Montag, 30. April 2018

Zusammenfassung: April 2018

Statistik
Seemeilen: 223
Motorstunden: 14
Segeltage: 14
Nächte auf See: 1
Liegetage: 16
Liegeplätze: 15
St. Martin: Marigot Bay (A)
USVI: St. Croix: Gallows Bay (A), SCYC (A), Buck Island (A), St. John: Great Lameshure Bay (M), Caneel Bay (M), Trunk Bay (M), St. James: Christmas Cove (M), St. Thomas: Red Hook Marina, Red Hood Bay (M)
BVI: Jost van Dyke: Great Harbour, Lee Bay, Virgin Gorda: Leverick Bay (A), Spanish Town, Anegada
                                                      
Segeln und Wetter
Der Wind kommt immer noch aus östlichen Richtungen, ist aber insgesamt mindestens eine Stärke schwächer geworden, so dass wir nur noch angenehme 4 Beaufort haben. Windstille haben wir dieses Jahr noch nicht erlebt. Hier in den nördlichen Inseln ist es wesentlich trockener, so dass wir praktisch jeden Tag blauen Himmel und Sonne haben und unsere Batterien voll laden können. Durch den Wind sind die Temperaturen gut auszuhalten.
Wir haben eine schöne Nachtfahrt von St. Martin nach St. Croix (US-Virgin Islands) und ab dann sind die Entfernungen zwischen den Inseln nur noch kurz und oft vor großen Wellen geschützt, so dass uns selbst (halbe) Tage aufkreuzen nichts ausmachen.

Boot und Ausrüstung
Am Boot waren diesen Monat nur Kleinigkeiten zu erledigen: Gummistopfen auf das Ruder der Hydrovane, damit das Dinghy nicht wieder an der scharfen Kante kaputt geht. Positionslichter und das Licht im Kühlschrank wurden ausgetauscht und ein kleiner Oktopus aus dem Kühlwasserkreis des Motors entfernt. Der Tankanschluss für den Außenborder war kaputt, aber Ralf hatte Ersatz dabei und so dauerte die Reparatur nur ein paar Minuten. Außerdem wurde die kaputte Windex im Masttop ausgetauscht, auch nur eine Sache von ca. 1/2 Stunde.

Bei der Elektronik gab es ein paar Probleme mit „Mailverstopfung“ auf dem Satellitentelefon und Memory mit diversen Telefonkarten. Wir benötigten diesen Monat die deutsche Aldi-Karte für St. Martin (EU) die Flow-Karte aus Barbados für die britischen Virgin Islands und eine neue AT&T Karte für die US-Virgin Islands (die dann hoffentlich auch auf dem Festland funktioniert).
Während ich das schreibe, ist ein Taucher dabei, unser Unterwasserschiff zu reinigen, damit die Triton auf dem Weg nach Bermuda nicht von Bewuchs gebremst wird. Dann ist Boot und Ausrüstung wirklich in gutem Zustand.

Insgesamt sind wir mit unserer alten Lady SEHR zufrieden und würden sie gegen kein anderes Boot eintauschen wollen (vielleicht, vielleicht würden wir bei einer etwas größeren HR schwach). Wir haben uns in allen Situationen sicher und gut gefühlt und kommen mit ihren Eigenheiten seht gut zurecht.

Verpflegung/Versorgung
Auf den USVI und BVI gibt es Supermärkte mit vielen Produkten. Die Auswahl an Wurst, Käse und Brot ist eher überschaubar und alles ist sehr teuer, weil es importiert werden muss. Auch auswärts Essen (bei uns meist nur ein Imbiss) und Getränke (ich sage nur Painkiller) sind teuer. Nach meinem Gefühl oft Premium-Preise für mittelmäßige bis schlechte Gegenleistung. Ein Highlight war die leckere Pizza vom Pizza-Boot in der Christmas Cove.

Crew
Wieder ein entspannter Monat, in dem wir uns gut verstanden haben. Bei allen Manövern sind die Rollen eindeutig verteilt und wir sind ein eingespieltes Team. Auch bei der Auswahl der Ziele und den Unternehmungen sind wir uns sehr einig. Wir können sehr gut zusammen reden und zusammen schweigen. Es gibt auch genug Zeit „alleine“, in der jeder sich mit sich selbst, lesen, schreiben, Musik hören, nachdenken, nicht denken beschäftigt…

Sightseeing
Wir beginnen den Monat auf St. Martin und machen dort, zusammen mit der TOCCATA, einen netten Tagesausflug mit dem Auto. Es ist unglaublich viel durch den Hurrikan zerstört worden. Der niederländische Teil der Insel war auch vorher nicht besonders hübsch, sondern zugebaut mit Bettenburgen und Spielkasinos. Aber es gibt zahlreiche schöne Strände, die auch von Einheimischen rege genutzt werden. Eine Attraktion ist der Strand direkt an Flughafen, über den die ankommenden Maschinen zum Greifen nah fliegen.
Wir besuchen die US Virgin Islands (USVI) und beginnen mit der größten, St. Croix, weil diese von Süden kommend am nächsten liegt. Erst einmal lernen wir, dass die die Inseln früher einmal dänisch waren, bevor sie von den USA 1917 gekauft wurden. Immer noch ist viel dänisch inspirierte Architektur zu sehen, die uns sehr gut gefällt. Wir erkunden die Insel mit dem Auto und sind begeistert von dem wunderbaren botanischen Garten. Im Segelclub werden wir herzlich aufgenommen und ein absolutes Highlight unserer Reise ist das Schnorcheln im Riff von Buck Island.

Unsere nächste Insel ist dann St. John, die zu 2/3 Naturschutzgebiet ist und wunderbare Buchten mit Mooringtonnen (Ankern ist im Nationalpark verboten) bietet. War St. Croix vom Hurrikan nur gestreift worden, hat er hier wieder voll zugeschlagen und es ist viel kaputt gegangen. Aber die Unterwasserwelt ist auch hier sehr schön.

Wir machen einen kurzen Stopp in der Christmas Cove (St. James), wo es ebenfalls ein Schnorchelrevier und das schon erwähnte Pizza-Boot gibt bevor wir weiter fahren zur Hauptinsel St. Thomas. Wir gehen in die Red Hook Bay an der Ostseite der Insel und sind dann mit (sehr empfehlenswerten) Safari-Bussen und einer Taxi-Tour unterwegs. In der Hauptstadt Charlotte Amalie können bis zu sechs Kreuzfahrtschiffe anlegen und in der Stadt reiht sich ein Duty-Free-Shopping-Laden an den nächsten. Auch hier hat der Hurrikan brutal zugeschlagen und fast alle Hotels sind geschlossen.

Von den US Virgin Islands ist es nur ein Katzensprung zu den British Virgin Islands und wir klarieren in Jost van Dyke ein. Hier war es sicher mal schön und hier gibt es die berühmte „Foxy’s Bar“, aber jetzt ist fast alles kaputt. Weil wir uns mit Freunden treffen wollen, lassen wir die größte Insel Tortola aus und segeln direkt nach Virgin Gorda. Dort teffen wir uns im geschützten Gorda Sound im Norden der Insel. Hier ist in der Leverick Bay schon einiges wieder aufgebaut und wir haben eine nette Zeit mit unseren Freunden.

Es kommt dann der Vorschlag, zusammen nach Anegada zu fahren, ausnahmsweise keine Vulkan- sondern eine Koralleninsel. Auch hier hat natürlich der Hurrikan zugeschlagen, aber die Welt unter Wasser ist noch in Ordnung. Dazu kommt die türkisfarbene See, weiße Sandstrände, blauer Himmel, Palmen (etwas gerupft) – ein schöner Ausflug!

Begegnungen
Wir haben den Eindruck, dass es unverhältnismäßig viele Hallberg Rassys auf Langfahrt gibt. Insgesamt wurden von der Werft nur etwa 3000 Boote gebaut (das war die Jahresproduktion von Bavaria zu guten Zeiten). Virtuell kennen wir die AKKA und die KRASSY und unterwegs getroffen haben wir die PEACH und die THYRA. Neu kennengelernt vor Buck Island haben wir die MORA, die dann leider Richtung Süden aufgebrochen ist.

Mit der TOCCATA haben wir eine schöne Zeit auf St. Martin verbracht und die YUANA haben wir – zum ersten Mal seit Barbados – auf Virgin Gorda wiedergetroffen. Dort gab es auch ein sehr schönes Wiedersehen mit der KISU und der VELA DARE (beides keine HRs) und wir waren dann alle zusammen auf Anegada.

Wir hatten eine sehr nette Begegnung mit amerikanischen Touristen am Point Udall auf St. Croix und wurden dort im Segelclub herzlich aufgenommen. Und dann sind da natürlich die Einwohner, die in der Tourismus-Branche arbeiten. Die Taxifahrer und Guides sind selbständige Unternehmer und oft eindrucksvolle Persönlichkeiten. Besonders in Erinnerung wird uns Francis, der Aktivist und Philosoph bleiben. Da gab es die Geschichtenerzählerin und die nette Polin in St. Croix, die Dame, die die Tourist-Information in Charlotte Amalie betreut und hierher gesegelt ist, den Familien-Clan, der seit Jahrzehnten Kameras verkauft  und, und, und…

Fazit
Wir hatten eine gute Zeit in den Virgin Islands. Favorit ist ganz klar St. Croix mit Buck Island. Insgesamt sind St. Martin/Sint Maarten, die USVIs und die BVIs sehr stark vom Hurrikan getroffen worden. Es ist ja nicht nur der Wind, sondern auch die herumfliegenden Teile, starke Regenfälle mit Erdrutschen, weitere Zerstörung durch Tsunamis, Verwitterung, weil das Geld zur Reparatur fehlt, fehlender Umsatz, weil Hotels, Restaurants und Geschäfte geschlossen sind etc. Die Region wird sicher lange brauchen, bis sie sich wieder erholt hat.

Trotzdem kann ich jeden nur ermutigen, hierher zu reisen. Von allem, was wir von der Karibik gesehen haben, ist das hier das einfachste und geschützteste Charterrevier mit unzähligen schönen Buchten, gutem Wetter, schöner Natur (besonders unter Wasser) und kurzen Strecken. Die Menschen brauchen die Touristen, damit hier wiederaufgebaut werden kann.

Tag 301 - Spanish Town: Vorbereitungen

In der Marina ist es sehr geschützt und so eine ruhige Nacht haben wir dieses Jahr noch nicht gehabt. Kein Wind, der im Rigg pfeift und keine Schaukelei… Wir haben noch Einiges auf der To-Do-Liste und Ralf geht einkaufen und zum Ausklarieren. Ich mache die Navigation – 838 sm nach Bermuda! Zusammen versuchen wir dann das mittlerweile trockne Beiboot wieder in seine Tasche zu verpacken – mit mäßigem Erfolg, aber das Teil ist jetzt unter Deck gestaut.
Ich schreibe noch die Zusammenfassung April für unser Blog und Ralf kocht schon die erste Runde Essen für die Fahrt. Unterwegs ist es schön, wenn wir in den ersten Tagen leckeres Essen aufwärmen können anstatt alles frisch schnippeln und kochen zu müssen.
Hier in dem warmen Klima wächst alles mit rasender Geschwindigkeit und so haben sich – trotz Antifouling – einige Pflanzen und Muscheln auf unserem Unterwasserschiff angesiedelt. Das macht unser Boot langsamer und wenn bewegliche Teile betroffen sind (z.B. Propeller, Logge etc.) funktionieren diese nicht optimal. Aus dem Wasser holen und neu streichen ist hier sehr teuer und so entscheiden wir uns für die kleine Lösung und engagieren einen Taucher. Für die Arbeit müssen wir uns draußen an eine Mooring legen.
Der sehr nette Herr ist, wie sich herausstellt aus Ungarn und berichtet, dass das Geschäft in diesem Jahr sehr schlecht läuft: nur ca. 10 % des üblichen Umsatzes. Daher hatte er auch kurzfristig Zeit für uns.
Wenn ich das Blog fertig habe, bin ich noch mit Kochen dran, dann noch eine Dusche und so gegen 18:00 Uhr wollen wir los. Ich versuche, wieder von unterwegs über Satellit zu bloggen, aber bitte keine Sorgen machen, wenn das nicht funktioniert. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten!

Sonntag, 29. April 2018

Zwischenbilanz 300 Tage

Wir sind nun 300 Tage an Bord und haben ungefähr 3/4 unseres Sabbaticals hinter uns. Es ist wieder Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wir haben die gleichen acht Fragen, die ich nach 100 (siehe hier) und 200 (siehe hier) Tagen gestellt hatte, diesmal für die Zeit vom 20.01.2018 bis 29.04.2018 unabhängig voneinander beantwortet. Wir haben in den letzten 100 Tagen die Strecke von Martinique über Grenada nach Virgin Gorda (BVI) zurückgelegt.

Was hat dir am besten/am wenigsten gefallen?

Ralf:
Am besten gefallen:
Die Fahrten mit den Kleinbussen waren ein absoluter Hochgenuss. Immer knallvoll, laute Raggae-musik, die Fahrer rasen wie der Henker, die Hupe ist das wichtigste Kommunikationsmittel. Wer bremst, verliert. Gelassene, gut gelaunte Mitfahrer, preisgünstig, flexible Abfahrtzeiten, Haltestellen und Routen. So macht der öffentliche Personennahverkehr Spaß.

Auf den Inseln mit hohen Bergen gibt es viele Flüsse mit Wasserfällen. Sie liegen landschaftlich sehr schön im Regenwald. In deren Pool kann man schwimmen. Es ist wunderbar temperiertes Süßwasser, ein Luxus für uns Segler.

Überall laufen Hühner herum. Häufig ein Hahn mit seinem Harem samt Nachwuchs. Wir wissen nicht, ob sie jemandem gehören, wer die Eier einsammelt oder ob sie irgendwann auf dem Grill landen werden. Auf jeden Fall sind sie alle top in Schuss und ich habe sie gerne beobachtet. Besonders die Hennen mit ihrem zahlreichen Kücken haben mich mich oft zum Lachen gebracht.

Weniger gefallen:
Die Inseln im Norden sind schwer von zwei Hurricanes getroffen worden. Die Schäden sind gewaltig. Ich hatte erwartet, dass die Aufräumarbeiten schon weiter fortgeschritten  sind. Zum Teil sieht es so aus, als sei der Sturm letzte Woche über die Insel gefegt. Das möchte der Tourist natürlich nicht sehen...

Viele Produkte und Dienstleistungen sind sehr teuer. Leider steht die Qualität in keinem Verhältnis zum Preis. Ich hatte deshalb häufig keine Lust, für einen lustlos gemixten Drink oder ein mittelmäßiges Sandwich Geld auszugeben.

Cosima:
Positiv: Nette Begegnungen und gute Gespräche mit anderen Seglern und Einheimischen, Schwimmen und Schnorcheln im angenehm warmen Wasser (das wird mir fehlen). Erkundungstouren über die Inseln, insbesondere mit Quad oder Golfcart. Hop-On-Hop-Off-Busse. Besonders in Erinnerung bleibt die Verfolgungsfahrt in Grenada, um Ralfs verlorenes Portemonnaie wieder zu bekommen.

Weitere Highlights waren für mich die Botanischen Gärten auf Martinique und St. Croix, das Barbecue mit Steelband und Sonnenuntergang in Antigua, Baden in verschiedenen Wasserfällen und Naturpools auf Grenada und Guadeloupe, das unglaublich türkise Wasser in den Tobago Cays, Antigua oder Anegada. Seit Martinique segeln wir in den „Leeward Islands“ und dass bedeutet, schöne und schnelle Überfahrten zwischen den Inseln. Überhaupt ist der Wind hier sehr zuverlässig und wir haben nur wenige Motorstunden gesammelt.

Negativ: eigentlich wenig, 5 Grad weniger könnten nicht schaden… und ich würde gerne besser und schneller laufen und körperlich arbeiten können.


Was war die gefährlichste Situation?

Ralf:
Gefährliche Situationen gab es in diesem Abschnitt der Reise nicht.

Cosima:
Wirklich gefährliche Situationen hatten wir nicht. Unangenehm fand ich, als sich in einer Bucht in Grenada ein großer Katamaran von einer Mooring losgerissen hatte und auf uns zutrieb. Ist aber alles gutgegangen. Allerdings lassen wir seitdem immer das Steuerrad am Platz (sonst hatten wir es manchmal entfernt, um mehr Raum in Cockpit zu haben)…

Und dann war da auch noch die Sache mit unserem Anker, der sich unten in einem Wrack verfangen hatte. Nicht gefährlich, aber schon aufregend, bis der nette Taucher Didier uns wieder befreit hatte.


Hast du etwas getan, was du vorher noch nie getan hast?

Ralf:
Wir waren an verschiedenen Stellen schnorcheln. Das habe ich vorher noch nicht gemacht. Die Unterwasserwelt hat mich zum Teil so gefesselt, dass ich erst aus dem Wasser gegangen bin, als ich zu frieren anfing. Besonders Buck Island war beeindruckend, weil ich eine ganze Zeit in einem Fischschwarm geschwommen bin. Die Kerle hatten keine Angst.

Cosima:
Wieder haben wir natürlich zahlreiche Inseln besucht, auf denen ich nie zuvor gewesen bin: Grenada, SVG, Guadeloupe, Antigua, St. Martin, USVI, BVI… Beim Schnorcheln habe ich wunderschöne Unterwasserlandschaften und eine große Vielfalt von Fischen erlebt – und es gab frische Pizza von einem Pizza-Boot!


Wie unterscheidet sich das, was du erlebt hast, von deinen Erwartungen?

Ralf:
Meine Erwartungen an die Karibik waren nicht besonders hoch. Aber in den letzten Wochen habe ich das Revier schätzen gelernt. Wir haben das Ankern für uns entdeckt und die Abende im Cockpit werde ich bestimmt nie vergessen. Es ist angenehm warm, über mir ist der Sternenhimmel und ich höre mit dem Kopfhörer Musik oder lese.

Auch das Segeln macht hier wirklich Spaß. Immer Wind, immer aus östlicher Richtung, keine Tide, kein Wettergeschehen. So einfach kann segeln sein.

Ich hatte die Karibik gleichförmiger erwartet und befürchtet, dass mir die Zeit lang werden könnte. Aber die Inseln sind sehr unterschiedlich. Ein Segeltag bringt mich in eine andere Welt. Das macht den Aufenthalt hier sehr kurzweilig. Am Anfang brauche ich einen Moment, um mit der neuen Umgebung warm zu werden. Aber nach den ersten Erkundungen mit dem Bus oder einem Sightseeing-Taxi bin ich meistens beeindruckt von der speziellen Schönheit der Insel. Ganz wichtig sind die Einwohner. Wie empfinde ich ihre Ausstrahlung? Bis auf eine Ausnahme habe ich mich auf allen Inseln sehr wohl gefühlt.

Cosima:
Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass die Karibik nicht so mein Ding ist. Ich habe Städte- und Kulturreisen lieber als Strandurlaube und erwartete, dass mir die Hitze zu schaffen macht und dass ich nicht gut damit zurechtkomme, dass die Menschen wesentlich ärmer sind als wir. Ich hatte auch Bedenken wegen der Sicherheit an Bord.

Es hat sich dann herausgestellt, dass es „die Karibik“ nicht gibt und dass jede Insel ganz unterschiedliche Schwerpunkte hat und sich ganz unterschiedlich anfühlt. Die französischen Inseln gehören zu EU und sind entsprechend europäisch. Die ehemaligen englischen Kolonien, die jetzt fast alle unabhängig sind, haben das unterschiedlich gut hinbekommen. Am ursprünglichsten ist sicher Dominika.

Wir haben St. Vincent und St. Lucia diesmal ausgelassen (wegen Sicherheitsbedenken und Berichten von befreundeten Seglern und aus dem Internet) und auf den anderen Inseln habe ich mich immer sicher und gut gefühlt. Die Menschen waren überwiegend sehr freundlich, höflich und hilfsbereit.

Ich war absolut entsetzt über die Zerstörungen durch die Hurrikane Irma und Maria, insbesondere auf Dominika, St. Martin/Sint Maarten, den US-Virgin Islands und den British Virgin Islands. Auch sechs Monate nach den Stürmen sind noch sehr viele Aufräumarbeiten zu erledigen, gar nicht zu reden von den nötigen Reparaturen. Dadurch, dass viele Hotels und Geschäfte noch geschlossen sind, wird auch kein Umsatz gemacht und dadurch wird es wieder schwieriger, Geld für die Reparaturen zu verdienen. Die Inseln werden Jahre brauchen, um sich zu erholen, aber die nächste Hurrikan-Saison steht schon wieder vor der Tür…


Was würdest du rückblickend anders machen?

Ralf:
Unsere Zeit in der Karibik war für mich ein voller Erfolg und ich würde die Reise im Prinzip wieder so machen.

Cosima:
Da fällt mir auch bei längerem Überlegen nichts Wesentliches ein. Im Gegenteil, ich bin froh, dass wir unsere Pläne mehrfach spontan geändert haben und dadurch sehr schöne Erlebnisse hatten.


Was würdest du nicht mehr mitnehmen/auf jeden Fall mitnehmen?

Ralf:
Ich würde alles wieder so mitnehmen.

Cosima:
Seit dem Englischen Kanal habe ich keine langen Hosen, Socken, langärmlige Oberteile, Jacken, Regensachen etc. mehr gebraucht… Aber ich gehe davon aus, dass das demnächst wieder nötig sein wird. Von meinen Sommersachen habe ich fast nichts verwendet, stattdessen habe ich hier viele leichte Oberteile und preisgünstige Kleider gekauft. Auch die DVDs stehen immer noch nahezu ungenutzt im Regal. Sonst bin ich mit unserer Ausrüstung, was Boot, Elektronik, Ersatzteile, Vorräte angeht sehr zufrieden.


Was vermisst du am meisten (außer Menschen und Kater)?

Ralf:
Ich vermisse im Moment nichts. Ab und zu würde ich mich gerne mit meinen Freunden zuhause treffen. Aber unsere Reise ist endlich, deshalb macht mir das keinen Kummer. In ein paar Monaten sehen wir uns ja wieder.

Cosima:
Jugend, Schönheit und Gesundheit… Sonst habe ich mich wirklich sehr gut an das Bordleben und auch an das Essen gewöhnt. Das Problem mit dem Internet habe ich gelöst, indem ich einfach Datenvolumen von den jeweiligen lokalen Anbietern kaufe und damit gut zureicht komme. Ich werde aber viele Angebote und Möglichkeiten in Deutschland noch mehr zu schätzen wissen.


Was erwartest du für die nächsten 100 Tage?

Ralf:
Mehr Segeln und mehr Kultur.

Cosima:
Als ich mit den 100-Tage-Fragebogen anfing, hatte ich nicht geplant, dass die Abschnitte so gut mit den verschiedenen Abschnitten unserer Reise zusammenpassen würden. Tatsächlich geht unsere Zeit in der Karibik jetzt zu Ende, wir verlassen die Tropen und die Passatzone und machen uns auf den Weg an die amerikanische Ostküste. Ich erwarte wesentlich mehr und unterschiedliches Wettergeschehen, eine ganz andere Welt in den USA, Kanalfahren, Großstädte und Kulturerlebnisse. Ich vermute, dass mir Wetter (kühler) und Landschaft (nordisch) sehr gut gefallen werden.

Tag 300 - Anegada-Spanish Town: Letzter Segeltag Karibik

Heute ist Tag Nr. 300 und sehr passend ist es auch der letzte Tag, an dem wir in der Karibik segeln. Mit strahlender Sonne und wieder halben Wind haben wir eine schnelle Überfahrt zurück nach Virgin Gorda. Wir hatten kurz überlegt, noch nach Bath zu fahren, wo es interessante Felsformationen zu besichtigen gibt, entscheiden uns aber dann doch dafür, gleich den Hauptort Spanish Town anzulaufen.
Dort wollen wir in die Marina gehen und insbesondere unserer Vorräte von Diesel und Wasser auffüllen. Der Hafen liegt sehr geschützt und war vor dem Hurrikan sicher auch sehr hübsch. Aber jetzt sind hier auch wieder Dächer abgedeckt und Anlagen zerstört. Die Tankstelle ist aber in Betrieb und wir füllen die Triton bis zum Rand. In der Karibik haben wir nicht viel Diesel verbraucht, weil hier ja immer reichlich Wind zum Segeln war.
Bis wir das – mit Schlange stehen vor der Tankstelle – alles erledigt und etwas zu Mittag gegessen haben, ist es so spät geworden, dass wir unseren Ausflug zunächst auf Morgen verschieben. Wir beginnen damit, das Schiff für die Überfahrt nach Bermuda vorzubereiten. Dazu leiere ich Ralf hoch in den Mast und er kontrolliert alle Wanten, Stagen und Splinte. Außerdem zieht er das Fockfall ein Stück heraus, um zu sehen, ob sich wieder Scheuerstellen gebildet haben – aber glücklicherweise ist alles in Ordnung. Zum Schluss bekommt die Triton noch eine neue Windex (Windrichtungsanzeige).
Für die Wetterberatung haben wir uns diesmal gegen die Wetterwelt entschieden und stattdessen mit Chris Parker Kontakt aufgenommen. Er ist Spezialist für Karibik, Bahamas, Bermudas und US-Ostküste: www.mwxc.com . Zu seiner individuellen Beratung gehört auch die Planung des besten Starttermins. Wie bekommen abends ein Mail von ihm, in der er zu schneller Abfahrt rät, andernfalls sollten wir besser mindestens fünf Tage warten.
Wir sind uns einig, dass wir lieber schnell los wollen und daher machen wir weiter mit den Vorbereitungen. Das Dinghy kommt aus dem Wasser und wird gereinigt. Morgen ist es dann hoffentlich trocken und kann zusammengelegt und verpackt werden.
Unter Deck verschraubt Ralf auch noch die letzten drei Rumpf-Fenster und wir holen unsere letzten Wasserflaschen unter den Bodenbrettern heraus. Die hatten wir im November in Teneriffa dort eingelagert. Auch sonst werden die Vorräte langsam weniger, gut so, denn 3/4 unserer Zeit ist jetzt vorbei. Auch mein erstes Logbuch ist voll und so kann ich jetzt für den nächsten Abschnitt unserer Reise ein neues Kapitel aufschlagen. Nun steht noch der Fragebogen „300 Tage“ und die Zusammenfassung April auf dem Programm.

Samstag, 28. April 2018

Tag 299 - Anegada: Black Forest Cake & Lauch

Pünktlich um 11:00 Uhr treffen wir uns zu sechst an Land und unser Taxifahrer Dennis ist auch schon am Start. Hier ist das Taxi ein umgebauter Pickup mit netten roten Sitzbänken, leider ohne Sonnendach. Wir steigen ein und los geht es zu ersten Attraktion.
Dabei handelt es sich um einen Aussichtspunkt am Rande der großen Salzseen im Inneren der Insel. Angeblich kann man von hier aus die berühmten Flamingos beobachten. Mit Hilfe des dort aufgestellten Fernrohrs können wir ganz weit weg am anderen Ende des Sees ein paar kleine rosa Punkte erahnen. Wir lästern, dass das wahrscheinlich alles Plastik-Flamingos sind und ein oder zwei davon hin- und hergezogen werden (wie auf den Schießständen auf der Kirmes)…
Da ist die Aussicht nach der anderen Seite schon interessanter, denn im flachen, türkisfarbenen Wasser der Bucht sind die Kitesurfer unterwegs. Für die ist das natürlich hier mit dem Passatwind ein ideales Revier.
Wir fahren weiter über die Insel, gerade Straße, flach, rechts und links grün-braune Büsche, ab und zu eine Ziege und einige – oft beschädigte – Hütten. Ohne es zu bemerken, aber wir den Hauptort der Insel „The Settlement“ erreicht. Dort gibt es eine Iguana-Hilfsstation. Der Anegada Leguan lebte nur hier auf dieser Insel und wurde durch Nahrungskonkurrenz mit Ziegen, Schafen und Rindern und durch Katzen und Hunde, die die Jungtiere jagen, stark dezimiert.
Mittlerweile wurden eine Gruppe von Leguanen auf der Nachbarinsel Guana Island ausgewildert, wo sie sich wohl erfolgreich vermehren. Hier in der Station werden Jungtiere aufgezogen, bis sie ca. 400 g wiegen und sich gegen verwilderte Katzen verteidigen können. Dann werden sie mit einem Peilsender versehen und wieder ausgewildert.
Wir sehen die Seewasserentsalzung, die Polizei, die Feuerwehr, die Kirche und die Schule. Auf der Insel lebten bei der letzten Zählung im Jahr 2010 knapp 300 Menschen und die Schule wird von ca. 60 Schülern besucht. Angeboten wird die 1-12 Klasse und es unterrichten 20 Lehrer (ein Verhältnis, von dem wir nur träumen können). Es gibt auch eine Krankenstation, der Arzt kommt allerdings nur montags… Wir halten dann noch am Einkaufszentrum und kaufen etwas Brot und ein paar Getränke. Ralf hatte auf frischen Lauch gehofft (Lauch-Hackfleisch-Suppe), nach Möglichkeit aus biologischem Anbau, aber der ist leider gerade ausverkauft….
Dann bringt uns Dennis ein einen der schönen Strände an der Nordküste. Die Insel ist fast völlig von Korallenriffen umgeben und hier kann man wunderbar schnorcheln. Schon die Farben am Strand sind einfach wunderschön und so wie ich mir Karibik vorgestellt habe. Wir haben zwar unsere tollen Panorama-Masken eingepackt, aber leider die Schnorchel-Aufsätze vergessen. Ich schwimme zwar eine Weile über das Riff, kann aber nur im Blindflug Fotos machen. Ralf leiht sich eine Maske von einem netten Engländer und berichtet von einer schönen Unterwasserwelt.
Wir sitzen dann noch eine Weile auf bunten Stühlen und lassen einfach die ganze Szene auf uns wirken. Der Himmel ist richtig himmelblau, der Korallensand weiß und das Wasser hat viele Schattierungen von türkis… Hier im Schatten und im Wind sind die Temperaturen sehr angenehm und das alles noch in netter Gesellschaft – traumhaft!
Es gibt sogar eine kleine Kneipe, in der wir kühle Getränke und ein Sandwich bekommen. Als Abschluss der Tour geht es dann noch zum „Anageda International Airport“. Das entsprechende Schild ist funkelnagelneu.
Der Blick ins Terminal und auf das Rollfeld ist danach dann eher etwas enttäuschend, denn hier ist absolut nichts los und auch die Maschinen sehen nicht alle so wirklich flugbreit aus… Dafür gibt es aber wieder ein paar nette karibische Hühner. Wahrscheinlich muss man die erst einmal von der Landebahn jagen, wenn wirklich mal ein Flieger kommen sollte…
Mittlerweile ist es Kaffeetrinkenszeit geworden und Ralf ist ja immer noch auf der Suche nach der Kaffee-Kultur in der Karibik. Er träumt von „Coffee and Black Forest Cake“ und verspricht, wenn es so etwas hier auf der Insel gibt, würde er die ganze Truppe dazu einladen. Auf Nachfrage erklärt Dennis überraschenderweise, dass im „Neptune’s Treasure Hotel“ Brot und Kuchen gebacken werden und dass wir dort sicher auch Kaffee bekommen können… Also nix wie hin – mit dem Dinghy kein Problem.
Das Etablissement ist ganz offensichtlich das erste Haus am Platz und wir sitzen wunderbar mit Blick über unsere Ankerbucht. Es gibt zwar keine Schwarzwälder-Kirschtorte, aber Zimtschnecken, Mango-Muffins, Brownies und natürlich Kaffee… Was geht es uns wieder gut!
Vom Kaffeetrinken können wir dann nahtlos zum Sundowner übergehen, den wir heute im Cockpit der VELA DARE einnehmen. Wie so oft, war es die gute Entscheidung, unsere Pläne zu ändern und uns mit unseren schweizer Freunden treffen. Nach Anegada sind wir nur gefahren, weil die YUANA Crew davon so nett erzählt hat… Magali & Willi, Gaby & Markus: es war schön mit euch und wir werden euch vermissen und gespannt euren weiteren Abenteuern folgen!

Freitag, 27. April 2018

Tag 298 - Leverick Bay-Anegada: Happy Sailing

Die British Virgin Islands (BVI) bestehen aus rund 60 Inseln, die fast alle vulkanischen Ursprungs sind. Eine Ausnahme ist Anegada, die zweitgrößte Insel im Norden und die einzige Koralleninsel. Daher ist sie auch nicht hügelig, wie die Vulkaninseln, sondern extrem flach. Die höchste Erhebung misst nur 8,5 m. Wir fahren heute von unserem Ankerplatz im Norden von Virgin Gorda herüber. 
Bei Sonne und mittlerem Wind von der Seite ist es ganz wunderbares Segeln und schon bald tauchen die ersten Palmen am Horizont auf.  Die Insel ist von einem großen Korallenriff umgeben und das Wasser ist flach und wunderbar türkis.
Die Idee, hierher zu fahren haben auch schon andere gehabt und die Mooringtonnen sind fast alle von Charter-Katamaranen belegt. Uns ist das Gebiet aber sowieso zu flach und so werfen wir etwas weiter außen unseren Anker – Mist, hält nicht. Also nächster Versuch. Erst beim 4. Mal bleibt die Triton beim Einfahren (rückwärts Gas geben, um zu sehen, ob der Anker hält) brav am Platz. Kaum sind wir fertig, kommen auch schon die KISU und die VELA DARE und ankern – problemlos –  neben uns.
Von weitem sah es so aus, als wären die Häuser repariert worden und es sind auch neue Dächer zu sehen, aber als wir und die Sache näher anschauen, stellt sich heraus, dass hier auch noch sehr viele Hurrikan-Schäden nicht beseitigt sind.
Wir suchen uns noch einen Taxifahrer für eine Inseltour morgen und laufen dann ein Stück. Auf den ersten Blick sieht alles sehr verlassen und unbenutzt aus.
Direkt an unserem Dinghy-Steg bekommen wir dann aber doch noch die obligatorischen Painkiller, Bier und Cola und können zuschauen, wie eine ganze Reihe Hummer zum Abendessen vorbereitet werden. Ich frage mich aber wieder, ob die Charterboote ausreichen, um die Wirtschaft hier am Laufen zu halten.

Donnerstag, 26. April 2018

Tag 297 - Leverick Bay: Entspannt genießen

Von einigen Freunden und Bekannten haben wir gehört: „14 Monate Urlaub – ihr seid zu beneiden!“ Ich empfinde unser Leben an Bord aber nicht wie Urlaub, sondern als eine andere Art von Alltag. Da ist zunächst einmal der Haushalt unter erschwerten Bedingungen, denn alle Tätigkeiten auf dem Schiff dauern viel, viel länger als daheim. Und auch das Segeln selbst ist ja bekanntlich eine langsame Art, unbequem zu reisen…

Am Boot gibt es ständig Kleinigkeiten zu modifizieren, zu warten und zu reparieren . Navigation, Reiseplanung, Organisation, Verwaltung, Recherche sind zu erledigen, denn wir müssen und dürfen selbstbestimmt entscheiden. In meinem Fall kommt dann noch fotografieren, Fotos sichten, auswählen und bearbeiten und das Bloggen dazu. Ich schreibe sozusagen jeden Tag einen Aufsatz über „Mein schönstes Ferienerlebnis“. Natürlich gibt es auch tolle Ausflüge zu Natur und Kultur aber „Nichtstun“ steht selten auf unserem Programm.

Da ist es ganz schön, dass wir heute nichts Besonderes vorhaben. Wir wollen nur nach dem Frühstück kurz auf der KISU vorbeischauen und Ralf will dort nach Möglichkeiten für eine Ersatz-Selbststeueranlage schauen. Ich freue mich über die Gelegenheit zu einem netten Gespräch und fahre gerne mit.
Ralf und Markus sind mit großem Einsatz am Werk und verstehen sich offensichtlich sehr gut. Ich glaube, das Fachwort dafür ist „Bromance“… Gaby und ich haben jedenfalls etwas zum Lachen während wir die verschiedenen Verrenkungen beobachten! Es fehlt hier leider noch Bilder aus dem Inneren des Schiffs bei der Besichtigung und Besprechung des Motorraums und des Wassermachers.
Wir lachen und reden und die Zeit vergeht wie im Fluge. Irgendwann kommt dann noch Markus von der YUANA vorbei, um sich zu verabschieden. Wir wollen auch wieder zurück zur TRITON aber auf unserem Motor hat sich eine – farblich sehr gut passende – Möwe breitgemacht. Hier gibt es erstmals wieder zahlreiche Möwen.
Zusammen mit der VELA DARE Crew und natürlich der KISU haben wir uns an Land zum Sundowner verabredet und wir sitzen sehr nett im Leverick Bay Hotel. Hier sind die Sturmschäden schon weitgehend wieder beseitigt und die Anlage ist gut gepflegt – nun fehlen nur noch die zahlenden Gäste. Ich denke nicht, dass die paar Segler und die Chartercrews hier für genügend Umsatz sorgen. Am Ende des Stegs steht noch eine alte englische Telefonzelle, die vor dem Hurrikan als Dusche umfunktioniert war.
Es ist wirklich schade, dass sich unsere Wege schon bald wieder trennen werden, denn die KISU will zurück nach Grenada, die VELA DARE auf die Bahamas und wir zu den Bermudas. Aber heute nutzen wir die Zeit für gegenseitige Reisetipps und allgemeinen Erfahrungsaustausch. Dazu ein paar „Painkiller“, Caribs (das lokale Bier) und – in meinem Fall – Virgin Pina Coladas und wir haben wieder eine gute Zeit zusammen. Erst in der Dämmerung geht es wieder auf die jeweiligen Boote, die brav nebeneinander von Anker liegen.

Mittwoch, 25. April 2018

Tag 296 - Lee Bay-Leverick Bay: Viele Freunde

Auch heute steht wieder kreuzen auf dem Programm. Wir waren nicht an Land, also ist auch nicht so viel wegzupacken und so kommen wir morgens relativ früh weg. Zunächst müssen wir hinter unserer Anker-Insel entlangfahren, gar nicht so einfach mit drehenden und böigen Winden. Aber dann sind wir in freiem Wasser und können zunächst fast unserer Kurslinie folgen. Später dreht der Wind aber noch ungünstig. Mir macht es Spaß, auf dem AIS unsere Freunde zu beobachten, die alle auch in den Gorda Sound unterwegs sind.
Während die anderen schon in die Bucht fahren, müssen wir noch zwei Wenden machen, um die enge Einfahrt passieren zu können. Aber wir haben wieder die ganze Strecke unter Segeln zurückgelegt. Das ist hier wirklich schön: immer zuverlässig Wind – Flaute haben wir noch nicht erlebt. Dann fällt unser Anker neben VELA DARE und KISU.
Markus und Gabi von der Kisu kommen auch gleich herüber und wir verabreden uns für Apero an Land. Unterwegs fahren wir noch bei der YUANA vorbei, aber dort ist noch Schulunterricht (Deutsch und Mathe).
Wir nehmen schon mal die ersten Cocktails, denn es ist Happy Hour. Ralf trinkt einen „Painkiller“, den berühmten Cocktail der BVIs, der auf Jost van Dyke erfunden wurde. Neben den Cocktails gibt es auch noch eine Piraten-Show und ich muss mich im Conch blasen versuchen.
Es ist wirklich schön, dass wir alle uns hier wieder getroffen haben. Die YUANA und die KISU sind mit uns zusammen die Odyssee gesegelt und die VELA DARE haben wir auf Grenada kennengelernt. Alle schreiben sehr schöne Blogs (siehe in der Webansicht rechts) und daher konnten wir die Abenteuer mitverfolgen und sind auf dem Laufenden auch wenn wir uns schon eine Weile nicht gesehen haben.
Wir essen, lachen und erzählen, die Ein-Mann-Piraten-Band spielt (nett) und singt (leider) und ehe wir es uns versehen wird aus dem schönen Abend die warme, karibische Nacht. Höhepunkt und Abschluss des Abends ist dann der Conch-Blas-Contest und tatsächlich gewinnen die Kinder von der YUANA Preise für ihre Leistung. Respekt, dass sie sich so mutig auf die Bühne gestellt haben! Morgen geht es für sie zurück nach Saba oder St. Martin und Anfang Mai dann nochmals über den Atlantik nach Europa.

Dienstag, 24. April 2018

Tag 295 - Great Harbour-Lee Bay: Hut über Bord!

Unterwegs haben wir eine ganze Reihe andere Langfahrtsegler getroffen: durch die Atlantic Odyssey, weil wir im Hafen nebeneinander lagen, weil miteinander gesegelt sind, weil wir ähnliche Schiffe fahren oder gemeinsam einen Ausflug gemacht haben. Und oft hat es sich ergeben, dass wir uns nochmals wieder getroffen haben. Jetzt sind gerade drei befreundete Boote in den BVIs unterwegs und es gibt die Chance auf ein Wiedersehen. Also haben wir kurzerhand umgeplant und wollen Mittwoch auf Virgin Gorda, der östlichsten Insel sein. Das bedeutet heute und morgen aufkreuzen.
Wir haben allerdings gute Bedingungen mit Sonne, mittlerem Wind und wenig Welle. Also machen wir uns gut gelaunt auf den Weg nach Osten. Ich steuere sogar ein Stück von Hand und es macht richtig Spaß. Ralf spannt das Achterliek (hintere Seite) der Fock etwas nach und da passiert es: trotz Kinnband fällt sein (oder eigentlich Pauls) Hut ins Wasser. Wir beschließen, ein klassisches „Hut über Bord“ Manöver zu fahren. Also auf halben Wind gehen, einige Bootslängen fahren, Halse oder Q-Wende (sehr gut an der Track-Linie zu sehen), zurück zum Hut und Aufschießer (in den Wind fahren), um das Boot zu stoppen und den Verlorenen aufzunehmen.
Das klappt auch alles sehr gut, wir kommen beim Hut an, der mit dem Kopfteil nach oben schwimmt. Es gelingt mir nicht, ihn mit dem Bootshaken zu greifen, aber ich kann ihn umdrehen, so dass jetzt die offene Seite oben ist und das Bändchen gut zu erfassen wäre. Also das ganze Manöver nochmal von vorne. Problem: der Hut schaut jetzt nicht mehr aus dem Wasser und ist daher schwer zu finden… nächster Versuch und wir sehen den Hut zu spät und sind schon vorbei… erst beim 5. oder 6. Mal haben wir dann Erfolg und der Hut ist zurück an Bord. Fazit: nicht über Bord fallen, denn schon bei diesen sehr guten Bedingungen ist es wirklich schwierig…
Wir kreuzen weiter auf und das Revier erinnert uns wirklich sehr an die schwedischen Schären. Allerdings dreht der Wind nicht gerade zu unserem Vorteil und es gibt auch noch etwas Strom. Die Triton ist hat sowieso keinen besonders guten Wendewinkel (90 Grad ist schon Grund zum Feiern), aber die zweite Wende ist wirklich unterirdisch schlecht… Egal wir kommen trotzdem an und haben die angesteuerte Bucht fast für uns.
Ausnahmsweise brauchen wir zwei Versuche, bis der Anker hält. Das ist uns zum letzten Mal auf Union Island passiert. Aber schließlich finden wir einen guten Platz und liegen hier sehr ruhig und geschützt. Diesmal gibt es auch keine Diskussionen, ob wir versuchen sollen, Kaffee an Land zu finden, denn hier ist absolut nix los. Also darf Ralf seinen Kaffee plus Brownie im Cockpit genießen.