Posts mit dem Label C&D Kanal werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label C&D Kanal werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 6. Juli 2018

Tag 367 - Chesapeake City-Delaware City: Kanalfahrt

Die Strömung ist von 9:00 bis 15:00 Uhr günstig für uns und ein Anruf bei unserer Ziel-Marina ergibt, dass wir ungefähr halbe Flut benötigen, um in den Seitenkanal hinein fahren zu können. Das bedeutet fahren nach Plan und Aufbruch um 11:00 Uhr. Ralf nutzt die Zeit, um unseren einzigen Dieselkanister, den wir schon seit Teneriffa an Bord haben, in den Tank umzufüllen. Bis auf den letzten Monat im ICW haben wir unsere Strecken ganz überwiegend unter Segeln zurückgelegt.
Der Chesapeake & Delaware Kanal, der die Halbinsel Delmarwa zu einer echten Insel macht, ist erstaunlich hübsch. Alles grün und nette Häuser und keine Industrieanlagen. Für mich ganz erstaunlich, dass wir auf dem Wasser fast alleine sind – ich hätte erwartet, dass einige der Bootsfahrer von gestern ein verlängertes Wochenende machen…
Es gibt sechs Brücken, fünf davon sehr hoch und eine Eisenbahnbrücke, die normalerweise offen ist, wenn nicht gerade ein Zug kommt. Trotzdem nähern wir uns vorsichtig, denn wir haben unsere Erfahrungen von Norfolk nicht vergessen, als eine Eisenbahnbrücke ohne Warnlichter oder Signale direkt vor uns geschlossen wurde… Aber hier rührt sich nichts und wir können weiterfahren.
Heute ist es nicht ganz so heiß und ab und zu schiebt sich sogar mal eine Wolke vor die Sonne. Eine Erleichterung! Schon bald haben wir das Ende des nur 14 sm langen Kanals erreicht und biegen in den Delaware River ein.
Wir fahren ein kleines Stück stromaufwärts, durch eine sehr enge (und flache) Einfahrt und dann sind wir im kleinen Seitenkanal nach Delaware City. Der Tiefenalarm hat kurz gepiepst und die kleinste Zahl, die wir gelesen haben war 1,90 m (unser Tiefgang…) aber mit 50 cm mehr Wasser durch die Tide sind wir problemlos in die Einfahrt gekommen.
Delaware City klingt ziemlich groß, es ist aber „nur“ ein sehr nettes, kleines Dorf (ca. 1.700 Einwohner). In der Delaware City Marina werden wir sehr freundlich begrüßt, können Diesel tanken und werden vom kompetenten Mitarbeiter ganz elegant unter Ausnutzung der Strömung im engen Fahrwasser herumgedreht, so dass wir gleich in die richtige Richtung zum Auslaufen liegen. Der Marina-Eigner bietet sogar eine Info-Veranstaltung an, wann und wie wir am besten den Delaware hinunterfahren können. Und er hat sehr nette Hunde!
Wir laufen noch das kurze Stück in den Ort, wo wir eine Kleinigkeit essen, ein Frachtschiff auf dem Delaware beobachten (das einzige, das wir gesehen haben), im General Store Brot, Milch und Äpfel kaufen und uns zum Abschluss noch ein Eis gönnen.
Die Analyse von Wetter, Wind und Strömungen hat ergeben, dass wir morgen früh um 7:00 Uhr aufbrechen wollen, weil wir dann den Strom günstig mit uns haben. Leider können wir den Cape May Canal nicht nutzen (Tiefgang und Masthöhe), so dass wir außen „um die Ecke“ fahren müssen und sich die Strecke auf 67 sm verlängert. Wir rechnen mit ca. 12 Stunden.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Tag 366 - Grove Point-Chesapeake City: Jahrestag

Wir hatten glücklicherweise eine ruhige Nacht und der Tag heute ist nicht ganz so heiß. Es ist wieder nur sehr wenig Wind und daher richten wir uns nach dem Strom, der uns dann auch gut mitschiebt. So haben wir schnell unser Tagesziel erreicht, den Bohemia River. Allerdings ist er nicht so tief, wie und unseren Karten (elektronisch und auf Papier) ausgewiesen. Hier sollen bei tiefster Ebbe 2,10 m Wasser sein und das Echolot zeigt auch 2,10 m an, aber jetzt ist Flut und später hätten wir dann 60 cm weniger… Also fahren wir wieder aus der Flussmündung heraus und ankern neben dem Fahrwasser.
Wir machen uns Gedanken über die nächsten Tage und überlegen, welche Häfen und Ankerplätze in Frage kommen. In der Chesapeake Bay gab es an jedem dicken Baum eine Möglichkeit, aber der Delaware ist wesentlich weniger erschlossen und es gibt dort starke Tidenströme, so dass wir zur richtigen Zeit los müssen. Wir überlegen verschiedene Szenarien und entscheiden uns dann, heute noch nach Chesapeake City weiterzufahren. Es geht durch eine schöne Flusslandschaft mit hübschen Häusern.
Chesapeake City liegt nicht an der Chesapeake Bay, sondern am Chesapeake & Delaware Kanal. Hier ist segeln verboten und es gibt wieder die Seezeichen, die wir aus dem ICW kennen. Heute ist Feiertag und bei dem sonnigen Wetter ist gefühlt die ganze Welt einen Ausflug mit dem Motorboot. Wir werden rechts und links überholt und jeder macht große Wellen, die unser Boot ganz schön zum Schaukeln bringen.
In Chesapeake City gibt es direkt am Kanal eine Marina mit einem großen Becken, in dem geankert werden darf. Wir hatten erst Zweifel, ob es für uns tief genug ist, aber eine Recherche im Internet ergab, dass es gerade frisch ausgebaggert worden ist – also nix wie hin. Unterwegs überholen wir wieder unseren Mitsegler von gestern, der auch heute tapfer die Segel oben hat. Später kommt er auch an den Ankerplatz und wir unterhalten uns nett.
Ein kleiner Fluss mündet in das Ankerbecken und die leichte Strömung sorgt dafür, dass die Triton ordentlich liegt und das Wasser so sauber ist, dass wir wieder schwimmen gehen können. Dann kommen noch die Nägel an die Reihe und zur Feier des Tages sogar etwas Nagellack. So aufgehübscht rudert uns Ralf an Land, wo wir essen gehen wollen.
Im Zweifel sind wir bei Essen gehen mit Pizza immer sehr gut gefahren. Etwas, dass wir nicht an Bord kochen und das meistens recht gut schmeckt, so auch hier. Das Restaurant ist gut besucht, aber ich hatte irgendwie erwartet, dass es heute – am Unabhängigkeitstag – mehr Deko in den Nationalfarben gibt und dass die Leute die entsprechend Klamotten tragen, die wir in den Geschäften gesehen haben. Aber es sieht alles ganz normal aus.
Es gibt noch nicht einmal ein Feuerwerk. Wir erfahren, dass die Orte an der Chesapeake Bay und am Kanal sich abgesprochen haben und dass es die ganze Woche jeden Abend an einem anderen Ort knallt. Hier war der große Tag am Montag. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als die beleuchteten Stege (immerhin rot, weiß und blau) zu fotografieren.
Für uns hat der Tag aber auch eine persönliche Bedeutung, denn heute vor einem Jahr sind wir ziemlich erschöpft in Workum angekommen – das erste Halbjahr 2017 war mit Arbeit und Vorbereitungen doch recht intensiv. Ich habe es tatsächlich geschafft, nahezu jeden Tag zu bloggen und bin mittlerweile sehr froh darüber, denn es gab so vielen Eindrücke  und Erlebnisse, dass ich einige gar nicht mehr zuordnen kann. Nun kann ich jedes Tag nachlesen, wo wir vor einem Jahr gewesen sind. Hier der Link zum Blog: klick

Es war ganz klar eines der interessantesten und abwechslungsreichsten Jahre meines Lebens und ich habe viel gelernt und über vieles nachgedacht. Gut gefallen haben mir nicht nur die Segeltage und -nächte und die so unterschiedlichen Länder und Landschaften, sondern ganz besonders die Begegnungen mit ganz verschiedenen Menschen: andere Segler, andere Touristen, Künstler, Händler, Guides und einfach ganz normale Einwohner, mit denen wir auf der Straße ins Gespräch gekommen sind. Ralf und ich haben den Traum einer Segel-Auszeit schon seit sehr vielen Jahren und es ist tatsächlich noch viel besser, als ich es mir vorgestellt hatte!