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Montag, 7. September 2026

Tag 95 - Heiligenhafen-Lübeck-Travemünde: Einmal Lübeck und zurück

Wieder geht es morgends mit dem Bus los, heute über Oldenburg nach Lübeck in ein Industriegebiet. Dort haben wir ein Leihauto gebucht, mit dem wir unser umfangreiches Gepäck nach Hause transportieren wollen. Wenn wir nun schon in Lübeck sind, wollen wir die Gelegenheit nutzen, uns einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen. Wir kaufen aber erst einmal ein paar nette Sandwiches zur Stärkung und kommen auf einer Bank mit einem Einheimischen ins Gespräch. Auf dem Weg zu seiner Empfehlung (die "Gänge") kommen wir an einem Kirchturm vorbei, auf dem oben Menschen zu sehen sind und entscheiden uns für einen kurzen Blick über die Stadt. Wie so oft bei unseren Unternehmungen wird das eine längere Sache... Wie sich herausstellt ist St. Petri eine ganz besodere Kirche, denn auf den ersten Blick wirkt das Innere wie eine Baustelle.
Der Innenraum ist weiß gestichen und fast völlig leer. In einer Ecke steht eine Orgel und in der Apsis hängt ein einsames Kreuz. Eine Neonschrift versichert jedoch, dass es sich um einen Kirche handelt. Es ist allerdings eine Kirche ohne Gemeinde und ohne klassischen Sonntagsgottesdienst. Sie wird genutzt für Kunst, Kultur, Wissenschaft, Bildung, Konzerte, Empfänge und religions-philosophische Veranstaltungen - eine großartige Idee, die sehr gut angenommen wird. Eine kleine Ausstellung informiert über die Kirchengeschichte.
Mit einem Aufzug fahren wir hoch auf den Turm und haben von dort aus einen wunderbaren Blick über die Stadt. Hier im Vordergrund unser kleines enges Parkhaus und im Hintergrund den Lübecker Dom, eine der fünf Altstadtkirchen, die mit ihren insgesamt sieben Türmen das Stadtbild prägen.
Ebenfalls einen Doppelturm hat die Marienkirche neben dem Rathausplatz. Im Vordergund das ungewöhliche Dach von Peek&Cloppenburg.
Natürlich können wir von hier aus auch das Holstentor, das Wahrzeichen der Stadt sehen (siehe auch Titelbild). Das Tor und Teile der Altstadtinsel sind UNESCO Welterbestätte: "Die Hansestadt Lübeck ist ein außergewöhnliches Sinnbild der Macht und historischen Bedeutung der Hanse... Die historische Struktur der Altstadtinsel mit ihrem klingenförmigen Grundriss aus der Gründerzeit der Stadt bezeugt die Entfaltung Lübecks zum Handelszentrum."
Wir haben noch ein wenig Zeit bis zu unserem nächsten Programmpunkt und laufen noch etwas durch die Stadt. Ich werfen einen Blick auf (und in) die Verkaufsstelle des berühmten Niederegger Marzipans und auf die Cafés am Ufer der Trave. Uns fallen auch verschiedene bunt bemalte Stromkästen auf.
Schon vorher in der Stadt und vom Turm aus war uns ein ungewöhnliches  Gebäude aufgefallen, bei dem ein weißes Gebäude vor einer Mauer mit Türmen und Löchern stand.
Wir lernen, dass es sich um das Rathaus handelt, das zunächst im Stil der Backsteingotik erbaut wurde, aber später diverse An- und Umbauten erhielt, so z.B. durch einen Holzvorbau aus der Renaissance. Im Inneren für ein Renaissance-Portal (mit zwei unterschiedlich großen Türen) in einen Gerichts- und Audienz-Saal, der mit allegorischen Gemälden aus der Rokoko-Zeit geschmückt ist.
Um den Stilmix komplett zu machen, sind das Treppenhaus und der Bürgerschaftssaal im neugotischen Stil gestaltet. Viele der großen Repräsentationsräume wurden in Büros aufgeteilt, die auch heute noch benutzt werden.
Zum Kaffeetrinken kehren wir in das wundebare Café in der St.-Petri-Kirche zugrück und genießen leckeren Kuchen in der Sonne. Ralf läuft noch zum Historischen Hafen und dann machen wir uns auf den Weg nach Travemünde, wo wir Onkel Volker, den Bruder meines Vaters, zum Essen beim Italiener treffen.
Wir verbringen einen netten Abend und habe uns viel zu erzählen, denn Volker war ebenfalls ein begeisterter Segler und hat unter anderem fünf Mal den Atlantik überquert. Am Schluss begleiten wir ihn noch zur Fähre, die ihn wieder zurück über die Trave zum Rosenhof bringt.

Samstag, 5. September 2026

Tag 93 - Strande-Kiel-Strande: Geburtstags-Ausflug

Heute, an meinem Gebutstag, haben wir noch einmal einen Ausflug nach Kiel geplant. Das Wetter soll wechselhaft, aber insgesamt besser als gestern sein. Mittlerweile kennen wir uns aus und so fahren wir zielstrebig mit dem Bus nach Kiel und laufen zum - sehr gut gemachten - Welcome Center.
Dort beginnt der "Stadtspaziergang", den wir für heute gebucht haben. Kiel hat etwa 250.000 Einwohner und ist hufeisenförmig um die Förde herum immer weiter gewachsen. Im Laufe der Zeit stand die unter dänischer, österreichischer, schwedischer, russischer und preußischer Herrschaft war sogar eine Zeit lang unbedeutendes Mitglied der Hanse. In den 1860er Jahren wurde Kiel Marinehafen und damit begann der Aufschwung. Auch heute wird der Hafen noch intensiv genutzt.
Es fahren regelmäßig Fähren nach Göteborg und Oslo - gerade dieser Fähre sind wir im Oslofjord mehrfach begegnet.
Wegen der Eigenschaft als Marinestützpunkt wurde Kiel im 2. Weltkrieg zu 80% zerstört, so dass es keine Altstadt mehr gibt und stattdessen eine Menge - teilweise hässliche Nachkriegsarchitektur.
Vom Beginn es 20. Jahrhunderts ist das Rathaus mit seinem hohen Turm. Hier sammeln sich gerade Wolken für den nächsten Regenschauer.
Das älteste Gebäude Kiels ist die Nikolai-Kirche, die schon seit seit dem 13. Jahrhundert an gleicher Stelle steht, seither jedoch mehrfach wiederaufgebaut und umgebaut wurde.
Eher Thema Bausünde ist der gleich nebenan gelegene Alte Markt, der 1972 im Rahmen der Austragung der Olympischen Spiele vollstandig umgestaltet wurde. Der Boden wurde abgesenkt und rings herum sind Pavillions errichtet worden.
Auch vom Schloß ist nicht mehr viel übrig geblieben, und wir können nur ein kleines Gebäude anschauen.
Nach der Stadtführung nehmen wir ein leichtes Mittaessen und besichtigen dann noch die Nikolai-Kirche von innen. Wir haben Glück und es gibt etwas Orgelmusik. Ich zünde eine Kerze für die Familie an und sende allen gute Gedanken.
Wir gehen dann noch in das Meer-Informationszentrum "Sea Level" haben aber nicht viel Zeit, denn die nächste Veranstaltung wartet bereits auf uns.
Samstags gibt es die Möglichkeit, auf die Aussichtsplattform des Rathausturms zu fahren und wir haben das für Nachmittags gebucht, weil wir da auf etwas Sonne hoffen. Der Plan geht auf und wir haben einen wunderbaren Blick über Stadt und Hafen mit Nikolai-Kirche und Kreuzfahrtschiff (siehe auch Titelbild).
Auch in die andere Richtung gibt es etwas zu sehen und wir schauen über den Rathausplatz auf das Binnengewässer "Kleiner Kiel".
Wir sind sehr zufrieden mit dem Besuch auf dem Turm in der Sonne und nun ist es Zeit, einen Platz zum Kaffeetrinken zu finden. Wir entscheiden uns für das Ufer an einem künstlichen Kanal.
Wenige Minuten nachdem ich dieses Foto gemacht habe, beginnt es wieder, heftig zu regnen, so dass wir uns nach drinnen flüchten. Danach laufen wir zurück an den Hafen, wo Ralf noch einen Abstecher zum Seefahrtsmuseum macht. Ich sitzte derweil am Fähranleger und direkt hinter dem Heck der AIDAnova.
Die Fähre gehört zum öffentlichen Nahverkehr und bedient Häfen auf beiden Seiten der Förde für einen sehr moderaten Preis von 5,40 € pro Person für 90 Minuten Kreuzfahrt.
Wir kommen am Einganz zum Nord-Ostsee-Kanal vorbei, der Kiel mit Brunsbüttel in der Elbemündung verbindet und mit knapp 30.000 Schiffsbewegungen die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt ist. Er erspart den Schiffen die Fahrt um Skagen und verkürzt die Strecke um rund 250 Seemeilen.
Wir legen auch wieder in Laboe an, wo bei dem starken Wind heute zahlreiche Kite-Surfer unterwegs sind.
Die AIDAnova hat mittlerweile abgelegt und fährt langsam aus der Kieler Förde hinaus in die Ostsee. Begleitet wird sie von einem kleinen Lotsenboot, denn ab Leuchtturm Kiel besteht für die Großschifffahrt Lotsenpflicht.
Wir sind nach unserem schönen Ausflug nur ganz kurz an Bord, denn wir wollen zum Abschluss des Tages noch im Restaurant am Hafen essen gehen. Daher bin ich auch noch nicht dazu gekommen, all die lieben Geburtstagsgrüße zu lesen, geschweige denn zu beantworten. Ich werde mich aber bald melden.
 

Sonntag, 30. August 2026

Tag 87 - Ærø: Rundfahrt mit dem Bus

Einer der Gründe für die Entscheidung, nach Ærø zu segeln, waren die Möglichkeiten hier einen Tag lang die Insel zu erkunden. Als wir aufstehen, ist der Himmel noch grau und es regenet so stark, dass wir uns in vollem Ölzeug auf den Weg machen. Von der Bushaltestelle aus ist noch alles nass und grau.
Wir haben uns entschieden, mit dem kostenlosen Bus eine Inselrundfahrt zu machen - von unserem Hafen Ærøskøbing in der Mitte der Insel bis nach Søby im Nordwesten und Marstal im Südosten.
Wir haben schon oft festgestellt, dass wir schöne Dinge erleben, wenn wir dem Tag eine Chance geben - so auch heute. Auf der Fahrt nach Søby kommt die Sonne heraus und der Himmel wird blau. Wir fahren vorbei an goldenen Felder, Sonnenblumen und netten kleinen Häusern und Kirchen.
Im Hafen von Søby wird gerade an der Erweiterung gearbeitet. Außerdem sind einige Kunstwerke um den Hafen verteilt. Ich erinnere mich, dass Max hier vor vielen Jahren große Freude daran hatte, die Steine zur Befestigung der Hafenmole mit einem großen Platsch ins Wasser zu werfen. Wir sind dann weitergefahren, bevor er alles abgetragen hatte...
Für die Kaffeepause hat Ralf "Søbygaard" herausgesucht. Er erzählt ja immer, dass er nur segelt. damit er an schönen Plätzen Kaffeetrinken kann. Hier ist es jedenfalls ein voller Erfolt. Es handelt sich um ein ehemaliges herzogliches Jagdschloss, dass jetzt als Kultur- und Erlebniszentrum dient. Wir sizten unter einem riesigen alten Nussbaum (siehe Titelbild) mit Blick auf das Herrenhaus, dass von einem Wassergragen mit einer Zugbrücke umgeben ist. 
Im Haus selbst gibt es wieder historisch eingerichtete Räume. Wir werfen nur einen kurzen Blick hinein, denn der Bus fährt jede Stunde und wir wollen ihn nicht verpassen.
Ralf erzählt vom Handwerk des Mollenhauers, der Tröge aus ganzen Baumstämmen herstellen konnte ich ich von Weißnäherinnen die für verzierte Unterwäsche und Bettwäsche zuständig waren. Die Äpfel in der Schale sind aus Filz und das Küssen des Frosches durch Ralf führt leider nicht zur Verwandlung in eine Prinzessin.
Wir bekommen unseren Bus und fahren ganz ans andere Ende der Insel. In Marstal laufen wir am Ufer entlang und durch das Außengelände des Seefahrtsmuseums. Leider werden die historischen Motoren nur Donnerstags zum Leben erweckt. Eine sehr verschmuste Katze bringt uns Grüße von Diego.
Schon bald ist unsere Stunde um und wir fahren wieder zurück nach Ærøskøbing, das besonders für seine malerischen Straßen mit Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäusern und Stockrosen bekannt ist.
Der Hafen ist immer noch leer, aber im Gegensatz zur grauen Regenwelt heute morgen liegen er (und die Triton) im goldenen Abendlicht.
Das bedeutet, wir bekommen zum Abschluss einen wunderbaren Tages auch noch einen pastellfarbenen Abendhimmel geboten.
 

Freitag, 28. August 2026

Tag 85 - Odense: Besuch bei Hans Christian Andersen

Heute ist es regnerisch und windig und wir beschließen, die Gelegenheit zu nutzen und mit dem Bus nach Odense zu fahren. Auf dem Weg zur Haltestelle kommen wir erst einmal ein einem großen Wandbild mit dreidimensionalen Elementen vorbei, das den Glockenturm von Fåborg zeigt.
In Odense angekommen leihen wir uns E-Scooter und werden schon nach wenigen Metern von der Polizei darauf hingewiesen, dass das Fahren auf den Scootern nur mit Helm erlaubt ist und bei Zuwiderhandlung ein Bußgeld fällig  wird. So ein Quatsch, Scooter zum Ausleihen anzubieten, wenn sie ohne Helm nicht benutzt werden dürfen... Wir kommen trotzem gut beim H. C. Andersen Hus an und begeben uns auf eine Reise durch das Leben und Werk des Dichters (1805-1875).
Das Museum steht direkt neben dem Geburtshaus des Dichters und wurde 2021 nach einem Umbau neu eröffnet. Die Architektur ist faszinieren, denn der vom japanischen Architekten Kengo Kuma entworfene Komplex besteht aus mehreren überwiegend unterhald der Oberfläche liegenden Holz-Zylindern, die miteinander verbunden sind (Bild von Google Maps)
Mit Hilfe eines Audioguides folgen wir der Biografie von den bescheidenen Anfängen als Kind eines Schuhmachers in Odense über seinen Umzug nach Kopenhagen und dem immer größeren Erfolg. Zwischendurch gibt es immer wieder runde Räume, die sich mit den verschieden Aspekten seines Lebens beschäftigen. Er war nie verheiratet, aber immer wieder verliebt, sowohl in Frauen, als auch in Männer (siehe Titelbild). Zwar sind seine Märchen am bekanntesten, aber er hat auch Romane und Reiseberichte geschrieben, gezeichnet und Scherenschnitte und Collagen angefertigt. Eindrucksvoll ist ein Paravent, den er kurz vor seinem Tod mit Collagen von für ihn wichtigen Themen gestaltet hat. Darunter sind auch Länder, die er auf seinen zahlreichen Reisen besuchte.
Alle diese Räume sind interaktiv und eindrucksvoll durch die Gestaltung, das Licht und die passend ausgewählte leise Musik. Und dann betreten wir die Märchenwelt, die wirklich magisch ist. Es gibt riesige Blumen, und überdimensionale Märchenbücher. Schwäne kommen aus einem virtuellen See und man kann sich in andere Welten träumen.
Ausgewählte Märchen haben ihre eigene Abteilung, so zum Beistpiel die Prinzessin auf der Erbse mit der Erbse auf einem Samtkissen und einem Bett mit zahlreichen witzigen Matratzen. 
Für das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" ist ein virtueller Spiegel aufgestellt worden. Auf der einen Seite sieht sich der Betracher mit den neuen Kleidern, aber auf der Rückseite können die Besucher die Posen ohne diese anschauen.
Hans Christian Andersen gehört zu den glücklichen Autoren, die bereits zu Lebzeiten Anerkennung fanden, finanziell erfolgreich waren und mit Ehrungen überhäuft wurden -- eben wie im Märchen.
Zum Abschluss kommen wir dann noch in den "Raum der Erinnerungen" - ebenfalls rund und mit Blumen (die Andersen sehr liebte) und mit Wandgemälden geschmückt.
Die Gebäude liegen in einem kleinen Park, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Für die Bäume gibt es Schächte, so dass es teilweise aussieht, als würden sie aus des der Unterwelt wachsen.
Wir laufen noch etwas durch die nahegelegene Innenstadt, vorbei am Dom (der leider gerade geschlossen wird) und am Rathaus...
...bis zu dem Haus, in dem HCA von seinem 2. bis zu seinem 14. Lebensjahr gelebt hat. In dem kleinen Fachwerkhaus wohnten drei Familien.
In den Einkaufsstraßen gibt es auch immer wieder Kunstwerke zu sehen. Ich bin erfolgreich bei der Suche nach einer neuen Powerbank. Die alte muss mir versehenlich aus dem Rucksach gefallen sein.
Wir finden noch einen netten Sitzplatz beim Theaterkaffee und genießen dort Kaffee, Chai und Kuchen...
...bevor es mit dem Bus wieder quer über die Insel zurück nach Fåborg geht. Die Landschaft ist hügelig mit Bäumen und vielen - oft schon abgeernteten - Feldern.
Tagsüber haben wir Glück mit dem Wetter gehabt, es war zwar bedeckt, hat aber nicht geregnet. Doch auf dem letzen Stück zurück zum Boot erwischt uns noch ein heftiger Regenschauer und wir sind froh, dass wir unsere Regensachen mitgenommen haben!