die Molke wird abgelassen und der Käsebruch in Formen gefüllt und gepresst. Dann kommen die Laibe zunächst in einen Trockenraum und dann ein eine Reifekammer, wo sie drei Monate bis zwei Jahre lagern. Der Käse von unabhängigen Gutachtern zertifiziert und darf sich bei Erfolg "Queijo São Jorge" mit geschützter Ursprungsbezeichnung nennen. Wer den Test nicht besteht, wird als "Insel-Käse" verkauft. Wir dürfen verschiedene Sorten probieren und entscheiden uns für die sieben Monate alte Variante.
Auf der Rückfahrt geht es weiter auf den grünen Hochebenen durch die sauber angelegten Felder. Alles ist sehr gepflegt und aufgeräumt. Die ersten Siedler im 15. Jahrhundert waren Flamen und sie sollen die Kühe (und wahrscheinlich auch die Käseprodukton) mitgebracht haben.
Ralf nutzt einen weiteren Miradouro (Aussichtspunkt) für ein kurzes Schläfchen... Im Hintergrund ist übrigens wieder der Pico, heute durch seine Wolkenschicht aber nicht zu sehen.
Wir wollen noch in eine weitere Kooperative, diesmal eine, in der Handwerksarbeiten ausgeführt werden. Auch sie hat einen klangvollen Namen: "Cooperativa de Artesanato Senora da Encarnação, ist aber nicht leicht zu finden, da nicht in Google Maps... Wir haben dann aber doch Erfolg und erstehen ein paar neue Topflappen für die TRITON.
Unser letztes Ziel für heute ist dann der kleine Ort Urzelina direkt am Ufer. Im 18. Jahrhundert gab es einen Vulkanausbruch, dessen Spuren auch heute noch zu sehen sind. Wir trinken noch einen Kaffee und machen uns dann auf den Weg nach hause.
Während ich das hier schreibe, ist es draußen richtig laut, denn in den Abendstunden fliegen die "Aua-Aua-Vögel" ihre Brutstätten in den Klippen neben dem Hafen an. Es handelt sich um "Gelbschnabel-Sturmtaucher", die auf den Azoren mit ungefähr 500.000 Paaren vertreten sind. Hier ein Eindruck von ihren Rufen: Klick

Dienstag, 25. Juni 2019

Tag 48 - Horta - Velas (São Jorge): Es läuft!

Gestern Abend bekommen wir überraschend Besuch von Tom, den wir zusammen mit seiner Frau Claudia und ihrem Schiff MAGELLAN zuletzt in der Marina Phare Bleu auf Grenada gesehen haben. Wie sich herausstellt, war sie letztes Jahr auf der Rückreise von der Karibik mit ihrem Boot hier und haben die Tiefseeforscher Kirsten und Joachim Jakobsen getroffen, die Hilfe auf ihrem Forschungsboot benötigten (hier ein Bericht über die Forscher: Klick). Jetzt ist Tom wieder hier und arbeitet als Bootsmann auf dem Mutterschiff Ada Rebikoff.
Er lädt uns ein, das Boot und insbesondere das Spezial U-Boot LULA 1000 zu besichtigen und heute Morgen gehen wir an Bord. Der Motorkatamaran ist sozusagen um das U-Boot herumgebaut worden. Es wir in ruhigem Wasser abgelassen und dann zum Einsatzort geschleppt, wo es bis zu 1000 m tief tauchen kann. Die Azoren sind ein ideales Revier, denn hier ist das Wasser gleich neben den Inseln entsprechend tief. Betrieben wird das Projekt von der gemeinnützigen Rebikoff-Niggler Stiftung. Das U-Boot wurde von Joachim Jacobsen entworfen und die Plexiglaskuppel ist bei Evonik in Darmstadt gefertigt worden, die das Projekt auch sponsorte. Link zur Stiftung: Klick
Wir lernen auch die beiden Forscher kennen und dürfen auf die Brücke des Katamarans mit einer eindrucksvollen Reihe von Bildschirmen und Computern. Dann revanchieren wir uns und laden zu einer Besichtigung auf die TRITON ein. Wie sich herausstellt, hatte Joachim Jakobsen selbst einmal eine Hallberg Rassy 29 und frischt bei uns seine Erinnerungen auf.
Dann ist es an der Zeit, von Horta Abschied zu nehmen - was uns nicht leicht fällt, denn wir haben uns hier sehr wohl gefühlt: wunderbare Landschaft, angenehmes Wetter, günstige Preise, nette Menschen, internationales Flair...
Aber es gibt ja noch mehr schöne Azoren-Inseln und bei Traumwetter fahren wir das kurze Stück nach São Jorge. Bei diesen Bedingungen sind auch zwei kleine Kreuzschläge kein Problem. Im Abendlicht kommen wir in Velas an und werden dort gleich vom Hafenmeister herzlich in Empfang genommen.
Die kleine Marina liegt sehr geschützt unter einer Steilküste und es gibt noch einen guten Platz für uns. Wir können gleich ein Auto für die nächsten zwei Tage organisieren, es gibt tolle Duschen und das Ortszentrum ist nur 200 m entfernt - perfekt!
Es ist wirklich gut, dass wir Zeit haben, uns dieses Revier etwas näher anzusehen. Für viele Segler sind die Azoren nur ein kurzer Zwischenstopp auf der Rückreise nach Europa. Das ist schade, denn die Inseln, die wir bisher gesehen haben, sind alle sehr unterschiedlich und haben einen ganz individuellen Charakter. Nun sind wir gespannt auf dieses Exemplar...