Sonntag, 20. Mai 2018

Kurs Beaufort 4: Große Wellen und blöde Tonnen

20.05.2018 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 163 sm
Position: 32°43,05'N 76°26,63'W – Log: 623 sm – Rest: 125 sm

Den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht geht es weiter mit der Berg- und Talbahn. Der Wind wird nochmal stärker, und wir verkleinern auch noch die Fock. Es ist mal wieder schnell und unbequem – das haben wir ja schon öfter gehabt. Aber genau für solche Bedingungen ist unser Boot gebaut. Wir sitzen sicher und geschützt unter unserem Dach im Cockpit, der V-förmige Bug setzt ohne zu schlagen in die Wellen ein und der Langkiel macht die Triton kursstabil und gutmütig.

Auch unter Deck ist mit Bedacht geplant. Es gibt bequeme Kojen, in denen wir auch bei dem Geschaukel erholsam schlafen können und sehr sinnvoll angebrachte Handgriffe, mit denen wir uns sicher durch das Boot hangeln können. Auf dem kardanisch aufgehängten Herd sind der Wasserkessel und unser Aufwärm-Topf für das vorgekochte Essen mit Spangen befestigt, so dass auch das „Kochen" gut funktioniert. Nur Spülen ist ziemlich lästig, weil auch wenig Wasser aus der Spüle zu schwappen droht…

Ich hatte ja schon von der Wettertonne berichtet, die wir nachts mitten auf dem Atlantik getroffen haben. Und durch unsere Kursänderung liegt doch tatsächlich wieder eine Tonne genau auf unserem Weg. Eigentlich ist es nachts einfacher, eine Tonne zu finden, wenn sie beleuchtet ist. Und das ist bei dieser laut Seekarte der Fall. Problem: wir kommen der Stelle immer näher und sehen absolut nichts. Es ist 4:00 Uhr, kein Mond und daher so dunkel, dass wir noch nicht einmal den Bug der Triton, geschweige denn den Horizont oder eine möglicherweise erloschene Tonne sehen können. Daher aktivieren wir den Radar, auf dem die Tonne Dank Radarreflektor zu erkennen sein müsste. Immer noch nichts… Schließlich sind wir an der Stelle vorbei und können wieder normal weitersegeln.

Sonst ist die Nacht ereignislos, die Sonne geht wieder hinter uns auf und ich bekomme Besuch von einem „Longtail", der das Schiff ein paarmal neugierig umkreist. Wir kennen diese Vögel schon von Bermuda, aber ich habe keine Ahnung, wie sie auf deutsch heißen und vermisse mal wieder Internet. Mit Sonnenaufgang ist der Wind etwas schwächer geworden und wir können die Fock wieder ausreffen. Bis Mittags haben wir ein Etmal von 163 sm geschafft, das ist für unsere Bootsgröße sehr respektabel.

Samstag, 19. Mai 2018

Kurs Beaufort 3: Kursänderung

19.05.2018 12:00 Bordzeit – Etmal: 149 sm
Position: 32°04,03'N 73°30,46'W – Log: 460 sm – Rest: 295 sm

Nach unserer Mittagsposition schreibe ich wieder Blog und wir rufen Wetterdaten ab. Gestern klappt die Verbindung nach wenigen Versuchen und auch das Herunterladen der Grib-Files funktioniert. Nach Studium der verschiedenen Wettermodelle entscheiden wir, nicht ganz so weit nach Süden zu fahren und passen unseren Kurs entsprechend an.

Das führt dazu, dass dann gegen Abend der Wind soweit von hinten kommt, dass wir die Cock Ausnahmen müssen. So fahren wir dann in die Nacht. Diesmal habe ich die Wache mit dem Mondlicht und so fahre ich auf einer silbernen Bahn. Gerade philosophiere ich darüber, wie wenig Schiffsverkehr es hier im Vergleich zu Ostsee gibt, als wir gleich mehrere Lichter entdecken. Wir aktivieren unser AIS, um Kurs und Geschwindigkeit zu sehen. Zwei Frachter kreuzen unseren Kurs und einer ist auf dem Weg nach Norden. Keiner von uns muss seinen Kurs ändern, aber ein großes Containerschiff fährt direkt vor uns vorbei.

Meine nächste Wache ist dann die Morgenwache, schön, weil dabei die Sonne aufgeht. Schon mindestens eine Stunde vorher kann ich sehen, wie es im Osten langsam heller wird, die Sterne verblassen und erst Konturen und dann Farben sichtbar werden. Der Wind hat etwas gedreht und ich nehme die Fock wieder auf die andere Seite, damit wir weiter unseren Kurs fahren können.

Beim Wachwechsel kommt es dann zu einer Diskussion. Wir verstehen uns wirklich gut, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass wir seit über 300 Tagen auf sehr engem Raum zusammenleben und ich bin sehr für klärende Gespräche. Aber nach einer Nachtwache mitten auf dem Meer finde ich weder die richtige Zeit noch den richtigen Ort.

Mittlerweile hat der Wind – wie vorhergesagt – zugenommen und Ralf bindet ein Reff ins Groß. Mit dem Wind kommen auch recht eindrucksvolle Wellen und im Moment klettert die Triton die Wellenberge hinauf und surft dann auf der anderen Seite wieder herunter. Wir sind sehr angetan, wie gut Sir Henry die Sache meistert.

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Freitag, 18. Mai 2018

Kurs Beaufort 2: Regenbogen und Delfine

18.05.2018 – 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 150 sm
Position: 31°49,56'N 70°38,06'W – Log: 311 sm – Rest: 467 sm

Auch nachmittags ging es weiter gut voran. Ich schreibe Blog und einen Geburtstagsgruß für unsere Freundin Gabi. Die beiden Nachrichten wollen wir zusammen mit dem Wetterabruf über Iridium senden. Wir starten einen Verbindungsversuch, leider erfolglos. Mittlerweile wissen wir, dass auch die Versuche ohne Übertragungen uns kostbare und teure Minuten kosten. Wir entscheiden daher, lieber für das Wetter an der amerikanischen Küste zu sparen und erst morgen wieder einen Versuch zu machen.

Gegen Abend sehe ich in meiner Wache eine verdächtige Wolke links von uns, die schnell größer und dunkler wird und auf uns zu kommt. Ich denke darüber nach, Ralf zu wecken, als er von selbst nach oben kommt. Wir bauen erst einmal das Sonnendach ab, um ggf. schnell reffen zu können. Aber dann bekommen wir nur ganz leichten Regen und kurze Zeit später einen wunderschönen vollständigen Regenbogen hinter uns. Es sieht so aus, als wären wir durch ein leuchtendes Tor gefahren. Dann besuchen uns auch noch ein paar nette aber sehr kleine Delfine. Nun fehlen eigentlich nur noch ein paar Einhörner…

Einhörner sehen wir zwar nicht, aber Ralf hat in seiner Nachtwache schön wieder eine Mondsichel. Als ich übernehme, ist zwar der Mond schön untergegangen, aber die Sterne sind wieder da und ich sehe sogar ein paar Sternschnuppen und viele Flugzeuge. Vor mir leuchtet ein Stern so hell, dass ich meine „Skymap" App wieder aktiviere und lerne, dass gleich drei Planeten uns den Weg leuchten: Mars, Pluto und Saturn. Ich weiß, ich weiß, Pluto ist offiziell kein Planet mehr, aber ich bin mit neun Planeten aufgewachsen… Passend dazu höre ich gerade „ The Martian", dessen Probleme ich jetzt viel besser nachvollziehen kann. Auch er muss mit Wasser und Energie haushalten und Vorräte für größere Strecken planen.

Als ich die Navigation machte, hatte ich erwartet, dass ich in Landnähe sorgfältig auf In tiefen und Seezeichen achten muss, aber dass es auf dem 4000 m tiefen Atlantik keine festen Hindernisse oder Gefahren gibt. Falsch gedacht, mitten auf unserem Kurs liegt eine Tonne der amerikanischen Wetterbehörde NNOA. Sie ist zwar eigentlich beleuchtet, könnte jedoch erloschen sein. Ich setzte also einen Wegepunkt in sichere Entfernung und halte gut Ausschau. Tatsächlich fahren wir in Sichtweite vorbei. Wenn ich wieder Netz habe, werde ich recherchieren, wie die Tonnen auf Position bleiben.

Tagsüber geht es dann weiter wie gehabt: blaues Wasser, blauer Himmel, halber Wind, gute Fahrt. Wieder ein Etmal von 150 sm – sehr schön!

Donnerstag, 17. Mai 2018

Kurs Beaufort 1: Schneller Start

17.05.2018 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 149 sm
Position: 32°09,41'N 67°39,61'W – Log: 161 sm - Rest: 620 sm

Gestern Morgen lief alles wie am Schnürchen: Beiboot zusammenpacken (viel kleiner als letzes mal), mit der Triton zum Ausklarieren fahren (Steg frei, keine Schlange, netter Service), Wasser tanken an der Tankstelle. Leider können wir unseren Gutschein für zollfreien Diesel nicht einsetzen, denn wir haben in Spanish Town vollgetankt und auf dem Weg nach Bermuda nichts verbraucht. Um 9:15 Uhr legen wir ab und fahren durch den engen Kanal hinaus.

Zunächst müssen wir das große Korallenriff umfahren. Kein Wunder, dass hier so viele Schiffe gesunken sind, denn das Meer sieht überall gleich unschuldig und blau aus und nur durch unsere Karte wissen wir, dass unter Wasser Gefahren lauern. Erst nach 12 sm sind wir auf Kurs, ziehen die Segel hoch, aktivieren Sir Henry und die Triton läuft los.

Auf direktem Weg sind es 650 sm nach Beaufort, aber wir haben uns wieder ein Wetter-Routing von Chris Parker machen lassen. Er schickt uns erst einmal ein ganzes Stück weiter nach Süden. Dort sollen wir dann den Golfstrom queren und dann nach Norden „abbiegen", um einen Winddreher nach SW mitzunehmen. Dadurch wird unsere Stecke ca. 130 sm länger, aber dafür mit besser segelbarem Wind.

Bisher läuft es optimal mit halben Wind Stärke 3-4, etwas Schiebestrom, angemessenem Seegang, Sonne und blauem Himmel. Im Moment ist Neumond und so war die Nacht ziemlich dunkel, aber wieder mit einem wunderbaren Sternenhimmel. Schon gegen 5:00 Uhr wurde der Horizont etwas heller. Mit einem Etmal von 149 sm sind wir sehr zufrieden.

Dienstag, 15. Mai 2018

Tag 316 - St. George: Große Fische und kleine Erfolge

Wir nutzen die Zeit und das schöne Wetter, um den Rumpf der Triton nochmal zu reinigen. Diesmal ist Ralf der Taucher und entfernt mit einem Schrubber und Verlängerung den Algenbewuchs am Unterwasserschiff. Das führt dazu, dass er ganz schnell viele neue Freunde bekommt. Ziemlich große und selbstbewusste Fische leisten ihm Gesellschaft und fressen das Grünzeug. Sie interessieren sich auch für meine Kamera und so direkt vor mir finde ich, dass die Zähne schon ziemlich groß und scharf aussehen…
Der leichte Bewuchs lässt sich jedenfalls schnell und gut entfernen und wir hoffen, dass wir mit unserem Antifouling bis zum Winterlager auskommen und nicht vorher nachstreichen müssen. Das Wasser ist hier deutlich kühler als in der Karibik und Ralf zieht einen Shorty und Bleigürtel zum Arbeiten an.
Inzwischen haben wir auch eine Antwort von unserem Iridium-Händler in Deutschland erhalten. Mein angeforderter Einzelverbindungsnachweis ist zu ihnen geschickt worden und es gibt eine Diskrepanz zwischen gekauften und verbrauchten Minuten. Wie sich herausstellt, hat die letzte Aufladung nicht geklappt – das wird geklärt und nun haben wir wieder neues Guthaben. Ich finde es interessant (und ziemlich unverschämt), dass auch erfolglose Verbindungsversuche, bei denen keine Mails übertragen werden, abgerechnet werden. Hier die Liste vom 01.05.18 – die 40 Sekunden sind alles erfolglose oder abgebrochene Versuche. Wir haben 2x Mails verschickt und 1x Wetterdaten abgerufen.
Nachdem dann das neue Guthaben da ist, teste ich Mailversand und Mailempfang (wieder kostbare Minuten). Senden geht, Empfangen geht, aber die Mails werden nicht in der Inbox angezeigt… (Hier bitte eine Auswahl von Schimpfwörtern und Flüchen einsetzen). Mittlerweile habe ich ja ein sehr gutes und persönliches Verhältnis mit dem Support… Schließlich führt Löschen und Neuinstallieren der WebAndMail App zum gewünschten Erfolg – puh.

Wir fahren noch ein letztes Mal an Land und laufen noch eine Abschiedsrunde durch St. George, dass wir richtig lieb gewonnen haben. Wir machen einen Abstecher in die Townhall – wieder eine Kunstausstellung mit Bildern von Korallen und Fischen.
Dann geht es nochmals über den zentralen Platz – hier gibt es schattige Bänke, ein paar Händler, freies Internet von der Tourist Information und ganz allgemein eine entspannte und gute Stimmung.
Wir laufen das kurze Stück zum „World Heritage Center“, wo es um die Geschichte von St. George geht (seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe). Hier stehen mal wieder ein paar Kanonen, von denen es ja auf der Insel reichlich gibt.
Es gibt auch einen schön gemachten Film, verschiedene Bilder und Erinnerungen and bekannte Töchter und Söhne von Stadt und Insel. Mittlerweile kennen wir uns recht gut mit bermudischer Geschichte aus aber hier ist nochmal eine nette Zusammenfassung:
Langsam haben wir Hunger und kaufen uns ein Picknick im Supermarkt unseres Vertrauens. Das verzehren wir dann gemütlich im Schatten im wunderschönen Somer’s Garden. Hier steht auch wieder ein „Moon Gate“, das uns hoffentlich Glück bringt.
Wir fragen noch bei Customs and Immigration nach, ob wir heute noch ausklarieren können, weil morgen die ARC-Flotte startet, aber das ist nicht möglich (maximal eine Stunde vor Abfahrt). Also geht es zurück an Bord. Ralf füllt noch destilliertes Wasser in unsere (eigentlich wartungsfreien) Batterien und erneuert die Dirk. Dann kommt das Beiboot wieder an Bord. Der Plan ist, morgen mit der Triton zum Wassertanken und dann zum Auschecken zu fahren.

Morgen soll es dann losgehen. Wir haben 650 sm direkten Weg nach Beaufort, NC, aber durch den Golfstrom, der nach Norden setzt, wird es vermutlich mehr werden. Der Wind ist eher schwach und wir rechnen mit ca. sechs Tagen. Ich weiß noch nicht, ob ich blogge (kostbare Minuten), aber wie immer sind keine Nachrichten gute Nachrichten. Auf der Karte sieht man den Golfstrom und unsere nächsten Ziele: Beaufort, New York und Newport, RI.

Montag, 14. Mai 2018

Tag 315 - St. George: Listen und Frust

Wir wollen Richtung Ostküste aufbrechen, sobald wir das OK von unserem Wetterberater haben. Gestern wollte er sich noch nicht festlegen, weil er noch ein Tiefdruckgebiet beobachtet, aber wir wollen trotzdem alles zur Abfahrt vorbereiten. Jeder von uns hat also eine To-Do-Liste und bei Ralf steht: Einkaufen, alle Werkzeuge etc. wegräumen und zwei Essen vorkochen. Er macht sich daher nach dem Frühstück auf den Weg in die Stadt. Ich bleibe an Bord und schaue erst einmal skeptisch auf unseren Nachbarn, wieder ein „Ankerkuschler“, der das wohl auch selbst erkannt hat und sicherheitshalber nach dem Anker ein paar Fender ausgebracht hat…
Jetzt wird es technisch und frustrierend – weiterlesen auf eigene Gefahr…

Dann mache ich mich an meine Liste. Neben Wäsche wegräumen und ein Essen kochen stehen drei Punkte an: Bei den Einreisebehörden in USA anmelden, Navigation nach Beaufort erstellen und die Iridium Inbox löschen, damit wir unsere kostbaren Minuten nicht verschwenden. Für die Einreise in die USA gibt es mittlerweile eine App, in der man sich vorab anmelden kann. Problem: sie will jeweils einen Verifikations-SMS an die registrierte Nummer senden. Natürlich will ich mich mit der amerikanischen Nummer registrieren, denn auf der wird dann von der Behörde auch angerufen. Aber die amerikanische Karte funktioniert auf den britischen Bermudas nicht… Ich probiere etwas herum und finde dann einen anderen Weg der Authentifizierung, der unabhängig von der Nummer funktioniert. Die App selbst mach einen guten Eindruck und ich bin gespannt, ob die persönliche Vorstellung bei Customs and Immigration wirklich durch ein Video-Interview ersetzt werden kann…
Bei der Navigation beschäftige ich mich erst einmal mit unserem Ziel Beaufort bzw. dem direkt daneben gelegenen Morehead in North Carolina. Wir haben Papierkarten, die allerdings nicht viel hergeben und ein Handbuch. Es gibt sehr viele verschiedene Marinas und ich schaue mir dazu Webseiten und Bewertungen an, frage auch im Women Who Sail Forum nach und kaufe ein E-Book bei Amazon. Die Navigation selbst ist etwas umständlich, weil ich zwischendurch das elektronische Kartenmodul wechseln muss. Bermuda ist auf „Südamerika und Karibik“ und die Ostküste auf „USA und Kanada“ aber auch das kann ich schließlich von meiner Liste streichen.
Bleibt noch mein Favorit Iridium. Unser Jahresabo war im April ausgelaufen und wir hatten um drei Monate verlängert. Zusammen mit den Restminuten hatten wir noch mehr als 200 Minuten Guthaben. Um so größer das Erstaunen, als am 5. Tag unserer Überfahrt keine Zeit mehr übrig war… Wir mailen mit unserem Prepaid-Verkäufer Expeditonstechnik Därr und er bestätigte 0 Minuten, komisch, denn wir haben pro Tag nur ca. 10 Minuten verwendet. Aber wir brauchen Wetterdaten und so haben wir nochmals 75 Minuten gekauft und das auch bestätigt bekommen. Umso größer mein Erstaunen, als der Check heute wieder 0 (NULL!) Minuten anzeigte. Und wir haben das Telefon definitiv hier im Hafen nicht verwendet…

Ich will dann wenigsten die alten Mails löschen, aber das Login auf der Webseite klappt auch nicht (mehr). Dabei hatte ich mich dort schon früher eingeloggt und das Passwort gespeichert… Ich kenne ja schon den direkten Kontakt zum Support und habe bekomme auch gleich wieder Antwort vom gleichen netten Berater. Nach einigem hin und her löschen wir schließlich den gesamten Account und legen ihn neu an. Ich bekomme auch eine Adresse, bei der ich die Nutzung der Minuten anfragen kann. Und dem Prepaid-Verkäufer haben wir auch geschrieben… Kein Wunder, das Iridium schon mehrmals fast Konkurs war – etwas weniger nutzerfreudliches habe ich selten erlebt… Aber es gibt eben keine Alternative, die für kleine Boote geeignet wäre.

Das alles ist natürlich ein Zeitfresser allererster Ordnung und netterweise hat Ralf mein Kochen übernommen und ich habe nur alles geschnippelt… Mittlerweile hat sich auch unser Wetterfrosch Chris Parker gemeldet und so wie es aussieht wollen wir Mittwochmorgen so früh wie möglich (wir müssen noch Wasser tanken und auschecken) los. Morgen können wir dann hoffentlich die Iridium-Angelegenheit klären.

Sonntag, 13. Mai 2018

Tag 314 - St. George: Gemütlicher Sonntag

Wir beginnen den Tag mit einer Sendung des lokalen Radios, in dem Charles, der Angler, den wir bei unserer Radtour kennengelernt hatten, mit seinen Geschwistern zum Muttertag interviewt wird. Sehr nett! Dann werfen wir kurz den Motor an, weil wir zum Duschen gerne warmes Wasser haben wollen. Es gibt gemütliches Frühstück und wir kontaktieren unsere jeweiligen Mütter. Sogar zwei von meinen Söhnen melden sich – das hatte ich gar nicht erwartet und es freut mich sehr!
Dann wenden wir uns unseren jeweiligen Projekten zu. Ich habe noch verschiedene Verwaltungsangelegenheiten zu erledigen, vor denen ich mich die ganze Zeit etwas gedrückt hatte. Alle wollen unter anderem irgendwelche Nummern wissen oder Formulare ausgefüllt haben – daheim kein Problem, aber hier dann doch mühsam und umständlich. Nebenbei sichere ich noch meine ganzen Fotos, denn der Platz auf meinem Laptop wird langsam knapp. Ralf ist mittlerweile mit dem undichten Pütting beschäftigt, klebt die Stelle von unten im Schrank zu und dichtet von oben ab – nun sind wir gespannt, ob das erfolgreich war!
Am Nachmittag fahren wir nochmal an Land um – Überraschung –Kaffee und Kuchen zu bekommen. Erst einmal müssen wir aber einen Parkplatz für unser Dinghy finden – das ist bei den vielen Schiffen in der Bucht gar nicht so einfach! Diesmal ist Qualität und Sitzplatz im Café in Ordnung, aber der Preis lässt uns dann doch etwas schlucken. Egal, hier kommen wir nicht wieder her!
Wir laufen noch ein Stück zur „Unfinished Church“, die eigentlich St. Peter (siehe Montag) ersetzen sollte aber durch Verkettung ungünstiger Umstände (Geldmangel, Widerstände, andere Projekte, Hurrikan) nie vollendet wurde. Heute ist sie eine beliebte Kulisse für Hochzeiten.
Auf dem Rückweg durch St. George erfreue ich mich an den vielen bunten Hausfassaden: himmelblau, schweinchenrosa, sonnengelb, mintgrün, tomatenrot… und nie zwei gleiche nebeneinander. Wirklich ein sehr netter Ort!
Heute Abend gibt es ausnahmsweise mal typisch deutsche Küche: Würstchen, Sauerkraut und Kartoffelpüree. Unsere Ankerlaterne brennt und über St. George geht die Sonne unter – wieder ein schöner Tag!

Samstag, 12. Mai 2018

Tag 313 - St. George: Geschenke und Zeremonien

Wir wollen eigentlich heute nur kurz an einer Stadtführung in St. George teilnehmen und danach an Bord noch einige Arbeiten erledigen. Aber wie so oft auf unserer Reise gibt es ein paar unerwartete, aber sehr schöne Entwicklungen. Am Samstag fahren keine Fähren und daher ist die Stadt ziemlich leer. Zuerst sieht es so aus, als ob wir die einzigen bei der Führung wären, aber dann kommt noch ein Ehepaar aus USA und eine Italienerin hinzu. Unser Führer ist Rev Lorne Bean von der örtlichen Methodistenkirche – ein großer Geschichtenerzähler!
Viele Informationen haben wir schon auf unseren früheren Ausflügen bekommen, aber er versteht es, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. Wir lernen, anhand der Dachneigung und einigen anderen Einzelheiten das Alter der Gebäude zu schätzen, er berichtet, wie die teilweise sehr witzigen Straßennamen entstanden sind (Featherbed Alley, Shinbone Alley…), zeigt uns, wo das Herz von Admiral George Somers (der mit der SEA VENTURE hier strandete und nach dem die Stadt benannt ist) begraben ist und vieles mehr.
Meine liebste Geschichte ist die der „Peppercorn Ceremony“: St. George war ursprünglich die Hauptstadt. Diese wurde jedoch 1815 nach Hamilton verlegt und das Regierungsgebäude hier wurde nicht mehr benötigt. Um Unterhaltungskosten zu sparen, wurde das „State House“ an die Freimaurer zum Preis von einem Pfefferkorn pro Jahr vermietet. Der Vertrag gilt auch heute noch und die Übergabe des Pfefferkorns wird mit großem Zeremoniell begangen (ich sage nur Militärkapelle, Pferdekutschen, alles was Rang und Namen auf Bermuda hat im elegantesten Outfit oder in Uniform, Pfefferkorn auf Silbertablett und Samtkissen…)
Die Führung war vom „Town Crier“ angekündigt worden und der hatte gleich Ralf und den anderen Herrn als Helfer für eine später stattfindende Zeremonie engagiert: „Dunking of the Nag“ – dabei handelt es sich um eine Dame, die wegen Nörgeln und Tratschens bestraft wird und zwar durch Eintauchen ins Hafenbecken auf einem speziellen Stuhl. Ralf wurde zusammen mit vier anderen „Freiwilligen“ für die Bedienung des Stuhls eingeteilt und der andere Herr durfte den örtlichen Betrunkenen spielen. Die Dame wurde wirklich mehrfach mit großem Platsch ins Wasser fallen gelassen und beide Schauspieler spielten ihre Rollen sehr überzeugend!
Inzwischen war es schon Mittag geworden und wir gingen eine Kleinigkeit essen – schön, dass wir uns hier schon auskennen und wissen, wo das gut und – für bermudische Verhältnisse – relativ günstig geht. Während der Führung hatten wir eine kleine Kunstgalerie entdeckt und dort wollten wir eigentlich nur kurz nach einem kleinen Original für unsere Bildersammlung schauen…
Die Künstlerin, Emma J. Ingham, ist so freundlich und interessant, dass wir uns eine ganze Weile mit ihr unterhalten. Ihre Mutter kam im 2. Weltkrieg nach Bermuda, um als „Censorette“ zu arbeiten, da sie (die Mutter) fünf Sprachen beherrschte. Die Post aus USA nach Übersee wurde hier geöffnet und gelesen, um eventuelle Spionage zu entdecken. Emma selbst wurde dann 1946 hier auf Bermuda geboren. Sie hat ihre Karriere als Modezeichnerin begonnen, malt jetzt aber überwiegen Blumen und Landschaften in Wasserfarben. Sie hat große Ständer mit verschiedenen Bilder und Ralf und ich suchen zwei mögliche Kandidaten aus und fragen nach dem Preis. Große Überraschung: sie schenkt uns das eine Bild und nimmt für das zweite nur Geld an, als wir darauf bestehen…
Auf Empfehlung von Emma besuchen wir dann noch das „St. George’s Historical Society Museum“ im gleichen Gebäude. Es handelt sich um das Haus eines reichen Händlers, dass den Charme des 18. Jahrhunderts bewahrt hat. So ist die Küche noch vollständig eingerichtet.
Wir bekommen eine Privatführung durch die Räume angeboten, die wir gerne in Anspruch nehmen. So sind z.B. „Bermuda Bags“ ausgestellt, deren Besonderheit im Griff aus Bermuda-Wacholder ist. Dieses Holz wurde auch für den Schiffbau verwendet. Eine der Taschen gehörte der Mutter unserer Führerin und es wird eine Briefmarkenserie über diese Taschen geben. Auch das Außengelände ist wunderschön (siehe auch oben).
Wir lernen einiges über die Rolle von Bermuda im Amerikanischen Bürgerkrieg, als England die Südstaaten unterstützte und mit speziell gebaute Schiffe als Blockadebrecher von Bermuda und den Bahamas aus operierte. Im Keller gibt es dann noch eine Druckerpresse nach dem Vorbild von Johannes Gutenberg.
Erst nachmittags geht es wieder zurück zum Schiff, wo Ralf dann noch Vorbereitungen zum Abdichten des Lecks im Kleiderschrank trifft. Ein Püttingeisen (Befestigung der Wanten, die den Mast seitlich halten) endet genau im Schrank und dort ist beim Segeln Wasser hereingekommen. Heute hat er die alte Dichtmasse entfernt und die Stelle sorgfältig gereinigt, morgen soll sie dann wieder geschlossen werden.

Freitag, 11. Mai 2018

Tag 312 - Hamilton: Kunst und Kultur

Der Himmel ist ganz ausnahmsweise mal bedeckt, aber das macht nichts, denn wir wollen sowieso nach Hamilton, der Hauptstadt. Ich weiß nicht, ob es an der militärischen oder an der britischen Vergangenheit liegt, jedenfalls ist hier alles hervorragend organisiert, so auch der Busverkehr. Gleich vier Buslinien verkehren regelmäßig zwischen St. George und Hamilton und so müssen wir nicht lange warten, bevor wir in einen der netten rosa Busse einsteigen können, der uns dann gut nach Hamilton bringt. Benannt natürlich nicht nach dem Amerikaner Alexander Hamilton (siehe St. Croix), sondern nach dem Gouverneur Henry Hamilton, der im Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der Briten kämpfte.

Die Stadt selbst hat nur ca. 1000 Einwohner, aber ca. 14.000 Pendler kommen hierher zur Arbeit. Bermuda ist ein Offshore-Finanzplatz und eine „Steueroase“, insbesondere im Bereich der Rückversicherungen. Es gibt zahlreiche Briefkastenfirmen, aber auch solche, die tatsächlich hier Büros unterhalten. Und das typische Business-Outfit sind natürlich die Bermuda-Shorts, die in allen Farben getragen werden: rosa, orange, zartlila, pink, hellblau, türkis… jeweils mit Hemd, Anzugschuhen und passenden Strümpfen. Ich bekomme so auch mein Foto in freie Wildbahn:
Unser erster Weg führt uns zum Yachtausrüster, weil wir einen neuen Anker für unser Dinghy benötigen. Den alten hatten wir ja hier in der Bucht versenkt. Im zweiten Laden finden wir dann tatsächlich einen neuen (den Ralf dann durch die ganze Stadt trägt). Wir kommen durch einen wunderbaren Park – wie alles hier sehr gepflegt. Die ganze Insel macht einen ausgesprochen aufgeräumten, sauberen und ordentlichen Eindruck und immer wieder sehen wir Pflege- und Reinigungspersonal.
Ich bin begeistert von den zahlreichen verschiedenen Blumen, eine schöner als die nächste um habe Spaß, sie zu fotografieren. Überall sind Bänke aufgestellt und aus der nahegelegenen Kneipe kommt Musik – eine sehr angenehme Stimmung!
Wir laufen ein Stück an der Hafenseite mit verschiedenen Geschäften und Kneipen entlang und auch hier treffe ich wieder auf mein bevorzugtes Jagdobjekt: Herren in Bermuda-Shorts… im „English Sports Shop“ im Hintergrund können diese dann auch käuflich erworben werden – siehe Plakat rechts.
Unser nächster Halt ist dann die „Cathedral of the Most Holy Trinity“, eine angelikanische Kirche, die dem Erzbischof von Canterbury untersteht. Auch hier ist alles im Top-Zustand und sehr gepflegt. Wir zünden eine Kerze für die Familie an.
Unterwegs war uns noch das „City Hall & Arts Center“ aufgefallen und wir besuchen dort die „Bermuda National Gallery“. Die Galerie nimmt nur einen kleinen Teil des Gebäudes (s.o.) ein, aber wir sind sehr angetan von einer Sonderausstellung über Shepard Fairey, einem Street-Art Künstler, Grafiker und Illustrator. Sicherlich jedem bekannt ist sein Bild für den Wahlkampf von Barack Obama: „Hope“. Hier ist der Link zu einem sehr interessanten Interview mit dem Künstler: Klick
Er ist auch politischer Aktivist und stellte einige seiner Werke zum kostenlosen Download zur Verfügung: Klick. Ziel ist es „…new symbols of hope to combat the rising power of nationalism, bigotry, and intolerance…” zu schaffen. Ich kann nur hoffen, dass das gelingt.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Tag 311 - Bermuda: Dockyard und Delfine

Für heute haben wir uns eine Katamaran-Fähre als Fortbewegungsmittel ausgesucht, die uns zum Royal Naval Dockyard bringen soll. Als wir am Fähranleger ankommen, müssen wir erst einmal eine Weile warten, bis die über 300 Passagiere (wir haben gefragt) das Schiff verlassen haben – offensichtlich ist ein Kreuzfahrtschiff angekommen und für die Gäste steht ein Ausflug nach St. George auf dem Programm…

Wir fahren dann mit der fast leeren Fähre (ca. 10 Personen) und zum Sonderpreis von $ 5 pro Person zu unserem Ziel. Dort klärt sich dann die Sache auf, denn dort ist auch der Pier für die Kreuzfahrtschiffe und es sind gleich zwei Stück davon festgemacht. Wir stellen uns erst einmal in ein „Moongate“ und küssen uns, denn „Couples who kiss under our moongate will be assured a long an happy life together“. Es ist wohl eher für Paare in den Flitterwochen gedacht, aber es schadet sicher nicht…
Wir befürchten, dass es im Dockyard ziemlich voll sein könnte, aber erfreulicherweise ist das nicht der Fall. Zumindest nicht im „National Museum of Bermuda“, das wir als nächstes besuchen. Das Museum ist wieder in einem ehemaligen Fort untergebracht und hat daher auch entsprechende Kanonen und andere Geschütze. Diese sind wahrscheinlich nur zufällig auf die Kreuzfahrtschiffe gerichtet…
Wir schauen uns eine sehr gut gemachte und interessante Ausstellung über die Schiffswracks rund um Bermuda an. Wie ich schon berichtet habe, ist Bermuda nach einem Schiffsunglück 1609 besiedelt worden. Durch die zahlreichen und großen Riffe rund um die Insel gibt es ebenso zahlreiche Wracks, die archäologisch erforscht werden und Details über die damalige Lebensweise liefern. Jeder rote Punkt hier ist ein Wrack.
Die Halle selbst ist verschiedene Nischen aufgeteilt, in denen verschiedene Aspekte der Geschichte und Erforschung der Wracks behandelt werden.
Ein anderer Teil des Museums ist dem Bootsbau auf Bermuda gewidmet. Hier wurde das Bermuda-Rigg entwickelt, die typischen dreieckigen Segel, wie wir sie heute noch verwenden. Mit speziellen Dinghys wurden Regatten ausgesegelt. Dieses Boot, die „Spirit of Bermuda“, ein offenes, nur 15 Fuß langes Boot, wurde 1935 von zwei Cousins von Bermuda nach New York gesegelt.
Im „Commisioner’s House, das hoch auf einem Hügel steht, sind weitere, ganz unterschiedliche Ausstellungen zu sehen. Es geht um Sklaverei auf Bermuda, Segelregatten, Beziehungen zu den Azoren und den westindischen Inseln, Elektrizität, Geschichte des Tourismus, etc. Alles sehr schön aufbereitet und sehr gepflegt. In jedem Raum gibt es eine Plakette mit den entsprechenden Sponsoren.
Neben den Ausstellungen gibt es auf dem Gelände auch noch die Möglichkeit, mit Delfinen zu schwimmen. Wie sich herausstellt können wir dabei kostenlos zusehen. In einem Becken sind drei Delfine, drei Schwimmer und drei Trainer. Immer ein Delfin ist bei den Besuchern und die beiden anderen werden von den Trainern beschäftigt. Die Delfine wirken auf mich sehr motiviert und machen begeistert alle Arten von Übungen mit. Hier geht es aber nicht um spektakuläre Sprünge, sondern eher um direkten Kontakt zu diesen faszinierenden Tieren.
Das Museum hat uns so lange beschäftigt, dass wir – nach einer kleinen Stärkung – nur noch kurz im Einkaufszentrum vorbeischauen können. Auch hier ist alles sehr aufgeräumt und ebenfalls erstaunlich leer. Wir kaufen eine Tasche für unsere Sammlung – wir haben nun schon praktische große Einkaufstaschen von Guadeloupe, Martinique, BVIs und jetzt auch von Bermuda. Die werden mich dann zuhause an die Reise erinnern.
Dann geht es wieder zurück mit der letzten Fähre. Diesmal sind wir ca. 5 Passagiere und es kostet nix. Der freundliche Kontrolleur hat kein Wechselgeld und kennt uns noch von der Hinreise. Wirklich sehr nett! In unserer Ankerbucht ist es recht voll geworden, denn die Boote vom ARC Europe, einer Ralley über den Atlantik zurück nach Europa, sind mittlerweile fast alle eingetroffen. Wir bekommen später noch zwei „Ankerkuschler“, was mir gar nicht gefällt…