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Donnerstag, 21. September 2017

Tag 80 - Porto Santo: Wir machen Pläne

Zuhause war mein Leben von Uhr und Kalender bestimmt. Durch meine Lehrverpflichtungen an verschiedenen Schulen und Hochschulen hatte ich jede Woche einen anderen Stundenplan und oft jeden Tag mehrere Termine. Drei Abende in der Woche war ich zum Turnen, Akkordeonspielen oder Tanzen unterwegs. Regelmäßig habe ich meine Eltern besucht und mich mit meinen Stammtischfreundinnen getroffen. Am Wochenende dann Einladungen und Termine im Segelclub. Viele schöne Veranstaltungen, aber doch auch ein eng getakteter Zeitplan.

Eine meiner ersten Taten nach Beginn unseres Sabbaticals war es, die Kalender-App von einem prominenten Platz auf der Startseite in einen Unterordner ganz hinten zu verschieben. Neben dem „mehrtägigen Ereignis“ Triton standen nur noch Geburtstage und der Starttermin über den Atlantik drin. Die Uhr die wir jetzt bräuchten, zeigt nur die Wochentage an: klick

Aber nun ändert sich das ein wenig, denn wir freuen uns auf Besucher von daheim und das erfordert etwas Planung. Zunächst haben wir uns überlegt, in welcher Reihenfolge wir die sieben kanarischen Inseln besuchen wollen und da ist es sinnvoll, dies von Ost nach West zu tun, denn die vorherrschende Windrichtung ist in dieser Jahreszeit Nordost (und wir Segler haben den Wind ab liebsten schräg von hinten). Wir müssen berücksichtigen, dass jetzt für Segler Hauptsaison ist und die „Atlantic Rallye for Cruisers“ (ARC) mit rund 300 Schiffen von Gran Canaria aus startet. Also müssen wir Hafenplätze im Voraus buchen. Und so stehen jetzt wieder einige sehr erfreuliche Termine im Kalender.

Morgen wollen wir weiter nach Madeira und ich habe die Navigation vorbereitet und im Plotter eingegeben und wieder Seekarten-Origami gespielt, d.h. die Karte so gefaltet, dass alle relevanten Teile zu sehen sind und sie trotzdem in unsere Klarsichthülle passt. Unser erster Hafen wird wahrscheinlich Marina Quinta do Lorde im Osten der Insel. Wir wollen aber auch noch andere Häfen auf Madeira besuchen und unser Funkgerät reparieren lassen. Außerdem zickt unsere Wasserpumpe. Ralf konnte sie zwar mit „leichten Schlägen auf den Hinterkopf“ wieder zum Leben erwecken, aber sie soll trothdem ausgetauscht werden, denn ohne sie gibt es Frischwasser nur aus der Fußpumpe im Bad. Sehr lästig.

Heute sind wir aber noch in Porto Santo und – weil wir gestern vor lauter Schwätzen nicht zum Einkaufen gekommen sind – haben wir kein Brot mehr an Bord. Also laufen wir wieder am Strand entlang nach Vila Baleira und gehen dort in unserem Lieblingscafé frühstücken. Für zwei frisch belegte Brötchen, zwei große Gläser frisch gepressten Orangensaft (4-5 Orangen pro Glas), zwei sehr gute Kaffeestückchen, Cappuccino und Tee zahlen wir zusammen 8,40 €. Insbesondere Getränke sind hier sehr günstig.
Dann will ich noch ins Schuhgeschäft, denn ich habe eine Crocs-Spezial-Laden gesehen und ich brauche offene Bordschuhe. Ralf als überzeugter Croc-Träger ist begeistert von der Auswahl und schlägt gleich doppelt zu. Ich bekomme noch ein neues Strandkleid. Mein altes hatte ich hier in der Dusche vergessen und es hat offensichtlich jemandem gut gefallen…
Zurück im Hafen begrüße ich noch die YUANA, die auch mit uns die Odyssee segelt und Ralf probiert unsere neu genähten Sonnenschutz-Vorhänge aus. Das Ergebnis ist sehr effektiv und wir sitzen angenehm im Schatten. Von außen erinnert mich unser Boot allerdings an den von Christo verhüllten Reichstag.
Wenn unseren Steg entlangschaue, freue ich mich über die Vielzahl der Nationalitäten. Unsere direkten Nachbarn kommen aus Österreich und Italien. Dann gibt es noch Boote, aus Frankreich, England, Holland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Portugal und der Schweiz. Viele Boote zeigen die Flagge des ARC (s.o.) und wir, die KISU und die YUANA die der Odyssee. Diese Schiffe wollen also alle über den Atlantik.
Neben den Schuhen haben wir auch Brot gekauft und unsere Frisch-Vorräte aufgefüllt und so gibt es heute Abend gemischtes Gemüse mit Knoblauch-Yoghurt-Sauce. Außerdem kochen wir wieder vor, denn wir haben noch Hackfleisch im Kühlschrank. In den nächsten Tagen werden wir wahrscheinlich nicht verhungern.

Mittwoch, 20. September 2017

Tag 79 - Porto Santo: Viele Begegnungen

Mit einem Hund oder einem kleinen Kind ist es leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wie sich herausstellt, ist eine gute Methode auch, die Hafenmauer in Porto Santo zu bemalen. Mehrfach werden gefragt, ob wir mit dem Bild fotografiert werden dürfen. Ich unterhalte mich mit einem Fotografen über seine Kamera und er erzählt, dass er als Freelancer Bilder für ein norwegisches Segelmagazin macht. Jetzt wo „Germany“ da steht, sprechen uns auch einige Deutsche an, unter anderem ein junges Paar, die hier zwei Wochen Urlaub machen und heute mit dem Mountainbike unterwegs sind. Während Ralf noch die letzten Feinheiten an der Triton malt, sehe ich, wie die KISU in den Hafen einläuft.
Markus und Gaby von der KISU sind auch mit Cornellsailing und der Odyssee unterwegs und wir haben schon seit Monaten Kontakt per Mail und lesen regelmäßig die jeweiligen Blogs (siehe Blogliste). Wir haben zwar oft die gleichen Häfen angelaufen aber irgendwie nie zur gleichen Zeit. Und heute haben wir es endlich geschafft. Obwohl wir uns vorher noch nie gesehen haben, war es, als ob wir alte Freude wiedertreffen. Sie hatten eine gute Überfahrt von Lissabon und waren so fit, dass sie uns noch zu sich ins Cockpit eingeladen haben – sehr nett!

Trotz dieser vielen schönen Ablenkungen hat Ralf das Triton-Bild fertigstellen können und jetzt hat es auch einen Platz auf der Hafenmauer hier.
Der Tag hatte – für portugiesische Verhältnisse – schon sehr früh begonnen, denn wir wollten die ersten an der kostenlosen Waschmaschine sein und ich hatte einen Gesprächstermin mit zuhause ausgemacht. Glücklicherweise konnten wir da alles klären und auf diesem Wege nochmal ein dickes DANKE an Tina und Paul, die vor Ort die Stellung halten!

Später lernen wir dann noch Celeborn und Galadriel Ralf und Kerstin von der LOTHLORIEN kennen, die mit der ARC unterwegs sind. Während wir im Café sitzen, fängt es sehr stark an zu regnen - zum ersten Mal seit Wochen. Unnötig zu erwähnen, dass natürlich Wäsche (s.o.) draußen hängt, Luken offen stehen und auch Schuhe und ein Buch ihren Teil abbekommen… Aber das ist ja nur Süßwasser und wir werden entschädigt durch einen wunderbaren Regenbogen über dem Hafen.
Nachher wollen wir noch mit Allan und Annette von der NALA DANICA und den KISUs einen Trinken gehen – da gibt es bestimmt wieder viel zu erzählen. Irgendwie sind die ganzen Fahrtensegler wie eine große Familie. 

Dienstag, 19. September 2017

Tag 78 - Porto Santo: Busman's Holiday*

Heute konnten Ralf und ich unsere berufliche Erfahrung gut gebrauchen. Ich habe den Tag weitgehend am PC verbracht. Ganz verschiedene Fragen von daheim erforderten Aufmerksamkeit und so habe ich Briefe geschrieben, recherchiert und über Excel-Listen und Kontierungen gebrütet. Zwischendurch war dann auch wieder unser Logo dran. Ralf hat sich über 20 Jahre lang beruflich mit Lichtwerbeanlagen und Beschriftungen beschäftigt und daher wird auch das Thema „Bild für die Hafenmauer“ professionell angegangen, soweit das mit Bordmitteln möglich ist.

Zuerst habe ich einen farbigen Entwurf in Word erstellt, dann eine Linienzeichung und das ganze 1:1 auf A4 Blätter gedruckt, die passend zusammengeklebt wurden.
Auf der Mauer hat Ralf gestern eine geeignete Stelle mit einer Drahtbürste gereinigt und zunächst weiß grundiert. Der nächste Farbauftrag heute Morgen war Hellblau für die Innenfläche…
… und am Mittag Triton-Blau für den Außenrand. Nachdem der Hintergrund vorbereitet war, ging es an die Schablonen für die Schrift. Jetzt fehlt nur noch in der Mitte das Boot.
Heute war es relativ windstill und wir hatten hier im Hafen wunderschönes Abendlicht und auch über der Bucht lag eine ganz besonderer Stimmung.
*Busman's Holiday:
Ein Urlaubstag, an dem man wie sonst arbeitet und Titel eines Buches von Dorothy L. Sayers

Montag, 18. September 2017

Tag 77 - Porto Santo: Boat-Office

Porto Santo ist berühmt für seinen 9 km langen goldenen Sandstrand (im Gegensatz zu Madeira, wo es so etwas nicht gibt) und dieser Strand beginnt direkt neben unserem Hafen. Daher führte unser erster Weg heute Morgen direkt dorthin und wir schwammen eine Runde im kühlen und kristallklaren Wasser bevor es dann eine Dusche und Frühstück gab.
Die Zeit hier an Bord vergeht unglaublich schnell. Auf der einen Seite gibt es die vielen neuen Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen. Es ist schon ein großes Privileg, in meinem Alter noch so viele neue Orte und Menschen kennenzulernen und Erfahrungen zum 1. Mal zu machen (z.B. Quad fahren oder 500 sm am Stück segeln). Auf der anderen Seite stehen die vielen netten Kontakte mit Familie und Freunden daheim. Danke, dass ihr euch so regelmäßig meldet und mich auf dem Laufenden haltet! Heute ist es ein bisschen nervig, denn mein Aldi-Internet funktioniert nur sehr langsam. Schnelles, zuverlässiges Internet ist das, was ich – außer den Menschen natürlich – hier an Bord am meisten vermisse!

Mir hilft das Blogschreiben immer dabei, die Ereignisse nochmals zu sortieren und zu reflektieren und gestern bin ich nicht mehr dazu gekommen. Daher stand heute ein „Boat-Office-Tag“ auf dem Programm: Fotos und Blog auf den neusten Stand bringen, Mails beantworten, Organisation von praktischen Fragen daheim. Außerdem brauchen wir noch einen Entwurf für das Triton-Logo an der Hafenmauer hier. Wir haben schon einen Platz ausgesucht und Ralf hat ihn gereinigt und grundiert.

Es ist ein großes Vergnügen, die Mauer entlangzulaufen, die vielen Schiffsnamen zu lesen und die verschiedenen Designs zu bewundern. Aus einer ganz anderen Ecke des Internets kenne ich Andrea (und Andreas) von der AKKA (siehe Blogliste), die vor 10 Jahren mit ihrer Hallberg Rassy 42 (sozusagen die große Schwester von der Triton) hier waren und die mittlerweile die Weltumseglung erfolgreich beendet haben. Sie hatten mich gebeten, nachzusehen, ob ihr Logo noch da ist und wir haben es gefunden:
Während ich am PC gesessen habe, hat Ralf verschiedene Kleinigkeiten repariert und ist nochmals in den Ort zum Friseur gelaufen (ausgewählt auf persönliche Empfehlung der netten Damen vom Zoll). Jetzt habe ich also einen frisch geschorenen Skipper: eine Augenweide! So wie der schöne Sonnenuntergang über unserem Strand.

Sonntag, 17. September 2017

Tag 76 - Porto Santo: Sound of the Vikings

Noch sind unsere 48 Stunden mit dem Quad nicht vorbei und so steht noch ein kleiner Ausflug an. Mittlerweile trauen wir uns auch an die unbefestigten Schotterpisten und so fahren wir zu einem Aussichtspunkt am Westende der Insel.
Dann geht es weiter zu einer kleinen Bucht – schon auf der Straße dorthin komme ich mir vor, wie in einem Computer-Rallye-Spiel: Steigungen, Spurrillen, Wäldchen, kleine Brücke – aber mit Ralf am Steuer kein Problem. Das letzte Stück müssen wir laufen und der Weg führt steil an eindrucksvollen Gesteinsformationen vorbei bis zum türkisgrünen Wasser. Wie an vielen Stellen der Insel gibt es wieder einen schön gestalteten und stabilen Holzzaun.
In den nächsten Monaten werden wir nur noch auf Inseln unterwegs sein, viele davon – wie Porto Santo – sind vulkanischen Ursprungs. Ich bin durch meine rheumatischen Gelenke schlecht zu Fuß auf unebenem Gelände und als Flachländer fühle ich mich hier schon wie eine Bergziege, aber der Weg hat sich gelohnt.
Wir liefern unser Quad wieder beim Verleiher ab. Aus unserer Sicht das optimale Fahrzeug, um die Insel zu erkunden, da wir so viele interessante Punkte sehr gut erreichen konnten. Der chinesische Haushaltswarenladen unseres Vertrauens hat sonntags geöffnet und wir kaufen noch neue Gläser und einen neuen Topfdeckel (der alte hatte die Überfahrt nicht überlebt) und essen dann noch keine Kleinigkeit. Nach einem Blick auf die Uhr stellen wir fest, dass es schon viel später ist als gedacht und wir sind abends bei unseren dänischen Freuden von der NALA DANICA eingeladen. Daher fahren wir mit dem Taxi zurück in die Marina und bereiten noch griechischen Salat und Obstsalat für das gemeinsame Abendessen vor.

Auf der NALA DANICA erwarten uns aber nicht nur kulinarische, sondern auch musikalische Genüsse. Ulla und Klaus von der FUGA (nomen est omen) haben ihre Violinen mitgebracht und Allan hat eine Gitarre dabei. Die drei haben spontan die Gruppe „Sound of the Vikings“ gegründet und spielen für uns ein abwechslungsreiches Programm von skandinavischer Volksmusik bis zu amerikanischen Singer-Songwriter Stücken. Das Publikum ist begeistert und fordert eine Zugabe!

Danach wenden wir uns dann doch dem Essen und den Getränken zu. Es gibt verschiedene köstliche Tapas, Oktopus, Chili con Carne und unsere Salate. Dazu Wein, Softdrinks und Mojitos – der Abend wird lang und wunderschön und wir Segler haben uns viel zu erzählen. Hoffentlich treffen wir alle auf Madeira, den Kanaren oder auch in der Karibik wieder!
Wieder stelle ich fest, dass die neuen Länder und Landschaften zwar viele neue und anregende Eindrücke liefern, aber das eigentlich Kostbare die Begegnung mit den Menschen ist.

Samstag, 16. September 2017

Tag 75 - Porto Santo: Inselrundfahrt

Heute ist so ein Tag, an dem ich mich immer mal wieder zwicken muss, um sicherzustellen, dass ich das nicht nur träume, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass es hier so schön sein könnte. Wir haben ja immer noch unser Quad und unser netter Reiseführer (Eyewitness Travel: Top 10 Madeira) schlägt eine Rundreise zu den verschiedenen Attraktionen der Insel vor. Von unserem ersten Aussichtspunkt haben wir gleich einen wunderbaren Blick über den Hafen.

Wir fahren weiter zu den eindrucksvollen Felsen von Serra de Fora…
…und zu verschiedenen Aussichtspunkt, einer schöner als der andere! Das Meer ist dunkelblau, königsblau, türkisblau, der Himmel hellblau, Brandung und Wolken weiß, die Sonne scheint, aber durch kühlen Wind ist es nicht heiß – perfekt!
Aber auch im Paradies gibt es bekanntlich gefährliche Früchte. In meinen Fall ist gar keine Schlange nötig, ganz normale Neugier reicht auch aus. Wir haben noch nie wilde Kakteen gesehen und ich hebe eine Kaktusfeige auf und untersuche und probiere sie… Lecker, aber – Überraschung – Kakteen haben Stacheln und ihre Früchte auch. Sie sind haardünn und mit netten kleinen Wiederhaken versehen, die dann überall in meinen Fingern stecken und mich noch eine Weile an dieses Erlebnis erinnern.
Quad fahren will gelernt sein, aber macht richtig Laune. Ralf hat das breiteste aller breitesten Grinsen :-)!
Wie sich herausstellt, ist es einfacher, auf Schotterpisten zu lenken, als auf der asphaltierten Straße, denn das Teil hat hinten eine starre Achse ohne Differential und möchte eigentlich geradeaus fahren. Wir haben genug Gelegenheit zum Üben und Ralf perfektioniert seine Kurventechnik. Hier haben wir allerdings geparkt – wenn möglich mit externer Wegfahrsperre, weil das Teil sonst einfach wegrollt (wir suchen beim Parken immer nach ein paar geeigneten Steinen).
Unterwegs essen wir passenderweise in der Snack-Bar des örtlichen Motorradclubs, sehr lecker, sehr reichlich und sehr preisgünstig – dann braucht Ralf erst einmal eine Siesta.
Zum Abschluss der Tour empfiehlt der Reiseführer den Strand an der Westseite der Insel – ein guter Tipp, denn Kaffee und warmer Schokoladenkuchen mit Eis im Restaurant schmecken ausgezeichnet und wir haben wunderbares goldenes Licht am Wasser.

Freitag, 15. September 2017

Tag 74 - Porto Santo: Kolumbus-Festival

Es ist doch ganz nett, wieder ohne Leesegel im großen Bett schlafen zu können und so lassen wir den Tag erst einmal langsam angehen. Nach dem Frühstück bekommt die Triton noch eine Süßwasser-Reinigung und die letzten Spuren der Überfahrt werden beseitigt. Wir kommen ins Gespräch mit der Holländerin vom Nachbarboot, die seit 10 Jahren auf ihrem Schiff lebt. Leider ist ihr Mann letztes Jahr verstorben. Im Moment ist sie mit einer Freundin unterwegs und gerade von den Azoren hierher gekommen. Viele Schiffe im Hafen sind von Langfahrtseglern und wir schauen immer gerne, wie die anderen ausgerüstet sind.

Dann machen wir uns auf den Weg den wunderbaren langen Sandstrand entlang nach Vila Baleira, den Hauptort der Insel. Dort erfüllt Ralf sich einen Wunsch und wir mieten für 48 Stunden ein Quad, mit dem wir dann die Insel erkunden wollen.
Gleich am Abend können wir es dann wieder einsetzen, denn – was wir nicht wussten – wir sind ausgerechnet zum Kolumbus-Festival nach Porto Santo gekommen. An drei Tagen wird an die Zeit erinnert, in der Christoph Kolumbus in Porto Santo lebte. Er war hier verheiratet und sein Sohn (Diego – wie unser Kater) wurde 1480 hier geboren.

Wir sind zusammen mit der Crew der NALA DANICA und der FUGA unterwegs und bewundern die mittelalterlichen Kostüme und Aktivitäten…
…und die Handwerkskunst auf dem Marktplatz.
Natürlich kommt auch das Essen nicht zu kurz.
Auf der Bühne gibt es eine Show mit Trommeln und Tänzern – es ist eine wunderbare Atmosphäre mit vielen Einheimischen. Die Veranstaltung ist gut besucht, aber nicht überfüllt und alle haben Spaß, wir auch!

Donnerstag, 14. September 2017

Tag 70-73 - Lissabon-Porto Santo: Blauwassersegeln

Montag: Abschied von Lissabon
Wie immer, wenn wir segeln, mache ich meine Runde durchs Schiff: Alle Luken schließen und zuschrauben, Seeventil im Klo schließen, alles wegräumen und/oder gegen herausfallen sichern, Gas aus, Sicherungen für Windanzeige und Logge (das ist der Tacho auf einem Schiff) an, Funkgerät an und heute auch das Iridium-Telefon. Weil wir ein größeres Stück vorhaben, koche ich noch eine große Kanne Tee und mache ein paar belegte Brote. Das geht alles im Hafen viel einfacher als unterwegs.

Dann lege ich die Sachen für draußen bereit: Seekarten auf Papier, Logbuch, Fotoapparat, Brille und Sonnenbrille, Kappe. Im Cockpit starte ich dann das Handfunkgerät und unseren Plotter (= Navigationsgerät) und den Kurs, den ich gestern Abend schon eingegeben habe. Ralf hat inzwischen an Deck alles klargemacht. Das Bimini weggeräumt, die Persenning (Abdeckhülle) vom Groß genommen, die Windfahne montiert, alles gesichert und festgebunden.

Die Schleuse am Hafen sollte um 8:15 p.Z. (portugiesische Zeit) geöffnet werden und um 9:00 (Bordzeit) sind wir dann unterwegs. Zunächst geht es ein ganzes Stück wieder den Tejo hinunter. Wie geplant schiebt der Fluss und die Tide und geht es schnell Richtung Atlantik. Unterwegs haben wir aber noch Zeit, die vorbereiteten Brote zu essen.
Und wir können noch einen letzten Blick auf das Stadtpanorama werfen. Hier nochmal vom Wasser aus der Blick auf das „Museum of Art, Architecture and Technology“ (MAAT, siehe gestern), das sich sehr elegant in die Stadtansicht einfügt.
Draußen treffen wir dann auf den angesagten Wind: nördliche Richtung, Stärke 5-6 Beaufort (kräftig). Da wir nach Südwesten wollen kommt der Wind zunächst von schräg hinten, so dass beide Segel backbord (links) gefahren werden können. Bei diesen Bedingungen fängt die Triton an zu rennen und wir kommen gut voran. Abends setzen wir dann noch den Fockbaum. Der Wind soll auf Nordost drehen, das ist genau von hinten und dann deckt das Großsegel das Focksegel ab. Daher wir dieses dann auf der anderen Seite ausgebaumt. Diese Segelstellung nennt man Schmetterling. Noch ist das nicht nötig, aber wir wollen nachts nicht mit den ganzen Leinen und dem Baum hantieren, daher bereiten wir alles schon im Hellen vor.  

Dienstag: Schnell und schaukelig
Wir verwenden wieder unser bewährtes Wachsystem: wir besprechen wer müde ist und der legt sich hin. Meist wachen wir nach 3-4 Stunden wieder von selbst auf und lösen dann den anderen ab. Spätestens nach der ersten Nacht läuft das dann auch tagsüber weiter. Bei Wachwechsel gibt es oft etwas zu essen und es werden ggf. Segelmanöver durchgeführt. So auch diese Nacht, denn tatsächlich dreht der Wind wie angesagt, so dass wir die Fock auf die andere Seite ziehen – dank der Vorbereitungen auch im Dunkeln schnell erledigt und bleibt den ganzen Tag so stehen.
Wir haben in den ersten 24 Stunden 169 sm zurückgelegt, ein Schnitt von 7 kn, für unser Schiff richtig gut. Der Preis für diese Geschwindigkeit ist, gerade bei Wind ziemlich von hinten, ein heftiges Geschaukel, dass zu einer recht unbequemen Fahrt führt. Nichts geht „mal eben schnell“ sondern nur, wenn man sich selbst und alles, was man benutzen möchte, sorgfältig gegen Um- oder Herunterfallen sichert. Ralfs neues Hobby ist es, Quellen von Klappern, Knirschen, Klicken oder Knarren aufzuspüren und zu beseitigen, damit er besser schlafen kann.

Das Meer ist erstaunlich leer – nach Durchquerung einer Schifffahrtsroute am ersten Tag sehen wir zunächst kein Schiff mehr, kein Fischerfähnchen, keine Tiere, keine Seezeichen, nur wir, der Ozean (mehrere Kilometer tief) und der Himmel. Leider fällt unser Funkgerät aus und gibt keine Mucks mehr von sich – ärgerlich, denn es empfängt auch die AIS-Signale (Automatic Identification System) der anderen Schiffe und so müssen wir noch besser aufpassen und bekommen keine Informationen mehr über Art des Schiffes, Kurs und Geschwindigkeit. Heute sehen wir genau ein Schiff – und das kommt von schräg hinten auf uns zu – so viel Wasser und dann treffen wir uns fast! Wir bleiben cool und es geht dicht vor uns vorbei.

Mittwoch: Schönes Segeln
Auch in der Nacht haben wir nochmals eine ähnliche Begegnung mit einem Schiff und wünschen uns unser AIS, um Schiff und Kurs zu identifizieren. Um ca. 21:00 Uhr ist es dunkel und der Halbmond geht erst so gegen 0:00 Uhr auf – bis dahin ist es wirklich stockpechrabenschwarze Nacht, so dass wir teilweise nicht einmal den Bug der Triton erkennen können. Mitten in dieser Dunkelheit sehe ich dann schräg hinter uns ein kleines Licht, dass je nach Wellental oder -berg auftaucht oder wieder verschwindet. Nach einer Weile sind es dann zwei Lichter – aha, ein Schiff über 50 m Länge. Und es kommt auf uns zu, denn die Peilung steht.

Als dann auch noch das rote Seitenlicht erkennen kann, rufe ich Ralf, denn möglicherweise müssen wir ein Ausweichmanöver fahren. Jetzt ein Funkgerät, dann könnten wir mal anrufen… aber das ist ja kaputt. Mit unserer Segelstellung (Groß festgebunden, Fock ausgebaumt, Wind von hinten) haben wir nur wenig Möglichkeiten. Schneller geht nicht, abfallen nur mit einem aufwendigen Manöver, also bleibt noch anluven oder langsamer fahren. Ralf hat schon alles klar zum Wegnehmen der Fock, als ich sehe, dass das Schiff den Kurs ändert und nun parallel zu uns fährt. Es braucht eine gefühlte Ewigkeit, um uns zu überholen und dann vor uns vorbei zu fahren. Langsam verschwindet dann sein Hecklicht wieder in der Dunkelheit. Der Rest der Nacht verläuft ereignislos und ich erlebe den Sonnenaufgang bei meiner Morgenwache.
In den zweiten 24 Stunden sind wir 165 sm gesegelt, wieder ein sehr gutes Ergebnis für unser Schiff. Wir kommen viel schneller voran, als gedacht! Mittlerweile haben wir uns an das Geschaukel und die Bordroutine gewöhnt und dieser Tag macht richtig Spaß. Das Meer hat eine unglaubliche Farbe, die auf Bildern nur sehr unzureichend wiedergegeben werden kann. Aber jetzt weiß ich, warum Hochseesegeln auch Blauwassersegeln genannt wird! Auch die Wellen sehen auf Fotos oder Filmen nicht so beeindruckend aus, wie ich sie an Bord erlebe, aber hier ist ein kleiner Eindruck.
Wir haben jeden Tag ein gutes warmes Essen gehabt, dass wir – wie berichtet – schon vorgekocht hatten, so dass es unterwegs nur aufgewärmt werden muss. Heute gibt es Huhn mit Zwiebeln-Tomaten-Paprika-Sauce und Nudeln. Auf dem kardanisch aufgehängten Herd wird der Topf zusätzlich noch mit zwei Spangen befestigt.

Donnerstag: Land in Sicht!
Nachts haben wir einen wieder einen wunderbaren Sternenhimmel – hier gibt es eben keine „Lichtverschmutzung“ durch künstliche Beleuchtung und auch der Mond scheint wieder für uns. Ich übernehme die Wache um 4:30 Uhr und es gibt wieder ein Licht, das neben uns zu sehen ist. Diesmal ist es nur eines, aber es bleibt hartnäckig auf gleicher Höhe. Wieder vermisse ich das AIS, dann könnte ich nachsehen, ob es ein Fischer oder vielleicht ein anderer Segler ist. Wir sind weiter sehr schnell unterwegs und wenn es so weiter läuft, werden wir unser Ziel Porto Santo (eine kleine Insel neben Madeira) schon am Vormittag erreichen. Hier ein Blick auf unsere Navigation mit einer ETA (estimated time of arrival) von 10:07 Uhr.
Gegen 7:00 Uhr geht dann langsam die Sonne auf und ich sehe, dass das nächtliche Licht tatsächlich ein anderer Segler war, der die ganze Nacht mit uns gefahren ist. Außerdem bewundere ich die eindrucksvollen Berge von Porto Santo mit dem kleinen Leuchtturm, der mir nachts den Weg gewiesen hat. Auch in den dritten 24 Stunden haben wir wieder 166 sm zurückgelegt.
Bis wir dann tatsächlich in der Marina festgemacht haben, brauchen wir noch 10 sm und zwei Stunden, so dass wir am Ende 510 sm und 74 Stunden für die Fahrt gebraucht haben. Wir binden das Boot gut fest, denn hier gibt es heftige Fallböen und der Fingersteg ist sehr kurz. Wir freuen uns, dass wir hier die NALA DANICA wiedertreffen, die wir zuletzt bei Start der Biskaya-Überquerung in Falmouth gesehen haben.

Dann beseitigen wir die Spuren der Fahrt an und unter Deck. Sonst steht heute nur noch Schlafen, Essen und Duschen und die Anmeldung bei Hafenamt, Zoll und Polizei auf dem Programm. Wir sind sehr froh, dass die Überfahrt so gut und schnell geklappt hat!