Montag, 10. August 2026

Tag 67 - Bønnerup-Grenaa: Entlang der Küste

Wir wollen entlang der Küste einen Hafen weitersegeln und da es heute nachmittag sehr windig werden soll, fahren wir gleich morgens los. Auf dem Track ist gut zu sehen, wo wir das Großsegel hochgezogen haben.
Zunächst ist es noch etwas schaukelig, aber in Landabdeckung werden die Wellen kleiner und ich mache ein paar Fotos aus dem Bugkorb (siehe auch Titelbild).
Wir kommen am Leuchtturm Fornæs vorbei, der so aussieht, wie man sich einen klassischen Leuchtturm vorstellt.
Auch in Grenaa ist Nachsaison und wir haben kein Problem, einen guten Platz zu finden. Nach uns kommen noch einige andere Boote. Und wie vorhergesagt, beginnt der Wind immer stärker zu wehen.
Zum Abendessen zaubert Ralf eine besonders köstliche Bolognese, für die er extra noch Staudensellerie im Ort besorgt hat.
Wir liegen gut und sicher im Hafen, essen gemütlich im Cockpit und bekommen noch einen schönen Sonnenuntergang - wieder ein schöner Segeltag!

Sonntag, 9. August 2026

Tag 66 - Bønnerup: Im Hafen und am Strand

Heute mal keine Besichtigungen und auch kein langer Segeltag sondern einfach nettes Hafenleben: Wäschewaschen, ein paar Mails und Überweisungen und lange Telefonate mit Familie und Freunden. Ralf repariert den Durchflussmengensensor für das Kühlwasser, der eigentlich piepsen soll, das aber nicht mehr zuverlässig getan hat. Nach dem Mittagessen schauen wir uns im Hafen um. Dänemark ist sehr, sehr kinderfreudlich und in jedem Hafen gibt es einen Spielplatz. Hier haben sie das noch getoppt, denn es gibt einen Schrank mit Schwimmewesten und Ausrüstung zum Krabbenfangen mit Eimern, Keschern und Krabbenangeln! Das weckt schöne Erinnerung an unsere Zeit mit dein Kindern - hier mit Philipp (oben rechts).
Es gibt auch den obligatorischen Hafengrill mit Pommes und Softeis und ganz in der Nähe einen schönen Strand (siehe auch Titelbild) mit ganz feinem Sand.
Die Temperaturen sind angenehm und wir stecken die Füße ins Wasser und haben eine gute Zeit. 
Hier liegt das Seegras am Ufer, aus dem die Dächer auf Læsø hergestellt wurden. Wie wir gelernt haben, hat das Gras hier - nach einem Schädlingsbefall - nicht mehr die richtige Qualiät, um die Dächer herzustellen. Insbesondere ist es zu kurz.
Auf den Steinen der Mole haben sich an der Grenze von Wasser zu Luft zahlreiche kleine Schnecken angesiedelt.
Wir genießen noch eine Weile die angenehme Sonne bevor wir wieder in den Hafen zurück gehen. Der ganze Ort hat eine sehr nette und entspannte Stimmung.
Heute gibt es Kaffee und Kuchen im Cockpit und wir schauen den netten Schwalben zu, die durch die Luft flitzen und sich ab und zu auf den Festmachern des neben uns liegenden Bootes ausruhen.
Nach Kochen, Bloggen und Abspülen werde jetzt noch die Bettchen neu bezogen und ich freue mich auf mein sauberes Nachthemd nach dem Duschen. Eine Besonderheit hier  im Hafen sind die sieben Windräder, die auf den Molen stehen. Wir merken, dass es Richtung Herbst geht, denn es wird jeden Tag spürbar früher dunkel.
 

Samstag, 8. August 2026

Tag 65 - Læsø-Bønnerup: Ein langer Tag

Nach den Starkwindtagen sind wir heute eines von vielen Booten, die den Hafen verlassen. Um 9:00 Uhr legen wir ab, denn wir haben über 50 sm vor uns. Wie sich herausstellt schechtes Timing, denn wir müssen abwarten, bis die Fähre angelegt hat.
Vorhergesagt ist - mal wieder - Westwind und wir haben uns einen Hafen im Süden ausgesucht und die Hoffnung, die Strecke gut mit halbem Wind segeln zu können. Allerdings müssen wir erst einmal unter Motor Richtung Westen fahren, um den Untiefen um Læsø auszuweichen. Die ganze Insel ist von Flachstellen umgeben - kein Wunder dass hier viele Schiffe strandeten und die Einwohnern ein zusätzliches Einkommen bescherten.
Zunächst ist es noch recht windig mit unangenehmen Wellen die uns ziemlich hin- und her schütteln.
Und leider kommt der Wind auch mehr aus Südwest als aus West, so dass wir den Winkel zu unserem Tagsziel nicht ganz schaffen, sondern die Segel dichtnehmen und so viel Höhe machen, wie möglich.
Die Windstärke nimmt ab und der Wind dreht mit jeder Wolke, aber insgesamt kommen wir unserem Ziel näher. Die Wellen werden kleiner und das Leben an Bord wird angenehmer (siehe auch Titelbild). Es gibt gemütliches Abendessen an Bord.
Am Ende schaffen wir es, bis kurz vor den Hafen zu segeln und wir sind sehr zufrieden mit dem Tag. Es war gut, dass wir auch bei wenig Wind durchgehalten haben und wir kommen mit dem Sonnenunergang in Bønnerup an.
 

Freitag, 7. August 2026

Tag 64 - Læsø: In den wilden Süden

Draußen bläst ein sehr starker Westwind und wir bleiben gerne im Hafen. Auf der Insel gibt es noch einiges zu sehen.
Mittlerweile kennen wir uns ja schon mit dem Bus aus und wir nehmen wieder unsere Fahrräder mit. Heute fahren wir zur Salzhütte, in der wieder Salz auf die traditionelle Art hergestellt wird.
Im Süden der Insel liegt die Rønnerne, ein großes Feuchtgebiet mit Salzwiesen und Heideflächen. Es wird im regelmäßig überflutet. Das Meerwasser (Salzgehalt 2%) kann jedoch wegen einer Lehmschicht nicht vollständig versickern und wird durch Verdunstung hochkonzentriert (Salzgehalt 15%). Dieses Wasser wird dann in großen flachen Becken in der Salzhütte erhitzt und weiter konzentriert, bis das Salz ausfällt und getrocknet werden kann.
Vor vielen Jahren waren wir schon einmal mit den Kindern hier und Paul hat selbst Salz hergestellt und es an Weihnachten verschenkt.
Wir sind aber noch aus einem anderen Grund hier, denn wir wollen mit dem "Rønnerbussen", einem Traktor mit Anhänger (siehe Titelbild) zu den Salzwiesen fahren. Es geht durch die flache, feuchte Landschaft mit immer mal wieder einem Findling aus der letzten Eiszeit.
Wir bekommen eine Kurzbeschreibung auf Deutsch und nach den dänischen Erklärungen wird alles nochmals kurz auf Englisch zusammengefasst, so dass wir auch verstehen, worum es geht. Beim ersten Stopp beschäftigen wir uns mit den hier wachsenden Pflanzen. Neben verschiedenen Heide-Arten gibt es hier den Lungen-Enzian (oben links), der in einer komplizierten Dreiecksbeziehung mit einer Ameise und einem Schmetterling lebt. Der Schmetterling legt seine Eier in die Blüte und die Raupe frisst zunächst die Pflanze. Nach einer Weile lässt sie sich fallen und imitiert den Nestgeruch einer Ameisenart. Diese bringen die Raupe dann in ihr Nest, wo sie lebt "wie die Made im Speck". Nach der Verpuppung muss der Schmetterling dann schnell die Flucht ergreifen...
Die flache Landschaft hat ihren ganz eigenen Reiz und die Weite wird nur ab und zu von einem Findling unterbrochen.
Wir fahren weiter ganz nach Süden durch Wassergräben auf die Insel Hornfiskrøn. Hier ist der Boden trockener und die Vegetation ist anders als bei unserem vorherigen Stopp.
Hier lebt eine andere Ameisenart, die gelbe Wiesenameise, und die Landschaft ist voll mit grasüberwachsenen Ameisenhügeln. Die Ameisen sind nur selten an der Oberfläche zu sehen, weil sie in unterirdischen Nestern Wurzelläuse züchten und sich von deren Honigtau ernähren. Unser Guide öffnet einige Hügel für uns und fordert uns auf, die (sehr kleinen) Ameisen zu probieren, da sie lecker und zitronig schmecken - stimmt!
Auf dem Rückweg, geht es wieder durch tiefes Wasser. Der Weg ist teilweise sogar mit Stöcken markiert, damit der Fahrer weiß, wo es entlanggeht.
Auch unser letzten Halt bietet kulinarische Erlebnisse, denn wir probieren "Queller", eine Sukkulentenart, die auf den Salzwiesen wächst. Sie ist auch als "Seesparkel" bekannt und  schmeckt knackig und salzig.
Wir fahren zurück zur Salzhütte, vorbei an Heidefläche und an Kühen, die zur Beweidung eingesetzt werden, um den Graswuchs zu beschränken.
Ich klettere noch auf den Aussichtsturm um einen Überblick über das Gelände und die verschiedenen Gebäude zu bekommen. Gerade wird neues Holz für die Salzhütte angeliefert. Hier werden 12 Leute beschäftigt, die ca. 70 Tonnen Salz im Jahr produzieren.
Wir essen noch eine Kleinigkeit und fahren dann zufrieden zurück zum Boot. Mit dem kostenlosen Bus war es einfach, die Insel zu erkunden und durch unsere Fahrräder konnten wir die verschiedenen Ziele gut erreichen.
Gefühlt hat heute wegen des starken Windes niemand den Hafen verlassen und es liegen Boote aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland neben uns. Morgen soll der Wind schwächer werden und dann wollen wir - und bestimmt viele andere - weitersegeln.
 

Donnerstag, 6. August 2026

Tag 63 - Læsø: Von Salz, Seegras und und starken Frauen

Heute wollen wir uns etwas mit der Geschichte Læsøs beschäftigen und so machen wir uns mit dem Bus und unseren Fahrrädern auf den Weg zu "Hedvigs Hus", einem für die Insel typischen Fachwerkhaus mit einem Seegrasdach (siehe auch Titelbild). Das Gebäude ist eine Außenstelle des Inselmuseums, wurde komplett restauriert und wird von Freiwilligen betreut. Es wurde 1994 vom Museum von einer Familie gekauft, die das Haus seit dem 17. Jahrhundert bewohnt hatte. Eine Nachfahrin ist vor Ort, aber da sie nur wenig Englisch oder Deutsch und wir noch weniger Dänisch sprechen, ist die Verständigung mühsam... Wir bekommen aber leckeren Kaffee, Tee und Kuchen.
Mit unseren Fahrrädern ist es nur ein kurzer Weg bis nach Østerby, dem zweiten Hafen der Insel.
Wir beobachten Kormorane, Enten und junge und ältere Möwen. Eine Möwe hat eine riesige Krabbe erbeutet (oder gestohlen?) und genießt ein Festmahl.
Hier liegt die Fischereiflotte, die - wie wir später im Museum erfahren - vor allem Kaisergranat mit Schleppnetzen auf dem Meeresgrund fischt. Am Kai steht ein Brunnen mit einem stark überdimensionierten Modell (die Tiere sind ca. 20 cm lang).
Wir essen hier keinen Fisch oder Meeresfrüchte, sondern ein sehr gutes Sandwich bei einem Lokal, das wirklich internationale Küche anbietet: aus England, USA, Italien, der Türkei und Dänemark...
Mit dem Bus geht es zurück nach Byrum, wo wir das Museumshaus besuchen. Es gibt eine Fresnelsche Linse aus einem Leuchtturm zu sehen, einen Silberschatz, der bei Bauarbeiten gefunden wurde und es gibt Informationen über die Fischerei. Leider sind die Ausstellung selbst und die Führungen nur auf dänisch, so dass wir etwas enttäuscht sind.
Daher machen wir uns mit wenig Hoffnung auf den Weg zur letzten Station unserer Reise, ebenfalls einem Haus mit Seegrasdach, dem Museumsgården.
Hier werden wir dann sehr angenehm überrascht, denn die Dame an der Kasse erklärt uns einiges auf Deutsch, es gibt eine Broschüre mit Erklärungen und die Ausstellung ist teilweise auf Englisch. Das ist auch gut so, denn es gibt einen Antrag, UNESCO-Weltkulturerbe zu werden. Auch dieses Haus ist vollständig eingerichtet und gibt so einen Eindruck der Lebensweise der Bewohner. Eine Ausstellung informiert darüber, wie ein Seegrasdach gedeckt wird. Das Seegras wird am Strand gesammelt, zu Strängen zusammengedreht und an den unteren Dachbalken befestigt. Darüber wird mit losem Seegras aufgefüllt und alles wird festgestampft. Durch Salz und Jod ist das Material schlecht brennbar und vor Ungeziefern geschützt.
Sehr interessant finde ich den Grund, warum überhaupt dieses Material verwendet wurde. Die Insel ist relativ jung und tauchte erst vor ca. 5000 Jahren aus dem Meer auf. Im Mittelalter erhielt der Bischof von Viborg die Herrschaft über die Insel. Mönche erzeugten Salz aus dem stark salzhaltigen Grundwasser und bauten eine sehr erfolgreiche Salzindustrie auf. Dafür wurde viel Brennholz benötigt, aber es gab eine strenge Forstverwaltung.
Dies änderte sich durch die dänische Reformation von 1537. Die Klöster wurden enteignet und teilweise geplündert. Die Regularien durch die Mönche auf der Insel fielen weg und jeder, der wollte konnte Salz sieden und dafür Brennholz schlagen. Dies führte zur vollständigen Abholzung der Insel und die Salzsiederei wurde schließlich verboten.
Der Naturhafen der Insel an der Ostseite versandete und ganze Dörfer verschwanden unter Sand. Es gab kaum noch Arbeit auf der Insel und die Männer fuhren zur See, während die Frauen auf der Insel blieben und die Felder bestellten. Da es auch kein Holz als Baumaterial gab, wurden Fachwerkhäuser aus Treibholz und dem Holz der gestrandeten Schiffe gebaut und die Dächer von den Frauen mit Seegras gedeckt. Die ungewöhnliche Bauweise ist also aus der Not entstanden. Ein Raum der Ausstellung widmet sich den typischen Trachten, die - je nach Reichtum der entsprechenden Dame - mit silbernen Ornamenten verziert war.
Mittlerweile gibt es, nach einem Aufforstungsprogramm ab ca. 1920, wieder viele Bäume auf der Insel. Von den rund 300 Seegrasdach-Häusern sind nur noch etwa 30 übriggeblieben, die meisten davon in Privatbesitz. Ein Projekt hat die Eigentümer dabei unterstützt, die Dächer zu renovieren, damit diese ungewöhnliche und einmalige Technik erhalten bleibt.