Mittwoch, 15. August 2018

Tag 408 - Provincetown: Good Vibrations

Zu unserer Mooring gehört auch ein „Launch-Service“, d.h. wir werden (kostenlos) von einem Wassertaxi abgeholt und an Land gebracht. Wir sind heute früh dran und daher die Einzigen und werden daher direkt am Haupt-Kai abgesetzt. So ist es nur noch ein kurzer Weg zum „Pilgrim Monument“ (der Turm im Hintergrund) mit Museum.
Dort startet erst einmal unsere Stadtführung und Tourguide Don erzählt interessant aus der Geschichte (dazu später mehr) und zeigt uns diverse Häuser. Es gibt zwar auch Bauvorschriften, z.B. bezüglich der Höhe der Gebäude, aber sonst ist hier alles sehr bunt und individuell.
Wir besuchen unter anderem die Townhall, die ehemalige Highschool (2013 geschlossen) und die Versammlungshalle der Unitarier, die Trompe-l'œil Stil bemalt ist, also die Illusion vermittelt, dreidimensional zu sein. Tatsächlich sind Wände und Decke flach…
Ein weiteres Highlight ist die Bibliothek, die ihre Karriere als methodistische Kirche begann und dann verschiedene Museen beherbergte, zuletzt das historische Museum von Provincetown. Das Gebäude selbst ist schon von außen sehr nett anzusehen.
Die Besonderheit ist aber, dass für das historische Museum ein 1:2 Modell des Schoners ROSE DOROTHEA gebaut wurde. Das Schiff hatte im Jahr 1907 den „Lipton Cup“ gewonnen. Nun steht das Modell eben in der Bibliothek mit extra Löchern in der Decke für die Masten…
Nun haben wir erst einmal Hunger und essen hervorragende Wraps bei „BoxLunch“ direkt gegenüber der Bibliothek. Der Laden ist in der 2. Reihe und wird daher von einer farbenfrohen Dame beworben.
Wenn wir unsere Reise ganz fertig haben, möchte ich mir gerne ein Tattoo stechen lassen. Geplant ist eine Kompass-Rose auf dem linken Oberarm. Um das mal auszuprobieren, lasse ich mir heute ein "Airbrush-Tattoo" machen. Das Motiv ist natürlich nicht optimal, aber ich kann Stelle und Größe schon einmal testen. 
Frisch gestärkt gehen wir dann wieder zurück zum „Pilgrim Monument“ und machen uns an die Aufstieg. Es gibt nur wenige Treppen, sondern stattdessen führen Rampen nach oben. Von dort aus können wir den ganzen Hafen überblicken.
Im Museum informieren wir uns dann weiter über die „Pilgrims“, die Pilgerväter (und Mütter), die 1620 hier mit der MAYFLOWER gelandet sind. Wie schon erzählt, wird die MAYFLOWER II gerade in Mystic Seaport für die 400-Jahr-Feier restauriert. An Bord des Schiffes waren die Separatisten, die aus religiösen Gründen England verlassen wollten, aber auch Händler, die wirtschaftliche Motive hatten. Eigentlich war Ziel die Kolonie in Virginia, aber schließlich landete das Schiff in Provincetown. Da der Sandboden nicht für Landwirtschaft geeignet war, wurde die Küste in einem kleineren Boot erkundet und schließlich in Plymouth die erste Siedlung gegründet.
Noch in Provincetown, wurde der „Mayflower Compact“ unterzeichnet, ein Vertrag, mit dem die Separatisten Regeln für ihre Selbstverwaltung aufstellten. Unterzeichnet wurde das Schiftstück von 41 männlichen Familienoberhäuptern.
Das Pilgrim Monument zur Erinnerung an die Landung und Unterzeichnung des Dokuments wurde in den Jahren 1907-1910 errichtet. Eigenartigerweise ist der Turm dem „Torre del Mangia“ in Siena nachempfunden. Was das mit den Pilgern zu tun hat, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar…
Auch Provincetown war – wie Nantucket – eine Walfang-Stadt und erlebte den gleichen Niedergang, nachdem billiges Öl gefunden wurde. Auch hier kamen dann viele Künster, Autoren und Schauspieler, später dann die Touristen. Die Stadt ist bei der LGBTQ-Community sehr beliebt. Im Moment werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus, denn diese Woche ist hier „Mardi Gras“ (Karneval) und morgen ist die große Parade. Dafür ist schon alles bunt dekoriert (und in der Stadt sind die Damen definitiv in der Unterzahl).
Als wir zu „unserem“ Landungssteg kommen, wo wir mit dem Wassertaxi wieder zurück zur TRITON fahren wollen, werden ich von einigen jungen Herren gebeten, ein Foto von ihnen zu machen. Das lasse ich mir natürlich nicht 2x sagen und wir haben viel Spaß und unterhalten uns dann noch eine Weile. Die ganze Stadt hat wirklich „good vibrations“: bunt, lustig, künstlerisch, individuell, leben-und-leben-lassen.

Dienstag, 14. August 2018

Tag 407 - Monument Beach-Provincetown: Autopiloten-K(r)ampf

Der Cape Cod Canal verbindet die Buzzards Bay mit der Cape Cod Bay und erspart uns, ganz außen um den „Ellenbogen“ zu fahren. Er wurde privat gebaut, 1916 eröffnet und 1928 vom Staat gekauft und nach und nach erweitert. Heute ist es eine der meist befahrenen künstlichen Wasserstraßen der USA mit ca. 14.000 Bootsbewegungen jährlich. Durch die Tide entsteht teilweise mehr als 5 Knoten Strom. Wir fahren natürlich mit der Tide, aber haben etwas Respekt vor der Eisenbahnbrücke – blöde, wenn die direkt vor uns geschlossen würde, weil ein Zug kommt. Wir wollen eigentlich anrufen, aber dann fährt direkt vor uns ein Schubverband samt Begleitschlepper und wir folgen einfach.
Trotzdem müssen wir aufmerksam von Hand steuern, denn durch die starke Strömung entstehen überall Strudel, die das Boot ab und zu vom Kurs abweichen lassen. Dafür sausen wir aber mit doppelter Geschwindigkeit durch den Kanal – fünf Knoten Marschfahrt + fünf Knoten Strömung!
So sind wir schon nach etwas mehr als einer Stunde auf der anderen Seite – und hier sieht die Welt ganz anders aus: keine Strömung, keine Wellen, kein Wind. Normalerweise nicht unser Ding, aber heute wollen wir ja den Autopiloten weiter einrichten und da sind diese Bedingungen ideal.
Für den Seetest müssen verschiedene Kalibrierungen vorgenommen werden. Wir müssen einen vollen Kreis fahren und das Gerät steuert Schlangenlinien, um verschiedene Einstellungen auszuprobieren. So weit, so gut, die Anlage steuert und wir freuen uns erst mal. Zwar müssen noch einige Feineinstellungen vorgenommen werden (wieder ein Fall von Elektronik, die zu viel kann), aber prinzipiell funktioniert das Teil. Dachten wir… Nach kurzer Zeit fängt das Ding an zu piepsen: „Keine Ruder Rückmeldung“. Alarm bestätigt und wieder gestartet – Fahren – Piepsen – Fahren – Piepsen in immer kürzeren Abständen… Grrr!
Wir probieren verschiedene Ideen aus, Ralf schaut nach der neuen Hardware und da gibt es eine Menge: Kompass, Ruderlagen-Geber, Autopilot, diverse Kabel und Anschluss-Stücke… Ich schaue nach der Software, wühle mich durch die Menüs und probiere verschiedene Einstellungen aus, alles ohne Erfolg. Wir steuern dann eine Weile von Hand und freuen uns, dass er Wind kommt und wir doch noch die Segel hochziehen können. Bei glattem Wasser läuft es wunderbar.
Nach einer Weile schlage ich vor, die Anlage noch einmal zu aktivieren – vielleicht gab es eine Wunderheilung. Ich schalte ein, Ralf rottelt ein wenig am Steuerrad und das Ding funktioniert. Das sind die blödesten Fehler, die sich nicht zuverlässig wiederholen lassen! Nach einer Weile geht dann die Piepserei wieder los – könnte es was mit Wärme/Spannung zu tun haben??? Daran müssen wir noch weiter arbeiten.

Nachmittags kommen wir dann in Provincetown ganz am äußersten Ende von Cape Cod an. Der Ort war uns von verschiedener Seite sehr empfohlen worden. Wir haben über „Dockwa“ eine Mooring gebucht – sehr praktisch (siehe hier). Es gibt auch eine entsprechende App. Heute bleiben wir an Bord, aber morgen werden wir die Stadt erkunden.

Montag, 13. August 2018

Tag 406 - Monument Beach: Plug and Play?

Gestern Abend haben wir es tatsächlich geschafft, uns mal wieder einen Film anzusehen: „The Artist“, einen schwarz-weißen Stummfilm von 2011, der Oscars und Golden Golbes gewonnen hat. Es gibt tatsächlich nur wenig Dialog (auf Tafeln), aber die Handlung und die Gefühle sind ganz klar nachzuvollziehen. Zwischendurch ziemlich traurig, aber es gibt ein Happy End. Nach einer sehr ruhigen Nacht (wenig Wind und keine Wellen) entscheiden wir uns, heute hier zu bleiben und die Zeit zu nutzen, nach unserem neuen Plotter zu schauen.
Das ist mein Job und daher fährt Ralf zum Einkaufen an Land. Wir haben das Nachfolgegerät zu unserem vorhandenen Plotter gekauft (SIMRAD NSS7 evo3) und der Traum ist natürlich „Plug und Play). Ich sichere erst mal alle Wegepunkte, Routen und Tracks vom alten Gerät – klappt. Dann Sicherung aus und alle Stecker raus – klappt. Neues Gerät auspacken und alle Stecker rein – tja, immerhin drei von vier passen. Was nicht geht, ist der blaue Stecker für das Echolot, genauere Betrachtung ergibt sieben Pole alt, neun Pole neu, also fehlt uns ein Adapter.
Egal, ich kann ja erst mal versuchen, ob das Teil überhaupt funktioniert. Zunächst bekomme ich kein GPS, aber in den Tiefen der Menüs finde ich die entsprende Einstellung. Nach dem GPS kommt dann das AIS an die Reihe, das richtige Seekartenmodul und auch die gespeicherten Daten lassen sich einlesen. Noch ein paar individuelle Einstellungen und ich bin sehr zufrieden mit dem Zwischenergebnis. Da wir aber das Echolot brachen, bauen wir das neue Gerät ab und schließen das alte wieder an. Das findet dann auch erst mal kein GPS, aber auch das Problem wird gelöst.
Unerwartet ruft Jan, der älteste Sohn, an – wie gut, dass ich heute Zeit und Netz habe. Er erzählt sehr interessant von seinen weiteren Plänen und ich drücke Daumen, dass es so klappt wie er sich das vorstellt. Überhaupt werden in unserer Familie in diesem Herbst die Karten neu gemischt und Weichen gestellt. Auch die anderen Söhne sind gerade in einer Umbruchphase und wir werden auch nicht genau da weitermachen, wo wir vor einem Jahr aufgehört haben. Ich bin gespannt, wo wir alle nächstes Jahr um diese Zeit sein werden (Archivbild).
Inzwischen ist Ralf wieder da und wir machen uns gemeinsam an das nächste Projekt, die neue Selbststeueranlage. Sie kann über den Plotter oder über ein extra Steuerpanel bedient werden und zunächst ist eine Einrichtung erforderlich. Das Problem ist, dass zwar der Kompass und der Ruderlagen-Geber im Netz gefunden werden, aber nicht die eigentliche Anlage. 
Wir sind erst mal frustriert und fahren zur Ablenkung an Land. Nach den touristisch stark nachgefragten Zielen haben wir uns jetzt einen eher ruhigen Ort ausgesucht. Hier gibt es schöne Häuser, wahrscheinlich Ferienhäuser, die auch bewohnt sind, aber es gibt keine Tagestouristen und auch sonst eher wenig zu sehen.
Wir essen ein Eis im Whislestop Café (das mich sofort an das Buch von Fannie Flagg erinnert: „Fried Green Tomatos at the Whisle Stop Café“ – übrigens auch ein netter Film) und laufen ans Ufer, aber auch da gibt es nix außer einem Kinderspielplatz…
Zurück auf dem Schiff geht es dann an die Fehlersuche mit der Selbststeueranlage. AEG (Aus-Ein-Geht) führt leider nicht zum Erfolg. Alle anderen Geräte werden im Netz gefunden, aber „NAC.3“ eben nicht. Da Ralf auch die Netzwerk-Kabel teilweise neu verlegt hat, suchen wir die Verbindungen ab. Nach diversen „Sicherung aus-Umstecken-Sicherung ein-Gerät neu starten-Prüfen“ finden wir den Übeltäter: eine Steckverbindung war verkehrt eingesteckt. Puh! Nun können wir den Konfigurationslauf starten und alle Einstellungen vornehmen. Morgen klappt dann hoffentlich die Konfiguration während der Fahrt!

Sonntag, 12. August 2018

Tag 405 - Vineyard Haven-Monument Beach: Langsam aber sicher

Als wir gestern Abend in Vineyard Haven ankerten, lag neben uns ein großes Segelschiff. Sonst war alles frei und wir haben ausreichend Abstand gelassen. Heute morgen hatten wir dann wieder „Ankerkuschler“… Ich kann das ja noch verstehen, wenn sonst kein Platz ist, aber hier ist das ganze Ufer gut geeignet. Egal, wir wollen ja weg und legen pünktlich um 11:00 Uhr ab.
Diese Zeit habe ich mir gestern überlegt, um bei „Slack“ durch die enge Durchfahrt „Woods Hole“ zu fahren. Fun Fact 1: es heißt tatsächlich Woods Hole ohne Apostroph, denn das „United States Board on Geographic Names“ hat schon 1890 beschlossen, dass Ortsnamen ohne Apostroph geschrieben werden. Von dieser Regel gibt es nur fünf Ausnahmen und eine davon ist Martha’s Vineyard. Fun Fact 2: es gibt kein genaues deutsches Wort für „slack tide“ – gemeint ist „der Teil der Tide in der kein Strom läuft“.
Wir wollen um 12:00 Uhr an der Einfahrt sein und ich habe für die fünf Seemeilen eine Stunde geplant. Was ich nicht nachgeschaut habe, ist der Strom im Vineyard Sound, den wir vorher überqueren müssen und der ist gegen uns… Ein ärgerlicher Fehler in meiner Navigation! Wir erhöhen die Drehzahl etwas, der Strom wird schwächer und schließlich kommen wir doch zur richtigen Zeit an und können problemlos durch das Fahrwasser fahren. Mit uns sind auch zahlreiche andere Boote unterwegs.
Schon nach 20 Minuten sinde wir dann gut in der Buzzards Bay und können den Rest der Strecke ganz entsprannt angehen. Der Wind ist schwach, aber ausreichend, um uns durchs Wasser zu schieben und daher ziehen wir die Segel hoch.
Wir wollen wieder ankern und haben uns ein geschütztes Plätzchen gleich neben der Einfahrt zum Cape Cod Canal ausgesucht. Hier sind wir wohl abseits von den touristischen Pfaden, denn wir haben die Bucht für uns ganz alleine. Ab Ufer liegen ein paar Einheimische an Moorings und es soll auch einen kleinen Ort geben, den wir uns morgen mal ansehen wollen.

Samstag, 11. August 2018

Tag 404 - Nantucket-Martha's Vineyard: Zurück nach MVY

Von Nantucket aus müssen wir entweder ganz „außen rum“ um den Ellbogen von Cape Cod oder wir können den Cape Cod Kanal nehmen. Bei schwachen Ostwind entscheiden wir uns für die zweite Option und das bedeutet, dass es zurück nach Westen geht. Wir nehmen also Abschied vom schönen Nantucket.
Wir haben einen Hafen an der Küste in Erwägung gezogen, aber da sind die Ankermöglichkeiten nicht so schön und wir wollen nicht in eine Marina. Also fahren wir einfach zurück nach Martha’s Vineyard, wo wir sicher einen Platz zum Ankern bekommen. Das bedeutet für mich, ausnahmsweise keine neue Navigation, sondern ich kann den Kurs einfach rückwärts starten.
Der Himmel ist grau, der Wind eher schwach und von hinten. So geht es wesentlich langsamer voran, als auf der Hinfahrt: gut 5 Stunden hin, knapp 7 Stunden zurück. Wir werfen unseren Anker in Vineyard Haven auf der anderen Seite der Bucht, denn wir wollen nicht an Land. Stattdessen machen wir Pläne für morgen, suchen wir nach einem Platz in der Buzzard Bay, schauen nach der Strömung im berüchtigten Woods Hole und überlegen insgesamt, wie wir die letzen drei Wochen gestalten wollen.

Tag 403 - Siasconset: Paradies mit kleinen Fehlern

Wir wollen noch etwas mehr von dieser schönen Insel sehen und auch hier gibt es Busse, mit denen wir günstig fahren können. Tripadvisor empfielt das kleine Dorf Siasconset (von den Einheimischen Sconset genannt) ganz an der Ostseite der Insel. Die Fahrt für vorbei an weiteren gepflegten Häusern mit wunderbaren Gärten und durch eine Parklandschaft – sehr hübsch! In Sconset angekommen treffen wir gleich an der Bushaltestelle den „Village Whisperer“, der eine Tour durch den Ort anbietet – das ist genau das Richtige für uns.
Unser Guide lebt seit 37 Jahren hier im Ort, kennt alle Häuser (teilweise persönlich, weil er als Schreiner gearbeitet hat), alle Einwohner, die ganzjährig hier leben (ca. 100), viele Sommergäste und zahllose Anekdoten und Familiengeschichten (Hochzeitsfotograf war er auch).
Auch hier lebten zuerst die Wampanoag, die Walfang und Fischfang betrieben und das dann den ersten englischen Siedlern beibrachten. Entsprechen waren die ersten Gebäude Hütten, in denen Material und Werkzeug aufbewahrt wurde. Später brachten die Fischer dann ihre Familien mit, die den Sommer über hier lebten (während die Männer auf Fang waren) und die Hütten wurden immer mehr zu Wohnzwecken genutzt. Nach und nach wurden die (ursprünglich rechteckigen) Gebäude dann mit Anbauten erweitert. Hier ist vorne links eine Schlafkammer angebaut und zusätzlich das gesamte Hinterhaus. Die Schindeln sind neu und daher noch nicht typisch silbergrau.
Der Walfang verlagerte sich auf die Hochsee und Sconset blieb ein kleiner Fischerort. Um dem Trubel der Stadt zu entgehen, fingen reiche Bürger an, in Sconset Sommerhäuser zu errichten. Dazu imitierten sie den Stil der Hütten mit ihren Anbauten. Nach dem Niedergang des Walfangs entdeckten Künstler den hübschen Ort für sich. Später kamen dann auch zahlreiche Schauspieler, häufig aus New York. Weitere Sommerhäuser und Hotels wurden gebaut und auch die Eisenbahn fuhr bis hierher. 
Für die neuen Gäste wurde Personal benötigt, und so entstand auf einem schmalen Streifen Land zwischen Ort und Küste „Codfish Park“, wo dann die Arbeiterfamilien lebten und ihre eigenen kleinen Geschäfte hatten.
Heute werden für alle Anwesen im Ort absolute Höchstpreise bezahlt – unser Guide nennt diverse Millionenbeträge – und das für Häuser, die teilweise klein, alt und nicht winterfest sind. Diese Preisentwicklung macht es natürlich für Einheimische schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Auch neu gebaute Häuser müssen den Bauvorschriften entsprechen und so ist für uns nur schwer zu erkennen, ob ein Gebäude 300, 30 oder nur 3 Jahre alt ist.
Es gibt eine Kirche – natürlich auch im passenden Stil – mit der Besonderheit, dass sie von Katholiken und Protestanten benutzt wird. Sie ist eine beliebte „Location“ für Hochzeiten.
Zu den Häuser gehören immer auch wunderbare und perfekt gepflegte Gärten, einer schöner als der andere.
Soviel Perfektion finde ich fast unheimlich, irgendwie zu schön um wahr zu sein. Der ganze Ort wirkt wie aus der Zeit gefallen oder wie eine Filmkulisse. Praktisch jedes Haus könnte für ein Hochglanzmagazin Model stehen.
Ich hatte ja von dem verschobenen Leuchtturm auf Martha’s Vineyard berichtet. Offensichtlich ist hier das Verschieben von Gebäuden eine Art Volkssport. Unser Guide zeigt uns diverse Beispiele und oft sind entsprechende Plaketten angebracht. Wahrscheinlich wäre es aber einfacher, die Gebäude zu kennzeichnen, die (noch) nicht umgesetzt wurden… Überall gibt es liebevolle Details (und einige freche Kaninchen).
Wir laufen dann noch ein Stück den Klippenweg entlang, der nicht ganz einfach zu finden ist und der tatsächlich teilweise durch die Gärten der Anwohner verläuft. Offensichtlich gibt es da eine entsprechende Regelung.
Sehr angetan fahren wir mit dem letzten Bus zurück und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten zum Abendessen. Heute waren wir schlau und haben unsere Dusch-Sachen mit an Land genommen. Die letzte Landdusche hatten wir vor rund zwei Wochen in Stonington und es ist ein Vergnügen, ausführlich unter warmen Wasser zu stehen und das mit Licht in einem geschlossenen Raum! Ein angenehmer Gegensatz zum wassersparenden Duschen im Schutz der Dunkelheit an Deck…