Donnerstag, 23. Mai 2024

Tag 3 - Kilrush: Zeit- und andere Pläne

Wir verbringen eine sehr gute Nacht in unserer Unterkunft und melden uns morgens gleich als erstes in die Marina, um uns nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Wir haben verschiedene Arbeiten am Boot in Auftrag gegeben und wollen natürlich auch einen Krantermin verabreden. Wie sich herausstellt, ist das Boot komplett abgeklebt (siehe Titelbild), weil das Team noch auf die Farbe für den blauen Streifen wartet. Diese ist seit einer Woche unterwegs aus Holland, wurde aber irgendwo unterwegs aufgehalten. Das bedeutet für uns, dass wir erst einmal nicht am Boot arbeiten können. Wir haben allerdings auch Zeit, denn der Kran ist auseinandergenommen und das Team, was ihn wieder zusammenbauen soll wird erst am Dienstag erwartet... Auf der Werft werden wir von Stephen und seinem Team sehr herzlich begrüßt und bekommen erst einmal einen Tee angeboten. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er letztes Jahr auf einem der 1.000 Schiffe war, die wir bei der "La Semaine du Golfe Morbihan" bewundert haben. Die Welt ist klein!
Wir holen unseren Werkzeugkasten vom Boot und beschließen, uns erst einmal um unserem Mast zu kümmern. Er hat den Winter unter einem Teil-Dach verbracht und die Leinen schauen etwas grün aus - hier wächst alles sehr schnell!
Alle sind sehr hilfsbereit und wir holen den Mast nach draußen und bekommen einen Hochdruckreiniger geliehen. Damit wird der Mast so sauber wie seit Jahren nicht mehr.
Wir tauschen dann noch das Kabel zum Toplicht (ganz oben auf dem Mast) aus, was erstaunlich reibungslos funktioniert und Ralf montiert gleich auch noch eine neue Dreifarbenlaterne.
Währenddessen mache ich Pläne für das Wochenende. Wenn wir nicht arbeiten können, "müssen" wir unsere Zeit eben mit touristischen Aktivitäten füllen. In der Mittagspause haben wir uns schon um Unterkünfte gekümmert und den Mietwagen verlängert. Hier in der Gegend gibt es viele schöne Ziele und ich habe da ein paar Ideen...
Zum Abschluss des Tages gibt es noch für jeden eine Pizza - auch wieder gleich um die Ecke - und dann geht es zurück zu unserem Zimmer bei Zoe Accomodation B&B (links im Bild).

Mittwoch, 22. Mai 2024

Tag 2 - Portumna-Kilrush: Kontrastprogramm

Wir verzichten heute aufs Intervallfasten und starten mit einem "Full Irish Breakfast" in den Tag - also Eier, Würstchen, gegrillte Tomaten etc. 
Das kleine Städtchen Portumna (ca. 1700 Einwohner) liegt am Fluss Shannon, der hier in den Süßwassersee Lough Derg fließt. Da wir nur noch knapp zwei Stunden Fahrt vor uns haben, nutzen wir die Gelegenheit, einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Unser erster Weg führt zum "Irish Workhouse Center", wo im teilweise restaurierten Originalgebäude die Geschichte der 163 irischen Workhouses (wörtlich Arbeitshäuser) erzählt wird.
Das englische Armengesetz wurde 1838 auch in Irland eingeführt und ab 1840 wurden  Arbeitshäuser in ganz Irland errichtet, um Alte, Arme, Kranke und Waisen aufzunehmen, die nicht für sich selbst sorgen konnten. Sie waren mit Absicht möglichst abschreckend eingerichtet, um eine Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung zu verhindern und stattdessen auf die Eigeninitiative der Betroffenen zu setzen. Familien wurden strikt getrennt und es gab abgeschlossene Abteilungen für Männer, Frauen, Jungen, Mädchen und Kinder bis zwei Jahre. Kontakt untereinander war verboten und es musste schwere körperliche Arbeit verrichtet werden.
Während "The Great Famine", der großen Hungersnot (1845-1849) wurden weitere Häuser gebaut, aber diese reichten nicht aus, um alle Betroffenen aufzunehmen. Über eine Million Menschen starben, ca. zwei Millionen wanderten aus. Ausgelöst wurde das Problem durch die Kartoffelfäule, aber verstärkt durch die englische Politik, die sonst keine Maßnahmen gegen die Hungersnot ergriffen und sogar noch Lebensmittel aus Irland exportierten. Währen wir auf unsere Führung warten, haben wir Gelegenheit, und zwei Ausstellungen anzusehen, die sich künstlerisch mit dem Thema Hungersnot auseinandersetzen. David Rooney benutzt für seine Werke die "Scraperboard"-Technik, bei der die Zeichnung mit einem Skalpell aus einer schwarzen Oberfläche ausgeschabt wird. So entstehen sehr eindrucksvolle schwarz-weiß Bilder.
Im Nebenraum stehen Skulpturen aus Mooreiche von Kieran Tuohy, ebenfalls zum Thema Hunger, Tod und Auswanderung. Hier eine Gruppe von Mensche, die für Suppe anstehen.
Während der Führung besichtigen wir dann die verschiedenen Flügel für die Bewohner und bekommen einen Eindruck von den desolaten Verhältnissen, unter denen die Menschen leben mussten.
Als Kontrast dazu und weniger als zwei Kilometer entfernt besuchen wir anschließend "Portumna Castle and Gardens" (siehe auch Titelbild).
Das "Schloss" ist eher ein dreistöckiges Haus, das 1616 von einem englischen Grafen normannischer Abstammung im Renaissance-Stil erbaut. Es wurde nach einem Brand 1826 von den Besitzern aufgegeben und später vom Office of Public Works übernommen und teilweise restauriert. Im Erdgeschoss ist eine kleine Ausstellung.
Heute ist wieder sehr "irisches" Wetter mit einem häufigen Wechsel zwischen Wolken, Sonne und Regen, aber wir haben Glück, denn als wir noch einen Blick in den Küchengarten werfen wollen, der von Freiwilligen wieder bepflanzt wurden, kommt für kurze Zeit die Sonne heraus.
Hier gefällt es uns sehr gut mit der Vielzahl von verschiedenen Pflanzen, Beeten, Bänken und anderen Sitzplätzen. Auch die Insekten haben Spaß.
Das waren schon große Kontraste zwischen den Lebensumständen, die uns zum Nachdenken anregen. Erfüllt mit diesen Eindrücken fahren wir weiter Richtung Kilrush und machen unterwegs nur noch kurz beim Baumarkt in Ennis Station. Wenn Ralf mehrere Tage nicht im Baumarkt war, wird er nervös... Die Landschaft ist weiterhin sehr grün und etwas hügeliger als im Osten. Wir beziehen unsere Unterkunft Zentrum von Kilrush und essen noch eine Kleinigkeit beim Chinesen um die Ecke. Im Moment ist hier (noch?) nicht viel los.

Dienstag, 21. Mai 2024

Tag 1 - Griesheim-Portumna: Betreutes Warten

Endlich geht es wieder los Richtung Irland und Boot! Der Kran in unserem Winterlager Kilrush wird gerade gewartet (warum gerade am Beginn der Saison und nicht in den Wintermonaten erschließt sich uns nicht wirklich) und so sind wir dieses Jahr etwas später dran. Das ist uns gar nicht unrecht, denn wir hatten diesen Monat schon eine (oder eigentlich zwei) wunderbare Hochzeitsfeiern und zwei Geburtstage.

Für uns ist es günstig, von "Frankfurt"-Hahn nach Dublin zu fliegen und so beginnt unser Reisetag mit dem Auto: unsere Schwiegertochter fährt uns nach Mainz an den Bahnhof, wo wir dann auf den Bus nach Hahn warten dürfen. Wir haben die Wahl zwischen Ankunft 40 Minuten oder 3,5 Stunden vor Abflug und entscheiden uns für die entspannte Variante. Da bedeutet also in Hahn dann auch wieder Wartezeiten, die wir gut mit Gepäck einchecken, Frühstücken, Sicherheitskontrolle, Parfüm kaufen, Mittagessen und am Gate sitzen herumbekommen. Dann dürfen wir endlich zum Flugzeug laufen.

Morgen spielt Leverkusen in Dublin im Finale der Europa League gegen gegen Atalanta Bergamo und entsprechend waren viele Fans mit im Flieger.
Nach knapp zwei  Stunden Flug konnten wir dann die grüne Insel von oben bewundern (siehe Titelbild). Unsere Reise ging weiter quer durch den großen Flughafen zur Gepäckausgabe und dann zum Schalter unserer Mietwagen-Firma. Dann hieß es wieder warten, bis der Shuttle-Bus uns vom Flughafen zum Parkplatz für die Mietwagen bringen konnte. Nach etwas Berufsverkehr und der Herausforderung, mit einer spiegelverkehrten Schaltung und auf der linken Seite zu fahren, ging es dann schnell voran und - untermalt von irischer Musik - durch irisch-grüne Landschaft.
So landeten wir gut in unserem B&B in Portumna und stärkten uns im Ort mit einem üppigen Abendessen.
Warum ein Restaurant mit italienischer Küche in Irland "Bethlehem" heißt, konnten wir allerdings nicht herausfinden.

Samstag, 2. September 2023

Zusammenfassung Sommer 2023

Nach unserer Atlantikrunde 2017-2019 haben wir uns überlegt, dass wir unser Boot in mehreren Segelsommernn zurück in die Ostsee bringen wollen, wo wir die ersten 25 Jahre unseres Seglerlebens verbracht haben. Damit wir unterwegs noch etwas von Europa sehen, sind wir (nach der Corona-Saison 2020, die wir in der Nordsee verbracht haben) ab 2021 von Holland aus die französische Küste entlang in die Biskaya gesegelt. Nach einem Abstecher ins Baskenland 2022 sind wir dieses Jahr von Arzon in der Südbretagne aus gestartet und bis in die Shannon-Mündung im Westen Irlands gekommen.

Statistik

  • Seemeilen: 942
  • Motorstunden: 76
  • Tage gesamt: 97
  • Nächte an Land: 8
  • Segeltage: 41
  • Nächte auf See: 2
  • Liegetage: 48
  • Liegeplätze: 40

Bretagne: Le Crouesty, Île de Houat, Port Haliguen, Île aux Moines, Vannes, Île dArz, Bono, Le Crouesty, Sauzon, Locmiquélic, Doelan, Port Manec'h, Beg Meil, Loctudy, Le Guilvinec, Andierne (Ste. Evette) Île de Sein, Douarnenez, Camaret-sur-Mer, L'Aber Ildut, L'Aber Wrac'h, Roscoff, Morlaix

UK: Newlyn, Penzance

Irland: Kilmore Quay, Dunmore East, Crosshaven, Kinsale, Dunnycove Bay, Baltimore, Schull, Cape Clear (Süd), Cape Clear (Nord), Lawrence Cove (Bear Island) Cahersiveen, Knightstown, Dingle, Ventry Harbour, Carrigaholt, Kilrush 

Freitag, 1. September 2023

Tag 97 - Tralee-Griesheim: Heimflug

Wir beginnen den Tag mit einem ausgezeichneten Frühstück in unserem BnB. Die Sonne strahlt vom Himmel und im Wintergarten ist es so warm wie noch nie seitdem wir in Irland sind.
Das ganze Haus und der große Garten sind sehr gepflegt und liebevoll eingerichtet. Es gibt auch einen Aufenthaltsraum mit jeder Menge Reiseführer.
Nach dem Auschecken haben wir noch etwas Zeit und so schauen wir noch eine restaurierte Windmühle an, die ganz in der Nähe ist. Die Mühle läuft, aber es wird kein Mehl gemahlen, damit auch Personen mit Gluten-Unverträglichkeit die Mühle besuchen können. Es gab viele Mühlen in Irland (kein Wunder bei dem Wind), aber heute stehen fast immer nur noch die Gebäude ohne Flügel.
Dann ist es Zeit, zum Flughafen Kerry zu fahren. Er ist ungefähr so groß wie ein Supermarkt und auch die Flugbewegungen sind eher übersichtlich. Heute gibt es z.B. sieben Starts und sieben Landungen (alles Ryanair).
Es gibt insgesamt fünf Checkin-Schalter, von denen erst einmal keiner besetzt ist. Irgendwann geht es dann los und ich bekomme gleich den Eindruck, dass hier die Rechte nicht weiß, was die Linke tut. In allen meinen Bestätigungen steht, dass ich kostenlos am Flughafen einchecken kann, aber die junge Dame dort will, dass ich das elektronisch mache, sonst würde es extra kosten...
Wir bekommen dann aber die Bordkarten und dürfen erst einmal warten. Ryanair versucht, sehr kostensparend zu arbeiten, daher werden zum Boarden Treppen benutzt und wir müssen über das Rollfeld laufen. Glücklicherweise ist der Regenschauer schon vorbei, bis wir dran sind (siehe Titelbild). Endlich sitzen wir auf unseren Plätzen, aber der Flug startet nicht. Es stellt sich heraus, dass ein Passagier fehlt und wohl nicht klar ist, ob er vorher ein Gepäckstück abgegeben hat. Am Ende wird das Gepäck nochmals komplett ausgeladen und zugeordnet, so dass wir eine Stunde später starten. Wartezeit und Flug verlaufen sehr kurzweilig, weil wir neben einem interessanten Herrn sitzen und mit ihm ins Gespäche kommen. Wie sich nach und nach herausstellt, war er Journalist beim Spiegel und Leiter des Hauptstadtbüros in Bonn. Später war er auch für das Magazin in Brüssel tätig. Er hat seit vielen Jahren Grundstück an der irischen Südküste, besitzt ein Boot und ist leidenschaftlicher Angler und Jäger.
In "Frankfurt"-Hahn werden wir dann netterweise von Jörg abgeholt und er nimmt uns mit bis zum Bahnhof in Mainz - sehr gut, denn durch die Verspätung hätten wir den - sowieso schon knappen - Bus verpasst und hätten 2,5 Stunden auf den nächsten warten müssen.
Am Bahnhof in Darmstadt holt uns dann Ralfs Mutter ab und daheim haben die "Kinder" gekocht und uns zwei Portionen aufgehoben. Auch die Katzen kommen zur Begrüßung. Es war eine sehr gute Zeit an Bord, aber es ist auch wunderbar Familie, Freund und Katzen wiederzusehen!