Sonntag, 28. Juni 2026

Tag 43 - Skagen: Geschichte und Technik

Heute ist kein Kreuzfahrtschiff in Skagen und wir wollen uns einige Museen anschauen. Unser erster Weg führt uns zum "Kystmuseet", dem Küstenmuseum. Wir sind heute fast die einzigen Besucher, aber die nette deutsche Dame am Empfang erzählt uns, dass gestern 450 Leute da waren. Es gibt eine Audioguide für den ersten Teil der Ausstellung, in der es um die Seenotrettung geht. Gerade hier an der Nordspitze gab es zahlreiche Strandungen und Schiffbrüche und die Retter fuhren in schwerem Wetter mit kleinen, offenen Ruderbooten hinaus, gerade eben auch bei schwerem Wetter oder im Winter - sehr beeindruckend! Es gab auch ein Gerät, mit der eine Leine zu den Schiffbrüchigen geschossen werden konnte, mit der dann ein Rettungskorb installiert wurden (Bild unten Mitte). An der Küste waren in regelmäßigen Abständen Telefone plaziert, damit die Retter über die Situation informiert werden konnten.
Wir besuchen das Haus des "reichen Fischers" (siehe im Titelbild links), der ein eigenes Boot hatte, dass dann von mehreren "armen Fischern" gerudert wurde.
Auch ein Haus eines "armen Fischers" wird gezeigt, sehr übersichtlich mit nur einem Raum und einer kleinen Küche.
Sehr interessant finden wir die Ausstellung zur Geschichte der Fischerei in Skagen, in der sehr gut gezeigt wird, wie die geografische Lage und die historische und technische Entwicklung die Fischerei und das Leben der Menschen beeinflusst hat. Lange gab es keinen Hafen, daher wurde in kleinen offenen Booten gefischt, die auf den Strand gezogen werden konnten. Vor dem Bau der Eisenbahn war Skagen nur schlecht zu erreichen, aber der Anschluss an das Bahnnetz und der Bau des Hafens (1907) änderte die Situation. Heute ist Skagen der größte Fischereihafen Dänemarks. Die Eisenbahn ermöglichte auch den Tourismus, der immer noch eine wichtige Rolle spielt. Im Bild unten ist zu sehen, dass Besucher auch vor 100 Jahren schon die Nordspitze Grenen besichtigten, so wie wir gestern.
Als zweites Museum haben wir uns das funkelnagelneue "Oplevelsescenter Maskinrummet", das Erlebniscenter Maschinenraum, ausgesucht. Hier hat sich der dänische Millionär Henning Kjeldsen selbst ein Denkmal gesetzt.
Kjeldsen hat eine Leidenschaft für Motoren und historische Fahrzeuge und ist begeisterter Sammler. Das Zentrum wurde erst gestern eröffnet und wir haben lange Schlangen anstehen sehen. Heute ist die Situation besser.
Wie sich herausstellt, ist es noch nicht ganz fertig und gerade im Bereich der großen Standmotoren noch eine Baustelle. Es fehlen Informationen und - zu Ralfs großem Bedauern - laufen die Motoren (noch) nicht.
Ich bin in der glücklichen Lage, meinen eigenen Maschinenbauingenieur mit großem Interesse für Glühkopfmotoren dabei zu haben und Ralf erklärt die Besonderheiten der Maschinen. Wenn hier alles läuft wird das sicher toll.
Das Gebäude ist architektonisch interesant und gut gemacht, aber unser Eindruck ist, dass die Sammel-Leidenschaft des Eigentümers etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Statt einer großen Menge von Exponaten wäre aus unsere Sicht weniger Stücke mit mehr Informationen wünschenswert gewesen. So gibt es jede Menge Oldtimer und Motorräder ohne nähere Erklärungen.
Etwas überraschend gibt es auch eine Sammlung von Hermès Koffern für die unterschiedlichsten Verwenungszweck (z.B. als transportables Spielkasiono oder für Expeditionen im Dschungel).
Und von den Koffern ist es dann nicht mehr weit zu einer Sammlung von Fashion-Handtaschen und Mode...
Die Krönung der exzessiven Sammlung ist dann im obersten Stockwerk, in dem es z.B. schränkeweise hunderte von Heizlampen zum Starten von Glühkopfmotoren gibt und eine wilde Kollektion von Bildern, Schildern, Bierflaschen etc.
Für uns ist das ein klassischer Fall von "Weniger wäre mehr gewesen" und statt immer weiter Sammlungen aufzukaufen hätte vielleicht etwas von dem Geld für die Kuratierung und die Museumspädagogik eingesetzt werden können. Es war ein interessantes Erlebnis und wird sicher auch noch besser, wenn es Touren und Vorführungen gibt. Schon jetzt steht ein historischer Fischkutter für eine Hafenrundfahrt bereit.
Insgeamt hat mir das kleine Küstenmuseum wesentlich besser gefallen und ich habe mehr über das Leben hier gelernt. Wir kaufen noch einiges ein und planen unseren nächsten Ziele, denn morgen wollen wir weitersegeln.
 

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