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Montag, 23. April 2018

Tag 293 - Red Hook Bay: Unbegrenztes Internet

Es ist unser letzter Tag in den US-Virgin Islands und auch der letzte Tag an dem ich mein unbegrenztes Datenvolumen nutzen kann. Daher verbringe ich den Tag am Schreibtisch und widme mich so netten Dingen wie Testamentsvollstreckung, Kindergeldstelle, Mails und Excel-Tabellen. Außerdem müssen unsere Navionics-Seekartenmodule upgedated bzw. aktiviert werden. Nach „Südamerika und Karibik“ ist nun „Nordamerika und Kanada“ dran.
Auch auf meinem Smartphone habe ich als Backup die Navionics App und da will ich die entsprechenden Offline-Karten herunterladen. Es kommt die Meldung, dass der Telefonspeicher voll ist. Ich will also gerne die alten Offlinekarten von Europa löschen, aber – wie mir die Supportseite bestätigt – gibt es keine direkte Möglichkeit, alte Kartendaten zu löschen. Grr. Ich speichere also alle Fotos auf dem PC und nun ist erstmal genug Platz.

Während die Daten heruntergeladen werden, nutze ich die Zeit für ein Telefongespräch – wirklich klasse, dass ich über WhatsApp kostenlos telefonieren kann. Dann geht es weiter mit der Verwaltung. Wir wollen ja Anfang Mai von den BVIs nach Bermuda segeln und da gibt es wieder Papierkram zu erledigen. Ein Online-Formular muss ausgefüllt werden und es gibt eine „Declaration of Health“ mit so netten Fragen, ob es ungewöhnlich viele Todesfälle bei den Ratten und Mäusen an Bord gab…
Ralf ist inzwischen nochmal an Land gefahren und klariert aus, was laut der „Noonsite“ und unserem Segelführer unbedingt erforderlich ist, aber im „Customs“-Büro auf wenig Gegenliebe stößt. Schließlich bekommt er doch unseren Zettel – mal sehen, ob auf den BVIs danach gefragt wird. Außerdem geht er zum Friseur und lässt aus seinem Kurzhaarschnitt einen Sehrkurzhaarschnitt machen.
Nun ist wieder SIM-Karten-Memory an der Reihe, denn auf den BVIs muss wieder unsere Flow-Karte ran. Wenn die Karte leer ist, gibt es keine Internet-Verbindung und wir können sie nicht aufladen, also machen wir uns gegenseitig einen Hotspot und kaufen unsere Datenpakete gleich hier. Es ist schon wieder Abend geworden und die Sonne verschwindet hinter der Insel. Jetzt noch die Navigation für morgen…

Sonntag, 22. April 2018

Tag 292 - St. Thomas: Francis, der Philosoph

Um 10:00 Uhr sind wir mit unserem Taxifahrer verabredet und so machen wir uns mit Zeitpuffer auf den Weg an Land. Vor-Hurrikan gab es hier eine Werft, aber die ist ganz zerstört und die Pelikane habe die Pfosten erobert.
Wir sind zeitig da, aber unser Fahrer, Francis, wartet schon auf uns. Gestern war uns aufgefallen, dass er sehr undeutlich spricht und es stellt sich heraus, dass er an Krebs erkrankt war. Wenn ich es richtig verstanden habe im Kiefer oder der Zunge. Bei der Operation mussten verschiedene Zähne gezogen werden und die Bestrahlung hat weitere zerstört, daher also die Artikulationsprobleme. Sein blaues Taxi ist eine kleinere Version des Safari-Busses: hinten überdacht, aber an den Seiten offen mit Sitzbänken. Wir steigen ein und die Reise geht los.
Wir fahren an verschiedenen Hotelanlagen vorbei – teilweise mit Privatstrand. Francis erzählt, dass fast alle Hotels auf der Insel geschlossen sind, weil sie nach der Zerstörung durch den Hurrikan wieder aufgebaut werden müssen. Fertigstellung wahrscheinlich erst 2020…
Direkt neben den Hotelanlagen, die teilweise mit meterhohen Mauern und Nato-Stacheldraht gesichert wohnen dann wieder Menschen in sehr einfachen Bedingungen und es gibt viel Verwahrlosung, die nicht unbedingt etwas mit dem Hurrikan zu tun hat.
Aber natürlich sind auch noch überall Hurrikanschäden zu sehen: alle blauen Dächer hier sind blaue Planen, wo die Reparaturen noch nicht erfolgt sind. Wir sind nicht ganz sicher ob das Geld oder die Arbeitskraft fehlt – Dachdecker sind hier wahrscheinlich gerade sehr gefragt…
Wunderschön sind die Aussichtspunkte von denen aus wir auf den Atlantik oder die Karibische See schauen können. Wir waren ja nun schon auf zahlreichen Inseln (St. Thomas ist Nr. 31) und habe viele schöne Aussichtspunkte und Buchten gesehen – viele davon nehmen für sich in Anspruch, zu den schönsten der Welt zu gehören… auch die Magens Bay ist angeblich ganz vorne mit dabei. Von hier aus können wir sieben anderen Inseln im Dunst erkennen.
Auch hier hat der Hurrikan zugeschlagen und viele Bäume und Anlagen in der Bucht zerstört. Zahlreiche andere Attraktionen der Insel sind außer Betrieb, so auch die Seilbahn und das Aquarium, bei dem man hinunter zum Korallenriff fahren kann. Zu guten Zeiten lagen bis zu sechs Kreuzfahrtschiffe in der Bucht vor der Hauptstadt, heute ist kein einziges da (Bild ganz oben). Der Weg zur Aussichtsplattform führt dann auch strategisch direkt durch einen riesigen (und heute ausgestorbenen) Andenkenladen, in dem alles was möglich ist, mit „St. Thomas“ bedruckt ist. Motto: „The lower the latidude, the better the attitude!“
Wir laufen wieder zu unserem netten blauen Taxi zurück. Neben den schönen Aussichten und dem Zerstörungswerk des Hurrikans waren für mich die Gespräche mit unserem Fahrer Francis besonders beeindruckend. Er stammt aus St. Lucia und ist nicht nur Krebs-Überlebender, sondern auch politischer Aktivist, gläubiger Christ (hinten auf dem Taxi die 10 Gebote und ein Bekenntnis zu Jesus) und allgemeiner Lebensphilosoph. Wir reden im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt (nur den derzeitigen Präsidenten der USA lassen wir lieber aus).
Wir lassen uns wieder in der Hauptstadt absetzten und fahren dabei wieder durch sehr einfache Wohngebiete mit engen Straßen, vielen Autos, Wäscheleinen und recht abenteuerlicher Elektro-Installation.
Zurück zu unserem Liegeplatz geht es dann wieder mit dem Safari-Bus. Unterwegs steigen wir noch bei einem großen Einkaufszentrum aus. Auch hier gibt es Sturmschäden und teilweise wird auf der Baustelle verkauft. Aber der große Lebensmittelmarkt ist geöffnet und hier können wir uns gut versorgen. Allerdings lassen wir die Nutella ($ 11), eine kleine Packung Chorizo-Wurst ($ 12) und auch die schöne „Happy Wife, Happy Life“-Tasse ($ 13) stehen. Ralf hat ja schon ein entsprechendes T-Shirt…  

Samstag, 21. April 2018

Tag 291 - St. Thomas: Glücklicher Tag

Der Tag beginnt etwas holperig, denn es gibt Differenzen zwischen unseren neuen Versicherungs-Rechnungen und dem abgebuchten Betrag… Wir haben ab 15.04.2018 unser Fahrtgebiet erweitert, weil wir natürlich auch an der amerikanischen Ostküste und auf dem Weg dahin versichert sein wollen. Da steht noch Klärung an. Wir nehmen Wasser und Strom in der Marina, bezahlen die Rechnung (gut das wir nur 1-2x im Monat in einen Hafen gehen) und verlegen uns nach draußen in die Bucht. Es ist windig und sehr wellig und es liegen dort lauten Privatmoorings, zwischen denen wir nicht ankern können. Gar nicht gut!

Und jetzt beginnen die glücklichen Ereignisse! Während ich schon im Segelführer nach einer Alternative suche, winkt es drüben auf einem anderen Boot. Die Segler haben uns im Mooringfeld herumfahren sehen und bieten jetzt ihre eigene Mooring an, denn sie sind die nächsten Tage unterwegs. Natürlich kostenlos, denn sie haben deutsche Vorfahren… Die Leinen sind zwar nicht wirklich vertrauenerweckend, aber wir bringen unsere eigenen aus. Erstes Problem gelöst.
Ralf will den Beibootmotor starten, aber die Tankanschluss, der den Benzinkanister mit dem Motor verbindet ist kaputt. Das ist natürlich kein Problem für Mr-Fix-It, denn Ralf hat schon in Le Marin, das entsprechende Ersatzteil und eine Schlauchschelle besorgt, so dass wir in wenigen Minuten wieder am Start sind.
In Red Hook soll es einen Bus zur Hauptstadt Charlotte Amalie geben und tatsächlich kommt nach wenigen Minuten ein sogenannter „Safari-Bus“ mit offener Kabine. Es ist wieder ein Hop-On-Hop-Off-System und kostet pro Person nur zwei Dollar, die beim Aussteigen gezahlt werden. Wir bekommen bei der Gelegenheit schon einen ersten Eindruck von der Insel St. Thomas. Auch hier hat der Hurrikan zugeschlagen und viele Dächer, Bäume und Lichtwerbeanlagen sind beschädigt.
Der Tag heute ist geprägt von vielen sehr netten Begegnungen mit Einwohnern. Gleich als erstes treffen wir Penny, die in der Tourist Information arbeitet. Ihr fällt mein Segel-Anhänger auf und sie erzählt, dass sie auch 10 Jahre mit dem Segelboot unterwegs war: von Neu England bis nach St. Croix. Ihr Boot wurde durch einen Hurrikan zerstört und musste acht Monate lang repariert und dann mühsam wieder ins Wasser gebracht werden. Wir treffen auch einen sehr freundlichen Polizisten, dessen dreirädrigen Segway ich bewundere und eine nette Marktfrau, die mich davon überzeugt, ein Kleid zu kaufen.
Von Penny in der Tourist Information bekommen wir einen Taxifahrer vermittelt, der mit uns morgen eine Tour über die Insel machen wird. Ich bin gespannt, denn er nuschelt ganz schrecklich… Und wir bekommen einen Tipp, wo ich eine neue Kamera kaufen kann. Meine Olympus Tough, die eigentlich wasserdicht sein soll, schwächelt und hat Wasser hinterm Display… Ich wäre wahrscheinlich gar nicht in das Hochglanz-Geschäft gegangen, aber wir bekommen hier sehr netten und kompetenten Service. Meine Wunschkamera (wieder eine Olympus Tough, jetzt TG-5) ist da und kostet mit Zubehör-Paket (Tasche, Speicherkarte, Euro-Stecker, schwimmfähiger Gurt) noch 100 € weniger als das beste Amazon-Angebot in Deutschland. Also ein „No-Brainer“.
Charlotte Amalie wurde nach der Gemahlin König Christian V. von Dänemark benannt, einer Prinzessin von Hessen-Kassel (1650-1714). Anders als St. Croix, das die Dänen von den Franzosen kauften wurde St. Thomas direkt von ihnen besiedelt. Die Häuser der Stadt zeigen wieder dänischen Einfluss.
Nach diesen Anstrengungen benötigen wir eine Stärkung und haben wieder eine glückliche Hand bei der Auswahl. Hier an der Ecke gibt es sehr leckere gefüllte Teigtaschen und die Sandwiches werden frisch zubereitet. Die beiden älteren Damen machen das sehr freundlich und in entspannter Geschwindigkeit. Das lässt uns Zeit für ein Gespräch mit den anderen Gästen.
Wir laufen noch etwas durch die Straßen und lassen einfach die Umgebung auf uns wirken. Mittlerweile ist es so spät geworden, dass die Kreuzfahrt-Touristen zurück an Bord müssen und hier werden langsam die Bürgersteige hochgeklappt und die Geschäfte geschlossen. Mir macht es Spaß, einfach die Menschen zu beobachten.
Als letzte Aktion geht es nochmals zurück zu unserem Lieblings-Fotogeschäft, weil sie mir dort noch einen Ersatz-Akku besorgt haben. In der Hauptstraße „Drodningens Gade“ (dänisch für Königinnenstraße) reiht sich ein Schmuckgeschäft an das andere, denn hier kann man Duty Free einkaufen – stellt euch einfach Helgoland vor, nur sonniger und wärmer… Vor den Läden stehen Animateure, die die Leuten hineinlocken sollen und mangels anderer Touristen stürzen sich alle auf uns. Einer macht das so nett, dass ich mich überzeugen lasse und mein „Gratis-Geschenk“ abhole. Die „Gold“-Münze wird jetzt zu unserer Sammlung von Erinnerungs-Stücken auf der Triton geklebt. Ralf träumt von einem T-Shirt mit der Aufschrift "Thank you, no Taxi!"
Wir schauen noch auf Fort Christian vorbei, das mit seiner roten Farbe auch 100%ig dänisch aussieht und dann geht es mit dem Safari-Bus wieder zurück nach Red Hook und mit dem Dinghy auf unsere liebe Triton. Glücklicherweise sind Wind und Wellen wesentlich weniger geworden und so werden wir nur sanft geschaukelt und nicht ständig durchgeschüttelt. Neben uns liegen einige entmastete oder sonst beschädigte Boote, die aber offensichtlich noch bewohnt werden. Wieder mal ein sehr schöner Tag mit vielen sehr freundlichen Menschen und unerwarteten glücklichen Wendungen.

Freitag, 20. April 2018

Tag 290 - Christmas Cove-Red Hook: Mal wieder Marina

Hier in den Virgin Islands sind die Wege zwischen den zahlreichen Inseln immer nur kurz. Trotzdem sichere ich alle Luken und losen Teile, denn eine einzige Welle reicht, um eine Menge Schaden anzurichten. Nur mit Maschine geht es um die Ecke nach Red Hook auf der Insel St. Thomas und tatsächlich erwischen uns ein paar extra fiese Wellen. Von unten kommt ein Krachen und Klirren und es hat unsere schöne Pfeffermühle erwischt… Sie stand am üblichen Platz an dem sie schon über 6000 sm mit uns gefahren ist und dann geht sie bei so einem lächerlich kurzen Stück kaputt – schade!
In Red Hood gibt es eine IGY Marina, eine Firma, die 20 Häfen auf verschiedenen Kontinenten betreibt (z.B. auch in New York, Washington, Mittelmeer, Kolumbien, etc.) Wir waren in St. Lucia in der Rodney Bay Marina, die akzeptable Preise und sehr guten Service hatte. So alle 2-3 Wochen gehen wir immer gerne in einen Hafen, insbesondere um Wasser zu tanken, die Batterien voll zu laden und „richtig“ zu duschen. Leider ist der „American Yacht Harbour“ eine Enttäuschung. Obwohl wir vorher telefonisch reserviert haben, sind wir, als wir uns über Funk melden, unbekannt. Es gibt ein hin und her mit den Liegeplätzen. Der Platz, den wir dann nehmen sollen ist zu flach… Schließlich erbarmt sich „Gary“ von der Tankstelle und hilft uns bis wir endlich festgemacht haben.
Im Marinabüro geht das Internet nicht (Hurrikan…) und wir können nicht eingecheckt werden. Auch die Preisgestaltung versöhnt uns nicht mit dem Angebot. Das ist der teuerste Hafen unserer Reise bisher. Rückblickend erscheinen uns die $ 65 in Canuan mit Infinitipool, kostenlosen Fahrrädern und dem Duschtempel als echtes Schnäppchen… Die Duschen hier kosten zwar nicht extra, aber können mit dem durch den Hochglanz-Internet-Auftritt geweckten Erwartungen nicht mithalten.
Morgen wollen wir dann vor der Marina ankern und noch weiter die Insel erkunden. Als Kolumbus hier unterwegs war, hatte es wirklich mit den Heiligen: wir waren jetzt hintereinander auf St. Barts, St. Martin, St. Croix, St. John, St. James und jetzt St. Thomas. Montag ist dann der kurze Sprung zu den British Virgin Islands geplant und Ende des Monats geht unsere Zeit in der Karibik zu Ende. Wir haben heute die Seekarten bis New York herausgesucht und die neue Versicherungspolice von Pantaenius ausgedruckt, die dann auch die amerikanische Ostküste abdeckt.

Wenn wir nun schon hier sind, wollen wir uns auch ins Nachtleben stürzen. Wir sind ja sonst sehr langweilig und bleiben abends gerne auf dem Boot, kochen, spülen, lesen, schwätzen und bloggen. Aber heute schlägt Ralf ganz verwegen ein Abendessen an Land vor. Hier gibt es einige Etablissements mit Bar, Musik und großen Bildschirmen auf denen verschiedene TV-Programme laufen. Wir schauen uns das Angebot an und entscheiden uns dann für einen Thailänder – eine gute Wahl, es schmeckt ganz ausgezeichnet! Ich bin auch mittlerweile Profi und habe ein Halstuch und eine Jacke dabei, um der Klimaanlage zu trotzen. Auf den Bildschirmen läuft passend dazu eine Dokumentation aus Arktis und Antarktis…