Freitag, 7. August 2026

Tag 64 - Læsø: In den wilden Süden

Draußen bläst ein sehr starker Westwind und wir bleiben gerne im Hafen. Auf der Insel gibt es noch einiges zu sehen.
Mittlerweile kennen wir uns ja schon mit dem Bus aus und wir nehmen wieder unsere Fahrräder mit. Heute fahren wir zur Salzhütte, in der wieder Salz auf die traditionelle Art hergestellt wird.
Im Süden der Insel liegt die Rønnerne, ein großes Feuchtgebiet mit Salzwiesen und Heideflächen. Es wird im regelmäßig überflutet. Das Meerwasser (Salzgehalt 2%) kann jedoch wegen einer Lehmschicht nicht vollständig versickern und wird durch Verdunstung hochkonzentriert (Salzgehalt 15%). Dieses Wasser wird dann in großen flachen Becken in der Salzhütte erhitzt und weiter konzentriert, bis das Salz ausfällt und getrocknet werden kann.
Vor vielen Jahren waren wir schon einmal mit den Kindern hier und Paul hat selbst Salz hergestellt und es an Weihnachten verschenkt.
Wir sind aber noch aus einem anderen Grund hier, denn wir wollen mit dem "Rønnerbussen", einem Traktor mit Anhänger (siehe Titelbild) zu den Salzwiesen fahren. Es geht durch die flache, feuchte Landschaft mit immer mal wieder einem Findling aus der letzten Eiszeit.
Wir bekommen eine Kurzbeschreibung auf Deutsch und nach den dänischen Erklärungen wird alles nochmals kurz auf Englisch zusammengefasst, so dass wir auch verstehen, worum es geht. Beim ersten Stopp beschäftigen wir uns mit den hier wachsenden Pflanzen. Neben verschiedenen Heide-Arten gibt es hier den Lungen-Enzian (oben links), der in einer komplizierten Dreiecksbeziehung mit einer Ameise und einem Schmetterling lebt. Der Schmetterling legt seine Eier in die Blüte und die Raupe frisst zunächst die Pflanze. Nach einer Weile lässt sie sich fallen und imitiert den Nestgeruch einer Ameisenart. Diese bringen die Raupe dann in ihr Nest, wo sie lebt "wie die Made im Speck". Nach der Verpuppung muss der Schmetterling dann schnell die Flucht ergreifen...
Die flache Landschaft hat ihren ganz eigenen Reiz und die Weite wird nur ab und zu von einem Findling unterbrochen.
Wir fahren weiter ganz nach Süden durch Wassergräben auf die Insel Hornfiskrøn. Hier ist der Boden trockener und die Vegetation ist anders als bei unserem vorherigen Stopp.
Hier lebt eine andere Ameisenart, die gelbe Wiesenameise, und die Landschaft ist voll mit grasüberwachsenen Ameisenhügeln. Die Ameisen sind nur selten an der Oberfläche zu sehen, weil sie in unterirdischen Nestern Wurzelläuse züchten und sich von deren Honigtau ernähren. Unser Guide öffnet einige Hügel für uns und fordert uns auf, die (sehr kleinen) Ameisen zu probieren, da sie lecker und zitronig schmecken - stimmt!
Auf dem Rückweg, geht es wieder durch tiefes Wasser. Der Weg ist teilweise sogar mit Stöcken markiert, damit der Fahrer weiß, wo es entlanggeht.
Auch unser letzten Halt bietet kulinarische Erlebnisse, denn wir probieren "Queller", eine Sukkulentenart, die auf den Salzwiesen wächst. Sie ist auch als "Seesparkel" bekannt und  schmeckt knackig und salzig.
Wir fahren zurück zur Salzhütte, vorbei an Heidefläche und an Kühen, die zur Beweidung eingesetzt werden, um den Graswuchs zu beschränken.
Ich klettere noch auf den Aussichtsturm um einen Überblick über das Gelände und die verschiedenen Gebäude zu bekommen. Gerade wird neues Holz für die Salzhütte angeliefert. Hier werden 12 Leute beschäftigt, die ca. 70 Tonnen Salz im Jahr produzieren.
Wir essen noch eine Kleinigkeit und fahren dann zufrieden zurück zum Boot. Mit dem kostenlosen Bus war es einfach, die Insel zu erkunden und durch unsere Fahrräder konnten wir die verschiedenen Ziele gut erreichen.
Gefühlt hat heute wegen des starken Windes niemand den Hafen verlassen und es liegen Boote aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland neben uns. Morgen soll der Wind schwächer werden und dann wollen wir - und bestimmt viele andere - weitersegeln.
 

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