Donnerstag, 31. Mai 2018

Zusammenfassung: Mai 2018

Statistik
Seemeilen: 1672
Motorstunden: 24
Segeltage: 17
Nächte auf See: 11
Liegetage: 14
Liegeplätze: 6   
Bermuda: George Town (A)
USA: North Carolina: Beaufort, Oriental, R.E.Mayo, Bath, Washington
                                                      
Segeln und Wetter
Das ist bisher der Monat, in dem wir am meisten gesegelt sind: über 1600 sm in zwei großen Etappen. Es sind gleichzeitig auch die längsten Stücke, die wir jeweils nur zu zweit unterwegs waren. Auf beiden Überfahrten haben wir uns von „Wettergott“ Chris Parker ein Wetterrouting machen lassen und beide Male waren wir mit dem Resultat sehr zufrieden. Bis auf ein paar – gut zu handhabende – Schauerböen hatten wir nur günstigen Wind von der Seite oder von hinten, konnten praktisch alles Segeln und sind sehr gut vorangekommen.

Wir haben die Karibik verlassen und das Wasser ist merklich kühler geworden, was dazu führt, dass es nachts etwas abkühlt, tagsüber aber weiterhin warm bleibt. Wir haben unsere Flauschdecken herausgeholt. Das Klima auf den Bermudas fanden wir dadurch sehr angenehm.

Hier an der Ostküste ist es tagsüber warm mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und bisher mit sehr wenig Wind. Die atlantische Hurrikan-Saison beginnt offiziell erst am 1. Juni, aber dieses Jahr gab es bereits einen namentliche benannten subtropischen Sturm „Alberto“. Wir waren nicht vom Wind betroffen, aber von den dazugehörenden heftigen Regenfällen haben wir am Rande auch etwas mitbekommen. Tagsüber ist es warm mit hoher Luftfeuchtigkeit und bisher mit wenig Wind.

Boot und Ausrüstung
Wieder haben Sir Henry und Lady Triton die See-Etappen hervorragend, zuverlässig und schnell bewältigt – alles hat prima funktioniert! Es gab nur kleinere Reparaturen bzw. Verbesserungen: Püttingeisen abgedichtet, neuer Geber für die Anzeige des Wassertanks und die alte elektronische Selbststeueranlage wieder zum Leben erweckt.

Verpflegung/Versorgung
Auf unseren Seestücken waren wir immer sehr gut mit vorgekochtem Essen versorgt, dass wir dann jeweils nur aufwärmen mussten. Auf Bermuda gibt es einen netten Lebensmittel-Laden direkt am Hafen… Aber alles ist EXTREM teuer… Daher haben wir uns auf Bermuda mit Einkäufen und auch mit auswärts Essen gehen sehr zurückgehalten.

Nun – in USA – gibt es (fast) alles, reichlich und zu moderaten Preisen. Das einzige Problem ist, dass die Lebensmittel-Geschäfte oft außerhalb und damit recht weit vom Hafen entfernt liegen. Das war aber in Beaufort kein Problem, denn unsere Marina hatte ein „Courtesy Car“, das wir kostenlos zum Einkaufen benutzen konnten.

Crew
Bis auf eine kurze Diskussion wieder ein sehr harmonischer Monat. Auf See haben wir uns jeweils mit den Wachen abgewechselt und hatten eigentlich nur am Nachmittag/frühen Abend eine Zeit, in der wir beide gleichzeitig wach und im Cockpit waren. Wir haben uns gut an die Wachen gewöhnt und hätten problemlos auch noch weiter segeln können. Wir interessieren und beide für unsere Ziele und informieren uns über Landschaft, Natur, Geschichte und mögliche Sehenswürdigkeiten auf unserer Reise.

Sightseeing
Nach einer Woche Segeln haben wir dann eine wunderbare Woche auf Bermuda verbracht. Eine ganz spezielle Insel mit viel sehenswerter (englischer) Geschichte, wunderbarem Wetter, türkisblauem Wasser, gepflegten Häusern und sehr netten Menschen. Einziger Nachteil: die Preise…

Eine weiter Woche Segeln brachte uns dann an die amerikanische Ostküste, genauer nach Beaufort, North Carolina, eine sehr gute Wahl: sehr gepflegt, sehr hübsch, moderat touristisch mit vielen Möglichkeiten für Sightseeing und netten Restaurants und Geschäften.

Nun sind wir unterwegs auf dem Intracoastal Waterway und haben bisher in North Carolina Oriental, Bath und Washington besucht. Die Orte sind unspektakuläre und sehr verschlafene Kleinstädte aber die Landschaft, in der sich Ozean und Flüsse treffen, ist wunderschön mit Bäumen, Büschen, Marschland und zahlreichen Tieren und Pflanzen.

Begegnungen
Auf Bermuda haben wir die Familiencrew der TROLL (die wir aus Phare Bleu auf Grenada kennen) und die MANWE (die mit uns die Odyssey gesegelt ist) wiedergetroffen. Mit der Crew der MANWE haben wir zwei nette Abende verbracht. Zufällig haben wir beim Radfahren Juneia und Charles kennengelernt, die seit 30 Jahren auf der Insel leben und mit denen wir uns nett unterhalten.

Jetzt in USA ist es sehr leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir werden – wohl wegen unseres Akzents – oft gefragt, wo wir herkommen und wir bekommen sehr oft Hilfe angeboten, z.B. hat eine nette Dame in Bath Ralf vom Supermarkt wieder zum Boot gefahren. Alle sind offen und freundlich. Es mag oberflächlich sein, aber ich finde diese Art sehr angenehm und nett.

Fazit
Ein sehr abwechslungsreicher und interessanter Monat, der uns von der Karibik über Bermuda in die Südstaaten der USA gebracht hat – ganz unterschiedliche Welten. Ich bin sehr froh, dass die großen Segelstrecken so gut geklappt haben und dass wir uns so schöne Orte wie Bermuda und Beaufort ausgesucht haben – beide sicher eine Reise wert!

Tag 332 - Bath-Washington: Das erste Washington

Wir bleiben in unserem bewährten Rhythmus und legen vor dem Frühstück ab. Es ist wieder schwachwindig, daher fahren wir unter Maschine weiter den Pamlico River hinauf und können wieder unterwegs frühstücken. Heute haben wir nur 16 sm geplant und ich schaffe es kaum, meinen nächsten Topflappen zu häkeln (die Wolle reicht tatsächlich wie ausgewogen), bevor wir schon wieder am Ziel ankommen. Unterwegs sehen wir zahlreiche imposante Häuser am Ufer, jeweils mit eigenem Anlegesteg. Wir vermuten Ferien- und Wochenendhäuser – wie am Eicher See – denn sie sehen unbewohnt aus. Wegen möglicher Überflutungen gibt es jeweils Treppen in den ersten Stock.
Wir fahren durch eine Eisenbahnbrücke, die immer offen ist, außer wenn ein Zug kommt. So wie sie aussieht, ist das eher selten der Fall… Unser Ziel heute ist Washington – nicht die bekannte Hauptstadt, sondern eine Kleinstadt hier in North Carolina. Sie bezeichnet sich selbst als „The Original Washington“, „First Washington“ oder „Little Washington“. Die Stadt wurde schon 1776 zu Ehren General Washingtons umbenannt, noch mitten im Unabhängigkeitskrieg (1775-1783).
North Carolina ist einer der ursprünglichen Dreizehn Kolonien – auf der amerikanischen Flagge repräsentiert durch die roten und weißen Streifen – die sich 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung vom Mutterland Großbritannien lossagten. Fall nicht bekannt: die anderen 12 Kolonien waren: New Hamshire, Massachusetts (mit Maine), Rhode Island, Connecticut, New York (mit Vermont), New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland, Virginia (mit West Virginia), South Carolina und Georgia, so dass die Dreizehn Kolonien heute 16 Bundesstaaten entsprechen.
Die Stadt selbst hat heute ca. 10.000 Einwohner und ist übersichtlich im Schachbrettmuster angelegt. Wir liegen direkt am Kai (Stern) und haben es nicht weit zu den Attraktionen…
Wir gehen das kurze Stück ins North Carolina Estuarium, dass sich mit den „Estuaries“ in North Carolina beschäftigt. Ein „Estuary“ ist eine spezielle Art der Flussmündung, in der sich das salzige Meerwasser mit dem Süßwasser eines Flusses mischt und dadurch ein spezielles Ökosystem erzeugt, das an das Brackwasser angepasst ist. Auf der Karte auch unser Hafen von gestern, Bath, und unser Ziel für morgen, Belhaven. Danach wollen wir weiter in den Alligator River (oben rechts).
Im Museum selbst dominiert ein Kunstwerk aus Treibholz die Lobby. Es ist von einem lokalen Künstler angefertigt und wird uns von einer Mitarbeiterin demonstriert. Die Treibholzskulptur symbolisiert die verschiedenen Landschaftsformen in North Carolina von den Bergen im Westen über die Felder bis zum Küstengebiet. Oben hängen noch der Mond und die Sonne und rings herum wird der Kreislauf des Wassers demonstriert. Dazu wird ein Wassertropfen (Ball) tatsächlich auf die Reise durch die Skulptur geschickt, fällt aus den Wolken über den Bergen, läuft durch die Landschaft an die Küste und durch die Flussmündung ins Meer, wo er dann wieder verdunstet – sehr schön gemacht!
Es gibt noch einen Film über die Naturschönheiten North Carolinas, viele interaktive Informationsstationen, die sich mit Natur und Umwelt beschäftigen und einige Becken mit typischen Tieren – auch das gefällt uns sehr gut.
Dann ist wieder Kaffeezeit und wir versuchen wieder, ein entsprechendes Etablissement zu finden. Und wieder ist es gar nicht so einfach. Die Straßen sind total ausgestorben und wir sind die einzigen, die unterwegs sind. Liegt es am leichten Regen? Oder weil hier niemand zu Fuß geht? Ist hier nur zu Ferienzeiten und am Wochenende etwas los? Wir finden schließlich einen Eisladen, der auch Kaffee verkauft und wir sind die einzigen Kunden. Auch auf der hübschen Promenade am Ufer ist niemand zu sehen…

Mittwoch, 30. Mai 2018

Tag 331 - R.E.Mayo Dock-Bath: Viele Tiere

Das Wetter wird jeden Tag besser und heute ist der Himmel schon fast blau, als wir uns wieder auf den Weg machen. Gleich als erstes müssen wir durch eine Brücke. Die Mindesthöhe für die festen Brücken ist mit 64 Ft angegeben (19,50 m) und wir benötigen nur 16,75 m (mit Antenne), aber ich ziehe trotzdem immer bei einer Durchfahrt den Kopf ein…
Heute sehen wir auch ein paar andere Boote, mehrheitlich auf dem Weg nach Norden und können den ICW-Bart bewundern – braune Streifen am Bug, die durch das tannin-haltige Wasser entstehen.
Sonst haben wir eine ruhige Fahrt, fast ohne Wind und völlig ohne Welle. Es ist sehr dunstig und das Wasser verschwimmt mit dem Himmel. Ich häkle die Umrandung für meinen ersten Topflappen und habe die Kamera mit dem Teleobjektiv bereitgelegt. Eine gute Idee, denn auf den Seezeichen haben sich eine Menge Pelikane niedergelassen. Wir sind etwas überrascht, in diesem Brackwasser auch Delfine zu sehen, aber ganz entfernt ist eine Rückenflosse zu erkennen.
Der Intracoastal Waterway überquert zahlreiche Flussmündungen und wir wollen heute den Pamlico River etwas weiter erkunden. Deswegen biegen wir vom Weg ab und fahren ein Stück weiter ins Landesinnere. Hier wird ein Seezeichen als willkommener Nistplatz verwendet und wir sehen einen großen Fischadler (Osprey), der uns interessiert beobachtet.
Unser Ziel heute ist Bath, die älteste Stadt von North Carolina (gegründet 1705). Auch hier hat der Pirat Blackbeard sein Unwesen getrieben. Das erste (und einzige) Haus am Platze ist nach ihm benannt und wir nehmen dort ein Getränk und ein paar Häppchen. Auch sonst hat er hier seine Spuren hinterlassen.
Es gibt noch verschiedene historische Gebäude und eine sehr aktive Historic Society. Zahlreiche Schilder weise auf die Geschichte hin. Heute leben ca. 250 Menschen hier und wir haben den Eindruck, dass es sich vorwiegend um Wochenendhäuser handelt.
Wir finden auch ein Schild mit einem Hinweis auf eine Dampfmaschine, aber Ralf, der das Teil genau anschaut, versichert mir, dass es sich nicht um eine Dampfmaschine, sondern um einen stationären Glühkopfmotor (wie beim Lanz-Traktor) handelt…
Unser Liegeplatz ist „Bath Harbor Motel & Marina“, wo wir sehr nett begrüßt werden und jegliche erdenkliche Hilfe angeboten bekommen. Die anderen Boote in Hafen sehen überwiegend schon seit längerer Zeit unbenutzt aus und auch Gäste sind hier wohl eher selten.
Mir gefallen besonders die motel-eigenen Katzen. Es gibt zwei dicke Kater und vor einigen Wochen haben sie eine Streunerin aufgenommen, die – wie sich dann herausstellte – schwanger war und zwei entzückende Junge bekommen hat, leider etwas scheu…

Dienstag, 29. Mai 2018

Tag 330 - Oriental-R.E.Mayo Dock: Frischer Fisch

Es ist immer noch grau, aber wir können das Frühstück schon wieder im Cockpit einnehmen. Dann wollen wir uns die „Hauptstadt des Segelns“ noch etwas ansehen, aber kaum sind wir losgelaufen, kommt die nächste dunkle Wolke und es schüttet wieder wie aus Eimern. Wir flüchten uns in einen netten Laden, der Schiffsausrüstung, T-Shirts, Andenken und einige Lebensmittel hat. Aber wir hätten gerne Brot und Kartoffeln und damit sieht es nicht so gut aus. Als der Regen etwas nachgelassen hat, machen wir uns wieder auf den Weg, erst einmal zur Bank, denn unser Bargeld haben wir gebraucht, als die Kreditkarte nicht funktionierte…
Leider geht sie hier auch nicht und wir müssen weiter zur nächsten Bank. Ich entscheide mich, wieder zum Boot zurückzugehen, weil ich so langsam laufe, dass ich Ralf nur unnötig aufhalte. Alles ist großflächig verteilt, meist keine Bürgersteige und viel zu sehen gibt es hier auch nicht. Die Abflüsse kommen mit der Regenmenge nicht zurecht und ich habe Spaß daran, durch die Überschwemmung zu platschen.
An Bord bereite ich das Boot schon für die Abfahrt vor, der Regen hört auf und dann kommt auch schon Ralf von der erfolgreichen Einkaufsexpedition zurück. Wir fahren vorsichtig rückwärts von der flachen Anlegestelle weg und dann sind wir wieder auf dem ICW unterwegs. Bei der ruhigen Fahrt ist mein nächstes Projekt, neue Topflappe zu häkeln. Die alten sehen ziemlich mitgenommen aus und ich habe eine Kiste mit Wollresten an Bord. Die Farbauswahl ist eingeschränkt, aber ich komme gut voran. Nun ist die Frage, ob die Restwolle für den 2. Topflappen reicht und Ralf denkt sich eine schlaue Konstruktion aus, um das zu testen.
Währenddessen ballen sich am Horizont schon wieder Wolken zusammen und wir werden nochmal vom Regen erwischt. Heute haben wir nicht die Kuchenbude oben, sondern nur unser kleines Bimini und wir verstecken uns unter unserem schönen festen Dach.
Der Spuk ist aber ziemlich schnell wieder vorbei und wir kommen aus dem recht breiten Neuse River wieder in eine enge Kanallandschaft. Das Ufer ist grün und flach und ab und zu ist ein nettes Haus zu sehen. Immer mal wieder fliegt ein Pelikan oder eine Möwe durchs Bild. Schon bald können wir die Fender und Festmacher zum Anlegen bereit machen.
Unser Tagesziel ist R. E. Mayo Seafood, eine Firma am Kanal, die Fisch verarbeitet aber auch einen Steg für durchreisende Boote hat. Es ist noch viel Platz – ich hatte es mir hier insgesamt viel voller vorgestellt – und wir bekommen frischen Fisch und ein T-Shirt für Ralf.
Den Fisch („Flounder“) gibt es dann zum Abendessen zusammen mit den neu gekauften Kartoffeln, Gurken-Tomaten-Salat und Knobi-Mayo. Der Fisch ist zu groß für die Pfanne und wird deswegen im Ofen zubereitet. Das klappt sehr gut, macht wenig Dreck und ist sehr lecker. In der Dämmerung kommen dann noch ein paar Schnaken, aber wir haben unsere Schnakennetze am Start. Mein einziges Problem: es gibt hier kein AT&T Netz…

Montag, 28. Mai 2018

Tag 329 - Beaufort-Oriental: Richtiger Regen

Seit England haben wir keinen „richtigen“ Regen mehr gehabt. Auf den Kanaren ist es eher trocken und in der Karibik gibt es zwar Regenschauer, aber so einen ganzen grauen Tag mit Dauerregen haben wir dort nicht erlebt. An England erinnert auch unser früher Start, weil wir die Tide berücksichtigen und uns gerne vom Strom schieben lassen wollen. Schon um 7:45 Uhr nehmen wir Abschied von Beaufort – hier hat es uns sehr gut gefallen!
Ungewohnt ist auch die Windstille – wir sind jetzt monatelang in der Passatzone unterwegs gewesen, mit – teilweise sehr starkem – Wind aus Ost, Ost oder Ost… Dazu natürlich die entsprechenden Wellen. Heute Morgen ist es dann so ruhig, dass ich beim Fahren mein Spiegelbild im Wasser sehen kann.
Kurze Zeit später beginnt dann der angekündigte Regen (und hat bisher noch nicht aufgehört). Wie gut, dass wir von Dan neue Reisverschlüsse in unsere Kuchenbude (ein auf Maß angefertigtes Cockpitzelt) haben nähen lassen. So können wir relativ geschützt fahren.
Auch gut, dass Ralf sich gestern um unsere „große“ elektrische Selbststeueranlage gekümmert hat. Sie funktioniert und steuert uns durch den Kanal. Wir können geschützt von Cockpit aus die erforderlichen Kurskorrekturen vornehmen und dabei gemütlich Frühstücken. Im Hintergrund links die Seekarte und rechts die Wassertiefe.
Wie gehofft, schiebt der Strom kräftig mit und so fahren wir teilweise über 7 kn über Grund (siehe im Foto oben links im Plotter) statt der normalen Marschfahrt von ca. 5,8 kn. So kommen wir schon mittags in unserem Tagesziel Oriental an und können dort am kostenlosen „Public Dock“ festmachen. Das Wasser ist nicht wirklich tief genug für uns und wir sind einfach vorsichtig soweit nach vorne gefahren, bis wir eine leichte Grundberührung hatten… Jedenfalls sind wir jetzt auf der Harbor Web Cam zu sehen!
Wir sind hier in der (selbsternannten) „Hauptstadt des Segelns von North Carolina“ in der es angeblich 3x so viele Boote wie Einwohner gibt… Der Name hat eine witzige Geschichte. Die Stadt war zunächst bekannt als Smith’s Creek, aber die Frau des Postmeisters sah (oder fand) ein Schild mit dem Schiffsnamen des gesunkenen Dampf-Segel-Schiffs „Oriental“ und fand diesen Namen passender für ihren Heimatort – der Rest ist Geschichte.
Direkt vor uns ist ein spezieller Kaffee-Laden „The Bean“ und den kurzen Weg schaffen wir auch im Regen. Tatsächlich gibt es für Ralf einen ganz hervorragenden Cappuccino und einen Brownie – perfekt! Heute Abend könnte es sein, dass wir zum ersten Mal seit Monaten wieder unten in unserer Mahagoni-Höhle essen, denn das Cockpit ist doch recht feucht und überall hängen nasse Jacken.

Sonntag, 27. Mai 2018

Tag 328 - Beaufort: Große Pläne

Wir bleiben heute an Bord und beschäftigen uns mit unseren jeweiligen Projekten. Das ist bei Ralf zunächst der Baumniederholer, der einen ganz neuen Flaschenzug bekommt. Bei der Gelegenheit erneuert er auch die Takelings am Spinnakerbaum und am Groß.
Außerdem ist mal wieder unsere Patientin, die alte elektrische Selbststeueranlage an der Reihe. Wir haben zwar noch James, den kleinen Pinnenpiloten, aber da muss immer jemand hinten bei Sir Henry sitzen. Ralf hat nochmal alle Kontakte gereinigt und wir hoffen, dass die Anlage jetzt noch ein wenig funktioniert. Prinzipiell wollen wir aber eine neue kaufen.
Mein Projekt ist die Planung der Fahrt durch den Atlantic Intracoastal Waterway (ICW). Das ist eine Küstenwasserstraße von Florida bis Norfolk, Virginia, die aus natürlichen Kanälen, Salzwasserflüssen, Buchten und künstlich angelegten Kanälen besteht.
Er ist Teil des „Great Loop“ bei dem der Ostteil der USA auf dem Wasserumrundet wird. Jedes Jahr sind zahlreiche sogenannte „Looper“ unterwegs. Im Frühjahr Richtung Norden, im Sommer in den großen Seen, im Herbst den Mississippi herunter und im Winter an der Golfküste.
Die ganze Sache ist komplex, denn ich habe hier Karten, Handbücher, Reiseführer, Onlineinformationen über Häfen, Brücken, Schleusen und Ankerplätze… Teilweise gibt es Gezeiten und daher Strom, die Brücken haben Öffnungszeiten, Durchfahrtshöhen etc. Der ICW wird in Landmeilen gemessen, auf dem Plotter habe ich aber Seemeilen und die Unterlagen, die ich habe sind eher unübersichtlich… Aber schließlich habe ich einen Plan erstellt, der uns hoffentlich in 10 Etappen bis nach Norfolk bringen wird, ohne dass wir irgendwo auflaufen oder eine Brücke rammen…
Wir schwätzen noch etwas mit unseren netten Nachbarn (die mit den drei Kindern und vier Katzen) und Ralf kocht leckere Hackfleischbällchen mit Schafskäse, Bratkartoffeln und Salat. Ich bin sehr gespannt auf den neuen Reiseabschnitt auf den ICW ab morgen!

Tag 327 - Beaufort: Auf dem Markt

Die Stadt hat sich gut gefüllt – offensichtlich sind viele der Häuser hier Wochenend- und Ferienhäuser und durch den Feiertag am Montag werden diese jetzt benutzt. Wir laufen wieder unseren vertrauten Weg, diesmal zum Kunstmarkt und Wochenmarkt. Es ist nicht immer ganz eindeutig, ob es Kunst (von Können) oder eher „Wunst“ (von Wollen) ist, aber es gibt viel zu sehen.
Wir hätten gerne einen sehr eindringlich schauenden Pelikan(t) erworben, aber ausgerechnet der war gerade verkauft worden…
Neben Bilder, Schmuck, Geschnitztem, Getöpfertem, Genähtem und anderem Selbstgemachten gibt es auch noch Musik („Wir spielen hier beides: Country und Western“)…
…und einige wenige Stände, die tatsächlich Obst und Gemüse anbieten. Wir erstehen ein paar Pfirsiche, die sehr lecker aussehen.
Wir schauen dann auch noch auf dem Friedhof vorbei, den wir gestern nur von außen gesehen hatten. Dort ist es angenehm und durch die wunderschönen großen und wahrscheinlich sehr alten Bäume schattig und relativ kühl.
Viele Gräber sind sehr alt und hier ist es offensichtlich üblich, die genaue Lebenszeit auf den Grabsteinen anzugeben („starb im Alter von 39 Jahren, 2 Monaten und 25 Tagen“). Traurig finde ich die vielen Kindergräber, oft mehrere von einer Familie, wo die Kinder oft nur wenige Wochen oder Monate alt geworden sind. Das traurigste Grab finde ich das, bei dem das Kind am 22. Februar geboren ist, die Mutter am 23. Februar starb und das Kind ihr im Oktober folgte („left us to join his mother“). Hier ist auch das mit vielen Spielsachen dekorierte Grab es „Mädchens im Rumfass“.
Ein Verstorbener hat sich gleich noch seine Schiffskanone aufs Grab legen lassen. Sie stammt aus dem „Krieg von 1812“ (1812-1815) zwischen Briten und Amerikanern – ein Krieg, von dem ich noch nie vorher gehört hatte. Ich kenne den Unabhängigkeitskrieg und den Bürgerkrieg, aber dass es dazwischen noch einen Krieg gab, war mir wirklich neu. Wahrscheinlich, weil durch diesen Konflikt keine wesentliche Veränderung der Situation eintrat und keine Partei Kriegsziele erreicht hat.
Nachmittags kommt dann noch Dan – unser Nachbar, der Segelmacher, herüber, um auszuprobieren, ob nach seinen Reparaturen unsere Kuchenbude noch auf ihr Gestell passt. Wir unterhalten uns wieder nett mit ihm und seiner Frau Robin, die heute Geburtstag hat. Danach gehen wir noch einmal einkaufen. Wieder zu Ralfs Lieblingsgeschäft West Marine und dann noch zum Walmart Superstore, der wirklich alles hat. Wir kaufen nochmal Lebensmittel und neue Kissen und Bezüge für uns. Beim Bezahlen will die Kreditkarte nicht mehr, aber glücklicherweise haben wir genügend Bargeld dabei.