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Samstag, 16. Juli 2022

Tag 48 - Lacanau-Océan: 2x Triathlon

"Lacanau" bezeichnet verschiedene Orte. So gibt es die Gemeinde, den See, den Binnenort am See und am Atlantik Lacanau-Océan. Das Haus, in dem wir wohnen liegt an der Westseite des Sees und wir wollen heute mit Fahrrädern nach Lacanau-Océan fahren.Aus temperaturtaktischen Gründen sind wir schon um 8:00 Uhr am Start. Es gibt sehr gut ausgebaute Fahrradwege und der Weg ist überwiegend von Bäumen beschattet, so dass die Fahrt - zumindest mit dem E-Bike - sehr nett ist. Nach ca. 45 Minuten können wir dann den Blick auf den Atlantik genießen (siehe Titelbild).
Es gibt noch ein Wasser und wahlweise Kaffee oder Tee - natürlich ebenfalls mit Meerblick...
...bevor wir uns noch beim "dicken Metzger" mit Leckereien eindecken.
Von dem Laden wurde uns schon verschiedentlich berichtet. Das Innere des Ladens ist auf jeden Fall sehenswert, der eine Metzger tatsächlich dick und nun sind wir gespannt auf die Produkte.
Auf dem Rückweg wird es dann schon deutlich wärmer und wir sind froh, dass aus unserer Radtour dann noch einen Triathlon machen können: wir laufen zum See (ca. 80m) und schwimmen dann noch eine Runde. Nach diesen sportlichen Exzessen sind wir mehr als bereit für das Frühstück. Heute gibt es unsere berühmte Brunch-Spezialpfanne mit Tomaten, Zwiebeln, Schinken und Käse.
Das leitet dann auch nahtlos zum zweiten Triathlon über, der Essen, Schlafen und Lesen besteht... Zum Abendessen gibt es heute Kartoffeln mit (quarklosem) Quark und Gurken-Tomaten-Schafskäse-Salat. Bei dem warmen Wetter ein passendes Gericht.
Die stimmungsvollen Lampen sind gleichzeitig Bluetooth-Lautsprecher und so übernehmen verschiedene DJs die Beschallung nach dem Essen.
Danke an Carola, die den Ausflug vorgeschlagen hat, an unseren Guide Dani für das bereute Fahren und ganz besonders an Günter, der mir sein E-Bike überlassen hat.

Dienstag, 7. September 2021

Tag 65 - Morgat-Guilvinec: Abwechslungsreiche Fahrt

Auf unserem Weg nach Süden müssen wir durch die "Raz de Sein", eine Meerenge starker Strömung. Unser Handbuch empfiehlt, diese Stelle nur bei Stillwasser zu befahren. Um das richtige Zeitfenster zu treffen, müssen wir um 14:00 Uhr auslaufen und dann einen Schnitt von 5 Knoten fahren. Wir haben also vormittags Zeit, noch das Beiboot einzupacken und frisches Brot zu holen. Paul geht noch eine Runde joggen. Bei strahlender Sonne und optimalen 14 Knoten Wind geht es pünktlich los. Die Windvorhersage hat jedoch für den Nachmittag eine Grundwindstärke von 20 Knoten mit Böen über 30 Knoten angekündigt. Zunächst ist das kaum zu glauben, aber nach 1,5 Stunden sehen wir auf dem Wasser, dass Wind kommt und binden gleich das 2. Reff ins Groß. Genau die richtige Entscheidung, denn der Wind springt von 15 auf 25 Knoten. Als wir uns dem Pointe du Raz nähern bekommen wir auch noch die angesagten Böen von 30 Knoten (siehe Titelbild). Wir sind zu schnell unterwegs und rollen wir auch noch die Fock bis zum 3. Reff weg. Selbst so sind wir noch ca. 1/2 Stunde zu früh an der Durchfahrt. Das ist mir ganz recht, denn so vermeiden wir eine Wind-gegen-Strom Situation. Tatsächlich sind die Wellen dann sehr moderat und von "Eddies" und "Overfalls" ist nichts zu sehen.
Wir sind sehr zufrieden, dass unsere Berechnungen richtig waren und die Durchfahrt so gut geklappt hat. Wie angekündigt, wird der Wind langsam schwächer und wir rollen erst die Fock wieder ein Stück aus und können dann auch noch das Groß 1x ausreffen. Wir wollen nun nach Südosten, leider genau die Richtung aus der der Wind kommt, das bedeutet aufkreuzen. Das Schiff liegt auf dem Ohr, aber es geht voran.
Der Wind lässt immer weiter nach aber wir können 34 von den insgesamt 48 Seemeilen unter Segeln zurücklegen. Schließlich ist der Wind so schwach, dass wir die Maschine einsetzen müssen. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir haben uns - mal wieder - eine Neumondnacht für unsere Fahrt "ausgesucht". Aber den Mond hätten wir sowieso nicht gesehen, denn wir bekommen noch dichten Nebel. Wir aktivieren das Radar und es geht weiter Richtung Hafen.
Wir werden Guilvinec bei tiefster Ebbe erreichen und schauen nochmal im Handbuch nach, ob wir bei diesem Wasserstand ohne Probleme in den Hafen kommen. Wir verwenden Rotlicht, um die Nachtsicht so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.
Netterweise hebt sich der Nebel etwas, und wir sind froh, als wir den Leuchtturm auf der Hafenmauer sehen können. Es ist völlig Windstill - was für ein Unterschied zum Nachmittag!
Guilvinec ist einer der größten Fischereihäfen der Bretagne und entsprechend gut ist der Hafen beleuchtet. Wir sind überrascht, dass hier so viele Boote liegen und nicht zum Fang unterwegs sind.
In der hintersten Ecke gibt es einen kleinen Steg für Besucher und wir können uns neben einem anderen Boot ins Päckchen legen. Wir sind froh, dass wir es so gut - und überwiegend unter Segeln - hierher geschafft haben, denn für die nächsten Tage ist die Windvorhersage eher flau. Nun haben wir in Ruhe Zeit, unseren Winterlagerplatz in Arzon zu erreichen.

Freitag, 3. September 2021

Tag 61 - L'Aber Ildut-Camaret-sur-Mer: Der frühe Vogel fängt den Wind

Es wird zwar zunächst ein wenig protestiert, als ich vorschlage, früh am Morgen loszufahren, aber das Argument, dass später der Wind weggeht überzeugt dann die Herren. So sind wir schon um kurz nach Sieben - noch vor Sonnenaufgang - im ersten Licht auf dem Weg aus dem Hafen.
Wir müssen noch ein kurzes Stück durchs Fahrwasser fahren, aber dann können wir auf Kurs gehen und anluven. Mit halbem Wind und fast ohne Welle läuft die Triton sehr gut und wir haben den Strom so geplant, dass wir bis zum Leuchtturm "Phare Saint-Mathieu" geschoben werden (Foto von Paul).
Danach müssen wir dann hart an den Wind gehen, um unser Ziel Camaret-sur-Mer auf der anderen Seite der Bucht zu erreichen. Auch hier ist es sehr geschützt und ohne Wellen, so dass auch der eine erforderliche Kreuzschlag richtig Spaß macht (siehe Titelbild). Uns kommen uns jede Menge Boote entgegen, die wohl auf günstige Bedingungen für die Fahrt nach Norden gewartet haben. Wir können mit dem abflauenden Wind bis direkt vor den leer gewordenen Hafen segeln. Schön, dass die Vorhersage so gut gestimmt hat!
Dort können wir uns einen guten Platz aussuchen. Nach vielen Tagen mit oft kühlen Temperaturen und kräftigem Wind ist es hier auf einmal richtig warm und fast windstill. Wir laufen (bzw. fahren) zur Fressmeile am anderen Hafenbecken. Danach geht es für mich zurück an Bord zum Video-Call, während Paul die Wassertemperatur am wunderbaren Strand ausprobiert (erstaunlich kühl - eben Atlantik...).
Mittlerweile haben wir eine Zusage von unserem Winterlager-Platz in der Nähe von Vannes bekommen, den wir bis Mitte des Monats erreichen wollen. Ich kann also beginnen, die nächsten Etappen zu planen. Für Morgen und übermorgen ist die Windvorhersage flau, so dass wir vorhaben, uns Brest anzusehen. Leider gibt es keine günstige Fährverbindung, daher wollen wir mit der Triton fahren. Für heute genießen wir aber erst einmal die ruhige Abendstimmung.

Donnerstag, 2. September 2021

Tag 60 - L'Aber Wrac'h-L'Aber Ildut: Wellen, Wogen, Wind

Gestern haben wir eine bretonische Gastlandsflagge gekauft, die wir jetzt unter der französischen führen. Aus der - sehr empfehlenswerten - Krimi-Serie von Jean-Luc Bannalec mit Kommisar Dupin wissen wir um den Nationalstolz der Bretonen und dem wollen wir Rechnung tragen. Die Flagge zeigt schwarze und weiße Streifen und oben im Eckfeld 11 - stark abstrahierte - Hermeline.
Vorhergesagt ist immer noch eine Grundwindstärke von 20-22 Knoten, also 5-6 Beaufort, aber wir wollen gerne die Strecke nach Camaret-sur-Mer halbieren, damit wir günstigen Strom haben und nicht im Dunkeln aus einem Hafen heraus oder hinein fahren müssen. Normalerweise wäre das kein Problem, aber die Fischer legen gerne ihre Pötte in die Einfahrt und die wollen wir nicht in der Schraube hängen haben. In unserem Hafen gab es jede Menge sehr aktive Fischer und wir treffen einen bei der Ausfahrt aus der Flussmündung.
Da wir "um die Ecke" fahren, sind mehrere Kursänderungen erforderlich und der Wind kommt zunächst von hinten, dann von der Seite und zum Schluss von vorne - das alles auf der kurzen Strecke von knapp 20 sm. Wir beschließen also, nur mit Fock zu fahren, damit niemand auf dem Vorschiff herumturnen muss, um für wenige Seemeilen die Bulle zu setzten oder das Vorsegel auszubaumen.
Unterwegs kommen uns mehrere große Segelboote (15-20 m lang) entgegen, die versuchen, gegen den starken Wind und die Strömung aufzukreuzen bzw. zu motoren - sehr ungemütlich!
Wir dagegen haben den Wind von hinten und kommen mit unserer Fock und der Strömung gut voran. Seit einer gedachten Linie zwischen Landsend in England und dem Leuchtturm auf der Île Vierge kurz vor Aber Wrac'h haben wir offiziell den Ärmelkanal verlassen und segeln jetzt wieder auf dem Atlantik. Von hinten kommen lange Wellen, die uns bei diesem platten Kurs ziemlich hin und her schaukeln. Bei Sonnenschein, so wie heute, leuchten sie im schönsten Atlantikblau.
Aber bald erreichen wir die Untiefentonne, an der wir unseren Kurs nach Süden ändern können und in der Landabdeckung werden die Wellen schnell kleiner. Wir kommen an dem berühmten Leuchtturm "Phare du Four" vobei, von dem es bei Winterstürmen aus Westen eindrucksvolle Bilder gibt (Klick). Das können wir heute glücklicherweise nicht bieten (siehe Titelbild). Der Wind kommt aus Nordost und die größte Zahl, die wir auf dem Windmesser lesen können sind 24 Knoten, Stärke 6. Nun sind wir schon fast an der engen Einfahrt zu unserem kleine Hafen und müssen sorgfältig um einige Felsen herumfahren. Da bleibt leider keine Zeit, noch ein Foto von den Delfinen zu machen, die uns kurz besuchen kommen. Sonst haben wir optimale Bedingungen, Wind ablandig und Sonne von hinten, so dass wir die Tonnen (und die zahlreichen Fischpötte) gut sehen können. Dann sind wir durch und im ruhigen Hafen.
Die Herren wollen noch mal an Land und wieder Einkäufe im Supermarkt erledigen. Ich bleibe an Bord, weil von 30 Minuten Weg (einfach) die Rede ist und mache lieber die Navigation und den Travelplan für morgen (Foto von Ralf).
Wir haben einen Platz im Päckchen neben einem Boot mit Bordkatze - da denken wir doch sehnsüchtig an Diego und Poppy daheim. Leider ist es schwierig, in der Dämmerung ein gutes Foto von einer schwarzen Katze zu machen.
Für das nächste Stück nach Camaret-sur-Mer gibt es zwei Zeitfenster mit günstiger Strömung: früh am Morgen oder erst am Nachmittag. Da der Wind nachmittags immer schwächer werden soll, wollen wir morgen schon früh aufbrechen. Im Moment ist es hier jedenfalls sehr ruhig und friedlich.

Sonntag, 21. Juli 2019

Tag 74 - Atlantik-Isles of Scilly: Abwechslung bei Tag und Nacht

Unser letzes Stück bis zu den Isles of Scilly vor der Süd-West-Spitze Englands geht weiter schnell voran. Der kräftige Wind kommt von hinten, daher ist die Fock ausgebaumt und das Groß festgebunden - eine Segelstellung, die Manöver schwierig macht.
Das ist ein bisschen blöde, denn jetzt, wo wir uns dem Englischen Kanal nähern, sind viele Schiffe unterwegs und eines kommt genau auf mich zu - bitte auch die Geschwindigkeit SOG (Speed over Ground) beachten.
Ich entscheide mich dann, sicherheitshalber etwas nach rechts auszuweichen, weil von hinten schon das nächste Schiff kommt. Eigentlich haben wir als Segler außerhalb von Tiefwasserwegen Vorfahrt, aber wer will schon mit einem Containerschiff diskutieren...
Damit es nicht langweilig wird, machen wir auch mal wieder eine Halse. Auch nachts wird für Unterhaltung gesorgt. Immer mehr Schiffe tauchen im AIS auf und müssen beobachtet werden.
Es gibt ab und zu eine schwarze Wolke mit Schauerbö, Regen und Wind und dann hat der Wind auch noch so weit gedreht, das wir uns immer weiter von unserem Kurs (rote Linie) entfernen müssen. So leid es mir tut - es ist wieder eine Halse fällig und dazu muss ich Ralf wecken... Wir binden auch noch ein Reff ins Groß, denn es weht deutlich über 20 Knoten.
Viel Wind bedeutet aber auch schnelle Fahrt und als ich um 8:00 Uhr zur Morgenwache antrete, ist die Welt schon viel freundlicher geworden!
Wir sind so schnell unterwegs, dass ich den armen Ralf schon wieder aus dem Bett werfen muss, denn wir sind vor der Einfahrt in den "New Grimbsby Sound" zwischen den Inseln Bryher und Tresco, wo wir eine Mooring nehmen wollen. Tatsächlich bekommen wir ohne Probleme einen freien Platz.
Ralf geht Schlafen (zwei unterbrochene Freiwachen) und ich beobachte die Tiefenanzeige, ob wir auch bei Ebbe noch genug Wasser unter dem Kiel haben (rund 6 m Tidenhub) und bringe mich mit aktuellen Nachrichten aus aller Welt und von WhatsApp auf den neusten Stand. Wir räumen das Schiff auf, das Dinghy wird aufgepumpt und Leinen und Sicherheitsgurte erst einmal weggepackt. Morgen wollen wir anfangen, die Inseln zu erkunden.
Wir sind sehr zufrieden mit der Überfahrt. Nach den ersten 1,5 Tagen, die wir zum Wind nach Norden motoren mussten, konnten wir mit halben oder achterlichen Wind direkt Richtung Ziel fahren. Es gab zwar ein paar Schauerböen, aber der Wind war mit maximal 25 Knoten gut handhabbar. Alle Manöver haben prima geklappt, es gab gutes Essen und im Allgemeinem konnten wir auf den Freiwachen ausreichend schlafen. Die ersten Tage waren entspannend, später wurde es durch Wind, Wellen und Schiffsverkehr etwas anspruchsvoller. - Noch etwas Statistik: 1234 sm, 216 Stunden, davon 41 (= 163 sm) unter Motor. Durchschittsgeschwindigkeit 5,7 Knoten.

Freitag, 19. Juli 2019

Tag 73 - Kurs England 8: Duschen, Backen, Halsen

Direkt beim Wachwechsel am Mittag entscheiden wir uns für eine Halse, denn wir entfernen uns zu weit von unserem Kurs. Das bedeutet, dass alle Segel vor dem Wind auf die andere Seite geschafft werden müssen und wir machen dass bei diesem Wellengang auf Nummer Sicher. Zuerst wird die Fock weggerollt und der Ausbaumer eingeklappt. Dann müssen die Leinen, die den Ausbaumer sichern, umgebaut werden. Danach löst Ralf vorne am Bug den Bullenstander (Leine, die den Großbaum sichert) und ich nehme hinten das Großsegel dicht. Wir ändern den Kurs und das Groß wird an der neuen Seite herausgelassen. Dann Bullenstander wieder fest, Ausbaumer sichern und setzen, Fock ausrollen, Feineinstellung des neuen Kurses – fertig.
Als ich um 16:00 Uhr von meiner Nachmittags-Freiwache komme, riecht das ganze Schiff köstlich nach Kuchen: Ralf hat Brownies gebacken! Außerdem ist der Regen vorbei, der Himmel heller und der Wind weniger. Durch das Motoren haben wir warmes Wasser und daher nutzen wir die gute Gelegenheit für eine Outdoor-Dusche. Es schaukelt ganz schön heftig und ich bin froh, als ich sicher wieder im Cockpit bin und dann die Köstlichkeiten aus der Bordküche genießen kann.
Das ist aber nur eine Pause bis kurz nach dem Abendessen, denn der nächste Regen samt Wind ist schon unterwegs. Auf seiner Wache bindet Ralf – zum ersten Mal auf dieser Reise – ein Reff ins Groß. Als ich um Mitternacht übernehme, können wir wieder ausreffen, aber dafür steht die nächste Halse an – Prozedur siehe oben… Dann brauche ich noch ein halbe Stunde, bis ich Sir Henry und den Winkel des Hauptruders so eingestellt habe, dass das Boot den besten Kurs im Hinblick auf Wind, Wellen und Ziel fährt. So sausen wir – geschützt hinter unserem Vorhang – sehr schnell auf Gauki-Kurs durch die Nacht.

Der Morgen kommt mit hellgrauem Himmel, dunkelgrauem Wasser, Schaumkronen und gelegentlich einer Schauerbö. Der Wind nimmt weiter über 20 Knoten zu und daher kommt wieder ein Reff ins Segel. Das hindert uns aber nicht daran, ein Rekord-Etmal von 160 sm zu fahren. Wenn alles normal läuft, kommen wir morgen auf den Scilly-Inseln an. Wir haben schon eine Bucht herausgesucht, in der wir sicher liegen können und Ralf nutzt unser Satelliten-Telefon, um nach einer Mooring zu fragen.

18.07.2019 12:00 Uhr Bordzeit, Etmal: 160 sm, gesamt: 1092 sm, Rest: 133 sm

Donnerstag, 18. Juli 2019

Tag 72 - Kurs England 7: Wolken und Wellen

Während Ralfs Nachmittags-Wache gestern fängt es doch tatsächlich an zu regnen. Das haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Für den Fall „Regen mit Wind von hinten" haben wir einen Vorhang mit Fenstern, den wir an unserem festen Dach befestigen können, so dass wir weiter recht geschützt sitzen. Der Regen ist rasch wieder vorbei, aber wir lassen die Konstruktion erst einmal hängen, auch um sie wieder zu trocknen. Während meiner Wache sieht es dann ganz so aus, als würde der Vorhang wieder zum Einsatz kommen, denn von hinten nähert sich eine bedrohlich aussehende schwarze Wolke, aus der es ganz offensichtlich heftig regnet.
Aber wir haben Glück und das Regengebiet zieht hinter uns vorbei. Insider sehen, dass es „da hinten blau wird" und tatsächlich lässt sich die Sonne noch mal blicken und wir haben schönes Abendlicht zum Abendessen im Cockpit (Nudelsalat und Suppe).
Beim Wachwechsel um Mitternacht ziehen wir die bisher ausgebaumte Fock wieder auf die andere Seite, weil der Wind spitzer kommt. Sonst verläuft meine Wache – bis auf einen Frachter – ohne besondere Vorkommnisse. Der Wind dreht dann wieder zurück und daher wird die Fock auch wieder ausgebaumt. Geweckt werde ich um kurz vor 8:00 Uhr vom Geräusch des Motors – der Wind ist weg und Ralf hat die Maschine angeworfen, gar nicht schlecht, denn bei grauem Himmel laden unsere Solarplatten nicht ausreichend und außerdem bekommen wir dadurch warmes Wasser zum Duschen. Sehr unangenehm ist allerdings die Restwelle, die uns heftig durchschüttelt. Das ändert sich leider auch nicht, als wir nach zwei Stunden die Segel wieder setzen können.
Es fängt wieder an, leicht zu regnen und daher haben wir den Vorhang wieder angebracht. Die Sicht ist schlecht und ich bekomme einen Schreck, als plötzlich hinter einem Regenschleier ziemlich nah ein Schiff auftaucht. Durch die ausgebaumten Segel können wir nur langsam manövrieren und ich werfe das AIS an, um zu sehen, ob es uns gefährlich werden kann.
Wie sich herausstellt, ist es die JAMES COOK, die dort ohne Fahrt liegt. Ich erinnere mich, dass das ein Forschungsschiff ist und vermute, dass sie irgendwelche Untersuchungen durchführt. Das ist so ein Moment, in dem ich gerne Internet hätte…

18.07.2019 12:00 Bordzeit, Etmal: 142, gesamt: 932, Rest: 285