Sonntag, 16. August 2026

Tag 73 - Aarhus: Zeitreise

Im Jahr 2017 war Aarhus Kulturhauptstadt Europas - kein Wunder, denn die Stadt hat wirklich viel zu bieten. Heute besuchen wir das "European museum of the year 2026", das den Namen "Den gamle by" trägt - die alte Stadt. Wir sind erst ein wenig überrascht, weil das Eingangsgebäude sehr modern ist: außen aus Stahl und Glas, innen mit hellem Holz.
Aber die Sache klärt sich bald auf. Das Freilichtmuseum besteht aus über 50 Gebäuden, die aus ganz Dänemark hierher gebracht und wieder aufgebaut wurden. Insgesamt vier Epochen werden gezeigt. Der Eingang gehört also zur Moderne 2014.
Bevor wir die Gebäude anschauen, besuchen wir jedoch erst eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt Aarhus. Dazu geht es mit dem Aufzug in den Keller und damit in eine andere Zeit. Wir sehen den Beginn der Stadt als Wikingersiedlung, nach der Christianisierung als Domstadt, die Industriealisierung und das Wachstum durch Hafen und Eisenbahn und schließlich die Besetzung der Stadt durch die Deuschen im 2. Weltkrieg.
Auch das moderne Aarhus als Zentrum von Handel, Produktion, Musik und Sport wird gezeigt. Die Stadt ist stark gewachsen und ist jetzt - nach Kopenhagen - die zweitgrößte Stadt Dänemarks.
Im Gebäude sind auch noch verschiedene Einzelausstellungen, darunter Schmuck, Porzelan und Uhren. Ralf kann nicht wiederstehen...
Wieder im Freien laufen wir durch die Straßen und finden einen netten Platz für unser mitgebrachtes Picknick.
Viele der Geschäfte und Wohnungen können betreten werden - so ist im modernen Teil ein 2008 geschlossener Jazzclub vollständig aufgebaut worden. Alles ist so, wie es am letzten Tag benutzt wurde, inklusive den Aschenbechern!
Es gibt auch zwei moderne Wohnung, einmal von einer 31-jährigen Single Frau und dann von einer fünfköpfigen Regenbogenfamilie mit zwei Müttern. Im Moment ist die vollständig eingerichtete Wohnung noch vertraut, aber später wird sie einmal ein interessantes Zeitzeugnis sein.
Für die 70er Jahre ist eine kompletete Einkaufsstraße aufgebaut. Viele Dinge, z.B. das Wählscheibentelefon und das orangene Tapetenmuster, wirken auf uns vertraut, weil wir uns an diese Zeit noch erinnern können.
Unser absoluter Favorit ist "Poul's Radio" mit alten Schallplatten (von denen wir viele kennen), Plattenspielern und Tonbandgeräten und einer Reparaturwerkstatt. In vielen Geschäften arbeiten Freiwillige und beantworten Fragen.
Dann geht es noch weiter in die Verganganheit und zwar in die 20er Jahre. Wir besuchen die Wohung einer Mittlklassefamile, schon mit fließendem Wasser in der Küche und Telefon.
Auch hier gibt es Geschäfte und wir schauen uns die Buchhandlung und den Haushaltswarenladen an.
Anfang des letzen Jahrhunderts gab es zunehmend mehr Automobile und wir besichtigen eine Werkstatt, in der nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder repariert werden können. Das Gebäude mit einem daran hängenden Fahrrad haben wir schon von der anderen Seite des kleinen Kanals gesehen (siehe Titelbild).
Der nächste Zeitsprung führt uns dann wirklich in die "alte Stadt" mit Fachwerkhäusern und repräsentativen Wohnungen, die im Barock- und Rokkokostil eingerichtet sind.
Auch hier dürfen Geschäfte nicht fehlen und wir schauen beim Schmied (der sehr beschäftigt ist) und beim Uhrmacher vorbei.
Wir haben auf unseren Reisen schon einige Museumsdörfer gesehen, die uns die Vorstellung von einer anderen Zeit vermitteln sollten. Hier ist es - besonders in den 20er und 70er Jahren und der Neuzeit ganz besonders gut gelungen, weil die Wohnungen und Geschäfte so vollständig eingerichtet sind (und teilweise noch genutzt werden). Wir haben gar nicht alles anschauen können. Als letzte Tag gehen wir noch ins Plakatmuseum (ebenfalls auf dem Gelände).
Neben den klassischen dänischen Plakaten zeigt eine Sonderausstellung 151 Werke zum Thema Tourismus, der eine der wichtigsten Branchen Dänemarks ist. Eine der Beschriftungen formuliert es so: "Tourismus ist eine kulturelle Begegnung mit dem Unbekannten, die Vergnügen und Lernen in sich vereint."
Wir haben in den letzten drei Tage viel Vergnügen in Aarhus gehabt und einiges gelernt. Die Stadt und ihre Angebote haben uns wirklich gut gefallen und wir hatten wirklich gutes Wetter für unseren Ausflüge. Auch wenn wir bei weitem nicht alles gesehen haben, wollen wir morgen weitersegeln.

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