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Freitag, 1. Juni 2018

Zusammenfassung: Mai 2018

Statistik
Seemeilen: 1672
Motorstunden: 24
Segeltage: 17
Nächte auf See: 11
Liegetage: 14
Liegeplätze: 6   
Bermuda: George Town (A)
USA: North Carolina: Beaufort, Oriental, R.E.Mayo, Bath, Washington
                                                      
Segeln und Wetter
Das ist bisher der Monat, in dem wir am meisten gesegelt sind: über 1600 sm in zwei großen Etappen. Es sind gleichzeitig auch die längsten Stücke, die wir jeweils nur zu zweit unterwegs waren. Auf beiden Überfahrten haben wir uns von „Wettergott“ Chris Parker ein Wetterrouting machen lassen und beide Male waren wir mit dem Resultat sehr zufrieden. Bis auf ein paar – gut zu handhabende – Schauerböen hatten wir nur günstigen Wind von der Seite oder von hinten, konnten praktisch alles Segeln und sind sehr gut vorangekommen.

Wir haben die Karibik verlassen und das Wasser ist merklich kühler geworden, was dazu führt, dass es nachts etwas abkühlt, tagsüber aber weiterhin warm bleibt. Wir haben unsere Flauschdecken herausgeholt. Das Klima auf den Bermudas fanden wir dadurch sehr angenehm.

Hier an der Ostküste ist es tagsüber warm mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und bisher mit sehr wenig Wind. Die atlantische Hurrikan-Saison beginnt offiziell erst am 1. Juni, aber dieses Jahr gab es bereits einen namentliche benannten subtropischen Sturm „Alberto“. Wir waren nicht vom Wind betroffen, aber von den dazugehörenden heftigen Regenfällen haben wir am Rande auch etwas mitbekommen. Tagsüber ist es warm mit hoher Luftfeuchtigkeit und bisher mit wenig Wind.

Boot und Ausrüstung
Wieder haben Sir Henry und Lady Triton die See-Etappen hervorragend, zuverlässig und schnell bewältigt – alles hat prima funktioniert! Es gab nur kleinere Reparaturen bzw. Verbesserungen: Püttingeisen abgedichtet, neuer Geber für die Anzeige des Wassertanks und die alte elektronische Selbststeueranlage wieder zum Leben erweckt.

Verpflegung/Versorgung
Auf unseren Seestücken waren wir immer sehr gut mit vorgekochtem Essen versorgt, dass wir dann jeweils nur aufwärmen mussten. Auf Bermuda gibt es einen netten Lebensmittel-Laden direkt am Hafen… Aber alles ist EXTREM teuer… Daher haben wir uns auf Bermuda mit Einkäufen und auch mit auswärts Essen gehen sehr zurückgehalten.

Nun – in USA – gibt es (fast) alles, reichlich und zu moderaten Preisen. Das einzige Problem ist, dass die Lebensmittel-Geschäfte oft außerhalb und damit recht weit vom Hafen entfernt liegen. Das war aber in Beaufort kein Problem, denn unsere Marina hatte ein „Courtesy Car“, das wir kostenlos zum Einkaufen benutzen konnten.

Crew
Bis auf eine kurze Diskussion wieder ein sehr harmonischer Monat. Auf See haben wir uns jeweils mit den Wachen abgewechselt und hatten eigentlich nur am Nachmittag/frühen Abend eine Zeit, in der wir beide gleichzeitig wach und im Cockpit waren. Wir haben uns gut an die Wachen gewöhnt und hätten problemlos auch noch weiter segeln können. Wir interessieren und beide für unsere Ziele und informieren uns über Landschaft, Natur, Geschichte und mögliche Sehenswürdigkeiten auf unserer Reise.

Sightseeing
Nach einer Woche Segeln haben wir dann eine wunderbare Woche auf Bermuda verbracht. Eine ganz spezielle Insel mit viel sehenswerter (englischer) Geschichte, wunderbarem Wetter, türkisblauem Wasser, gepflegten Häusern und sehr netten Menschen. Einziger Nachteil: die Preise…

Eine weiter Woche Segeln brachte uns dann an die amerikanische Ostküste, genauer nach Beaufort, North Carolina, eine sehr gute Wahl: sehr gepflegt, sehr hübsch, moderat touristisch mit vielen Möglichkeiten für Sightseeing und netten Restaurants und Geschäften.

Nun sind wir unterwegs auf dem Intracoastal Waterway und haben bisher in North Carolina Oriental, Bath und Washington besucht. Die Orte sind unspektakuläre und sehr verschlafene Kleinstädte aber die Landschaft, in der sich Ozean und Flüsse treffen, ist wunderschön mit Bäumen, Büschen, Marschland und zahlreichen Tieren und Pflanzen.

Begegnungen
Auf Bermuda haben wir die Familiencrew der TROLL (die wir aus Phare Bleu auf Grenada kennen) und die MANWE (die mit uns die Odyssey gesegelt ist) wiedergetroffen. Mit der Crew der MANWE haben wir zwei nette Abende verbracht. Zufällig haben wir beim Radfahren Juneia und Charles kennengelernt, die seit 30 Jahren auf der Insel leben und mit denen wir uns nett unterhalten.

Jetzt in USA ist es sehr leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir werden – wohl wegen unseres Akzents – oft gefragt, wo wir herkommen und wir bekommen sehr oft Hilfe angeboten, z.B. hat eine nette Dame in Bath Ralf vom Supermarkt wieder zum Boot gefahren. Alle sind offen und freundlich. Es mag oberflächlich sein, aber ich finde diese Art sehr angenehm und nett.

Fazit
Ein sehr abwechslungsreicher und interessanter Monat, der uns von der Karibik über Bermuda in die Südstaaten der USA gebracht hat – ganz unterschiedliche Welten. Ich bin sehr froh, dass die großen Segelstrecken so gut geklappt haben und dass wir uns so schöne Orte wie Bermuda und Beaufort ausgesucht haben – beide sicher eine Reise wert!

Mittwoch, 16. Mai 2018

Tag 316 - St. George: Große Fische und kleine Erfolge

Wir nutzen die Zeit und das schöne Wetter, um den Rumpf der Triton nochmal zu reinigen. Diesmal ist Ralf der Taucher und entfernt mit einem Schrubber und Verlängerung den Algenbewuchs am Unterwasserschiff. Das führt dazu, dass er ganz schnell viele neue Freunde bekommt. Ziemlich große und selbstbewusste Fische leisten ihm Gesellschaft und fressen das Grünzeug. Sie interessieren sich auch für meine Kamera und so direkt vor mir finde ich, dass die Zähne schon ziemlich groß und scharf aussehen…
Der leichte Bewuchs lässt sich jedenfalls schnell und gut entfernen und wir hoffen, dass wir mit unserem Antifouling bis zum Winterlager auskommen und nicht vorher nachstreichen müssen. Das Wasser ist hier deutlich kühler als in der Karibik und Ralf zieht einen Shorty und Bleigürtel zum Arbeiten an.
Inzwischen haben wir auch eine Antwort von unserem Iridium-Händler in Deutschland erhalten. Mein angeforderter Einzelverbindungsnachweis ist zu ihnen geschickt worden und es gibt eine Diskrepanz zwischen gekauften und verbrauchten Minuten. Wie sich herausstellt, hat die letzte Aufladung nicht geklappt – das wird geklärt und nun haben wir wieder neues Guthaben. Ich finde es interessant (und ziemlich unverschämt), dass auch erfolglose Verbindungsversuche, bei denen keine Mails übertragen werden, abgerechnet werden. Hier die Liste vom 01.05.18 – die 40 Sekunden sind alles erfolglose oder abgebrochene Versuche. Wir haben 2x Mails verschickt und 1x Wetterdaten abgerufen.
Nachdem dann das neue Guthaben da ist, teste ich Mailversand und Mailempfang (wieder kostbare Minuten). Senden geht, Empfangen geht, aber die Mails werden nicht in der Inbox angezeigt… (Hier bitte eine Auswahl von Schimpfwörtern und Flüchen einsetzen). Mittlerweile habe ich ja ein sehr gutes und persönliches Verhältnis mit dem Support… Schließlich führt Löschen und Neuinstallieren der WebAndMail App zum gewünschten Erfolg – puh.

Wir fahren noch ein letztes Mal an Land und laufen noch eine Abschiedsrunde durch St. George, dass wir richtig lieb gewonnen haben. Wir machen einen Abstecher in die Townhall – wieder eine Kunstausstellung mit Bildern von Korallen und Fischen.
Dann geht es nochmals über den zentralen Platz – hier gibt es schattige Bänke, ein paar Händler, freies Internet von der Tourist Information und ganz allgemein eine entspannte und gute Stimmung.
Wir laufen das kurze Stück zum „World Heritage Center“, wo es um die Geschichte von St. George geht (seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe). Hier stehen mal wieder ein paar Kanonen, von denen es ja auf der Insel reichlich gibt.
Es gibt auch einen schön gemachten Film, verschiedene Bilder und Erinnerungen and bekannte Töchter und Söhne von Stadt und Insel. Mittlerweile kennen wir uns recht gut mit bermudischer Geschichte aus aber hier ist nochmal eine nette Zusammenfassung:
Langsam haben wir Hunger und kaufen uns ein Picknick im Supermarkt unseres Vertrauens. Das verzehren wir dann gemütlich im Schatten im wunderschönen Somer’s Garden. Hier steht auch wieder ein „Moon Gate“, das uns hoffentlich Glück bringt.
Wir fragen noch bei Customs and Immigration nach, ob wir heute noch ausklarieren können, weil morgen die ARC-Flotte startet, aber das ist nicht möglich (maximal eine Stunde vor Abfahrt). Also geht es zurück an Bord. Ralf füllt noch destilliertes Wasser in unsere (eigentlich wartungsfreien) Batterien und erneuert die Dirk. Dann kommt das Beiboot wieder an Bord. Der Plan ist, morgen mit der Triton zum Wassertanken und dann zum Auschecken zu fahren.

Morgen soll es dann losgehen. Wir haben 650 sm direkten Weg nach Beaufort, NC, aber durch den Golfstrom, der nach Norden setzt, wird es vermutlich mehr werden. Der Wind ist eher schwach und wir rechnen mit ca. sechs Tagen. Ich weiß noch nicht, ob ich blogge (kostbare Minuten), aber wie immer sind keine Nachrichten gute Nachrichten. Auf der Karte sieht man den Golfstrom und unsere nächsten Ziele: Beaufort, New York und Newport, RI.

Dienstag, 15. Mai 2018

Tag 315 - St. George: Listen und Frust

Wir wollen Richtung Ostküste aufbrechen, sobald wir das OK von unserem Wetterberater haben. Gestern wollte er sich noch nicht festlegen, weil er noch ein Tiefdruckgebiet beobachtet, aber wir wollen trotzdem alles zur Abfahrt vorbereiten. Jeder von uns hat also eine To-Do-Liste und bei Ralf steht: Einkaufen, alle Werkzeuge etc. wegräumen und zwei Essen vorkochen. Er macht sich daher nach dem Frühstück auf den Weg in die Stadt. Ich bleibe an Bord und schaue erst einmal skeptisch auf unseren Nachbarn, wieder ein „Ankerkuschler“, der das wohl auch selbst erkannt hat und sicherheitshalber nach dem Anker ein paar Fender ausgebracht hat…
Jetzt wird es technisch und frustrierend – weiterlesen auf eigene Gefahr…

Dann mache ich mich an meine Liste. Neben Wäsche wegräumen und ein Essen kochen stehen drei Punkte an: Bei den Einreisebehörden in USA anmelden, Navigation nach Beaufort erstellen und die Iridium Inbox löschen, damit wir unsere kostbaren Minuten nicht verschwenden. Für die Einreise in die USA gibt es mittlerweile eine App, in der man sich vorab anmelden kann. Problem: sie will jeweils einen Verifikations-SMS an die registrierte Nummer senden. Natürlich will ich mich mit der amerikanischen Nummer registrieren, denn auf der wird dann von der Behörde auch angerufen. Aber die amerikanische Karte funktioniert auf den britischen Bermudas nicht… Ich probiere etwas herum und finde dann einen anderen Weg der Authentifizierung, der unabhängig von der Nummer funktioniert. Die App selbst mach einen guten Eindruck und ich bin gespannt, ob die persönliche Vorstellung bei Customs and Immigration wirklich durch ein Video-Interview ersetzt werden kann…
Bei der Navigation beschäftige ich mich erst einmal mit unserem Ziel Beaufort bzw. dem direkt daneben gelegenen Morehead in North Carolina. Wir haben Papierkarten, die allerdings nicht viel hergeben und ein Handbuch. Es gibt sehr viele verschiedene Marinas und ich schaue mir dazu Webseiten und Bewertungen an, frage auch im Women Who Sail Forum nach und kaufe ein E-Book bei Amazon. Die Navigation selbst ist etwas umständlich, weil ich zwischendurch das elektronische Kartenmodul wechseln muss. Bermuda ist auf „Südamerika und Karibik“ und die Ostküste auf „USA und Kanada“ aber auch das kann ich schließlich von meiner Liste streichen.
Bleibt noch mein Favorit Iridium. Unser Jahresabo war im April ausgelaufen und wir hatten um drei Monate verlängert. Zusammen mit den Restminuten hatten wir noch mehr als 200 Minuten Guthaben. Um so größer das Erstaunen, als am 5. Tag unserer Überfahrt keine Zeit mehr übrig war… Wir mailen mit unserem Prepaid-Verkäufer Expeditonstechnik Därr und er bestätigte 0 Minuten, komisch, denn wir haben pro Tag nur ca. 10 Minuten verwendet. Aber wir brauchen Wetterdaten und so haben wir nochmals 75 Minuten gekauft und das auch bestätigt bekommen. Umso größer mein Erstaunen, als der Check heute wieder 0 (NULL!) Minuten anzeigte. Und wir haben das Telefon definitiv hier im Hafen nicht verwendet…

Ich will dann wenigsten die alten Mails löschen, aber das Login auf der Webseite klappt auch nicht (mehr). Dabei hatte ich mich dort schon früher eingeloggt und das Passwort gespeichert… Ich kenne ja schon den direkten Kontakt zum Support und habe bekomme auch gleich wieder Antwort vom gleichen netten Berater. Nach einigem hin und her löschen wir schließlich den gesamten Account und legen ihn neu an. Ich bekomme auch eine Adresse, bei der ich die Nutzung der Minuten anfragen kann. Und dem Prepaid-Verkäufer haben wir auch geschrieben… Kein Wunder, das Iridium schon mehrmals fast Konkurs war – etwas weniger nutzerfreudliches habe ich selten erlebt… Aber es gibt eben keine Alternative, die für kleine Boote geeignet wäre.

Das alles ist natürlich ein Zeitfresser allererster Ordnung und netterweise hat Ralf mein Kochen übernommen und ich habe nur alles geschnippelt… Mittlerweile hat sich auch unser Wetterfrosch Chris Parker gemeldet und so wie es aussieht wollen wir Mittwochmorgen so früh wie möglich (wir müssen noch Wasser tanken und auschecken) los. Morgen können wir dann hoffentlich die Iridium-Angelegenheit klären.

Sonntag, 13. Mai 2018

Tag 313 - St. George: Geschenke und Zeremonien

Wir wollen eigentlich heute nur kurz an einer Stadtführung in St. George teilnehmen und danach an Bord noch einige Arbeiten erledigen. Aber wie so oft auf unserer Reise gibt es ein paar unerwartete, aber sehr schöne Entwicklungen. Am Samstag fahren keine Fähren und daher ist die Stadt ziemlich leer. Zuerst sieht es so aus, als ob wir die einzigen bei der Führung wären, aber dann kommt noch ein Ehepaar aus USA und eine Italienerin hinzu. Unser Führer ist Rev Lorne Bean von der örtlichen Methodistenkirche – ein großer Geschichtenerzähler!
Viele Informationen haben wir schon auf unseren früheren Ausflügen bekommen, aber er versteht es, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. Wir lernen, anhand der Dachneigung und einigen anderen Einzelheiten das Alter der Gebäude zu schätzen, er berichtet, wie die teilweise sehr witzigen Straßennamen entstanden sind (Featherbed Alley, Shinbone Alley…), zeigt uns, wo das Herz von Admiral George Somers (der mit der SEA VENTURE hier strandete und nach dem die Stadt benannt ist) begraben ist und vieles mehr.
Meine liebste Geschichte ist die der „Peppercorn Ceremony“: St. George war ursprünglich die Hauptstadt. Diese wurde jedoch 1815 nach Hamilton verlegt und das Regierungsgebäude hier wurde nicht mehr benötigt. Um Unterhaltungskosten zu sparen, wurde das „State House“ an die Freimaurer zum Preis von einem Pfefferkorn pro Jahr vermietet. Der Vertrag gilt auch heute noch und die Übergabe des Pfefferkorns wird mit großem Zeremoniell begangen (ich sage nur Militärkapelle, Pferdekutschen, alles was Rang und Namen auf Bermuda hat im elegantesten Outfit oder in Uniform, Pfefferkorn auf Silbertablett und Samtkissen…)
Die Führung war vom „Town Crier“ angekündigt worden und der hatte gleich Ralf und den anderen Herrn als Helfer für eine später stattfindende Zeremonie engagiert: „Dunking of the Nag“ – dabei handelt es sich um eine Dame, die wegen Nörgeln und Tratschens bestraft wird und zwar durch Eintauchen ins Hafenbecken auf einem speziellen Stuhl. Ralf wurde zusammen mit vier anderen „Freiwilligen“ für die Bedienung des Stuhls eingeteilt und der andere Herr durfte den örtlichen Betrunkenen spielen. Die Dame wurde wirklich mehrfach mit großem Platsch ins Wasser fallen gelassen und beide Schauspieler spielten ihre Rollen sehr überzeugend!
Inzwischen war es schon Mittag geworden und wir gingen eine Kleinigkeit essen – schön, dass wir uns hier schon auskennen und wissen, wo das gut und – für bermudische Verhältnisse – relativ günstig geht. Während der Führung hatten wir eine kleine Kunstgalerie entdeckt und dort wollten wir eigentlich nur kurz nach einem kleinen Original für unsere Bildersammlung schauen…
Die Künstlerin, Emma J. Ingham, ist so freundlich und interessant, dass wir uns eine ganze Weile mit ihr unterhalten. Ihre Mutter kam im 2. Weltkrieg nach Bermuda, um als „Censorette“ zu arbeiten, da sie (die Mutter) fünf Sprachen beherrschte. Die Post aus USA nach Übersee wurde hier geöffnet und gelesen, um eventuelle Spionage zu entdecken. Emma selbst wurde dann 1946 hier auf Bermuda geboren. Sie hat ihre Karriere als Modezeichnerin begonnen, malt jetzt aber überwiegen Blumen und Landschaften in Wasserfarben. Sie hat große Ständer mit verschiedenen Bilder und Ralf und ich suchen zwei mögliche Kandidaten aus und fragen nach dem Preis. Große Überraschung: sie schenkt uns das eine Bild und nimmt für das zweite nur Geld an, als wir darauf bestehen…
Auf Empfehlung von Emma besuchen wir dann noch das „St. George’s Historical Society Museum“ im gleichen Gebäude. Es handelt sich um das Haus eines reichen Händlers, dass den Charme des 18. Jahrhunderts bewahrt hat. So ist die Küche noch vollständig eingerichtet.
Wir bekommen eine Privatführung durch die Räume angeboten, die wir gerne in Anspruch nehmen. So sind z.B. „Bermuda Bags“ ausgestellt, deren Besonderheit im Griff aus Bermuda-Wacholder ist. Dieses Holz wurde auch für den Schiffbau verwendet. Eine der Taschen gehörte der Mutter unserer Führerin und es wird eine Briefmarkenserie über diese Taschen geben. Auch das Außengelände ist wunderschön (siehe auch oben).
Wir lernen einiges über die Rolle von Bermuda im Amerikanischen Bürgerkrieg, als England die Südstaaten unterstützte und mit speziell gebaute Schiffe als Blockadebrecher von Bermuda und den Bahamas aus operierte. Im Keller gibt es dann noch eine Druckerpresse nach dem Vorbild von Johannes Gutenberg.
Erst nachmittags geht es wieder zurück zum Schiff, wo Ralf dann noch Vorbereitungen zum Abdichten des Lecks im Kleiderschrank trifft. Ein Püttingeisen (Befestigung der Wanten, die den Mast seitlich halten) endet genau im Schrank und dort ist beim Segeln Wasser hereingekommen. Heute hat er die alte Dichtmasse entfernt und die Stelle sorgfältig gereinigt, morgen soll sie dann wieder geschlossen werden.

Samstag, 12. Mai 2018

Tag 312 - Hamilton: Kunst und Kultur

Der Himmel ist ganz ausnahmsweise mal bedeckt, aber das macht nichts, denn wir wollen sowieso nach Hamilton, der Hauptstadt. Ich weiß nicht, ob es an der militärischen oder an der britischen Vergangenheit liegt, jedenfalls ist hier alles hervorragend organisiert, so auch der Busverkehr. Gleich vier Buslinien verkehren regelmäßig zwischen St. George und Hamilton und so müssen wir nicht lange warten, bevor wir in einen der netten rosa Busse einsteigen können, der uns dann gut nach Hamilton bringt. Benannt natürlich nicht nach dem Amerikaner Alexander Hamilton (siehe St. Croix), sondern nach dem Gouverneur Henry Hamilton, der im Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der Briten kämpfte.

Die Stadt selbst hat nur ca. 1000 Einwohner, aber ca. 14.000 Pendler kommen hierher zur Arbeit. Bermuda ist ein Offshore-Finanzplatz und eine „Steueroase“, insbesondere im Bereich der Rückversicherungen. Es gibt zahlreiche Briefkastenfirmen, aber auch solche, die tatsächlich hier Büros unterhalten. Und das typische Business-Outfit sind natürlich die Bermuda-Shorts, die in allen Farben getragen werden: rosa, orange, zartlila, pink, hellblau, türkis… jeweils mit Hemd, Anzugschuhen und passenden Strümpfen. Ich bekomme so auch mein Foto in freie Wildbahn:
Unser erster Weg führt uns zum Yachtausrüster, weil wir einen neuen Anker für unser Dinghy benötigen. Den alten hatten wir ja hier in der Bucht versenkt. Im zweiten Laden finden wir dann tatsächlich einen neuen (den Ralf dann durch die ganze Stadt trägt). Wir kommen durch einen wunderbaren Park – wie alles hier sehr gepflegt. Die ganze Insel macht einen ausgesprochen aufgeräumten, sauberen und ordentlichen Eindruck und immer wieder sehen wir Pflege- und Reinigungspersonal.
Ich bin begeistert von den zahlreichen verschiedenen Blumen, eine schöner als die nächste um habe Spaß, sie zu fotografieren. Überall sind Bänke aufgestellt und aus der nahegelegenen Kneipe kommt Musik – eine sehr angenehme Stimmung!
Wir laufen ein Stück an der Hafenseite mit verschiedenen Geschäften und Kneipen entlang und auch hier treffe ich wieder auf mein bevorzugtes Jagdobjekt: Herren in Bermuda-Shorts… im „English Sports Shop“ im Hintergrund können diese dann auch käuflich erworben werden – siehe Plakat rechts.
Unser nächster Halt ist dann die „Cathedral of the Most Holy Trinity“, eine angelikanische Kirche, die dem Erzbischof von Canterbury untersteht. Auch hier ist alles im Top-Zustand und sehr gepflegt. Wir zünden eine Kerze für die Familie an.
Unterwegs war uns noch das „City Hall & Arts Center“ aufgefallen und wir besuchen dort die „Bermuda National Gallery“. Die Galerie nimmt nur einen kleinen Teil des Gebäudes (s.o.) ein, aber wir sind sehr angetan von einer Sonderausstellung über Shepard Fairey, einem Street-Art Künstler, Grafiker und Illustrator. Sicherlich jedem bekannt ist sein Bild für den Wahlkampf von Barack Obama: „Hope“. Hier ist der Link zu einem sehr interessanten Interview mit dem Künstler: Klick
Er ist auch politischer Aktivist und stellte einige seiner Werke zum kostenlosen Download zur Verfügung: Klick. Ziel ist es „…new symbols of hope to combat the rising power of nationalism, bigotry, and intolerance…” zu schaffen. Ich kann nur hoffen, dass das gelingt.

Freitag, 11. Mai 2018

Tag 311 - Bermuda: Dockyard und Delfine

Für heute haben wir uns eine Katamaran-Fähre als Fortbewegungsmittel ausgesucht, die uns zum Royal Naval Dockyard bringen soll. Als wir am Fähranleger ankommen, müssen wir erst einmal eine Weile warten, bis die über 300 Passagiere (wir haben gefragt) das Schiff verlassen haben – offensichtlich ist ein Kreuzfahrtschiff angekommen und für die Gäste steht ein Ausflug nach St. George auf dem Programm…

Wir fahren dann mit der fast leeren Fähre (ca. 10 Personen) und zum Sonderpreis von $ 5 pro Person zu unserem Ziel. Dort klärt sich dann die Sache auf, denn dort ist auch der Pier für die Kreuzfahrtschiffe und es sind gleich zwei Stück davon festgemacht. Wir stellen uns erst einmal in ein „Moongate“ und küssen uns, denn „Couples who kiss under our moongate will be assured a long an happy life together“. Es ist wohl eher für Paare in den Flitterwochen gedacht, aber es schadet sicher nicht…
Wir befürchten, dass es im Dockyard ziemlich voll sein könnte, aber erfreulicherweise ist das nicht der Fall. Zumindest nicht im „National Museum of Bermuda“, das wir als nächstes besuchen. Das Museum ist wieder in einem ehemaligen Fort untergebracht und hat daher auch entsprechende Kanonen und andere Geschütze. Diese sind wahrscheinlich nur zufällig auf die Kreuzfahrtschiffe gerichtet…
Wir schauen uns eine sehr gut gemachte und interessante Ausstellung über die Schiffswracks rund um Bermuda an. Wie ich schon berichtet habe, ist Bermuda nach einem Schiffsunglück 1609 besiedelt worden. Durch die zahlreichen und großen Riffe rund um die Insel gibt es ebenso zahlreiche Wracks, die archäologisch erforscht werden und Details über die damalige Lebensweise liefern. Jeder rote Punkt hier ist ein Wrack.
Die Halle selbst ist verschiedene Nischen aufgeteilt, in denen verschiedene Aspekte der Geschichte und Erforschung der Wracks behandelt werden.
Ein anderer Teil des Museums ist dem Bootsbau auf Bermuda gewidmet. Hier wurde das Bermuda-Rigg entwickelt, die typischen dreieckigen Segel, wie wir sie heute noch verwenden. Mit speziellen Dinghys wurden Regatten ausgesegelt. Dieses Boot, die „Spirit of Bermuda“, ein offenes, nur 15 Fuß langes Boot, wurde 1935 von zwei Cousins von Bermuda nach New York gesegelt.
Im „Commisioner’s House, das hoch auf einem Hügel steht, sind weitere, ganz unterschiedliche Ausstellungen zu sehen. Es geht um Sklaverei auf Bermuda, Segelregatten, Beziehungen zu den Azoren und den westindischen Inseln, Elektrizität, Geschichte des Tourismus, etc. Alles sehr schön aufbereitet und sehr gepflegt. In jedem Raum gibt es eine Plakette mit den entsprechenden Sponsoren.
Neben den Ausstellungen gibt es auf dem Gelände auch noch die Möglichkeit, mit Delfinen zu schwimmen. Wie sich herausstellt können wir dabei kostenlos zusehen. In einem Becken sind drei Delfine, drei Schwimmer und drei Trainer. Immer ein Delfin ist bei den Besuchern und die beiden anderen werden von den Trainern beschäftigt. Die Delfine wirken auf mich sehr motiviert und machen begeistert alle Arten von Übungen mit. Hier geht es aber nicht um spektakuläre Sprünge, sondern eher um direkten Kontakt zu diesen faszinierenden Tieren.
Das Museum hat uns so lange beschäftigt, dass wir – nach einer kleinen Stärkung – nur noch kurz im Einkaufszentrum vorbeischauen können. Auch hier ist alles sehr aufgeräumt und ebenfalls erstaunlich leer. Wir kaufen eine Tasche für unsere Sammlung – wir haben nun schon praktische große Einkaufstaschen von Guadeloupe, Martinique, BVIs und jetzt auch von Bermuda. Die werden mich dann zuhause an die Reise erinnern.
Dann geht es wieder zurück mit der letzten Fähre. Diesmal sind wir ca. 5 Passagiere und es kostet nix. Der freundliche Kontrolleur hat kein Wechselgeld und kennt uns noch von der Hinreise. Wirklich sehr nett! In unserer Ankerbucht ist es recht voll geworden, denn die Boote vom ARC Europe, einer Ralley über den Atlantik zurück nach Europa, sind mittlerweile fast alle eingetroffen. Wir bekommen später noch zwei „Ankerkuschler“, was mir gar nicht gefällt…

Donnerstag, 10. Mai 2018

Tag 310 - Bermuda: Fahrrad-Tour

Gestern war Haushalt an der Reihe, aber heute wollen wir etwas von der Insel sehen. Der nette Herr in der Tourist-Information hat für uns Fahrräder bestellt. Wir sind pünktlich da, aber was nicht da ist sind die Räder – offensichtlich gilt auch hier noch „Island Time“ – oder wie es ein junger Mann an der Tankstelle formuliert: „Don’t work hard, work smart!“ Wir laufen zum Fahrradladen, aber der ist geschlossen, bei einem anderen gibt es nur Mountainbikes… Aber dann treffen wir die nette Besitzerin von „Long Story short“ doch noch an und nach einigem hin und her (platt, Bremse geht nicht, Rad eiert, etc.) bekommen wir doch noch zwei funktionstüchtige Räder zum Sonderpreis.
Wir wollen uns ein bisschen am Nordende von Bermuda umsehen und machen uns auf den Weg. Schon bald stellt sich heraus, warum sonst niemand mit dem Rad unterwegs ist, sondern alle Auto oder Motorroller fahren: auch wenn die höchste Erhebung nur 79 m beträgt, ist die Insel doch recht hügelig und ich merke, dass mir mein tägliches Fahrradtraining fehlt… Trotzdem kommen wir gut voran und halten an der engen Durchfahrt in den Naturhafen von St. George an. Hier kommen wir ins Gespräche mit Juneia und Charles, die dort gemütlich sitzen und fischen. Sie erzählen uns einiges von der wechselhaften Geschichte Bermudas.
Direkt daneben bewacht „Gates Fort“ die Einfahrt mit zwei Kanonen. Wie wir später im Museum erfahren, ist Bermuda für Großbritannien von extremer strategischer Bedeutung gewesen. Nachdem der amerikanische Unabhängigkeitskrieg verloren war bildete Bermuda mit Halifax in Nova Scotia und Jamaika in der Karibik eine wichtige Basis in der neuen Welt und für den Westindien-Handel. Daher ist die ganze Insel von zahlreichen militärischen Anlagen übersät. An der Nordwest-Seite liegt ein riesiges Korallenriff (das nördlichste der Welt), daher sind dort keine Verteidigungsanlagen errichtet worden.
Vorgestern habe ich über die ersten Siedler berichtet, die gleich nach ihrer Ankunft 1612 eine Kirche gebaut haben. Das war aber nicht alles, sie haben auch gleich eine hölzerne Festung an der Nordost-Ecke der Insel errichtet. An gleicher Stelle steht heute Fort St. Catherine’s, das jetzt das Museum beherbergt.
Wir lernen einiges über die Militärgeschichte und die verschiedenen Kanonen, die dort aufgestellt sind. Zuletzt wurde das Gebäude als Lager für Schießpulver verwendet. Das Pulver selbst wurde in Fässern aufbewahrt, die regelmäßig gedreht werden mussten, damit die einzelnen Bestandteile vermischt blieben. Damit das Pulver nicht direkt mit den Laternen in Berührung kam, wurden diese getrennt von sogenannten Lichtgängen aus betrieben und waren durch eine Glasscheibe vom eigentlichen Lager getrennt. Aus dem Lager wurden die Geschosse und die Ladung dann über Aufzüge zu den Kanonen gebraucht.
Ich stelle fest, dass ich nicht viele Bilder gemacht habe, irgendwie gefällt mir nicht, was da für ein Aufwand getrieben wurde, um Geräte herzustellen, mit denen Dinge zerstört und Menschen getötet werden sollen. Die Kanonen wurden allerdings nicht wirklich oft abgefeuert, sondern haben den Zweck der Abschreckung offensichtlich gut erfüllt. Die hier stationierten Soldaten sind daher eher an Gelbfieber und anderen Krankheiten gestorben und nicht im Kampf.
Bermuda besteht aus zahlreichen Inseln, von denen die größeren alle über Brücken verbunden sind. Wir fahren von St. George’s Island zu St. David’s Island und dort zum St. David’s Leuchtturm. Den kennen wir schon vom Meer aus, denn wir sollten uns bei Bermuda Radio über Funk melden, wenn der Leuchtturm querab lag, um die Erlaubnis zur Einfahrt in den Hafen zu bekommen. Der Leuchtturm liegt auf Lighthouse HILL, also geht es wieder mit dem Fahrrad bergauf – puh…
Dafür ist der Rückweg dann um so schöner und wir können uns größere Strecken rollen lassen. So sind wir recht schnell wieder in St. George selbst, das uns jetzt schon vertraut ist. Wir geben die Fahrräder zurück und machen mal wieder einen Versuch mit Kaffee und Kuchen… Kein Problem, etwas zu finden, aber heute ist Ralf mit der Qualität des Kaffees nicht zufrieden (und das obwohl der Laden eine Profi-Maschine am Start hatte). Wir trösten uns mit dem Anblick verschiedener Herren, die stilvoll Bermuda-Shorts tragen – nur echt mit Kniestrümpfen! Leider habe ich noch keine „richtigen“ Business-Outfits gesehen, dann werden die Shorts noch mit Hemd, Sakko und Krawatte ergänzt.