Donnerstag, 24. Mai 2018

Tag 325 - Beaufort: Boote und Piraten

Den Vormittag verbringen wir an Bord. Es gibt noch einiges an Lebensmitteln zu verstauen, es ist noch Wäsche zu falten, die Betten in der Achterkajüte müssen wieder bezogen werden, Ralf fängt an, den neuen Geber für den Wassertank zu installieren… es ist kein Problem, Beschäftigung auf dem Boot zu finden. Außerdem telefonieren wir über WhatsApp mit unseren jeweiligen Müttern – wirklich schön, dass es diese kostenlose Möglichkeit gibt.

Gegen Mittag laufen wir wieder die drei Blocks zur Waterfront, wo wie heute ins „North Carolina Maritime Museum“ wollen. Der Eintritt ist frei und wir werden sehr nett von freiwilligen Helfern begrüßt. Es gibt Informationen zur Küste und den hier lebenden Tieren und Pflanzen, besonders passend, weil es uns Hintergrundinformationen zu den gestern gesehen Inseln liefert. Alles ist didaktisch aufbereitet und es sind mehrere Schulklassen unterwegs, die Fragebogen ausfüllen müssen.
Uns interessiert besonders der Abschnitt über Bootsbau und wie die hier gesegelten Boote an die speziellen Bedürfnisse dieses Reviers angepasst worden sind. In freue mich immer, wenn ich etwas neues lernen kann, hier z.B. wie die Siedler die Einbaum-Technik abwandelten oder dass ein Skiff ein Boot mit einem flachen Boden ist.
Eine ganze Abteilung ist dem Piraten Edward Teach, besser bekannt als Blackbeard, gewidmet. Er war uns schon in den Virgin Islands begegnet. Blackbeards Schiff, die „Queen Anne’s Revenge“ ist 1718 vor Beaufort gesunken, weil er in der Einfahrt aufgelaufen ist. Gut, dass wir das besser gemacht haben. Das Wrack wurde 1996 entdeckt und zahlreiche Artefakte sind hier ausgestellt.
Zum Abschluss kaufen wir noch ein Los für ein kleines Holz-Motorboot, dass im zum Museum gehörenden „Beaufort Watercraft Center“ gegenüber gebaut wurde. Am 2. Dezember wird der Gewinner gezogen und wir sind gespannt…
Natürlich schauen wir auch noch ins Watercraft Center, wo nicht nur Holzboote gebaut, sondern auch alte Boote für andere Museen restauriert werden. Leider dürfen wir nicht direkt in die Werkstatt.
Dann essen wir noch Frozen Yoghurt mit Früchten im kleinen Laden gleich nebenan. Dort ist ein echter Spezialist im Service beschäftigt, der offensichtlich nicht so richtig angelernt wurde. Eis in Kugeln geht, aber für die Yoghurt-Maschine (wie Softeis) und zum Schneiden einer Banane holt er sich Hilfe aus den Nachbar-Geschäft… Es ist wie im Slapstick – aber schließlich können wir unser Eis auf einer gemütlichen Bank genießen.
Dabei sehen wir, dass oben auf dem „Widow‘s Walk“ des Museums Menschen stehen. Ein Widow’s Walk ist eine kleine Plattform oben auf dem Dach, von dem aus die Frauen der Seeleute nach ihren Männer Ausschau halten konnten. Die Aussicht ist nicht besonders spektakulär, aber unser Guide, Tom, ist sehr nett und wir kommen mit ihm und später auch noch mit seiner Frau Juwel ins Gespräch. Sie waren auch mit einem Boot an der Küste unterwegs und sind sogar schon in England Narrow Boat gefahren.
Auf dem Rückweg zum Boot habe ich Spaß mit einer Reihe von Blumen-Portraits. Praktisch jeder hat vor seinem Haus einen Garten oder Blumenkästen und hier in diesem Klima wachsen die Pflanzen ganz offensichtlich sehr gut. Ich kenne die Namen der Blumen überwiegend nicht und ich selbst möchte keinen Garten haben, aber ich bewundere sehr gerne die Leistungen der hier ansässigen Gärtner.
Unsere netten Nachbarn Dan und Robin haben Teile unserer Kuchenbude zum Trocknen aufgehängt und wir kommen ins Gespräch. Die drei Jungs (im Alter zwischen 10 und 13) sind noch nie in eine öffentliche Schule gegangen, sondern werden von den Eltern unterrichtet. Wir vergleichen Schulsysteme und die Herausforderungen der Erziehung und ich erwähne, dass ich unseren Kater vermisse. Es stellt sich heraus, dass an Bord vier Katzen leben: Smitten, Sandy, Minion und Little Cat und wir werden eingeladen, sie kennenzulernen. Zwei sind Langhaarkatzen, aber die beiden anderen sehen fast aus wie Diego (und Zazou). Es ist schön, mal wieder einen Kater zu kraulen!

Tag 324 - Beaufort-Cape Lookout: Ausflug und Einkauf

Unser Beaufort liegt in North Carolina und wird „Bo-fort“ ausgesprochen. Es gibt auch noch ein Beaufort in South Carolina, in dem der Film „Forrest Gump“ gedreht wurde und das „Bju-fort“ ausgesprochen wird. Eine der Charakteristiken von North Carolinas Küste sind die „Outer Banks“ eine Kette von sehr langen und schmalen Inseln, die aufgereiht vor der Küste liegen. Gut zu erkennen sind die zwei Kaps: Cape Hatteras oben rechts und Cape Lookout unten links.
Wir haben für heute einen Tour mit einem Ausflugsboot nach Cape Lookout gebucht, weil wir uns die Inselwelt und den berühmten schwarz-weißen Leuchtturm anschauen wollen. An der Waterfront steigen wir in unser offenes Boot ein und werden von Captain „Barracuda“ herzlich begrüßt. Wir sind 12 Leute an Bord und er bittet uns, uns etwas weiter nach hinten zu setzen. Warum wird dann klar, als wir im offenen Wasser sind: sein Außenborder mit 250 PS beschleunigt uns auf über 20 kn (rund 40 km/h) – das ist etwas anders als bei der Triton, wo wir normalerweise mit 5-7 kn unterwegs sind… Aber auch weiter hinten werden wir teilweise bei der Rauschefahrt nassgespritzt.
Wir hätten den Leutturm nur von außen über den Atlantik erreichen können, denn zwischen den Banks und dem Festland liegt ein flaches Tidenrevier. Im Bild: blauer Punkt = unsere Marina, roter Marker = Leuchtturm.
Mir gefällt die Landschaft sehr gut, wahrscheinlich weil sie mich an die flachen Sandinseln in der Nordsee erinnert. Unterwegs sehen wir zahlreiche Vögel, die hier natürlich ideale Bedingungen haben.
Auf der Rückfahrt müssen wir erst einmal einen Tankstopp einlegen, denn die schnelle Fahrt verbraucht eine Menge Benzin verbraucht (insgesamt ca. 80 l). Da sind wir mit der Triton schon günstiger unterwegs. Mit dieser Menge kommen wir Monate aus… Auch hier gibt es viele verschiedene Vogelarten: Pelikan, Reiher, Kranich, Ibis, die in großen Kolonien auf Sandbänken leben oder alleine auf Jagd unterwegs sind.
Auf einigen Inseln leben verwilderte Pferde. Sie sind angeblich im 17. Jahrhundert durch Schiffbrüche auf den Inseln gelandet und haben sich dort eingelebt. Heute gehören sie dem Staat North Carolina und werden gesundheitlich überwacht, ggf. mit Trinkwasser versorgt und es wird durch Geburtenkontrolle dafür gesorgt, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren. Wir haben Glück und treffen eine Stute mit Fohlen.
Auf der Landseite können wir dann noch verschiedene Anwesen bewundern. Zu jedem Haus gehört ein eigener Anlegesteg samt Motorboot. Hier ist es üblich, die Boote aus dem Wasser zu heben. Angeln ist hier der Nationalsport und es gibt gefühlt genauso viele Angelboote wie Einwohner. Segelboote sind eher die Ausnahme.
Nach diesen Erlebnissen ruhen wir uns erst einmal ein wenig aus, bevor wir zu unserer nächsten Expedition starten. Wie schon erwähnt, gibt es hier ein Auto, mit dem die Gäste der Marina zum Einkaufen fahren können. Der Schlüssel hängt einfach da und jeder darf ihn nach dem Motto: „First come – first serve“ einfach nehmen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und machen uns auf dem Weg nach Morehead und dort erst einmal zum Yachtausrüster „West Marine“. Ein Paradies für jeden Wassersportler. Wir kaufen einen neuen Geber für den Wassertank, damit wir unseren Wasserverbrauch besser kontrollieren können.
Die nächste Station ist dann Lidl, der hier ein anderes Konzept als in Deutschland verfolgt: edler und mit mehr biologischen Produkten. Wir packen einen großen Einkaufswagen voll und finden sogar deutsches Sauerteigbrot (das wirklich auch so schmeckt) und frisch gebackene Laugenbrezeln. Wir ergänzen die Getränkevorräte und kaufen eine Menge frische Lebensmittel, Obst und Gemüse. Und das alles noch richtig günstig! Hier kommen wir sicher nochmal her!

Dienstag, 22. Mai 2018

Tag 323 - Beaufort: Erst mal sortieren

Ausnahmsweise klingelt heute der Wecker, denn die Herren von Customs and Immigration wollen „vor acht“ vorbeikommen und sie sind dann auch zeitig da. Ganz im Gegensatz zu einigen Berichten sind die beiden sehr freundlich und unkompliziert. Einer kontrolliert die Pässe – ein Stempel ist nicht nötig, weil wir ja in St. Croix schon einmal eingecheckt haben – und der andere interessiert sich für unsere Lebensmittel. Insbesondere frische Früchte, Gemüse und bestimmte Sorten Frischfleisch werden gar nicht gerne gesehen. Wie gut, dass Ralf alle Äpfel gegessen hat… So werden nur ca. 10 Kirschtomaten „verhaftet“. Die offene Salami dürfen wir behalten, weil es sich um ein amerikanisches Produkt handelt. Das war einfacher als gedacht!
Nun haben wir auch ein „Cruising Permit“ für die nächsten 365 Tage bis zum 21. Mai 2019. Wir haben geklärt, dass wir das Land nicht bis dahin verlassen müssen. Es ist danach nur erforderlich, in jedem Hafen ein- bzw. auszuklarieren.
Dann wird das Boot aufgeräumt und geputzt. Ralf gibt alles, um die Roststreifen aus dem Ankerkasten zu entfernen… Hier gibt es eine kostenlose Waschmaschine, kostenlose Duschen, Wasser und Strom sind inclusive und außerdem können wir ein „Courtesy Car“ benutzen, um Einkäufe zu machen. Wir haben gleich eine ganze Woche gebucht, weil das ab vier Übernachtungen günstiger ist. Ich ziehe die Betten ab und sortiere die Wäsche, weil die Gelegenheit so günstig ist.
Unser Stegnachbar Don kommt herüber, um uns Tipps für den Weg nach Norden zu geben – sehr nett! Er läd uns ein, ihn in Port Washington (nördlich von New York), wo er mit seiner Frau auf dem Boot lebt. Eine Box weiter liegen Dan und Robin und ihre drei Jungs. Bei ihm haben wir unsere Kuchenbude zum reparieren abgegeben. Außerdem lernen wir Mary und Gale mit ihren großen Motorboot kennen. Sie empfehlen auch Port Washington und schenken uns frische Fischfilets. Eine wirklich schöne Atmosphäre hier in der Marina!
Nachmittags laufen wir wieder in den Ort (Kaffee und Kuchen…). Wir kennen uns jetzt ja schon etwas aus und wissen, wo wir hinwollen. Wir laufen wieder ein Stück an der Waterfront entlang und dann kaufe ich mir noch ein paar Sandalen. Schon auf den USVI war mir eine bestimmte Art aufgefallen und gestern habe ich sie hier im Fenster gesehen. Ein Paar anprobiert – sitzt und ist bequem – und gleich gekauft. Schon lange keine Schuhe mehr gekauft – macht Spaß! Die ganze Stadt ist sehr gepflegt und mir gefällt die Architektur mit den Holzvertäfelungen und den überdachten Veranden.
Dann kaufen wir noch ein paar Lebensmittel ein. Hier gibt es nur einen ganz kleinen Laden, eine ehemalige Tankstelle, der im wesentlichen Bier, Chips und Angelköder verkauft. Wir erstehen Brot, Eier und vor allen Dingen ÄPFEL (Ralf hatte schon die ersten Entzugserscheinungen).
Zurück auf dem Boot gibt es dann erst einen wunderbaren Sonnenuntergang und dann den geschenkten Fisch, zu dem Ralf eine köstliche Sauce zaubert – ein Genuss. Jetzt habe ich noch alle Bilder zu den Blogbeiträgen der Überfahrt ergänzt und die Fragen geklärt, wie die Wettertonnen verankert sind und wie ein Longtail auf Deutsch heißt…

Montag, 21. Mai 2018

Tag 322 - Atlantik-Beaufort: Ereignisreiche Stunden!

Die letzten 33 Stunden waren wirklich sehr abwechslungsreich! Das ging schon kurz nach Mittag los, denn wir erreichten den Punkt, an dem wir nach Norden – endlich Richtung Beaufort – abbiegen sollten. Hier war auch der Eintritt in den Golfstrom vorgesehen. Zunächst musste die Fock wieder ausgebaumt werden, denn nun kam der Wind wieder weiter von hinten.
Und dann waren wir wirklich im Golfstrom, ganz einfach zu merken, denn er schiebt mit 2-4 kn nach Norden – genau unsere Richtung und es ging richtig ab.
Ralf nutzt einen ruhigen Moment, um die Gastlandsflagge und die Einklarierungsflagge zu setzen.
Unser Wetterguru hatte für Sonntag und Montag Schauerböen und eventuell sogar Gewitter angekündigt, aber – wie wir in unseren Grib-Daten gesehen haben - war das schlechte Wetter schon vor uns nach Norden abgezogen und wir hatten beste Bedingungen. Geplant war dann, so gegen 20:00 Uhr zu Abend zu essen und Ralf, der keine (vorgekochten) Nudeln mehr sehen konnte, setzte einen Topf Reis auf… nur um ihn gleich wieder auszuschalten, denn nun erwischte uns dann doch noch eine Schauerboe. Der Himmel wurde dunkel und der Wind drehte und legte deutlich zu – Zeit die Fock nach Lee zu holen und zu reffen.
Nach dem Wind kam dann der Regen – gut, denn das bedeutet, dass das Schlimmste (das in diesem Fall sehr moderat war) schon vorbei ist. Merkspruch: „Erst der Wind und dann der Regen, Seemann kannst dich schlafen legen. Erst der Regen, dann der Wind, Seemann aus dem Bett geschwind.“ Das gilt natürlich auch für Seefrauen…
Nach der Schauerböe ist dann erst mal der Wind sehr schwach und wir baumen wieder auf der anderen Seite aus. Es dauert ca. eine Stunde und dann sind die Verhältnisse wieder normal, also Fock wieder zurück und weiter geht die gute Fahrt in Richtung Ansteuerungstonne Beaufort. Wir sind so schnell unterwegs, dass wir sogar noch ein zweites Reff ins Groß binden, um nicht zu früh anzukommen. Seht gut ist dabei die rote Kopflampe, die die Nachtsicht nicht zerstört.
Trotz des Reffs sind wir immer noch schnell unterwegs und fahren noch im Dunkeln die 7 sm von der Ansteuerung in die Einfahrt. Hier gibt es jede Menge rote und grüne Tonnen und wir steuern per Hand, denn weder Sir Henry noch James (die kleine Elektroanlage) können bei den großen Wellen den engen Tonnenstrich fahren. Wir sind zu einer ungünstigen Zeit angekommen, denn hier gibt es Tide und die strömt gerade gegen uns und gegen den Wind, was zu richtig unangenehmen Wellen führt. Wir bergen die Segel und motoren gegenan – bei 5 kn Fahrt und 2-3 kn Gegenstrom ein mühsames Geschäft.

Aber schließlich ist es geschafft und die Wellen werden weniger. So langsam zeigt sich auch das erste Licht im Osten. Ich habe eine Marina angesteuert, die direkt am Hauptfahrwasser liegt und die wir auch im Dunkeln erreichen können, aber als wir einen Ankerlieger sehen, beschließen wir, erst einmal einfach neben dem Fahrwasser zu ankern und uns dann später die Lage erst einmal anzusehen.
Um 6:30 Bordzeit fällt nach 117 Stunden und 15 Minuten der Anker neben Tonne 23 des Morehead Channels. Wir haben 748 sm zurückgelegt – das bedeutet einen Schnitt von 6,4 kn und das alles bei Sonne und Wind von der Seite oder von hinten – besser kann es eigentlich nicht mehr laufen und wir sind mit der Wetterberatung von Chris Parker und seinem Team sehr zufrieden. Ralf schläft erst mal eine Runde und ich versuche, uns über die ROAM App bei Customs and Immigration anzumelden, bekomme aber keine Antwort.
Ich lege mich also auch zum Schlafen hin und später duschen wir und frühstücken erst einmal gemütlich. Ich hatte in der Facebook-Gruppe „Women Who Sail ICW“ nach einer Empfehlung für eine Marina in Beaufort gefragt und dort und in einem Revierführer wurde die „Homer Smith Marina“ sehr gelobt. In unserer Karte ist es dort nur 30 cm tief, aber wir rufen an und erfahren, dass die Marina ausgebaggert ist und auch einen Platz für uns hat. Also versuchen wir, den Anker hochzuziehen – nicht so einfach, denn wir haben ein großes Stück Stahltrosse daran hängen, das Ralf aber glücklicherweise mit dem Enterhaken entfernen kann.
Und dann fahren wir unser erstes Stück ICW, den „Intracoastal Waterway“, den wir jetzt ca. 200 sm weit bis nach Norfork, Virginia erkunden wollen. Jedem Menge Boote sind hier unterwegs, meist kleine Motorboote, große Hochsee-Angel-Boote und einige „Shrimper“, die hier Krabben fangen. Wir folgen sorgfältig dem Kanal, denn rechts und links davon ist es oft sehr flach.
Nach einer Brücke biegen wir ab und werden bei „Homer Smith“ sehr freundlich begrüßt. Unser Nachbar Don ist aus New York und will uns morgen noch ein paar Tipps für die Fahrt nach Norden geben. Wir kontaktieren nochmal Customs and Immigration, diesmal per Telefon, und erfahren, dass die ROAM App nur in Florida funktioniert und nicht hier in North Carolina. Der Beamte ist sehr freundlich, nimmt unsere Daten auf und erlaubt uns, das Schiff zu verlassen. Morgen wird er direkt zu uns an Bord kommen und die Formalitäten erledigen.
Mittlerweile ist es Nachmittag geworden und wir haben Hunger. Wir laufen ein kurzes Stück durch den Ort (wie eine Filmkulisse für eine amerikanische Kleinstadt) bis zur Waterfront, wo wir richtig große Pizza bekommen – sehr lecker. Wir lernen auch gleich, dass es hier ein automatisches „Refill“ für Getränke gibt und dass 15-20 % Trinkgeld üblich sind, weil die Kellnerinnen nur sehr wenig Grundlohn bekommen. Ganz faszinierend ist auch die Budweiser-Flasche, die aus Aluminium besteht.
Auf dem Heimweg finden wir noch einen hervorragenden Buch- und Geschenke-Laden, in dem wir die Revierführer für die Reise nach Norden bekommen und uns zwei Hüte kaufen. Außerdem erhalten wir zahlreiche kostenlose Zeitschriften und einen Plan mit den Lebensmittel-Geschäften. Noch ein kleines Eis und dann laufen wir zurück zum Schiff. Als wir ein wenig unschlüssig an einer Kreuzung stehen, kommt gleich eine Dame von einer Veranda, stellt sich vor und bietet ihre Hilfe an.  Ich denke, hier haben wir es sehr gut getroffen. Wir haben Spaß an den vielen „Squirrels“, die hier wahrscheinlich Plagegeister sind, aber die wir (noch) sehr niedlich finden.
Unser übernächster Nachbar in der Marina ist Segelmacher und will hier für die Hurrikan-Season einen Laden aufmachen. Wir engagieren ihn gleich, um ein paar Reparaturen bei uns durchzuführen. Jetzt habe ich noch die Fotos sortiert, die Instagram „Bilder-des Tages“ hochgeladen und natürlich gebloggt. Nun freue ich mich auf mein Bettchen…

Sonntag, 20. Mai 2018

Tag 321 - Kurs Beaufort 4: Große Wellen und blöde Tonnen

20.05.2018 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 163 sm
Position: 32°43,05'N 76°26,63'W – Log: 623 sm – Rest: 125 sm

Den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht geht es weiter mit der Berg- und Talbahn. Der Wind wird nochmal stärker, und wir verkleinern auch noch die Fock. Es ist mal wieder schnell und unbequem – das haben wir ja schon öfter gehabt. Aber genau für solche Bedingungen ist unser Boot gebaut. Wir sitzen sicher und geschützt unter unserem Dach im Cockpit, der V-förmige Bug setzt ohne zu schlagen in die Wellen ein und der Langkiel macht die Triton kursstabil und gutmütig.

Auch unter Deck ist mit Bedacht geplant. Es gibt bequeme Kojen, in denen wir auch bei dem Geschaukel erholsam schlafen können und sehr sinnvoll angebrachte Handgriffe, mit denen wir uns sicher durch das Boot hangeln können. Auf dem kardanisch aufgehängten Herd sind der Wasserkessel und unser Aufwärm-Topf für das vorgekochte Essen mit Spangen befestigt, so dass auch das „Kochen" gut funktioniert. Nur Spülen ist ziemlich lästig, weil auch wenig Wasser aus der Spüle zu schwappen droht…

Ich hatte ja schon von der Wettertonne berichtet, die wir nachts mitten auf dem Atlantik getroffen haben. Und durch unsere Kursänderung liegt doch tatsächlich wieder eine Tonne genau auf unserem Weg. Eigentlich ist es nachts einfacher, eine Tonne zu finden, wenn sie beleuchtet ist. Und das ist bei dieser laut Seekarte der Fall. Problem: wir kommen der Stelle immer näher und sehen absolut nichts. Es ist 4:00 Uhr, kein Mond und daher so dunkel, dass wir noch nicht einmal den Bug der Triton, geschweige denn den Horizont oder eine möglicherweise erloschene Tonne sehen können. Daher aktivieren wir den Radar, auf dem die Tonne Dank Radarreflektor zu erkennen sein müsste. Immer noch nichts… Schließlich sind wir an der Stelle vorbei und können wieder normal weitersegeln.
Sonst ist die Nacht ereignislos, die Sonne geht wieder hinter uns auf und ich bekomme Besuch von einem „Longtail", der das Schiff ein paarmal neugierig umkreist. Wir kennen diese Vögel schon von Bermuda, aber ich habe keine Ahnung, wie sie auf deutsch heißen und vermisse mal wieder Internet (Nachtrag: es handelt sich um einen "Weißschwanz-Tropikvogel). Mit Sonnenaufgang ist der Wind etwas schwächer geworden und wir können die Fock wieder ausreffen. Bis Mittags haben wir ein Etmal von 163 sm geschafft, das ist für unsere Bootsgröße sehr respektabel.

Samstag, 19. Mai 2018

Tag 320 - Kurs Beaufort 3: Kursänderung

19.05.2018 12:00 Bordzeit – Etmal: 149 sm
Position: 32°04,03'N 73°30,46'W – Log: 460 sm – Rest: 295 sm

Nach unserer Mittagsposition schreibe ich wieder Blog und wir rufen Wetterdaten ab. Gestern klappt die Verbindung nach wenigen Versuchen und auch das Herunterladen der Grib-Files funktioniert. Nach Studium der verschiedenen Wettermodelle entscheiden wir, nicht ganz so weit nach Süden zu fahren und passen unseren Kurs entsprechend an.

Das führt dazu, dass dann gegen Abend der Wind soweit von hinten kommt, dass wir die Fock ausbaumen müssen. So fahren wir dann in die Nacht. Diesmal habe ich die Wache mit dem Mondlicht und so fahre ich auf einer silbernen Bahn. Gerade philosophiere ich darüber, wie wenig Schiffsverkehr es hier im Vergleich zu Ostsee gibt, als wir gleich mehrere Lichter entdecken. Wir aktivieren unser AIS, um Kurs und Geschwindigkeit zu sehen. Zwei Frachter kreuzen unseren Kurs und einer ist auf dem Weg nach Norden. Keiner von uns muss seinen Kurs ändern, aber ein großes Containerschiff fährt direkt vor uns vorbei.
Meine nächste Wache ist dann die Morgenwache, schön, weil dabei die Sonne aufgeht. Schon mindestens eine Stunde vorher kann ich sehen, wie es im Osten langsam heller wird, die Sterne verblassen und erst Konturen und dann Farben sichtbar werden. Der Wind hat etwas gedreht und ich nehme die Fock wieder auf die andere Seite, damit wir weiter unseren Kurs fahren können.
Beim Wachwechsel kommt es dann zu einer Diskussion. Wir verstehen uns wirklich gut, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass wir seit über 300 Tagen auf sehr engem Raum zusammenleben und ich bin sehr für klärende Gespräche. Aber nach einer Nachtwache mitten auf dem Meer finde ich weder die richtige Zeit noch den richtigen Ort.

Mittlerweile hat der Wind – wie vorhergesagt – zugenommen und Ralf bindet ein Reff ins Groß. Mit dem Wind kommen auch recht eindrucksvolle Wellen und im Moment klettert die Triton die Wellenberge hinauf und surft dann auf der anderen Seite wieder herunter. Wir sind sehr angetan, wie gut Sir Henry die Sache meistert.

Freitag, 18. Mai 2018

Tag 319 - Kurs Beaufort 2: Regenbogen und Delfine

18.05.2018 – 12:00 Uhr Bordzeit – Etmal: 150 sm
Position: 31°49,56'N 70°38,06'W – Log: 311 sm – Rest: 467 sm

Auch nachmittags ging es weiter gut voran. Ich schreibe Blog und einen Geburtstagsgruß für unsere Freundin Gabi. Die beiden Nachrichten wollen wir zusammen mit dem Wetterabruf über Iridium senden. Wir starten einen Verbindungsversuch, leider erfolglos. Mittlerweile wissen wir, dass auch die Versuche ohne Übertragungen uns kostbare und teure Minuten kosten. Wir entscheiden daher, lieber für das Wetter an der amerikanischen Küste zu sparen und erst morgen wieder einen Versuch zu machen.
Gegen Abend sehe ich in meiner Wache eine verdächtige Wolke links von uns, die schnell größer und dunkler wird und auf uns zu kommt. Ich denke darüber nach, Ralf zu wecken, als er von selbst nach oben kommt. Wir bauen erst einmal das Sonnendach ab, um ggf. schnell reffen zu können. Aber dann bekommen wir nur ganz leichten Regen und kurze Zeit später einen wunderschönen vollständigen Regenbogen hinter uns. Es sieht so aus, als wären wir durch ein leuchtendes Tor gefahren. Dann besuchen uns auch noch ein paar nette aber sehr kleine Delfine. Nun fehlen eigentlich nur noch ein paar Einhörner…

Einhörner sehen wir zwar nicht, aber Ralf hat in seiner Nachtwache schön wieder eine Mondsichel. Als ich übernehme, ist zwar der Mond schön untergegangen, aber die Sterne sind wieder da und ich sehe sogar ein paar Sternschnuppen und viele Flugzeuge. Vor mir leuchtet ein Stern so hell, dass ich meine „Skymap" App wieder aktiviere und lerne, dass gleich drei Planeten uns den Weg leuchten: Mars, Pluto und Saturn. Ich weiß, ich weiß, Pluto ist offiziell kein Planet mehr, aber ich bin mit neun Planeten aufgewachsen… Passend dazu höre ich gerade „ The Martian", dessen Probleme ich jetzt viel besser nachvollziehen kann. Auch er muss mit Wasser und Energie haushalten und Vorräte für größere Strecken planen.
Als ich die Navigation machte, hatte ich erwartet, dass ich in Landnähe sorgfältig auf In tiefen und Seezeichen achten muss, aber dass es auf dem 4000 m tiefen Atlantik keine festen Hindernisse oder Gefahren gibt. Falsch gedacht, mitten auf unserem Kurs liegt eine Tonne der amerikanischen Wetterbehörde NOAA. Sie ist zwar eigentlich beleuchtet, könnte jedoch erloschen sein. Ich setzte also einen Wegepunkt in sichere Entfernung und halte gut Ausschau. Tatsächlich fahren wir in Sichtweite vorbei. Wenn ich wieder Netz habe, werde ich recherchieren, wie die Tonnen auf Position bleiben.

Nachtrag: Die Tonnen sind tatsächlich verankert, auch bei rund 4000 m Wassertiefe - siehe hier.

Tagsüber geht es dann weiter wie gehabt: blaues Wasser, blauer Himmel, halber Wind, gute Fahrt. Wieder ein Etmal von 150 sm – sehr schön!