Mittwoch, 20. September 2017

Tag 79 - Porto Santo: Viele Begegnungen

Mit einem Hund oder einem kleinen Kind ist es leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wie sich herausstellt, ist eine gute Methode auch, die Hafenmauer in Porto Santo zu bemalen. Mehrfach werden gefragt, ob wir mit dem Bild fotografiert werden dürfen. Ich unterhalte mich mit einem Fotografen über seine Kamera und er erzählt, dass er als Freelancer Bilder für ein norwegisches Segelmagazin macht. Jetzt wo „Germany“ da steht, sprechen uns auch einige Deutsche an, unter anderem ein junges Paar, die hier zwei Wochen Urlaub machen und heute mit dem Mountainbike unterwegs sind. Während Ralf noch die letzten Feinheiten an der Triton malt, sehe ich, wie die KISU in den Hafen einläuft.
Markus und Gaby von der KISU sind auch mit Cornellsailing und der Odyssee unterwegs und wir haben schon seit Monaten Kontakt per Mail und lesen regelmäßig die jeweiligen Blogs (siehe Blogliste). Wir haben zwar oft die gleichen Häfen angelaufen aber irgendwie nie zur gleichen Zeit. Und heute haben wir es endlich geschafft. Obwohl wir uns vorher noch nie gesehen haben, war es, als ob wir alte Freude wiedertreffen. Sie hatten eine gute Überfahrt von Lissabon und waren so fit, dass sie uns noch zu sich ins Cockpit eingeladen haben – sehr nett!

Trotz dieser vielen schönen Ablenkungen hat Ralf das Triton-Bild fertigstellen können und jetzt hat es auch einen Platz auf der Hafenmauer hier.
Der Tag hatte – für portugiesische Verhältnisse – schon sehr früh begonnen, denn wir wollten die ersten an der kostenlosen Waschmaschine sein und ich hatte einen Gesprächstermin mit zuhause ausgemacht. Glücklicherweise konnten wir da alles klären und auf diesem Wege nochmal ein dickes DANKE an Tina und Paul, die vor Ort die Stellung halten!

Später lernen wir dann noch Celeborn und Galadriel Ralf und Kerstin von der LOTHLORIEN kennen, die mit der ARC unterwegs sind. Während wir im Café sitzen, fängt es sehr stark an zu regnen - zum ersten Mal seit Wochen. Unnötig zu erwähnen, dass natürlich Wäsche (s.o.) draußen hängt, Luken offen stehen und auch Schuhe und ein Buch ihren Teil abbekommen… Aber das ist ja nur Süßwasser und wir werden entschädigt durch einen wunderbaren Regenbogen über dem Hafen.
Nachher wollen wir noch mit Allan und Annette von der NALA DANICA und den KISUs einen Trinken gehen – da gibt es bestimmt wieder viel zu erzählen. Irgendwie sind die ganzen Fahrtensegler wie eine große Familie. 

Dienstag, 19. September 2017

Tag 78 - Porto Santo: Busman's Holiday*

Heute konnten Ralf und ich unsere berufliche Erfahrung gut gebrauchen. Ich habe den Tag weitgehend am PC verbracht. Ganz verschiedene Fragen von daheim erforderten Aufmerksamkeit und so habe ich Briefe geschrieben, recherchiert und über Excel-Listen und Kontierungen gebrütet. Zwischendurch war dann auch wieder unser Logo dran. Ralf hat sich über 20 Jahre lang beruflich mit Lichtwerbeanlagen und Beschriftungen beschäftigt und daher wird auch das Thema „Bild für die Hafenmauer“ professionell angegangen, soweit das mit Bordmitteln möglich ist.

Zuerst habe ich einen farbigen Entwurf in Word erstellt, dann eine Linienzeichung und das ganze 1:1 auf A4 Blätter gedruckt, die passend zusammengeklebt wurden.
Auf der Mauer hat Ralf gestern eine geeignete Stelle mit einer Drahtbürste gereinigt und zunächst weiß grundiert. Der nächste Farbauftrag heute Morgen war Hellblau für die Innenfläche…
… und am Mittag Triton-Blau für den Außenrand. Nachdem der Hintergrund vorbereitet war, ging es an die Schablonen für die Schrift. Jetzt fehlt nur noch in der Mitte das Boot.
Heute war es relativ windstill und wir hatten hier im Hafen wunderschönes Abendlicht und auch über der Bucht lag eine ganz besonderer Stimmung.
*Busman's Holiday:
Ein Urlaubstag, an dem man wie sonst arbeitet und Titel eines Buches von Dorothy L. Sayers

Montag, 18. September 2017

Tag 77 - Porto Santo: Boat-Office

Porto Santo ist berühmt für seinen 9 km langen goldenen Sandstrand (im Gegensatz zu Madeira, wo es so etwas nicht gibt) und dieser Strand beginnt direkt neben unserem Hafen. Daher führte unser erster Weg heute Morgen direkt dorthin und wir schwammen eine Runde im kühlen und kristallklaren Wasser bevor es dann eine Dusche und Frühstück gab.
Die Zeit hier an Bord vergeht unglaublich schnell. Auf der einen Seite gibt es die vielen neuen Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen. Es ist schon ein großes Privileg, in meinem Alter noch so viele neue Orte und Menschen kennenzulernen und Erfahrungen zum 1. Mal zu machen (z.B. Quad fahren oder 500 sm am Stück segeln). Auf der anderen Seite stehen die vielen netten Kontakte mit Familie und Freunden daheim. Danke, dass ihr euch so regelmäßig meldet und mich auf dem Laufenden haltet! Heute ist es ein bisschen nervig, denn mein Aldi-Internet funktioniert nur sehr langsam. Schnelles, zuverlässiges Internet ist das, was ich – außer den Menschen natürlich – hier an Bord am meisten vermisse!

Mir hilft das Blogschreiben immer dabei, die Ereignisse nochmals zu sortieren und zu reflektieren und gestern bin ich nicht mehr dazu gekommen. Daher stand heute ein „Boat-Office-Tag“ auf dem Programm: Fotos und Blog auf den neusten Stand bringen, Mails beantworten, Organisation von praktischen Fragen daheim. Außerdem brauchen wir noch einen Entwurf für das Triton-Logo an der Hafenmauer hier. Wir haben schon einen Platz ausgesucht und Ralf hat ihn gereinigt und grundiert.

Es ist ein großes Vergnügen, die Mauer entlangzulaufen, die vielen Schiffsnamen zu lesen und die verschiedenen Designs zu bewundern. Aus einer ganz anderen Ecke des Internets kenne ich Andrea (und Andreas) von der AKKA (siehe Blogliste), die vor 10 Jahren mit ihrer Hallberg Rassy 42 (sozusagen die große Schwester von der Triton) hier waren und die mittlerweile die Weltumseglung erfolgreich beendet haben. Sie hatten mich gebeten, nachzusehen, ob ihr Logo noch da ist und wir haben es gefunden:
Während ich am PC gesessen habe, hat Ralf verschiedene Kleinigkeiten repariert und ist nochmals in den Ort zum Friseur gelaufen (ausgewählt auf persönliche Empfehlung der netten Damen vom Zoll). Jetzt habe ich also einen frisch geschorenen Skipper: eine Augenweide! So wie der schöne Sonnenuntergang über unserem Strand.

Sonntag, 17. September 2017

Tag 76 - Porto Santo: Sound of the Vikings

Noch sind unsere 48 Stunden mit dem Quad nicht vorbei und so steht noch ein kleiner Ausflug an. Mittlerweile trauen wir uns auch an die unbefestigten Schotterpisten und so fahren wir zu einem Aussichtspunkt am Westende der Insel.
Dann geht es weiter zu einer kleinen Bucht – schon auf der Straße dorthin komme ich mir vor, wie in einem Computer-Rallye-Spiel: Steigungen, Spurrillen, Wäldchen, kleine Brücke – aber mit Ralf am Steuer kein Problem. Das letzte Stück müssen wir laufen und der Weg führt steil an eindrucksvollen Gesteinsformationen vorbei bis zum türkisgrünen Wasser. Wie an vielen Stellen der Insel gibt es wieder einen schön gestalteten und stabilen Holzzaun.
In den nächsten Monaten werden wir nur noch auf Inseln unterwegs sein, viele davon – wie Porto Santo – sind vulkanischen Ursprungs. Ich bin durch meine rheumatischen Gelenke schlecht zu Fuß auf unebenem Gelände und als Flachländer fühle ich mich hier schon wie eine Bergziege, aber der Weg hat sich gelohnt.
Wir liefern unser Quad wieder beim Verleiher ab. Aus unserer Sicht das optimale Fahrzeug, um die Insel zu erkunden, da wir so viele interessante Punkte sehr gut erreichen konnten. Der chinesische Haushaltswarenladen unseres Vertrauens hat sonntags geöffnet und wir kaufen noch neue Gläser und einen neuen Topfdeckel (der alte hatte die Überfahrt nicht überlebt) und essen dann noch keine Kleinigkeit. Nach einem Blick auf die Uhr stellen wir fest, dass es schon viel später ist als gedacht und wir sind abends bei unseren dänischen Freuden von der NALA DANICA eingeladen. Daher fahren wir mit dem Taxi zurück in die Marina und bereiten noch griechischen Salat und Obstsalat für das gemeinsame Abendessen vor.

Auf der NALA DANICA erwarten uns aber nicht nur kulinarische, sondern auch musikalische Genüsse. Ulla und Klaus von der FUGA (nomen est omen) haben ihre Violinen mitgebracht und Allan hat eine Gitarre dabei. Die drei haben spontan die Gruppe „Sound of the Vikings“ gegründet und spielen für uns ein abwechslungsreiches Programm von skandinavischer Volksmusik bis zu amerikanischen Singer-Songwriter Stücken. Das Publikum ist begeistert und fordert eine Zugabe!

Danach wenden wir uns dann doch dem Essen und den Getränken zu. Es gibt verschiedene köstliche Tapas, Oktopus, Chili con Carne und unsere Salate. Dazu Wein, Softdrinks und Mojitos – der Abend wird lang und wunderschön und wir Segler haben uns viel zu erzählen. Hoffentlich treffen wir alle auf Madeira, den Kanaren oder auch in der Karibik wieder!
Wieder stelle ich fest, dass die neuen Länder und Landschaften zwar viele neue und anregende Eindrücke liefern, aber das eigentlich Kostbare die Begegnung mit den Menschen ist.

Samstag, 16. September 2017

Tag 75 - Porto Santo: Inselrundfahrt

Heute ist so ein Tag, an dem ich mich immer mal wieder zwicken muss, um sicherzustellen, dass ich das nicht nur träume, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass es hier so schön sein könnte. Wir haben ja immer noch unser Quad und unser netter Reiseführer (Eyewitness Travel: Top 10 Madeira) schlägt eine Rundreise zu den verschiedenen Attraktionen der Insel vor. Von unserem ersten Aussichtspunkt haben wir gleich einen wunderbaren Blick über den Hafen.

Wir fahren weiter zu den eindrucksvollen Felsen von Serra de Fora…
…und zu verschiedenen Aussichtspunkt, einer schöner als der andere! Das Meer ist dunkelblau, königsblau, türkisblau, der Himmel hellblau, Brandung und Wolken weiß, die Sonne scheint, aber durch kühlen Wind ist es nicht heiß – perfekt!
Aber auch im Paradies gibt es bekanntlich gefährliche Früchte. In meinen Fall ist gar keine Schlange nötig, ganz normale Neugier reicht auch aus. Wir haben noch nie wilde Kakteen gesehen und ich hebe eine Kaktusfeige auf und untersuche und probiere sie… Lecker, aber – Überraschung – Kakteen haben Stacheln und ihre Früchte auch. Sie sind haardünn und mit netten kleinen Wiederhaken versehen, die dann überall in meinen Fingern stecken und mich noch eine Weile an dieses Erlebnis erinnern.
Quad fahren will gelernt sein, aber macht richtig Laune. Ralf hat das breiteste aller breitesten Grinsen :-)!
Wie sich herausstellt, ist es einfacher, auf Schotterpisten zu lenken, als auf der asphaltierten Straße, denn das Teil hat hinten eine starre Achse ohne Differential und möchte eigentlich geradeaus fahren. Wir haben genug Gelegenheit zum Üben und Ralf perfektioniert seine Kurventechnik. Hier haben wir allerdings geparkt – wenn möglich mit externer Wegfahrsperre, weil das Teil sonst einfach wegrollt (wir suchen beim Parken immer nach ein paar geeigneten Steinen).
Unterwegs essen wir passenderweise in der Snack-Bar des örtlichen Motorradclubs, sehr lecker, sehr reichlich und sehr preisgünstig – dann braucht Ralf erst einmal eine Siesta.
Zum Abschluss der Tour empfiehlt der Reiseführer den Strand an der Westseite der Insel – ein guter Tipp, denn Kaffee und warmer Schokoladenkuchen mit Eis im Restaurant schmecken ausgezeichnet und wir haben wunderbares goldenes Licht am Wasser.