Mittwoch, 18. Juli 2018

Tag 379 - New York: Singin' in the Rain

Peinlich, peinlich… ich habe das Metropolitan Museum of Art mit dem Museum of Modern Art verwechselt. Jedenfalls stehen wir heute Morgen im falschen Museum, in dem unser City-Pass nicht gültig ist. Wenn wir nun schon einmal hier im MoMA sind, können wir uns auch etwas umsehen und so nehmen wir gleich an einer „Gallery Session“ teil, einem Gespräch, in dem wechselnde Kunstwerke vorgestellt werden. Heute geht es um weibliche Künstler (oder weibliche Künstlerinnen?). Ausgangsfrage ist, ob Kunstwerke von Frauen als solche gekennzeichnet werden sollen. Das erste Werk ist „Articulated Lair“ von Louise Bourgeois (1911-2010), eine begehbare Installation.
Dann schauen wir uns das aus sechs Bildern bestehende Werk „With My Back to the World“ von Agnes Martin (1912-2004) an – abstrakt und minimalistisch.
Das letzte Künstlerin ist dann Gego – Gertrud Goldschmidt (1912-1994), die mit dreidimensionalen, mit Draht vernetzen Konstruktionen arbeitet, bei denen auch der Schatten wichtig ist.
Wir unterhalten uns jeweils über die Werke, aber ich muss sagen, dass ich dafür wohl nicht modern genug bin… Ich erwarte von einem Kunstwerk, dass es bei mir eine Emotion auslöst – nicht unbedingt eine postive – und/oder dass es mich zum Nachdenken bringt. Das war hier bei keinem der Fall.

Das Museum ist ziemlich unübersichtlich, so steht im Museumsplan bei vielen Stockwerken nur „Ausstellungsräume“ und die Bilder sind eher nach Stiftern als nach Künstlern geordnet. Ich finde eine Videoinstallation von Adrian Piper (*1948) sehr beeindruckend: „What It's Like What It Is #3“. Auch dies ist ein begehbares Kunstwerk und die Besucher bilden Farbklekse in fast schmerzlich hell erleuchteten weißen Raum. Auf der quadratischen Säule in der Mitte sind vier Bildschirme, die durch die Spiegel alle gleichzeitig zu sehen sind. Dort spricht ein Mann Variationen es gleichen Satzes: „I am not lazy, I am not…“
Ich gehe noch in den 5. Stock, wo ich eine Menge alte Bekannte treffe und wiedererkenne: Bacon, Rothko, Picasso, Matisse, Chagall, Rousseau, Mondrian… Star der Ausstellung, zumindest gemessen an der Aufmerksamkeit, die er bekommt, ist sicherlich Vincent van Gogh und von ihm das Bild „Sternennacht“ (De sterrennacht). Es ist für mich immer interessant, die Originale im Museum zu sehen, weil auf Fotos die Größe des Werks und z.B. die Struktur der Farbe nicht zu sehen ist. Das Werk ist mit 73,7 × 92,1 cm für mich überraschend klein. Untrennbar zu diesem Bild gehört für mich das Lied „Vincent“ von Don McLean: klick
Nun ist es Zeit für etwas zu essen und auf Empfehlung von unserem Freund Tim gehen wir zu „Ellen’s Stardust Diner“. Auf dem Weg dahin bin ich ganz fasziniert von den vielen unterschiedlichen Menschen, die hier auf den Straßen unterwegs sind: Fahrradfahrer, Geschäftsleute, Touristen, Wasserverkäufer, Angestellte bei der Mittagspause…
Vor dem Stardust Diner steht eine kurze Schlange und wir stellen uns dazu. Kurze Zeit später beginnt es zu regnen und wir drängen uns unter dem Vordach zusammen. Keine Minute zu früh, denn nun öffnen sich die Schleusen des Himmels und wahre Sturzbäche kommen herunter. Leonie verfolgt todesmutig Pauls weggewehten Hut und wird pitsch-patsch nass…
Aber dann dürfen wir in den Diner, ganz im 50er Jahre Stil. Die Attraktion hier sind die singenden Kellner (alles Aspiranten für den Broadway) und tatsächlich hat auch unser Kellner seinen großen Auftritt. Die Damen und Herren singen wirklich gut und die Stimmung ist prima. Auch das Essen ist aus frischen Zutaten und richtig lecker. Wir haben eine gute Zeit.
Ralf hat besonders viel Freude an den zahlreichen „Miss Subway“ Plaketen, ein Titel, der von 1941-1976 vergeben wurde und ein Bild mit einer kurzen Beschreibung zeigte. Die betreffende Dame musste in New York leben, auch tatsächlich U-Bahn fahren und Girl-next-door-Qualitäten haben.
Direkt um die Ecke ist der Timessquare mit seiner unglaublichen Vielfalt von Werbeanlagen aller Art. Plakate, Videoboards, Leuchtschriften – alles strahlt, blinkt, bewegt sich und versucht, die Aufmerksamkeit der Vorbeilaufenden zu erregen…
Wir halten nur kurz an, denn wir wollen noch auf das berühmte Empire State Building. Das Gebäude im Art-Deko-Stil wurde 1931 nach einer Bauzeit von etwas mehr als einem Jahr eröffnet und war schon 1933 Star im ersten King Kong Film. Wegen des Regens ist es heute Nachmittag nur spärlich besucht und wir können schnell zur Ausstellung im 80. Stockwerk und dann zur Aussichtsplattform (offen und ziemlich feucht) im 86. Stock. Auch grau in grau ist der Blick über die Stadt sehr beeindruckend.

Dienstag, 17. Juli 2018

Tag 378 - New York: Nettes Treffen und traurige Erinnerungen

Unser Hafen, die Liberty Landing Marina, liegt auf der New Jersey Seite des Hudson River. Praktischerweise fährt eine Personenfähre genau dort los und direkt nach Manhattan Downtown. Auch unsere Seite hat eine beeindruckende Skyline mit dem Goldman-Sachs-Tower und als besondere Zugabe die Colgate-Clock, mit 15 m Durchmesser eine der größten Uhren der Welt.
Am Vormittag haben wir noch eingekauft und Wäsche gefaltet aber für heute Mittag haben wir uns mit unserem Freund Enrico verabredet, der in einem der Hochhäuser des Financial Districts auf der Manhattan-Seite arbeitet. Von seinem Arbeitsplatz sind es nur ein paar Schritte bis zu unserem Fähranleger und wir verbringen seine Mittagspause sehr nett in einem der vielen Restaurants am Wasser.
Wir sind hier in Battery Park City, einem Stadtteil im Südwesten von Manhattan, der mit der Erde aus dem Aushub des (ersten) World Trade Centers neu am Ufer des Hudson Rivers entstanden ist. Hier stehen die vier Hochhäuser des World Financial Centers (jetzt Brookfield Place) und dazwischen der luftige Wintergarten.
Auf Enricos Rat hin laufen wir vor dort aus direkt unterirdisch zum neuen World Trade Center Hub „Oculus“, einem großen Bahnhof mit Einkaufszentrum und imposantem Design. Durch Rippen fällt das Licht in eine mehrstöckige Halle und es entsteht der Eindruck, sich im Inneren eines großen Tieres oder eines umgedrehten Bootes zu befinden.
Das World Trade Center ist auch unser Ziel für heute, denn wir wollen zum 9/11 Memorial und Museum, das an den Anschlag vom 11. September 2001 und dessen Opfer erinnern soll. Es befindet sich auf Ground Zero, dem Gelände auf dem die berühmten Zwillingstürme standen. Genau an den Stellen der zerstörten Türme befinden sich, Fußabdrücken gleich, zwei große in den Boden eingelassene Becken, in denen Wasser auf mehreren Ebenen neun Meter nach unten fällt. In die kupferne Umrandung sind die Namen der 2983 Menschen eingefräst, die bei den Terroranschlägen von 2001 und 1993 ums Leben kamen.
Die Becken liegen in einer Parkanlage mit zahlreichen Bäumen und Sitzgelegenheiten. Sie ist das Zentrum des neuen World Trade Center Komplexes, der nach und nach um sie herum entsteht. Hier ist auch der Eingang zum 9/11 Museum, das ebenfalls unter der Erde liegt.
Wir schauen zunächst einen Film über die Ereignisse des 11. September an, in dem verschiedene Zeitzeugen zu Wort kommen (Präsident Bush, Condoleezza Rice, Rudy Guiliani – damals Bürgermeister, Einsaztleiter etc.). Nochmal zur Erinnerung: vier zivile Flugzeuge wurden von Terroristen entführt. Zwei davon rammten die beiden Türme des WTC, eines den Pentagon und das letzte wurde von entschlossenen Passagieren zum Absturz gebracht (vermutlich bevor es auf das Capitol stürzen konnte). Innerhalb von 102 Minuten nach dem ersten Einschlag waren beide Türme des WTC eingestürzt.
Das Museum befindet sich unterhalb des WTC, wo damals ein unterirdisches Einkaufszentrum und Garagen lagen. Daher können die ursprünglichen Stützwände aus Beton die die Grube gegen das Wasser des Hudson sicherte in der „Foundation Hall“ besichtigt werden. Hier steht auch die „Last Column“, die letzte sehende Säule des Südturms, beklebt mit Fotos und anderen Erinnerungen.
An die Opfer erinnert hier unten in der „Memory Hall“ eine Wand mit 2.983 individuell bemalten Quadraten, für jedes Opfer eins.
Neben den Überresten des Gebäudes und der Erinnerung an die Opfer beschäftigt sich das Museum auch mit den Anstrengungen der Helfer, den Aufräumarbeiten, dem Einfluss der Anschläge auf die Geschichte und – ganz am Ende der Ausstellung – auch mit den Tätern. Die Terrororganisation al-Qaida bekannte sich später zu dem Anschlag. Ihr Führer Osama bin Laden wurde von amerikanischen Soldaten 2011 in Pakistan getötet.
Mich hat das Memorial sehr beeindruckt, gerade die Idee, die Türme „negativ“ als Abdrücke darzustellen und durch die Spuren auf deren Abwesenheit hinzuweisen. Das Kondenswasser auf den Platten mit den Opfern erinnert mich an Tränen und besonders die Hinweise auf die ungeborenen Kinder finde ich ergreifend. Auch das Museum selbst ist wieder sehr gut gemacht und präsentiert.

Die Jugend ist wieder unterwegs zum Shopping aber uns reicht eine Kaffee-Pause und noch ein Blick auf den Yachthafen auf dieser Seite. Wir sind froh, dass wir uns für unsere Marina entschieden haben, denn hier liegen die Boote sehr unruhig, darunter auch die HUGO BOSS Yacht, die die Vendée Globe mitgesegelt ist. Im Hintergrund die Hochhäuser des World Finance Centers.

Sonntag, 15. Juli 2018

Tag 377 - New York: Tag(s) im Museum

Die Nacht war recht abwechslungsreich, denn es gab heftigen Regen. An sich kein Problem, wir machen die Luken zu und räumen die Schuhe weg. Aber leider ist unser 34 Jahre altes Teakdeck nicht mehr richtig dicht. Wenn es warm ist, schrumpft das Holz und wenn es dann regnet, kommt an den verschiedensten Stellen Wasser ins Schiff – z.B. genau in mein Gesicht, wie bei der chinesischen Wasserfolter… Morgens ist das Cockpit noch so nass, dass wir – zum ersten Mal seit Monaten – unten im Schiff frühstücken.

Wir haben einen New York Pass mit Eintritt für verschiedene Sehenswürdigkeiten gekauft, darunter auch das Museum of Natural History. Ich erwähne, dass mich das nicht so besonders interessiert, nicht weil ich Naturgeschichte nicht mag, sondern weil ich nicht nach New York fahren muss, um mir Dino-Skelette anzusehen. Da kann ich auch nach Frankfurt ins Senckenberg Museum gehen… Sofort ertönt zweistimmiger Protest: „Aber da spielt doch der Film „Nachts im Museum“ und wir wollen wenigstens in die Eingangshalle und das Dinosaurierskelett sehen!“ Also machen wir uns auf den Weg.
Die Metro bringt uns direkt zum Museum und wir kommen dank unseres Passes schnell herein. Wir trennen uns erst einmal und Ralf und ich besuchen die Sonderausstellung über die Sinne. Zu den Themen Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Tasten sind verschiedene Räume gestalten – nur Schmecken ist nicht dabei. Dafür gibt es Einiges zum Thema, wie wir unsere Sinne mit Geräten erweitern können.
Wieder eine sehr interessante und gut gemachte Ausstellung. Es wird thematisiert, dass wir nur einen Teil der Welt wahrnehmen, weil unsere Sinne technisch beschränkt sind. So können wir z.B. kein Infrarot sehen (wie Schlangen) und auch kein Ultraviolett (wie Bienen und Schmetterlinge). Wir sind nicht in der Lage, Magnetfelder oder elektrische Felder wahrzunehmen (wie einige Fische und das Schnabeltier). Das was aufgenommen wird, wird dann im Gehirn noch massiv gefiltert, so dass nur ein ganz kleiner Teil Aufmerksamkeit bekommt… und dieses wenige wird dann noch bearbeitet und ergänzt (z.B. bei optischen Täuschungen) und interpretiert (z.B. kulturell). Hier die gleiche Wand mit verschiedenen Filtern.
Wir schaffen es gar nicht, die ganze Sonder-Ausstellung anzuschauen, denn wir haben terminierte Karten für die Vorführung „Dark Universe“. Diese führt uns in die Tiefen des Weltalles – wunderbar dreidimensional dargestellt in der großen Kuppel des Planetariums. Im Kern geht es um die Theorie, dass das Universum zu ca. 4/5 aus Dunkler Materie und Dunkler Energie besteht, da die astronomischen Beobachtungen durch die sichtbare Materie allein nicht erklärbar ist. Das Ganze ist optisch sehr, sehr eindrucksvoll aber vom Informationsgehalt her eher oberflächlich.
Das Museum ist so groß und unübersichtlich (45 Räume auf vier Ebenen in verschachtelten Gebäuden), dass wir uns noch für eine Highlight-Führung entscheiden. Die Dame macht das wirklich ganz ausgezeichnet und so, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene etwas davon haben. Wir sehen die tollen Dioramen, geschaffen um der Bevölkerung die Nationalparks näher zu bringen – sie sollte sehen, was für faszinierende und schützenswerte Tiere im Land leben. Hier sind drei Bisons ausgestopft, die anderen gemalt.
Es gibt eine Abteilung über Biodiversität, wo alle gezeigten Tiere in natürlicher Größe dargestellt sind (einschließlich eines Blauwals), Räume über die Entstehung des Menschen, Vulkane, Klima, und und und… Wir enden schließlich beim Tyrannosaurus Rex, der nicht in der Eingangshalle, sondern im 4. Stock steht.
In diesem Museum könnten man alleine viele Tage verbringen, aber uns ist kalt (Klimaanlage) und wir sind hungrig, daher gehen wir über die Straße in den Centralpark und nehmen unterwegs noch etwas aus dem Food-Truck mit. Das essen wir dann im Schatten (Ralf, Paul und ich) bzw. in der Sonne (Leonie) auf einer gemütlichen Bank. Am Parkeingang steht das berühmte „Dakota“, ein exklusives, traditionsreiches Apartmenthaus aus den 1880er Jahren. Traurige Berühmtheit erlangte das Gebäude, als John Lennon 1980 direkt vor der Tür erschossen wurde.
In New York kann man an fast jeder Ecke ein Citi-Bike ausleihen und das wollen wir jetzt probieren. Für 30 Minuten sind 3 Dollar fällig und 24 Stunden kosten 12 Dollar – einziges Problem: alle 30 Minuten muss das Fahrrad wieder in einer Station stehen. Wir versuchen es trotzdem und die Jugend will noch zum Times Square während Ralf und ich noch eine Runde auf dem „Central Park Southern Loop“ fahren, einer Einbahnstraße auf dem Pferdekutschen, Fahrrad-Rickschas, Radfahrer, Jogger und Fußgänger im Park unterwegs sind, fast jeder brav in seiner Spur.
Unsere ersten 30 Minuten sind schon fast um und daher halten wir am Parkausgang an einer Abgabe-Station an. Hier steht auch ein Denkmal von William Tecumseh Sherman, einem General aus dem Bürgerkrieg. Er ist dargestellt zusammen mit der allegorischen Figur der Siegesgöttin Victoria und aus vergoldeter Bronze. Auf Säulen oder Toren kenne ich ja solche vergoldeten Figuren, aber aus Standbild finde ich es eher ungewöhnlich.
Da gefällt es uns schon viel besser das hier eine ganze Gruppe von „Enten“, Citroen 2CV, unterwegs sind, komplett mit französischer Flagge und entsprechend gekleideten Fahrern. Wir glauben erst, dass hier der Sieg in der Fußballweltmeisterschaft gefeiert wird, aber es stellt sich heraus, dass es sich um eine Spaß-Ralley handelt. Ich werde ganz nostalgisch, denn mein ersten Auto war eine blaue Ente, die ich dann über 10 Jahre lang gefahren und sehr geliebt habe.
Mit neuen Fahrrädern fahren wir dann quer durch die Stadt zum Ufer des Hudson Rivers. Hier führt ein Fahrradweg bis zu unserer Fährstation. Wir müssen unterwegs nochmals die Räder abstellen, können sie aber nach 2 Minuten gleich weiterverwenden. Das alles geht über eine App. Eine gute Idee, nette Fahrräder und zahlreiche Haltestellen, aber 30 Minuten finden wir sehr kurz.
Wir trinken noch einen Kaffee bzw. ein Cola und dann schaffen wir es heute auf die vorletzte Fähre, wo wir auch zufällig Paul und Leonie wiedertreffen. Wieder ein schöner und intensiver Tag in New York – viel gesehen und viel erlebt.

Samstag, 14. Juli 2018

Tag 376 - New York: Chinatown, Brooklyn und Little Italy

Wir erkunden Städte gerne mit dem Rad und wir haben in Washington gute Erfahrungen mit „Bike and Roll“ gemacht. Ein Freund hat uns die Brooklyn Tour empfohlen die wollen wir heute machen. Direkt in unserer Marina fährt die Fähre bis hinüber nach Manhattan und von dort sind es nur wenige Schritte bis zu Busstation. Leider kann man in den Bussen nur mit Münzgeld bezahlen und Ralf und ich haben noch keine Metro Card… Aber Ralf kann die Busfahrerin davon überzeugen, uns trotzdem mitzunehmen. Das ist auch gut so, denn so kommen wir noch rechtzeitig zu unserer Tour. Startpunkt ist am Rand von Chinatown.
Außer und sind noch zwei Schweizer bei der Tour dabei und unser netter Tourguide hat einen lei-lei-leichten Sprachfehler. Ralf meint schon, dass die Tour deswegen doppelt so lange dauern wird, aber wie sich herausstellt geht er (der Guide) sehr selbstbewusst damit um. Wir fahren zuerst über die Manhattan Bridge, eine der drei Brücken über den East River. Wir schauen interessiert auf die Strömung, denn hier wollen wir nächste Woche auch entlang fahren.
Die Manhattan Bridge ist die jüngste der drei Hängebrücken über den East River (eröffnet 1909) und wird – auf getrennten Spuren – von der Metro, Autos, Radfahrern und Fußgängern genutzt.
Auf der anderen Seite sind wir dann in Brooklyn, einem der fünf Stadtbezirke von New York City (die anderen sind Queens, The Bronx, Staten Island und natürlich Manhattan). Bis 1898 war es eine eigene Stadt und auch heute noch hat es eine ganz eigene Atmosphäre. Wir schauen von der Washington Street auf die Manhattan Bridge – ein Bild, was für den Film „Once Upon a Time in America“ verwendet wurde.
Wir sind hier im Stadtteil DUMBO (Down Under the Manhattan Bridge Overpass), der von den großen Rampen auf die Brücken hinauf dominiert wird. Wir fahren am Ufer des East Rivers entlang – bei den schönen Wetter und heute am Samstag ist hier alles los, was nicht angebunden ist und wir müssen aufpassen, dass wir niemanden über den Haufen fahren („don’t kill the pedestrians“).
Von hier aus haben wir eine wunderbare Aussicht auf die beeindruckende Skyline von Manhattan. Es gibt ein Konzert und diverse Stände und Restaurants bieten die unterschiedlichsten Sorten von Essen und Getränken an.
Wir fahren hinauf nach „Brooklyn Heights“, dass über einem Highway liegt. Es ist ein Wohnviertel mit kleinen Parks und vielen – teilweise historischen – Backsteingebäuden. Auch hier gibt es wieder einen netten Aussichtspunkt.
Zurück geht es dann über die Brooklyn Bridge, eröffnet 1883. Anders als die der eiserne Manhattan Bridge sind hier die Brückenpfeiler aus Stein. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung 1883 war die Brooklyn Bridge die längste Hängebrücke der Welt.
Nachdem wir auch diese Brücke bewältigt haben – hier gibt es keine eigene Radspur und die Fußgänger sind (milde ausgedrückt) ziemlich undiszipliniert – fahren wir am Manhattan Ufer des East Rivers entlang und dann wieder zurück nach Chinatown.
Von diesen Anstrengungen ausgehungert gehen wir – auf Empfehlung unseres Guides – zu „Lombardi’s“, der ersten Pizzeria in Amerika (gegründet 1905). Sie liegt in „Little Italy“ gleich neben Chinatown. Auf dem Weg dahin besorgen wir noch die fehlenden Metro Karten und nehmen gleich ein Wochenticket. Die Jugend kauft noch eine SIM-Karte und ist jetzt wieder erreichbar.
Die Speisekarte im Lombardi‘s ist übersichtlich, es gibt Pizza Margerita in „small“ und „large“ und man kann jeweils Zutaten ergänzen. Hier haben wir 2x large – und Ralfs Hoffnung, davon etwas mit heimnehmen zu können, hat sich nicht erfüllt…
Dann müssen wir uns beeilen, denn um 19:45 Uhr fährt am Wochenende die letzte Fähre zu unserer Marina. Wir schaffen es „just in time“ und müssen nur wenige Minuten warten.
Die Fahrt mit der Fähre ist nur kurz, aber wunderschön, denn die Abendsonne taucht die Skyscraper von Manhattan in goldenes Licht. Daheim noch Duschen für alle und Bloggen für mich.