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Freitag, 18. September 2020

Tag 41 - Amrum-Hörnum (Sylt): Der frühe Vogel...

Um 5:15 Uhr klingelt der Wecker und um 6:00 Uhr sind wir unterwegs. Das erste Licht reicht gerade, um den Prickenweg aus dem Hafen gegen den heller werdenden Horizont  zu erkennen. Der Wind kommt schwach aus Osten und wir fahren zunächst unter Motor. Es gibt kaum Wellen und wir erleben, wie hinter uns die Sonne aufgeht. Vor uns liegen das stille Meer und der Himmel in Pastellfarben und wir müssen genau hinsehen, um die Fahrwassertonnen zu erkennen.
Genaue Navigation ist wichtig, denn der Weg ist teilweise nur zwei Meter tief - das ist nur eine kleine Handbreit bei unseren ca. 1,90 m Tiefgang. Nachdem wir die Südspitze von Amrum umrundet haben, geht es nach Norden, das bedeutet halber Wind und wir ziehen die Segel hoch. Der Strom hilft etwas mit und wir genießen die ruhige Fahrt.
Unterwegs kommen wir am "Jungnamensand" vorbei, auf dem sich bei Niedrigwasser die Seehunde sonnen.
Das ist hier wieder eine Engstelle und so liegt unsere Tonne dicht unter Land. Außer den Robben nutzen auch jede Menge  Möwen die Sandbank als Ruheplatz.
Ein Seehund schwimmt sogar neugierig dicht ans Boot und betrachtet uns aufmerksam.
Schon bald kommt der Leuchtturm von Hörnum an der Südspitze von Sylt in Sicht...
...und schon wenig später kommen wir im Hafen an. Hier waren wir schon einmal 2006 und immer noch gibt es  die Besonderheit, dass die Boote über Megafon begrüßt werden und einen Liegeplatz zugewiesen bekommen. Der Wind ist jetzt fast völlig eingeschlafen, so dass ich meinen Schatten im Wasser sehen kann.
Es ist erst 11:00 Uhr und wir bauen unsere Fahrräder auf und gehen ein leckeres Fischbrötchen im Imbisswagen am Strand essen, kaufen noch ein paar Lebensmittel und machen dann einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Ab morgen haben wir einen Mietwagen, denn die Insel ist mit 40 km Länge doch etwas zu groß für die Fahrraderkundung. Während ich das schreibe ist wieder Niedrigwasser und die Triton steckt hinten in ihrer schönen Box fest. Da müssen wir unsere Abfahrtszeit wieder gut planen...

Donnerstag, 17. September 2020

Tag 40 - Amrum: Getrennte Wege

Schon gestern abend ging es mir nicht so gut und so bleibe ich heute im Bett. Ralf kümmert sich erst einmal um die Haltegriffe...
...und macht dann bei wunderbarem Wetter noch eine Radtour auf der Insel. Ziel ist das Öömrang Hüs (Amrum Haus). Es ist ein original Friesenhaus und ein Museum mit wechselnden Ausstellungen. Leider hat es schon Nachsaison-Öffnungszeiten, so dass Ralf es nur von außen besichtigen kann (die folgenden Bilder von Ralf).
Auf dem Heimweg kommt er auch beim Leuchtturm vorbei, eine typische "Ringelsocke".
In der Nähe unseres Hafens gibt es einen Bohlenweg...
...der zum "Wriakhörn See" führt, einem Süßwassersee in den Dünen.
Wie schon erzählt, hat Amrum den Kniepsand, einen besonders schönen breiten Strand.
Insgesamt eine besonders gepflegte Insel mit vielen abwechslungsreichen Landschaftstypen.

Während Ralf unterwegs ist, mache ich einen langen Mittagsschlaf und danach geht es mir etwas besser, so dass ich nach der Navigation für morgen schaue. Wir wollen durch ein flaches Fahrwasser nach Hörnum auf Sylt fahren. Im Moment ist Springzeit (immer bei Vollmond und Neumond) und das bedeutet, dass die Gezeiten besonders hoch bzw. niedrig sind. Gut in unserem Hafen zu sehen, der teilweise völlig trocken gefallen ist.
Wir sprechen mit den Nachbarn, die sich hier auskennen, wie und wann wir am besten aus dem Hafen und durch das Fahrwasser kommen. Wir entscheiden uns, bei Halbtide zu starten, dass bedeutet morgen um 6:00 Uhr. Ralf packt die Fahrräder zusammen. Obwohl es erst kurz nach 20:00 Uhr ist, braucht er die Stirnlampe - wir merken, dass es Herbst wird! 

Mittwoch, 16. September 2020

Tag 39 - Hallig Hooge: Tages-Kreuzfahrt

Eine Hallig ist eine kleine, nicht oder nur wenig geschützte Marschinsel vor der Küste, die bei einer Sturmflut überschwemmt werden kann. Zehn Halligen gruppieren sich kreisförmig um die Insel Pellworm. Fünf der Halligen sind bewirtschaftet. Auf den anderen leben Einzelpersonen oder Vogelwarte.
Wir besuchen heute die Hallig Hooge, die nicht weit von Amrum entfernt ist. Die Hallig Langeneß haben wir ja schon im Klimahaus in Bremerhaven kennengelernt. Vormittags machen wir erst noch klar Schiff, bevor es um die Mittagszeit mit der Katamaran-Fähre losgeht.
Im Gegensatz zu den anderen Inseln ist auf Amrum von Corona-Krise und/oder Nachsaison nichts zu spüren und so ist auch die Fähre gut gefüllt. Die Besucher können dann die Hallig zu Fuß, mit dem Rad oder per Pferdewagen erkunden. Nach unseren guten Erfahrungen mit einer Rundfahrt auf Helgoland und meinen Erinnerungen an die Pferdekutschen auf Juist entscheiden wir uns für den Zwei-PS-Wagen - aus verschiedenen Gründen eine schlechte Wahl, wie sich noch herausstellen wird.
Hinten auf den Wagen steht eine Liste von Sehenswürdigkeiten, die angefahren werden und wir erwarten eine Tour über die Insel mit interessanten Informationen. Statt dessen ist Kutscher Willi ziemlich kurz angebunden und steht gefühlt Tagestouristen eher kritisch gegenüber... Er stellt sich und seine "Kollegen" Falko (rechts) und Sultan kurz vor. Seine  weiteren Ausführungen beschränken sich darauf, uns zu erzählen, dass 90 Menschen auf der Insel leben, und dass es  12 Schulkinder und vier Kindergartenkinder gibt. Wir bekommen noch den Tipp: "Erst anschauen, dann einkehren!" mit auf den Weg und werden dann an der Hanswarft ausgesetzt mit den Worten: "Um 15:15 Uhr geht es zurück." Wir schauen uns um und auf den ersten Blick sieht es etwas desolat aus.
Eine Warft ist ein künstlich aufgeschütteter Hügel, auf dem Häuser stehen. Diese sollen dadurch von den regelmäßigen Überflutungen ("Landunter") geschützt werden. Die Hanswarft ist die größte Warft der Insel und hier gibt es verschiedene Gaststätten und Geschäfte, das Heimatmuseum, das Sturmflut-Kino und den "Königspesel", eine historische Friesenstube. Leider ist das Museum geschlossen und in die Friesenstube dürfen immer nur wenige Besucher, so dass sich schon eine Schlage gebildet hat.
Wir werfen also nur einen kurzen Blick auf die verschiedenen Häuser und teilweise geschlossenen Gaststätten...
...und laufen lieber ein paar Schritte zu den Weiden, wo wir von einem Jungbullen begrüßt werden.
Ralf versucht, freundlich Kontakt aufzunehmen, aber das Tier hat wenig Interesse. Wahrscheinlich hat es keine Lust, ständig angestarrt und fotografiert zu werden. Wikipedia habe ich entnommen, dass auf die 90 Einwohner im Jahr 90.000 Tagesgäste kommen. Auf der einen Seite leben die Einwohner davon auf der anderen Seite ist es sicher auch sehr anstrengend...
Wir gehen noch in verschiedene Andenkenläden mit den üblichen Staubfängern...
... trinken noch einen Kaffee mit leckerem selbstgemachten Kuchen und schauen dann, ob Kutscher Willi und Kollegen schon zurück sind.
Wir werden noch kurz bei der Kirchwarft abgesetzt. Das große Gebäude ist das Pfarrhaus, das kleinere die Kirche. Mittlerweile ist die Sonne herausgekommen und alles sieht viel freundlicher aus.
Von hier aus haben wir einen weiten Blick über die ausgedehnten grünen Marschen und die herausstehenden Warften.
Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, Fahrräder zu leihen oder unsere mitzunehmen, dann hätten wir mehr von der Insel gesehen. Außerdem habe ich den Fehler gemacht, die Pferde mit Ralfs Apfelkrotzen zu füttern und sie zu streicheln, was zu einer heftigen allergischen Reaktion führt... Wir verabschieden uns von der Hallig die wirklich kaum höher ist als der Meeresspiegel und es geht zurück nach Amrum.
Ralf ergattert noch das letzte Fischfilet und serviert es mit Kartoffeln, Brokkoli und Petersilien-Senf-Sauce zum Abendessen - köstlich!

Dienstag, 15. September 2020

Tag 38 - Amrum: Mobilitätslösungen

Nach vielen kalten und windigen Tagen hat uns jetzt das schöne Spätsommerwetter auch hier im Norden erreicht. Wir können also die kurzen Hosen und Sommersachen auspacken und uns die Insel anschauen. 
Der erste Weg geht zum Fähranleger, wo wir Karten für eine Tour zur Hallig Hooge für morgen buchen. Heute wollen wir uns Amrum näher ansehen. Mit den Fahrrädern geht es durch den schönen Wald nach Nebel (Bisher nur aus dem Kreuzworträtsel bekannt (Ort auf Amrum)...
Ich kann seit meiner OP nicht mehr wirklich gut Autofahren (rechter Fuß taub und unbeweglich), nicht gut laufen (jeder Schritt tut weh) und auch nicht gut Radfahren (Auf- und Absteigen fällt schwer und auch das Treten schmerzt nach einer Weile) und so muss ich mir immer etwas einfallen lassen, wenn ich größere Strecken zurücklegen soll. Die Klappfahrräder waren auf jeden Fall eine gute Idee...
...aber für die 20 km lange Tour bis zum Norddorf und zurück fühle ich mich noch nicht bereit. Ralf möchte dort gerne an den Strand. Ich überlege, mit dem Bus zu fahren, entscheide mich aber dann, in Nebel ein Elektrorad zu leihen. Zuerst gibt es  aber sehr gute Flamkuchen bei "Dörnsk an Köögem" (Stube und Küche). Von außen sehr nett...
...und innen liebevoll als "gute Stube" dekoriert, dazu laufen passend alte Schlager - sehr empfehlenswert!
Gestärkt besteigen wir dann wieder die Räder, ich jetzt elektrisch verstärkt... So ist die Fahrt zum Norddorf kein Problem. An der ganzen Westseite der Insel liegt der Kniepsand, einer der breitesten Sandstrände Norddeutschlands. Hier beim Norddorf ist  er verhältnismäßig schmal, aber ich setze mich lieber gemütlich in den Schatten und überlasse es Ralf, eine Runde am Wasser zu laufen. Davon ist er so erschöpft, dass er erst einmal ein Mittagsschläfchen benötigt...
Dann machen wir uns auf den Rückweg. In Nebel gehen wir noch Bargeld holen, denn hier auf den Badeorten wird fast alles bar behzalt. Erstaunlich, wo doch gerade in Zeiten von Corona kontaktloses Zahlen sonst gerne gesehen wird. Wir bekommen erklärt, dass das Internet zu schlecht ist, dass von vielen Stellen die Kartenlesegeräte nicht funktionieren. Das das Internet schlecht ist, haben wir auch schon gemerkt... erstaunlich, dass da der Netzausbau noch nicht so weit ist. Selbst auf der ärmsten Karibikinsel Dominika, wo bei unserem Besuch viele Häuser nach dem Hurrican Plastikfolien als Dächer hatten, gab es am Ankerplatz gutes  Internet... Jedenfalls ist die Bank hier sehr hübsch!
Wir werfen noch einen Blick auf die Kirche...
...und auf die historische Windmühle in Nebel...
...geben das Elektrorad zurück und fahren dann durch die abwechslungsreiche Landschaft zurück zum Schiff. Wir sehen die gepflegten Orte, Felder und Weiden, wellige Dünenlandschaften, Flächen mit Heidekraut und grüne Wälder.
Auf dem Schiff entspanne ich noch etwas auf meinem Lieblingsplatz...
...und schaue zu, wie ein Traditionsschiff über das glatte Wasser in den Hafen kommt.
Amrum ist auf jeden Fall eine Reise wert - uns gefällt es bisher sehr gut. Dabei hilft sicher auch das tolle Wetter.

Montag, 14. September 2020

Tag 37 - Helgoland-Amrum: Langsam aber stetig

Zwei Stunden vor Hochwasser Helgoland müssen wir an der Ansteuerung von Amrum sein. Bis dahin sind es ca. 20 sm für die wir mit leichtem Wind von hinten mindestens vier Stunden benötigen. Also geht es um sechs Stunden vor HW los und das ist Nachts um 3:30 Uhr. Wir liegen als zweite im 3er-Päckchen und so muss der Außenlieger mit aufstehen und Platz machen. 
Wir ziehen das Groß schon im Außenhafen hoch und fahren zur Tonne "Düne Süd", wo wir dann die Fock ausbaumen und schnurgerade nach Nordosten segeln. Die Wellen sind moderat und der Wind aus Südwesten ist recht warm, so dass es eine ruhige und angenehme Fahrt ist. Auch die 15 sm von der Ansteuerung bis in den Hafen sind richtig nett. (Ralf hat auch Spaß, aber die Sonne in den Augen.) 
Pünktlich erreichen wir die Zufahrt zum Hafen und müssen dort einen Prickenweg entlangfahren. Pricken sind dünne Stangen (meist Birken), die oben Besen oder spitze Hüte haben. Sie kennzeichen flache Fahrwasser und stecken direkt auf dem Rand.
Wir kommen um die Mittagszeit an und träumen von einem Fischweck. Die letzten zwei Tage hatten wie das auf Helgoland vergeblich versucht. Entweder waren wir zu spät (ab 17:00 Uhr, wenn die Touris weg sind, hat fast alles zu), oder die Brötchen waren ausverkauft... Am Ufer steht eine Bude und wir freuen uns schon... aber dann hat sie montags geschlossen...
Glücklicherweise bekommen wir dann doch noch ein teures, aber gutes Matjes-Brötchen im Hafenrestaurant.
Wir machen eine Mittagspause, um etwas Schlaf nachzuholen und gehen dann Kaffeetrinken und Einkaufen. Nun ist das Wasser an einigen Stellen im Hafen ganz verschwunden. 
Und auch der Wind ist vollständig weg. Kaum zu glauben, dass wir gestern auf Helgoland noch fast weggeflogen sind! Bei Blick auf die Hafeneinfahrt sind nun die Untiefen gut zu erkennen.
Zum Abschluss des schönen Tages gibt es noch köstliche Kartoffeln mit Quark, denn wir haben im Bio-Laden frische Kräuter bekommen.