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Dienstag, 24. Oktober 2017

Tag 113 - Puerto de Mogán: Schöne Aussichten

Wie schön, dass der Strand hier so nah ist, so dass wir den Tag gleich mit einem Bad und anschließender Süßwasserdusche beginnen können. 
Bevor es zu heiß wird machen wir uns noch auf die Suche nach ein paar leichten Oberteilen für mich, die hier günstig verkauft werden. Wie wir festgestellt haben, lohnt es sich auch nach dem Preis zu fragen und so kommen wir zufrieden zurück zum Boot. Nach dem Frühstück kümmere ich mich dann um das neue Funkgerät. Es muss lernen, ein GPS-Signal vom Plotter zu empfangen, ein AIS Signal an den Plotter zu senden und es ist erforderlich, die Funkkanäle von amerikanisch auf international umzustellen, solange wir noch hier in Europa unterwegs sind. Außerdem soll es mit dem Handgerät im Cockpit sprechen. All das dauert eine Weile, aber am Schluss gelingt es wieder, die Technik zu überlisten.
Ich schreibe noch eine Mail an Paul mit einer Liste, was er mitbringen soll und schicke Scans von allen Ausweisen und Schiffspapieren an Cornell Sailing – langsam wird es ernst! Natürlich denke ich auch an meine Schwester, die heute Geburtstag hat und im Moment auf meiner Lieblingsinsel Juist ist. - Nachmittags laufen wir auf einen Mirador (Aussichtspunkt) mit einem wunderbaren Blick über den gesamten Hafen. Wer findet die Triton (Hinweis: es gibt mehr als eine Hallberg Rassy…)?
Carola und Günter holen uns ab und wir fahren zu ihrem netten Appartement im Nachbarort Taurito und können uns im Swimmingpool auf dem Dach abkühlen. Da in Puerto de Mogán die Auswahl an Restaurants größer ist, suchen wir uns hier einen Platz zum Abendessen aus.

Sonntag, 10. September 2017

Tag 69 - Lissabon: Ist das Kunst...

...oder kann das weg? Das fragten wir uns heute manchmal. Aber von Anfang an: Ralf wollte gerne noch ins MAAT, das „Museum of Art, Architecture and Technology“. Der geschwungene Neubau der britischen Architektin Amanda Levete liegt direkt am Tejo-Ufer, ebenfalls im Stadtteil Belém – von außen ist es wunderschön, von innen eher enttäuschend, denn im Moment ist nur ein Saal zu besichtigen und Carlos Garaicoa's Installation mit verschiedenen blinkenden Lampen sagt uns eher nichts.
Glücklicherweise haben wir uns für die Kombikarte entschieden und können daher im danebenliegenden alten Elektrizitätswerk weitere Exponate zeitgenössischer portugiesischer Künstler besichtigen. Auch hier erschließen sich einige Kunstwerke ohne weiter Erklärungen nicht, teilweise sind wir nicht sicher, ob es Kunst ist, oder einfach nur eine kaputte Wand…

Da gefällt mir die Installation von Bernardo Correia schon wesentlich besser: in einem dunklen Raum stehen Säulen mit Skulpturen und gleichzeitig werden wechselnde digitale Bilder auf Musselin-Vorhänge geworfen.
Im Kraftwerk selbst gibt es außerdem das Elektrizitätsmuseum, in dem umfangreich und detailliert gezeigt wird, wie aus Kohle Strom gemacht wurde (und wird). Da ist Ralf natürlich in seinem Element!
In einem schicken Café an der Uferpromenade stärken wir uns dann mit Getränken und Sandwichs für den Rückweg. Ich finde es etwas gewollt originell, so tragen die Kellner asymmetrische Schürzen, die Wassergläser sehen aus wie der schiefe Turm von Pisa und die Bestecke haben sehr dünne runde Griffe, die man nicht richtig greifen kann… Dafür ist es extra teuer und Ralf lässt seinen kalten Kaffee zurückgehen.
Wir steigen nochmal in der Innenstadt aus und laufen eine Runde durch die Prachtstraße Rua Augusta und lassen die Stadt zum letzten Mal auf uns wirken. Uns hat es hier in Lissabon mit seinen vielen unterschiedlichen Stadtteilen und seiner reichhaltigen Geschichte sehr gut gefallen und wir können die Stadt sehr empfehlen! Zum Abschied kommt noch einmal die berühmte Straßenbahn Linie 28 vorbei.
Zurück im Hafen geben wir unsere aufladbaren Fahrkarten und das Merian-Heft Lissabon bei der YUANA ab, die noch einige Tage hier sein wird. Wir bereiten uns auf das nächste größere Seestück nach Porto Santo (Madeira) vor. Mehrere warme Mahlzeiten sind vorgekocht, die Navigation ist erledigt, die Seekarten sind bereitgelegt. Morgen früh soll es losgehen – rund 500 sm, also nicht wundern, wenn es hier keine Updates gibt. Ich werde allerdings versuchen, ab und zu per Mail zu posten. 

Sonntag, 3. September 2017

Tag 62 - Oeiras-Alcântara: Facetten von Lissabon

Eigentlich standen wir schon in den Startlöchern, um Lissabon unsicher zu machen, als sich Mr. Carlos meldete und uns in der Alcântara Marina treffen wollte. Also Leinen los und den Tejo hinauf. Wir nutzen die Chance auf ein leckeres Frühstück während der Fahrt (mit den kostenlos gelieferten, sehr guten Brötchen). Auch vom Fluss aus war Sightseeing möglich: als erstes kamen wir am Torre de Belém vorbei, gebaut 1515-1521 im manuelinischen Stil. Er versinnbildlicht seitdem die Glanzzeit des portugiesischen See- und Handelsimperiums.
Kurz dahinter dann das Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen), das 1960 zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer errichtet wurde und 33 Persönlichkeiten aus dem Zeitalter der Entdeckungen zeigt.
Man könnte auf die Idee kommen, in San Francisco zu sein, denn die Brücke, die sich über den Tejo spannt ähnelt der Golden Gate Bridge und wurde tatsächlich in den 60er Jahren durch eine amerikanische Firma mit aus den USA importierten Stahl gebaut. Zunächst nach dem Diktator Salazar benannt wurde sich nach der Nelkenrevolution 1974 in Ponte 25 de Abril umbenannt.
Der Erzbischof von Lissabon war so begeistert von der Christus-Statue in Rio de Janeiro, dass er so etwas auch seine Stadt haben wollte. Die Bischöfe gelobten 1940, eine solche Statue zu errichten, sollte (das neutrale) Portugal vom 2. Weltkrieg verschont bleiben. Und so kann das Monument jetzt vom Fluss aus bewundert werden.
In der Alcântara Marina kam dann Mr. Carlos an Bord, den wir auf eine Empfehlung in unserem Handbuch „Atlantic Spain and Portugal“ angerufen hatten. Er vermittelte uns den Kontakt mit der Werft, wo die Triton aus dem Wasser kommt, wird unsere Gasflasche auffüllen, besorgte uns einen Menschen, der unseren Sonnenschutz nähen soll und erzählte aus seinem bewegten Leben. Er spricht sechs Sprachen, war bei der portugiesischen Luftwaffe, Elektriker auf einem norwegischen Schiff, Koch in der deutschen Botschaft in Den Haag etc.

Dann war es auch schon Zeit, uns auf den Weg zu unserer Stadtführung zu machen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Free Tours gemacht, die Führer sind kenntnisreich und engagiert und nur wenn es gefällt wird am Schluss eine Spende erwartet. Wir waren mit Rafael von Lisbon Chill Out (klick) unterwegs und es hat uns sehr gut gefallen. Treffpunkt ist Praça Luís de Camões.
Von dort aus erkundeten wir dann die verschiedenen, sehr unterschiedlichen Viertel der Stadt. Zunächst besuchten wir Bairro Alto (Oberstadt), wo es viele kleine Restaurants und – wie Rafael glaubhaft versicherte – ein reges Nachtleben gibt.
Hier können wir die Kachel-Fassade eines ehemaligen Freimaurer-Hauses bewundern…
…und hier steht auch das Skelett der Kirche Igreja do Carmo, das an das große Erdbeben von 1755 erinnert. Auffällig, dass die Bögen das Erdbeben unbeschadet überstanden. Beim Wiederaufbau wurde diese Erkenntnis dann berücksichtigt.
Wir laufen durch die Baixa (Unterstadt) mit ihren nach dem Erdbeben errichteten Prachtbauten und kommen am Casa dos Bicos vorbei. Im frühen 16. Jahrhundert errichtet ist es jetzt Sitz der José Saramago Foundation.
Zwischen Fluss und dem Castelo de São Jorge liegt Alfama, ein sehr alter Stadtteil mit vielen engen Gässchen. Hier stehen die Wohnungstüren offen und die Menschen leben in einer engen Gemeinschaft.
Unsere Tour endet dann pünktlich zum Sonnenuntergang oben am Miradouro (Aussichtspunkt) da Graça.
Damit ist unser Tag aber noch nicht zu ende, denn wir müssen ja auch wieder zurück aufs Schiff. Mittlerweile ist 20:00 Uhr geworden und wir essen erst einmal gegrillten Fisch, bevor wir uns dann mit der berühmten Straßenbahn Nr. 28 auf den Weg hinunter zum Ufer machen. Die alten Wagen fahren Steigungen (und Gefälle) bis 13,5 % und die Strecke führt – teilweise einspurig – durch abenteuerlich enge Gassen.
Wir wechseln in die Nr. 15, die am Fluss entlang zu unserer Marina fährt und auch zu relativ später Stunde noch brechend voll ist. Beim Aussteigen sehen wir, dass es hier im wahrsten Sinne des Wortes Trittbrettfahrer gibt… 
Ein sehr abwechslungsreicher Tag in einer sehr abwechslungsreichen Stadt, wir werden bestimmt noch mehr erkunden!