Dienstag, 10. Juni 2025

Tag 31 - Skye: Besuch bei Clan Donald

Wir wollen uns natürlich die Insel Skye anschauen, fahren mit dem Dinghy an Land und begeben uns in die Tourist Information. Nach dem grauen Regenwetter gestern scheint heute die Sonne und alles sieht schon viel freundlicher aus.
Während wir zum Dinghy Dock tuckern, werden schon die ersten Ausflugsboote für Touristen klar gemacht - offensichtlich ist hier einiges los. Skye ist die zweitgrößte Hebrideninsel und hier wohnen über 10.000 Menschen. Dazu kommt, dass die Insel über die Brücke und mehrere Fährverbindungen schnell zu erreichen ist. In der Tourist Information werden wir nett beraten. Da es schwierig ist, ein Auto zu bekommen, entscheiden wir uns wieder für eine Bustour. Heute soll es nach Armadale gehen, wo wir das gleichnamige Castle (mit Garten und Museum) besichtigen wollen.
Die Fahrt führt über weite Strecken am Ufer entlang, dass wir gestern bei schlechter Sicht vom Wasser aus nur schwer erkennen konnten. Deswegen freuen wir uns heute über die Aussicht und den Blick auf die beeindruckenden Berge.
Wir können direkt beim Eingang zum Castle aussteigen und da es mittlerweile Essenszeit ist, gibt es eine kleine Stärkung im dazugehörenden Café - alles begleitet von neugierigen und frechen Vögeln (wir vermuten ein Buchfink und ein Rotkehlchen).
Dann laufen wir durch den extrem gepflegten Garten mit altem Baumbestand (siehe Titelbild) und Seerosenteichen.
Hier hätte Monet sicher seine Freude gehabt, denn es gibt mehrere Becken mit unterschiedlchen Pflanzen.
Dann kommen wir zum Museum, dass sich mit der Geschichte Schottlands im allgemeinen, speziell mit der Geschichte der Inseln und ganz besonders mit der Geschichte des Clans Donald beschäftigt.
Wie berichtet wurden auch die Hebrideninseln ab dem 8. Jahrhundert Ziel von Überfällen durch die Wikinger und später auch von diesen besiedelt. Nach 1156 schlug der halb-gälische, halb-norwegische Somerled von Argyll die Norweger und begründete so die Herrschaft des MacDonald-Clans über Skye und weitere Hebrideninseln. Der Herrscher führte den Titel "Lord of The Isles". Ende des 15. Jahrhunderts fiel der Titel an die englische Krone und heute ist Prince William Titelträger.

In den Jakobiten-Aufständen von 1715 und 1745 unterstützten die MacDonalds die Stuart-Linie und Flora MacDonald half dem Thronanwärter Charles Edward Stuart, genannt Bonnie Prince Charlie, nach der verlorenen Schlacht von Culloden zur Flucht. Als Folge der Aufstände wurden Tartan, Kilts, Dudelsäcke etc. verboten. Die Clan-Chefs wurden verpflichtet, ihre Kinder zur Schule in die englischsprechenden Lowlands geschickt.

Ab dem 19. Jahrhundert kam es dann zu einer Romantisierung der Highländer. Spezielle Clan-Tartans wurden entwickelt und Kilt und Dudelsack wurden Symbole für ganz Schottland.
Wir schauen uns noch das - noch gar nicht so alte - Castle an, von dem nur noch eine Ruine übriggeblieben ist.
Es ist auf jeden Fall ein einer sehr schönen Stelle erbaut worden, denn von hier aus haben wir einen wunderbaren Blick über den Hafen von Armadale und den Sound of Sleate bis zu den Bergen von Mull am Horizont.
Sehr zufrieden fahren wir mit dem Bus zurück nach Portree, wo inzwischen das Nachtleben angefangen hat. Jedenfalls haben sich vor mehreren Restaurants lange Schlangen gebildet. Wir bevorzugen da die Küche an Bord (heute Nudeln mit Bolognese).

Montag, 9. Juni 2025

Tag 30 - Mallaig-Portree: Engstelle und Planänderung

Heute ist wieder ein Fall von "eigentlich", denn eigentlich wollen wir die rund 40 sm nach Portree in zwei Abschnitte aufteilen. Unser Weg führt um die Insel Skye, die nur durch einen schmalen Kanal vom Festland getrennt wird. Hier können durch die Tide wieder starke Strömungen auftreten, aber wir haben unsere Abfahrt so gelegt, dass wir bei Stillwasser in der Engstelle ankommen.
Das Wetter ist grau und regnerisch und der Wind kommt aus Südwesten, also zunächst genau von hinten und das bedeutet "Schmetterling" segeln. Ralf hat meine GoPro-Kamera am Achterstag montiert, und das gibt einen guten Blick auf das gesamte Boot. Gegen den Regen von hinten haben wir unseren "Vorhang" montiert, und so sitzen wir recht geschützt.
Die Fahrt ist abwechslungsreich, denn hier gibt es tatsächlich Frachtschiffe, Fischerboote, dazu natürlich Fischpötte und den einen oder anderen Segler, so dass wir - bei schlechter Sicht durch den Regen - gut Ausschau halten müssen. Genau an der engsten Stelle gibt es eine kleine Fähre, die natürlich genau dann abglegt, als wir vorbei kommen, aber gut hinter uns vorbei fährt.
Nach dem engen Stück können wir dann "links abbiegen" und mit halben Wind und später am Wind weitersegeln. Leider können wir durch Regen und grauen Himmel nicht so viel von der sicher sehr schönen Landschaft erkennen. Unser Weg führt uns durch die Skye Bridge, der die Insel mit dem Festland verbindet (siehe Titelbild). Kurz dahinter hatten wir eigentlich einen Ankerplatz ausgesucht. Aber nach einem Blick auf die Windvorhersage für morgen, enscheiden wir uns, gleich bis nach Portree weiterzufahren. Dabei werden wir von einem neugierigen Seehung beäugt.
Auf den letzten paar Meilen verlässt uns dann noch der Wind und wir müssen ein Stück motoren. Aber insgesasmt sind wir sehr zufrieden, wie wir auf den verschiedenen Kursen um die Insel Skye gesegelt sind und das praktisch ohne Wellen. Vor dem Städtchen gibt es wieder Gast-Moorings, aber anders als in Tobermory ist hier wenig los und wir können uns den Platz aussuchen. Die Abendstimmung in der Bucht ist sehr friedlich und der Regen hat aufgehört. Morgen wollen wir uns den Ort anschauen und herausfinden, mit welchen Verkehrsmitteln wir Skye am besten erkunden können.

Tag 29 - Mallaig: Unter Dampf

Heute leben wir nach Fahrplan, denn wir wollen sehen, wie "The Jacobite", ein dampfbetriebener Museumszug, in Mallaig ankommt. Wir sind 2016 - zusammen mit Paul - die Strecke von Fort William bis Mallaig selbst schon gefahren und haben dabei das berühmte Glenfinnan Viaduct (bekannt aus den Harry Potter Filmen) überquert. Bis zu zwei Züge pro Tag fahren in der Saison von April bis Oktober und die Reisenden haben zwei Stunden Aufenthalt in Mallaig. Hier muss die Lokomotive umrangiert werden, um wieder an die Spitze des Zuges zu kommen. Allerdigs fährt sie dann rückwärts nach Fort William.
Direkt neben dem Bahnhof ist das Mallaig Heritage Center, wo wir einiges über die Geschichte des Ortes erfahren können.
Die Ausstellung ist zwar klein, aber liebevoll zusammengestellt. Ganz bewusst wurden hier im 19. Jahrhuntert Familien angesiedelt, die Fischerei betreiben sollten. Durch den Anschluss an die Eisenbahnlinie im Jahr 1901 erlebte die Stadt einen Aufschwung und wurde in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zum wichtisgsten Herigshafen in Europa.
Oben links eine Luftaufnahme von 1948, unten rechts ein Bild nach Neubau und Erweiterung der Hafenanlage in den 70er Jahren. In dieser Zeit wurde der Hering weniger und der Tourismus gewann an Bedeutung. Heute ist Mallaig ein wichtiger Fährhafen zu den Small Islands (Muck, Eigg, Rum und Canna) und nach Skye. Im Center werden auch Andenken verkauft (z.B. Schlüsselanhänger mit den Namen der Clans). Ich amüsiere mich über die Toilettentür, bei der innen 3x steht, dass es sich um eine Schiebetür handelt. Die nette Dame an der Kasse versichert mir, dass das notwendig ist, weil immer wieder Besucher panisch an der Tür rotteln, und glauben, nicht mehr herauskommen zu können...
Zwischen den beiden Zügen heute (bei denen jedesmal 250 Personen in die Stadt mit knapp 1000 Einwohnern einfallen) gehen wir im Café eine Kleinigkeit essen. Draußen spielt eine junge Dame die Harfe vor einer Galerie, in der Bilder mit Highland-Motiven verkauft werden.
Die Marina hat ein sehr schönes neues Waschhaus und wir nutzen die Chance, zum Wäsche waschen und Duschen. Außerdem füllen wir unsere Wasservorräte auf und kaufen im kleine Coop ein. Nun sind wir bereit, weitere Hebriden-Inseln zu erkunden.

Sonntag, 8. Juni 2025

Tag 28 - Canna-Mallaig: Schön, aber kalt

Wir überlegen, wie und in welcher Reihenfolge wir uns die Hebriden weiter anschauen wollen und entscheiden uns - auch im Hinblick auf die Windprognose - wieder ans Festland zurück zu segeln. Der Kurs führtnnach Osten und der Wind kommt von hinten aus Nordwesten, daher können wir ausbaumen (siehe Titelbild).
Das Boot segelt prima, alle Manöver klappen gut, die Sonne scheint und dann kommen auch noch Delfine - das Leben ist schön!
Trotz der Sonne ist es aber, sicher durch die Nordkomponente des Windes, empfindlich kalt, so dass wir nicht nur Mützen, sondern auch Handschuhe auspacken.
Mallaig ist ein wichtiger Fährhafen, gerade für die "Small Islands" und laut Wikipedia der wichtigste Fischereihafen an der schottischen Westküste. Wir finden die Anzahl der Fischerboote eher übersichtlich.
Morgen wollen wir auf jeden Fall noch hier bleiben, nochmal Wäsche waschen und Wasser und unsere Vorräte auffüllen, denn auf dem Weg nach Norden gibt es nicht mehr viele Häfen.
 

Freitag, 6. Juni 2025

Tag 27 - Rùm-Canna: Trauminsel ohne Netz

Heute wollen wir uns die nächste der „Small Islands“ ansehen, die Doppelinsel Canna und Sanday, die bei Ebbe miteinander verbunden sind. Es sind nur 10 sm bei leichtem Wind und Sonne und da macht es uns nichts aus, dass wir einen Kreuzschlag machen müssen.

Unterwegs kommen wir – wie schon so oft – an einer Fischfarm vorbei, in der vermutlich Lachse gezüchtet werden.
Auf Marine Traffic habe ich gesehen, dass schon mehrere Boote in der gut geschützen Bucht zwischen den Inseln liegen, aber wir bekommen problemlos noch eine der 10 Gast-Moorings.
Und dann gibt es Hafenkino vom Feinsten. Die Fähre, die alle kleinen Inseln regelmäßig besucht, legt rückwärts an (dazu muss sie in der Bucht drehen) und wie Perlen an der Schnur kommt ein Segler nach dem andren in die Bucht. Die Moorings sind schnell belegt und die zu spät Gekommenen fahren Ankerrunden. Aber schließlich hat jeder einen Platz gefunden.
Wir wollen uns natürlich die Insel ansehen, lassen das Beiboot ins Wasser, installieren den Elektro-Motor und unsere blauen Rollen, denn die Boote müssen am oberen Ende einer Rampe geparkt werden und mit den Rädern lässt sich das Dinghy leicht ziehen.
Gleich am Anleger ist ein funkelnagelneues Waschhaus errichtet worden – mit Waschmaschine, Trockner und Behinderten WC. Wir folgen der Straße um die Bucht und kommen an der kleinen Kirche "Canna Ruh Church" vorbei, die gerade renoviert wird (siehe Titelbild). Auf den Inseln gibt es laut Wikipedia insgesamt 20 Gebäude und davon sind drei Kirchen. Direkt gegenüber ist ein witziger Sitzplatz aufgestellt worden.
Als nächstes kommen wir dann zum kleinen Laden, der rund um die Uhr geöffnet ist und wo die Mooring bezahlt werden kann. Es steht eine Kasse da und jeder legt das ensprechende Geld hinein oder bezahlt mit Karte.
Direkt daneben ist dann das Café Canna, wo es – wie der Name schon sagt – Kaffee und Kuchen und vor allem WLAN gibt (ich hatte schon Entzugserscheinungen, denn es gibt hier kein Mobilfunknetz) (Foto von Ralf).
Canna und Sanday haben eine ebenso wechelvolle Geschichte wie die anderen Hebriden-Inseln: Steinzeit, Wikinger, Lord of the Isles, schottische Clanchefs. Und dann kamen hier – wie auch auf Rùm – die reichen Exzentriker. Der erste war ein Schiffsbauer aus Glasgow, der die Insel in den 1880er Jahren erwarb und einen Pier, eine Brücke zwischen den Inseln und eine Kirche errichten ließ. Dann wurde die Insel an John Lorne Campbell und seine Frau Margaret Fay Shaw verkauft, ein interessantes Paar, die sich mit der Sammlung von gälischer Musik und Folklore beschäftigten, die Insel in ein Naturreservat und eine Farm verwandelten und in Canna House lebten.
Im Jahr 1981 schenkten sie die Inseln dem National Trust, der sie heute noch verwaltet. Das schöne Wohnhaus kann nach nur nach Voranmeldung besichtig werden, aber der Garten ist offen und wir bewundern die sorgfältig gepflegten Beete
Ralf versucht sich auf dem Crocket Feld und schafft es mehrfach, die großen Kugeln durch die kleinen Tore zu schießen.
Von hier aus haben wir auch noch einen schönen Blick auf die an ihren Moorings liegenden Boote. Als wir zurücklaufen, ist das Café draußen und drinnen voll besetzt. Die Besatzungen der 14 Segelyachten hat die Bevölkerung von ungefähr 15 Personen mehr als verdoppelt und stellt sicher einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Wirklich eine sehr nette Insel – nur schade, dass es in der Bucht absolut kein Netz gibt und wir uns noch nicht einmal den aktuellen Wetterbericht anschauen können…