Peinlich, peinlich… ich habe das Metropolitan Museum of Art
mit dem Museum of Modern Art verwechselt. Jedenfalls stehen wir heute Morgen im
falschen Museum, in dem unser City-Pass nicht gültig ist. Wenn wir nun schon
einmal hier im MoMA sind, können wir uns auch etwas umsehen und so nehmen wir
gleich an einer „Gallery Session“ teil, einem Gespräch, in dem wechselnde
Kunstwerke vorgestellt werden. Heute geht es um weibliche Künstler (oder
weibliche Künstlerinnen?). Ausgangsfrage ist, ob Kunstwerke von Frauen als
solche gekennzeichnet werden sollen. Das erste Werk ist „Articulated Lair“ von
Louise Bourgeois (1911-2010), eine begehbare Installation.
Dann schauen wir uns das aus sechs Bildern bestehende Werk „With
My Back to the World“ von Agnes Martin (1912-2004) an – abstrakt und
minimalistisch.
Das letzte Künstlerin ist dann Gego – Gertrud Goldschmidt
(1912-1994), die mit dreidimensionalen, mit Draht vernetzen Konstruktionen
arbeitet, bei denen auch der Schatten wichtig ist.
Wir unterhalten uns jeweils über die Werke, aber ich muss
sagen, dass ich dafür wohl nicht modern genug bin… Ich erwarte von einem Kunstwerk,
dass es bei mir eine Emotion auslöst – nicht unbedingt eine postive – und/oder
dass es mich zum Nachdenken bringt. Das war hier bei keinem der Fall.
Das Museum ist ziemlich unübersichtlich, so steht im
Museumsplan bei vielen Stockwerken nur „Ausstellungsräume“ und die Bilder sind
eher nach Stiftern als nach Künstlern geordnet. Ich finde eine Videoinstallation
von Adrian Piper (*1948) sehr beeindruckend: „What It's Like What It Is #3“.
Auch dies ist ein begehbares Kunstwerk und die Besucher bilden Farbklekse in fast
schmerzlich hell erleuchteten weißen Raum. Auf der quadratischen Säule in der
Mitte sind vier Bildschirme, die durch die Spiegel alle gleichzeitig zu sehen
sind. Dort spricht ein Mann Variationen es gleichen Satzes: „I am not lazy, I
am not…“
Ich gehe noch in den 5. Stock, wo ich eine Menge alte
Bekannte treffe und wiedererkenne: Bacon, Rothko, Picasso, Matisse, Chagall,
Rousseau, Mondrian… Star der Ausstellung, zumindest gemessen an der Aufmerksamkeit,
die er bekommt, ist sicherlich Vincent van Gogh und von ihm das Bild „Sternennacht“
(De sterrennacht). Es ist für mich immer interessant, die Originale im Museum
zu sehen, weil auf Fotos die Größe des Werks und z.B. die Struktur der Farbe
nicht zu sehen ist. Das Werk ist mit 73,7 × 92,1 cm für mich überraschend
klein. Untrennbar zu diesem Bild gehört für mich das Lied „Vincent“ von Don
McLean: klick
Nun ist es Zeit für etwas zu essen und auf Empfehlung von
unserem Freund Tim gehen wir zu „Ellen’s Stardust Diner“. Auf dem Weg dahin bin
ich ganz fasziniert von den vielen unterschiedlichen Menschen, die hier auf den
Straßen unterwegs sind: Fahrradfahrer, Geschäftsleute, Touristen, Wasserverkäufer,
Angestellte bei der Mittagspause…
Vor dem Stardust Diner steht eine kurze Schlange und wir
stellen uns dazu. Kurze Zeit später beginnt es zu regnen und wir drängen uns
unter dem Vordach zusammen. Keine Minute zu früh, denn nun öffnen sich die
Schleusen des Himmels und wahre Sturzbäche kommen herunter. Leonie verfolgt
todesmutig Pauls weggewehten Hut und wird pitsch-patsch nass…
Aber dann dürfen wir in den Diner, ganz im 50er Jahre Stil. Die
Attraktion hier sind die singenden Kellner (alles Aspiranten für den Broadway)
und tatsächlich hat auch unser Kellner seinen großen Auftritt. Die Damen und
Herren singen wirklich gut und die Stimmung ist prima. Auch das Essen ist aus
frischen Zutaten und richtig lecker. Wir haben eine gute Zeit.
Ralf hat besonders viel Freude an den zahlreichen „Miss
Subway“ Plaketen, ein Titel, der von 1941-1976 vergeben wurde und ein Bild mit
einer kurzen Beschreibung zeigte. Die betreffende Dame musste in New York leben,
auch tatsächlich U-Bahn fahren und Girl-next-door-Qualitäten haben.
Direkt um die Ecke ist der Timessquare mit seiner unglaublichen
Vielfalt von Werbeanlagen aller Art. Plakate, Videoboards, Leuchtschriften –
alles strahlt, blinkt, bewegt sich und versucht, die Aufmerksamkeit der Vorbeilaufenden
zu erregen…
Wir halten nur kurz an, denn wir wollen noch auf das berühmte
Empire State Building. Das Gebäude im Art-Deko-Stil wurde 1931 nach einer
Bauzeit von etwas mehr als einem Jahr eröffnet und war schon 1933 Star im ersten
King Kong Film. Wegen des Regens ist es heute Nachmittag nur spärlich besucht
und wir können schnell zur Ausstellung im 80. Stockwerk und dann zur
Aussichtsplattform (offen und ziemlich feucht) im 86. Stock. Auch grau in grau ist
der Blick über die Stadt sehr beeindruckend.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen