Donnerstag, 23. Mai 2019

Tag 16 - Newport: Endspurt!

Wir sind nun in dem Stadium, in dem alles Nötige gemacht ist und wir beginnen damit, nicht unbedingt erforderliche aber angenehme Angelegenheiten zu erledigen. Das zu zunächst das Update für das Steuergerät unseres Autopiloten. Es arbeitet in einem Netzwerk (NMEA 2000), aber leider kann er nicht über dieses aktualisiert werden. Statt dessen ist es erforderlich, das ganze Teil auszubauen, um an eine versiegelte Öffnung an der Rückseite zu gelangen, in die dann ein USB-Stick gesteckt werden kann. Blöde! Dazu kommt, dass der Apparat keine Knopf zum Ausstellen hat, also ständig Strom verbraucht. Das erschwert auch den zum Update erforderlichen Neustart. Wir schalten schließlich die Sicherung aus. Immerhin: es geht und jetzt ist hoffentlich die nervende Meldung weg, dass ein Update aussteht...
Nachdem das geschafft ist, begeben wir uns an Land, um die aufgelaufene Wäsche zu waschen. Anders als daheim kann dass nicht eben mal nebenbei gemacht werden, sondert dauert mindestens einen halben Tag. Glücklicherweise wissen wir schon, wo die Arbeit erledigt werden kann: im bewährten Seamen's Church Institute!
Zwei Waschmaschinen sind frei, wir bekommen die erforderlichen Vierteldollar-Münzen vor Ort und die Profi-Maschinen laufen nur 25 Minuten - die Wartezeit nutzen wir, um dort gemütlich Zeitung zu lesen.
Leider ist der nächste Schritt, die Wäsche zu trocknen trocknen, nicht ganz so komfortabel, denn von zwei Trocknern ist einer defekt. Außerdem dauert ein Trockenvorgang eine Stunde und wir entscheiden uns, die Wäsche in drei Portionen zu bearbeiten, damit sie auch sicher trocken wird. Heute ist es so feucht und kalt, dass wir an Bord keine Chance haben, den Kram trocken zu bekommen. Das bedeutet also, drei Stunden Wartezeit und wir besuchen in der ersten Runde das nahegelegene kleine "Museum of Newport History". Nett gemacht, aber eher übersichtlich...
Die zweite Stunde nutzen wir für die Mittagspause. Wir haben - wieder per Google Maps - nach einer Bäckerei in der Nähe gesucht, in der wir unsere Brotvorräte nochmal auffrischen können und sind auf Panera Bread gestoßen, eine Restaurantkette, die auch selbst gebackenes Brot verkauft. Teuer, aber lecker.
In der letzten Stunde falten wir die ersten zwei Maschinen und schauen uns noch etwas in der Bibliothek des Instituts um.
Auch hier waren - wie so oft in USA - wieder betuchte Spender am Werk, die dann auf entsprechenden Platten oder Bildern verewigt sind. Erst am Nachmittag sind wir wieder zurück an Bord, wo wir nun die Wäsche und zusätzliches Wasser und Diesel verstauen müssen. Außerdem werden wir heute noch Essen für die erste Woche auf See vorkochen. Nun warte ich nur noch auf den genauen Plan, damit ich die Navigation erledigen kann.

Mittwoch, 22. Mai 2019

Tag 15 - Newport: Mast-Jojo und Auftanken

Wir sind ganz froh, über die beiden "geschenkten" Tage, denn so können wir in aller Ruhe die letzten technischen Probleme angehen. Aber zunächst steht das sinnvolle Verpacken unseren Serien-Schleppankers auf dem Programm. Dieser soll bei schwerem Seegang ausgebracht werden, um das Boot abzubremsen und auf einem stabilen Kurs zu halten. Viele kleine Tüten (in unserem Fall 135) sind an einem langen Tau befestigt. Nach einigem Überlegen finden wir heraus, wie diese in der mitgelieferten Verpackung befestigt werden müssen. Wir probieren auch aus, die ganze Konstruktion an den neu montierten Laschen am Heck zu befestigen. Das sollten wir im Ernstfall tun, bevor der große Sturm da ist. Insgesamt hoffe ich aber, das ich dieses Teil, unsere Sturmfock und unsere Grab-Bag nie wiedersehe...

Nachdem das erledigt und verstaut ist, kümmern wir uns um das letzte Gerät, dass nicht so funktioniert, wie es soll: die Windanzeige (Richtung und Stärke). Oben im Mast ist ein "Arm" befestigt, an dem sich verschiedene Propeller drehen, die diese Informationen dann über ein Kabel an ein Anzeigeinstrument im Cockpit weitergeben sollen. Aber das funktioniert nicht. Schon beim Auswintern des Mastes war uns aufgefallen, dass der Stecker nicht wirklich gut aussah... Also klettert Ralf in den Mast um den Arm abzumontieren. Das sind ca. 16 m über dem Deck. Gut das wir Maststufen haben... Ich sichere von unten über das Großfall.
Der Stecker sieht noch schlechter aus, als wir es in Erinnerung hatten. Also wird er entfernt und wir probieren aus, was passiert, wenn wir den Arm direkt an das Anzeigegerät anschließen. Die Verteilung dazu ist im Bad.
Ralf pustet und ich checke im Cockpit - tatsächlich, es funktioniert! Damit ist die Sache aber noch nicht zu Ende, denn nun muss ja alles wieder auf den Mast und das mit einer neuen Verbindung, denn der Stecker ist ja kaputt... Es werden Lüsterklemmen, die Ralf dann in luftiger Höhe wieder montieren darf. Und er geht auch noch ein drittes Mal in den Mast, weil wir die Kabelbinder vergessen hatten. Wirklich mein Held - nicht nur für heute (und er wird richtig sauer sein, weil ich das hier schreibe).

Der nächste Programmpunkt ist dann Auftanken und wir verholen an Land um Wasser, Diesel und Benzin für den Außenborder aufzufüllen. Puh, so langsam nähern wir uns tatsächlich dem Ende der To-Do-Liste.
Zwischendurch telefoniere ich noch mit meiner Mutter (WhatsApp sei dank), maile mit Pantaenius (unserer Bootsversicherung) über unser Fahrtgebiet, fülle einen Fragebogen der IKH aus und recherchiere, wie ich per Iridium-Telefon SMS an Mailadressen verschicken kann. Nachdem wir letztes Jahr schmerzlich herausgefunden haben, dass auch Anwahlversuche über unseren Access-Point dazu führen, dass unsere Satelliten-Minuten verbraucht werden, wollen wir diesmal kein Risiko eingehen und die Kommunikation mit unserem Wetterberater direkt über das Telefon per SMS führen.
Auch dieser Test funktioniert einwandfrei - sehr gut! Sobald ich den Travelplan habe, werde ich dann die entsprechenden Wegepunkte in unseren Plotter eingeben. Neben ein paar Kleinigkeiten wollen wir dann morgen noch für die erste Woche vorkochen - das hat sich bei unseren letzen längeren Seereisen sehr bewährt. Nach 14 Tagen Arbeit am Boot werden Vier-Stunden-Wechselschicht auf See bestimmt eine nette Abwechslung!

Dienstag, 21. Mai 2019

Tag 14 - Newport: Ausrüstung und Pläne

Unser Wetterberater hat die Abfahrt auf Freitag verschoben, denn im Moment haben wir starken Nordwind, der genau gegen den Golfstrom weht. Keine gute Kombination, die zu unangenehmen, steilen Wellen führen kann. Wir fahren also ganz entspannt an Land, um weitere Punkte auf unseren Listen abzuarbeiten. Diesmal geht es zu West Marine, ein Paradies für Segler, was die Ausrüstung betrifft und das auch noch mit "Best-Price"-Garantie...
Wir hatten vorher im Internet gecheckt und bedauerlicherweise festgestellt, dass unser defekter Hörer für das Funkgerät nicht mehr lieferbar ist. Aber was sehe ich als erstes, als ich in den Laden komme: das gesuchte Teil in der Ausstellung! Er ist tatsächlich ausgelistet, aber wir können das Ausstellungsstück zum Sonderpreis bekommen und das auch noch mit erweiterter Garantie (weltweit)! Ha - das fängt ja schon gut an! Es ist auch noch "Splash-Sale", so dass ich günstig eine leichte Ölhose und ein paar Gummistiefel bekomme - das haben wir ja auf der letzten Tour seit England nicht mehr benötigt. Wir erstehen noch ein paar Schäkel und ein Gewicht für unseren Seeanker. Ein Uber-Taxi bringt uns zurück zu unserer Marina, wo wir die schweren Taschen (Anker!) abstellen.
Ich brauche noch ein Ersatz-Ladekabel für mein Smartphone, auf dem ja auch die Backup-Navigation läuft und - Google-Maps sein dank - wir finden einen kleinen Laden nur 200 m entfernt, der tatsächlich das richtige Modell hat. Ralf sucht noch einen Pulli mit langen Ärmeln und wir laufen ein Stück durch das nette Städtchen. Im Gegensatz zu letzten Jahr, wo wir fast totgetreten wurden, sind die Menschen in angenehmen Mengen unterwegs.
So haben wir eine gute Zeit, gehen nach dem Shoppen eine Kleinigkeit Essen und genießen dann noch ein Eis und einen Kaffee am Ufer. Letzter Punkt an Land ist dann noch eine Dusche, die wir im Maritime Center nehmen wollen. Große Enttäuschung: der Laden ist noch geschlossen bis zum Memorial-Day-Weekend (die offizielle Saison-Eröffnung).
Wir fragen uns durch und landen schließlich beim "Seamen's Church Institute" Die Mission ist: "to protect, preserve and enhance the maritime culture of Newport and Narragansett Bay by providing education, hospitality and safe haven for those who work, live and play on or by the sea.” Glücklicherweise gehören dazu auch Duschen, die allerdings nur von 7-9 Uhr morgens benutzt werden dürfen. Wir gucken aber so kläglich, dass sie für uns eine Ausnahme machen... Frisch gewaschen geht es dann zurück zum Boot. An allen Ecken wir geputzt und gestrichen - sicherlich Vorbereitungen auf die Saisoneröffnung.
Wir probieren noch den neuen Funkgeräte-Hörer und das neue Kabel aus (funktionieren beide), schnallen die Obstkisten im Vorschiff fest und ich beginne, mich in das Thema Azoren einzulesen: welche Einreisebestimmungen sind zu beachten, welche Häfen gibt es, welche Inseln wollen wir anlaufen? - Morgen müssen wir uns noch um den See-Anker kümmern und - wenn der Wind nicht zu stark ist - will Ralf in den Mast um nach der Windanzeige zu schauen und den Schäkel für die Fock gegen einen stärkeren auszutauschen. 

Montag, 20. Mai 2019

Tag 13 - Newport: Äpfel und Impeller

Nach dem Faulenzen gestern geht es heute gleich weiter mit der Arbeit, denn unser Wetterfrosch Chris Parker meint, wir sollten Mittwoch losfahren. Also begebe ich mich ins "Boatoffice" und kämpfe mit Finanzamt, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft und diversen Versicherungen während Ralf in die Tiefen des Motors steigt und den Impeller der Wasserpumpe wechselt.
Das alte Modell hat seit Holland 411 Motor-Stunden sehr gut durchgehalten. Das liegt sicher auch an der speziellen Abdeckung von "Speedseal", die verhindert, dass der Impeller direkt an der Platte reibt.
Am Nachmittag lassen wir uns dann vom Shuttle-Service an Land bringen, denn es steht noch eine letzte Einkaufsrunde mit frischem Sachen wie Wurst, Käse, Milch, Butter, Obst und Gemüse auf dem Programm.
Nach einigem Suchen finden wir sogar Aufback-Brot und eine Art H-Milch. Lebensmittel sind hier wesentlich teurer als in Deutschland und wir kaufen zwar etwas Käse und Wurst in der Delikatessen-Abteilung, schrecken aber doch vor Schafskäse für 10 Dollar zurück...
Das Wichtigste sind natürlich die Äpfel - wir haben 60 Stück gekauft, die dann streng rationiert werden (Ralf bekommt 2 am Tag, ich jeweils einen). Ralf wäscht die Beute liebevoll:
Im Supermarkt haben wir uns einige Obstkisten erbettelt und nun werden Äpfel, Mandarinen und Kartoffeln einzeln in Küchenpapier verpackt und flach gelagert. Damit haben wir auf unserem ersten Atlantik-Trip die besten Erfahrungen gemacht. Nun morgen noch die letzen Vorbereitungen und dann kann es hoffentlich losgehen. Mittlerweile hat die Störung südlich von Bermuda zwar einen Namen bekommen (Andrea), aber die Zugrichtung ist für uns erst einmal nicht bedrohlich.

Sonntag, 19. Mai 2019

Tag 12 - Cuttyhunk-Newport: Testfahrt und Hummertopf-Slalom

Im Wetterbericht werden für den Nachmittag starke Böen angekündigt und deswegen machen wir uns zeitig auf den Weg nach Newport. Auch jetzt weht der Wind schon kräftig und wir haben Gelegenheit, unsere Segel mit den verschiedensten Reff-Einstellungen zu testen. Es wird also nicht langweilig... Wir aktivieren auch unsere bewährte Selbststeueranlage "Sir Henry", die zeigt, dass sie ihre Fähigkeiten über die Winterpause nicht verlernt hat.
Wir müssen aufmerksam Ausschau halten, denn hier liegen mal wieder jede Menge Hummertöpfe, in denen wir nicht hängenbleiben wollen. Einmal reicht uns... Insgesamt sind wir sehr zufrieden. alle notwendigen Systeme arbeiten gut. So erreichen wir nach rund 20 abwechslungsreichen Meilen die Ansteuerung nach Newport und hier wird es unangenehm, denn es steht Wind gegen Strom - hohe Wellen und keine Fahrt im Schiff ist keine gute Kombination, so dass wir die Maschine anwerfen.
Als wir letztes Jahr in Newport waren, war hier Hochsaison und wir hatten Mühe, eine Mooring zu finden. Aber jetzt ist das kein Problem und wir bekommen einen guten Platz. Netterweise gibt es sogar einen Shuttleservice von unserer Mooring an Land - gut, denn wir haben keine Lust, extra das Beiboot aufzupumpen. Unser Permit endet am Dienstag, aber wir wollen nach einer Verlängerung fragen, weil es eine "Disturbance" in der Nähe von Bermuda gibt, die sich zu einem tropischen oder subtropischen Sturm entwickeln könnte, der nach Norden oder Nordosten zieht. Und da wollen wir natürlich nicht gerade hineinsegeln.
Heute verzichten wir aber auf den Shuttleservice und beschließen nach dem späten Mittagessen uns mal einen halben Tag freizunehmen und keine Aufgabenlisten abzuarbeiten... Seitdem wir angekommen hatten wir jeden Tag ein straffes Programm und da tut uns eine Pause sehr gut. Wir schlafen, essen, lesen und erfreuen uns an dem regen Hafenleben, denn auch die 12er sind wieder unterwegs und wir erinnern uns sehr gerne an den schönen Ausflug letztes Jahr.