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Sonntag, 29. Juni 2025

Tag 50 - Kirkwall-Whitehall: Gute Ausgangsposition

Heute vormittag kommen Jutta und Heiko von der MOMO vorbei und geben und noch gute Tipps für das Segeln in Norwegen. Im letzten Jahr sind sie bis hinter die Lofoten ganz im Norden gereist. Auch mit Ute und Axel von der FREIKERL und mit Susanna und Manfred von der MISS SUMO tauschen wir noch Bücher und Karten. Die Informationen sind sehr hilfreich, um Entscheidungen über unser weiteres Vorgehen zu treffen. Wir wollen in den nächsten Tagen erst nach Fair Isle (zwischen Orkney und Shetland) und dann erst an die Südspitze der Shetland Inseln und danach an deren Ostküste entlang segeln. Von dort soll es dann nach Ålesund in Norwegen gehen - den nördlichsten Punkt unserer Reise. Hier wollen wir das Boot dann liegen lassen, während wir in Deutschland sind.
Ralf nutzt die Gelegenheit, hier noch für die nächsten Tage einzukaufen und ich installiere verschiedene Norwegen-Apps und mache die Navigation. Der starke Wind hat über den Tag immer weiter abgenommen und wir beschließen, noch eine Bucht weiter zu segeln um uns in eine günstige Ausgangsposition für die Fahrt nach Fair Isle zu bringen. Mit uns läuft auch die MOMO aus.
Erst segeln wir noch recht ordentlich, aber der Wind nimmt noch weiter ab bis uns nur noch der Strom schiebt und wir die Maschine mithelfen lassen müssen.
Wir fahren durch eine Engstelle und als ich Geräusche höre, wird mir klar, dass neben uns auf der kleinen Insel farblich gut getarnt eine ganz Menge Robben faulenzen.
Wir müssen aufmerksam steuern, denn auch an anderen Stellen ist das betonnte Fahrwasser eng (siehe Titelbild) und zwischen den Inseln gibt es immer wieder Strömungen aus verschiedenen Richtungen. Der Wind dreht und wird wieder stärker und wir kommen wieder nur mit Windkraft voran. Es gibt keine Wellen und so kann problemlos während der Fahrt gekocht werden (Bolognese).
Ein Boot ist Segeln, zwei Boote sind Regatta und so trimmen wir öfter als sonst die Segel und fahren knapp an Inseln und Tonnen vorbei - das macht Spaß. Die Segelanweisungen auf der Orkney-Marina Seite sind wieder gut und wir werden auf dem letzten Stück dank Schiebestrom ziemlich schnell.
Unser Ziel, Whitehall, liegt sehr geschützt und es gibt Mooring-Tonnen für Besucher. Später kommt dann noch ein holländisches Boot und wirft den Anker. Morgen wollen wir wieder früh los, um Fair Isle noch mit gutem Wind zu erreichen.
 

Donnerstag, 12. Juni 2025

Tag 33 - Portree-Rona: Gegenmittel

Nach der sehr vollen und touristischen Isle of Skye fahren wir heute nur 10 sm weiter, aber in eine ganz andere Welt.
Auf der kleinen Insel Rona leben nur der Inselmanager und seine Frau. Es gibt Cottages, die wochenweise vermietet werden und fünf Gast-Moorings. Es ist fast völlig windstill, als wir durch die enge Einfahrt in die geschützte Bucht motoren.
Wir bekommen noch eine der Gastplätze (siehe Titelbild) und treffen am Anleger dann gleich den Manager Bill mit zwei Freunden in seinem Boot und andere Segler. Bill erzählt aus seinem Leben, von seinen deutschen Freunden und - bedauerlicherweise - das er das Internet (WLAN) ab 18:00 Uhr abstellt, damit er in Ruhe fernsehen kann und die Segler das nicht blockieren. Das ist der Grund, warum ich erst heute bloggen kann.
Es gibt wieder eine "Honesty Box", um das Hafengeld zu bezahlen und wir könnten auch eingefrorenes Wild oder Hirschgeweihe kaufen. Einen "Bull" haben wir nicht gesehen...
Bill hat nicht nur ein Boot zur Fortbewegung, sonder ein ein Quad, mit dem er die steilen Pfade der Insel befahren kann. Auf der Insel lebt Rotwild, dass er bejagdt (daher das Wildfleisch im Tiefkühler).
Wir laufen ein Stück über die Insel und ich bin froh, dass ich meine Walking-Stöcke dabei haben. Nach dem ersten Hügel mache ich nur noch ein Foto von Ralf und laufe dann zurück zum Hafen.
Abends genießen wir dann die Stille auf dem Boot, essen gemütlich im Cockpit und widmen uns unseren jeweiligen Büchern.

Montag, 9. Juni 2025

Tag 30 - Mallaig-Portree: Engstelle und Planänderung

Heute ist wieder ein Fall von "eigentlich", denn eigentlich wollen wir die rund 40 sm nach Portree in zwei Abschnitte aufteilen. Unser Weg führt um die Insel Skye, die nur durch einen schmalen Kanal vom Festland getrennt wird. Hier können durch die Tide wieder starke Strömungen auftreten, aber wir haben unsere Abfahrt so gelegt, dass wir bei Stillwasser in der Engstelle ankommen.
Das Wetter ist grau und regnerisch und der Wind kommt aus Südwesten, also zunächst genau von hinten und das bedeutet "Schmetterling" segeln. Ralf hat meine GoPro-Kamera am Achterstag montiert, und das gibt einen guten Blick auf das gesamte Boot. Gegen den Regen von hinten haben wir unseren "Vorhang" montiert, und so sitzen wir recht geschützt.
Die Fahrt ist abwechslungsreich, denn hier gibt es tatsächlich Frachtschiffe, Fischerboote, dazu natürlich Fischpötte und den einen oder anderen Segler, so dass wir - bei schlechter Sicht durch den Regen - gut Ausschau halten müssen. Genau an der engsten Stelle gibt es eine kleine Fähre, die natürlich genau dann abglegt, als wir vorbei kommen, aber gut hinter uns vorbei fährt.
Nach dem engen Stück können wir dann "links abbiegen" und mit halben Wind und später am Wind weitersegeln. Leider können wir durch Regen und grauen Himmel nicht so viel von der sicher sehr schönen Landschaft erkennen. Unser Weg führt uns durch die Skye Bridge, der die Insel mit dem Festland verbindet (siehe Titelbild). Kurz dahinter hatten wir eigentlich einen Ankerplatz ausgesucht. Aber nach einem Blick auf die Windvorhersage für morgen, enscheiden wir uns, gleich bis nach Portree weiterzufahren. Dabei werden wir von einem neugierigen Seehung beäugt.
Auf den letzten paar Meilen verlässt uns dann noch der Wind und wir müssen ein Stück motoren. Aber insgesasmt sind wir sehr zufrieden, wie wir auf den verschiedenen Kursen um die Insel Skye gesegelt sind und das praktisch ohne Wellen. Vor dem Städtchen gibt es wieder Gast-Moorings, aber anders als in Tobermory ist hier wenig los und wir können uns den Platz aussuchen. Die Abendstimmung in der Bucht ist sehr friedlich und der Regen hat aufgehört. Morgen wollen wir uns den Ort anschauen und herausfinden, mit welchen Verkehrsmitteln wir Skye am besten erkunden können.

Freitag, 6. Juni 2025

Tag 27 - Rùm-Canna: Trauminsel ohne Netz

Heute wollen wir uns die nächste der „Small Islands“ ansehen, die Doppelinsel Canna und Sanday, die bei Ebbe miteinander verbunden sind. Es sind nur 10 sm bei leichtem Wind und Sonne und da macht es uns nichts aus, dass wir einen Kreuzschlag machen müssen.

Unterwegs kommen wir – wie schon so oft – an einer Fischfarm vorbei, in der vermutlich Lachse gezüchtet werden.
Auf Marine Traffic habe ich gesehen, dass schon mehrere Boote in der gut geschützen Bucht zwischen den Inseln liegen, aber wir bekommen problemlos noch eine der 10 Gast-Moorings.
Und dann gibt es Hafenkino vom Feinsten. Die Fähre, die alle kleinen Inseln regelmäßig besucht, legt rückwärts an (dazu muss sie in der Bucht drehen) und wie Perlen an der Schnur kommt ein Segler nach dem andren in die Bucht. Die Moorings sind schnell belegt und die zu spät Gekommenen fahren Ankerrunden. Aber schließlich hat jeder einen Platz gefunden.
Wir wollen uns natürlich die Insel ansehen, lassen das Beiboot ins Wasser, installieren den Elektro-Motor und unsere blauen Rollen, denn die Boote müssen am oberen Ende einer Rampe geparkt werden und mit den Rädern lässt sich das Dinghy leicht ziehen.
Gleich am Anleger ist ein funkelnagelneues Waschhaus errichtet worden – mit Waschmaschine, Trockner und Behinderten WC. Wir folgen der Straße um die Bucht und kommen an der kleinen Kirche "Canna Ruh Church" vorbei, die gerade renoviert wird (siehe Titelbild). Auf den Inseln gibt es laut Wikipedia insgesamt 20 Gebäude und davon sind drei Kirchen. Direkt gegenüber ist ein witziger Sitzplatz aufgestellt worden.
Als nächstes kommen wir dann zum kleinen Laden, der rund um die Uhr geöffnet ist und wo die Mooring bezahlt werden kann. Es steht eine Kasse da und jeder legt das ensprechende Geld hinein oder bezahlt mit Karte.
Direkt daneben ist dann das Café Canna, wo es – wie der Name schon sagt – Kaffee und Kuchen und vor allem WLAN gibt (ich hatte schon Entzugserscheinungen, denn es gibt hier kein Mobilfunknetz) (Foto von Ralf).
Canna und Sanday haben eine ebenso wechelvolle Geschichte wie die anderen Hebriden-Inseln: Steinzeit, Wikinger, Lord of the Isles, schottische Clanchefs. Und dann kamen hier – wie auch auf Rùm – die reichen Exzentriker. Der erste war ein Schiffsbauer aus Glasgow, der die Insel in den 1880er Jahren erwarb und einen Pier, eine Brücke zwischen den Inseln und eine Kirche errichten ließ. Dann wurde die Insel an John Lorne Campbell und seine Frau Margaret Fay Shaw verkauft, ein interessantes Paar, die sich mit der Sammlung von gälischer Musik und Folklore beschäftigten, die Insel in ein Naturreservat und eine Farm verwandelten und in Canna House lebten.
Im Jahr 1981 schenkten sie die Inseln dem National Trust, der sie heute noch verwaltet. Das schöne Wohnhaus kann nach nur nach Voranmeldung besichtig werden, aber der Garten ist offen und wir bewundern die sorgfältig gepflegten Beete
Ralf versucht sich auf dem Crocket Feld und schafft es mehrfach, die großen Kugeln durch die kleinen Tore zu schießen.
Von hier aus haben wir auch noch einen schönen Blick auf die an ihren Moorings liegenden Boote. Als wir zurücklaufen, ist das Café draußen und drinnen voll besetzt. Die Besatzungen der 14 Segelyachten hat die Bevölkerung von ungefähr 15 Personen mehr als verdoppelt und stellt sicher einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Wirklich eine sehr nette Insel – nur schade, dass es in der Bucht absolut kein Netz gibt und wir uns noch nicht einmal den aktuellen Wetterbericht anschauen können…

Tag 26 - Tobermory-Rùm: Insel-Slalom

Der Wind hat abgenommen und wir machen uns auf den Weg zur nächsten Insel. Nördlich von Mull und südlich von Skye liegt eine Gruppe von kleinen Inseln, die "Small Islands" und davon haben wir uns die südlichste, Muck, als Tagesziel ausgesucht. Aber dazu müssen wir erst einmal gegen den frischen Westwind aus dem Sound of Mull kommen und das bedeutet hart am Wind zu fahren. Damit das optimal gelingt, steuert Ralf (mit neuem Hut) von Hand (siehe Titelbild). Wir müssen - mal wieder - ein Kap runden und heute ist es der westlichste Punkt des britischen Festlands, der etwas südlich des Leuchtturms auf Ardnamurchan Point liegt.
Hier ändern wir unseren Kurs, so dass der Wind jetzt achterlicher kommt und das Segeln entspannter wird. Wir haben wieder mit Schiebestrom geplant und so kommen wir gut voran und sind schnell am Ziel in Muck. Doch die Ankerbucht ist ziemlich eng und liegt voll mit privaten Mooring-Bällen, was sich nicht gut mit Ankern verträgt.
Wir sind uns beide einig, dass uns die Situation nicht gefällt und wir lieber weiter zur Insel Rùm segeln wollen, wo es einen größere Bucht gibt.
Das Wetter ist schön und die Triton läuft prima, so macht das Segeln viel Spaß. Auch die Bucht ist wie erwartet günstig gelegen und es gibt 10 Gast-Mooring-Tonnen, so dass wir noch nicht einmal den Anker aktivieren müssen. Statt dessen machen wir das Beiboot klar und Ralf rudert an Land, um sich umzusehen und das Mooring-Geld zu bezahlen.
Die Insel Rùm ist zwar schon seit vorchristlicher Zeit bewohnt, aber die Landschaft ist karg und bergig und bietet nur wenige Fläche für Ackerbau, so dass maximal ca. 450 Menschen hier lebten. Später gehörte die Insel mehreren adeligen Gutsherrn, die hier z.B. Rotwild zur Jagd aussetzten. Dann übernahm ein reicher Unternehmer die Insel, baute sich hier um 1900 ein Castle, hatte einen privaten Golfplatz, hielt exotische Tiere, züchtete tropische Pflanzen in Gewächshäusern (betreut von Gärtnern in Kilts) und wurde in einem Mausoleum nach dem Vorbild eines griechischen Tempels auf der Insel bestattet. Seine verwitwete  Schwiegertochter verkaufte die gesamte Insel dann an den Rat für Naturschutz und sie wurde Naturschutzgebiet.
Hier leben immer noch Rotwild und vor allem unzählige Vögel, darunter Weißkopfseeadler und eine große Kolonie von Atlantiksturmtauchern. Es gibt praktisch keine Straßen und nur wenige Gebäude. Die einzige Ansiedlung ist Kinloch, wo alle aktuell 40 Bewohner wohnen. Die wenigen Gebäude sind die kleinen schwarzen Punkte oben auf der Karte. Ralf besucht den Laden mit Poststelle (Foto von Ralf)...
...und schaut sich eine kleine Hütte an, in der selbstgemachter Schmuck und Seife gekauft werden kann. Alles - auch das Wechselgeld - liegt offen da (Foto von Ralf).
Nach den doch ziemlich touristischen Inseln Mull und Iona ist es hier sehr friedlich und entspannend. Die Boote schaukeln sanft an ihren Moorings und hinter den Bergen der Insel geht die Sonne unter.

Dienstag, 3. Juni 2025

Tag 24 - Tobermory: Aprilwetter im Juni

Es war eine sehr windige Nacht und auf der vorgelagerten Insel Tiree erreicht der Wind in Böen Sturmstärke 9. Aber wir liegen hier wirklich gut und verbringen eine untestörte Nacht.
Auch morgens pladdert der Regen noch auf unser Cockpitzelt. Wir wundern uns, dass die anderen Boote hier ihr Cockpit überwiegend offen lassen. Alleine um die nassen Klamotten nicht mit ins Boot nehmen zu müssen finden wir es sehr praktisch. Außerdem können wir nach draußen schauen und oft ist es im Zelt wärmer als unten im "wassergekühlten" Boot.
Zwischen den regnerischen und windigen Abschnitten kommt aber auch immer mal wieder die Sonne heraus, wir fahren an Land und die Welt sieht schon ganz anders aus.
Hier trennen sich unsere Wege, denn Ralf will eine geführte Naturwanderung zum Leuchtturm machen...
...während mir das zu weit ist und ich mir lieber die netten Geschäfte und das kleine Mull Museum anschaue. Tobermory ist ein Touristen-Ort und entsprechend ist hier alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist mit allgemeinen schottischen Symbolen (Highland-Rinder) oder speziellen Drucken für Tobermory (bunten Häuser, Papageientaucher) verziert. Nicht zu reden von röhrenden Hirschen, Schwertern, Tartan und natürlich die Produkte der zahlreichen Destillerien...
Das kleine Museum besteht nur aus einem - sehr vollgestopften Raum, aber es gibt einen Audioguide, in dem viele kleine Geschichten erzählt werden. Unter anderem wird ein Nachdruck des berühmten "Book of Kells" gezeicht, das uns im Trinity College in Dublin schon begegnet ist. Es wurde angeblich ca. 800 auf der kleinen Insel Iona (direkt neben Mull) geschrieben. Und es gibt einen Bericht über einen Besuch im Jahr 1829von Felix Mendelssohn, der von hier aus die Höhle "Fingal's Cave" auf der Insel Staffa besichtigte und dadurch zu seiner Ouvertüre "Die Hebriden" inspiriert wurde.
Ralf hat auf seiner Wanderung Glück mit dem Wetter und schickt ein wunderbares Foto vom Leuchtturm.
Ich setzte mich auf eine Bank am Hafen, höre mir die Hebriden-Ouvertüre an und habe Freude an dem schnell wechselnden Wetter. Diese Fotos wurden mit 15 Minuten Abstand gemacht und die ganze Stimmung des Ortes wechselt - auch durch den Wind, der aus den dunklen Wolken pustet.
Ralf kommt zurück und - wie regelmäßige LeserInnen sicher schon vermuten - wir machen uns auf die Suche nach Kaffee und Kuchen. Ein Kirche am Hafen ist zu einem Café/Restaurant geworden...
...und dort bekommen wir Kaffee, heiße Schokolade und verschiedenen Kuchen - sehr gut!
Wir schauen noch nach unserer Wäsche, die wir heute morgen gestartet haben. Das Problem ist, dass es zwar mehrere Waschmaschinen, aber nur einen Trockner gibt und sich deswegen ein Wäsche-Stau gebildet hat. Wir beschließen daher, erst einmal auf dem Boot zu Abend zu essen und wir schaffen es gerade noch zurück, bevor es wieder heftig anfängt zu regnen. Doch der Spuk dauert nicht lange, die Sonne kommt heraus und wir bekommen einen wunderbaren doppelten Regenbogen (siehe Titelbild)!