Freitag, 24. Juli 2026

Tag 50 - Griesheim-Aalborg: Eine Übung in Geduld

Wir hatten eine sehr abwechslungsreiche und intensive Zeit in der Heimat mit der Masterfeier von Paul, dem Geburtstag von Hildegard, schönen Begegnungen mit Freunden und Spaß mit dem Enkel. Aber auch mit Buchhaltung, Nebenkostenabrechnung, Steuererklärungen und Besorgnis über den Gesundheitszustand eines Familienmitglieds. Nun sind wir froh, aus der komplexen Welt daheim mit ihren vielen unerschiedlichen Anforderungen wieder in die lineare und unmittelbare Welt auf dem Boot zurückzukehren. Heute morgen um 5:30 Uhr fährt uns die liebe Hildegard in den Sonnenaufgang zum Bahnhof. Geplant ist, um ca. 18:00 Uhr auf dem Boot zu sein.
Erster Stopp ist in Frankfurt, wo wir unsere reservierten Plätze im ICE Richtung Hamburg haben. Ich habe selten so unbequem gesessen, aber trotzdem gelingt es mir, etwas Schlaf nachzuholen.
Wir sollen in Hamburg-Harburg etwa 20 Minuten Zeit zum Umsteigen haben und kommen dort auch recht pünklich an. Meine DB-App informiert mich, dass unser Anschlusszug ausfällt und die Zugbindung aufgehoben ist. Erst mal kein Problem, denn eine Stunde später fährt der nächste Zug und so haben wir Gelegenheit, gemütlich im Bahnhofscafé zu Mittag zu essen. Wir unterhalten uns nett mit einer hochschwangeren Dame am Nebentisch (die Ralf in seiner charmanten Art direkt nach dem Geburtstermin gefragt hat). Wie sich herausstellt hat sie schon zwei Kinder, davon ein Schulkind mit LRS und wir tauschen uns über die Problematik aus. Offensichtlich hat sich in den letzten 25 Jahren wenig an der Kompetenz der Lehrkräfte geändert... 

Zurück auf dem Bahnsteig warten wir mit vielen anderen Menschen auf den angekündigten Anschlusszug, der um 12:35 Uhr abfahren soll aber nicht kommt. Beim Warten kommen wir mit einem Herrn ins Gespräch, der eine große rechteckige Tasche dabei hat. Wir erfahren, dass er darin sein Rennrad transportiert und eine Tour von Kopenhagen nach Göteborg machen will. Die Gespräche werden schnell sehr technisch, denn er ist a) Physiker und hat b) das Fahrrad selbst aus einzelnen Kompontenten zusammengestellt. Schade das Paul nicht dabei ist!

So vergeht die Zeit und wir warten und warten. Aus 60 Minuten Verspätung werden erst 80, dann 120 und schließlich 160 Minuten... Schließlich kommt dann ein tschechischer Zug in den Bahnhof gefahren und es geht tatsächlich los! Es gibt einen Speisewagen wo Ralf tatsächlich einen Cappuccino aus einer Porzellantasse bekommt.
Unser nächster Anschluss sollte in Kolding sein, aber der ist natürlich schon lange weg... Glücklicherweise bekommen wir dann aber noch - nach einiger Wartezeit - den letzten durchgehenden Zug nach Aalborg. Das Gute an der Warterei ist, dass wir uns dabei mit anderen Betroffenen austauschen. Hier ist es eine Simultandolmetscherin, Französin mit einer schottischen Mutter, die in Berlin lebt und Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch übersetzt, unter anderem auf Kongressen, für Bundesministerien und für das europäische Patentamt. - Wir haben uns schon daheim Brote geschmiert und das in weiser Vorraussicht in Hamburg-Harburg noch ergänzt, so dass wir jetzt ein gutes Abendessen haben.
Die dänischen Züge gefallen uns sehr gut: bequeme Sitze,  Tische und kleine Regale mit Kaffee, Tee und Wasser. Dazu bringt die Zugbegleiterin noch belegte Knäckebrote (siehe Titelbild). Wir kommen in Aalborg an und steigen erst einmal am falschen Bahnhof aus. Wir merken es rechtzeitig und klettern zurück in den Zug. Nun ist es nur noch eine kurze Fahrt im Bus. Mittlerweile habe ich auch die App für die Tickets zum Laufen gebracht.
Von der Endstation laufen wir dann noch zum Hafen, wo die Triton brav auf uns gewartet hat. An Bord ist alles in Ordnung und wir sind froh, dass wir die Reise nach 16,5 Stunden unterwegss geschafft haben.
 

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