Sonntag, 31. Dezember 2017

Zusammenfassung: Dezember (ab 11.12.)

Statistik

Seemeilen: 104                    
Motorstunden: 8 (Überwiegend Laden der Batterien)                                    
Segeltage: 4           
Nächte auf See: 1                        
Liegetage: 17                                    
Häfen/Ankerplätze: 3           
Karibik: Bridgetown, Carlisle Bay (Barbados), Rodney Bay Marina (St. Lucia)

Segeln und Wetter

Ein Blick in den Wetterbericht bietet hier in der Ostkaribik selten Überraschungen. Wir haben gar nicht mehr nachgesehen, denn typischerweise ist es warm (tagsüber oft > 30°C, nachts nicht unter 25°C) und sonnig und der Nordost-Passat bläst mit 5 Windstärken. Je nachdem ob wir in der geschützten Marina oder offen am Ankerplatz liegen, bekommen wir vom Wind mehr oder weniger mit. Dazwischen gibt es auch immer mal wieder einen kurzen Regenschauer, meist nicht länger als 5 oder 10 Minuten.

Das Wasser ist ca. 26°C warm und das Schwimmen macht Spaß und ist erfrischend. Wir haben uns an die Hitze gewöhnt und versuchen, anstrengende Aktivitäten in die Morgen- oder Abendstunden zu legen. Es ist ungefähr 12 Stunden hell (von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr) mit nur kurzer Dämmerung, leider nicht genug, um uns beim Ankern mit Strom zu versorgen und so muss der Diesel jeden 2. Tag für eine Stunde laufen, um die Batterien zu laden.

Unser einziger „richtiger“ Segeltag nutzte natürlich auch den Passat, um die rund 100 sm von Barbados nach St. Lucia flott zurückzulegen, Wir fuhren nachts, damit wir zu Bürozeiten auf St. Lucia einklarieren konnten.

Boot

Zum Segeln sind wir mit der Triton sehr zufrieden, aber jetzt musste sie sich als Wohnung bei warmen Wetter und mit fünf großen Personen bewähren. Wie sich herausstellt, haben die Kinder keine Stehhöhe mehr im Schiff… Zum ersten Mal benutzen wir die kleinen Seitenfenster für die Belüftung das klappt sehr gut. Auch mein 12V Ventilator ist unter Deck eine große Hilfe. Kochen oder Backen ist kontraproduktiv, weil dann die Triton in eine Sauna verwandelt wird. Ich habe jedenfalls noch nie außerhalb einer Sauna so geschwitzt…

An Deck helfen unser festes Dach, unser Bimini und unsere Sonnentücher um ausreichend Schatten zu erzeugen. Insgesamt wird es durch diese ganzen Konstruktionen aber sehr eng und voll auf dem Schiff.

Glücklicherweise haben wir keine ernsthaften Schäden auf der Atlantiküberquerung gehabt und so verschieben wir Wartungsarbeiten (Radar, Autopilot, Fenster) erst einmal, um Zeit mit der Familie zu verbringen.

Verpflegung/Versorgung

Wir haben an verschiedenen Stellen gelesen, dass es sehr sinnvoll ist, sich auf den Kanarischen Inseln mit allen verfügbaren Vorräten einzudecken. Und jetzt wissen wir auf warum. Auf den beiden Inseln, die wir bis jetzt besucht haben (Barbados, St. Lucia), werden die überwiegend importierten Lebensmittel mit Gold aufgewogen.

So wollten wir z.B. eine Dose Pfirsiche kaufen (zum Schokopudding): Preis 12 Barbados-Doller = 5 Euro). Zum Vergleich: unsere vorhandene hat weniger als 1 Euro gekostet. Natürlich erwarte ich hier keine Aldi-Preise, aber Faktor 5 wollen wir nicht bezahlen. Wir kaufen frische Lebensmittel auf dem Markt, wo es gefühlt unterschiedliche Preise für Einheimische und Touristen gibt, Fleisch beim Butcher-Boy, einem Tiefkühl-Metzger und Brot. Sonst behelfen wir uns überwiegend mit Bordmitteln. Auf St. Lucia sind die Lebensmittel etwas günstiger, aber mir ist nach wie vor ein Rätsel, wie die Einheimischen das bezahlen können.

Crew

Mein Weihnachtswunsch war dieses Jahr, dass wir Weihnachten in der Karibik mit allen Kindern verbringen können und zu meiner ganz großen Freude haben die vor vielen Monaten gemachten Pläne sehr gut funktioniert. Paul haben wir ja schon importiert, am 13. kam Jan aus Mexiko und am 19. dann Max aus Deutschland eingeflogen.

Wir mussten etwas umräumen und zusammenrücken, aber alle Kinder haben ja seit ihrer Zeit im Bauch fast jeden Sommer zumindest teilweise auf einem Schiff verbracht und so fallen wir schnell in den vertrauten Rhythmus. Bis zum 28. sind wir zu fünft an Bord (dann zog es Paul nach Hause zu Leonie und Diego) und es gibt viel zu erzählen, gemeinsame Mahlzeiten, spannende Kartenspiele und nette Familienausflüge.

Sightseeing

Bei meiner Planung hatte ich erst Bedenken, ob ca. 2,5 Wochen auf Barbados nicht zu langweilig wären, aber weit gefehlt. Die Zeit ging (wie eigentlich immer) unglaublich schnell herum und wir haben nur einen Teil der Insel erkunden können.

In der ersten Woche waren wir in Careenage Marina in Bridgetown, sind durch die Stadt gelaufen, haben am wunderbaren Strand in der Pirates Cove gebadet, uns mit dem Schiff beschäftigt und unser einziger Ausflug war zum Kino, um den neusten Star Wars Film anzusehen.

In der zweiten Woche hatten wir dann für drei Tage ein Auto und haben die Harrison’s Cave, St. Nicholas Abbey, eine Zuckerrohrplantage, auf der jetzt Rum hergestellt wird, und das Barbados Wildlife Reserve besichtigt. Wir waren auch an der rauen Ostküste und haben auch immer ein Plätzchen für einen Imbiss gefunden.

Alle Ausflüge haben mir gefallen, die Straßen sind gut befahrbar und die Angebote sind natürlich touristisch aber wirklich nett gemacht. Weil wir selbständig unterwegs waren, konnten wir uns Zeit nehmen und uns in Ruhe auf das jeweilige Ausflugsziel einlassen. Wie wir später gelesen haben, werden auf typischen Touren alle drei Ziele an einem Tag „abgearbeitet".

Mein absolutes Highlight war aber der Tag beim Pferderennen. Hier waren Touristen (einfach zu erkennen) in der absoluten Minderheit, die Getränke waren sehr günstig und die Stimmung einmalig. Wir ließen uns von der Aufregung und Begeisterung anstecken und haben auch den einen oder anderen Doller gewonnen (und wieder verloren).

Auch auf unserer zweiten Karibik-Insel, St. Lucia, hatten wir für zwei Tage ein Auto für die Inselerkundung. Hier ist die Qualität der wenigen Straßen schlecht, was das Fahren langwierig und anstrengend macht und die Orte sind entweder ärmlich und eher hässlich oder touristische Ghettos, schön gemacht, aber künstlich. Wir waren in Gros Islet, Rodney Bay, der Hauptstadt Castries, in Marigot Bay und in Soufrière. Lichtblicke fanden wir Zaka’s Art Café in Soufrière, das Schlammbad in den „Sulphur Springs“ und natürlich die Landschaft der wunderbaren grünen Vulkaninsel.

Begegnungen

An erster Stelle steht hier natürlich das Wiedersehen mit der Familie. Das Bordleben weckt viele schöne Erinnerungen an vergangene Urlaube und Auto-Ausflüge haben wir im Winterhalbjahr jeden Sonntag gemacht, solange die Kinder noch klein waren… Es war richtig schön für mich, wenn wir alle zusammen unterwegs waren und teilweise zu Max Musik gemeinsam gesungen haben (das war vielleicht nicht ganz so schön für Ralf…).

Unsere Atlantic Odyssey Gruppe lag hier gemeinsam in der Careenage Marina und jeder hatte natürlich Geschichten von der Atlantik-Überquerung zu erzählen. Es gab eine Abschiedsparty im Yachtclub, wir haben uns am Strand in der Pirates Cove getroffen (wo ich als „Shark“ die Kinder im Wasser gejagt habe) und ein Teil hat dann auch noch gemeinsam in der Carlisle Bay geankert.

Besonders nett war es, dass wir unsere Freunde von der NALA DANICA wiedergetroffen haben und einen Abend mit gemeinsamen Grillen am Strand verbringen konnten.

Die „Bajans“, wie sich die Einwohner von Barbados nennen haben wir ganz besonders freundlich und hilfsbereit empfunden. Jeder lächelt und grüßt, wir werden auf der Straße angesprochen und „einfach so“ in Gespräche verwickelt und Jan war sogar zu Weihnachten in eine Familie eingeladen. Besonders in Erinnerung bleiben: die Apfelverkäuferin, die Ralf warnte, nicht mit einem Stapel Geld herumzuwedeln, Anderson C. Miller, der uns zu Weihnachten in seine Kirche einlud und mir Besichtigungstipps gab, ein Offizieller der Rennbahn, der uns persönlich die Plätze zeigte (und einen richtigen Tipp fürs Rennen gab), die Dame, die uns bei der Auswahl des richtigen Busses half und eine andere, die uns ein Restaurant empfahl… wir haben uns sehr wohl und willkommen gefühlt.

Ganz anders ist die Situation auf St. Lucia. Ich erlebe die Menschen als höflich und professionell in den Touristen-Ghettos und außerhalb davon als gleichgültig oder sogar unterschwellig feindselig. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die dann ganz besonders herausstechen, wie den Verkäufer von Schüsseln und Hüten in Rodney Bay und die nette Familie in Zaka’s Café.

Fazit

Wieder ein ganz neuer Abschnitt mit vielen Begegnungen, Erlebnissen und Eindrücken. Es war ganz wunderbar, alle Kinder hier zu haben und ich denke, wir hatten zusammen eine sehr gute Zeit. Es gab viele Feiern: Abschiedsparty der Odyssey, Jans Geburtstag, Grillen am Strand mit den Freunden von der Nala Danica, Weihnachten… und wir haben viel gesehen und erlebt.

Ich war ja bisher kein so großer Fan von Ankern, aber das hat mir erstaunlich gut gefallen. Es ist wunderbar, einfach vom Boot aus schwimmen zu gehen und auch die Temperaturen sind auf dem Wasser viel angenehmer. Die Landemanöver mit dem Beiboot in der Brandung am Strand waren eher lustig, weil es die Möglichkeit, sich im Segelclub umzuziehen und zu duschen… 

Barbados war für mich ein toller Einstig in die Karibik, Menschen und Insel haben mich sehr angenehm überrascht. Ganz anders ist St. Lucia, dort habe ich eigentlich permanent ein schlechtes Gewissen, weil ich durch einen glücklichen Zufall in einem reichen und privilegierten Land geboren worden bin.

Ein Tischnachbar in der schicken Bar in Marigot Bay fragte mich, ob ich meinen Aufenthalt hier genießen würde. Ich habe dann ehrlich (und ungeschickt) geantwortet, dass es schwer ist, so etwas zu genießen, wenn wenige 100 m entfernt die Menschen in Armut leben. Er schlug mir dann vor, diese Menschen einfach zu ignorieren (und ignorierte dann anschließend mich)…

Jan hat von seiner Bekannten auf Barbados erfahren, dass die Kinder dort in der Schule lernen, nett zu Touristen zu sein… wenn ein Land Tourismus haben will und das die Haupteinnahmequelle ist sicherlich eine gute Idee… Es ist einfach netter, den Eindruck zu haben, ein willkommener Gast zu sein, als das Gefühl zu bekommen, nur Geldquelle und notwendiges Übel zu sein.

Vielleicht ist auf St. Lucia das Tourismus-Geschäft in der Hand von wenigen Betrieben und die Einnahmen kommen bei großen Teilen der Bevölkerung einfach nicht an?

Bisher also gemischte Gefühle aus der Karibik…

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