Heute morgen ist es grau und windig. Das hält uns aber nicht
davon ab, im Cockpit zu frühstücken und dabei zuzuschauen, wie die „M5“,
ehemals MIRABELLA V, einen Ankerplatz sucht. Wir haben sie schon in Newport
gesehen und es handelt sich um das größte einmastige Segelschiff der Welt
(Länge 75 m, Masthöhe 88,5 m, Tiefgang 10 m/4m). Mit den Maßen hat sie
natürlich in vielen Häfen und unter fast allen Brücken Probleme…
Es ist Regen angesagt und so machen wir alle Luken zu und
ziehen Regensachen an, um an Land zu fahren. Da es aber angeblich erst am Nachmittag
regnen soll, lassen wir den Kram im Dinghy und besteigen nur im T-Shirt das
Verkehrsmittel der Wahl auf der Insel: den öffentlichen Bus.
August ist hier der beliebteste Monat für Touristen und entsprechend
viele sind mit allen Arten von Fahrzeugen unterwegs und wir stehen erst einmal mit
dem Bus im Stau… Unser erster Halt ist in Oak Bluffs. Der Ort ist traditionell sehr
beliebt bei afroamerikanischen Touristen, denn er war bis in die 60er Jahre des
letzten Jahrhunderts der einzige auf der Insel, der Zimmer an sie vermietete. Wir
waren die einzigen Weißen in dem sehr netten Mode- und Andenkengeschäft „C’est la
vie“.
Außerdem ist Oak Bluffs bekannt für seine zahlreichen „Gingerbread“-Häuser,
Neogotik mit Türmchen, Giebeln, Säulen und Verzierungen aus Holz, oft in bunten
Farben mit dazu passenden Blumengärten. Die Häuser gibt es in beeindruckenden
großen und teuren Versionen:
Wesentlich kleinere, aber nicht weniger verzierte Häuschen stehen
rund um die „Martha’s Vineyard Camp Meeting Association“, die hier seit 1835
große Erweckungsveranstaltungen unter freiem Himmel oder eben in Zelten
abgehalten hat. Heute gibt es das überdachte Tabernakel.
Die Häuser sind in Kreisen um das Tabernakel angeordnet und
sind nur 3,40 – 4,90 m breit. Die Höhe beträgt immer das Doppelte der Breite
und der Winkel des Daches ist genau 90 Grad. Obwohl die Bauart sehr ähnlich
ist, hat jedes Gebäude seinen ganz eigenen Stil.
Mittlerweile hat es angefangen zu regnen – wirklich blöde,
dass wir unsere Regensachen im Dinghy gelassen haben. Der Regen ist zunächst
zur leicht und wir entscheiden, mit dem Bus weiter nach Edgartown zu fahren.
Während wir an der Haltestelle warten, beginne ich „Singin‘ in the Rain“ zu
singen und um eine Laterne zu tanzen und werde von Roberta angesprochen, die
mir vorher schon durch ihren farbenfrohen Regen-Outfit aufgefallen war.
Bis der Bus dann kommt sind wir ziemlich nass und auch der
Weg nach Edgartown verläuft durch erneuten Verkehrsstau eher schleppend. Wir
kommen nass und hungrig an, finden dann aber ein sehr nettes Café ganz in der
Nähe der Haltestelle. Ich wäre mich mich mit „Clam Chowder“ wieder auf, einer
typisch neuenglischen Muschelsuppe. Lecker aber durch Sahne sehr gehaltvoll. Ralf
schaut nach draußen und spricht die berühmten Worte: „Da hinten wird es hell!“
Insider wissen, was jetzt passiert: sofortiger Wolkenbruch (siehe London 2013)!
Aber irgendwann lässt der Regen dann tatsächlich nach und
wir fahren – ohne viel von Edgartown gesehen zu haben – mit dem Bus wieder
zurück nach Vineyard’s Haven, wo unser Boot liegt. Auch dort hat es heftig geregnet
und eine Kreuzung ist völlig überschwemmt!
Mittlerweile ist hier aber der Regen und der Wind vorbei die
klassischen Boote im Hafen sehen wie gemalt aus. Morgen soll es laut
Wetterbericht 13 Stunden Sonne geben – wir sind gespannt!
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