Montag, 31. Juli 2017

Zusammenfassung: Juli 2017

Statistik

Ø  Seemeilen:        497
Ø  Segeltage:         11
Ø  Hafentage:        16
Ø  Häfen:               11
·        Niederlande: Workum, Den Oever, Den Helder, IJmuiden, Roompot
·        Belgien: Oostende
·        England: Cowes, Lymington, Dartmouth, Salcombe, Falmouth


Segeln und Wetter

Abgesehen von der Überfahrt Oostende – Cowes mit nahezu optimalem Ostwind hatten wir überwiegend westliche Winde, nicht so günstig, wenn man wie wir nach Westen will und so gab es viele Hafentage. Wenn der Wind es zuließ, haben wir möglichst große Schläge gemacht. Manchmal sind wir aber auch nur ein kleines Stück weitergefahren, um dem Hafenkoller zu entgehen und mal etwas anderes zu sehen.

Das Wetter war abwechslungsreich mit wunderbaren Sonnentagen aber auch teilweise Starkregen oder Aprilwetter. Insgesamt war es eher kühl und ich habe mir eine lange Unterhose, ein langärmeliges Shirt und eine Regejacke gekauft…

Boot

Wir habe die TRITON seit 1999 und hatten sie 2x für Refits bei uns zu Hause, so dass im Laufe der Jahre viele Verbesserungen und Reparaturen vorgenommen worden sind. Für diese Reise haben wir nun nochmals Veränderungen vorgenommen und mussten und damit auseinandersetzten: Wie wird das Gerät montiert, bedient und wie bewährt es sich in der Praxis…

Ganz begeistert sind wir von unserer Hydrovane Wind-Selbststeueranlage „Sir Henry“ – die Montage war komplex, weil sie ja individuell an unseren Spiegel (Hinterseite des Bootes) und an unsere Badeplattform angepasst werden musste, aber die Bedienung ist denkbar einfach und die Leistung einfach super. Sowohl vor dem Wind als auch hart am Wind funktionierte sie bisher hervorragend. Nachteil ist natürlich, dass die TRITON, die sowieso durch ihren gemäßigten Langkiel nicht besonders manövrierfreudig ist, jetzt einen noch größeren Wendekreis hat.

In diesen Monat hatten wir noch eine lange To-Do-Liste, aber die wesentlichen Punkte haben wir nach und nach erledigt. Dafür konnten wir die vielen Hafentage gut nutzen. Natürlich haben wir auch jetzt beim Bordleben immer wieder Ideen, wie etwas sicherer, einfacher oder bequemer gestaltet werden könnte und so wird uns bisher nicht langweilig…

Verpflegung/Versorgung

Klar, in Holland, Belgien und England gibt es da keine Probleme: Supermärkte, Baumärkte, Yachtausrüster an jeder Ecke. Mit unserer Klappkarre können wir auch größere Mengen gut transportieren. In Holland und Belgien war mobiles Internet oder WLAN in den Marinas kein Problem, in England hatten wir teilweise Schwierigkeiten. Manchmal halft es, den Netzanbieter manuell auszuwählen.

An Bord gibt es normalerweise vier Mahlzeiten: Frühstück, kaltes Mittagessen, Kaffee (mit einer Kleinigkeit zu essen) und warmes Abendessen. Überwiegend kochen wir abwechselnd selbst. Auf längere Ausflüge nehmen wir Brote mit und gehen natürlich auch mal eine Kleinigkeit essen.

Crew

Im Moment sind wir nur zu zweit an Bord und ein Monat ist unsere normale Urlaubszeit, so dass da noch keine Probleme aufgetreten sind. Bei uns gibt es seit Jahren eine bewährte Aufgabenverteilung und daher darüber wenig Diskussionen. Wir haben beide Interesse daran, die TRITON schöner, sicherer und praktischer zu machen und arbeiten beide daran, entweder jeder für sich auf seinem Spezialgebiet oder – wenn es die Aufgabe erfordert – auch sehr gut zusammen.

Trotz des engen Raums können wir uns auch aus dem Weg gehen und jeder beschäftigt sich für sich selbst. Wir planen gemeinsam, wann und wohin wir segeln, welche Arbeiten erforderlich sind, wer sich darum kümmert und was wir uns ansehen wollen.

Sightseeing

Auf für touristische Aktivitäten waren die Hafentage gut geeignet. Sehr nett waren die Fahrradtour von der Roompot Marina aus und der Ausflug nach Brügge (sehr empfehlenswert). Auf der Isle of Wight und von Dartmouth aus unternahmen wir jeweils Rundreisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln (Dampfzug, Bus, Boot) und bekamen dadurch einen guten Eindruck von der jeweiligen Landschaft. Wirklich eine „Area of Outstanding Natural Beauty“.

Begegnungen

Neben der Freude an der Entdeckung neuer Häfen und Landschaften ist es immer auch die Begegnung mit Menschen, die das Reisen interessant macht. Alleine durch die Ausrüstung der Boote sind andere Langfahrtsegler leicht zu entdecken und wir haben schon ein schwedisches und ein dänisches Ehepaar kennengelernt, die auch über den großen Teich wollen und die wir sicher unterwegs wieder treffen werden. Virtuell haben wir schon Kontakt mit anderen Seglern, die auch mit Cornell-Sailing unterwegs sind. Es ist schön, sich auszutauschen und festzustellen, dass andere sich mit den gleichen Fragen auseinandersetzen und ähnliche Lösungen gefunden haben.

Fazit

Insgesamt ein sehr schöner Monat. Die Stimmung an Bord ist gut und die TRITON funktioniert prima. Für Probleme konnten wir zufriedenstellende Lösungen finden und wir haben den Ausgangshafen für die Biskaya-Überquerung sicher erreicht. Die Zeit verging wie im Fluge und die Tage sind prall gefüllt und sehr abwechslungsreich. Bisher war alles noch vertraut: das Revier, dass wir schon erkundet haben, die Zeitspanne, die wir gemeinsam an Bord waren und die maximalen Strecken, die wir gesegelt sind. Nun beginnt ein neuer Abschnitt, denn noch sind wir eine so große Strecke am Stück gesegelt und alle weiteren Häfen und Länder werden für uns neu und unbekannt sein.

Tag 28 - Salcombe-Falmouth: Segeln in den Sonnenuntergang

Wenn mir vor 25 Jahren jemand vorhergesagt hätte, dass wir an unserer Silberhochzeit 13 Stunden lang 60 Seemeilen hat am Wind segeln würden und das auf einer gemeinsamen Auszeit mit unserem Boot, dann hätte mich das sehr gefreut. Denn schon damals war unser gemeinsames Hobby Segeln, wir haben von einer größeren Segelreise geträumt und auch auf unserer Hochzeitsreise sind wir zusammen mit Freunden nach Norwegen gesegelt. Ich war schwanger mit unserem 1. Sohn und ich habe das 1. und einzige Mal die Fische gefüttert, als wir den Skagerrak bei kräftigem Wind und entsprechender See überquerten. Meiner Freundin Carola zuzusehen, wie sie ein eiskaltes Bier trank und dabei noch von unten in den Magen getreten zu bekommen war einfach zu viel…

Da ging es mir heute wesentlich besser, auch wenn es an Bord durch die steilen Wellen, die wohl noch von gestern übriggeblieben waren, auch bei moderatem Wind eher ungemütlich zuging. Um Falmouth zu erreichen mussten wir ziemlich genau nach Westen und der Wind kam wie angesagt aus Südwest. Für uns bedeutete das einen langen Streckschlag fast in die richtige Richtung und nur zwei kurze Holeschläge, die uns 8 Extrameilen einbrachten.

Insgesamt waren wir mit der Fahrt sehr zufrieden, das Wetter war prima, Sir Henry war in seinem Element und steuerte ermüdungsfrei den optimalen Kurs zum Wind und mehrfach kamen uns Delfine besuchen. Leider schwierig, sie auch zu fotografieren…
Wir segelten also zusammen in den Sonnenuntergang (eigentlich war der Motor an, aber das sind ja nur Details) …
…und erreichen im Schein des Halbmonds ganz romantisch den Hafen von Falmouth (auch nicht wirklich romantisch, denn wir waren müde und klebrig, aber die Romantik wir dann morgen nachgeholt).

Sonntag, 30. Juli 2017

Tag 27 - Salcombe: Wochenend und Sonnenschein

Was für ein Unterschied – heute Morgen begrüßten uns strahlende Sonne, blauer Himmel und weiße Wolken – eine Postkartenlandschaft. Wir ließen den Tag gemütlich angehen und genossen die Wärme hinter der Scheibe, denn der Wind blies noch ziemlich kalt. Nach dem Frühstück kümmerte Ralf sich um eine bessere Befestigung für unsere Rettungsinsel, die einerseits gut gesichert und andererseits schnell einsatzbereit sein muss.
Dann setzten wir zusammen die begonnene Arbeit an unserem Relingsnetz fort. Bis alles genau angepasst, befestigt, abgeschnittenen Enden versiegelt und die Reling wieder gespannt war dauerte es dann doch zwei Stunden – mit kurzen Unterbrechungen, denn es zogen mehrere kurze Schauerböen über uns. Aber die Arbeit hat sich gelohnt und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Nachmittags riefen wir über Funk das Hafentaxi und ließen uns nach Salcombe-City fahren. An einem Ferien-Sonntag mit Kaiserwetter war es dort natürlich einiges los.
Wir erkundeten den netten Ort und liefen vor bis zur Barre über die Einfahrt. Bei Ebbe ist gut zu erkennen, warum wir dort vorsichtig sein müssen.
Wir gönnten uns noch ein Eis und schickten einen Geburtstagsgruß an meinen Bruder bevor wir uns wieder mit dem Taxi auf den Weg zurück zum Schiff machten. Nun hoffen wir auf Abendessen im Cockpit und einen schönen Sonnenuntergang!

Samstag, 29. Juli 2017

Tag 26 - Dartmouth-Salcombe: Mit Motor nach Süden

 
Nach dem Starkwind gestern ist es heute viel ruhiger und wir nutzen die Gelegenheit, um uns in eine günstigere Ausgangsposition für den nächsten Schlag zu bringen und fahren „um die Ecke“ nach Salcombe. Natürlich legen wir unseren Start wieder „nach Tidenplan“ und das bedeutet heute Aufbruch um 14:00 Uhr.

Bei Nieselregen machen wir uns auf den Weg nach Süden. Weil vor der Einfahrt von Salcombe eine Barre mit wenig Wasser liegt, die wir lieber nicht bei Ebbe passieren wollen, trödeln wir auf dem Weg und setzen sogar für eine Stunde die Fock. Um uns die Zeit zu vertreiben, werfen wir den Radar an und spielen mit den Einstellungen, bis wir die anderen Boote und Tonnen gut erkennen können. Starker Regen ist immer ein Problem und gerade dann ist die Sicht am schlechtesten…
Vor Start Point treffen wir auf unangenehme Wellen und sind froh, hier nicht bei Starkwind fahren zu müssen. Die Barre ist kein Problem und Salcombe ist auch grau in grau sehr hübsch.
Hier gibt es keinen Hafen mit Landverbindung für Besucher, sondern nur Mooring-Tonnen, an denen man sich festbinden kann. Wir werden vom sehr freundlichen Hafenmeister nett begrüßt und bekommen einen guten und geschützten Platz weit Flussaufwärts zugewiesen. 

Freitag, 28. Juli 2017

Tag 25 - Kingswear: Regen und Wind

Starker Wind (aus der falschen Richtung) und jede Menge Regen… Also eine gute Gelegenheit, um Arbeiten unter Deck zu erledigen, insbesondere welche, die schon lange aufgeschoben wurden. Ralf kümmert sich um unseren Motor und wechselt das Kühlmittel im inneren Kühlkreislauf – besonders wichtig, weil der neue Motor keine Opferanode mehr hat und das Kühlmittel seine korrosions-vermeidende Wirkung im Lauf der Zeit verliert. Er montiert einen neuen Riegel an der Toilettentür und kümmert sich um knarrende Bodenbretter.
Außerdem hängt er unsere EPRIB auf (Emergency Position Indicator Radio Beacon), ein Notfunksender, den wir im Seenotfall auslösen können, der auf unseren Namen registriert ist und der unsere Position dann senden wird. Passend dazu checke ich unsere „Grab Bag“ eine Notfalltasche mit Wasser, Verpflegung und Signalmitteln, die wir mit in die Rettungsinsel nehmen könnten und ergänze sie noch um einige zusätzliche Gegenstände die zum Teil von Cornellsailing gefordert werden.
Dann ist wieder Zeit für „Boatoffice“: Überweisungen, Brief mit Widerspruch an die Krankenkasse (unendliche Geschichte), Notfalllisten schreiben und eine Kommunikations- und Informationsliste für Familie und Freunde zusammenstellen. Bei der Gelegenheit teste ich gleich, ob unser Drucker mit dem neuen Inverter (wandelt Batteriestrom in 230V) funktioniert. Gute Nachricht: es geht!
Schwupps ist schon wieder ein Tag vorbei und wir wollen noch schnell etwas zu Abend essen, denn nachher wollen wir noch mit den schwedischen Seglern im Pub ein Bier trinken gehen.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Tag 24 - Dartmouth: Warten und Alltag

Wir warten immer noch auf günstigeren Wind und auf unsere Sturmfock, die aus Southamton geliefert werden soll. Also lassen wir es heute Morgen langsam angehen und frühstücken mit frischem Brot. Dann beseitigen wir die Spuren der gestrigen Aktivitäten und räumen alles wieder an seinen Platz. So nach und nach haben wir alle neuen Ausrüstungsgegenstände mal in der Hand gehabt, ausprobiert und einsortiert.

Das Handfunkgerät hat zwar die ganze Nacht an der Ladestation gehangen und ist auch schön warm geworden, macht aber trotzdem mit seinem Akku keinen Mucks. Wir probieren es mit normalen AA Batterien und siehe da, es geht. Also ist wohl der mitgelieferte Akku nicht in Ordnung...

Dann machen wir uns auf den kurzen Weg mit der Fähre auf die andere Seite nach Dartmouth und erkunden das nette Städtchen ein wenig. Ziel unserer Expedition war allerdings der Supermarkt, wo wir unsere Vorräte an frischen Lebensmitteln wieder auffüllen. Auch unsere Klappkarre bewährt sich wieder.
Nachmittags beginnen wir dann noch, wieder ein Relingsnetz zu installieren. Wir hatten es jahrelang wegen der Kinder und haben es schätzen gelernt. Da wir es vor allem wegen des Gennakers (großes Vorsegel) haben wollen, entscheiden wir uns, es nur im Vorschiff wieder anzubringen. Die erste Seite sieht schon ganz vielversprechend aus.
Zum Abendessen gibt es die mitgebrachten „Cornish Pasties“, eine örtliche Spezialität. Es sind mit verschiedenen Zutaten, traditionell Fleisch, Kartoffeln und Steckrüben, gefüllte Teigtaschen, die uns aber geschmacklich nicht 100%ig überzeugen.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Tag 23 - Kingswear: Ausrüstung und Organisation

Schön, wenn der Wetterbericht stimmt: Westwind und Regen! Und wie schön, dass wir gestern bei Traumwetter unseren Ausflug gemacht haben. Heute ist also wieder Ausrüstung und Administration angesagt. Ralf montiert eine Befestigung für Sir Henry in seiner Koje (ich überlege, ob ich eifersüchtig werden muss) und die Auto- bzw. USB-Steckdosen für das Iridium-Telefon und die Axcessbox, so dass jetzt auch hier die Frage der Stromversorgung geklärt ist.
Ich telefoniere mit der Krankenversicherung (Warteschleife und dann nur die Zentrale, die keine genaue Auskunft geben kann) und mit dem Stromversorger für meine Wohnung, wo es wohl Kuddelmuddel mit der Abrechnung gibt… Viel erfreulicher verläuft dann das Gespräch mit meinen Eltern. Ich bin ganz stolz auf meine Mutter, die mich über 80 noch skypen und ein Smartphone bedienen gelernt hat.

Dann kümmere ich mich um meine Medikamentenlisten, trage die noch fehlenden Präparate ein und verpacke fast alles in Ziplock-Beutel. Wir verwenden die Nummern aus dem „Verzeichnis der Arzneimittel, Medizinprodukte und Hilfsmittel der Krankenfürsorge auf Schiffen“ um die Sache übersichtlich zu gestalten. Mit der ganzen Ausrüstung können wir eine Apotheke aufmachen und ich zittere schon davor, dass alles dem amerikanischen Zoll zu erklären… Dann nehmen wir noch unser neues Handfunkgerät in Betrieb – noch ein Ausrüstungsgegenstand, der auf der Sicherheitsliste von Cornell-Sailing steht. Jetzt hängt es erst einmal an der Ladestation und wir wollen es morgen ausprobieren.
Am späten Nachmittag – mittlerweile hat es aufgehört zu regnen – machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort. Dann sind wir noch zum Cocktail bei den schwedischen HR-Seglern eingeladen und können ihr schönes Schiff bewundern.

Dienstag, 25. Juli 2017

Tag 22 - Devon: Rundreise

Das Schöne an unserem Sabbatical ist, dass wir zwar To-Do-Listen und Ziele haben, aber uns – abhängig vom Wetter – selbst einteilen können, was wir wann machen wollen. Wenn der Wind günstig ist wird gesegelt, das ist klar, denn es hat keinen Sinn, gegen die Natur zu arbeiten. Wenn Hafentag angesagt ist, können wir uns aussuchen, ob wir am und im Boot arbeiten wollen (Ausrüstung, Administration oder Alltagsaufgaben wie Putzen oder Waschen) oder ob wir lieber auf Sightseeing-Tour gehen.

Da für heute Sonne und für morgen Regen vorhergesagt ist, entscheiden wir uns heute wieder für einen Touristen-Tag. Da die Gegend um den River Dart als „Area of Outstanding Natural Beauty“ gilt wollen wir uns das etwas näher ansehen und nutzen die Möglichkeit, die das „Round-Robin-Ticket“ bietet. Unsere Route: B-D-E-A
Von unserer Marina in Kingswear fahren morgens mit der Personenfähre über den Fluss auf die andere Seite zum eigentlichen Dartmouth. Von dort aus geht es dann mit den Schiff flussaufwärts bis nach Totnes. Eine wunderschöne Fahrt durch eine Postkartenlandschaft. Alles ist grün wegen der Bäume oder gelb wegen der reifen Kornfelder. Darüber strahlt ein königsblauer Himmel mit weißen Wölkchen und unten auf dem Fluss bilden die bunten Rümpfe der Boote Farbklekse auf dem glitzernden Wasser. Ab und zu fliegt dann noch eine Möwe durchs Bild oder Schwäne und Kanada-Gänse führen ihren Nachwuchs aus…

Totnes selbst ist eine historische Kleinstadt mit einer über 1000-jährigen Geschichte. Es gibt jede Menge netter kleiner Läden: Mode, Galerien, Kunstgewerbe und Schmuck und Nahrung und Getränke jeder Art und ich kaufe für 3,50 Pfund ein Jäckchen in einem Charity-Geschäft. Wir besichtigen einen elisabethanischen Innenhof und Kräutergarten, die Kirche und die Reste der Burg.

 Dann geht es weiter auf unsere Rundreise mit einem Cabrio-Bus – wunderschön durch die grünen Hügel von Devon bis nach Paignton, das wieder am Kanal liegt. 
Dort ist es sehr modern-touristisch und erinnert uns an Torquay, Brighton und Eastburne und wir fahren daher gleich weiter mit dem nächsten Verkehrsmittel unserer Reise. Es geht mit der Dampfeisenbahn wieder zurück nach Kingswear  wo die Endstation direkt neben unserer Marina liegt. Auch eine sehenswerte Strecke!
Was wir in der Marina nicht sehen ist unser Schiff – es liegt jedenfalls nicht mehr da, wo wir es angebunden haben. Glücklicherweise hat es am Heck zwei knallorange Ballonfender und so finden wir es schnell wieder, aber an einer ganz anderen Stelle im Hafen! Auf Nachfragen finden wir heraus, dass der Besitzer des uns zugewiesenen Liegeplatzes überraschend angekündigt hat, dass er früher als geplant zurückkommen will. Da wir nicht erreichbar waren, haben drei Mitarbeiter der Marina das Schiff umgelegt – puh!

Auf dem Weg zu unserem neuen Platz kommen wir an einer Hallberg Rassy 382 aus Schweden vorbei (das Nachfolgemodell von unserem Schiff). Es ist ähnlich wie unsere Triton mit Windselbststeueranlage, Solarpaneelen und 2. Vorstag ausgerüstet und Ralf spricht den Eigner an, der im Cockpit sitzt. Wir kommen mit den Eignern Karin und Göran ins Gespräch. Sie haben großes vor und planen eine Weltumseglung. Genau wie wir warten sie auf den richtigen Wind für die Überquerung der Biskaya. Natürlich haben wir gleich jede Menge Gesprächsthemen und wir laden die beiden zu einer Tasse Kaffee zu uns an Bord ein und wir tauschen uns über die verschiedenen Ausrüstungsgegenstände aus. (Siehe Link rechts SY Peach).

Montag, 24. Juli 2017

Tag 21 - Lymington-Dartmouth: Nachtschicht

Genau nach Plan verlassen wir um 23:15 Uhr den Hafen und tasten uns durch die vielen Tonnen der schmalen Einfahrt nach draußen. Unterwegs setzen wir schon mal  das Groß. Im freien Wasser angekommen biegen wir sozusagen rechts ab und werdem vom mittlerweile aufgefrischten Wind und unserem bevorzugten Schiebestrom mit rund 10  kn an den berühmten, aber im Dunkeln unsichtbarer Needles vorbei aus dem Solent geschossen. Da ist erst einmal ein Reff angesagt.

Sir Henry, unsere Windselbststeueranlage, hat die letzen Tage in der Vorschiffkoje gefaulenzt, aber jetzt kommt seine große Stunde. Klaglos, ausdauernd und zuverlässig steuert er uns  hart am Wind durch die Nacht. Hart am Wind bedeutet auch, dass das Boot sehr stark krängt (auf der Seite liegt) und in den offenen Buchten werden die Wellen teilweise ziemlich ruppig - eine schnelle, aber unbequeme Fahrt.
Schon um 4:30 Uhr wird es im Osten hell und um 5:30 geht dann die Sonne auf.  Diesmal gibt es den ganzen Tag Kaiserwetter. Auch der Wind wird etwas schwächer und so können wir ausreffen. Natürlich kommt dann auch der Moment, wo der schöne Tidenstrom kentert und anfängt, uns zu bremsen. Gegen Mittag  trödeln wir dann nur noch in Richtung Dartmouth, aber dafür können wir in Ruhe essen. Kurz vor dem Ziel geht der Wind dann plötzlich ganz weg - aber nur für eine halbe Stunde und  so können wir dann nochmal Segel setzten und bis vor die wunderschöne Einfahrt des River Dart segeln. Dort ist einiges los: Fischer, Fähren, Jollensegler, Kajakfahrer, Beiboote - kein Wunder bei dem Traumwetter.
Um 15:15 Uhr,  nach genau 16 Stunden, liegen wir in der Marina. Auf der Logge stehen 77 sm, nach Plotter waren es aber 86 - wir haben also durch den Strom 9 Meilen geschenkt bekommen.

Sonntag, 23. Juli 2017

Tag 20 - Lymington: Shopping und große Wäsche

Wie angesagt Westwind und Aprilwetter und wie geplant machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Unterwegs stärken wir uns noch mit einem sehr guten Frühstück bevor wir dann die verschiedenen Yachtausrüster unsicher machen.
Zwischendurch kommt immer mal wieder die Sonne heraus.
Wir finden einige fehlende Teile und ich kaufe mir eine leichte Ölzeugjacke, die ich dann auf dem Weg zum Boot gleich sehr gut gebrauchen kann.
Dann starten wir einen Versuch mit der Waschmaschine, zunächst erfolglos, denn sie ist belegt (1). Später riskiere ich dann eine Maschine „weiß-und-bunt-gemischt“ (2). Als ich das nächste mal checke, ist zwar die Maschine fertig, aber der Trockner ist belegt (3). Glücklicherweise ist bei nächsten Versuch der Trockner frei (4). Ich habe vom Hafenmeister zwei Tokens für den Trockner bekommen, also gehe ich wieder hin. Diesmal habe nette Segler meine Sachen (die noch feucht sind) aus dem Trockner geräumt, um ihre eigenen zu trocknen… (5). Wieder später kann ich dann die zweite Runde trocknen starten, befürchte aber, dass das nicht reichen wird, denn wie ich mittlerweile gelernt habe, läuft der Trockner pro Token nur 15 Minuten (6). Mittlerweile ist es Abendessenszeit geworden (Huhn mit Zwiebeln-Paprika-Tomaten-Sauce und Reis) und während ich spüle und blogge ist Ralf auf dem Weg zum Trocknercheck. Dort findet er unsere Sachen feucht, aber komplett zusammengefaltet vor. Leider muss er die schöne Ordnung zerstören, um alles noch ein weiteres Mal zu trocknen. Er bleibt gleich da, um den Erfolg abzuwarten (7).
Zwischendurch haben wir unsere Pläne für den nächsten Schlag gemacht. Es soll ein kurzes NW-Wind-Fenster kommen, dass wir nutzen wollen, um so weit wie möglich nach SW zu kommen. Wenn wir auch noch die günstige Strömung mitnehmen wollen, bedeutet das Aufbruch heute nach um 23:15 Uhr um dann hoffentlich die rund 90 sm nach Dartmouth zu schaffen, bevor der Wind wieder dreht…

Samstag, 22. Juli 2017

Tag 19 - Cowes-Lymington: Kreuzen im Solent

Endlich wieder Segeln! Damit wir keinen Lagerkoller bekommen, entscheiden wir uns, die wenigen Seemeilen bis zum nächsten Hafen aufzukreuzen. Heute ist Aprilwetter, teilweise kräftige Regenschauer wechseln sich mit sonnigen Abschnitten ab. Natürlich legen wir unsere Fahrt wieder so, dass der Gezeitenstrom uns in die richtige Richtung schiebt. Start sollte also um 11:00 Uhr sein. Wir waren noch, bis der Regen aufhört und fahren dann los. Es ist Wochenende und Ferienanfang in England und entsprechend sind viele andere Boote unterwegs. Ohne Welle im geschützten Fahrwasser und mit 2 kn Schiebestrom macht auch das Kreuzen Spaß!
Schnell sind wir an der Ansteuerungstonne und fahren zu unserem am Morgen reservierten Platz in der Lymington Marina. Nach dem Mittagessen und einer kurzen Pause laufen wir noch in den netten Ort. Dabei kommen wir auch in Stadthafen vorbei, sehr hübsch, aber hier ist Päckchenliegen angesagt.
Die Stadt gefällt uns sehr gut und auch die Auslagen in den Geschäften sind vielversprechend. Da morgen wieder Westwind angesagt ist, werden wir dann noch eine Shoppingtour machen…
Abends gibt es auch noch eine Dusche in der Marina. Ich war schon in vielen Waschräumen, aber der hier toppt alle – voll verspiegelt mit Schminktisch und mehreren Fönen.

Freitag, 21. Juli 2017

Tag 18 - Cowes: To-Do-Listen...

Der Segelmacher hat unsere Baumpersenning erst heute Nachmittag fertig und daher verbringen wir den Vormittag damit, zu versuchen, einige Punkte auf der To-Do-Liste abzuarbeiten. Dort steht immer noch der Punkt Satellitentelefon. Ralf schraubt das Telefon (Iridium 9555) an den Kartentisch und schließt die externe Antenne an. Für dieses Gerät haben wir auch eine Stromversorgung mit einem 12V Kfz-Ladekabel, für das auch noch ein Anschluss verlegt werden muss.

Mit dem Telefon über Kabel verbunden ist der Iridium AxcessPoint, der ein kleines WLAN-Netz aufbauen kann. Dafür haben wir – wie schon erwähnt – nur ein 230V Ladekabel. Ich rufe also bei unserem Händler an, um ein entsprechendes Auto- oder USB-Kabel zu bestellen aber das gibt es so ohne weiteres nicht. Wie bitte? Ich dachte, die Geräte sind für den Outdoor-Einsatz gedacht, bei denen man ja eher keine normale Steckdose dabei hat…  Natürlich gibt es einen Akku, aber keine Ladeanzeige… Und das Teil hat zum Laden einen nicht genormten Hohlstecker… Der nette Berater bei www.expeditionstechnik.de schlägt vor selber etwas zusammenzulöten… Sind wir die einzigen, die diesen Problem haben? Google gibt jedenfalls nicht viel her.

Zur Abwechslung beschäftige ich mich mit dem Thema, wie die Grib-Files (komprimierte Wetterdaten) von www.wetterwelt.de zu uns an Bord kommen und dann auch hier angezeigt werden können. Wie sich herausstellt, eine Aufgabe, die große Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz erfordert. Die Daten werden per Mail geschickt und landen dann über den AxessPoint auf dem Smartphone. Dort gibt es auch die Seaman-App von Wetterwelt, die aber mit diesen Daten nix anfangen kann. Dafür ist ein spezielles Programm auf dem PC erforderlich. Lästig, weil dann immer für die Wetterdaten der PC gestartet werden muss, aber OK.

Also nächste Frage: Wie bekommt man die Daten vom AxcessPoint auf den PC? Die entsprechende Anleitung von www.iridium.com für den „AxcessPoint für Windows“ beginnt mit den goldenen Worten: Installieren Sie die Windows Iridium Mail & Web Software“.  Leider ist das keine aktuelle Information, denn die Software wird nicht mehr angeboten… Es gibt nur noch die Möglichkeit, ziemlich teure Software zum Komprimieren von Mails von Drittanbietern zu kaufen… Nicht wirklich eine Option. Meine Lösung ist schließlich, die Daten per Bluetooth auf den PC zu übertragen und der Arbeitsablauf umfasst dann alleine bei uns an Bord vier verschiedene Geräte, drei Übertragungsmethoden und zwei Programme:
Ralf hat inzwischen die nicht nur die Geräte montiert, sondern auch noch zwei Befestigungen unseres 2. Vorstags im Ankerkasten festgeschraubt, die Aufhängung des Herds repariert, daneben eine Löschdecke angebracht und alles vorbereitet, um die defekte Cockpitlampe wieder zum Leben zu erwecken.

Mittlerweile ist es 14:00 Uhr und wir wollen noch unsere Persenning abholen und beim Bootsausrüster einige Teile besorgen. Wir kaufen unter anderem Steckdosen für USB und Kfz-Stecker, ein USB-Kabel, dass Ralf dann umlöten will und Kabel für die Cockpitlampe. Wir brauchen auch rote LED-Birnchen, denn wenn wir nachts segeln ist das normale weiße Licht schlecht für die Nachsicht. Es gibt Birnchen aber mit unserem Sockel nur in Weiß. Ich schlage halb im Scherz vor: „Ich kann die ja mit meinem Nagellack rot anmalen.“ Und der Verkäufer meint nur ganz cool: „Ja, das machen viele so!“ Gesagt, getan und jetzt haben wir unter Deck und im Cockpit romantisches rotes Licht…
Von den ganzen Anstrengungen erholen wir uns bei einem „Cream Tea with two Scones“ im Sail Cafe in Cowes – sehr empfehlenswert!
Zurück an Bord probieren wir gleich die geänderte Persenning – naja, sie geht zu und wird auch vor UV-Licht schützen, aber wirklich schön ist sie nicht. Da müssen wir uns beim Zusammenlegen des störrischen Segels noch etwas mehr anstrengen…