Freitag, 21. Juli 2017

Tag 17 - Isle of Wight: Volldampf voraus!

Heute war wieder „Touristen-Tag“. Wir haben herausgefunden, dass auf der Insel eine Dampfeisenbahn fährt und das ist für Ralf als Dampfmaschinen-Fan natürlich ein Muss. In den letzten Jahren haben wir da in England, Wales und Schottland schon einige sehr schöne Erfahrungen machen dürfen. Wir sind mit der Dartmouth Steam Railway in Greenway House (Wohnsitz von Agatha Christie) gewesen, haben den Snowdon Mountain von der Welsh Highland Railway aus bewundert, mit der Jacobite Steam Train (dem Harry Potter Zug) haben wir das Glennfinnan Viaduct überquert und als besonderes Highlight sind wir mit dem Raddampfer „Waverley“ gefahren. Die Latte hing also ziemlich hoch.

Aber wir wurden nicht enttäuscht. Die relativ kurze Strecke führt durch eine wunderbare Landschaft mit vielen alten Bäumen, Feldern und grünen Hügeln. Es half natürlich auch, dass das Wetter mitspielte und die Sonne strahlte.
Mit unserer Tageskarte konnten wir fahren, soviel wir wollten. Die Lokomotiven und Wagen sind liebevoll restauriert und auch die Stationen sind zeitgemäß wiederaufgebaut. Wir fuhren bis zur Endstation und dann zurück zur „Haven Street Station“, wo wir Lasagne mit Chips und Erbsen aßen, eine Flugshow mit Raubvögeln besuchten und ein kleines Museum besichtigten.
Dann ging es mit Dampfzug, alten Londoner U-Bahn-Wagen und Bus wieder zurück zum Schiff. Zwischendurch konnten wir in Ryde noch eine Hoovercraft bewundern.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Tag 16 - Cowes: DAS Segelzentrum!

 
Nachts stürmt es aus Südwest und morgens ist es zunächst trüb und regnerisch. Ralf holt trotzdem Brötchen und wir frühstücken in unserer Kuchenbude (Zelt über dem Cockpit). Dabei besprechen wir unsere Pläne für den Tag. Gestern wollten wir unsere Baum-Persenning (Abdeckplane) über unser neues Großsegel ziehen, um es vor UV-Licht zu schützen. Dabei stellte sich heraus, dass es viel zu steif und verstärkt ist um unter unsere alte Persenning zu passen. Wir hatten die Idee, es einfach unten und vorne am Mast mit verstellbaren Gurten zu schließen. Da wir sowieso hier wieder auf günstigen Wind warten wollen, holte Ralf vom Hafenmeister eine Liste mit verschiedenen Segelmachern, die es natürlich hier in Englands Segelzentrum reichlich gibt. Gleich der erste war bereit, die Änderung vorzunehmen und so machte sich Ralf mit einer großen Tasche auf den Weg zu ihm.

Ich blieb an Bord und „machte Büro“. Anders als im Urlaub müssen wir uns hier ja weiter um administrative Angelegenheiten kümmern und so checkte ich unsere Konten. Dabei stellte ich fest, dass die Krankenkasse doch wieder den vollen Beitrag abgebucht hatte, obwohl ich einen Antrag auf Anwartschaft (Ruhen der Versicherung) gestellt hatte. Zwei Telefonate, eine umfangreiche Excel-Liste, verschiedene Kontoauszüge und eine Mail später waren fast zwei Stunden um, aber die Sache ist jetzt hoffentlich geklärt.

Inzwischen war auch Ralf wieder da und brachte verschiedene Ideen für Ausflüge mit. Das steht dann morgen auf der Agenda. Heute fordert zunächst das Iridium-Telefon wieder unsere gemeinsame Aufmerksamkeit. Ralf ist für die Hardware zuständig, d.h. Anschluss an die externe Antenne, Montage von Telefon und Axcesspoint im Schiff und Versorgung von beiden Geräten mit Strom. Gar nicht so einfach, denn wir haben nur für das Telefon einen 12V Ladekabel, aber nicht für den Axcesspoint . Erfahrungsgemäß sind die Geräte ja immer dann leer, wenn man sie wirklich braucht, also ist das mitgelieferte Ladekabel für 230V keine wirkliche Lösung, wenn wir länger unterwegs sind – First World Problems…
Ich amüsiere mich damit, Nummern in das Telefonbuch des Geräts einzugeben. Am wichtigsten: Die Seenotleitung in Bremen… aber natürlich auch die Nummern und Mailadressen der Familie. Das Telefon sieht so aus, wie ein klobiger großer Bruder eines alten Nokia-Handy und entsprechen funktioniert auch die Eingabe: z.B. für C 3x auf die 2 drücken etc. Also braucht es seine Zeit bis das geschafft ist.

Dann wollen wir auch noch eine kleine Erkundungstour durch den Ort machen und eventuell eine Tasse Kaffee trinken. Aus den letzten Jahren wissen wir, dass es um 16:30 Uhr (unsere übliche Kaffeezeit) in UK diesbezüglich nix mehr gibt, also machen wir uns schon um 15:00 Uhr auf den Weg. In East Cowes ist die Auswahl nicht besonders groß und daher geht es mit der Fähre über den Medina nach Cowes. Dort ist alles auf Segler ausgerichtet. Es gibt jede Menge Geschäfte, die Segelbekleidung, Segelfotos (z.B. vom berühmten Beken of Cowes), Segelausrüstung, Segeldekoration, Segelantiquitäten, Segelschmuck (Anker, Boote, Steuerräder) etc. verkaufen. 
Wir essen leckeren Kuchen und laufen dann noch etwas durch den Ort und am Kai entlang. 

Dienstag, 18. Juli 2017

Tag 15 - Englischer Kanal-Cowes: Traumsegeln

Wir sind immer noch auf dem Weg nach Cowes an der englischen Küste entlang. Schnell ist die Nacht vorbei und hinter uns geht die Sonne auf. Wir mussten nicht ein einziges Mal die Segelstellung verändern. 
Es wird ein wunderbarer Tag, sonnig, aber nicht zu warm und weiter Wind von hinten. Also gibt es Frühstück im Cockpit, mittags Pellkartoffeln mit Quark, nachmittags Kaffee und Kekse. Zwischendurch holen wir ein paar Stunden Schlaf nach.
Trotz den guten Wetters treffen wir zunächst nur wenig andere Boote. Wir kommen an einem Windpark vorbei und dort gibt es ein paar Fischer und Versorger. Die Sache ändert sich jedoch, als wir uns der Isle of Wight nähern. Hier ist das Segelzentrum Großbritanniens und hier liegen die Häfen von Portsmouth und Southampton, so dass wir jetzt aufmerksam fahren und einige Male Seglern, Frachtern, Fähren etc. ausweichen müssen.
Schließlich erreichen wir das Small-Craft-Fahrwasser nach Cowes, dass nur mit ausreichend Wasserstand befahren werden kann und daher einen Pegel hat. Glücklicherweise haben wir > 3m Wassertiefe und so können wir direkt einlaufen und finden einen Platz in der East Cowes Marina. 
Abends beginnt es wie angesagt zu regnen und wir sind sehr froh, dass wir es bei so optimalen Bedingungen hierher geschafft haben. Wir hatten 173 sm Rückenwind und haben die Strecke in etwas mehr als 30 Stunden zurückgelegt. Sir Henry (unsere Windselbststeueranlage) hat sich hervorragend bewährt und wir sind sehr zufrieden.

Montag, 17. Juli 2017

Tag 14 - Oostende-Englischer Kanal: Langer Schlag nach England

Wie angesagt gibt es Wind aus östlicher Richtung und so setzen wir uns nach dem Frühstück zusammen, um die Überfahrt nach England zu planen. Wir brauchen insgesamt drei Seekartensätze und eine Übersichtskarte, um uns einen sinnvollen Weg durch die Sände vor der belgischen und französischen Küste zu suchen, dann die großen Schifffahrtsrouten durch den Kanal im vorgeschriebenen rechten Winkel zu überqueren und an der englischen Küste entlang bis in den Solent (das ist die Wasserstraße zwischen der Isle of Wight und dem Festland) zu navigieren. Bis das alles im Plotter (Navigationsgerät) eingegeben ist, ist es auch schon Zeit zum Auslaufen, heute tidengünstig um 12:00 Uhr.

Diesmal brauchen wir kein Ölzeug, sondern Sonnencreme und die Triton läuft gut bei wenig Welle und Wind von schräg hinten. Wir probieren unsere neue Windselbststeueranlage von Hydrovane aus, die ihre Sache prima macht und gleich von uns „Sir Henry“ getauft wird.
Zwischenzeitlich können wir sogar für mehrere Stunden den Blister (leichtes Vorsegel für Wind von schräg hinten) setzen. Später laufen wir dann mit Groß und ausgebaumter Fock (Vorsegel mit Hilfe einer Stange auf der Seite aufspannen, auf der das Großsegel nicht ist, um die Windangriffsfläche zu optimieren und ein Schlagen des Segels zu verhindern). Außerdem wird das Groß mit einem Bullenstander gesichert (Leine, die vorne befestigt wird, damit der Baum nicht auf die andere Seite fliegen kann).
Die Schiffsbewegungen sind ruhig und daher ist das Bordleben sehr angenehm. Insbesondere die Verpflegung (ein wichtiges Thema an Bord) ist gut und regelmäßig. Wir versuchen, Hildegard anzurufen, die heute Geburtstag hat und bei der es bestimmt auch viele Leckereien gibt.

Für die Überquerung der Schifffahrstrouten müssen wir dann anluven (zum Wind hinfahren), günstig, denn wir sind schnell und können gut manövrieren. Das ist aber gar nicht notwendig, denn wir passieren alle Schiffe in sicherem Abstand.
Auf der anderen Seite angekommen, geht es dann wieder vor den Wind, das bedeutet ausbaumen. Dann geht es weiter in die Nacht. Es wird nur wenige Stunden ganz dunkel, Sir Henry steuert, wir schlafen abwechseln und die Triton läuft und läuft.

Sonntag, 16. Juli 2017

Tag 13 - Oostende: Schulschiff Mercator

Nach den touristischen Exzessen gestern war heute erst einmal Arbeiten auf dem Schiff angesagt. Ralf montierte den Inverter (ein Gerät, dass aus Batteriestrom mit 12 V Gleichstrom 230 V Wechselstrom macht) – wichtig, wenn wir Geräte verwenden wollen, die kein 12 V Netzteil haben wie z.B. den Drucker oder die Ladegeräte von Ralfs Akku-Maschinen. Ich sortiere die niederländischen Seekarten aus, klebe die Hafenrechnungen ins Logbuch und klare das Vorschiff auf, in das wir beim Segeln alles geworfen hatten, was im Weg war oder bei der Schaukelei irgendwo herausgefallen ist…
Dann nutzen wir die Gelegenheit zum Großeinkauf, denn der (auch sonntags geöffnete) Supermarkt ist direkt am Hafen. Bei dieser Gelegenheit probieren wir gleich unsere Klappkarre aus, die sich sofort für Getränke und eine große Einkaufstasche bewährt.
Nach Mittagsessen und Mittagsruhe gehen wir dann die „Mercator“ besichtigen, ein Segelschulschiff, dass hier im (nach ihr benannten) Hafen als Museumsschiff liegt. Sie ist gerade frisch renoviert und es gibt einen sehr gut gemachten Rundgang und viele Bilder aus der aktiven Zeit und von der Renovierung. Ralf spricht einen Offiziellen, der eigentlich zuschließen will, auf den Dieselmotor an und zeigt sich so interessiert, dass wir noch eine Sonderführung durch den Motorraum bekommen.
Wir laufen noch ein Stück durch die Fußgängerzone, aber es ist so überfüllt, dass wir lieber in Ruhe an Bord Kaffeetrinken und Pläne für den nächsten Schlag machen. Wir wollen den angesagten Ostwind nutzen, um so weit wie möglich die englische Küste herunterzufahren.