Donnerstag, 6. August 2026
Tag 63 - Læsø: Von Salz, Seegras und und starken Frauen
Heute wollen wir uns etwas mit der Geschichte Læsøs beschäftigen und so machen wir uns mit dem Bus und unseren Fahrrädern auf den Weg zu "Hedvigs Hus", einem für die Insel typischen Fachwerkhaus mit einem Seegrasdach (siehe auch Titelbild). Das Gebäude ist eine Außenstelle des Inselmuseum, wurde komplett restauriert und wird von Freiwilligen betreut. Es wurde 1994 vom Museum von einer Familie gekauft die das Haus seit dem 17. Jahrhundert bewohnt hatte. Eine Nachfahrin ist vor Ort, aber da sie nur wenig Englisch oder Deutsch und wir noch weniger Dänisch sprechen, ist die Verständigung mühsam... Wir bekommen aber leckeren, Kaffee, Tee und Kuchen.Mit unseren Fahrrädern ist es nur ein kurzer Weg bis nach Østerby, dem zweiten Hafen der Insel.Wir beobachten Kormorane, Enten und junge und ältere Möwen. Eine ein eine riesige Krabbe erbeutet (oder gestohlen?) und genießt ein Festmahl.Hier liegt die Fischereiflotte, die - wie wir später im Museum erfahren - vor allem Kaisergranat mit Schleppnetzen auf dem Meeresgrund fischt. Am Kai steht ein Brunnen mit einem stark überdimensionierten Model (die Tiere sind ca. 20 cm lang).Wir essen hier keinen Fisch oder Meeresfrüchte, sonder ein sehr gutes Sandwich bei einem Lokal, das wirklich internationale Küche anbietet: aus England, USA, Italien, der Türkei und Dänemark...Mit dem Bus geht es zurück nach Byrum, wo wir das Museumshaus besuchen. Es gibt eine frenellsche Linse aus einem Leuchtturm zu sehen, einen Silberschatz, der bei Bauarbeiten gefunden wurde und es gibt Informationen über die Fischerei. Leider sind die Ausstellung selbst und die Führungen nur auf dänisch, so dass wir etwas enttäuscht sind.Daher machen wir uns mit wenig Hoffnung auf den Weg zur letzten Station unserer Reise, ebenfalls einem Haus mit Seetangdach, dem Museumsgården.Hier werden wir dann sehr angenehm überrascht, denn die Dame an der Kasse erklärt uns einiges auf Deutsch, es gibt eine Broschüre mit Erklärungen und die Ausstellung ist teilweise auf Englisch. Das ist auch gut so, denn es gibt einen Antrag, UNESCO-Weltkulturerbe zu werden. Auch dieses Haus ist vollständig eingerichtet und gibt so einen Eindruck der Lebensweise. Eine Ausstellung informiert darüber, wie ein Seegrasdach gedeckt wird. Das Seegras wird am Strand gesammelt, zu Strängen zusammengedreht und an den unteren Dachbalken befestigt. Darüber wird mit losem Seegras aufgefüllt und alle wird festgestampft. Durch Salz und Jod ist das Material schlecht brennbar und vor Ungeziefern geschützt.Sehr interessant finde ich den Grund, warum überhaupt dieses Material verwendet wurde. Die Insel ist relativ jung und taucht erst vor ca. 5000 Jahren aus dem Meer auf. Im Mittelalter erhielt der Bischof von Viborg die Herrschaft über die Insel. Mönche erzeugten Salz aus dem stark salzhaltigen Grundwasser und bauten eine sehr erfolgreiche Salzindustrie auf. Dafür wurde viel Brennholz benötigt, aber es gab eine strenge Forstverwaltung.Dies änderte sich durch die dänische Reformation von 1537. Die Klöster wurden enteignet und teilweise geplündert. Die Regularien durch die Mönche auf der Insel fielen weg und jeder der wollte konnte Salz sieden und dafür Brennholz schlagen. Dies führte zur vollständigen Abholzung der Insel und die Salzsiederei wurde schließlich verboten.Der Naturhafen der Insel an der Ostseite versandete und ganze Dörfer verschwanden unter Sand. Es gab kaum noch Arbeit auf der Insel und die Männer fuhren zur See, während die Frauen auf den Insel blieben und die Felder bestellten. Da es auch kein Holz als Baumaterial gab, wurden Fachwerkhäuser aus Treibholz gebaut und die Dächer von den Frauen mit Seegras gedeckt. Die ungewöhnliche Bauweise ist also aus der Not entstanden. Ein Raum der Ausstellung widmet sich den typischen Trachten, die - je nach Reichtum der entsprechenden Dame - mit silbernen Ornamenten verziert war.Mittlerweile gibt es wieder nach einem Aufforstungsprogramm ab ca. 1920 wieder viele Bäume auf der Insel. Von den rund 300 Seegrasdach-Häusern sind nur noch etwa 30 übriggeblieben, die meisten davon in Privatbesitz. Ein Projekt hat die Eigentümer dabei unterstützt, die Dächer zu renovieren, damit diese ungewöhnliche und einmalige Technik erhalten bleibt.
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